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B. die Münch. 3t. Nachr/ (9lr. 416 vom 7. Sept.):

Der Bischof von Mostar läßt die Messe nach einem 'Ülus lesen, der vom römisch-katholischen etwas ab­weicht. Die Sache war aber niemals zur Sprache ge­kommen ; da erhielt der Bischof plötzlich vom Kardinal- staatLsekretär Merry del Val ein Schreiben, worin er in vorwurfsvollem Tone ermahnt wurde, jene Ab­weichungen abzuflellen. Daraus antwortete der Bischof: ..Ihre kindische Zurechtweisung übergebe ich dem Papier­korb. Seit 20 Jahren bin ich Bischof und weiß, was für mein Volk paßt. Ihre VorgäirIer, die doch weise Männer waren, sanden an meiner Handlungsweise niemals etwas auszusetzen." Merry del Val soll empört gewesen se.n, als er diesen Brief erhielt. Man sieht einem ernsten Konflikte entgegen.

Dazu teilt der Erzbischof von Sarajewo Bosnien), Dr. Jos. Stadler, der Zen. rrl-Aus­kunftstelle folgendes mit: „Die Nouz vom „rebellischen Blscl-of" beruht auf Unwahrheit und Entstellung. Es ist bekannt, daß unter den Kroaten aller Zeit das hl. Meßopfer mit päpstlicher Genehmigung vielfach nach römischem Ritus, jedoch in slavischer Sprache dargebracht wurde und daß solches an vielen Orten Istriens, des kroatischer. Küstenlandes und Dalmatiens auch jetzt noch rechtmäßig geschieht; nicht minder ist bekannt, daß sich schön seit langer Zeit eine Strömung geltend zu machen sucht, die für den liiurgischen Gebrauch des Slavischen in der hl. Messe die einstmaltge Ausoehnung und Ver­breitung anstrebt, und daß zur Ebnung dieser Angelegenheit die Bischöfe der Kirchenprooin^en Agram, Görz und Zara vor kurzem nach Rom geladen waren. Anläßlich dieser Verhandlungen kam es dann zu einem schriftlichen Meinungs­austausch zwischen Kardinal Merry del Val und dem Bischof von Mostar, der nunmehr eine so böswillige Deutung gefunden hat. Der Bischof von Mostar hat sich bewogen gefühlt, periönlid; dagegen auszutreten." Wie die Zentral-Aus- kunftsstelle weiter erfährt, entstammt die Lüge ursprünglich einem sozialdemokratischen Blatt in Ragusa, dem .Prava Orvena Hrvatska* (deutsch: »Das echte rote Kroatien'). Diesem Blatte sandte Bischof Paschalis Bticonjic eine Berichtigung, in der er obige Notiz für total unwahr und erfunden erklärt.

* An Cholera erkrankten in Preußen vom 22. bis 23. September mittags 8 Personen, 3 Personen starben. Die 3teuerkrankungen ent­fallen auf die Streife Graudenz 2, Berlin 1, Züllichen-Schwiebus 2, Wirsitz 1, Bromberg 1 und Schubin 1. Zwei als Cholera gemeldete Todesfälle haben sich nicht als Cholera heraus­gestellt. Die Gesamtzahl der Erkrankungen be­trägt 240, die der Todesfälle 82. Die Strorn- überwachungsstellen bei Berlin an der Char­lottenburger Schleuse und an der Einmündung des Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanals in die Havel bei Saatwinkel sowie der Ueberwachungs- dienst auf der Spree wurde am Freitag von Ministeralkommissaren einer eingehenden Prüfung an Ort und Stelle unterzogen.

Ausland.

■* Unter den russischen Stndenten herrscht noch immer große Erregung. Von den 6000 Studenten der Universität Moskau hielten am Freitag 1814 eine Versammlung ab, in der v i e r P r o g r a m m e aufgestellt wurden. Ein von 231 Studenten unterzeichnetes Programm erklärt: Die Unterzeichner geben den passiven politischen Kampf, den Streik, auf und betreten wiederum die Universitätsräume, aber aus­schließlich zum Zweck revolutionärer Agitation und Propaganda unter den breiten Schichten der Bevölkerung. Die Universität, so heißt es in dem Programm, verwandelt sich jetzt in eine re­volutionäre Tribüne. Ein zweites Programm mit 1202 Unterschriften erklärt die Absicht, die Moskauer Universität zu einem Revolutionsherd zu machen und ihre Auditorien in eine politische Schule zu verwandeln. Dies solle aber nicht aus­schließen, daß denjenigen, die unter den gegebe­nen Verhältnissen ihren Studien obliegen kön­nen, die Möglichkeit dazu erhalten bleibe. Ein drittes Programm mit 102 Unterschriften hält an der Obstruktion als der für die Studenten einzig möglichen Form des politischen Kampfes fest und erachtet die Fortsetzung der Obstruktion für notwendig. Das vierte Programm mit nur 79 Unterschriften spricht sich für die, Eröffnung der Vorlesungen aus und erklärt, eine parallel gehende politische Erziehung beeinträchtige die Studien nicht. Von den an der Versammlung teilnehmenden Studenten stintmten im ganzen 1736 ab.

* Neber die Lage int Kaukasus wird aus Baku gemeldet: Drei Tage sind vergangen, ohne daß Gewalttätigkeiten verübt wurden, aber die Lage ist noch immer gefpannt; die Straßen werden wieder belebt und die meisten Läden ge­öffnet. Truppenabteilungen treffen ein. Der Statthalter hat das Ersuchender Jlldustriellen, eine Bürgerwehr zu bilden, abgelehnt und eine Unter­suchung über die Beschießung des Hospitals an- Zerstreuungeit der Welt gesucht und gefunden hatte, so wollte sie auch jetzt noch immer an allen glänzenden Gesellschaften teilnehmen; aber sie war nur mehr ein Schatten, fast ein Gespenst, und ihr Schmuck hob die ungünstige Veränderung ihrer Gesichtszüge nur noch mehr hervor. Ihr Verhalten mir gegenüber hatte kaum eine Ver­änderung erfahren.

„Regina, meine Schwester, schien sich außer­ordentlich glücklich zu fühlen; ihr Gemahl hing ihr zärtlich an und sie hinwiederum hatte nur rin Auge für ihn. Sie war Mutter dreier Kin­der geworden, eines kleinen Knaben von etwa ein oder zwei Jahren und zweier hübscher kleiner Zwillingsschwestern, die damals etwa fünf Jahre all sein mochten und dem Anscheine nach dereinst so schön wie ihre Mutter zu werden versprachen. Beiden Gatten schien demnach das Glück in un­getrübtem Glanze zu lächeln.

„Inzwischen verschlimmerte sich die Krankheit meiner Mutter zusehends, und vergeblich zog sie die tüchtigsten Aerzte zu Rate; einige Wochen nach meiner Rückkehr hatte der Tod ihren Leiden .ein Ende gemacht. ... t,

(Fortsetzung folgt!

geordnet. Die Industriellen erklären eine Ver­tretung der Arbeiter auf dem Kongreß in Peters­burg für dringend nouvendig."

* Aus Tunis wird Paufer Blättern gemel­det, die italienische Regierung habe neuer­dings eine Anzahl Grundstücke bei Sfax ange­kauft, um darauf neue Schulen zu erbauen. Sei­tens der französischen Ansiedler in Tunis werde gegen die beständige Zunahme der italieni­schen Schulen Einspruch erhoben.

* In Japan hält die Bewegung gegen den Friedeusschluß nicht nur an, sondern sie scheint in der letzten Zeit an Stärke zugenommen zu haben, wiewohl die oppositionellen Elemente sich sagen mußten, daß ihre Aktion zu absoluter Un­fruchtbarkeit verurteilt sein muß und sie das Ge­schehene nicht mehr ungeschehen machen können. Nach einer Reutcrmeldung beträgt die Zahl der direkt an den Thron gerichteten Denkschrift t e n von verschiedenen Persönlichkeiten und Kör­perschaften in denen der Friedensvertrag ver­urteilt und der Kaiser dringend gebeten wird, die Ratifizierung zu verweigern, jetzt über 40; am bemerkenswertesten ist die Adresse, die von sechs Professoren der kaiserlichen Universität un­terzeichnet ist.

Monsignore Graf vay de vaya und Lusksd.

Msgr. Graf Vay de Vaya, apostolischer Prolonotar, über dessen Reisen und Mis­sionierung seiner über die ganze Erde verstreuten österreichisch-ungarischen Landsleute die ameri­kanischen und englischen Zeitungen Aufsehen er­regende Artikel gebracht haben, wird in der am 2. Oktober in Dortmund stattfinden­den F e st v e r s a m m l u n g des St. R a- p h a e l p c r e i_n § einen Vortrag über seine Reisen und die Seelsorge auf den Äuswandcrer- fchiffen halten. Es wird für die Besucher der C h a r i t a s - V e r s a m m l u n g ohne Zwei­fel von Interesse fein, einige nähere Mitteilun­gen über den Lebensgang des Grafen zu er­halten.

Graf Vay de Vaya entstammt einem der ältesten und erlauchtesten ungarischen Adelsgeschlechter. Als Knabe kam Graf Vay de Vaya an den Hof der verstorbenen Kai­serin von Oesterreich und machte seine Studien an verschiedenen europäischen Universitäten. Nach Vollendung seiner Studien stand er an der Schwelle einer glänzenden diplomatischen Lauf­bahn. Aber der ideale Sinn des jungen Grafen führte seine Ziele in anderer Richtung; er faßte den Entschluß, Priester zu werden und trat in Nom in das bekannte Gregorianische Kolleg ein, verkehrte aber auch häufig im Collegium. Ger- manicum. Er trat in den Dienst des Vatikan und wurde bereits 1897 als päpstlicher Legat an den spanischen Hof gesandt und nachher dadurch ausgezeichnet, daß er als einer der päpstlichen Gesandten Leos XIII. bei Gelegenheit des gol­denen Regierungsjubiläums der Königin Vik­toria nach England ging.

Von dem Wunsche beseelt, der hl. kathol. Kirche in seinem eigenen Vaterlande zu nützen, bereisteerdieverschicdenenWelt- teile, um die besten Unterrichtssysteme und die verschiedenen charitativen Einrichtungen der kath. Kirche kennen zu lernen. Vortrefflich kamen ihm hierbei seine Geistesgaben zu statten. Eine besondere Fähigkeit ist ihm eigen: die so­zialen Zustände der von ihm bereisten Länder zu durchschauen, die hervorstechenden Eigentümlich­keiten der Völker zu erkennen und ein klares Ur­teil über sie zu gewinnen. Infolge seiner hohen Stellung hatte er in allen Ländern, die er be­suchte, Zutritt zu den Palästen der gekrönten Häupter und verkehrte mit den höchsten weltli­chen und geistlichen Würdenträgern; doch scheute er sich auch nicht, in die niedrigsten Hütten ein­zukehren, um die Pflichten als kathol. Missionar zu erfüllen.

In London, New-Jork, Monreal und Syd­ney hielt er zahlreiche öffentliche Versammlungen über die moralischen und religiösen Zustände Asiens. In dem in London erscheinenden „Pear- son's Magazins" hat er verschiedene Aufsätze über seine Reisen veröffentlicht und in der „Deutschen Rundschau" (Berlin, Augustheft) findet sich seine Arbeit: „Japan und China an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts" ab­gedruckt. In Korea fand er die Bevölkerung be­sonders geneigt, das Christentum anzunehmen und es war seine Absicht, ein Waisenhaus da­selbst zu gründen, um die ausgesetzten Kinder zu guten Christen und nützlichen Bürgern zu er­ziehen. Msgr. de Vaya hat zu diesem Zwecke be­reits beträchtliche Summen auch in nicht katholi- fchen Kreisen in England und Nordamerika ge­sammelt, wurde aber an der Ausfiihrung seines Planes durch den Ausbruch des Krieges zwischen Rußland und Japan gehindert. ,

In diesem Jahre hat er die Verhältnisse einer nach der neuen Welt ausgewander- en und auswandernden Lands- e u i e studiert und dabei die Ursachen gefunden, durch welche der schlichte ungarische Bauer jen­seits des Ozeans so häufig feinen Glauben und die guten Sitten verliert. Bekanntlich hat die ungarische Negierung mit der Liverpoler Dampft schifsahrtgesellschaft, Cunard Leve, einen Vertrag abgeschlossen, wodurch sie sich verpflichtet, dersel­ben jährlich 80 000 Auswanderer zuzuweisen, falls die Gesellschaft die benötigten Dampfer in dem ungarischen Hafen Fiume stationiert. In­folge dieser Uebereinkunst läßt die Cunardlinie in regelmäßigen Zwischenräumen Dampfer von Fiume abfahren, die in Palermo anlegen. Msgr. de Vaya versammelte die Auswanderer in dem Dome von Fiume und hielt ihnen feierlichen Gottesdienst mit Predigt. Die Auswanderer fanden sich sehr zahlreich im Dome ein und zeig­ten sich dem Msgr. de Vaya so dankbar, daß er sich entschloß, den Dumpfer Pannonia, der 2400 Auswanderer an Bord hatte, als Schiffsgeistli- ■ 4)er zu begleiten. Die Fahrt von Fiume nach

New-Dark dauerte 20 Tage und wurde ihm von dem englischen Kapitän aufs bereitwilligste die Kommandobrücke zur Abhaltung seiner Predig­ten eingeräumt. Tie Auswanderer hörten ihm mit gespanntester Aufmerksamkeit zu. Selbst­verständlich versuchte er in seinen Predigten den Geist der Hoffnung und des Vertrauens bei den Zuhörern wach zu halten, damit sie dem neuen Lande mit Mut und dem Vorsätze entgegenblick­ten, die täglichen Pflichten als gute Christen und Bürger zu verrichten, um nicht wie ein herren­loses Gut an die fremde Küste geworfen zu wer­den und sofort irgend einem niedrigen Geschick zum Opfer zu fallen. Msgr. de Vaya zelebrierte auf dem Schiffe täglich die hl. Messe und hatte die Freude, daß fast sämlliche Auswanderer die hl. Sakramente empfingen. Während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten hat Msgr. de Vaya versucht, alle bedeutende­ren Niederlassungen sowohl in den ackerbautreibenden wie in den Bergwerksgebie­ten zu besuchen, wo hunderttausende seiner Landsleute wohnen, und woselbst nur wenige Priester, die ihre Sprache verstehen, vorhanden sind.

Von den Vereinigten Staaten reifte de Vaya nach C a n a d a und besuchte die verschiedenen Provinzen dieser ausgedehnten britischen Be­sitzungen; er konstatierte, daß zwischen Neu­fundland und Van eoura ca. 100 000 Oestcr- reicher-llngarn wohnen. Msgr. de Vaya, der dem Erzbistum Gren angehört, ist nach seinem Hei­matlande Ungarn znrückgekehrt und wird es den Besuchern des Charitastages ohne Zweifel Freude bereiten, diesen ausgezeichneten, hohen kirchlichen Würdenträger kennen zu lernen.

Aus Kirche und Schule.

inj Fulda, 25. Sept. 1905. Am gestrigen Sonntage, an dem in der ganzen Diözese die Andacht zur Erlangung guter Priester gehalten wurde, spendete unser Hochwürdigster Herr Bischof Adalbertus in der Klosterkirche auf dem Frauenberge 16 Fratres die hl. Priesterweihe. Diese große Zahl neuer Ar- beiter im Weinberge des Herrn ist ein Beweis für die erfreuliche Entwickelung der Fuldaer Franziskan uprovinz von der hl. Elisabeth. Ihre Primiz werden die neugeweihten Franziskaner wie folgt feiern: Fr. Hippolythus Böhlen (West­falen) am 25. September auf dem Frauenberge, Fr. Osmundus Rinder mann (Eichsseld) am selben Tage im Lioba-Siechenhause Hierselbst und Fr. Raymundus Böhmer (Westfalen) ebenfalls am 25. September im hiesigen Mutterhause der barmherzigen Schwestern; am 26. September (Dienstag) Fr. Gallus Hafelbeck (Bayern) im Institut der englischen Fräulein dahier. Fr. Antonius Schlaaf (Insel Madeira) in dem Kolleg der Franziskaner zu Watersleyde in Holland, Fr. Mauritius Drott (Hessen-Nassau) in der Kapelle der Franziskanerinnen zu Frankfurt a. M., Fr. Irenäus Schönherr (Hefsen-Nafsau) inder Klosterkirche auf dem Frauenberge,Fr. Ludovicus Anler (Hessen-Nassau) im Franziskanerkloster zu Salmünster, Fr. Petrus Ernst (Oldenburg) im Franziska nerkloster zu Ottbergen in Han­nover, Fr. Andreas Boeglin (Elsaß) im Missionshause zu Lutterbach in Elsaß, Fr. Augustinus Uhr land (Sachsen) im Franzis­kanerkloster zu Metz; am 27. September (Mitt­woch) Fr. Florianus Schoch (Württemberg) im Kloster Gorheim bei Sigmaringen in Hohenzollern; am 28. September (Donnerstag) Fr. Desiderius Warzawa (Schlesien) in der Klosterkirche auf dem Frauenberge, Fr. Godelardus Adorf (Rheinprovinz) in derWallsahrtskirche zuBornhosen am Rhein; am 1. Oktober (Sonntag) Fr. Lau­rentius Auf der Heide (Westfalen) in der Franziskanerkirche zu Wiedenbrück unb Fr. Martinus Nunnemann (Westfalen) im Kloster der Benediktinerinnen zu Varenzell.

tz. Kassel, 24. Sept. 1905. Die hiesigen fünf St. Vincenz-Konferenzen hielten heute ihre ordent­liche General-Versammlung ab. Der Vorsitzende des örtlichen Verwaltungsrates, Herr Oberfekretär Böschen, gab an der Hand der Berichte über die Tätigkeit der einzelnen Konferenzen einige praktische Vorschläge über Unterstützungs-Bewil­ligungen durch den St. Vincenz-Verein gegenüber der rechtlichen Verpflichtung des Ortsarmen-Ver- bandes, soweit nicht verschämte Arme in Frage kommen. Herr Dechant Stoss trat den Ausführungen des Herrn Redners bei, indem er erklärte, daß den Armen zunächst eine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erwirkt werden müsse. Bei Leuten dagegen, die nur vorübergehend und unverschuldet in Not geraten sind, sei eine Unter­stützung durch den Vincenz-Verein ohne öffent­liche Armenunterstützung ratsam. Herr Kuratus Burchard-Kassel-Wehlheiden verbreitete sich in der geistlichen Ansprache über die wahre christ­liche Nächstenliebe. — Herr Dechant Stofs wird den Mitgliedern des St. Vincenz-VereinS in diesem Winter eine Reihe von apologetischen Vor­trägen halten. Durch diese Vorträge sollen die Vincenzbrüder in den Stand gesetzt werden, ihre Pflegebefohlenen, wenn diese von Irrtum oder von Zweifeln befangen sind, Aufklärung zu geben und den richtigen Weg zu zeigen.

Lokales.

.AHM Fulda, den 25. September 1905.

X Gymnasial-Jubelfeier. Als Vertreter der kgl. Regierung werden an dem Feste teil» nehmen Se<-Exz. der Herr Oberpräfident von Wind he im, sowie Herr Oberregierungsrat

Dr. Pähler.

Li Die Festschrift zur Gedenkfeier deS 100j8hrigen Bestehens des königlichen Gym­nasiums Hierselbst seit seiner Neugestaltung (1805—1905) bringt eine interessante Zusammen­stellung über Leiter, Lehrer und Abiturienten der Anstatt, der wir nachstehendes entnehmen:, Am schceum und Gymnasium (1805—1835) wirkten 6 Studiendirektoren bezw. Studienkommissare

4 Katholiken, 2 Protestanten), 20 Wissenschaft liche Lehrer (15 Kath., 5 Prot.) und 7 technische Lehrer (6 Kath., 1 Prot.). Am Gymnasium (1835 1905) waren tätig 7 Direktoren (sämtlich Katholiken), 138 wissenschaftliche Lehrer (60Kath., 77 Prot., 1 Israelit), 18 rechn sche Lehrer (16 Katholiken, 2 Prot.) und 7 Mitglieder, des Pädagogischen Seminars (3 Kath., 4 Prot.). Die Zahl der Abiiurienten der Anstalt in den Jahren 1835—1905, also in den letzten 70 Jahren, betrug 776, die sich der Konfession nach wie folgt verteilen: 516 Katholiken, 214 Pro­testanten, 45 J-raeliten und 1 Altkatholik.

* Jubiläumsfeier. Nächsten Samstag, den 30. ds. Mts., veranstaltet der hiesige Ortsverein des Eisenbahn-Handwerker-Verbandes im Giesel'schen Saale zu Ehren der Iubilare, welche vor 25 Jahren in die hiesige Ellenbahn Hauptreparatur-Werkstätle eingetreten sind, eine entsprechende Jubiläumsfeier. Die Herren Jubi- lare sind folgende: Schreiner W. Kralmann, Dreher Johann Schleichert, Robrichmieb H. Dickert und Schlosser Vincenz Wehner. Möge es tun Herren beschieden fein, noch recht viele Jahre ihrem Berufe in Frische und Gesund- heil obliegen zu können!

[] Die Mitglieder des doinpsarrlichcu Kirchenchors unternahmen gestern nachmittL unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Lehre-. Mänz, einen Ausflug nach Schulzenberg-Ham, bad). Nach einer kleinen Andacht in der Kapet.'c am Schulzenberg vereinigten sich die Mitglieder im Möller'schen Saale in Haimsach, wo man einige Stunden gemütlich zusammendlieb.

— Der Gartenbauverein hat bekanntlich int Frühjahre an die Schülerinnen der Oberklaffen der hiesigen Volksschulen Blumenstöcke verteilt, um den Kindern Gelegenheit zu geben, die Pflege der Blumen Praktisch zu lernen und dadurch das Interesse für Blumenzucht allgemein zu heben. Die Stadt hat zur Förderung dieses Unterneh­mens einen Beitrag gestiftet. Gestern fand nun im Stadtschulbau die Prämiierung der Kinder statt, die ihre Aufgabe am besten erfüllt hatten. Es hatten sich dazu außer dem Vorstande des Gartenbam ereins die Lehrerinner der bett. Klassen und verschiedene Lehrer, sowie einzelne Mitglieder des Gartenbauvereins eingefunden. (Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni war ver­reist und hatte sich entschuldigt.) Der Vorsitzende des Gartenbauvereins, Herr Sanitätsrat Dr. Raabe, konnte in seiner Ansprache hervor­heben, daß zur größten Freude aller Anwesen­den die Kinder ohne Ausnahme die ihnen an­vertrauten Blumenstöcke vorzüglich gepflegt ha­ben; er hoffe, daß durch die Beschäftigung mit den Blumen der Sinn und das Verständnis für die Schönheit der Natur gehoben und dies sich u. a. auch in der Schonung der Blumen in An­lagen und Gärten bekunden werde. In dieser Hinsicht fei erfreulicherweise bereits eine erheb­liche Besserung gegen früher eingetreten. Nach­dem dann die Mädchen der stadtpfarrlichen Schule ein hübsches Liedchen gesungen und 2 von ihnen ein Gedicht vorgetragen hatten, sand die Prämiierung statt, wobei jedes von den 120 Kindern eine Prämie erhielt. Die dazu verwen­deten Bücher waren zmuteil von den beideir hie­sigen Buchhandlungen geschenkt, die Blumen­stöcke und Blumenzwiebeln von den hiesigen Gärtnern teils gestiftet, teils angekauft worden.

Bei dem gestrigen zweiten Fuhball- wettspiel zwischen dem Fußballklub „Borussia" und der Turngemeinde auf der Klosterwiese er­zielte in der ersten Spielhälfte der Fußballklub „Borussia" ein Goal, während in der zweiten Hälfte das Spiel unentschieden blieb. Die Fuß­ballabteilung der Turngemeinde Fulda hat in« folgedeffen den Fußballklub „Borussia" zu einem Revanchespiel herausgefordert.

X Volkszählung. Nach der Anweisung des Herrn Ministers des Innern ist anläßlich der am 1. Dezember d. I. stattfindenden Volkszählung eine Zählungs-Kommission zu bilden. Nach Magi­strats-Beschluß sind für die Stadt Fulda in diese Kommission gewählt worden der 2. Beigeordnete Herr August Müller als Vorsitzender, und als Beisitzer die Herren Stadtverordneter N. Esch- w e g e, Stadtsekretär Trabert und Steuersekretär Remmert. „ _ ,,

(::) Ein Kunstwerk, das alle Beachtung ver­dient, bietet wieder einmal das Schaufenster der Reinhardt'schen Buchhandlung. „Marien- legende" nennt es sich, ein Bild, das der Muse des bekanntenMalers Pros. Scheurenberg entstammt; Herr Zeichenlehrer Kleine berg, der in Fuldaer Kreisen schon längst bekannt ist, hat es in der Berliner Nationalgalerie kopiert. — Aus blumigem Wiesengrunde wandelt die Mutter Gottes, auf dem Arm das Jesuskind; auf ihrem Gange begegnet ihr ein Hirtenknabe, der seine Schafe hütet, und in heiliger Liebe und Ehrfurcht, In dem Drange, dem erhabenen Kinde seine Verehrung zu bezeugen, reicht er ihm kniend — einen „Löwenzahn". Äoll ubenrdi- f<fien Glames sonnig wie der Mai, em Bild, das deutlicher als Worte den tiefen Glauben ausdrückt: „Du bist Christus, der Sohn ©ottes!" Und doch scheint auf dem Antlitz der Mutter Gottes ein tiefer Ernst zu liegen, die Ahnung eines trüben Herbstes, die in ihrem Herzen dämmert. — Das Bild ist modern aufgefaßt, aber frei von allem Erdenstaube löst es religiöse Empfindungen reinster Art aus. Herzlich er­freuend ist oas ungemein Idyllische der ganzen lieblichen Szene. Wie fein abgestimmt find die Farben der Figurengruppen zum.landschaftlichen Hintergrund, wie duftig ist die heitere Frühlings­stimmung ausgedrückt! Hm Vordergrund liegt die saftig dunkelgrüne Wiese, belebt von Löwen­zahn so zart, als müsse ihn der leiseste Wind­hauch von dannen tragen; allmählich,geht der Mae Ton in leichtere, bläulich, schimmernde Nüam-en über, im Hintergründe erzittern Pappeln in zartem Silberschein und ganz in weiter Feme breiten sich sanfte Höhenzüge hm. Jede tech- nifche Schönheit zu schildern, würde iu roeit führen; auf der trefflichen Kopie Herrn Kleine- bergs wird man ihrer noch viele entdecken, -vie