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Fulda, Mittwoch, den 20. September 1905.
32. Jahrgangs
Nattonalifierung derZozialdemokratte mmUampse gegen Klerifalismus und
Gottesglauben.
Das ist unstreitig das allerneueste in unserer an Sensationen wahrlich nicht armen Welt. Diesen Nogel geschossen hat ein Herr Dr. M. Epping, der" im neuesten Hefte (Nr. 6) der ,Polit.-Anthro- pol. Revue' in einem „Entwickeümgs • Gedanke und Klerikalismus" überschriebenen Artikel zum heiligen Krieg gegen Klerikalismus und Theismus anrust 1
Wir haben den Artikel zu lesen begonnen in der Erwartung, etwas sachliches Material zu finden zu dem Streite Häckel-Wasmann. Nichts, aber auch gar nick 3 Sachliches findet sich. Oedes Geschimpfe über Papismus und Klerikalismus, ganz a la — Häckel.
Aber warum dann zum Kriege rufen! Halt! Die katholische Kirche fängt an, mit dem Entwickelungs-Gedanken sich auszusöhnen, Kompromisse zu schließen, und das alles geschieht doch nur, um finsterste Nacht über das arme deutsche Reich zu verbreiten. Und schändlich, auch auf evangelischer Seite greifen dieselben Versuche Platz.
Doch hören wir den Mann:
„Der Kampf um die Entwickelungsgedanken ist daS Ringen nach einer modernen, das heißt freien und naturalistischen Weltanschauung. Verwunderlich und im höchsten Grade verdächtig ist es nun, daß die katholische Kirche selbst anfängt, mit der Ent« wickelungslehre Kompromisse zu schließen. Man kann diesen Versuchen nur den größten Argwohn entgegenbringen und man muß Häckel darüber dankbar sein, daß er gleich im Anfang die Heuchelei und Sophistck dieser .jesuitischen Entwickelungslehre' aufgedeckt hat. Deutsche Jesuiten sind es, wie Wasmann» Zander, Gutberlet, die diesen Versuch unternahmen, Kirchenglauben und Wiffenschaft auszusühnen, natürlich nur in einer verstümmelten und sophisttschen Form" (339).
Wir beginnen zuerst mit dem letzten Satze, weil dieser die ganze Art und Weise dieses Helden aus den Kreisen der Jenenser Janitscharen in geradezu klassischer Beleuchtung zeigt.
Der Mann behauptet, daß die drei deutschen Jesuiten Wasmann, Zander und Gut- oerlet in einer verstümmelten und sophistischen Form Kirchenglaube und Wissenschaft aussöhnen. Wir erklären auf Grund dieses Satzes dem Herrn Epping ins Gesicht, daß er von all' diesen dreien, denen er Sophisterei und Verstümmelung der Wissenschaft zum Vorwurf macht, kein einziges Buch in der Hand gehabt hat. Denn sonst wüßte er, daß von diesen dreien nur Wasmann eiir Jesuit, Zailder dagegen Benediktiner in Einsiedeln und Gutberlet Professor in Fulda ist. Das alles ist auf den Titelblättern der Schriften der betreffenden Herren zu lesen, außerdem aus dem eweiligen Vorwort ersichtlich. Das alles weiß oer, welcher die Sachen wenigstens einmal in der Hand gehabt hat.
Herr Epping zeigt nur, daß er Häckel nach- 'chinipfen kann, aber aus die Gedanken, die Dar- .iellungen der betreffenden Schriftsteller einzugehen, nicht einmal für nötig hält.
Und so fragen wir den leidenschaftlichen Par- Kigänger Häckels: Sind es wirklich bloß diese orei Männer, welche Kirchenglauben und Wissenschaft, in diesem Sinne den Entwickelungs-Gedanken, mit einander versöhnen wollen? Bei dieser „Versöhnung" kann es sich nur handeln um die Stellung zu einem Schöpfergott. Sind es aber nicht gerade Naturforscher, die gerade o.ese Vereinbarkeit betont, so ausgesprochen haben. Daß die Entwickelungslehre erst recht einen Schöpfer ,ordere!
Herr Epping hat ganz recht, wenn er sagt: „Der Kamps um den Entwickelungsgedanken ist das Ringen nach einer modernen, daß heißt freien und naturalistischen Weltanschauung", aber in einem ganz anderen Sinne, als er meint. Der Kampf kommt nämlich daher, daß die freie, na- luralistische, rein mechanische Weltanschauung geglaubt hat, ihre Hypothesengebäude mit der Ent- wickelungslehre stützen zu können. Daher die Versuche, die. Entwickelungsprozeffe mit rein mechanischen Kräften zu erklären. Die tiefere Forschung hat gezeigt, daß dieser Versuch kläglich 'ehigegriffen hat und demenffprechend diese mechanische Auffassung des Entwickelungsgedankens für immer gerichtet ist.
Ueberhaupt fragen wir einmal, aus welchen Gründen glaubt denn diese Art Wissenschaft den Schöpfergott, den Schöpfungsbegriff ablehnen zu sollen? Da wird immer gesagt, das sei eine rein mechanische, handwerksmäßige Vorstellung, die mit den Forderungen der Vernunft nicht in Ein« klang zu bringen sei. Aber wenn man hier eine solche mechanische Auffaffung glaubt zurückweisen zu tollen, mit welchem Recht macht man auf der anderen Seite eben den rohen Mechanismus zum Weltenbauer? Soll da vernünftig sein, was dort als unvernünftig gebrandmarkt wird? Daß aber diese mechanische Welterklärung falsch ist, das bat ja eben die tiefere Forschung gezeigt. Denn drese hat so viel Tatsachenmaterial zu Tage gefördert,, statt eines rein mechanischen Naturpro- zesses einen solchen mit so großer Vernunft und
Weisheit — wenn wir so sagen wollm — imprägnierten Naturprozeß aufgezeigt, daß jeder, der nicht absichtlich seine Augen verschließt, sehen muß, wie die Natur mit ihrer Riesenhand hinweist auf eine schöpferische Intelligenz als einzig hinreichende Ursache des Naturganzen und seines Entwickelungsprozeffes.
Und so sind es Naturforscher gewesen, die gleich von anfang an als der darwinistische Irr- wahn seinen Umzug begann, betont haben, wie die Entwicklungslehre richtig verstanden einen Schöpfer erst recht verlangt.
Wenn aber die theologische Wissenschaft — denn um diese handelt es sich, nicht um die „Kirche" — daß doch diese Leute gar nie recht unterscheiden können! — die „orthodoxe" wie die katholische, um mit Epping zu reden, die Ergebnisse der Naturwissenschaft, oder von dieser annehmbar gemachte Hypothesen in ihre Arbeit aufnimmt, so sollte man darüber nicht entsetzt sein, sondern das dankbarst anerkennen. „Verwunderlich und im höchsten Grade verdächtig" kann das nur jemanden vorkommen, der richtig fühlt, das damit die Ausschlachtung der Entwicklungslehre im Dienste des Unglaubens, wie sie lange Zeit von dem Vegt und Häckel getrieben wurde, ein Ende hat und man daher nicht mehr im Trüben fischen kann.
Für einen solchen aber kann es sich, sofem er als ritterlicher Kämpe genommen werden will, nur handeln um einen Kampf mit geistigen Waffen der Wissenschaft. Indem aber Herr Epping nach der Nationalisierung der Sozialdemokratie ruft, damit die „Besitzenden" und „der Staat" mit ihr zusammengehen können — denn „daß der deutsche Staat mit der klerri- kalen Partei Hand in Hand geht, hat seine Ursache in dem totalen Versagen der Sozialdemokratie in bezug auf die notwendigsten nationalen Forderungen" (S. 338) — zum Kampf gegen den Klerikalismus das heißt in diesem Fall gegen die theistische Weltanschauung und den Gottes- alauben, bekennt er, daß er zu den Waffen der Wissenschaft kein Vertrauen mehr hat. Er hat recht mit seiner Angst. Denn auch das härteste Gestein von Vorurteilm und Irrtümern zersetzt schließlich die bohrmde Macht des Gedankens, des logischen und wahren Denkens. Das ist darum ein recht gefährlicher Feind und wir begreifen völlig, wenn man in gewissen Kreisen den Kampf um den Entwickelungsgedanken aus- getragen wissen will nach Art der Horatier und Curiatier, das heißt mit den Waffen der Gewalt.
Welch ein Armutszeugnis I aber auch welch eine Verblendung und so was für Jena, wo erst kürzlich zur größeren Verherrlichung Häckels eine Broschüre herausgegeben worden ist mit dem veilchenhaft bescheidenen Titel „Die Sonne von Jena!" Da ist man am Tage einer Sonnenfinsternis versucht, an eine permanente Finsternis dieser „Sonne" mit ihrem ganzen Planetensystem zu denken.
Nur das eine möchten wir diesen Herren zu bedenken geben:
Der Entwickelungsgedanke ermöglicht eine tiefere Auffassung der Ursächlichkeit in den Ge- bieten der Natur, die aber nicht von einem Schöpfer weg, sondern zu ihm hinführt, aus dem sehr einfachen Grunde, weil alle die Voraussetzungen, mit welchen die Entwickelungslehre arbeiten muß, eben keineswegs von sich aus selbstverständlich sind, sondern ihrerseits erst recht einen zureichenden Erklärungsgrund fordern! Also Entwickelung nicht gegen, sondern auf Grund der Schöpfung!
kl c. vom wein und Weinbau Norbbeutschlands im Mittelalter.
Von Dr. Hoffmann.
(Nachdruck verboten.!
In dem letzten Jahresberichte der geographischen Gesellschaft zu München veröffentlichte Jos. Reindl eine Skizze über die früheren Weinkulturen in Deutschland. Der Verfasser weist darauf hin, daß zwar die Weinkultur ihren Weg von Osten nach Westen genommen hat, daß aber der Weinstock bereits im Tertiär in Europa ein bekanntes Gewächs war, ja, daß wahrscheinlich vor dem Eingreifen des Menschen in die ursprüngliche Vegetation die Rebe weit verbreiteter als gegenwärtig gewesen ist. Reindl meint, viele würden sich darüber wundern, daß im 14. und 15. Jahrhundert in Bayern der Weinbau gang und gäbe gewesen sei und vielleicht der Ansicht sein, lediglich veränderte Klimabedingungen hätten den Rückgang der Rebekultur herbeigeführt. Erstaunlicher aber noch als der ehemalige rege Weinbau in diesen südlichen Distrikten, von denen Reindl spricht, ist die frühere Weinkultur in unseren nördlichen Breiten. Hier wie dort liegen für den Rückgang wenigstens zum Teil dieselben Be- dingungm vor. Der Weinbau zieht sich aus den nordischen Landstrichen in erster Linie zurück, weil feine Stände jetzt ökonomischer und vorteilhafter bewirtschaftet werden können. Anderseits wird aber auch die Rebe durch fortdauernde „Jnnen- zucht" immer weniger widerstandsfähig gegenüber den Härten des Winters, so daß also derselbe Weinstock, der vielleicht im Mittelalter sehr reiche Erträge brachte, selbst wenn er der Witterung und dem Zahne der Zeit getrotzt hätte, gegenwärtig unter denselben klimatischen Verhältnissen derart
verweichlicht wäre, daß seine Trauben entweder nicht mehr zur Reife kämen oder eine Kelterung wegen allzu mäßigen Ertrages nicht mehr verlohnten. Schließlich hat auch die starke Entwaldung die Weinberge eines starken Schutzes gegen die kalten Stürme des Winters beraubt. Es wird keine unerwünschte Erweiterung des von Reindl angeschnittenen Kapitels sein, wenn wir dazu einige Beiträge vom Niederrhein und aus Westfalen der weiteren Oeffentlichkeit unterbreiten.
Man nimmt wobl mit Recht an, daß der Wein- bau spätestens zugleich mit dem Christentum in diesen Gegenden heimisch wurde, denn der Wein war für die Kirche zur Feier der heiligsten Geheimnisse ja unentbehrlich, die Transportmittel aber so unzulänglich, daß man schon bald daran denken mußte, den Bedarf an Ort und Stelle zu decken. Wenn man aber noch so vorsichtig in der Auswahl des Standortes, der Rebsorten und geherbsteten Trauben war, so riodjte doch ein verwöhnterer Gaumen ihm wohl keinen Geschyiack abgewinnen und einem, der aus bevorzugterer Weingegend kam, beim ersten Schluck westfälischen Landweines der Spruch des Aeneas Silvius Piccolomini in den Sinn kommen, welcher ungerechtfertigterweise vom westfälischen Gerstensaft sagte: Adde aliquid sulfuris et erit potus Intervalls (Tue etwas Schwefel hinzu und es wird ein Teufelstrank fein). Und über den Wein, der auf den Feldern des Klosters Kamp bei Geldern gezogen wurde, ging das Sprüchlein durch die Lande: Vinum Campense non est gaudium mensae (Der Wein von Kamp ist keine Tafelfreude). Um ihn trinkbarer zu machen, mischten unsere Vorfahren ihrem Landwein süße aromatische Säfte bei, aber auch diesem Mixtum gegenüber rechnete man einen verzuckerten Schlehenwern noch zu den süßen Weinen; ein Rheinwein wurde es nicht. Die Gaumen wurden aber verwöhnter. Die besser situierten Bürger wollten auch in ihren Ratsweinkellern Rheinwein kosten. Die reicheren Klöster entsandten schon im 12. Jahrhundert ihre Leute an den Rhein, um den Keller für Festlichkeiten und hohen Besuch mit einer besseren Marke zu versehen. Namentlich zu Weihnachten gab es einen besonders guten Trunk, den Middewinterswyn, zu dessen Beschaffung z. B. der Priester Gosen dem adeligen Damenstift Ucberwasser zu Münster als Memo- rienftiftung einen Goldgulden und einen Horn- schen Gulden vermachte. Die begüterten Städte schickten Wohl eine eigene Kommission in die Weinberge des Rheins.
In eigener Weinzucht konnten die Städter selbstverständlich nicht mit den geistlichen Orden konkurrieren, namentlich nicht mit denen, welche z besonderen Wert auf die Ackerwirtschaft legten. Ueppige Reben gediehen einst, als dort noch die Prämonstratenser segensreich wirkten, in den sich zu Tal senkenden Gebäuden des Klosters Kappenberg, wo noch heute eine Flur den Namen „Weingarten" trägt; früh ist die Rebe heimisch in Lies- born; in Corvey ziehen die Mönche sie schon um die Wende des Jahrtausends am Rauschen- und Siebenberge, und wenn man die Inventare der westfälischen Kommenden des Deutschritterordens, sei es von Münster oder Mülheim, durchstöbert, so stößt man auf die Weinkeller; gerade der Deutschritterorden ist ja bekannt als Verbreiter der Weinkultur bis nach Königsberg hin. Das Weingelände der Dominikaner am Südabhange des Stadtberges von Warburg war so umfangreich, daß die darin bis in das 13. Jahrhundert stehende Pfarrkirche Maria in vineis (Maria im Weinberge) benannt wurde. Weit ausgedehnte Weinberge besaßen auch die Bischöfe von Minden schon im 11. Jahrhundert an den Abhängen des Wesergebirges, wo ein besonders geschätzter Land- toein wuchs. Der münsterische Bischof Florenz (1369—1378) legte zu Telgte unter den Mauern seiner Burg einen Weinberg an, und westfälische Chronisten finden es bei der Erwähnung wert, wenn der Wein einmal ein schlechtes Jahr hatte, oder wenn Feden und Bürgerkämpfe, wie z. B. die Wiedertäuferunruhen in Münster die Weinberge berührten, ja selbst als Christoph Bernard von Galen 1661 gegen die Stadt Münster an- rückte, werden sie noch genannt. Sogar vor den rauhen Bergen des Sauerlandes machte die Rebe nicht halt; wir finden sie in Meschede, Eversberg, Wildhausen, Iserlohn, im ßennetal und bei Altena; in Arnsberg führt noch heute eine an der Südwestseite der Stadt gelegene Erhebung den Namen „Weinberg". Auf größeren Parzellen des Klosters Herdecke wurde Wein gebaut und der 1385 zu Soest vereinbarte Landfriede nahm ausdrücklich auch die Mäher, Hacker, Schneider, welche an den Wein- und Hopfengärten arbeiten, sowie die Umfriedigungen aller Wein» und Hovfengär- ten in Schutz. Ueberhaupt war die Weinlese namentlich in den Tälern der Ruhr und ihrer Nebenflüsse, so auch der Möhne, noch bis in das 17. Jahrhundert hinein ziemlich beträchtlich. Da kann es allerdings nicht wundern, wenn wir im geschützteren Münsterlande fast allerwegen auf Flurnamen stoßen, welche mit dem Weinbau im Zusammenhang stehen, wenn wir in Paderborn auf dem Bußdorf und vor dem Westerntore einen Weingarten finden, wenn noch Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg um die Zeit des 30-jährigen Krieges bet Neuhaus Wein anpflanzte und dieser auch im Klevischen an den Abhängen des Monre- berges beheimatet war.
War der Weinbau so Verbreitet, dann erklärt es sich, warum auch in Westfalen im Mittelalter für gewisse Vergehen die Strafe in Wein gezahlt werden mußte. So bestimmt das Dortmunder Recht, daß der Bürger, welcher einen anderen bedroht, schlägt, feftnimmt ober angreift, der Obrig- feit 9 Ohm Wein zu erlegen hat. Wenn damals in dem jetzigen Kohlenrevier die Roheftsdelikte
I so häufig gewesen wären, wie heutzutage, dann wäre der Ratsweinkeller allerdings wohl nie leex geworden. Weinpantscher gab es damals so gut wie heute. Die Strafe aber, welche im Mittelalter auf Panischer ei stand, würden unsere Weinhäud- ler drakonisch nennen. Es war eine weinstphe, und feuchtfröhliche namentlich in den Städten für Bürgermeister, Schöffen und Rat, denn solche Weinstrafen wurden von diesen — vertrunken und sie widmeten sich diesem „löblichen" Gebrauche oft mit einer solchen Gewissenhaftigkeit, daß sie, wie 1482 in Siegen mit der Kasse nicht langten und auf Vorschuß tranken. Im allgemeinen blieb allerdings der Wein das Getränk der Vornehmeren und Reicheren; in Lippstadt hatte daher die städtische Weinstube den ominösen Namen Protzenstedde. Nicht immer ging es an solchen Stätten vornehm her; an Raufereien fehlte es nicht, wenn Wein und Würfel die Gemüter erhitzt hatten. In Münster kam es bet einer solchen Kneiperei 1408 sogar zu einem Morde.
Es waren häufig Mengen, welche in den Seilern selbst kleinerer Städte lagerten, so wurden nach den Stadtrechnungen von Wert 1611 dort an 140 Ohm Wein zum Preise von 2800 Talern eingefauft und zu 3699 Talern verkauft, also mit einem Gewinn von annähernd 190 Talern für die Stadtkasse. Der Verkauf unterstand wie der Einkauf der Kontrolle einer bestimmten Kommission oder auch wohl einem einzelnen Beamten, so in Münster den Weinschrötter, der u. a. auch dafür zu sorgen hatte, daß die Akzise für eingeführten Wein richtig bezahlt wurde. Der Weinpreis wurde vom Bürgermeister und Rat festgesetzt; ursprünglich war die Preisfestsetzung allerdings dem Territorialherrn Vorbehalten. Auch über private Weinschenken übten die Städte natürlich eine scharfe Kontrolle. Dort auch ging es namentlich bei Hochzeiten und Kindtaufen oft hoch her, sodaß die Obrigkeit sich veranlaßt sah, gegen die überhand nehmende Schlemmerei einzuschreiten und genau zu bestimmen, wie groß die Zahl der Teilnehmer und die der aufgetragenen Schüsseln fein dürfte; selbst für das Trinkgeld wurde ein Maximalbetrag festgesetzt, lieber das Leben und Treiben in diesen Schenken gibt ein Brüchten- regifter aus Siegen aus dem 15. und dem Anfänge des 16. Jahrhunderts einige Aufschlüsse. Landgerichtsrat von Detten führt daraus in feiner interessanten Schrift: „Westfälisches Wirtschaftsleben im Mittelalter" u. a. an: Gottschalk Mer- keler wurde mit einem Gulden bestraft, weil er aus des Wirtes Henckin Hause fortgegangen, ohne gezahlt zu haben; des Mußkorn Bergknecht mußte, weil er Hännchen von Holleküssen ein Glas Wein in die Augen geschüttet und unter die Bänke geworfen hatte, zwei Gulden Strafe zahlen; Henne Kathrin hatte im Wirthaus über die gebotene Zeit gesessen und wurde deshalb mit 12 Albus bestraft.
Wir sehen also, daß es damals ebensowenig wie heute an Zechprellern, Jähzornigen, Trinkern noch an solchen ferTte, welche den rechtzeitigen Anschluß aus der Schenke nach Hanse nicht finden konnten.
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vermischtes.
* In der Hitze eines Streites gibt der eine oem anderen eine Ohrfeige „Scherz oder Ernst?" fragte der Geschlagene. „Ernst," erwiderte der andere. „Das ist gut, denn einen solchen Scherz hätte ich nicht verstanden."
* Pfiffig. Kunde: „Ihre Ladenmädchen schielen ja alle; konnten Sie denn keine hübscheren bekommen ?' Chet: „Die habe ich als Schutz gegen Ladendiebe engagirt; die Hallunken wissen bann nie, wo die Mädchen eigentlich Hinsel en!"
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Svarsame Hausfrauen sehen nicht allein auf große Ausgiebigkeit eines Kindernährmittels, sondern sie achten auch darauf, dass es die Kinder gut ernährt und gern von denselben genommen wird. Sehr ausgiebig, d. h. billig im Gebrauche ist Kufeke's Kindermehl, welches als dünne Suppe — 1 Eßlöffel auf •/< Liter Wasser — gegeben wird. Dasselbe ernährt nicht nur die Kinder sehr gut, sondern es verhindert auch nach Möglichkeü das Auftreten von Magen- und Darmkrankheiten.
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