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ßuldaer W Zeitung

wochenbeiiage: „Illustrierte Sonntagrzeitung" Moilatsbetlage: „Zuldaer Geschichtsblätter".

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Rotationsdruck u. Verlag der 5»>daer Ac- ttendruckerei in Selbe.

Fernsprecher Nr. 9.

M 221.

Fulda, Mittwoch, den 27. September 1905.

Jahrgang.

Orftes Mkatt.

Mit jedem Tage

kann die Beziehung der .Fuldaer Zei­tung' .für das 4. Quartal begonnen werden. Der Preis beträgt ohne Be­stellgeld und Bringerlohn 1.50 Mark.

WM"Neu eintretendeBezieher erhalten (auswärtige gegen Einsendung der Post­quittung) die Zeitung unentgeltlich bis Ende September.

Jedes Postamt und sämtliche Land- brief träger, Zeitungsträger und die Exp. (Harmonie) nehmen Bestellungen an.

(*) Die Stichwahl in Essen und die Nationalliberalen.

„Die Leitung des nationalen Wahlvereins in Essen hat beschlossen, den Wählern, die für Dr. Niemeyer gestimmt haben, Wahlenthaltung zu empfehlen; wer aber an der Stichwahl teilneh­men will, möge für den Zentruniskandidaten stimmen." Mit dieser Nachricht bestätigt die Diens- tag-Abendnumnier der „Nationalzeitung" eine Meldung gleichen Inhalts der „Voss. Ztg.", die berechtigten Zweifel hervorrief. Dieser Zweifel rst jetzt beseitigt; es steht fest, daß die „natio­nale n" Wähler in Essen es als ihre „natio­nale" Aufgabe betrachten, den bisher vom Zen- trum vertretenen Wahlkreis der — So- zialdemokratieindieHändezuspie- I c n. Was es mit der „Wahlenthaltung" auf sich hat, hat bereits das Stichwahlergebnis von 1903 gelehrt, wo Tausende von „nationalen" Wählern dazu beigetragen haben, deni Sozialdemokraten einen Zuwachs von 10 000 Stimmen zu verschaf­fen. Wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, daß es am 28. September ähnlich gehen wird. Es ist eine politische Gaukelei sonder­gleichen, wenn die „Nat.-Ztg." schreibt, das Zentrum selbst habe iin ersten Wahlgange einen Vorsprung von fast 7000 Stimmen erzielt, es könne also mit seinen 35 000 Stimmen allein wieder zu seinem Mandat kommen, wenn die anderen Parteien wenigstens keine Stimmen für den Sozialdemokraten abgeben ließen; es dürfe daher wohl „mit einiger Sicherheit" angenommen werden, daß der Sozialdeniokrat unterliege.

Dieses „wenn" wird am 28. Septeniber in eigenartiger Beleuchtung erscheinen. Gewiß, der ,nationale Wahlverein" in Essen ist noch lange nicht identisch mit den nationalen Wählern dieses Wahlkreises, auch nicht mit der Essener national­liberalen Partei. Die K o n s e r v a t i v e n, die sich den, „nationalen Wahlverein" angefchlossen hatten, werden zweifellos im Gegensatz zu der Wahlparole des Wahlvereins für den Zentrumskandidaten ein­treten, auch ein Teil der Ratio nallibe- raten wird wohl geneigt fein, lieber der von der „Rat.-lib.-Corr. für Wests." ausgegebenen Parole zu folgen, als der des Wahlvereins, und, „soviel Ueberwindung es auch kosten möge", für Gies- berts stimmen, aber dasGrosderNatioual- l i b e r a len wird sich trotz der von der offtziel- lenParteikorrespondenz so scharf gekennzeichneten

Zwei verstoßene.

Von V. Nottret. Autorisierte Uebersetznng von I. Rüttgers.

(Nachdruck verboten.)

„Eine Zeitlang ging es in dieser Weise fort; da ich jedoch nicht länger warten wollte, und Ge­wißheit darüber zu erlangen wünschte, ob meine Hoffnungen Aussicht auf Erfüllung haben wür­den, so entschloß ich mich, bei Herrn Marville um die Hand feiner Tochter anzuhalten.

„Trotz der bescheidenen Stellung, in welcher Leonie sich befand, war ich des Erfolges meiner Werbung durchaus noch nicht gewiß, und wagte es sogar noch nicht recht, mit der ganzen Sache herauszurücken. Nach langem Hin- und Herüber­legen kam ich zu dem Entschlüsse, die ganze Auge- legenhett einem Dritten, Herrn Delbourg, auf wel- ich m dieser Hinsicht vollständig vertraute, m oie Hande zu legen und diesen zu bitten, sich und in meinem Namen bei

^errmp^Qmitnfe 'f ®er6un9 Zu machen.

tFin"f1 ,l°’n” meiner Bitte, und als ich toaS- e,r U0 ,J bon der ganzen Angelegen- heit halte, meinte er, daß nach seinem Dafürhalten der Erfolg kaum zweifelhaft sein könne

„Herr Delbourg war ein durchaus nüchterner keineswegs sentimental angelegter Mann. Er war der Meinung, daß es für seinen Kassierer eine große Ehre fei, wenn ein Mann von dem Vermö­gen irnd der Stellung, wie ich sie inne hatte, feine Tochter zur Ehe begehre.

„Wir verabredeten miteinander, daß er mir die Antwort, welche er erhalten würde, alsbald über­mitteln solle.

„Ich schied von ihm, durch seine Zusprüche etwas ermutigt, obwohl ich mich den Rest des Ta- fortwährend in einer gewissen Aufregung be- I no. EZ däuchte mir, daß die Entscheidung für

9f?P3eS Leben von den Worten abhängig sei, y,.ec die Lippen des jungen Mädchens koin- 11 i°uten. Mit einem einzigen Worte konnte

Schmeicheleien der Sozialdemokraten auf die Seite der „Umsturzpartei schlagen".

Es wäre ein Fehler des Zentrums, wenn es mitatwasanderem rechnenwollte. Eine Partes, die angesichts des sozialdemokratischen Parteitags in Jena und im Gegensätze zu ihrer leitenden Presse es fertig bringt, den Sieg der Sozialdemokratie in einem Wahlkreise wie Essen durch Wahleiithaltuiig indirekt zu fördern, wird im ent scheidenden Momente au chwei- t e r g e h en undpositiveMitarbeitzur Herbeiführung dieses Sieges liefern. Die Aus­lassungen der „Rhein.-Westf. Ztg." lassen keinen Zweifel daran. Auch die „Nat.-Ztg." macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube und aus dem Wunsche, das Zentrum möge eine „Lektion" er­halten, tein Hehl. Das Blatt, das nach dem ersten Wahlgange es als „nationale Ehrenpflicht" erklärt hatte, den Wahlkreis Essen nicht in die Hände der Sozialdemokratie fallen zu lassen, trägt heute in weitestgehender Weise der „Stimmung" der Na- tionalliberaleu im Essener Wahlkreise Rechnung. Es meint: „Wenn nicht am letzen Ende das Vater­land und der soziale Frieden den Schaden davon hätten, geschähe dem Zentrum nur fein Recht, wenn man jetzt das Essener Mandat seinem Kar­tellbruder bayerischen Angedenkens in die Hände spielte."

Alles das muß das Zentrum im Wahlkreise Essen veranlassen, mit einem Uebergauge von eini­gen Tausend uationalliberaler Wähler am Stich­wahltage in das sozialdemokratische Lager als mit einer Tatsache zu rechnen. Diese Erkenntnis wird ohne Zweifel gleichbedeutend sein mit dem Entschlüsse, i) en letzten Man n daranzusetzen, um den Sieg des Sozialdemokraten zu verhindern trotz der diesem von nationalliberaler Seite ge­währten Mithiikse.

Deutscher Reich.

Berlin, den 26. September 1905.

' Der große Gcneralstab beabsichtigt, dem­nächst militärisch besonders lehrreiche Abschnitte und Ereignisse ans dem rufsisch-japanischen Kriege in einer Reihe von Veröffentlichungen in den von der kriegsgeschichtlichen Abteilung I herausgegebenen „Einzelschritten" darzu- stellen, um di? aus ihm gewonnenen Erfahrungen weiteren Kreisen unseres Heeres so frühzeitig nutzbar zu machen, als es die Zuverlässigkeit der Quellen irgend erlaubt. In ähnlicher Weise ist bekanntlich auch der südafrikanische Krieg in den „Einzelfchristen" behandelt worden.

* Die „Deutsche Tageszeitung" bc/ zeichnet die Mitteilung einer Berliner Korrespon­denz, daß gelegentlich der Anwesenheit des F ü r- st e n Bülow über die Reichsfinanzreform und andere den Parlainenten vorzulegende Gesetzent­würfe beschlossen werden solle, als irrt ü m l i ck> oder mindestens inißverständlich. Es hätten nur Besprechungen sein können, da bindende Beschlüsse nach Lage der Dinge nicht hätten gefaßt werden können. Die Erwartung, daß der Reichstag gegen Ende Oktober wieder zilsammentritt, werde sich nicht erfüllen, denn es liege vollkommen außerhalb des Bereichs der Möglichkeit, daß der Bundesrat in wenigen Wochen die Reichsfinanzreform so er­ledigen werde, daß sie Ende Oktober dem Reichs­tag vorgelegt werden könne. Das Blatt wirst die Frage auf, ob es überhaupt zweckmäßig fei, den Versuch zu machen, die Reichsfinanzreform so zu erledigen, daß der nächste Reichsetat schon unter ihrem Einflüsse steht. Der Einwand, daß dem Reichstag bis zum 1. April genügend Zeit zur Er­

ledigung zur Verfügung stehe, auch wenn er erst Mitte November einberufen würde, hält das Blatt nicht für stichhaltig, da in diesem Falle die Be­ratungen der Finanzreform mit den Etatsberatun- gen kollidieren würden; die Entscheidungen über die einzelnen Punkte der Finanzreform seien üb­rigens so ungeheuer wichtig, daß die Verhandlun­gen im Plenum, trotz der Vorarbeiten der Kom­mission ziemlich langweilig werden dürften. Tie „Deutsche Tageszeitung" halt dafür, daß Reichs- regierung und Bundesrat alles daran setzen müß­ten, daß der Reichstag „m ö g l i ch st bald" an die Beratung der Reichsfinanzreform gehen kann.

* Die Zollcinnahmen haben im Monat August 39,8 Millionen Mark oder 5,2 Mill. Mark mehr als im gleichen Monat des Vor­jahres ausgemacht. In den ersten 5 Monaten des laufenden Finanzjahres hat die Zolleinnahme insgesamt 196 Millionen oder im Durchschnitt des Monats 39,2 Mill. Mk. ergeben.

* Erhöhung der Stempelsteuern? Der ,Nationall. Korrespck zufolge hat ein Teil der Arbeiten, die im Reichsschatzamt ausgeführt wurden, um Vorschläge für Erhöhung der eigenen Einnahmen des Reiches zu machen, der Frage gegolten, ob es empfehlenswert fei, das Gebiet Stempelgesetzgebung mit heranzuziehen. In wel­chem Sinne die schließliche Entscheidung in dem Vorbereitungszustand gefallen ist oder noch fällt, wird sich zeigen, wenn in der übernächsten Woche der Bundesrat seine Sommertagung beendigt hat und seine Arbeiten wieder aufnimmt.

* Die Einigung in der Marokko-Ange­legenheit ist in den gestrigen Verhandlimgen des Reichskanzlers Fürsten Bülow mit dem französi­schen Botschafter Bihourd auf gründ beiderseitigen Entgegenkommens in befriedigender Weise erreicht worden. Die Unterzeichnung des Ver­trages, der in allerkürzester Frist veröffentlicht werden dürfte, steht unmittelbar bevor.

.-. Aus Deutsch-Südwestafriko. Nach einer Meldung des Reuter'scheu Bureaus ans Kap­stadt teilte der Generalleutnant v. Trotha dem dort befindlichen deutschen Konsulate tele­graphisch mit, daß das in Kapstadt verbreitete Gerücht von einem der Schutztruppe zuge- stoßenen Unglückssall falsch sei. Es sei dadurch Entstanden, ' daß einige ViehdiWähle, bei denen man das geraubte Vieh meistens den Dieben wieder abgenommen habe, in der Nähe von Keetmanshoop vorgekommen seien. Mit dieser Meldung ist die von vornherein unglaub­würdige Kapstadter Nachricht vom 20. d. Mts., die von einem großen Erfolge Hendrik Wit- bois wußte, endgiltig abgetan. Von deutscher amtlicher Seite wird zu der gleichen Angelegen­heit noch nütgeteilr, daß die vom Bureau Reuter airs Kapstadt, den 20. r>. M. gebrachte Meldung von einem Ne »erfüll auf einen deutschen Trans­port unweit Keetmanshoop frei erfunden ist. — Ein Telegramm ans Wind buk meldet: Reiter Otto Bauer, geb. am 8 August 1883 in Eis­leben, früher Füsilier-Regiment Nr. 36, ist am 20. September' in ilruraS durch Unvorsichtigkeit eines Seraean'en verwundet worden; er er­hielt einen Sck uß durch den Nacken unb durch den Mund.

* Vom 25. vis 26. September mittags und in Preußen feine choleraverdächtige Er- kr ankung en oder Todesfälle an Cholera neu- angemeldet. Von den früher gemeldeten cholera- verdächti'en Erfrorhtnqeu hat sich 1 nicht als

sie meine Zukunft in rosigstem Lichte erscheinen lassen, oder aber mich wieder in jene Finsternis sinken lassen, welche für mich in etwas sich er­leuchtet batte, seitdem ich sie fennen gelernt. . . . Wer in ähnlicher Lage sich befunden, kann mein ängstliches, erwartungsvolles Harren begreifen.

„Einen Teil des folgenden Tages brachte ich in der nämlichen bangen Erwartung zu, und erst spät kam Herr Delbourg zu mir.

„Als ich feiner ansichtig wurde, war ich auf'S Heftigste erregt; seine Gesichtszüge waren ver­stört, er selbst befand sich offenbar in der größten Verlegenheit, ich aber für meinen Teil sah in einem Nu, daß er mir keine günstige Antwort zu überbringen hatte.

„Nun", stieß ich mit Mühe hervor, „Ihre Mis­sion ist, wie es scheint, gescheitert, nicht wahr?"

„Sprechen Sie nur nicht davon," antwortete er, „denn ich bin gegen diese Leute ganz aufge­bracht. Solche ehrenvolle Vorschläge und Aner­bietungen zurückweisen, die dazu für sie noch sehr vorteilhaft sind, das nenne ich wirklich den größten Unsinn."

„Nun gut denn", erwiderte ich, „lassen wir alles fein, ich werde wohl bald diese kleine törichte Person vergessen haben."

„Sie tun damit sehr recht", meinte Herr Del­bourg, „aber Sie müssen nicht etwa annehmen, ich habe mich meines Auftrages in ungeschickter Weise entledigt. Ich habe Herrn Marville weit­läufig die Vorteile klar gelegt, welche sich für ihn aus einer Verbindung seiner Tochter mit Ihnen ergeben würden; ich habe ihm wiederholt die Ver­sicherung ausgedrückt, daß Ihr ganzes Sinnen und Trachten darauf ausgehen werde, feine Toch­ter glücklich zu machen; er aber gab mir zur Ant­wort, daß für Leonie bereits feit einiger Zeit eine anderweitige Verheiratung in Aussicht ge­nommen fei. Dem gegenüber machte ich geltend, daß es noch Zeit sei, sich eines anderen zu besinnen und andere Maßregeln zu treffen. Er bat mich hierauf um Bedenkzeit, um mit seiner Tochter sprechen zu können; eine Stunde später kam er mit der Antwort zurück, daß seine Tochter sich voll­

ständig weigere, ein bereits bestehendes Verhält­nis abzubrecheu, welches sie mit einem jungen Mann angeknüpft habe, der ganz ihre Zuneigung besitze."

„Es möge so sein, wie sie es wünscht", versetzte ich lebhaft; „es bleibt mir nur mehr noch übrig. Ihnen, geehrter Freund, für die Freundlichkeit zu danken, mit welcher Sie meiner Bitte' ent­sprochen haben."

„Herr Delbourg schien zu glauben, ich sei wirk­lich innerlich so ruhig, als ich äußerlich erschien, und die ablehnende Antwort, welche ich erhalten, verursachte mir nur einen vorübergehenden Kummer.

„Es ivar mir sehr erwünscht, daß Herr Del­bourg sich halb daraus entfernte, denn ich mußte allein fein, um den stürmischen Gedanken, welche in meinem Hirn wild auf- und abwogten, freien Lauf zu lassen.

„Ich hatte also diesem jungen Mädchen eine außerordentlich angenehme Existenz, einen großen Reichtum angeboten, und alles dies verschmähte sie, um in ihren bescheidenen Verhältnissen zu bleiben!

„Sie muß mir", dachte ich, „wohl sehr abge­neigt sein. Bei diesem Gedanken verwandelt« meine Siebe sich in Haß. Nicht allein, daß sie mich überhaupt abwies, nein, ich besaß einen Nebenbuhler, dem sie ihre Liebe schenkte; das reichte hin, um in mir die Eifersucht bis zu hellen Flammen anzufachen. In welcher Geistesver­fassung ich mich damals befand, ich wüßte es selbst wirklich nicht, mehr zu sagen; ich hätte, glaube ich, das ganze'Menschengeschlecht vernichten wollen.

„Unter solchen Verhältnissen konnte ich begreif­licherweise meinen Aufenthalt in Verfeuil nicht länger ausdehnen. Bereits am folgenden Tage reifte ich nach Orleans, woselbst ich einige Zeit verweilte. Auch hier fand ich freilich die Ruhe und den Frieden nicht, tvelchen ich fo sehnlichst wünschte. Die neue Enttäuschung, Urelche ich er­fahren, hatte mich noch düsterer und bitterer ge­macht, als je zuvor. Selbstredend offenbarte ich niemanden, aus welchem Grunde ich im Geheimen

Cholera heransgestellt. Die Gesamtzahl der Cholerafälle hat sich also seit dem 25. September nichts geänderr und beträgt soweit 246, davon 85 mit tötlichen Ausgang.

[] Die deutsche Änti-Tuell-Liga, welche in letzter Zeit bedeutend anMitgliederzaht zugenommer', hat, wird ihre diesjährige Generalversammlung in Köln abhalten gegen Ende Oktober. Der ge­naue Zeitpunkt wird noch bekannt gegeben werden.

* Ans Hessen, 26. Sept. 1905. Konfessio­nelle Hetze ii m jeden Preis muß der Evangelische Bund nun einmal treiben. Einen Beweis dafür liefert die „Wartburg" (Nr. 36): „In Viernheim in Hessen fand am 13. August in Gegenwart des Großherzogs die Enthüllung eines Kriegerdenkmals statt, das hoffentlich zum traurigen Ruhm der Viernheimer Ultra montanen eigenartig bleiben wird; der Hauptschmuck des Denkniaks ist ein Bild der o 11 e S m u 11 e r" Maria! Marianische Kriegervereine werden viel­leicht den marianischeu Schülerkongregationen fol­gen. — Armes Deutschland!" Viernheim zählt neben 7500 Katholiken nur 300 Protestanten. Die Viernheimer Krieger hatten schon sogleich nach dein Feldzuge ein Muttergottesbild als Denkmal auf­gestellt. Da dieses den Verhältnissen nicht mehr entsprach, sollte es erneuert werden. Da war es nun — der protestantische Großherzog von Hessen, welcher den ursprünglichen Plan eines kirchlichen Denkmals wieder zu Ehren brachte, in­dem er den Entwurf des Darmstädter Künstlers Schneid mit eigener Hand dahin verbesserte. Die „Wartburg" schreibt erbost: Daß ein deutscher Bundesfürst evangelischer Konfession initgeholsen habe, die konfessionelle Trennung in die Armee zu tragen, erscheint uns kaum glaubhaft, und un­begreiflich ist es, daß er der Enthüllung eines solchen Denkmals persönlich beiwohnte. — Wie wenig man im Viernheimer Kriegerverein kon­fessionelle Hetze und Trennung keimt, beweist, schreibt die „Köln. Volksztg.", der llinstand, daß ein protestantischer Oberförster zum Vorstand ge­hört; der Oberförster hat übrigens zusammen mit dem katholischen Pfarrer den Großherzog zur Ein­weihung eingeladen. Konfessionelle Hetze in diese ganze Angelegenheit hineingetragen zu haben, blieb der „Wartburg" und ihrem mit E. unterzeich­neten Hintermanne Vorbehalten. Letzterer ist ja in seinem Wohnorte als Mitbegründer eines Evanaelistheu Bundes bekannt. Seine Tätigkeit ist Vielen, insbesondere beit Katholiken, schon längst zum „Ekel". Wir können Herrn E. nur raten, auch in seinem Wirkungskreise in gleicher Weise für den konfessionellen Frieden zu sorgen, wie es in Viernheim der Fall ist.

Ausland.

* Das österreichische Abgeordnetenhaus ist heute «Dienstag) zusamrnenge'.reten. Ter Saal imb die Gallerie waren stark besucht. Als der Präsident dem Ministerpräsidenten das Wort erteilte, ertönte anhaltender Lärm bei den Sozial­demokraten unter dem wiederholten Rufe: Abzug Gautsch!

* Zn den Greuelkaten in den fran­zösischen Kolonien, von denen in letzter Zeit viel in der Presse die Rede war, wird aus Paris gemeldet, der in dem Bericht de Brazzas in heftiger Weise angegriffene Generalkommisfar von Französisch Kongo, G en lil, welcher leidend ist, läßt durch seinen Privatsekretär in Blättern erklären, daß die gegen ihn gerichteten An­schuldigungen durchaus unbegründet seien; de Brarra habe , ohne jede Kontrolle Beschwerden fo sehr litt; übrigens Ivar dies schon deshalb nicht nötig, weil jedermann gewohnt war, mich in einet düsteren und traurigen Stimmung zu sehen.

„Mehr als je fühlte ich das Bedürfnis nach Be­täubung und Zerstreuung; ich entschloß mich da­her, abermals auf Reisen zu gehen und entschied mich diesesmal für Italien.

„Nachdem ich Rom und Neapel besucht, ging ich nach Nizza, der Stadt mit dem klaren, schönen Himmel und dem ewigen Frühling. Ich hatte die Absicht, hier den Winter zuzubringen; aber mein Aufenthalt war tatsächlich nur von kurzer Dauer.

„Ich befand mich kaum zwei Monate dort, als ich die Nachricht erhielt, daß in meiner Faunlie sich ein großes Unglück ereignet habe. Mein Schwager war ein leidenschaftlicher Jagdliebhaber Als er fo wiederum eines Tages auf die JagL gegangen war, hatte ihn ein ungeschickter Jäger durch ein Versehen getroffen. Blutend und toit leblos hatte man ihn auf einer Tragbahre nach Hause geschafft.

„Meine Schwester war bei diesem Anblicke in eine heftige Ohnmacht gefallen; ein hitziges Fie­ber war die Folge des Vorfalles, das sie in wenigen Tagen dahinraffte. Ihr Gatte erlag seinen schwe­ren Wunden gleichfalls nach einigen Tagen, so daß binnen einer kurzen Spanne Zeit ihre Kinder unversehens Waisen geworden waren.

„Sobald ich die Trauerbotschaft erhalten hatte, eilte ich alsbald nach Frankreich. Mein Schwager besaß nur einige entfernte Verwandte; ich mußte also wohl oder übel einstweilen die Sorge für meine Nichten und meinen Neffen übernehmen.

„Nachdem ich die obliegenden

Vorschriften erfüllt, d«achte ich nur baräft, wie ich mich dieser Last entledigen könnte, die durchaus nicht nach meinem Geschmacke war, und zu welcher ich mich keineswegs eignete. Ich nahm also für die Kinder eine Gouvernante an und brachte alle in meinem Landhaufe in Verfeuil unter, da ich selbst entschloffen war, dieses Haus schon aus dem Grunde nicht mehr zu beziehen, um nicht mehr mit Leonie irgendwo Zufammenqutreffen.