U$, utH Ailrsadme btt Senn- und Feierlage. Viertel- Mrl. Sezrlgrprti« 01)we Btingerlobn mi vr»eSst>dr»Mdamld auswärts 1M. 50 PsS-
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Fernsprecher Nr. 9.
M 218.
Fulda, Samstag, den 23. September 1905.
Zweites Matt
Unpolitische Zeltlaufe.
® Berlin, 22. September 1905.
(Nachdruck verboten.)
Also Herbstanfangs Hier scheiden sich nicht bloß jivei Vierteljahre, sondern dre beiden Hälften des natiirlichen Jahres, das man eigentlich von Ostern zu Ostern rechneir muß. Die helle und warme Jahreshälfte lassen wir hinter uns und treten in die dunkle, kalte Hälfte, die als rauhe Zeit gilt.
„£), es gibt aber noch recht schöne Tage im Herbst." Freilich, wunderschöne Tage, die in ihrem sähen Frieden viel voraus haben vor den vielbesungenen windigen Frühlingstagen. Sogar mitten int Winter entfaltet die Natur zeitweise wuiiderbare Schönheiten. Die unverzagte Jugend freut sich schon jetzt auf das Schlittschuhlaufen uiid Schneeballiverfen. Am Rosenstrauch des Jahres gibt es immer Blüten; nur sind in der rauhen Jahreszeit die Dornen zahlreicher und spitzer, die Röslein kleiner und blasser.
Tie Dichter besingen auch den Herbst und den Winter auf ihrer geduldigen Leier. Dabei kommt jedoch ein wichtiger Gesichtspunkt nicht recht zur Geltung, lueil er nicht recht in das Versmaß paßt. Alles kostet Geld auf Erdeil, auch der Wechsel der Jahreszeiten. Und besonders kostspielig ist die Herbst- und Winterszeit.
Da denkt vielleicht mancher an die schönen Markstücke zurück, die er im Sommer für Badereisen und Vergnügungsfahrten ausgegeben hat uiid im Winter wieder einzusparen gedenkt. Ja, du Sommerverschwender gehörst zu der bevorzugten Minderheit. Bei der großen Masse des Volkes dreht sich die Rechnung nicht um Kuchen, sondern um das tägliche Brot. Was kosten die wirklichen Bedürfnisse? Im Sommer kriegt man die nötige Wärme umsonst; zeitweilig sogar im schweißtriefenden Uebermaß; im Winter mutz man sich die Wärme kaufen, und dieser Artikel ist gar nicht so billig. Nebenbei mutz man sich auch noch Licht kaufen für die Abend- und Morgenstunden, was allerdings nicht gar so viel kostet, wenn nicht etwa infolge der Mordbrennerei bei Baku das Petroleum aufschlagen sollte.
Wer früh kauft, kauft billiger auf dem Kohlen- tiarkt. Du brauchst aber nicht bloß mineralische Heizstoffe für die kleinen Oefen, die du und die Deinigen im Leibe haben. Der Magen verlangt in der rauhen Jahreszeit noch mehr Aufschüttung, als tn den warmen Monaten; er will auch gern etwas mehr Fett haben, da das so hübsch das innere Thermometer in die Höhe bringt. Vater und Mutter sehen eS gern, wenn die ganze häusliche Tafelrunde mit gesundem Appetit -reinhaut; aber bei den teuren Preisen haben sie auch Last genug, um die gewohnte Schüsselfülle aufrecht zu erhalten. „Wir muffen sparen," sagt die rechnende Mutter. „Ja, ja," sagt der Vater und geht in s Wirtshaus, um sich dort das Sparen zu überlegen. Wer klug ist, -er spart am Trinken.
Mit den Ofenkohlen und den Magenkohlen ist es noch nicht abgetatr; zu den Unkosten der Erwärmung gehören auch die Winterkleider. Soll man daran auch sparen? Nicht an dem wärmenden Stoff, aber wohl an dem modischen Aufputz. Wenn die Menschen doch so klug wären und kauften sich Kleider für sich selbst, nicht für die anderen Leute! Die Modegecken aber leisten tolles in der Selbstverleugnung. Ob die Kleidung für sie warm, bequem, gesund und behaglich ist, darauf kommt es nicht an; wenn nur das äußere Fähnchen „elegant" ist un- den Gaffern in die Augen sticht, dann ertragen sie mit Freuden die Gänsehaut, den Schnupfen, die Schnürleib-Krankheiten, die Dühneraugen, die Kopfschmerzen rc. Und diese Modenmarter müssen sie obendrein noch schwer bezahlen. Darum sage ich: bei den teuren Zeiten mutz man noch mehr als sonst darauf achten, datz man den Posten Kleidergeld im Hausetat nicht in eitlem Firlefanz vergeudet, sondern sich praktische Sachen zulegt, und zwar in der Richtung von innen nach außen, anfangend beim Unterzeug und berm Bett. An -er Schauseite kann die Sparsamkeit einsetzen.
. Ist damit der Winterbedarf ganz gedeckt? Noch mcht; -re Seele braucht auch ihre Kohlen. Wieso? Nun, an -en langen Winterabenden will auch das ^emut warm werden. Der Geist muß -en Nährstoff, den im Sommer die blühende und sonnige »t^tur gratis lieferte, während des Winters aus bedrucktem Papier schöpfen. Gute Bücher ins Haus! eine gute Zeitung ins Haus! Viele haben es schon Gegriffen, daß das bischen Geld, was man ^atur ausgwt, sich üppig rentiert; aber mancher i™9*, ^eber Funfmarkstücke in die Kneipe oder
Putzladen, ehe er em paar Groschen für Bücher
mödjte wetten, daß da unter den Lesern auch noch ein „Schlauberger" sagt oder wenigstens bentt: Aha dre Leute von -er Presse reden für khr Geschäft! Nem, so bare Egoisten find wir doch mcht Der Pfarrer sagt auch manchmal von der Kanzel,-aß der Besuch der Predigt notwendig und nützlich fei; er will mcht für sich Reklame ma- chen, sondern denkt an das Heil feiner Gemeinde Und wenn hier gesagt wird, daß eine gute Zeitung und gute Bücher in jedes christliche HauS gehören, so soll das nur dem Volkswohle dienen. Wer noch zweifelt, -er kann ja mal eine Kleinigkeit riskieren, um einen Versuch zu machen. Er wird sehen, datz ein gedruckter Hausfreund Vergnügen Lra ins Haus bringt. Namentlich wenn die KPöne Sitte der gemeinsamen Lesung und Vespre- chung am Familientische eingeführt wird. DaS ist b/'siige Mahlzeit, die noch mehr zur Gemütlichkeit und Gesundung beiträgt, als die leibliche Atzung, und viel btttiaer kommt. Die Fleifchpreise
sind leider gestiegen; aber die Zeitungs- und Bücherpreise nicht.
Nun denkt am Ende ein ganz schlauer Leser: „Aha, jetzt kommt der bekannte Dreh und der Unpolitische empfiehlt uns, man solle sich vom Pfarrer Deitmer in Steglitz zum Besten des Zeh- lendorfer Kirchenbaues das Buch kommen lassen . . ." Nein, nun gerade nicht! Es gibt ja sonst auch gute Bücher in Hülle und Fülle. Sehe jeder, was ihm Passe, und wer selbst nicht Bescheid weiß, der hole sich guten Rat an der rechten Schmiede. „Nimm und liest"
Vor zwanzig Jahren habe ich mal einen Artikel geschrieben: „Bewahrt das Feuer und daS Licht" mit allerhand praktischen Erwägungen, tote man die Oefen und die Lampen rechtzeitig in Stand setzen und sorgsam in Stand halten soll, daß man schlechte Dochte, schadhafte Zylinder, löcherige Ofentüren, oder Rohr rc. nicht aus falscher Sparsamkeit beibehalten soll, und dergleichen. Ein hoch- fliegender Kollege spöttelte damals über diese hausbackene Schreiberei; aber ich glaube heute noch, datz es gar nicht so schlecht ist, wenn man die Leute mal zum Nachdenken über die gewöhnlichen Dinge des alltäglichen Lebens anregt. Zum Nachdenken und zu wohlüberlegter Verbesserung des eigenen Handelns.
Dem „gemeinnützigen Ratgeber", der sich hier und da in bett Zeitungen findet, namentlich in den Unterhaltungsbeilagen, möchte ich damit durchaus keinen Wettbewerb machen. Nach meiner Ansicht sollte man über die kräftigen Anweisungen, die darin stehen, das Motto fetzen: Erst gründlich überlegen und prüfen! Da werden z. B. Rezepte gegeben, wie man sich aus den und den Rohstoffen: Heiltränke, Salben, Farben, Fleckmittel, Putz- mittel, Kitt, Wichse rc. selbst kochen oder rühren kann, wie man für seinen Leib- oder Hausbedarf selbst den Doktor, Apotheker, Chemiker und den Handwerker jeder Art spielen kann. Auf dem Papier sieht das alles sehr einfach, sicher unbillig, aus; aber die Sache hat gewöhnlich mehr als einen Haken. Die Rohstoffe kosten Geld; man braucht von jedem Ding nur wenig und kauft in der Regel zu viel ein, sodaß ein Rest vergeudet wird. Die richtige Verarbeitung glückt nicht immer im ersten Anlauf, manchmal auch im zweiten nicht. Das Lehrgeld, was da bezahlt werden muß, ist oft sehr hoch. Das Ganze läuft darauf hinaus, -atz man den gelernten Meistern in's Handwerk pfuscht, und die Pfuscharbeit pflegt nicht lange zu halten. Wer in einer Wüste einsam lebt, der mutz alle Künste und Handwerke üben, so gut und so schlecht es geht. Aber hier heißt die Parole: Leben und leben lassen! Du willst in deinem Be-v rufe dein tägliches Brot verdienen; lasse es auch die anderen Leute in ihrem Berufe verdienen. In Kleinigkeiten, die keine Kunst und keinen Aufwand an Mitteln erfordern, hilft man sich natürlich selbst; aber bet größeren und schwierigeren Dingen wendet man sich an die Meister des Faches. Das gibt gediegene Arbeit, und sie lohnt sich besser, als die Pfuscherei, wenn auch für den Augenblick einige Groschen mehr angelegt werden müssen. Vor allem sei inan vorsichtig mit den zahlreichen Hausmitteln, die gegen alle möglichen Krankheiten empfohlen werden. Handelt es sich um harmlose Störungen des Wohlbefindens, so sehe man wenigstens zu, daß die Mittel unschädlich sind. Liegt aber eine ernstere Erkrankung vor, so verliere man nicht mit Quacksalbereien die kostbare Zeit, sondern wende sich an den erprobten Arzt. — Man kann ja alle „Ratschläge" lesen, aber ehe man sie ausführt, soll man nachdenken, rechnen, prüfen. Es ist besser, vor dem Schaden klug zu fein, als durch Schaden erst klug zu werden.
KL 0.
Von C. Ernst.
Der Kaiser beim Tennis-Spiel. Der Kaiser, oer allem Sport eifrig huldigt, zeigt sich auch aus dem Tennisplatz als Meister. Das Tennisspiel, ein ursprünglich echt deutsches Spiel, das unsere Vorfahren, in etwas veränderter Form als „Schlagball-Spiel" kannten und liebten, wurde, in England begeistert ausgenommen, zu dem modernen „Tennis-Spiel" umgemodelt und kehrte so zn uns zurück. Der Kaiser liebt dieses Spiel, weil es die Lunge kräftigt und durch den Aufenthalt in freier Luft besonders gesundheitsfördernd ist, als Erholung von seinen ernsten Pflichten. Darum ließ er die verschiedensten Tennisplätze ein- richten, um überall Gelegenheit zu diesem Spiel zu haben, das er im Verein mit feiner hohen Gemahlin mit wirklicher Passion betreibt. Wir finden kaiserliche Spielplätze vor der Marineakademie in Kiel, int Garten des neuen Palais, neben dem sogenannten Teehauschen, im Park zu Wilhelms- höhe, in Monbijou ufto. Wenn an fchönen Sommerabenden der Tee eingenommen ist, dann pflegen der Kaiser und die Kaiserin mit ihren Söhnen ober ihrem Hofstaat manchen heißen Temüskampf auszufechten. Die Rufe „Play" und „Game" erschallen weithin. Alle Teilnehmer sind mit Ernst und Eifer beim Spiele. Ter Kaiser wünscht, daß alles, was geschieht, exakt durchgeführt wird, also auch jedem Spiel vollständige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Kronprinzetz Cecilie teilt des Schwiegervaters Vorliebe für Tennis. In Cannes, Wiesbaden und Heiligendamm war sie der ständige Gast auf dem Tennisplätze. Um auch im Winter Gelegenheit zu diesem Sport zn haben, ließ der Kaiser tm Ausstelluttgsparke zu Berlin, tote im Garten des Schlößchens Msiibijott gedeckte Plätze Herstellen und samnielt dort die vorzüglichsten Spieler ttm sich, zu denen neben dem Stammherrn von dem Knesebeck und Professor Güßseld vor allem der neue Oberstallnieister Baron von Reischach und seine Gemahlin zählen. Selbstverständlich wendet
der Monarch nun auch dem „Tennis-Ball-Sport" sein Interesse zu. Als vor einem Jahrzehnt tut Parke zu Homburg das große Tennis-Turnier für die Offiziere der Armee und Marine stattfin- ben sollte, gab der Herrscher nicht nur seine Erlaubnis, sondern stiftete auch einen Ehrenpreis und wohnte nebst onberen Fürstlichkeiten dem Turnier bei. Sobald der Kaiser sich in feiner leichten, die Bewegung nicht hemmenden Kleidung auf dem Tennisplätze einfindet, ist er nur Mitspieler. Er wünscht durchaus nicht, daß auf seinen hohen Rang Rücksicht genommen wird. Im Gegenteil, je besser fein Gegner spielt, desto lieber ist es ihm. Er wünscht schwere Siege zu erringen und ist niemals ungehalten, wenn er selbst besiegt wird.
Kl. o. Nur eine Tausendpsun-note«
Aus hem Englischen von Pia Rainer.
- " (Nachdruck verboten.)
„Wenn ich tausend Pfund (20 000 Mark) hätte —" sagte ich.
„Dann würden Sie verhungern", fiel mir mein Chef, der Redakteur einer vielgelesenen Zeitung, in die Rede.
Ich habe zwar den größtmöglichen Respekt vor der außergewöhnlichen geistigen Veranlagung meines verehrten Vorgesetzten, aber diese Behauptung schien mir doch so gewagt und unsaßlich, daß ich einen erschreckten Blick auf die weite Fläche feiner hohen Denkerstirn warf. Indessen sagte ich nichts. Es war klüger so.
„Sie erinnern mich da an einen Auftrag", fuhr er fort, mit deut ich Sie betrauen wollte. Wieviel Geld haben Sie bei sich?"
Ich nannte ihm einen kaum nennenswerten Betrag.
„Geben Sie es mir", sagte er darauf.
„Mein Herr", erwiderte ich, „ich würde Ihnen ohne Bedenken mein Leben, meine Ehre, meinen guten Ruf anvertrauen, aber mein Geld — das ist doch eine andere Sache."
„Geben Sie es mir", wiederholte er in einem Tone, der keinen Widerspruch duldete, und so händigte ich ihm denn mit einem tiefen Seufzer alles ein, was ich an sichtbaren Subsistenzmitteln bei mir trug.
Er erhob sich, schloß den Geldschrank auf, legte mein Geld hinein und überreichte mir dafür ein zusammengelegtes Stück Papier. Es war tute Tausendpfundnote der Bank von England.
„Da haben Sie, was Sie wollen", sagte er. „Gehen Sie und verbrauchen Sie dieselbe — wenn Sie es können!"
Ich kniff mich in den Arm, um zu sehen, ob ich denn wache oder träume.
„Ich bitte um Verzeihung —" begann ich.
„Gehen Sie und vertun Sie dieselbe", wiederholte er — „oder wenigstens soviel davon, als genügt, um sich einen guten Tag zu machen. Ich stelle nur dabei eine Beschränkung — Sie dürfen keinen Versuch mache,:, die Note bei einer Bank einzuwechseln. Nun gehen Sie."
Als ich auf die Straße trat, summte ich vergnügt ein Liedchen vor mich hin. Einen aatren Tag für mich und dazu tausend Pfund zu verbrauchen! Das Leben war am Ende doch mcht solch eine traurige Wüste, wie ich immer geglaubt!
Welchen Weg sollte ich nun nehmen? Westwärts natürlich! Der Westen ist das Land der reichen Müßiggänger und zu dieser Klasse durfte ich mich jetzt zählen. , Ich schlenderte also dahin. Da erblickte ich plötzlich meinen Freund Charles, ebenfalls Journalist, der mich von dem Dache eines Omnibusses herab grüßte. Ich rief das Fuhrwerk an, kletterte hinauf und setzte mich neben ihn. In wenig Minuten hatte ich ihm die große Neuigkeit anbertraut, doch nahm er dieselbe merkwürdigerweise sehr ruhig auf, und als ich ihm auf fein Verlangen den Schein zeigte, drückte er starke Zweifel an der Echtheit demselben aus.
„Bitte um das Fahrgeld", ließ sich jetzt der Kondukteur vernehmen.
„Charles", sagte ich, „bezahle doch für mich." „Kondukteur", war seine Antwort, „sagen Sie doch diesem Herrn hier, daß er nicht solche Possen treiben soll."
„Das Fahrgeld, bitte", wiederholte der Mann feine Forderung.
Charles stark ausgeprägte humoristifche Veranlagung schien eine boshafte Befriedigung ans dcr Situation zu ziehen. Er machte nicht im geringsten «Miene, mir beizustehen und so blieb mir denn nichts übrig, als dem Kondukteur die Note elnzubändigen.
„Was ist das?" fragte derselbe, nachdem er sie eine Weile erstaunt betrachtet hatte.
„Können Sie denn nicht sehen, was es ist? Es ist eine Tausendpfundnote der Bank von England.
„So?,— wirklich? Und haben Sie" — mit einem leichten Sarkasmus in der Stimme — „nicht etwas kleinere Münze?"
„Leider nein."
„Dann kommen Sie nur herunter und verlassen sofort den Omnibus. Halt, Bill."
Bill hielt. Ich warf noch einen flehenden Blick auf Charles, aber er blieb kalt wie Eis. Mit Schimpf und Schande stieg ich ab. Ich notierte mir die Nummer des Mannes, um ihm feinen PknNy ztt schicken; denn ich wollte weder ihn, noch feine Gesellschaft schädigen.
Dann mußte ich laut auflachen. Es war wirk- • lich zu komisch. Tausend Pfund in dec Hand zu haben und doch wegen eines Pennys von einem Omnibuskondukteur mit der Polizei bedroht zu werden!
Es war inzwischen Frühstückszeit geworden und ich fing an hungrig zu werden. Ich suchte daher ein feines Restaurant auf und bestellte bei dem dienstbeflissen herzueilenden Kellner das beste Gabelfrühstück, Sa» zu haben wär«. „Doch zu«
32. Jahrgang.
vor", fügte ich hinzu, „möchte ich erst mit dem Wirt fprechen."
Ich wollte mein Frühstück nicht unter falschen Voraussetzungen einnehmen und.ebensowenig trug ich Verlangen, abermals mit der Polizei bedroht zu werden. In wenigen Worten setzte ich dem sehr höflichen und zuvorkommenden Wirt meine Lage auseinander.
„Der Herr wird gestatten, daß ich den Schein zur Bank sende", sagte er darauf.
- „Nein", entgegnete ich bestimmt, mich meines Vertrages erinnernd.
„Dann muß ich den Herrn bitten, das Lokal zu verlassen."
Ich ging. Dreimal noch versuchte ich mit aller mir zu Gebote stehenden Beredsamkeit mir ein, wenn auch nur ganz bescheidenes Mahl zu verschaffen auf die Sicherheit meiner Tausendpfundnote hin — aber ohne Erfolg.
So beschloß ich denn, ohne Frühstück fertig zu werden. Ich wollte mich für diesen Ausfall dann durch das Mittagessen zu entschädigen suchen, sobald es mir gelungen sei, die Banknote einzuwechseln. Aber wie sollte ich das anstellen?, Eine dichtgedrängte Reihe begeisterter Musikenthu- siasten,-die ich am Theater, ans Einlaß wartend, stehen sah, brachte mich auf einen Gedanken. Ich wollte mir eine ganze Loge nehmen.
„Geben Sie mir die beste Loge des Hauses", sagte ich stolz zu dem Billeteur.
„Zu dienen, mein Herr! Loge B in der ersten Reihe ist noch zu haben. Würde Ihnen diese zusagen?".
„Ja", erwiderte ich. „Können Sie mir eine Banknote wechseln?"
„Mit Vergnügen", war seine Antwort. Ich reichte ihm den Schein hin. „Aber diesen nicht!" setzte er mit scharfer Betonung hinzu, mir einen durchbohrenden Blick zuwerfend.
Ich versuchte, ihm die Sache auseinanderzufetzen, doch er unterbrach mich kurz und einen in der Nähe stehenden Beamten herbeiwinkend, fagte er zu diesem: „Joseph, führen Sie diesen Herrn hinaus."
„Joseph tat feine Schuldigkeit — in einem Augenblick war ich draußen. Schon fing ich an zu glauben, daß mein Chef mit seiner Behauptung doch vielleicht Recht behalten würde, als ich unversehens Mr. Cyrus-K. Jones in die Hände lief, einem amerikanischen Millionär, dem ich kürzlich vorgestellt worden war. Das war der rechte Manit, der mir helfen konrite. Ich trug ihm also meine schwierige Angelegenheit vor und schloß mit der Bitte um Einwechslung der Banknote. Doch da kam ich schön an.
„Hören Sie mal", sagte er, „ich hätte Sie nicht für einen von dieser Sorte gehalten; erst in voriger Woche bin ich auf solch einen Streich hineiugefallen. Guten Tag!" Und fort war er. Ich ging nun zu einem bekannten Häuseragenten und wollte versuchen, ein Geschäft abzuschlietze»- doch er lehnte beides ab, das Geschäft sowohl i e das Einwechseln der Banknote. Das gleiche > sultat erzielte der Versuch einer Kapitalso je bei einem Aktionär. Selbst ein Siamante- übler erklärte, unter diesen Umständen auf di Ehre meiner Kundschaft verzichten zu müssen Kein Mensch in ganz London wollte die Taufe dpfund- note haben!
Ein stiller Grimm packte mich und i ■') beschloß, mich nicht durch Gewissensskrupeln t von obwalten zu lassen, mir eine ausgiebige Mahlzeit zu beschaffen. Zu dem Zweck betrat ich ein elegantes Restaurant und bestellte ein auserlesenes Mahl. Ich wollte erst essen und dann die Note einwechseln. Aber kaum hatte der Kellner sich ent
fernt, als er eilig wieder zurückkehrte mit dem Ersuchen, mich in das Zimmer des Wirtes zu
bemühen. Als ich eintrat, fand ich mich einem
sehr streng dreinschauenden Herrn gegenüber.
„Ich bin der Detektivbeamte Smith", byiann derselbe. „Uns ist die Mitteilung zugegangen, daß Sie versucht haben, eine Tausendpfundnote einzuwechselu. Wenn Sie sich darüber nicht aus- weisen können, so müssen Sie unverzüglich mit mir kommen."
Ich setzte ihm die Angelegenheit auseinander, doch gelang es mir nicht, ihn von der Wahrheit meiner Angaben zu überzeugen und zehn Minuten später befand ich mich auf dem Polizeiamt.
Natürlich wurde ich auf Grund der angestellten Nachforschungen unter vielen Entschuldigungen alsbald wieder entlassen und spät am Abend wankte ich kraftlos und gebrochen in das Nedak- tionsheiligtmn.
„Hier haben Sie Ihre verwünschte Note wieder!" rief ich wütend, in meinem Zorn sogar den dieser hohen Stelle gebührenden Respekt vergessend. „Um des Himmels willen geben Sie mir meine Sixpence zurück."
So hatte mein Chef doch Recht behalten.
Der Anteil -er deutschen Handelsmarine am Welthandel.
In der modernen Volkswirtschaft spielt der internatiamüe Warenverkehr, der Außenhandel, die führende Rolle. Je höher die Ausfuhrmöglichkeit eines Landes ist, desto größer ist fein Anteil am Welthandel. Seit den letzten 50 Jahren hat sich der Gesamtwert des Welthandels, der Anfang der sechziger Jahre rund 30 Milliarden Mark betrug, verdreieinhalbsacht. Diese Steigerung ist hervorgerufen durch die außerordentliche Vervollkommnung unserer Industrie und begünstigt durch den ständig wachsenden und sich immer mehr entwickelnden Verkehr.
Deutschland, das vor knapp 30 Jahren in der Reihe der produzierenden und exportierenden Staaten eine nur untergeordnete Rolle spielte, hat sich infolge feiner Industrialisierung, die durch bie Ausgestaltung von Technik und Verkehr mit