»scheint täglich, mit kuenahme der Sonn» mdZeiertage. Viertel» lährl. Bezug,prei» ohne Sringerlohn und YeKeügeldinZuIdaund aurwärtr 1M 50 PfS-
Verantwortlicher A^istlelter: 3. Baum für die Anzeige«
I. parzeürr in Zulda.
gulöaer W Zeitung
üMicnbcHagc: „Illustrierte Sonntagrzeitung" m»uak»«nage: „Zuldaer SeschichtrblStter".
Anzeigen: Vie eta- spalligr Petitzeil« oder deren Saum 15 Pfg. Reklamen die prtitzrilr iS pfg.; bei Wiederholungen wird elttjpr. Rabatt gewährt.
Lotationrdruck n. Verlag der Zuldaer 2k» tiendruckerei in Zulda. Sttnfpttd}« to. 9.
32. Jahcgmrg
Fulda, Dienstag, den IS. September IWä
214.
Reichstag zu ersuchen, daß der Termin für deren Inkraftsetzung vom Jahre 1910 auf das Jahr 1917 verschoben werde, in weichem Jahre die jetzt abgeschlossenen Handelsverträge ablaufen Man hofft, daß die beteiligten Gemeinden bis dahin imstande sein werden, Eriatz der ausfallenden Einnahmen zu beschaffen. Bis Ro. vember d. I- soll der Entwurf einer Petition mit einer umfassenden begründenden Denkschrift über die finanziellen Wirkungen der Aufhebung der städtischen Verbrauchsabgaben ausgearbeitet und den interessierten Gemeinden zur Beschlußfassung zugestellt werden. — Das genannte Blatt bemerkt dazu: Wir haben schon bei Gelegenheit der Vorberettung dieser Aktüm auf dem letzten Städtetag den beteiligten Stadtverwaltungen den Rat gegeben, mtt der Reform ihres Finanzwesens lieber bei- zeiten zu beginnen, statt mit nutzlosen Agttationen, die unter keinen Umständen einen Erfolg haben können, die Zett M vergeuden. Wir können diesen Rat heule nur wiederholen. Die Frist bis 1910 ist im übrigen mehr als ausreichend. Höchst ungeschickt ist es auch, daß man gerade jetzt mit solchen For- derungen kommt. Wenn man — und zwar nicht ohne Grund — über eine starke Fleischteuerung klagt, wenn man — wie es die städtischen Verwaltungen fast allgemein tun — die Beseitigung aller Seuchenschutzmaßregem an der Grenze fordert, dann sollte man sich doch dreimal besinnen, ehe man sür die Beibehaltung von städttschen Fleisch» und sonstigen Lebensmittelabgaben eintritt, deren preisverteuernde Wirkung unbestreitbar ist. Besonders merkwürdig, wenn auch für den Kenner unseres kommunalen Liberalismus nicht weiter wunderbar ist es, daß namentlich liberale städtische Vertreter sich dieser widerspruchsvollen Haltung schuldig machen.
\ Heber die dürftige aumuye Berichterstattung betreff eub den Aufstand in Deutsch- Südwestafrika führt auch die ,Deutsche Tagesztg." Klage. Ein« längeren Ausführung des Mattes über den Aufstand entnehmen wir folgenden Passus: „Die amtlichen Beruhte über den Stand des Kampfes, über die Aussichten der Zukunft find überaus dürftig. Die Telegramme teilen nur einige Vorgänge des Tages mit, die hin und wieder schwer verständlich find. Was sonst noch amtlich veröffentlicht wird, beschränkt sich auf eine mehr ober weniger akademische Betrachtung der Kriegslage. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Bevölkerung von zuständiger Stelle mehr aufgeklärt würde, soweit das nach der Lage der Dinge möglich ist."
* Aus Deutsch-Südwestafrika. Em Telegramm aus Windhuk meldet: Am 13. Sept, int Gefecht bei Nuhib westlich Haruchas g e» fallen: Sergeant Joseph Groß, geb. zu Momberg, früher Infanterie-Regiment Nr. 82, Reiter Emil Hauptmann, geb. zu Steindeck, früher Füsilier-Regiment Nr. 90. Verwundet Major Georg Maercker, geb. zu Bälden bürg, früher im Generalstab der zweiten Division, schwer (Schuß in die linke Schulter), Assistenzarzt Dr. Alfred Korsch, geb. zu D nzig, früher Infanterie- Regiment Nr. 54, schwer (Schuß ins Becken, Unterleib und linke Schütter). Unteroffizier Fritz Winzer, geb. zu Glogau, früher Pionier- Bataillon Nr. 5, schwer (Schuß in den rechten
worrenen Frage. Wir wiffen nicht, wie sich die Regierung dajm stellt. Aber wir find sehr geneigt, aus der Entscheidung darüber, ob das Volksschulunterhaltungsgesetz in einer Herbsttagung dem Parlament vorgelegt werden soll oder nicht, einen Schluß darauf zu ziehen, ob die Regierung an der bisherigen Grundlage für diese Angelegenheit festzuhalten gedenkt ober nicht. Darum wünschen wir, daß die Regierung wieder einmal etwas über den Stand der Dinge und die Aussichten für eine Herbsttagung des Landtages verlauten läßt.
Oberarm und Unterleib), Reiter Wilhelm Simon, geb. zu Groß-Pohlwitz. früher Jnfanterie-Regt. Nr. 154, schwer (Lungenichuß). (gefreiter Max Ritsche, geb zu Großrohrsdorf, früher im sächsischen Feldartillerie-Regiment Nr. 12, leicht (Schuß in den Oberschenkel). Retter Paul Zacher, geb. zu Steinau a. d. Ober, früher Pionier-Bataillon Nr. 6, leicht (Schuß in den Oberschenkels Vermißt: Sanitätsunteroffizier Kart Scholz, geb. zu Königshuld, früher Grenabier-Regiment Nr. 10. An Verwundung geftorben am 14. Sept. Reiter Karl Sefz, genannt Bient, geb. zu Präsfuttern, früher 3. Garde-Regiment z. F., infolge einer am 13. Sept, erhaltenen schweren Verwundung. Nachträglich wird gemeldet: Am 2. Sept, au, Patrouille westlich Otjitjitkna verwundet Heinrich Volkmer, geb. zu Weißstem, früher Grenadier- Regiment Nr. 3, leicht (Schuß in den rechten Oberarm und in die linke Schulter). Außerdem am 11. Sept, auf Patrouille beiHaruchas verwundet Leutnant Hans Lorenz, geb. zu Kämen, früher Jnfanterie-Regimeni Nr. 117, schwer, näheres noch nicht bekannt; Gefreiter Otto Fronzeck, geb. zu Bodschwingken, früher Dragoner-Regiment Nr. 10, am 22. August durch Unvorsichtigkeit eines Kameraden verwundet (Schuß in ben linken Oberschenkel).
§ Cholera. In Preußen sind vom 16. bis 17. September 10 choleraverdächtige Er- kranrungen und 5 Todesfälle gemeldet; vom 17. bis 18. September mittags find 13 Erkrankungen und 1 Todesfall an Cholera gemeldet; von den vom 17. bis 18. gemeldeten Ertränkungen entfallen auf die Kreise Stuften bürg 1, Marienburg 3, Graudeuz 2, Stettin 2, Lebus 1, Posen 1, Schubin 1, Czarnikau 1 und Breslau 1. Bon ben früher gemeldeten choleraver- dächtigen Erkrankungen ist eine durch die bak- teriologische Untersuchung nicht als Cholera fest- gestellt worden. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 202 Erkrankungen, von denen 75 tödlich endigten.
— B«liu, IS. Sept. 1905. Der Kaiser ist heute vormittag ui Hubertusstock eingetroffen; di« Kaiserin hat sich zunächst «ach Plön begeben. — Eine Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten ordnet jetzt an, daß am 20. September, dem Geburtstage der Frau Kronprinzessin, alle Dienstgebäude zu beflaggen ftnv. Auch die übrigen preußischen Zenrral- behörden haben dieselbe Anordnung ergehen lasst». — Reichskanzler Fürst Bülow hat von dem Sultan den Nischan-i-Jftichar-Orden erhalten.
Q Jena, 18. Sept. 1905. Heute früh begannen die Verhandlungen des sozialdemokratischen Parteitages. Vorher überbrachten noch der österreichische Abg. Ellenbogen, der Engländer Askew, der Holländer Mendel und der Russe Johann Grüße von den Genossen ihrer Heimat. Das Referat über die neue Parteiorganisation erstattete Abg. v. Vollmar, der die einzelnen Paragraphen des Entwurfs der Reihe nach durchging und erläuterte. Für Nichtsozialdemoiraten haben nur Interesse die neuen Bestimmungen über die Gliederung der Partei. Danach soll ieber Parteigenosse dem sozialdemokratischen Wahlverein seines Wahlkreises angehören. Diese Wahlkreise schließen sich zusammen zu Bezttks- und Landesorganisationen. Wo die Bere'Nsgesetze die ausgesprochen politischen Vereine verbieten, soll die Organisation in anderer, dem Landesrecht entsprechenden Weise geschehen. Die Bezirksverbände setzen die Mitgliederbeiträge fest und
*, vk Einberufung -es preuhifchen Landtages.
Die Angelegenheit der Einberufung des preußischen Landtages ist zu einem Frage- und Autwortfpiel geworden, das nahe taran rst, einen Zug ms Komische zu erhalten. Man muß sich immer wieder vergegenwärtigen, daß es sich habet um eine hochwichtige Frage, nämlich um die Erledigung oder Nichterledrgung «nes BolkSs chulunterhaltungsgesetzes hau- dett, um dem Ernste der Lage trotz des wechsel- vollen Rätfelspieles gerecht zu werden. Heute wird von diesem ober jenem „ besinnterrrchteten Blatte versichert, die betreffende Vorlage sei von- siändig ferttggestellt und man habe „mit Be- stimmtheit« auf eine Einberufung des Landtages spätestens Ende Oktober zu rechnen, morgen kommt ein „befferunterrichtetes" Blatt und meldet, die Vorlage sei erst in ihren Grundzügen fertig, es würben noch so viele „Begutachtungen" darüber eingeholt, daß gar nicht daran zu denken fei, daß bei Landtag noch im Herbste in die Lage käme, sich mit dem Gesetzentwurf zu befaffen. Ueberhaupt sei es sehr zweifelhaft geworden, ob die Vorlage schon m Der kommenden Session dem Landtage zugehen könne.
So geht es nun schon seit Wochen hin und her, ohne daß die Regierung sich veranlaßt sähe, mit einem Worte die Situation zu klären. Seit der vor geraumer Zeit erfolgten Mitteilung der Mordd. Allg. Ztg.h daß die Regierung an dem Plane festhalte", den Landtag zur Erledigung deS Volksschulunterhaltungsgesetzes zu einer Herbsttagung einzuberufen, ist in der offiziösen Presse von der ganzen Angelegenheit nicht mit einem Worte mehr die Rede gewesen. Unbedingt Sicheres liegt demnach über die Frage einer Herbsttagung des Landtags nicht vor. Immerhin darf man die aus konservativer Quelle stammende Nachricht wohl als zutreffend erachten, daß der Entwurf eines Volksschul- unterdaltungsgesetzes im Kultusministerium fertig- gestellt ist und zur Begutachtung an die Pro- vwzialbehörden hinausgegangen ist- Darüber hinaus weiß man nichts Sicheres und darum haben die Rätsel-Weisen in der Presse freie« Spiel.
Sollte es nicht einmal wieder an der Zett sein, daß die offiziöse Presse den Mund austut und die Welt wiffen läßt, welche Auffassung heute in der Regierung über die Angelegenheit vorherrscht?! Das ewige Hin und Her wirkt auf die Dauer geradezu verwirrend.
Man würde diese Meinungsverschiedenheiten auf sich beruhen lassen und den Gang der Dinge gelassen abwarten können, wenn die Sache nicht einen Hintergrund hätte, der Beachtung verdient. In den Wünschen und Hoffnungen auf der einen Seite, den Befürchtungen und Abweisungen auf der anderen Seite spiegelt sich nämlich nur zu deutlich die Wirrnis wieder, die bei den Parteien eingezogen ist, die für das ursprüngliche Kompromiß in bet Schulunter- haltungssrage eingetreten find. Die Liberalen möchten sich von der Basis, auf die sie sich damals gestellt haben, gern mehr oder weniger wett entfernen und vor allem dem Prinzip der Konfessionsschule ein Schnippchen schlagen. Das ist der Kernpunkt der anscheinend so ver-
Deutsches Reich.
Berlin, den 18. September 1905.
—* Die .Germania' veröffentlicht eine Zuschrift des Paters D. Enshoff 8. B. aus St. Ottilien über die Ermordung des Miffions- bischoss Spiß in Deutsch-Ostafnka, die sich auf in St. Ottilien eingetroffenen näheren Nachrichten über die Bluttat stützt. Danach ist es durchaus unrichtig, daß, wie verschiedene Blätter behaupten zu dürfen glaubten, Bischof Spiß und seine Mffionare die Wilden förmlich herausgefvrdert und dadurch erst den Aufstand verursacht hätten. Die Ermordung des Bischofs ift vielmehr auf dem Rückweg zur . lüste erfolgt. Die Zuschrift schließt daher mit olgenben Ausführungen: „Eines aber ergibt ich aus obiger Darstellung a's ganz sicher: Der leberfdtt des Ortes Livele erfolgte vor der Ermordung der Mffionare. Mit dieser Tatsache, deren Gegenteil die .Tägliche Rundschau' vom 28. August angenommen hatte, um daraus die Schuld des gefallenen Miffionsbifchofs an der Ausbreitung des Aufstandes zu konstruieren, erweist sich diese ganze Behauptung als völlig grundlos und unrichtig.
* Um seiner Reichsfinauzreform eine „sichere" Unterlage zu geben, greift Reichsschatzsekretär Fchr v. Stengel auf alle möglichen allen Steuerpläne zurück. Die ,Deutfche Tagesztg.' glaubt sogar zu wissen, daß im Reichsschatzamt eine Wehrsteuervorlage mit ausgearbeitet worden fei. Sie vermag allerdings nicht ju behaupten, daß diese Wehrsteuer nun auch tn das entgültige Programm der Reichsfinanzreform aufgenommen worben sei. Hoffentlich hat sich inzwischen Frhr. v. Stengel überzeugt, baß er mit einer Wehrsteuer noch weniger Glück haben würde als mit seinen übrigen Steuerprojekten. Einer Wehrsteuer stehen so viele prinzipielle und prakttsche Gründe entgegen, daß sich eine Majorität für sie im Reichstage sicherlich nicht finden wird.
* Zur Aushebung der BeroramtzSsogabe« der Mädte. In Mannheim traten am lehren Freitag unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Beutler (Dresden) eine Anzahl Vertreter b«ttscher Städte zusammen, um über die Abwendung der aus dem § 13 des Zolltarifgesetzes (Verbrauchsabgaben der Städte) den städtischen Finanzen angeblich drohenden Gefahr«« Stellung zu nehmen. In den vertraulich Sr"' len Verhandlungen wurde, wie der ,KöIn.
zettnng' aus Mannheim geschrieben wird, beschlossen, den Gemeinden vorzuschlagen, von einem Antrag auf völlige Wiederbe- feitigung der reichsgesetzlichen Bestimmung abzusehen, dagegen Bundesrat und
Zwei verstoßene.
Von Br Nottret. Autorisierte Uebersetzung von I. Rüttgers.
1] (Nachdruck verboten.)
1. Kap itel. __
Um die Zst, in welcher unsere Erzählung beginnt, besand sich unter her Dienerschaft eines der ersten Hotels von Dieppe ein Mann im Alter von etwa dreißig Jahren, besten Aeußeres nichts toeni- oer als einnehmend war.
Er hieß Michael Dermont; er war klein von Statur und mißgestaltet, und außerdem machte das Mißverhältnis in ben Linien seines Gesichtes seinen Anblick in ber Tat außerordentlich unangenehm. Er stand nicht in demselben Dienstver» hättmste wie das übrige Personal des Hotels, denn er bheb bei Nacht nicht in demselben, und seine Drenftlerstungen erforderten mehr Geschicklichkeit und Klughett als körperliche Kraft.
Mrchael Dermont schien das Unangenehme seiner Häßlichkett und seiner Mißgestalt leichten Herzens zu tragen. Er war im Ganzen und Großen ein anstelliger Mann, flink, aufmerksam, immer bei guter Laune, dazu etwa nicht, wie dies bei Menschen, die am Körper mißgestaltet find, oft vorkomntt, unangenehmen und bösartigen Charakters. Im Gegenteü verriet alles bei ihm ein sanftes Gemüt und er war selbst gegen jedermann sehr gefällig.
Herr und Madame de Verbier, die Eigentümer des Hotels wußten seine Dienste sehr wohl zu würdigen, und von den Reisenden, welche er oft in der Stadt umherführte, erhielt er nicht feiten reichliche Geschenke.
Alle, die im Hotel aus- und eingingen, kannten ihn und ließen seinen edlen Charakter, sowie der Leichtigkeit, mtt welcher er alle Aufträge auf- ' fajjte und ausführte, volle Gerechtigkeit wider- . fahren. I
Wenn irgend ein neuer Gast bei seinem Anblicke etwa Miene machte, zu lächeln, so machte er sich darob wenig Kummer, und er wußte jedesmal die Regung des Unwillens und der Bitterkeit, wie sie natürlicherweise bei solchen Gelegenheiten in feiner Seele entstehen mußte, bald gu überwinden.
Als Michael Dermont eines Tages eine der Treppen des Hotels hinabstieg, hörte er, wie hinter ihm ein Herr mit seinem Diener in heftigem Wortwechsel begriffen war. Er konnte noch eben verstehen, wie es sich um die Entlastung dieses Dieners handelte, wobei der Herr denselben mtt den beleidigendsten Worten überhäufte.
Er wandte sich um und sah zu seinem größten Erstaunen, daß dieser Herr saft ebenso mißgestaltet war, wie er selbst; jedoch trug er einen feinen, gewählten Anzug, eine goldene Uhrkette glänzte auf seiner Brust, und überhaupt fein ganzes Wesen verriet, daß er der besseren Klasse ber Gesellschaft angehörte. Die Eleganz seiner Kleidung konnte freilich die Mißgestalt seines Körpers nicht verbergen, und der Ausdruck des Zornes, welcher in seinen kleinen Augen sprühte, machte fein ohnehin häßliches Gesicht noch unangenehmer.
Der Fremde, von welchem wir sprechen, hieß Adrian Demeric; er befand sich erst seit dem vorhergehenden Tage in Dieppe, wohin er jetzt zum erftenmale in seinem Leben gekommen war, und so konnte er natürlich Michel Dermont in keiner Weise fennert.
Im Laufe des Tages jedoch ließ Herr Demeric ihn zu sich auf sein Zimmer rufen um ihm verschiedene Aufträge zu geben. Als Dermont ihm später über die Ausführung derselben berichtete, sagte Demeric zu ihm:
„Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen, Dermont."
„Schr angenehm", antwortete ber letztere höflich.
„Hören Sie also, um was es sich handelt. Heute morgen habe ich einen Diener weggejagt, welchen ick mitaebracbt batte Der Unverickömte
hatte bie Frechheit gehabt, mir auf eine dura,aus unpassende Weise gegenüber zu treten; natürlich konnte er bei mir nicht einen Augenblick länger in Diensten bleiben. Ich habe es nicht gerade eilig, mich nach einem anderen Diener umzusehen; denn es hat mir bis letzt nicht gelingen wollen, mit eine Bedienung zu verschaffen, die mir auch nur ein wenig zufagt. Man hat mir Sie bestens empfohlen, und gefällt mir überhaupt Ihr ganzes Wesen und Auftreten durchaus. Wollen Sie für die Zett, welche ich in Dieppe zubringe, mein Kammerdiener sein? Sie können selbst Ihr Gehalt beftimmen; wenn ich mit Ihnen zufrieden bin, so werde ich nicht ermangeln. Sie reichlich zu belohnen "
Michael war von dem Vorschläge, welchen man chm soeben gemacht hatte, nicht wenig überrascht; er war es sich recht wohl bewußt, daß der Posten, welchen man ihm angeboten hatte, gerade fein leichter unb angenehmer sein werde. Da es sich aber nicht um eine Stellung von längerer Dauer handelte, so wollte er schließlich dem Wunsche des Herrn Demeric, der wie es sckien, auf ihn große Stücke hielt, nicht widersprechen.
Er gab chrn also zur Antwort, daß er nicht abgeneigt sei, das ihm gemachte Anerbieten anzunehmen, wofern ber Besitzer beS Hotels damit einverstanden sei.
Herr Verbiet gab gern seine Einwilligung, unter ber Bebingung freilich, daß Michael einen Teil feiner Zett für das Hotel tätig sei, und so begann ber ehrenwerte Dermont sogleich feine neue Tätigkeit. _ , t „
Er bemerkte alsbald, daß Herr Demeric fast beständig düster und traurig gestimmt war, und daß er überhaupt mancherlei Eigentümlich!etten und Saunen besaß, hatte er ebenso bald herausgefunden.
Bald war er ben ganzen Tag über nicht zu Hause, bald schloß er sich eben so lange in fein Zimmer ein, wo ihn dann eine unerttägliche Langeweile zu verzehren schien.
fltnr letten Hörten sick die Wilken se,«ee Mi.
ftern Stimmung auf; er schien an der bekannten, so zu sagen unheilbaren Krankheit der reichen, müßigen Engländer zu leiden, für welche sie meist vergebens in den verschiedenen Gegenden Heilung aufzusuchen pflegen
Adrian Demeric war in der Tat recht be- bauernStoert. Er war noch jung; er besah eine lebhafte, aufgeweckte Einbildungskraft, und auch ihn verzehrte jenes glühende Verlangen aller Menschen seines Alters nach Freude und Genuß, aber, obwohl er Gold in Hülle und besaß, war ihm dennoch ber Genuß all' biefer weltlichen Zerstreuungen versagt.
Er war nach Dieppe nur in der Absicht gekommen, seinerseits die vielen Zerstreuungen zu genießen, welche diese Stadt, namentlich in der Zeit der Badesaison bietet. Anstatt jedoch hr« die Genüste zu finden, welche er erwartet hatte, erlebte er anders nichts, als eine Enttäuschung nach der anderen.
Bisweilen lenkte er seine Schrttte zu jenen glänzenden Salons» in welchem bte elegante Schar ber Badegäste sich dem Tanzvergnügen btngtbt
Traurig und verdrossen irrte er bet solchen Gelegenheiten mitten in dem munteren fröhlichen Treiben umher. Eine Art von Bitterkeit erfüllte sein Herz, wen er die anmutigen Paare in leichtem Reigen um sich her wirbeln sah.
So gerne hätte auch er sich mitten unter die Stanaenben mischen und an ihrem Vergnügen teil- nehmen wollen, bann aber dachte er wieder bekümmert daran, daß jedenfalls keine der hübschen Tänzerinnen ihn als Tänzer nehmen wurde und et merkte übrigens auch sehr deutlich, daß ferne Teilnahme an einer Ouadrille zahllose Witzelet en und Spässe Hervorrufen müsse.
Während er so als einfacher Zuschauer an dem Feste teilnahm, bäuchte es ihm bisweilen, als ob er in feiner Nähe von Zeit zu Zeit ein unterbautes Kichern, das seiner Person gelte, vernehn« — es luar dies ein tiefer Stich in sein Herz, un» so entfloh er denn gewöhnlich, sobald er e8 u®" fyutprt! • -1 > rnf-r pfeartnfert Rallmaie.