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z. parzrller in 8»!da. wochmbettage: „Illustrierte Sonntagrzeitung

32. Jahrgang.

Fulda, Samstag, den 16. September 1905.

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Drittes Wtcrtt

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Rotationsdruck «. Verlag der Fuldaer Re« tiendruckerei ht Zulda. Fernsprecher Rr. 9.

Vie etn- spaltigr petttzeil« »de deren Rau« 15 Pf- Reklamen die prtitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

deutung gewonnen. Bei aller Anerkennung der vorzüglichen Leistungen unserer staatlichen und kommunalen Fach- und Gewerbeschulen kann es doch andererseits nicht genug betont werden, daß die tveitaus größte Mehrzahl unserer Handwerks­gesellen z. T. aus finanziellen Gründen, z. T. wegen ihres häufig wechselnden Aufenthaltsortes geradezu außer Stande ist, dieselben zu besuchen. So konnten von den ca. 1250 Mitgliedern des Kölner Gesellenvereins im Jahre 1904 nur unge­fähr 30 infolge günstiger Vermögenslage ihrer Eltern an dem mehrjährigen Kurs der Fachschule teilnehmen. Die übrigen sind und bleiben auch in Zukunft an solchen Orten, wo keine derartigen Schulen bestehen. In welchem Maße diese Tat­sache im Gesellenvereine gewürdigt wurde, be­weist die hocherfreuliche Erscheinung, daß die Zahl der Vereine, in denen Unterrichtskurse im Schrei­ben, Rechnen, Geschäftsaussatz, Wechsellehre und Gesetzeskunde erteilt wurde, in dem dreijährigen Zeitraum von 1901—1904 von 38 auf nicht weni­ger als 514 stieg. An diesen allgemeinen Unterricht schlossen sich die gewerblichen Fachabteilungen er­gänzend an, deren 190 in 70 Vereinen bestanden. Sie erstreben die Weiterbildung ihrer Mitglieder durch spezielle Unterrichtskurse, Zeichnen, Kalku­lation, Vorträge, praktische Arbeiten, Fachzeit­schriften und Fachbibliotheken. Einige Vereine veranstalteten außerdem Tageskurse von mehr- monatlicher Dauer für Maler und Schneider. Die im Jahr 1904 für Unterrichtszwecke verausgabte Summe belief sich auf 133 000 M. Sie gibt indes von der geleisteten Arbeit schon deshalb nicht ein­mal einen annähernden Begriff, weil in den weit­aus meisten Fällen sich wiederum zahlreiche Lehrer, oft nach vollbrachter eigener schwerer Be­rufsarbeit, bereitfinden ließen, unentgeltlich den Unterricht an die Gesellen zu erteilen. Ehre und Anerkennung einem solchen Lehrerstande! Die Wirkungen dieser intensiven Tätigkeit, die übri­gens in den kommenden Jahren noch um ein be­deutendes wird gesteigert werden müssen und können, zeigte sich u. a. darin, daß in Deutschland im Berichtsjahre 1904 540 Gesellenvereinsmitglie­der die Meisterprüfung ablegten. Es wäre ge­wiß dringend zu wünschen, daß den kathol. Ge­sellenvereinen gerade in dieser schwer durch etwas anderes zu ersetzenden Tätigkeit außer lobender Anerkennung, die ihnen reichlich zuteil geworden, seitens der zuständigen Behörden recht oft auch tatkräftige materielle Unterstützung zuteil würde. Der allgemeinen Bildung in den Gesellenvereinen dienen u. a. die Vereinsbibliotheken, über die 850 Vereine verfügen.

5. Sparkassen. Die Zahl der in den Gesellenvereinen bestehenden selbständigen Spar­kaffen stieg von 527 im Jahre 1902 auf 550 im Jahren 1904. Eingelegt wurden im Jahre 1904 1 700 000 «ft.; das in ihnen ruhende Vermögen der Mitglieder betrug am 1. Juli 1904 4 413 000 <*.

6. Zentral st erbekasse. Am 1. Juli des Berichtsjahres erhielt die neugegründete Zentralsterbekaffe die Genehmigung deS Kaiser­lichen Aufsichtsrates zu Berlin und konnte ihre Tätigkeit beginnen. Sie aründete iw eben ab 1

o Schnier Charitastag in vortnmnd.

Unter den verschiedenen Kongressen, welche die Herbstsaison uns bringen wirb, nimmt der Charitastag seinem Zwecke und seinem Umfange nach eine ganz hervorragende Stelle ein. Bereits neunmal haben die Charitastage in den verschie­densten Gegenden Deutschlands unter großer Be­teiligung und mit reichem Erfolge stattgefunden. Der letzte war bekanntlich in Breslau, wo der­selbe durch die Teilnahme Seiner Eminenz des Kardinals Kopp und Ihrer Majestät der Königin von Sachsen ausgezeichnet wurde.

Der diesjährige Charitastag wird in Dor t- mund mitten im rheinisch-westfälischen In­dustriegebiet abgehalten und zwar vorn 2. bis 5. Oktober. Die große Zahl und Wichtigkeit der zur Beratung stehenden Gegenstände wird sicher viele Besucher nach Dortmund führen.

Eingeleitet wird die Tagung Montag, 2. Ok­tober, nachmittags 4% Uhr, durch eine Festver­sammlung des St. Rap h a e l s v er e i ns, welche zugleich als eine Art Jubiläumsfeier für die nun­mehr vierzigjährige Tätigkeit der deutschen Katho­liken auf dem Gebiete des Auswandererwefens gedacht ist. Die Teilnahme des verehrten Grün­ders des Vereins, des Herrn Kommerzienrats Cahensly, und der Vertrauensmänner aus den verschiedenen Hafenplätzen Europas wird der Versammlung besonderes Interesse verleihen.

An den folgenden zwei Tagen werden sechs verschiedenen Ausschußsitzungen und drei beraten­en Versammlungen, die, wie die ebengenannte an der Kronenburg abgehalten werden, durch be­kannte Fachleute u. a. folgende Themata behan­delt werden:

Abhaltung von Charitaskursen,

Fürsorgeerziehung für verwahrloste und Ge­fährdete,

Unsere Aufgaben gegenüber dem Mißbrauch geistiger Getränke,

Ausbildung weiblicher Berufs-Krankenpflege­rinnen,

Ausbildung von männlichen Charitasberufs- arbeitern,

Fürsorge für die ländliche in die Städte wan­dernde Bevölkerung,

Vereinigungen und Einrichtungen zum Schutze der Jugend,

Tätigkeit des Fürsorgevereins für Frauen und Jungfrauen,

Der Kampf gegen die Unsittlichkeit,

Aufgaben der Frauen im Kampfe gegen die Schmutzliteratur und für Verbreitung guter Volkslektüre,

Die Missionstätigkeit der katholischen Frauen.

In den Ausschußsitzungen ist reichlich Gelegen­heit zu allgemeiner Aussprache. Die wichtigeren Themata finden dann noch in zwei öffentlichen Versammlungen im Reinoldushof am 4. Oktober besondere Behandlung, von denen die eine für Frauen um 4 Uhr, die andere für Männer um 81/2 Uhr abends stattfinden wird.

Von den Rednern und Rednerinnen dieser Tage seien genannt: Kommerzienrat Cahensly- Limburg, Landesrat Horion-Düsseldorf, Dr. med. Schmiidderich-Herten, Dr. med. Dreesmann-Köln, Landgerichtsrat Marx-Köln, Stadffekretär Kneil- mann-Dortmund, Prof. Dr. Faßbender-Poppels- dorf, Bibliothekar Dr. Liese-Paderborn, Stadt­pfarrer Bartels-Bielefeld, Pastor Dr. Maren- Hannover, P. Edmund Hauser 0. F. !il.-Düsseldorf, Msgr Dr. Werthmann-Freiburg, Frau Amtsge­richtsrat Neuhaus-Dortmund, Frl. .Mersmann- Boppard a. Rh.

Möchten alle, die auf dem weiten Felde der katholischen Wohltätigkeit tätig sind, soviel wie möglich an dem zehnten Charitastag sich beteiligen.

Anmeldungen siir den Charitastag und Ge­suche um Wohnungsvermittlung sind zu richten an Herrn Lehrer Wienke, 1. Schriftführer des Lökalkomilees in Dortmund, Hamburgerstraße 8.

gelaufenen ersten Geschäftsjahre 75 Zahlstellen mit insgesamt rund 2000 Mitgliedern und kann schon jetzt nach ihrem Taris als eine der günstig­sten und nach ihrem Jahresabschluß als eine der bestfundierten Kassen ihrer Art gelten.

7. Verbandspresse. Die Auflage des wöchentlich erscheinenden Vereinsorgans „Kol- pingsblatt" stieg von 1902 bis 1904 auf 38 000 Exemplars. Die vierteljährlich in Heftform er­scheinenden, vom Generalpräsidium zu Köln herausgegebenen „Mitteilungen für die Vereins- Vorsteher" wurden in 1200 Exemplaren gedruckt und an sämtliche Präsides, an den gesamten Episkopat und sonsttge Interessenten versandt.

8. Die Chronik des Verbandes gibt, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, im ganzen ein Bild rührigen Lebens. Die unablässigen Be­mühungen, auch den kleinsten Verein zu einer Stätte ernster sozialer Arbeit zu machen, waren nicht vergebens, wie schon die Entwicklung des Unterrichtes zeigt. Freilich wird tn Zukunft ge­rade hier noch bedeutend eifriger gearbeitet wer­den müssen. Neugeschaffen wurden die Stelle eines Generalsekretärs beim Generalpräsidium in Köln und verschiedener Diözesansekretäre zur Unterstützung der teilweise sehr belasteten Diö­zesanpräsides. In sämtlichen 52 Diözesen fanden die vorgeschriebenen Diözesankonferenzen der Ver» einspräsides statt, die ihre Protokolle und Refe- rate z. T. in den „Mitteilungen" veröffentlich­ten. Eine Anzahl von Diözesen führte eine wei­tere Einteilung in kleinere Bezirke durch, die ihrerseits wieder die zugehörenden Präsides zu Bezirkskonferenzen 2—8 mal im Jahre versam­melten. Vorzüglich bewährten sich auch die in den letzten Jahren mehrfach veranstalteten Be­zirksversammlungen, zu denen die Mitglieder um­liegender Gesellenvereine nebst der Meisterschaft eingeladen wurden. Von großer Bedeutung war die Ende 1904 erfolgte Fertigstellung eines „Handbuches", das den Präsides zum erstemnale einen sehr ausführlichen Leitfaden durch das ganze Vereinsleben an die Hand gab, sowie die Herausgabe eines Flugblattes, dessen Druck­legung der Volksverein für das katholische Deutschland in dankenswerter Weise übernahm (Sozialpolitisches Flugblatt Nr. 29), und das bisher in 80 000 Exemplaren verbreitet wurde. Schließlich fei noch erwähnt, daß auch das Ver­hältnis zu den gsfetzlichen Vertretungen des Hand­werks, den Handwerkskammern und Innungen, ein schr gutes war und in vielen Fällen ein ge- meinsameS Zusammenwirken ermöglichte.

So darf der katholische Gesellenverein im ganzen wohl mit Befriedigung auf die beiden verflossenen Jahre zurücksehen, eine Befriedigung, die freilich in Zukunft erft recht nicht in Selbst­genügsamkeit und Untätigkeit auSarten darf. Der Umwandlungsprozeß,' durch den die Gesellen- bereine, unbeschadet ihrer unverrückbaren, alten Grundsätze, den modernen Anforderungen sich an- passen mußten, um leistungsfähig zu bleiben, ist noch lange nicht vollendet, und erheischt auch in Zukunft die rührige Mitarbeit aller, denen das Wohl unserer Jugend und des Handwerkerstandes am Herzen liegt.

Liebling Tante Linas, welcher mir Lust und Le­bensfreude raubte durch feine Verhimmelung. Ich brachte vom Gymnasium gute Noten. Mein Bru­der Fritz hatte bessere gebracht. Schließlich gab ich es auf, dieser Vollkommenheit nachzustreben und ich setzte es durch, das Studium an den Nagel hän­gen zu dürfen. Verstockte mein Herz gegen der guten Tante Linas unzählig geweinte Zähren über die Unähnlichkeit mit meinem Bruder Fritz, wendete mich dem Maschinenbau zu und ergriff nach diesem Studium die erste beste Gelegenheit, nach Amerika zu gehen, um meinem Bruder Fritz das Feld zu räumen."

„Und Tante Lina, welche Sie verlassen?" fragte Frieda weiter.

„Sie war im Laufe der Jahre, nachdem ich sie noch einmal besucht hatte, ins bessere Jenseits gegangen. In ihrem Nachlaß fand ich bei altem Bodenkram einige Zeichnungen ihres Lieblings, welche zwar unbestritten talentvoll waren durch die Treffähnlichkeit, mit welcher er Tante Lina, leider in höchst despektierlicher Weise, karrikiert hatte, aber gerade durch das karrikatnrenhafte darauf hinwiesen, daß mein Bruder Fritz nicht im­mer das Ideal aller Vollkommenheit gewesen, als ' welches ihn die gute Tante zu kennen schien. Doch ich war froh, daß die gute, alte Dame nie diese Enttäuschung erfuhr. Mir war er jedoch durch feine kindlichen Fehler näher gerückt und---*

„Und!" ergänzte Frieda, „Sie kehren am Ende doch noch in Ihre Heimat zurück?"

„Vielleicht wenn---" und schon wollte ich

ihr gestehen, wie dies nur von ihr abhinge, wie sie das Ideal meiner Seele, von ihrem Vater insge­heim mir als Braut zugedacht gewesen, wie Herr v. Mildenburg der Jugendfreund Tante Linas, in feinen Briefen an diese, welche ich in Tantchens Nachlaß gefunden, ihrem Neffen die Tochter zu eigen geben wollte . . . das alles durchzuckte blitz­schnell mein Gehirn.

„Ja Frieda, Sie haben recht, die Heimat ist das Schönste! Und wenn mir das Schicksal einen Wunsch . . aber da kam eine Schar Badegäste heran.

„Und sie wird doch noch mein!" jubelte es in mir auf, als ich am Morgen oben unter den alten Fichten den Schleier von Friedas Hütchen durch- schimmern fah. „Nur keinen Augenblick verlieren, alter Knabe!" sprach ich mir Mut zu und schon hatte ich die kleine Anhöhe erreicht. Aber was war das? — Oder vielmehr wer war das? An der Sette meiner Heißgeliebten? Ein fremder, junger Mann, ich hatte ihn wenigstens hier in K . . . noch nicht gesehen. „Hol' ihn der Kuckuck!" knurrte ich in mich hinein, wütend über diese ganz uner­wartete Störung und zog mich brummend in die Tannen zurück, nur manchmal ungeduldig aus- lugend, ob der Lästige Frieda verlassen.

Als ich von einem dieser Rundgänge zurück- kam und zwar mit dem festen Vorsatz, den zudring­lichen Fremden zu verscheuchen, war dieser samt der schönen Frieda — verschwunden. Ich eile also so schnell als möglich ins Kurhaus, sie zu suchen. Da kommt mir mit freudigem jovialen Gruß ein älterer Herr entgegen.

„Teures Vermächtnis meiner verstorbenen Freundin Tante Lina, endlich soll ich Dich sehen. Warum bist Du uns geflohen — uns und Deinem Vaterlande verloren?" Und immer wieder drückt er mich an feine Brust. Es ist Herr von Milden­burg, Friedas Vater. Schon hat er mich in sein Zimmer geführt.

„Komm, komm Du böfer Junge, Du Aus­reißer! Wir wollen nun miteinander die Friedens­pfeife rauchen!" O, wie liebte ich ihn jetzt schon, diesen jovialen alten Herrn! Welche Hoffnungen setzte ich auf fein Erscheinen. Er saß eine Weile stumm in blaue Rauchwolken eingehüllt, dann mtt ftißer Rührung:

„Mein Sohn solltest Du werden! So hatte meine gute alte Lina und ich . . . na, wir konnten Dich nicht halten. Du stürmtest fort und es kam anders. Meine Frieda, Du kennst sie, sie toärr Deiner wert gewesen! . .

„Vater!" rief ich.

„Pst — pst!" machte er, „Junge, dort kommt sie, kein Wort von allem ... hat keine Ahnung das Kind! . . ."

Da öffnete sich die Türe, Frieda mit rosigen Wangen, einen Strauß gepflückter Blumen in der Hand, trat ein. Aber o Schrecken! Sie war nicht allein, mit ihr zugleich war der hübsche Fremde eingetreten, was mich derart verblüffte, daß ich die Beiden einen Moment wortlos anstarrte. Wer war er, was wollte er hier?---Ich sollte es

sofort erfahren, denn Frieda, meine fragenden Blicke bemerkend, stellte mir nun Herrn Sollinger als — ihren Bräutigam vor. —-----

„Und so bin ich Junggeselle geblieben---"

beendete Konsul Habermann seine Erzählung, in­dem er aufstand und feine ausgegangene Havanna neu anzündete.

Kl. O. nicht vkiidck Kitz.

Skizze von Julie Landskron.

(Nachdruck verboten.)

„Sehen Sie nur diese Wälder, Wiesen, diese fruchtbaren Gelände! Alles überragt von einer stolzen Gebirgskette. O, wie schon bist du doch meine Heimat!" Fräulein von Mildenburg erhob ein wenig das reizende braungelockte Köpfchen, indem sie mich lächelnd ansah. „Und doch haben Sie diese Heimat schnöde verlassen, um sich in Amerika anzusiedeln ----ich begreife über­

haupt nicht, wie man die Heimat für immer ver­lassen kann---"

„Muß, liebes Fräulein--" Sie sah mich er­

schrocken an.

„Sie mußten?"--

„O, beruhigen Sie sich," rief ich lachend. „Ich habe weder jemand getötet, noch silberne Löffel oder goldene Uhren gestohlen. Mich hat mein Bruder Fritz aus der Heimat Vertrieben.---

„O pfui, ein Bruder!"

„Urteilen Sie nicht zu hart über ihn, er hatte es nie gewußt, denn er war die Vollkommenheit selbst, und diese seine Vollkommenheit vertrieb mich. Sie halten mich wohl da oben für nicht ganz richtig?" meinte ich, an die Stirn tippend.

Fast hätte sie recht gehabt, denn das schöne Mädchen hatte mir in den wenigen Tagen meines Hierseins in dem berühmten Badeorte K . . . den Kopf total verdreht, daß ich wie im Banne die­ser klar blickenden braunen Augen lebte.

Drüben in Amerika tauchte eines Tages der Gedanke in mir auf: Versuche dein versäumtes Glück nachzuholen l---Und da sah ich nun

mit ihr am Kamme des Hügels, der Wald rauschte schwer und geheimnisvoll über uns und ich fuhr in meiner Erzählung fort: „Ich war ein ganz gut veranlagtes Kind, aber wenn Tante Lina feufzend bei meinen kleinen Fehlern dramatisch ausrief: „Das hätte Dein Bruder Fritz nie ge­tan!" kam ich mir recht nichtswürdig vor. Mein Bruder Fritz war nämlich die Vollkommenheit selbst gewesen. Nicht nur, daß er mir im Lernen über gewesen, er hatte auch seine Krawatte mit mehr Chick gebunden. Sein Haar war seidenweich gewesen, wenn es Tante Lina bürstete, das Mei­nige jedoch borstig. Er hatte seine Sttefletten nie beschmutzt wie ich, selbst wenn die Sttaßen von Schmutz voll waren. „Dann hatte er wohl fliegen können", meinte ich trocken, waS mir eine hinter die Ohren eintrug und mir da« Andenken meines Bruders erst recht verleidete und einen Hefen Schatten auf mein jugendliches Dasein Warf; et fdbfi ein Schatten Mxm et War lange tot Kieler

wiegenden Teile solche Handwerksmeister, die ehe­mals dem Gesellenvereine als ordentliche Mit­glieder angehörten. Die Vermehrung der aktiven Mitglieder war weniger stark als in früheren Jahren. Die allgemeine gedrückte Lage des Hand­werks einerseits, die stark fühlbare Konkurrenz sonstiger Jugendvereinigungen andererseits er­klären diese Erscheinung hinreichend.

2. Wanderunter st ützungen und Hospitien. Bekanntlich betrachtet es der Ge- sellenverein als eine seiner ersten und wichtigsten Aufgaben, seinen Mitgliedern auf der Wander­schaft unentgeltlich Unterkunft und Verpflegung, daneben aber, soweit Platz vorhanden ist, den am Orte arbeitenden Gesellen gegen geringe Ver­gütung Kost und Logis zu gewähren. 347 Gesel­lenvereine besitzen zu diesem Zwecke eigne, z. T. vorzüglich eingerichtete Vereinshäuser (gegen 331 i. I. 1902), in denen im Jahre 1904 100 550 durch­wandernde Mitglieder mit einem Kostenaufwand von 61 000 <M, verpflegt wurden, außerdem aber noch 8900 Handwerksgesellen dauernd wohnten. Was das in einer Zeit bedeutet, in der über das Elend schlechter Herbergen und des korrumpieren­den Schlafgangwesens so bitter geklagt wird, liegt wohl auf der Hand.

3. Vereinsversammlungen und religiöses Leben. Den Mittelpunkt des Dereinslebens bildet die Vereinsversammlnng. Sie findet in der Regel am Sonntagabend statt und dient wesentlich der Belehrung und Unter­haltung. Im Jahre 1904 hielten 828 regelmäßig jede Woche ihr« Vereinsversammlung, 198 zwei­mal, 99 Vereine einmal monatlich. Ein überaus erfreuliches Bild bietet auch diesmal wieder das praktische religiöse Leben in den Vereinen. 143 Vereine erteilten ihren Mitgliedern Woche für Woche speziellen Religionsunterricht, 60 Vereine zweimal im Monat, 45 Vereine monatlich einmal. Die übrigen Vereine verlegten die Behandlung religiöser Themata in die allgemeine Vereinsver­sammlung. Nicht weniger als 295 Vereine führ­ten ihre Mitglieder jährlich viermal und öfter gemeinschaftlich zu den hl. Sakramenten, 197 jährlich dreimal, 415 jährlich zweimal; alle übri­gen ohne Ausnahme hatten wenigstens eine ge­meinschaftliche hl. Osterkommunion. Die Beteili­gung wird fast ausnahmslos als sehr gut bezeich­net. In fast allen Vereinen gingen der gemein­schaftlichen Osterkommunion Vorberettungsvor- träge voran. Manche Vereine (in Preußen allein 28) veranstalteten förmliche Exerzitien, für die in Münster i. W. und Viersen (Rhld.) bereits be­sondere Häuser zur Verfügung standen.

4. Unterri chtundFortbildungder G e f e l l e n hat im katholischen Gesellenverein in den letzten Jahren eine früher kaum gekannte Be-

* Der katholische Gesellenverein im Zahre 1904.

Das soeben erschienene 23. Heft der „Mitteilun­gen für Gefellenpräsides" behandelt die Ergebnisse der Statistik, die alle zwei Jahre seitens des Ge- neralpräsidiilms der katholischen Gesellenvereine über den Stand und die Wirksamkeit der Gesellen- oereine Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz veranstaltet wird. Als Normaltag war der 1. Juli 1904 zugrunde gelegt.

1 Zahl der Mitglieder und Ver- e i n e. Die Zahl der im Jahre 1904 dem Verbände angeschlossenen katholischen Gesellenvereine betrug 1123, gegen 1096 im Jahre 1902. 40 neue Ge­sellenvereine wurden während des gesamten zwei­jährigen Zeitraumes neugegründet bezw. in den Verband ausgenommen, während 13 Vereine sich auflHten resp. in andere Vereine sich umwandel- ten. Von diesen Vereinen entfallen 816 auf Deutschland (darunter 479 auf Preußen, 214 auf Bayern, 53 auf Baden, 49 auf Württemberg, 11 auf Sachsen und 9 auf Hessen. Oesterreich zählte mtt Ungarn zusammen 156 Gesellenvereine, die Schweiz 31, die Niederlande 7. Die übrigen ver- reilen sich auf Luxemburg, Belgien, Frankreich, England, Italien, Schweden und Nordamerika. k>°» "bw Zuwachs an Vereinen find beteiligt Preu- a 24- Bayern mit 13 und Württemberg mit roirfi mV1' Verluste sind zu verzeichnen in Oester- XV« unb Ungarn (2). Die Zahl der Mt- ßb79 7^0 L" 178 480 auf 182 795. Hiervon

(Gesellen), 110 050 außerordentliche Mitglieder, zum wettauS über-

vermischter.

* Ei« Pferd als Rindvieh priimiiett wurde dem Stiftungsfeste des Landwtttfchaftlichen Kreisvereins Csingen. Ein Landwirt aus Linden hatte bi» üellung des KreisvereinS mtt einem stattlichen Rößlein beschickt und erhoffte mit Bestimmtheit einen Preis. Wie erstaunt war er nun, als et zwar nicht sein Rößlein, wohl aber ein gar nicht von im ausgestelltes dreijähriges Rind mtt dem L. Preise bedacht fand. Wie mag das nur zugegangen

• Persönliche Debatte. Frau (zum heimkehrenden Gatten): „Mann, wie haben sie dich wieder zu» geachtet! Ihr habt euch in der Gemeindesitzung wieder schön gerauft und geprügelt!' — Mann t -Gerauft und geprügell? Nein, Gott bewahre, wix bebattierten ganz ruhig; nur bet Kreuzelhuber WtÖ» i gleich persönlich!"

Erscheint täglich, mit ilnrnahme der ronn-- ant $tiertage. Viertel« jährl. Bezugspreis ohne Vringerloh« und Bestellgeld in Hulda und auswärts l M- 60 Vfg- verontwottlicher

Schriftleiter: 3. Baum

Zeitung

monatebeiiage: „Zuldaer Geschichtsblätter".