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Zeitung

'* mondsbenagt: „zulöaer Geschichtsblätter".

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schriftleiter: 2. Vanm M_

z. parlier in znida. Wochenbeüage: „Illustrierte Somttagrzeitung"

Snzelgenr Vie etw spaltige petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklamen die pelitzril« 25 pfg.; bei wieder» Holungen wird enlspr. ^Rabatt gewährt.

Rotatlonrdruck u. Verlag der Fuldaer Sc» tirndruckerei in $ulU Fernsprecher Nr. 9.

M 213.

(:) Per sozialdemokattsche Parteitag hat am gestrigen Sonntage in Jena begonnen. Wir glauben nicht, daß die Herren Bebel und „Genossen" „gehobenen Herzens" nach Jena ge­reist sind. Die Einleitung, welche das wochen­lange Gezänk der sozialdemokratischen Blätter und einer Anzahl von „Parteigrößen" untereinander zu dem Parteitag bildete, war nicht dazu angetan, sie mit dem Vertrauen zu erfüllen, daß sich Jena nicht zu einem zweiten „Jungbrunnen" ä la Dresden gestalten werde. Wenn man die Sozialdemokratle mit dem normalen Maße meßen dürfte, das man sonst an politische Parteiver­hältnisse anlegt, so müßte man für die Jenaer Tage ein Aufeinanderplatzen der Geister voraussetzen, das nur mit einer großen Scheidung endigen könnte. Aber dieses normale Maß ver­sagt bei der Sozialdemokratie.

Früher stand die nationalliberale Partei bekanntlich in dem Rufe, daß sie so viele Pro­gramme und Richtungen zähle, wie sie Mitglieder habe, und daß sich in ihr die verschiedenartigsten Anschauungen über politische Dinge zusammen­fänden. Seit geraumer Zeit bemüht sich die deutsche Sozialdemokratie mit Erfolg, ihr diese Eigenart streitig zu machen. Jedenfalls kann man nicht im Zweifel darüber sein, daß von einer einheitlichen Grundlage bei ihr keine Rede mehr sein kann. Der,Vorwärts' kennzeichnete diesen Zustand ganz richtig, als er dieser Tage schrieb: „Bei uns wachsen die Stellungnahmen, Partei­fragen, Richtungen und Rettungen wild; bis­weilen sieht es aus, als ob wir alle wie in einer aufgelösten, undisziplinierten Disku­tiergesellschaft durcheinander schreien und auf ein ander loshauen." Einer der leitenden „Genoßen" hat das Bild etwas kürzer in Worte gefaßt, in­dem er meinte, man könnte glauben, sich meinem Irrenhaus zu befinden.

Das ist das wahre Bild der glorreichen „Drei Millionen-Partei"! Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß sich das Inter­esse der bürgerlichen Parteien an dem sozialdemo­kratischen Parteitage in der Hauptsache in der Kenntnisnahme vom Verlaufe der persönlichen Auseinandersetzungen erschöpft. Wir halten das nicht für richtig, da eine ganze Reihe von Fragen, die in Jena zur Erörterung gestellt sind, so namentlich die über die Partei-Organisation, das Verhältnis der Partei zu den Gewerkschaften, den Generalstreik rc., die volle Aufmerksamkeit aller Politiker verdienen, aber wir verstehen es. Haben diese persönlichen Auseinandersetzungen doch einen Umfang und einen Charakter ange­nommen, der alles hinter sich läßt, was wir in dieser Hinsicht bisher von der Sozialdemokratie erfahren haben. Und doch muß man mit der Möglichkeit rechnen, daß in Jena ein anderer Ton zum Durchbruch kommt. Das Band, das alle verschiedenen Meinungen in der Sozialdemo­kratie eint, ist der Haß gegen die bestehende staatliche und soziale Ordnung. Ein Appell an diesen, auf persönlicher Ueberzeugung oder auf angelernter Empfindung beruhenden Haß könnte es sogar zuwege bringen, daß „holde Eintracht" bei den sich heute noch aufs heftigste befehdenden Gegnern einkehrt, und „Genosse" Singer auch

3em Sollte enAml.

Nach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.

31] (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Ein unfreundlicher Blick traf Adolf, als Cur­tis die Zigarre von fick schleuderte, und das Zim- pier verließ mit einer Haltung und einem Schritt, die auf der Bühne ein Glück gemacht.

Wildair lachte, Randall blickte ihm fast mit­leidig nach, sagte ober nichts.

Eine Woche später erfuhr Iva des Bruders Meinung über Emmy.

„Weich' liebes Wesen das Mädchen ist", rief Iva, nachdem sie die Freundin, welche den Abend in Richmond Hall verlebt, an den Wagen be­gleitet hatte, „mir ist, als erlösche ein Sonnen- itraljl, wenn sie geht; ich wollte, sie wäre meine Schwester."

Zum letztenmale rauscht der Vorhang auf, ehe er für immer fällt.

, Fünf Jahre sind dahin. Barnfeld ist sich gleich geblieben, des Städtchens Aufblühen ist • 'hr, sehr langsam.

Am Ufer steht ein kleines, braunes Haus wie vordem. In der guten Stube sitzt eine ältliche erfon und strickt.

Schwerlich hätte man ein glänzenderes Fleck­en finden können, als diese Stube. Kein Stäub­en läßt sich entdecken.

„Robinson Crusoe" und „Des Pilgers Fort- 'chritt" leuchten aus reinlichen Decken; für schwache Augen wäre der Anblick der Möbel und Dielen geradezu verderbenbringend gewesen. Der blinkenden Stube Eigentümerin ist, obgleich et- svas steif und aus der Mode, doch merkwürdig

und in ihrem Anzug schier jugendlich. Ein untes Kleid — gleich dem Rock des egyptischen ^o>eph — umhüllt die hagere Gestalt, der Kopf- ^ub.ln edler Einfachheit, sonder Schleifen und

Fulda, Montag, dm 18. September 1905.

32. Jahrgang.

in Jena den üblichen Spruch auf die Sozialdemo­kratie als diejenige Partei anbringen kann, die wie keine andere es wagen könne, in aller Oeffent- lichkeit ihre „fchmutzige Wäfche" zu waschen

Ein sozialdemokratischer Parteitag hat für unS in politischer Hinsicht längst nur noch das eine Jntereße, daß er der deutschen Arbeiterwelt Ge- legenheü gibt, die Leute, die sich zu ihren „Führern" aufgeworfen haben, bei der „Arbeit" zu beobachten. Intelligentere Arbeiter müßen sich nachgerade darüber klar werden, was sie von einer Zukunft zu erwarten haben, die mit einer solchen Gegenwart eingeleitet wird. Von diesem Gesichtspunkte auS kann man nur wünschen, daß die „Genoßen" in Jena sich nach jeder Richtung hin „voll ausleben." Wird der offensichtlich vorhandene Drang dazu künstlich gehemmt, so hat man ein Recht dazu, die Furcht, die Furcht vor dem eigenen Schatten als Leitmotiv für ein solches Verfahren anzu­sehen.

Deutscher Reich.

Berlin, den 16. September 1905.

* Dank des Kaisers. Se. Majestät der Kaiser und König haben an den Oberpräsi­denten der Provinz Hessen-Nassau den nachstehenden Dankerlaß gerichtet:

„Ich nehme am Schluß der diesjährigen Manöver vor Mir gern Veranlassung, Ihnen erneut zum Aus­druck zu bringen, wie wohltuend Uns der glänzende Empfang, der Mir und der Kaiserin, Meiner Ge­mahlin, tn Homburg bereitet worden ist, und die vielen Beweise treuer Liebe und Anhänglichkeit berührt haben, die Uns während Unseres Aufenthalts in der Provinz aus allen Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht worden sind. Im Besonderen erwähne ich noch, daß es Mir eine hohe Genugtuung gewährt hat, bei der Parade am 8. September die zahlreichen Abordnungen der Kriegervereine begrüßen zu können, die zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, um ihrer treuen patriotischen Gesinnung Ausdruck zu geben; Ich beauf­trage Sie, dies zur Kenntnis der Provinz zu bringen, und füge gern hinzu, daß Ich auch die vortrefflich« Aufnahme, die den Truppen überall zuteil geworden ist, dankbar anerkenne.

Coblenz, den 15. September 1905.

Wilhelm B.

An den Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau."

* * Se. Hoheit, Prinz Friedrich Karl von Heffen, Major und Bataillons-Kommandeur im 1. Kurhess. Inf.-Regt.Nr. 81,wurde zum Oberst­leutnant befördert.

* Englische Offiziere beim Kaisermanöver/ Als fchlagender Beweis dafür, wie durchaus ruhig man an militärisch maßgebender Stelle über unsere gegenwärtigen Beziehungen zu Eng­land denkt, wird von der ,Germ/ die Tatsache hervorgehoben, daß dank dem besonderen Ent­gegenkommen des großen Generalstabes außer dem Militär - Attachö und bei den beiden kom­mandierten Offizieren neunzehn weitere eng­lische Offiziere als Zuschauer an demKaiser- Manöver im Taunus teilgenommen haben. Jeder dieser Herren war durch den stellvertretenden Ches des Generalstabes der Armee mit einem beion- deren, von Excellenz v. Moltke persönlich ge­zeichneten Passierschein versehen, und alle haben in ausgiebigster Weise von der Erlaubnis Ge-

Spitzen, vereinigt die stark ergrauenden Haare zu einem Knoten auf dem Hinterhaupt.

Ein wohlerzogenes sanstes Exemplar aus dem Katzengeschlecht ruht auf dem Kissen, der Herrin zu Füßen, und schaut mit intensiv grünen Augen und der Ruhe der Bias in die Welt.

Unsere alte Bekannte, Mieritz, ist den Weg alles Fleisches gegangen und liegt in der unteren Gartenecke zwischen Blumen und Sträuchern be­graben. Des Hauses Pflege hat sie der Obhut ihrer Tochter Ariri überlassen, die treu in die Fußstapfen der Alten tritt.

In der Küche draußen waltet ein Geist in dunkeler Leibeshülle. Letztere strahlt vor Wohl­behagen, Zufriedenheit und der kürzlichen An- Wendung von grüner Seife, die des Alltagslebens Flecken abwäscht. Die schwarzen Finger fertigen einen grellroten Turban für das wollige Haupt, und so frohselig ist die junge Negerin, daß es ihr schwer ankommt, nicht zu pfeifen, welch' sanfte Ge­fühlsäußerung ihr sehr geläufig, worin sie aber momentan durch den Gummizucker gestört ist, mit dem sie ihren Gaumen lechzt.

Aber noch einen Insassen beherbergt die gute Stube. Ein dreijährig Fräulein trippelt darin umher, stolpert und fällt zuweilen, weint oder lacht, wie es gerade paßt, streichelt Ariri, schmei­chelt „Ornaina" und macht sich so angenehm als möglich.

Das kurze, lockige, dunkele Haar, die großen lebhaften Augen, die feine Stirn mit den Augen­brauen erinnern an Iva. Das kleine Fräulein ist Lilly Wildair, älteste Tochter des Herrn auf Rich­mond Hall. Eine Miniaturausgabe der schönen Mutter, deren Temperament sie zu besitzen scheint. Glücklicherweise ist Lilly in guten Händen, und frühe Erziehung wird für sie tun, was für Iva schmerzliche Erfahrung tun mußte. Das Kind ist Tante Jerrys Stolz und Freude, und verbringt die meiste Zeit bei ihr, wenn Mama und Papa zur Sommerfrische in Barnsield sind. Mux und Ariri sind als Spielgefährten aber auch nicht zu ver­achten.

Und nun, lieber Leser, sage diesen beiden, sage der kleinen Lilly und Miß Jerusha Gloria Anna Skamp auf immer Lebewohl, eine andere Szene tut sich auf vor Dir.

stammt fein Weib, seine geistige Befriedigung, sein ganzes Glück.

In einem der prächtigen Gemächer von Rich­mond Hall sitzt Iva auf niedrigem Ammenstuhl, ihr Jüngstgeborenes im Schoße. Der kleine Ru­dolf macht gewaltige Versuche, die rosigen Fäust­chen zu verschlingen, wodurch das schier unsicht­bare Näschen beinahe zu Schaden kommt. Aus den Knieen der Wärterin reitet Guido, scheint aber an der Geschichte wenig Vergnügen zu finden, denn er kräht und strebt dem Papa zu, der aus dem Sofa liegt und Zeitungen liest.

„Wie lebhaft der Junge ist, Iva, er scheint bestimmt, viel Lärm in der Welt zu machen. Schweig' Dodol"

„Dodo" aber war keineswegs geneigt, sich stumm zu vergnügen, wie ein Maikäferlein. Papas Stimme macht sein Verlangen nur noch ungestümer, und mit schrillen Tönen und zap­pelnden Armen und Beinen ruft er: „Papa, Dodo nehmen! Papa Dodo nehmen!"

„So ttimm doch das Kind!" lachte Iva.

„Sei's denn!" seufzt Thilo, und legt die Zei­tung weg, „wo aber ist Lilly?"

„Bei Tante Jerry natürlich? wo anders wäre das Kind zu finden? Es macht beide glücklich, und so lange wir hier sind, kann man ihnen die Freude ja gönnen."

„Gewiß, gewiß", nickt Wildair, und macht Guidos Fingerchen aus seinem Barte los, „weißt Du wohl, von wem ich heute gehört?"

„Von Adolf?"

„Nein, von Curtis. Armer Junge, es ist um ihn geschehen!"

„Wieso?"

„Ella Leonard mit ihrem Lockenköpschen und lachenden Gesichtchen hat's ihm angetan."

„Das heißt doch wohl nicht, daß er um sie ge­worben? Wo ist er jetzt?"

„Auf der Hochzeitsreise im Süden. Aber da ist die Teeglocke. Dodo geht zu seiner Aja".

Er legt den Knaben in die Obhut der Wär­terin, reicht Iva den Arm und verläßt mit ihr das Gemach.

Sie sind unsagbar glücklich. Glücklich tn ihrer Liebe zu einander, glücklich durch die äußeren Ver- hältnisie. Thilo ist noch immer der Liebling des Volkes, für das er lebt, dessen Wohl er seine Zest ynb Kraft widmet, und so ist dem Volk ent-

brauch gemacht, sich in allen Zweigen des Feld- und Lagerdienstes zu informieren.

* Obwohl Katholik, doch gut katholisch. Die Föln. Volksztg/ bekämpfte dieser Tage in einem Leitartikel die noch immer in weiten Kreisen gangbare Meinung, als wäre ein guter Katholik zunächst ein schlechter Patriot. Es wurde dort auch der tüchtige Literarhistoriker Otto v. Leixner als Anhänger desselben Irrtums zitiert. Der Artikel hat nachträglich verschiedene Freunde des Kölner Zentrumsblattes veranlaßt, ihm einige weitere Beiträge zu diesem Kapitel zur Verfügung zu stellen. Einer schreibt: Schon vor einem Menschenalter habe ich als Primaner eines katho­lischen Gymnasiums die Literaturgeschichte von Kluge benutzen müssen. In dieser wurde bei Friedrich von Spre bemerkt, derselbe sei, ob gl eich Jesuit, doch ein edler Mensch und Gegner der Hexenverfolguny gewesen. Warum „obgleich"? Weil ein Jesuit an und für sich die höchste Steigerung der teuflischen Eigenschaften des Ultra- montanismus darstellt. Seinerzeit hat August Reichensperger in feinem Büchlein Phrasen und Schlagwörter diese Torheiten, in denen sich ein gutes StückPharisäismusbirgt,mitblutigenHohnbegossen. Es hilft nichts! Und bießeute, die gelegentlich betonen, ein Katholik wie Hansjakob oderSpee könnefonst ein löblicher Mensch fein, werden sich auf ihre Ob­jektivität noch etwas zugute tun. — Eine zweite Mitteilung ist bezeichnend für die rückständige Voreingenommenheit des protestantischen Beamten­tums: In Berlin fragte bei einem offiziellen Diner ein Geheimrat seinen neben ihm sitzenden Kollegen aus einem anderen Ministerium nach dem Namen eines mitanwesenden Herrn. Der protestantische Geheimrat erwiderte: , „Das ist der Geheimrat 3E. aus dem und dem Ministerium; zwar Katholik, sonst aber ein anständiger Kerl!" „Verzeihung," erwiderte der fragende Geheimrat, „ich bin auch katholisch!"

* Zum Schulunterhakkmrgsgesetz schrieb die ,Postt am Samstag abend, das Gesetz fei ge­wiß wünschenswert, aber keineswegs von solcher Dringlichkeit, um die besonders frühzeitige Einberufung des Landtags zu recht- fertigen. Vielmehr erscheine es aus allgemein politischen Rücksichten an der Zeit, die Sessionen wieder auf das frühere normale Zeitmaß von ein- bis fünf Monaten zu beschränken. Die Parlamente in Permanenz kämen allmählich in die Stellung von Regiminalbehörden. 9iut die berufsmäßigen Parlamentarier hätten an einer solchen Entwickelung der Dinge ein Interesse, während eine zielbewußte Regierung derselben grundsätzlich entgegenarbeiten sollte. Zu einer vorzeitigen Einberufung des Landtags liege keinerlei Anlaß vor, vielmehr sprächen alle Gründe für Einhaltung der gewöhnlichen verfassungsmäßigen Termine.

* Wie die ,Nat.-Ztg/ erfahren haben will, ist eine Einigung zwischen der Regierung und dem Hiberniatrust erfolgt, lieber die Höhe des Uebernahmekuises weiß das Blatt aber noch keine Mitteilung zu lyachen.

* Fleischtenerung. Den Landwirtschafts­kammern sind folgende Fragen vorgelegt worden:

1. Ist feit der Viehzählung am 1. Dezember 1904 ein allgemeiner oder örtlicher Rückgang der Viehhaltung

insbesondere der Schweinehaltung) nach Zahl, Gewicht oder sonstiger Beschaffenheit zu beobachten? Dies« Frage wurde in der Konferenz am 11. August zwar verneint; doch sind nähere Nachrichten und Zahlen­angaben erwünscht. 2. Entspricht dem Steigen der Fleischpreise ein Anziehen der Viehpreise? Und ent­sprechen die Preise, die für Schlachtvieh auf den Schlachthöfen gezahlt werden, den von den Produ­zenten erzielten sogenannten Sta lpreisen? Auf näher« Angaben über die wirklichen Stallpreise wird beson­derer Wert gelegt. ,3. Auf welche Gründe ist bi» Preissteigerung zurückzuführen? a) Auf Mangel an schlachtreifen Tieren? b) Halten der Landwirte in Er­wartung weiterer Preissteigerung oder zur Ergänzung der durch Futterknappheit der Vorjahre verminderten Viehbestände in Vieh zurück? Oder lassen sie sich im Gegenteil durch die hohen Preise verleiten, noch nicht schlachtreifes Vieh auf den Markt zu bringen? c) Wirken Vorgänge ein, die sich auf dem Gebiete des Vieh- oder Fleischhandels abspielen? lUeberhand- nahme des Zwischenhandels, unverhältnismäßig hohe Geschäftsgewinne der Händler, Fleischer, Händler- und Fleischerringe u. s. w.). 4. Welche Aussichten bestehen für die Zukunft? Ist insbesondere bald ein stärkerer Auftrieb von Schlachtvieh zu erwarten? Kann davon auch ein Fallen des Preises erwartet werden? — lieber etwaige Zahlungs- und Betriebseinstellung en im Fleischer­gewerbe werden ebenfalls nähere Ermittelungen an« gestellt.

/. Die Cholera. Vorn 15. —16. September mittags sind, wie der ,Reichsanzeiger" meldet, im preußischen Staat 3 choleraverdächtige Erkrankungen und 2 Todesfälle an asiatischer Cholera amtlich gemeldet worden. Von den Neuerkrankungen kamen vor im Kreise Graudenz 2 (ein Kind und ein Wagenbauer), Löbau 1 (Kind). Von den bisher gemeldeten Erkrankungen haben sich 3, darunter eine tötliche, welche einen Tischler in Labischin, Kreis Schubin, betraf, nicht als Cholera herausgestellt. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 190, von denen 69 tötlich geendigt haben. —Zur Verhütung der Cholera-Einschleppung nach dem Westen der Monarchie sind weiter folgende Stromüber- wachungssteUen eingerichtet worden: 1) an der Spree bei Fürstenwalde, Stralau und Berlin, 2) an der Einmündung des Berlin-Spandauer Schiffahrtskanals in die Havel bei Saatwinkel, 3) an der Havel bei Oranienburg, Sacrow und Rathenow, 4) am Plauen'schen Kanal bei Genthin, 5) an der Elbe unterhalb von Magdeburg, Tangermünde, Wittenberge und Lauenburg. Von diesen sind 7 Haupt- und 5 Nebenüberwachungs- stellen. Bei denselben wird der ärztliche Dienst von 3 Sanitätsoffizieren, 5 Kreisärzten, 1 Kreis­assistenzarzt und 10 praktischen Aerzten versehen werden. — Am 11. und 12. d. M. ist je ein Fall von Cholera in Dömitz an der Elbe in Mecklenburg-Schwerin vorgekommen, von denen einer tötlich verlaufen ist.

Q Jena, 17. Sept. 1905. Heute abend be­gann im Volkshause dahier der sozialdemo­kratische Parteitag mit der Begrüßungsfeier. Der Besuch war sehr zahlreich, u. a. waren Bebel, Singer, Auer, Gerisch, Klara Zetkin und andere Parteigrößen anwesend. Bebel hielt eine große Rede, in der er die deutsche Politik, sowohl die äußere wie die innere, in dem bekannten Stile behandelte. In Betreff der Gegensätze, die in der Partei bestehen, erwartet Bebel mit Bestimmt­heit, daß dieser Parteitag zeigen werde, daß die deutsche Sozialdemokratie sich ihrer Aufgabe be­wußt ist und die Zeitlage begreift. Wer auf ein Jena für die Partei gehofft habe, der habe als

Silbern flutet bas Monblicht über bte Adria. Tiefblau spannt sich ber. Himmel über bte Land- schäft, ber Himmel Italiens, ber so viele schon be­geistert.

An ber Marmorbrüstung eines Balkons steht ein Dichter, unb blickt hinein in den unendlichen Azur. Verklärt seine Stirn, hochatmend seine Brust, genießt er bas Glück ber Sterblichen. Ein holdes Weib neben ihm liest in des Gatten Zügen die eigene Seligkeit und engelgleiches Lächeln umspielt die rosigen Lippen.

„Wie schön ist das Leben", flüstert sie, „wie gut ist Gott!"

Später, wenn sie des Wanderns müde sind, wollen sie heimkehren, heim über das weite Meer, denn der Dichter ist Adolf Randall und Emmy seine Gattin. .

In des sonnigen Friedhofes sonnigster Ecke, wo leise der West mit den Blumen spielt und ge­fiederte Zweige wie zum Gebete sich neigen, liegt ein Grab. Unter demselben ragt ein Marmor- IteU$‘ Rudolf SBilbair.

„Selig, die im Herrn sterben".

Tritt leise hinzu, schweige und bete; einen Heiligen haben sie hier gebettet.

Auch vom Grabe muß es sein geschieden; — Nun so schlummere Du in Gottes Frieden! Leicht sei über Dir des Grabes Erde, Daß Dir eine süße Ruhe werde!

Wenn vom Kirchlein Glockentöne schallen, Mög es leis in Deinem Schlummer hallen Und ber Vögel Lieder werden schweigen. Möge wie ein Wiegenlied Dir klingen! Sieh' der Lenz wird sich zu Ende neigen, Udn der Vögel Lieder werden schweigen. Und im Herbst die Blätter werden sinken, Unb ber Schnee auf Deinem Hügel blinken Doch in allem Kommen unb Vergeh'» Bleibt baS Wort vom Kreuze ewig steh'n;

Leuchtend mächtig rufet es hinein .

In die Nacht des Grabes: „Du bist mein!"