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Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Ac» ttendruckere! ht Sulla.
Fernsprecher Nr. 9.
M 218.
Fulda, Samstag, den 23. September 1905.
32. Jahrgang
Reklamen- iutl> Anzeigenteil.
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Drittes Wtcrtt
Nachthemd an, das den Tag über oder wenigstens ein paar Stunden morgens gelüftet hat.
Selbstverständlich? Ich fürchte — nein!
Weit mehr, als man denken sollte, so geht die Sage, wird auch der Wäschewechsel morgens und abends noch als ein Vorrecht — oder eine Marotte — dec Begüterten angesehen. Und doch ist auch das allenfalls ohne Mehrausgabe.zu leisten. Man habe, wenn man keine besonderen Nachthemden besitzt, doch immer zwei Hemden im Gange. Statt sieben Tage und Nächte hintereinander trage man jedes Hemd zuerst sieben Nächte und dann sieben Tage, so daß man jede Woche ein frisches nimmt. Das wäre wenigstens ein Anfang hygienischer Besserung.
Alle hier erwähnten Maßnahmen, das werden mir meine lieben Leserinnen zugeben, sind, wie ich es vorher sagte, kostenlos. Sie erfordern nur ein wenig Nachdenken, ein wenig Mühe und ein wenig Konsequenz. Naturgemäß hängen sie von der Hausfrau ab. Diese aber kann und soll Dienstboten und Kinder zu solchen gesundheitlichen Rücksichten erziehen, die, so unscheinbar sie sind, doch auf Behagen und Wohlbefinden der Familie recht großen und nachhaltigen Einfluß haben.
Auch den Hausherrn darf die Hausfrau in diesem Sinne erziehen, falls er das etwa noch nötig hat!
Zaren den Vortritt zu lassen, und so dürften binnen kurzem von Petersburg aus die Friedensschalmeien die Mächte nach der holländischen Re- fidenz rufen.
I finden wir von wirklich hygienischen Einrichtungen immer noch recht wenig vor. Und das entschuldigt man damit, daß dec gewöhnliche Sterbliche die Kosten für alle die guten und nützlichen Dinge nicht aufbcingen könne. Ganz be- sonders in großen Städten, wo die Mieten so teuer sind, wo jedes Winkelchen oft zwei- und dreifach ausgenutzt werden muß, wo man nach allerlei zwingenden Rücksichten seine Wohnung zu wählen hat, wie sollte man da Lust und Licht und Sonne zu ihren Rechten verhelfen?
Das wäre zu teuer, das überläßt man — ohne sonderlich viel Nachdenken — den Wohlhabenden. Aber bei diesem, wie man meint, notgedrungenen Verzicht vergißt man doch nachzurechnen, ob denn wirklich jede gesundheitliche Einrichtung Geldopfer verlangt. Es gibt doch allerlei von vielen Versäumtes, das wir uns ganz umsonst verschaffen können. Fangen wir einmal am frühen Morgen an.
Wasser ist auch in großen Städten kostenfrei (!) oder fließt uns wenigstens für die einmal bestimmte Abgabe unaufhaltsam zu. Wir brauchen nur den Hahn der Leitung zu öffnen, da haben wir von dem edlen Naß, soviel wir wünschen.
Wer aber wünscht genug für seine Morgentoilette? Lange nicht alle Menschen! Dahinter kommt man, wenn man in Hotels und Pensionen
[ die verwunderten Gesichter der Stubenmädchen sieht bei der freundlichen, aber bestimmten Sortierung, zwei Krüge oder Krug und Schüssel für den Morgenbedarf zu füllen. Mit höchlicher lieber- raschung schauen sie einen an und äußern auch wohl: „Das haben andere Herrschaften hier noch niemals verlangt."
Sinti wir mit der Toilette fertig und schicken uns an, das Schlafzimmer zu verlassen — Hand aufs Herz —, wie viele öffnen vorher ein Fenster? Ich glaube, daß diese Braven recht leicht zu zählen wären. Aber auch wenn ein Luftwechsel während der Nacht stattgefunden hat, kann er doch nicht so ergibig gewesen sein, daß vollkommen reine Lust am Morgen vorhanden ist. Warum aber nicht so schnell als möglich diese Herstellen? Warum damit warten, bis das Mädchen Zeit hat, zum Aufräumen zu kommen?
Noch eine Gewissensfrage: Wie viele gebildete oder ungebildete Leute legen, sobald sie morgens auf den Füßen sind, ihr Bett, ti. h. Kissen und Decken, hübsch auseinander?
Das leuchtet doch ein, daß es sehr viel gesunder j sein muß, sofort allen Miasmen und Ausdünstun- gen freien Abzug zu schaffen, als sie noch stundenlang hinter geschlossenem Fenster und im zugedeck- ten Bett festzuhalten l
.. Wir begeben uns ins Eßzimmer zum Frühstück, finden den Tisch vorschriftsmäßig gedeckt und die Atmosphäre — da wir aus ziemlich verbrauchter Luft kommen — gut.
Ob aber das Mädchen auskömmlich gelüftet hat, ob sie gesorgt hat, daß aller durch Feaen und Bürsten verursachte Staub abziehen konnte, ob sie das Staubtuch fleißig ausgeschüttelt hat und ob sie nicht eher das Fenster schloß, als bis die Aken Flammen im Ofen erloschen waren, sodaß die Ofentür gleichzeitig geschlossen werden konnte, — überzeugen wir uns täglich davon?
Eine Prämie der Hausfrau, die das mit freudigem „Ja!" beantworten kann!
Der fertige Kaffee oder Tee wird hereingebracht. Wie ist er bereitet? War das Wasser frisch aufgesetzt und wurde es sofort im springenden Kochen verwendet?
War die Kanne heiß ausgespült. bevor der Aufguß erfolgte? Beides doch wesentlich für Geschmack und Bequemlichkeit!
Nach fleißig verbrachtem Vormittag versammelt sich die Familie zum Mittagbrot.
Kommen alle mit eben gewaschenen Händen zu Tisch? Ich hoffe, ja.
Aber hat die Köchin ebenso ihre Schuldigkeit getan? Hat sie nicht nur sorgfältig gekocht — dieses auf schnellem Feuer, jenes langsam —, hat sie auch alle Schüsseln, Näpfe und Teller zu den warmen Speisen gewärint? Eine Forderung, die — wieder int Interesse von Geschmack und Bequemlichkeit — auch für die heißesten Sommer- tnge gelten muß.
„Jst's aber Sommer und wir wünschen zu den warmen Gerichten erquickende Getränke und ein kühles Dessert, lassen wir diese auch nur genau so lange im Eisschrank, bis sie eine angenehme — und noch unschädliche — Temveratur erhalten haben?
Wir stehen von Tisch auf und überlassen dem Mädchen das Abdecken.
, Oeffnen wir aber vorher ein Fenster oder sind wir sicher, daß die umsichtige Zofe es tut?
Schließen wir es oder schließt sie es zu rechter Zeit, d. h. sobald die Eßgerüche binausgezogen sind und ehe zuviel Kälte, oder Hitze etwa hereingekommen?
Wir haben in unferm Wohnzimmer Besuch von mehreren Perfoneit. Lüften wir, gleich nachdem sie fortaegangen sind?
. Der Tag ist zu Ende. Beim Abendbrot haben wir dieselben Regeln befolgt oder nicht befolgt wie beim Mittag und Frühstück. Nun treffen wir noch einige Vorkehrungen für die Nacht. Oder treffen wir sie etwa nicht? Ich meine nicht Zudecken von Polstermöbeln urt^ Nippsachen, was manche gute Hausfrauen für erforderlich halten, ich meine wieder nur Sorge für gute Lust. Im Sommer weites Oeffnen der Fenster, Zugluft, wo das irgend angängig ist. Im Winter möglichst irgendwo eine offene Ritze, vor allem aber offene Türen durch alle Räume, die wir in der Nacht nicht benutzen. Zwischen Korridoren und Zimmern gleicht sich so Lust und Wärme aus, was sich am nächsten Morgen aufs angenehmste fühlbar machen wird.
Unti nun gehen wir zu Bett, hängen unsere Gartierobestücke zum Lüften auf und wechseln selbstverständlich das unterste, ti. h. wir ziehen ein
Sottesdirnstordmillg in Fntda.
Sonntag, 24. Sept. Dom.5' 8,6 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, *1 10 Uhr Kathedralamt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1*, Uhr Quatember-Andacht, 4 Uhr Predigt und Quatember-An« dachl, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. sMütterver- ein derDompfarrei: Während derOUHr-Messetiommunion, 2’« Uhr Predigt und Andacht). — Stadtpfarrkirche. 5 « heil. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christeulehrpflichtigen Jungfrauen, 8 Uhr hl Liesse und Predigt, 9', Uhr Amt und Predigt, 11 und 1 8 Uhr Christenlehre, 3 Uhr Quatemberandacht. — Pfarrkirche zum hl. Geiste. 8 Uhr Amt und Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Michaelskirche. (T:tular> fest.) Vollkommener Ablaß. Von 1,6 Uhr an Gelegenheit zum Beichten, halbstündlich Kommunionausteilung i 7 Uhr hl. Messe, / 9 Uhr Predigt und Hochamt nach der Meinung der wohllöblichen Maurerinnung, 2 Uhr Predigt und Andacht nut Prozession. — Nonnenkirche. Nachmittags 2 Uhr Herz-Jesu-BruderschaftS-Andacht. — Dienstmädchen-Kongregation. 5 Uhr Generallommunion, 3 - Uhr Andacht. — Frauenberg. Heil. Lienen um b, 6 und 6 Uhr, um 7 Uhr Bruderschaftsmesse» 8 Uhr
Bischöfliche Messe mit Priesterweihe. Nach derselben gegen 10 Uhr letzte hl. Messe, 2 Uhr feierliche Kreuz, wegandacht mit Predigt aus dem Kalvarienberge.
Dienstag, 26. Sept. Dom. Nach der 9 Uhr- Messe Spendung der hl. Firmung.
Römischer wochenbries.
[:] Rom, den 19. Sept. 1905.
Neapel feiert heute das 16. Jahrhundert fest seines uralten Schutzpattons, des heil. Januarius. Die Vorbereitungen, bestehend in liturgischen Funktionen, Predigten usw. sowie in einer großartigen Prozession, an der sich nicht nur der Klerus und fast die ganze Bevölkerung, sondern auch die Behörden beteiligten, dauerten eine volle Woche. Heute nun fand das vielbesprochene Blutwunder statt, welches bekanntlich darin besteht, daß eine Quantität des in zwei kleinen Fläschchen ausbewahrten Blutes des Heiligen während der üblichen Gebete vor allem Volke flüssig wird. In diesem Augenblick bricht das Volk in ungeheuren Jubel aus, alle Glocken der Stadt stimmen ein Festgeläute an und die Kanonen des Arsenals und der Kriegsschiffe feuern einen Salut ab. So nimmt also auch die Königliche Armee und Marine an der Feier Anteil. Schon wiederholt haben die Liberalen Versuche gemacht, dies zu verhindern, doch daran ist gar nicht zu denken; denn die Neapolitaner würden sich irgendwelches Abgehen von diesem alten Brauche einfach — nicht gefallen lassen. Wenn die italienischen Katholiken in anderen Städten und Gegenden ebenso oder ähnlich energisch aufyettetcn wären, so würde wahrlich manches in religiöser und kirchlicher Beziehung anders sein.
Hygienische Versäumnisse im täglichen Zehen.
An Belehrung darüber, tote man auf Grund aller neuen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis ferne Häuslichkeit entrichten soll, fehlt es uns nicht. Vergleichen wir aber, so schreibt man den „Blättern für Volksgefundheitspflege", mit allem so ernst Geforderten die tatsächliche Beschaffenheit der meisten Haushaltungen, so
Das sogenannte Triumvirat, nämlich die Herren Toniolo, Pericoli und Graf Medolago Albani machen im heutigen Osser- vatore Romano bekannt, daß sie vor kurzem eine Besprechung in Mailand gehabt und in der- selbM die Statuten und Jnstruttionen für eine katholische Aktion in Italien „approbiert" haben. Gleichzeitig heißt es, daß diese Statuten und Jnstrukttonen noch im Laufe des Monats (September an die katholischen Vereine und Vereinigungen Italiens zur Prüfung durch dieselben abgehen sollen. Erfreulich an dieser Nachricht ist zunächst, daß die drei genannten Herren nunmehr selbst einig geworden zu sein scheinen, was bisher durchaus nicht der Fall war, da der ge-, lehrte Professor Toniolo in seiner Meinung vielfach von der seiner beiden Kollegen abwich. Nun wird sich zeigen, was weiter geschehen wird. Leider sind die Aussichten durchaus trübe, denn es fehlt mehr als jemals an der so dringend notwendigen Einheit unter den Hauplführern. Und dann rühren sich die autonomen christlichen | Demokraten ganz gewaltig. Für einen Volksverein nach deutschem Muster aber fehlt hier jedes Verständnis.
Der bekannte italienische Komponist des „Roland von Berlin", bekannter noch durch seine sich an die Vorgeschichte dieser Oper anschließende Polemik mit seinem Kollegen Mascagni, hat den hl. Vater gebeten, ihm eine Art von Empfehlung — in Form eines Autographs — für ein von ihm zu komponierendes Äoe Maria zukommen zu lassen; der Erlös dafür soll zu gunsten der durch das letzte Erdbeben heimqe- suchten Calabresen verwandt werden. Dieser Schritt des Komponisten, eines geborenen Calabresen, hat hier vielfach Verwunderung hervorgerufen.
Die öffentliche und private Wohltätigkeit der Italiener hat ihr möglichstes gelegentlich der Erdbeben in Calabcien getan. Die Spalten aller Zeitungen sind voller Zahlen und Ziffern und die Spenden fließen noch immer außerordentlich reichlich. Fast in allen größeren Städten werden Umzüge veranstaltet, um Geld und Gaben einzusammeln. Auch in Monreale bei Palermo fand ein solcher Wohltättgkeitsum- zug statt, an dem der Bürgermeister mit den Stadt- und Gemeinderatsmitgliedern sowie der dortige achtzigjährige Erzbischof mit der gesamten Geistlichkeit und fast alle städtischen Notabeln teilnahmen. Der Ertrag des etwa zweistündigen Umzugs soll 40000 Franken überstiegen haben, ungerechnet der großen Menge von Wäsche, Kleidungsstücken und Lebensmitteln, die von allen Seiten gespendet wurden. Man verhehlt sich hier keineswegs die großen Schwierigkeiten, mit welchen eine wirklich zweckmäßige und gerechte Verteilung der eingelaufenen Gelder und Gaben verbunden fein wird und schlägt in den Zeitungen die verschiedensten Arten vor. Vor allem aber will man ernstlich vermeiden, daß große Summen „abhanden kommen", wie es beim Erdbeben in Ischia der Fall war.
vermischtes.
• Soldatmmißhandlungen hat der Unteroffizier V., 3. Komp. Garde-Fußart.-Regt. in Spandau sich, einem Berliner Blatte zufolge, zuschulden kommm lassen, ohne daß die Äettossenen bisher den Mut fanden, ihren Peiniger zu melden. Endlich hat sich nun die Braut cmes Kanoniers der genannten Kompagnie, angeblich ohne dessen Wissen, veranlaßt gefühlt, an den Chef der 3. Kompagnie, Hauptmann M. in Spandau, folgenden Brief zu richten: „Sehr geehrter Herr Hauptmann! Verzeihen Sie gütigst, daß ich Ihnen Aerger bereiten muß, aber ich weiß mir keinen Rat. Was Sie persönlich anbetrifft, kann ich Ihnen versichern, daß jeder Kanonier Ihrer Kompagnie für Sie durchs Feuer geht und Sie förmlich vergöttert, denn Sie sollen ein vornehmer Herr und Ihren Leuten ein wahrer Vater fein. Dennoch ist fowohl mein Bräutigam, der die Ehre hat, in Ihrer Kompagnie zu dienen, und noch viele andere Leute Ihrer Kompagnie in Verzweiflung, weil ein gewisser Unteroffizier V. sie fortwährend beschimpft und in barbarischer Weise schlagt. So kommt es sehr häufig vor, daß dieser V. beim sogenannten Vortrag die Leute teils mit der Faust, teils mit schweren Geschützteilen, über die er gerade instruiert, vor die Brust und ins Gesicht schlägt, daß den betroffenen das Bmt aus Mund und Nase strömt. Bitte, bitte, lieber Herr Hauptmann, ordnen Sie eine Untersuchung gegen den Unteroffizier V. an und bestrafen Sie ihn, denn er ist unwürdig, in Ihrer Kompagnie zu dienen. Mein Schatz wird dann gewiß wieder froh werde» und feine Freude am Soldatenleben haben und viele andere Leute. Mein Bräutigam weiß nichts von diesem Briefe, deshalb muß idj Ihnen meinen Namm verschweigen. Hochachtungsvoll Marrha, eine besorgte Soldatenbram." — Infolge dunes Brieses ist gegen V. das Verfahren wegen Miß- handlimg Untergebener eröffnet worden.
* Erleuchtete Zeitungsleser. Dem Briefkasten eines südungartschen Blattes entnimmt die ,Brest. Ztg.' folgende merkwürdige Antwort: „Alter Abonnent. Sie haben Ihre Wette gewonnen. Terpsichore ist kein jüdischer Feiertag "
wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.) Fulda, dm 23. September 1905.
Mit begreiflicher Spannung hat man allerseits dem Ausgang der Reichstagsersatz- wah l in Essen, die auf Dienstag anberaumt war, entgegengesehen. Die jozialen Wirren, welche seit Jahresfrist gerade diesen Wahlkreis aufregten, müssen neben den allgemernen politischen Fragen, die in der nächsten Zeit zur Entscheidung stehen, einen bedeutsamen Untergrund für die Wahl abgeben. Bei derselben standen sich in der Hauptsache der Kandidat des Zentrums, das im Besitze des durch den Tod des hochverdienten Abg. Stötze! erledigten Mandates war, ein Kandidat der „nationalen" Mischmaschparteien und ein Sozialdemokrat gegenüber, da ein Christlich-Sozialer nicht ernstlich mitzählte. Das Resultat des ersten Wahlganges ist eine Stichwahl zwischen dem Kan- didaten des Zenttums, Giesberts, und dem Sozialdemokraten Gewehr. Der erstere hat 35 600 Stimmen erhalten, der letztere 28 726. Das Zentrum hat bamit sehr gut abgeschnitten; feine Stimmenzahl übertrifft die bisher im ersten Wahlgang erreichte höchste Ziffer in dem Wahlkreise. Ter Ausfall der Stichwahl hängt von dem Verhalten der „nationalen" Parteien, die 17 866 Stimmen aufbrachten, und der Christlich-Sozialen, die mit 2446 Stimmen beteiligt sind, ab. Die 1689 polnischen Stimmen sind dem Zenttum wohl sicher.
Aus unseren Kolonien in Ost- und Süd- toest - Afrika sind auch heute trotz einiger Teilerfolge der deutschen Schutztruppen feine erfreu- lichc Nachrichten zu melden. In Deutsch-Ostafrika hat sich dec Aufstand noch weiter ausgedehnt, und in Deutsch-Sudwestafrika scheint die Operation gegen Hendrik Witboi nicht den gewünschten Erfolg der Vernichtung der Aufständischen zu haben. Dieselben sind zwar in mehreren Gefechten geschlagen worden, vermochten sich aber mit dem Haupttrupp wieder in Sicherheit zu bringen.
Der feit Sonntag in Jena im Gange befindliche sozialdemokratische Parteitag hat bis jetzt nur ziemlich langweilige Debatten über die Organifatiousfrage gezettigt. Die große „Abrechnung" der „Genossen" unter einander ist noch nicht erfolgt.
Die Cholera hat zwar im Laufe der Woche weitere Opfer gefordert, doch scheint jetzt die Ge- fahr einer stärkeren Ausdehnung der Seuche abgewendet zu sein.
Zwischen Deutschland und Frank- reich dauern die — jetzt in Paris geführten — Verhandlungen über die Marokko-Konferenz noch an. Es heißt jetzt, die Konferenz solle Ende Januar in Algeerras in Spanien zusammentreten. . Der ungarische Reichstag ist am 15. b. Mts. eröffnet und gleich wieder bis zum 10. Oktober vertagt worden, nachdem das Kabinett Feyervary Mitteilung von feiner Demission ge- maebt hat. Die Opposition, die am Vorabende tbre „Anklageschrift" gegen das „ungesetzliche Kabinett" veröfsenllicht hatte, erging sich in lebhaften Protesten, doch lief alles verhältnismäßig ruhig ab. Die Sozialdemokratie hatte mit 30 000 ! Mann eine Demonstration für das allgemeine Wahlrecht vor dem Parlamentsgebäude veranstaltet. Die Krone wird jetzt mit den Führern der Opposition verhandeln. Was dabei heraus- kommen wird, ist absolut ungewiß.
Die Verhandlungen zwischen den schwedisch en und norwegischen Delegierten in Carlstadt find noch im Gange. Einige Tage lang herrschte starke Beunruhigung wegen angeb. hebet Rüstungen Norwegens gegen Schweden. Da lebe kriegerische Absicht seitens Norwegens in Abrede gestellt worden ist, ist diese Beunruhigung wieder geschwunden.
DaS holländische Parlament ist am Dienstag mit einer Thronrede eröffnet worden, welche eine Erweiterung des Wahlrechtes an- kündigte.
2ur Unterdrückung derUnruhenimKau- k a s u s sind jetzt Truppen aus Odessa beordert worden. Der Zar hat die Absicht kundgegeben, eine zweite Friedenskonferenz nach dem Haag zu berufen.
RußlandundJapan sind noch am 12. Sept, an der Küste von Kamtschaka Schüsse gewtthfelt worden. Wohl die letzten in dem jetzt eentiefen Kriege. Rußland kann jetzt ungestört der BrmUerT Aufgabe naher treten, im Innern eirte onn? durchzuführen, die das Zarenreich auf l ch fW es^ politische Basis stellen sollen. Frei- diese Reformen^ ?»cht danach aus, als ob würden. Von ber SeiS^^^^x eifenbr Ldn o-orm herfnrirfrt <1* ,UmQ ln &er geplanten SS eMttVÄ m Öen Formen stecken bleibt. eine Lm" jache können wir emstweilen auch die anqeküntiwte Reorganisation des russischen Kabinetts nur an- sehen. Und doch tun sachliche Reformen immer dringender not. Im Kaukasus schalten einstweilen noch „Tataren und Gesindel" — wie die neueste Formel zeigt — und richten fortgesetzt wilde Metzeleien an. Jetzt sollen starke Tcuppenmassen, die m Odessa eingeschifft wurden, dort die Ruhe wieder Herstellen.
Nachdem die Massen zwischen Rußland und >mpan zur Ruhe gebracht sind, besinnt sich der Zar wieder auf seine „Friedensmission". In -nem gewissen Wettbewerb mit dem Präsidenten JioofebeU hat er eine zweiteFriedenskon- l>ic wie die erste im Haag statt- nden soll. Roosevelt scheint geneigt zu sein, dem I !