Erscheint tSzttch.iuU Au-nähme der Sonn« undZeiettage. viertel' jührl.Ve;«grpreir ohne Vringerloh« und veftrlgeld in Knlda und aurwSrtr l Mk. 50 Pffl.
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wochmbeilage: „Illustrierte Sonutagrzeitung"
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Botati onrdruck u. Verlag der Fuldaer Ar» tiendruckerei in Znlda. Fernsprecher Nr. 9.
Fulda, Freitag, den 15. September 1905.
nach dem in der Faktura deklarierten Werte vorzunehmen, sondern den Marktwert (Marke- tralue) festzustellen. WaS unter Marktwert in diesem Falle zu verstehen ist, darüber sind sich die Amerikaner offenbar selbst nicht klar. Sie verlangen vielfach, daß die Verzollung nicht nach dem von dem ©rporteur deklarierten Werte, sondern nach dem Preise erfolgt, der im Jnlande, d. h. in der Heimat des Exporteurs, gezahlt wird. Solcher feststehender Preise gibt es aber nur für einige wenige Artikel. Bei Jndustrie- erzeugniffen, bei welchen das verwendete Material, die gezahlten Arbeitslöhne, der benutzten Maschinen usw. in betracht kommen, werden die Preise für die einzelnen Waren so verschieden sein, daß von einem „Marktwert" kaum geredet werden kann. Ungerechtigkeiten der Zolltaxatoren im Hafen von New-Aork sind infolgedessen an der Tagesordnung, ja, man spricht in den Kreisen der deutschen Industrie und der nicht minder geschädigten amerikanischen Importeure von einem wahren „Schreckensregiment" der Zolltaxatoren.
Der Beschwerdeweg ist außerordentlich umständlich und langwierig. Welche Zumutungen man den deutschen Fabrikanten zu stellen wagt, geht aus einer Mitteilung der ,Frankf. Ztg ' hervor, wonach vor einiger Zeit von einem Fabrikanten in Plauen Auskunft darüber verlangt wurde, wie viel er von den Fabrikgebäuden abschreibe, wie hoch der Preisverlust auf investiertes Kapital sei, wie sich die Versicherung stelle, wie hoch sich die Musterspesen belaufen, welchen Nutzen der Fabrikant habe u. f. w. Und das alles zu dem Zwecke, um zu kontrollieren, ob die von dem Fabrikanten für die Verzollung aufgestellte Faktura nicht eine zu niedrige Zahl enthalte. Daß eine solche „Zollschnüffelei" — anders kann man ein solches Vorgehen nicht bezeichnen — unwürdig ist, brauchen wir nicht erst zu sagen.
Es ist gut, wenn derartige Dinge in der Oeffentlichkeit behandelt werden. Sie stärken und rechtfertigen nur das Verlangen, daß die Reichsregierung mit Festigkeit in die Verhandlungen mit Amerika eintritt.
Deutsches Reich.
Berlin, den 14. September 1905.
* Der Minister des Innern, v. Beth- m ann-Ho llw eg, hat gestern in einer in der Posener Stadtverordneten - Versammlung gehaltenen Rede die ostdeutschen Städte zur Mitarbeit an der Ausbreitung des deutschen Staatsgedankens im Osten aufgefordert. Dazu schreibt die ,®erman.ia': „Es ist doch nicht die Aufgabe städtischer Körperschaften, Politik zu treiben, auch in den „Ostmarken" nicht. An der „Ausbreitung des deutschen Staatsgedankens" arbeiten städtische Körperschaften jedenfalls dann am besten mit, wenn in ihnen Deutsche und Polen gemeinsam und friedlich für das Wohl der Stadt bedacht sind. Hoffentlich hatte es der Minister so gemeint. Vor feinem Eintreffen hatten übrigens die polnischen Stadtverordneten den Sitzungssaal verlassen, was sie unseres Erachtens besser nicht getan hätten."
(§) Die ,Post' sucht die sehr berechtigten Klagen über die mangelhafte Berichterstattung
aus den Kolonien mit folgenden Bemerkungen abzutun: „In einem westdeutschen Blatte finden sich allerhand gegen das auswärtige Amt gerichtete Klagen über mangelhafte Berichterstattung über die Ereignisse in Deutsck-Südwest-Asrika und Ostafrika. Wir können indessen solche Vorwürfe durchaus nicht für berechtigt halten. Die Ko- lonialabteilung ist, soviel wir wissen, von der leitenden Stelle des auswärtigen Amts angewiesen worden, alle aus den Aufstandsgebieten eingehenden Telegramme, soweit ihr Inhalt irgend geeignet erscheint, das Publikum zu interessieren, unverzüglich zu veröffentlichen." — Die Tatsache der höchst mangelhaften Berichterstattung aus den Kolonien wird hiernach auch von der ,Postt nicht bestritten. Ob die Mangelhaftigkeit Schuld der Kolonialabtellung, oder der „leitenden Stelle des auswärtigen Amtes" oder schließlich der Behörden in den Kolonien selbst ist, erscheint uns als durchaus gleichgiltig. Wenn die „leitende Stelle" tatsächlich die Kolonialabteilung angewiesen hat, wie es oben heißt, „alle aus den Aufstandsgebieten eingehenden Telegramme, soweit ihr Inhalt irgend geeignet erscheint, das Publikum zu interessieren, unverzüglich zu veröffentlichen", so muß entweder die Auffassung des Kolonialamtes über das, was das Publikum interessiert, eine sehr eigentümliche sein, oder aber die Berichte der Behörden in den Kolonien enthalten eben das nicht, was das Publikum interessiert. Siegreiche Gefechte der deutschen Schutztruppen, Angriffe gegen deutsche Nationen und der Verlust Deutscher in den Ge- fechten ist unserer Ansicht nach doch etwas, was „geeignet erscheint", das Publikum zu interessieren. Darüber hat man sich aber bis jetzt wenigstens zu einem guten Teile nur aus privaten Meldungen der deutschen oder ausländischen Preffe unterrichten können. Es wäre also wohl an der Zeit, entweder die Berichterstattung zu vervollständigen oder die Auszüge aus den Berichten auszudehnen.
* Schon wieder einmal geht das Gerücht durch die Blätter, der Abgeordnete Eugen Richter habe sich entschlossen, mit Beginn der neuen Parlamentssession fein Mandat infolge feiner schweren Augenerkrankung, die wenig Hoffnung auf Genesung biete, niederzulegen. Wir haben von einem derartigen Entschlüsse bis jetzt noch nichts gehört und ein Dementi dürste auch diesmal wohl nicht lange auf sich warten lasten.
* Mit der Vereinfachung der Arbeiterversicherung hat sich auch der 20. Verbandstag der deutschen Baugewerks - Berufsgenossenschaften in Braunschweig am 9. ds. Mts. beschäftigt. Zurückgewiesen wurden die Vorschläge der Krankenkassen, wonach die Verwaltungskörper der Arbeiterversicherung zu je zwei Drittel aus Arbeitgebern bestehen sollten, mit der Begründung, daß dieser Vorschlag eine vollkommene Auslieferung der Arbeiterversicherung an die Sozialdemokratie bedeuten würde. Auch die Vorschläge des Vorsitzenden der Landesversicherungsanstalt Berlin, Dr. Freund, fanden keine Billigung. Insbesondere wurde der Vorschlag, in den Volksschullehrern für die Arbeiterversicherungsämter Lokalinstanzen zu schaffen, welche die Krankengelder zahlen, für ärztliche Hilfe sorgen, Rentenempfänger kontrollieren und die Beitragsleistung überwachen, als undurchführbar bekämpft und hervorgehoben, daß die Organisation der Invalidenversicherung nach
M 211.
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§ Zum deutsch-amerikanischen Handelsvertrag.
Die offiziöse Preffe hat zwar die Meldung des ,Berl. Lok.-Anzeigers" über den augenblick lichen Stand der Frage eines neuen Handelsvertrages zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten als falsch bezeichnet, aber dat genannte Blatt hat seine Mitteilungen unter Anführung so genauer Einzelheiten aufrecht erhalten, daß man kaum umhin kann, der Meldung wenigstens in der Hauptfach« Glauben zu schenken. Die Lösung bei Widerspruchs zwischen ihr und dem offiziöser Dementi dürfte in der Annahme des Berliner Blattes liegen, daß der Brief Roosevelt's ein allerdings auf eine amtliche Denkschrift fußender Privatbrief des Präsidenten an den deutscher Botschafter war. Für die Sache selbst ist das gleichgültig; man hat eben mit einem vorläufig ablehnenden Verhalten der Vereinigten Staaten gegenüber den Vorschlägen Deutschlands in der Handelsvertragsfrage zu rechnen.
Die Erörterung der Angelegenheit ist in der Preffe jetzt wieder in Fluß gekommen und wird schwerlich so bald aufgegeben werden. Wir halten das für gut. Bei allem Vertrauen, das wir der Reichsregierung auf Grund ihrer Zusagen hinsichtlich der Führung der Handelsvertragsverhandlungen gegenüber Amerika entgegenbringen, dürfte es doch von Nutzen sein, wenn man jenseits des Ozeans auch aus der deutschen Presse erfährt, daß die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes nicht gewillt ist, einen Handelsvertrag gut- zuheißen, der nicht in besserer Weise, als es bisher der Fall war, die Interessen Deutschlands roabrnimmt.
Selbstverständlich steht die Festlegung der hauplsächlich in Betracht kommenden Zölle in einer angemessenen Höhe dabei in erster Linie. Aber man darf nicht vergessen, daß bei keinem andern Lande so wie bei den Vereinigten Staaten auch die zolltechnischenFragen von Beden- ung sind. Die Regelung dieser Fragen gegenüber Rußland, Belgien und anderen Vertrags- Staaten war ein Kinderspiel im Vergleich zu der Aufgabe, welche der deutschen Unterhändler in dieser Hinsicht bei den Vereinigten Staaten harrt. Es ist bemerkenswert, daß gerade ein liberales Blatt, das ,Berl. Tagebl/, schon wiederholt auf d?e Notwendigkeit aufmerksam gemacht bat den „Ehikanen" der Dingley-Bill im nächsten Handelsverträge ein Ende zu machen. Das amerikanische Wertzollsystem ist es vor allem, unter dem der europäische Handel zu leiden hat, und ro-.nn man der Frankfurter Handelskammer folgen will, ist die Umwandlung der amerikanischen Wertzölle in spezifische Zölle fast noch wichtiger, als eine Herabsetzung dieser Zölle. Mit der Verzollung nach dem Werte ist tatsächlich der Belästigung der Importeure Tür und Tor geöffnet, denn dieser Verzollungsmodus hat zum Angelpunkte die Feststellung des Warenwertes, und hier verfahren die amerikanischen Zollbeamten in einer Weise, die nachgerade unerträglich geworden ist.
Rach dem genannten liberalen Blatte, das .vohi als unverdächtige Quelle in diesem Falle gelien kann, sind die amerikanischen Zollbeamten angewieien, die Verzollung nicht ohne weiteres
3m S* WsslMMl.
Nach dem Amerikanischen der Mrs. May AgneS Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.
2$] (Nachdruck verboten.)
„Noch nicht: ich erwarte Bekannt«. Sieh nur, tote feekrankgrün die meisten aussehen."
„'schau 'mal, Curtis, welch' junonistische Gestalt! Neptun und allen Wassergöttern, sie ist'sl Es ist Mrs. Wildair I"
„Wo? wo?" fragte Curtis in äußerster Spannung, „ja, ja, ich sehe! Sie ist's! Hurra!"
Er bahnte sich einen Weg durch die Menge und achtete nicht der Verwünschungen, die ihm folgten."
or heiß ich summarisch verfahren," lachte Arltngford, „ist wie eine galvanische Batterie, dieser Curtis, aber machen wir's ihm nach!"
bescheidener Weise kämpfte auch er M , ni), bis er vor einer Dame stand, deren dunkle, strahlende Schönheit an des Tropenlandes warme, sonnige Blüten mahnte.
„Mrs. Wildair l Gott grüß' Sie, Mrs. Wildair!." rief eine vor Aufregung atemlose Stimme, „welch glücklicher Zufall, daß Sie heute, gerade heute kommen! wie freu’ ich mich, Sie wiederzusehen l"
„Mr. Curtis!" rief die Dame angenehm überrascht, „das ist eine unverhoffte Freude."
Er ergriff die gebotene Hand und drückte sie energisch.
„Und heute, gerade heute! welche Frau . - . nun?"
Schlag auf die Schulter unterbrach die Ausrufe feiner Ueberraschung, er wandte sich um und blickte in Randall's lachendes Gesicht.
.^Nun- Curtis, hast Du nur Worte für Iva? tEst x>« "ich nicht willkommen heißen?" fragte eine andere Stimme.
„Randall, alter Junge!" jubelte Curtis, „ja, nun ist alles recht. Wie lange bliebt ihr doch in jenen barbarischen Ländern!"
„Die Zeit verstrich, ehe wir's uns versahen: wie aber kommst Du nach B., ich glaubte Dich in Newyork."
„Bin gleichwohl nicht dort, magst es glauben oder nicht. Mrs. Wildair, darf ich Ihnen einen Freund vorstellen?"
„Kapitän Arlingford!" rief Iva und reichte ihm fteudig überrascht die Hand.
„Nichts Geringeres, nichts Geringeres," erklärte Curtis, vergnügt die Hände reibend, „welch ein Zufall, welch herrlicher Zufall, gerade heute! nicht wahr, Arlingford?"
„'s ist wie ein Roman," meinte dieser.
„Unser Nachhausekommen?" fragte Randall, der an feiner Landung in B. nichts absonderliches sah.
„Das eben nicht an sich, aber daß es sich gerade heute treffen sollte," schmunzelte Curtis, „aber nun schnell einen Wagen, später sollen Sie alles erfahren, Mrs. Wildair!"
Er eroberte einen Mietwagen, kommandierte „Dixons Hotel" und fort raffelte das Gefährte.
„So, nun sind wir bequem," rief Curtis mit strahlendem Blick auf die Begleiter, „übrigens dürfen Sie von Glück sagen, daß Sie mich getroffen haben, Mrs. Wildair, um Gold hätten Sie heute kein Zimmer aufgetrieben. Ich aber verfüge über Gemächer, die für den Statthalter reserviert wurden, diese stehen Ihnen zu Diensten."
Von Jvas Weigerung wollte Curtis nichts hören, und unter vielen Anspielungen, deren Sinn ihr und Randall nicht klar wurden, bei Arling- forb^aber Heiterkeit bedingten, erreichte man das
Curtis nahm sich nicht Zett, den Imbiß zu teilen, den er für die Angekommenen bereiten ließ, er empfahl sich Mrs. Wttdair und erbat sich als besondere Gunst die Ehre, sie auf den Ball begleiten zu dürfen, der heute zu Ehren deS neu- gewählten Statthalters stattfinden sollte.
„Ich werde Sie ihm vorstellen."
„Mich? einer mir völlig unbekannten, völlig gleichgiltigen Persönlichkeit?
„Und wenn es einer Ihrer Bekannten, Ihrer Freunde, — wenn es Thilo Wildair wäre?"
Unerwartet kam die Nachricht, unerwartet und plötzlich sah Iva sich nun am Ziele ihrer Wünsche und Hef bewegt, leuchtenden Auges drückte sie stumm des Bruders Hand.
„Er ist also gewählt?" fragte Randall so ruhig, als hätte er das Resultat längst erwartet, „nun, er hat sein Ziel erreicht. Iva, willst Du gehen?"
Ihr strahlendes Lächeln bejahte.
„Hurra!" jstuchzte Curtis, „wird das eine Freude sein!"
Die Zeit, welche Iva unter des Bruders Obhut, inmitten heiteren Naturgenusses verlebt, hatte der Jugend Blüte auf ihre Wangen zurück- gezaubert. Wie ganz anders schön war die Iva von heute, wie anders liebreizend, als jenes stolze, harte, stürmische Wesen damals. Die wilde Flamme sprühender Leidenschaft war in ihrem Blicke erstorben, sanftes, mildes Leuchten entströmte den dunklen Tiefen. Nicht mehr bitter kräuselten sich die feinen Lippen, nicht mehr zür- nend drohte die königliche Stirn, heiterer Friede lag auf derselben.
Nicht war es das schimmernde Gewand von ambrafarbigem Atlas, das ihre Gestalt um- schmiegte, nicht das tausendfarbige Blitzen und Glühen des Edelgesteins um Schläfe und Nacken, was sie wie ein Zauberbild erscheinen ließ, eine innere Schöne, ein Strahl des Himmels leuchtete aus ihr und beugte sich der Alltagsmensch vor dem blendenden Liebreiz ihrer Erscheinung, so errirt der verwandte Geist ein besseres Juwel von ewigem Wert ihrer Seele.
„Wie schön sie ist, wie sinnverwirrend schön", fltifterte Curtis Randall zu, als er zur bestimmten ©tunbe erschien, sie abzuholen.
„Ja, sie sieht gut aus," sttmmte Randall mit stolzer Befriedigung bei, „Seelenglück verschönt, mein Sieber!''
32. Jahrgangs
dem Urteil von Sachkennern schwere Mängel und Unzulässigkeiten aufzuweisen habe und deshalb als Basis für die Zusammenlegung der drei Versicherungsarten überhaupt nicht angenommen werden könne. Dagegen werden die gewerblichen Berufsgenossenschaften als diejenigen Körperschaften bezeichnet, die nach Ansicht aller Sachkenner den wenigsten Anlaß zu Klagen gegeben hätten und deshalb nicht nur aufrecht erhalten, sondern auch für die Invalidenversicherung ausgestaltet werden müßten. Es wurde darauf verwiesen, daß auch der frühere Präsident deS Reichsversicherungsamts, Dr. Bödiker, davor warnt, die gewerblichen Berufsgenoffenschaften zu befestigen. Bekanntlich hat Abg. Hitze namens der Zentrumspartei schon bei der ersten Vorlage über die Invaliden- und Altersversicherung im Jahre 1889 die berussgenoffenschaftliche Organisation dieser Versicherung gefordert; das Zentrum drang damit aber nicht durch. Heute wird mehr und mehr erkannt, daß das Zentrum damals recht hatte.
* Wechselstempelsteuer. Amtlicher Nachweisung zufolge sind an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reiche während der ersten fünf Monate des laufenden Etatsjahres 5,935,588,50 Mark oder 669,648,85 Mark mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres vereinnahmt wordm.
* Verluste in Siidwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet, Unteroffizier August Krotofil, geboren am 2. 8. 81 zu Trynek, früher im Ulanenregiment Nr. 2, am 9. September 1905 auf Pferdewache Rehoboth ver- rounbet, Fleischschuß linken Oberarm.
* An Cholera sind in Preußen vom 13. bis 14. September mittags 9 Erkrankungen und 2 Todesfälle amtlich gemeldet. Von den Erkrankungen entfallen auf die Kreise Preußisch-Stargard 1, Marienwerder 2, Wongrowitz 2, Schubin 3, Bromberg-Land 1 und Kolmar 1. Von den bisher gemeldeten Erkrankungen haben sich 5, darunter eine mit tätlichem Ausgang, die einen in Thorn aus Posen tot angekommenen Eisenbahn-Zugführer betraf, nicht als Cholera heraus- gestellt. Die Gesamtzahl der Cholera - Erkrankungen beträgt bis jetzt 183, von denen 66 töt- sich verlausen sind.
Ausland.
* Der österreichische Ministerrat hat beschlossen, den Reichsrat zum 26. September einzuberufen. Der Reichsrat soll in kurzer Tagung das Ermächtigungsgesetz und die Italic» nische Fakultätsvorlage erledigen. Die ungarische Krise wird natürlich auch zur Sprache kommen. — Dem vorn 18. bis 21. November in Wien statt findenden allgemeinen österreichischen Katholikentage wird der Präsident des Straßburger Katholikentages, Erbprinz Aloys zu Löwenstein beiwohnen und ihn namens der Katholiken Deutschlands begrüßen. Aus der Schweiz wird Schulrats-Präsident und Kantorrat Karl Eisenring teilnehmen. Ueberaus groß sind die Anmeldungen aris allen Kronländern Oesterreichs, die bereits jetzt die der früheren Katholikenversammlungen weit übertreffen. Aus einzelnen Kronländern sind Separatzüge angemeldet.
* lieber den Verlaus der schwedisch-norwegischen Verhandlungen waren am Mittwoch be« unruhigende Meldunoen in Stockholm verbreitet.
„Ich bin bereit", flüsterte Iva und versuchte zu lächeln, das Pochen ihres Herzens aber raubte ihr schier die Besinnung. Und wer Hütte nicht mit ihr gefühlt? Nach langer Trennung sollte sie dem Gatten gegenübertreten, und wußte sie, wie er gegen sie gesinnt geblieben? sollte ihr vertrauend Herz einem falten Blicke, ihre hingebende Liebe kühler Zurückhaltung begegnen? warum hatte sie in dieser langen Zeit nicht versucht, sich schriftlich zu nähern? Tausend Gedanken und banges Ahnen bestürmten sie, während sie, schweigend in den Kiffen lehnend, durch die wogenden taghell erleuchteten Straßen fuhr.
Von allen Giebeln wehten die Fahnen der Union, auf allen Wegen ragten Ehrenpforten und Triumphbogen, flössen Blumengewinde von Haus zu Haus, von Baum zu Baum. Im Lichtmeer schimmerten die Häuser der großen volksbelebten Plätze und alles wogte und drängte, um ihn zu sehen, den Tribunen, den Liebling des Volkes.
Als der Wagen, der unsere kleine Gesellschaft trug, sich dem Gesandtschaftshotel näherte, fuhr eben eine einfache, dunkele Karosse vor.
„Der Statthaltert der Statthalter!" scholl es von Mund zu Mund, und lauter Hochruf wälzte sich durch die lichtschimmernden Straßen.
Und nun erschien auf dem Balkoue die gebietende Gestalt, das Haupt unbedeckt, das Auge gesenkt auf die Tausende, die jauchzend zu ihn emporblickten.
„Das heiße ich populär sein!" rief Curtis, als er Iva durch die herrlich geschmückten Räume geleitete, während der stürmische Hochruf der Menge bis zu ihnen drang.
„Hoch Wildair I Hoch Thilo Wildair!"
Iva entgegnete nichts; ihr Blick flog übet all die Menschen, die ihr fremd und suchte ihn, den strahlendem Stern des Abends, — den geliebten Gatten. Dort stand er, umgeben von Würdenträgern und schöne» Damen, und nahm in ungezwungener Freundlichkeit die Huldigungen entgegen, die greife Männer und edele Frauen ihm darbrachten.