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M 210.

FuLda, Donnerstag, den 14. September 1905.

82. Jahrgangs

)( Nochmals der „M Vachstein".

Das Reichs-Militärgericht hatte sich heute mit dem „Fall Bachstein" zu beschäftigen. Unsere Leser kennen die Angelegenheit, so daß wir nur nötig haben, die bisherigen Phasen derselben, die wegen der eigenartigen Entscheidungen der Vorinstanzen so großes Aufsehen erregten, kurz zu rekapitulieren. Am 19. Januar ds. Js. hatte der protestantische Divisionspfarrer Bach­stein aus Minden, ein ehemaliger katholischer Priester, in Osnabrück in einer vom Evan­gelischen Bunde einberufenen Versammlung, die in der Einladung zu derselben als eine öffent­liche bezeichnet war, sich in den gröbsten Schmähungen gegen die katholische Kirche und ihre Einrichtungen, namentlich gegen das hl. Altarssakrament, ergangen.

Das Kriegsgericht in Münster sprach ihn am 23. Mai von der Anklage des Ver­gehens gegen den § 166 des Strafgesetzbuches frei. Es erkannte an, daß einzelne Aeußerungen des Angeklagten unbedingt Beschimpfungen der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen enthielten, nahm aber weiterhin an, daß dem Angeklagten das subjektive Bewußtsein gefehlt habe, daß er damit eine Beschimpfung ausübe. Herr Bachstein ließ sich diese Annahme gefallen; er leistete ihr sogar Vorschub, weil er auf diese Weise durch das Hintertürchen eines juristischen Klausels der sicheren Bestrafung entrinnen zu können glaubte. Der Gerichtsherr legte Berufung ein.

In der Berufungsinstanz, vor dem Ober­kriegsgericht, erzielte er am 26. Juni wiederum ein freisprechendes Urteil. Das Oberkriegsgericht stellte die objektive Beschimpfung der katholischen Kirche fest, hielt auch das subjektive Bewußtsein »er beschimpfenden Handlung bei dem Angeklagten für gegeben, aber hier öffnete sich Herrn Bachstein ein zweites juristisches Hinterpförtchen — es nahm an, daß ihm das Bewußtsein der Oeffentlichkeit der Versammlnng, in der er sprach, gefehlt habe.

Hatte das erstinstanzliche Urteil Verwunderung erregt, so erregte das Urteil und die Begründung desselben in der Berufungsinstanz gerade Er­staunen in den weitesten Kreisen, und zwar so­wohl in katholischen, wie in protestantischen. Man hielt anfangs eine solche Entscheidung für unglaubbar. Sie war aber dennoch eine Tat­sache, und Herr Bachstein ließ sich auch diese Annahme des Oberkriegsgerichts gefallen. Die doppelte Diminatio seines Intellekts, die in den beiden Urteilsbegründungen enthalten war, genierte ihn gar. Roch weniger die Presse des Evangelischen Bundes, die gar nicht lange zögerte, um über das „Bewußtsein" oder „Nicht­bewußtsein" des Herrn Bachstein zur Tagesord­nung übergehend, feine sachlichen Ausführungen in Osnabrück, d. h. die geradezu unqualifizier­baren Beschimpfungen der katholischen Kirche als „unanfechtbare Feststellungen" zu behandeln und auszuschlachten, und damit erkennen ließ, daß sie zwar selbst an der Richtigkeit der kriegsgericht­lichen Urteile zweifele, aber doch die Gelegenheit für günstig erachte, ihrem Haffe gegen die katholische Kirche ihren Lauf zu lassen.

Jetzt hat das Reichsmilitärgericht die Grundlage der Auffassung des Oberkriegsgerichts als unrichtig erklärt. Die Urteilsbegründung des Reichsmilitärgerichts enthält eine so nach-

Dem Volke entftauunt.

Rach dem Amerikanischen der Airs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.

28] (Nachdruck verboten.)

„Glücklicherweise sandle mich der Großvater bald in ein tüchtiges Institut. Die Nachforschun­gen nach meiner Mutter erzielten nur die Gewiß­heit ihres Todes. Auch Du wärest tot, wurde mir gesagt. Bier Jahre blieb ich im Institute und fühlte mich vollkommen glücklich. Da ereignete sich der plötzliche Todesfall des Großvaters und seine letztwillige Verfügung ernannte mich zum Universalerben seines großen Vermögens. Ich war 17 Jahre alt und mein eigener Herr. Reisen war von jeher der Wunsch meines Herzens gewe­sen. -öd) besuchte alle Länder Europas, drang in Asien em, erklomm die Pyramiden, durchmaß die Wüsten und sehnte mich nach der Heimat. Seit etwa vier Monaten bin ich hier und finde schließ- 'ich die totgeglaubte Schwester als strahlenden 5tern am Horizont der Kunst."

„Und was hast Du mit Deiner Schwester vor?"

„All mein Hab' und Gut mit ihr zu teilen," antwortete Adolf rasch.

„Nein, davon will ich nichts hören."

„Da Du den Bruder gefunden, Iva, mußt Du ihm gehorchen, und Du sollst nicht vermögenslos zu Deinem Gatten zurückkehren."

„AdolfI" rief Iva mit nassen Augen.

„Sein Wort mehr darüber; morgen soll alle Welt wissen, was Du bist."

„Bitte, laß mich mein Inkognito bewahren, bis ich Thilo wiedersehe, laß mich Miß Randall blei­ben, bis er kommt!"

_ „Was Jahr und Tag dauern mag. Wie aber wäre es, wenn wir zu ihm gingen? wie gefiele Dir eine Reise nach Frankreich?"

Idas Antlitz leuchtete vor Freude.

Gut; heute über acht Tage reisen wir ab."

drückliche und eingehende Zurückweisung der An­nahme des Oberkriegsgerichts betreffend das Fehlen des Bewußtseins an der Oeffentlichkeit der in Frage stehenden, von den Einberufenen direkt als „öffentlich" angekündigten Versamm­lung, daß dieses Ausschlupfpförtchen.Herm Bach­stein wohl vernagelt ist.

Die Urteilsbegründung liest sich wie eine scharfe Kritik, die zugleich an dem Verfahren des Oberkriegsgerichts und an dem Angeklagten Bachstein geübt wird. Wir sind gespannt darauf, wie beide Teile sich in dxr neuen Verhandlung, die jetzt stattfinden muß, damit abfinden werden. Wir sind auch gespannt darauf, welche Stellung die liberale Presse und namentlich die Organe des Evangelischen Bundes zu dem Urteil des Reichsmilitärgerichts einnehmen wird.

Die »Osnabrücker Zeitung' hatte dieser Tage eine förmliche „Beeinflussung des Reichs­militärgerichts zu gunsten des Angeklagten in Szene gesetzt durch einen Artikel, der an Sophis­men das denkbar Höchste leistete. Dieser Sophis­mus ist jetzt ad absurdum geführt. Wohl im Verein mit allen ehrlich und rechtlich denkenden im Reiche freuen wir uns, daß das Urteil des Reichsmilitärgerichts die Gelegenheit schafft, einen Rechtsirrtum zu korrigieren und zugleich Sühne für ein Vergehen herbeizuführen, das eine der ärgsten Verletzungen des gerade jetzt wieder vom Kaiser so scharf betonten Friedens unter den christlichen Konfessionen darstellt.

Deutsches Reich.

Berlin, den 13. September 1905.

* Rede des Kaisers in Koblenz. Bei dem Festmahle, welches am Dienstag in Koblenz im kaiserlichen Schlosse stattfand, hat Se. Majestät der Kaiser folgenden Trinkspruch auf die Rhein­provinz ausgebracht:

„Wiederum im schönen Rheinlande eingetrof­fen, umbrandet von begeistertem Jubel der patrio­tischen Volksmenge, der aus leuchtenden Augen und mit begeistertem Zuruf uns entgegengetragen worden ist, empfanden Ihre Majestät die Kaiserin und Ich im ganzen Zauber des hiesigen Landes, den es auf jeden ausübt, fei er Deut­scher oder herbeigeeilt aus fremden Landen. Welch mächtiges Leben pulsiert doch hier in der Rhein- Provinz von Handel, Wandel, Wissenschaft und Technik, und selbst die alten Ruinen, die noch zu meiner Studienzeit öde und tot Magen, ein Zeug­nis der Schmach und Erniedrigung unseres Vater­landes, als fremde Eroberer in dasselbe einge­drungen waren, werden jetzt ausgebaut und be­wohnt von fröhlichen Menschen. Wem haben wir das zu verdanken? Durch Gottes Gnade Sr. Majestät Kaiser Wilhelm dem Großen, dem großen Einiger unseres Vaterlandes und Volkes, und demnächst seinem Sohn und seinen treuen Pala­dinen. Fürwahr, in unferm Deutschen Reich hin­terließ uns der hohe Herr ein herrliches prächtiges Gebäude, ein stattlich Haus, und da erinnert es Mich im Bilde gleichsam an die hochragende Burg Meiner Ahnen, die Ich jüngst besuchen konnte, als Ich heimkehrte vom Sarge des Mir so nahe­stehenden dahingeschiedenen Fürsten von Hohen- zollern.

Hoch und hehr, mächtig und fest, so steht das deutsche Haus und ebenso wie in unserer Stammburg, eingeteilt in kleine Gemächer und Kemenaten und große Säle, je nach Bedarf, je nach Uebertieferung, in verschiedenen Farben, grün, weiß, schwarz, rot, blau-weiß, schwarz-weiß.

„Wohin?" fragte Curtis, der eben eintrat, in's Blaue? oder zu einer Jagd auf wilde Gänse?"

„Werden wohl das schöne Doppelziel verfol­gen," lachte Randall," „wir reifen nach Frankreich, um Thilo Wildair, außerordentlichen Bevollmäch­tigten der Vereinigten Staaten am französischen Hose, aufzusuchen."

Curtis äußerte seine. Anerkennung durch lan­ges, leises Pfeifen.

* ♦

*

Eine Woche später loaren Randall und feine Schwester an Bord der „Semirawis". Günstige Winde beseelten die Segel und bald hatten sie die weißen Klippen des britischen Ufers in Sicht. Zum ersten Male fetzte Iva den Fuß auf fremde Erde. Die Ungeduld aber, den Gatten zu finden, ließ sie nirgends verweilen. In Paris erfuhren sie durch den amerikanischen Konsul, Mr. Wildair hätte sich vor einigen Wochen nach St. Peters­burg begeben.

Es war eine große schmerzliche Enttäuschung für Iva. Ohne sich Rast zu gönnen, traten sie die Reife nach dem Zarenreiche an. Hoffnung und Sehnen ließen Iva die Beschwerden des langen Weges wenig fühlen. Als sie aber St. Petersburg erreichten und hörten, Mr. Wildair wäre vor drei Tagen nach Paris zurückgekehrt, fühlte sie sich außer Stande, ihm zu folgen. Seine Mission war übrigens, wie sie vernahm, von größter Tragweite und erheischte schnelle Erledigung. Daraus war anzunehmen, daß er sich in Paris nicht länger aus­halten würde, als unbedingt notwendig, um un­gesäumt nach Amerika sich einzuschiffen.

Angesichts dieser ungünstigen Konstellationen schlug Randall seiner Schwester hör, den Aufent­halt in Europa zu eigener Befriedigung zu be­nutzen und das Wiedersehen zu verschieben.

„Tue, was Du für gut findest," sagte Iva lächelnd und seufzend, „vielleicht ist's besser, Thilo in seinem Auf steigen zum Zentth politischer Größe nicht zu stören."

So durchwanderten die Beide« Europas Sä«-

Und in diesem Hause sind gleichwie in unserer Stammburg zwei Kapellen, eine für Protestanten, die andere für Kathv- liken, auf daß beide i n E i n t r a ch t nebenein­ander Gottesdienst verrichten mögen. Und über dem festumwehrten, zinnengekrönten Dach weht in den Lüften das Reichsbanner, der alte deutsche Adler, zu dem alle Deutschen mit Stolz hinauf- schauen, und in diesem Hause das frisch auf- blühende deutsche Volk, das treu zu seinen ange­stammten Fürsten hält. Darunter nicht zum ge­ringsten meine Rheinländer, für deren katholische Glieder neulich in so herrlicher Weise der Erzbischof von Köln das Treuge- löbnis erneuert hat, das ich mit herz- kichern Dank entgegengenommen habe. Und diesem Volke, dem wünsche ich von Herzen, daß es in frommer Eintracht mit einander in diesem Hause leben möge, vor allen Dingen in der Achtung der Persönlichkeit und in der Würdi­gung derselben in jedem Menschen.

Emporblickend zum Firmament von droben, welches über unserem Hause sich wölbt, aufschauend zu dem gemeinsamen Erlöser und Hei- l a n d, von dem wir hoffen und erwarten, daß er uns von unfern Sünden erlöse, und zu unferm allerhöchstenGottundVater.vordem wir alle in Ehrfurcht das Knie beugen, wenn fo das deutsche Volk in sich gefestigt und auf sich ver­trauend in die Welt hineintritt, dann wird es auch befähigt sein, die großen Kulturaufgaben zu lö­sen, die ihm die Vorsehung in der Welt bestimmt hat. „Nach innen geschlossen, nach außen geschlossen!" Und daß diese Anschauung in mei­nem Volke sich verbreite und Verständnis und Würdigung finde, und daß es ihm beschieden sein möge, unter Gottes Schutz in friedlicher Schaffens­freude feine Arbeit zu fordern, dieser Wunsch wird vor allen Dingen in der hiesigen Provinz Ver­ständnis und Würdigung finden. Ich erwarte von Meinen Rheinländern, daß sie bei dieser Arbeit Mir treu zur Seite stehen. So erhebe Ich Mein Glas auf das Wohl und Gedeihen der schönen Provinz der Rheinländer. Hurra!"

* Eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren steht nach der »Post' in Aussicht. Wie dem Blatte aus Petersburg gemeldet wird» verlautet in dortigen Hofkreisen mit Bestimmtheit, daß sich der Zar mit seiner Familie noch im Laufe dieses Monats zu mehrwöchigem Aufent­halte nach Darmstadt begeben wird; bei dieser Gelegenheit dürfte eine neue Begegnung des Zaren mit Kaiser Wilhelm stattfinden. — Wie ferner der »Magdeburger Zeitung' aus Darm­stadt gemeldet wird, werden die von der früheren Prinzessin Alice, der jetzigen Zarin, bewohnten Zimmer des Großherzoglichen Schlosses für den Besuch der Zarin in aller Eile neu eingerichtet. Man schließt hieraus, daß das Zarenpaar in Kürze in Darmstadt eintreffen wird.

v. Zum „Fall Martin" schreibt die»Nord- deuffche Allgemeine Zeitung': „In verschiedenen Blättern ist von einem „Fall Martin" die Rede, der darin bestehen soll, daß gegen den Re­gierungsrat im Kaiserlichen Statistischen Amt, Martin, wegen der in seinem Buche über Ruß­land und Japan geäußerten Ansichten Er­mittelungen eingeleitet seien und doß sich die Re­gierung bemühe, die Verbreitung des Buches zu hindern. Ehe sich diese Meinung festsetzt, wollen wir erklären, daß sie auf einer ganz falschen tatsächlichen Voraussetzung beruht. Der Inhalt des Martin'schen Buches ist für die amtlichen Kreise vollständig mit der Erklärung erledigt, die wir am 3. ds. Mts. veröffentlicht haben. Für die Reichsbehörden ist es daher auch ganz

der und Gauen, verlebten den Winter in Sizilien, den Frühling in der Lombardei, des Sommers heiße Tage am Fuße der Gletscher, am Ufer der Schweizerfeen.

Der ruhige, stetige Wechfel der Tage entführte fast unbemerkt zwei Jahre in die Schatten der Vergangenheit.

Und wo war Wildair unterdeffen?

Längst hatte er das heimische Gestade wieder erreicht. Im Wirbel politischer Erregung suchte er Jvas und das eigene Weh zu ersticken.

Bei feiner Rückkehr hatte er die Mutter ster­bend gefunden, hatte ihre letzten Worte vernom­men, ein Bekenntnis ihrer Schuld, ein Flehen um Verzeihung, eignen Segenswunsch um die Ver­lorene.

Für die Verlorene! O, wer vermöchte den Schmerz zu schildern, der fein Herz durchwühlte beim Gedanken an fiel

Mit der ganzen Kraft seines Geistes gab er sich fortan dem Leben hin, das Weib und Kind ihm erfetzen sollte. Schon hatte er feinen Sitz im Senat, eine überwiegende Stimme in der Ge­setzgebung. Er war der jüngste unter den be­deutenden Politikern, und dennoch ragte er her­vor durch Geist, durch Gewandtheit der Rede und die abgöttische Verehrung des Volkes.

Das Eine nur war ihm von Iva bekannt, daß sie die Hagar in der Wüste geschaffen, jenes wun­dersam ergreifende Bild, das bestimmt schien, den Erdball zu umkreisen. Tas schmerzzer- molmte, verzweifelnde Weib mit dem wilden Blick von unnennbarem, unergründlichen Weh war Iva. So war sie ihm erschienen in jener letzten, unver­geßlichen Nacht.

Einen Trost gewährte das Bild, die Sicher­heit, daß sie noch lebte.

Aufs neue strengte et alle Mittel an, sie zu finden, aufs neue scheiterte jede Bemühung. Eine große, dunkle, tiefverfchleierte Dame hätte den Preis geholt, erfuhr er, was aber aus ihr gewor­den, wußte keiner zu sagen.

Wie oft war Curtis daran, dem Freunde alles

gleichgiltig, ob und in welchem Umfange das Buch weiter vertrieben wird. Richtig ist es, daß amtliche Ermittelungen angestelll worden find; diese beziehen sich aber lediglich auf die Frage, ob der Regierungsrat Martin, als Autor einer Privatarbeit, bei Abschluß des Verlagsvertrages und bei der Abfassung eines Prospektes für den Vertrieb des Buches die Rücksichten auf seinen Amtscharakter gewahrt, oder ob er — wie auch aus einer Erklärung des Verlegers hervorzu­gehen scheint — die amtliche Eigenschaft seiner Person mißbraucht hat. Hiernach entbehrt der sogenannte „Fall Martin" des politischen Cha­rakters, dem ihm einzelne Blätter beizulegen ver­sucht haben."

* Zum Bolksschulgesetz schreibt die »Kreuz­zeitung': „Die Vorlage für das Gesetz übet die Unterhaltung der Volksschulen wird, nachdem die über den Entwurf von den Provinzial­behörden eingeforderten Berichte nunmehr einge­gangen sind, demnächst fertiggestellt werden. Zur Beratung des Gesetzes wird der Landtag voraussichtlich im Herbst einberufen werden.

[§] Der »Berliner Lokalanzeiger' hält in einem Telegramm seines New-Iorker Korrespon­denten an der Richtigkeit der von ihm gemachten Mitteilung betreffend ein Schreiben des Präsi­denten Roosevelt an den deutschen Botschafter in Washington, Freiherrn Speck v. Sternburg in Sachen des deutsch-amerikanischen Haudelsver- trages fest. Dem Schreiben habe eine amtliche Denkschrift eines Mitgliedes des amerikanischen Kabinetts in dieser Angelegenheit zu Grunde ge­legen. Der ,Berl. Lokalanz.' meint seinerseits, das Schreiben Roosevelts an Freiherrn Speck v. Sternburg scheine keinen amtlichen, sondern einen privaten Charakter gehabt zu haben, was bei den freundschaftlichen Beziehungen, die der Präsident, wie hinlänglich bekannt sei, zu dem deutschen Botschafter unterhalte, nicht als unge- wohnlich gelten könne.

* Lage des deutschen Arbeitsmarktes. Welcher Lebhaftigkeit sich der gewerbliche Be­schäftigungsgrad gegenwärtig erfreut, geht deut­lich daraus hervor, daß die Lage des Arbeits­marktes im August des laufenden Jahres noch günstiger war, als je im August während der Jahre der Hochkonjunktur mit Ausnahme deS Jahres 1899. Nach einer Zusammenstellung der ,Arbeitsmarkt-Korrespondenz' kamen auf je 100 offene Stellen an den öffentlichen Arbeitsnach­weisen während des Monats August Arbeit­suchende im Jahre 1896: 127,7, 1897: 111,1; 1898: 108,5; 1898: 92,5; 1900: 107,5. Im Monat August des raufenden Jahres kamen auf 100 offene Stellen 107,4 Arbeitsuchende. Die Lage des Arbeitsmarktes ist etwa so günstig wie im August 1900. Sie ist damit wesentlich günstiger als im Vorjahre, wo im August auf 100 offene Stellen 125,7 Arbeitssuchende kamen. Was im Gegensatz zum Vorjahr die Markttage wesentlich verbesserte, das ist die günstige Lage des Kohlenbergbaues und des Elsengewerbes.

** Der Reichskanzler sollte, wie verschiedene Tageszeitungen meldeten, den Vorstand der Ber­liner Fleischerinnung zu einer Besprechung Über die Viehnot zu sich beschieden haben. Diese Nachricht ist in jeder Beziehung falsch. Der Obermeister der Berliner Fleischerinnung sowie der Vorsitzende des deutschen Fleischerverbandes erklären der »Allgemeinen Fleischerzeitung'» daß sie eine solche Berufung nicht erhalten haben;

zu entdecken, immer aber erinnerte er sich noch rechtzeitig, daß er fein Wort gegeben, zu schweigen, das Geheimnis zu bewahren.

Während Iva Europa durchreiste, erhob sich Thilo zu den höchsten Ehrenstellen der Landes­regierung, und keiner ahnte, wie schmerzlich sie einander gesucht, entbehrt und ersehnt.

Vierundzwanzigstes Kapitel.

E nb lich.

Zwei Jahre waren verflossen.

Gegen Ende eines hellen, frischen Tage) strömte es nach einem der Landungsplätze in B., der Ankunft des Dampfers zu harren, der, von Europa kommend, einlaufen sollte.

Mit erwartungsvollen Augen blickte die Menge dem Schiffe entgegen, das pustend und keuchen­dem Ufer zulenkte.

Unter der Menge befand sich ein eleganter junger Mann, der mit gewissem Selbstgefühl fei­nen Schnurrbart strich, während sein Begleiter, eine Havanncch rauchend, an der Brüstung lehnte und die Fremden musterte, die auf dem Verdecke sichtbar wurden.

„Ziemlich viel," bemerkte er, die Asche von der Zigarre streifend, „und sie kommen gerade recht, um das Schauspiel in feiner Große zu genießen."

„Und den neuen Statthalter zu begrüßen, meinst Du?" ftigte der andere hinzu.

„Was es doch ist, beS Volkes Liebling zu heißen, he, Curtis?"

„Das sollt ich glauben!" rief Curtis in bet ihm eigenen enthusiastischen Weise „und was selt­sames es um das Volk selbst ist! Würbe Wildair gehenkt, statt im Triumphe empfangen, bas Voll hätte gleichwohl sein Vergnügen baron. Aufre­gung und Neuheit! Seit den Tagen des Pilatus» da es nach Barabas heulte, ist es dasselbe ge­blieben."

„Du willst doch keinen Vergleich anfteCen zwi­schen dem jüdischen Straßenräuber und dem neue« Statthalter?"