Fulda, Mittwoch, den 13. September 1905.
82. Jahrgang.
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Verantwortlicher WL W
Schriftleiter: X Baum AH
Z.ParMer in*.?«“«. wochenbellage: „Illustrierte Sonntagrzeitung
Ittjifieif vir M. fpalrtge Petltzeile ob« deren Kaum 18 Ma. Reflamtu die petitzeitt 18 pffl.; dei Wied«. Holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.
«Station,druck £ Verlag der Zuldaer SS tiendruckerei in Mlda. Zentsprecher Nr.
B. Moderne MSdchenbildnng.
Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Auf der Straßburger Katholiken-Versammlung hat Pater A urach er in seiner bedeutsamen Rede über die Fr au en frage einen warmen Appell utr Förderung der vielseitigen Fragen des Frauen- Studiums und der Ausbildung der Mädchen ms katholische Volk gehen lassen. Er wies damit auf einen Zweig des weitverästelten Baumes öffentlicher Aufgaben hin, dem in den nächsten Jahren " eine besonders eingehende Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. „Auf keiner Stufe inferior!" Nicht um zu prahlen, sondern um zu arbeiten und die gute Sache zu fördern, muß Dieter Grundsatz unser eigen fein und ausgeführt werden.
Ein Kampf ist um die Bildungszwecke und die Bildungswege der weiblichen Jugend entbrannt, zu dem wir Stellung nehmen müssen, wollen wir nicht, daß uns von einer einflußreichen ungläubigen Weltanschauung das Feld abgegraben und die Quellen verstopft werden. Das Lehrgebiet und die weilen Gefilde der Pädagogik verfügen noch über viel unbebautes Ackerland, das nach uns noch in Angriff genommen und zur Ernte vorbereitet wird. Bis vor Jahresfrist entbehrten die katholischen Lehrerinnen und Erzieherinnen an höheren Schulen, und alle jene, die sich ftir deren Fragen und Aufgaben interessieren, eines kundigen Führers.
Unter den bestehenden Zeitschriften, namentlich der Frauen-Zeitschriften, konnte keine ausschließlich und in zureichender Weise sich der Erfüllung dieser Aufgaben widmen. So ist vor einem Jahre bereits ein Blatt in's Leben gerufen worden, das sich der „Mädch enbildung auf christlicher Grundlage" widmet (Koblenz, Görres-Druckerei, 5 Mark jährlich), und auf allen Gebieten, die eine moderne Erzieherin interessieren, namhafte Beiträge veröffentlicht, sowie die einschlägigen Fragen in sachlicher und durchaus interessanter Weise ventiliert hat. Weitherzig und weitblickend, auf den altbewährten katholischen Grundsätzen der Erziehung und des Unterrichts hat diese Zeitschrift sich mitten in das moderne Leben hineingestellt, und nach Ablauf eines Jahres muß eine rechtliche Kritik ihr das Zeugnis geben, daß sie es verstanden hat, auf ebenbürtiger Höhe mit ähnlichen Fachblättern anderer Richtung zu stehen, und die Strömungen der neuen Zeit vollem Verständnis und positiv fördernder Arbeit zu beurteilen und zu beeinflussen. Aufsätze aus allen einschlägigen Fächern des Wissens und der Bildung, der Pädagogik und Ethik, der Literatur und Geschichte, der Philosophie und modernen Forschung, der Frauensrage und _ der Frauenbewegung waren in bunter Reihenfolge vertreten und einen sich zu einem anziehenden Bilde emften Schaffens und sachlichen Leistungen.
In den in erster Linie interessierten Kreisen haben die Blätter viel Verständnis und liebevolle Aufnahme gefunden. Die Herausgeberin, Fräulein Land mann-Danzig, hat ihre ganze Kraft eingesetzt, und, unterstützt durch einen Stab eifriger Mitarbeiter, gleich von vornherein eine glückliche Ausfahrt zustande gebracht. Jndeß ist damit allein noch nicht genug geschehen. Trotz ihres inneren Wertes und trotz der bedeutsamen Ausgabe, die sie sich gestellt hat, scheint nämlich
M Volke eotftoml.
Rach dem Amerikanifcheii der Mrs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.
27] (Nachdruck verboten.)
Dort stand er; erschöpft, die Stirne in die Hand gedrückt, die Spuren langer Abtötung in dem edlen Antlitz.
Jvas ganzes Ungestüm erwachte bei seinem Anblick.
„Rudy!" kam es schier jauchzend über ihre Lippen. . , ..
Austs höchste überrascht, blickte der Missionär empor. Es lag kein Wiedererkennen in seinem Auge.
„Rudy, kennen Sie mich nicht, kennen Sie Iva nicht mehr?" rief sie bewegt.
„Iva?" antwortete er lebhaft, „die kleine Else?
Iva Darell? meines Bruders Frau?"
Ihr Blick bejahte.
„Jst's möglich? und ich treffe Sie hier? wie kommen Sie zu uns?"
„Weiß ich's," lächelte Iva, „der Zufall, die Vorsehung, ein gewaltiges Etwas zwang mich herbei."
„Ich hätte Sie nicht wieder erkannt; wie lange, o wie lange haben wir uns nicht mehr ge- sehenl"
„Nicht so lange, als Sie glauben; erinnern Sie sich der Dame, der Sie vor einigen Wochen auf dem Lande begegneten und nach der Wohnung der Witwe O'Nell fragten?"
„Und das wären Sie gewesen?" -
Iva bejahte.
„Und Sie haben mich wieder erkannt?" .
„Augenblicklich."
„Nun, ich hätte mir'S nicht träumen lassen; Sie haben sich sehr verändert, und teilnehmend blickte Rudolf in das dünne, bleiche Antlitz, das er zuletzt in der vollen Blüte kindlichen Uebev- Mutes gesehen. ' -
die vorzüglich geleitete und äußerst anregend gehaltene Monatsschrift noch lange nicht genug gekannt und darum auch noch lange nicht weit genug verbreitet zu sein. Sogar in den fachmännischen Kreisen läßt ihre Verbreitung noch viel zu wünschen übrig. Und doch erfordern Solidaritäts- und Staudes- Gefühl das Einsetzen aller Kräfte für eine so eminent wichtige Sache! Nicht mit Klagen über den wehenden verderblichen Zeitgeist, auch nicht mit sorgenvollem Blick in das Wellenspiel der unchristlichen pädagogischen Strömungen, sondern nur mit tatkräftiger Hilfe können die christlichen Grundsätze im Bildungsstreben der Frauenwelt hochgehalten und zur Durchführung gebracht werden.
Darum sei an der Wende des ersten«Jahres der Zeitschrift nachdrücklich die Aufmerksamkeit aller beteiligten Kreise — und zu diesem sind alle Mütter und alle gebildet en Frauen in erster Linie zu rechnen — auf dieses führende Organ für wahre und veredelnde „Mädchenbildung" hingelenkt, das da Christentum und moderne Kultur in rechter Weise zu einen bemüht ist, und darum hohe Anerkennung und tüchtige Unterstützung, sei es durch Selbstabonnements oder Werben neuer Abonnenten, sei es durch eigene Mitarbeit ober durch die Aufforderung an Andere zur Mitarbeit verdient. Das zweite Jahr der Monatsschrift muß dieser eine erheblich erweiterte Verbreitung und Damit einen erheblich erweiterten Wirkungskreis sichern. Nur durch regen Austausch der Meinungen über die verschiedenen in Betracht kommenden Fragen, durch offene Aussprache und durch die Beteiligung Vieler an der Lösung der gestellten Aufgabe kann auf diesem hochwichtigen Gebiete führend und fördernd weiter gewirkt werden. Dazu beizutragen, ein Jeder nach seinen Kräften und in seinem Kreise, ist eine Ehrenpflicht unserer ganzen katholischen Frauenwelt, vor allem aber der zur Erziehung des weiblichen Nachwuchses Berufenen.
Deutsches Reich.
Berlin, den 12. September 1905.
* lieber die diesjährigen Jagdausflüge des Kaisers ist, der ,Posst zufolge, bis jetzt folgendes bestimmt: Zur Teilnahme an der Hofjagd im Blankenburaer Revier trifft der Kaiser am 27. Oktober in Blankenburg ein und wird als Gast des Prinzen Albrecht von Preußen im dortigen Schlosse Wohnung nehmen. Die diesjährige Hofjagd in ">er Letzlinger Heide wird voraussichtlich in der ersten Novemberwoche im Beisein des Kaisers stattfinden, lieber die alljährlich wiederkehrenben Jagbbesuche bes Kaisers in Oberschlesien sinb entgiltige Bestimmungen noch nicht getroffen.
* "Dem Reichskanzler Fürsten von Bülow ist anläßlich ber Koblenzer Kaiserparade der Charakter als G eneralmajor unter Belassung ber Uniform bes Husaren-Regiments König Wilhelm (1. Rhein.) Nr. 7 verliehen worben. Beim Parademarsch führte Fürst v. Bülow bas Königs- Hufarenregiment bei bem Kaiser vorbei. Fürst v. Bülow hat in biefent Regiment ben Krieg 1870 71 mitgemacht.
§ Die .Freie deutsche Presse knüpft an die Nachricht vom Antritt ber Rückreise der
„Herzeleid legt seine Spuren auf Leib und Seele", sprach Iva trübe.
„Arme Iva!" flüsterte der Missionär trübe. „Curtis feilte mir alles mit. Wissen Sie, daß man Sie für tot hält?"
„Ich weiß es."
„Daß Thilo Sie allerwärts gesucht?"
„Ich weiß es." ,
„Und was gedenken Sie zu tun? Sie fouten zu ihrem Gatten zurückkehren."
„Das werde ich, aber nicht sogleich", antwortete sie mit einem Lächeln, das ihm die Kinderzeit zurückrief, „wer aber hätte vermutet, Sie als Missionär zu scheu", fuhr sie fort, „Sie, solch lustiger, drolliger Junge!"
Er lachte; in der alten Weise schüttelte er das dichte Haar aus der Stirne.
„Die Zeit wirkt Wunder; wußten Sie, daß ich Missionär geworden?"
„Nicht vor heute abend. Man wollte mir nicht sagen, was aus Ihnen geworden, man ließ mich in dem Glauben, daß Sie ein Unrecht, ein Verbrechen begangen. Und nun, da Sie alles, was das Leben teuer macht, über Bord geworfen, fühlen L>ie sich glücklich?"
Ein unbeschreiblicher Blick wies nach oben.
„Einer ist, der alles ersetzt, alles und ewig!" sprach er innig.
Nicht Rudolf war's, einen strahlenden Seraph schien Iva vor sich zu sehen.
„Ich muß nun gehen", sprach et nach kurzer Pause, „hier ist meine Adresse, liebe Schwägerin. Besuchen Sie mich bald, denn mein Aufenthalt ist' von kurzer Dauer. Gute Nacht für heute, Gott walte über Ihnen!"
In jener Nacht allein in ihrem Zimmer beim Schimmer der Sterne lag Iva in ernstem Gebete feit langen Jahren zum erstenmale. Ihr war'» als flüsterte ihr ein @ngel zu: „Kommt zu mir die ihr mühselig seid und beloben, ich will Euch erquicken."
Und erquickt fühlte sie sich mit himmlischem Tröste, ihre Seele wurde wach, ihre Lippen stammelten: JBater der Liebe, hör« Dein Kind!"
„parlamentarischen Afrikaforscher" folgende Bemerkungen: „Als Orte, bie von ben Parlamentariern in Kamerun besichtigt würben, werben angegeben Viktoria, Buea, Bibunti, Kribi, Longjie, Daale, Ebea, Jabissö. Hinzugefügt wirb, baß den Herren bie ausgiebigste Möglichkeit, sich zu informieren, geboten würbe. Nun hat aber der ganze Aufenthalt in Kamerun noch nicht 12 Tage gebauert. Danach kommen auf bie Besichtigung "jeder Ortschaft burchschnittlich etwa l1/» Tage, wobei auch noch nicht einmal bie Reise- unb Ruhezeit in Anrechnung gekommen ist. Wieviel Gelegenheit zur Information ba übrig geblieben ist, kann man sich beulen. Da bie Abgeordneten weiterhin nur höchstens sieben Meilen' von ber Küste Dorgebr.mgen sind, so haben sie selbstverstänblich von bem Innern des Schutzgebiets gar keine Ahnung bekommen."
* Der ,Reichs- unb Staats an z eigeick veröffentlicht das Gesetz zur Verhütung von Hochwassergefahren sowie bas Gesetz betreffenb Maßnahmen zur Regelung ber Hochwasser-, Deich- unb Vorflutverhältnisse an der oberen und mittleren Ober.
* Aus Deutsch-Südwestafrika. Wahrenb ber Einkreisungsbewe gungen ber beutschen Truppen gegen Henbrik Witboi ist es bereits zu einem Zusammenstoß gekommen. Teile ber Abteilung Meister gelang es, südlich Gorab und westlich Zaris Hottentottenbanben zu schlagen. Der geschlagene Feinb wich in bie Gebirgsschluchten westlich Zaris zurück unb vereinigte sich bort mit ben übrigen vor unseren Truppen zurückgegangenen Hottentotten- unb Hererobanben, bereu Stärke auf etwa 300 Gewehre geschätzt wird.
§ Vom 11. bis 12. September mittags sind in Preußen 8 Erkrankungen unb 3 Todesfälle an Chslera gemeldet worben. Von ben Erkrankungen entfallen auf ben Kreis Marienburg 4, Graubenz 1, Tuchei 1, Friebeberg N.-M. 1, Wirsitz 1. Von ben bisher gemeldeten Erkrankungen haben sich 3, darunter bie eines Pioniers int Manövergelände, nicht als Cholera herausgestellt. Die Gesamtzahl ber Cholerafälle beläuft sich auf 166 Erkrankungen, von benen 61 tätlich ' verliefen. An Choleraüberwachungs- stellen sinb neu eingerichtet eine innerhalb Bres- lcm's, eine in (Slogan unb in Grossen, sowie eine Nebenüberwachungsstelle in Brieskow, unterhalb Fürstenberg. Bei biesen lleberwachungsstellen sinb brei Kreisärzte, 1 Kreisassistenzarzt unb 3 praktische Aerzte angestellt worben.
f * Paderborn, 11. Sept. 1905. Vor einigen Tagen ist hier bie Bestätigung bes Regierungs- assessors v. Laer als Lanbrat bes Kreises Paderborn eingetroffen. Fast zwei Jahre hat Herr v. Laer bas Lanbratsamt kommissarisch verwaltet. Einstimmig hat ber Kreistag vor ungefähr einem Jahre ben katholischen Lanbrat v. Schlechtendahl in Schieiben gewählt. Aber nicht der gewählte katholische Lanbrat wirb bestätigt, sondern ber protestantische Reg ierungsaffessor zum Lanbrat -des ganz katholischen Kreises ernannt! - Will nicht bie gegnerische Presse daraus einen „Erfolg berZentrumspolitik" machen?
Ausland.
* Ministerwechsel in Oesterreich. Der Minister für Kultus und Unterricht, D r. v. Hartei,
Zweiundzwanzigstes Kapitel. Sonnenaufgang.
Iva besuchte Rudolf Widair und erntete seiner Lehre Frucht. Es wurde ihr der Friede des Herrn, jener Friede, der allen Begriff überstetgt. Mit stiller Ruhe und Ergebung sah sie der Stunde entgegen, die sie dem geliebten Gatten toteber» geben sollte. Ihr hatte der Himmel wohl noch manche Jahre des Glückes beschiederu nicht so ihrem jungen Führer und Lehrer. Schmerzlich bewegt, verfolgte sie die rasch zunehmende Er- schöpfung seiner Kraft, das hektische Rot der hageren Wangen, den kurzen, heftigen Husten, der seine Worte häufig unterbrach . « #..........
Der Tag, an dem das Preisgericht enffcheiden sollte, war endlich gekommen. Trotz besten Wollens vermochte Iva nicht ruhig zu bleiben. Hing doch der ganze Plan ihrer Zukunft von dem Entscheide ab. Wie vom Fieber getrieben, rastlos, aufgeregt, durchmaß sie den engen Raum, der sie beherbergte. Mr. Leonard war in Geschäften wieder zur Stadt gekommen und hatte ihr verheißen, im Laufe des Morgens nach der Aus- stellungsballe zu gehen und den Bescheid des PreisgertchtS zu vernehmen.
Es wurde Mittag, die bestimmte Zeit war längst vorüber, — Herr Leonard erschien nicht.
Erfaßt von peinigender Unruhe, beschloß Iva selbst nach der Ausstellungshalle zu gehen, alS er endlich kam. m
„Hurrah, Fräulein, Sie haben den Preis! rief er freudig bewegt ihr entgegen. „Ihre Haga, behext die ganze Gesellschaft. Welch Drängen und Wogen vor dem Bild. Selbst die Künstler, denen der Preis entgangen, haben nur Worte der An, erkennung und deS LooeS. Niemand aber scheint glauben zu wollen, imß der Künstler, der die Hagar malte, eine Künstlerin ist. Lasten Sie mrch Ihnen Glück wünschen, liebeS Fräulein, Wenn heute Aber J>w ÄBoc&en Ihr Mim nicht übet
unb ber Hanbelsminister Freiherr v. Call/ würben auf ihre Bitte unter Verleihung bes Groß» kreuzes bes Leopolds-Ordens vom Amte ent»; hoben. Gleichzeitig wurden der Vizepräsident des niederösterreichischen Landes-Schulrates, ®r,' Richard Bienerth, unb ber Sektions - Chef im Ministerium bes Innern, Leopold Graf v. Auersperg, zu Sektions-Chefs im Mini» fterium für Kultus unb Unterricht bezw. im Han, belsministerium ernannt unb mit ber Leitung dieser Ministerien betraut. Beiben wurde aus diesem Anlasse die Würde eines Geh. Rates verliehen. Daß der Handelsminister vor dem Abschluß der Handelsverträge zurücktritt, muß auffallen. Call war vorher Gesandter in Sofia gewesen. Harte! (ein Liberaler) war Universitäts-Professor, klassischer Philologe, unb hatte aristokratischen SchÜlerq feine Karriere zu verdanken. Freiherr v. Call bürste für einen Botschafterposten im nahen Osten in Betracht kommen. Er war einer ber fähigsten unb sympathischsten Minister, ber ohne viel Lärm unb Reklame bedeutendes leistete unb insbesondere auch am Zustandekommen des deutschen Handelsvertrages viel Verdienst hat. Man kann seinen Rücktritt lebhaft bedauern.
* Zur ungarischen Krisis schreibt Magyar Nemzell: Wir können in unanfechtbarer Weise feststellen, daß sich der Standpunkt des Kabinetts in ber großen Frage bes allgemeinen Wahlrechts auch heute nicht geänbert hat, unb daß bie Regierung auch heute ebenso fest an ber praktischen Verwirklichung des großen Prinzips festhält wie vordem. Ministerpräsident Fejervary, ber nach Wien gereift ist, um ber Krone über ben Beschluß des heutigen Ministerrates zu berichten, wirb bem König diesen unveränderten Stand« punkt zur Kenntnis bringen.
* Am russischen Kaiserhose soll am Montag abend, wie ein Pariser Blatt meldet, wieder ein» mal ein Bombenattentat verübt worden sein, als ber frühere Kriegsminister Ssacharow und Minister Bulygin, bie eine Audienz beim Zaren gehabt hatten, in einer kaiserlichen Equipage zu» rückfuhren. Ssacharow sei durch einen Bombensplitter schwer verletzt worden, Bulygin un» verletzt geblieben. Durch das Attentat seien zwei Personen getötet, vierzehn verwundet worden. Die Attentäter wären zwei Armenier gewesen, bie Offiziersuniform angelegt hätten. Eine Bestätigung ber Nachricht liegt jeboch nicht vor.
* In den kaukasischen Naphtagebieten nehmen bie Greuel kein Ende. Melbungen aus Baku besagen, baß in ber Nacht von Samstag auf Sonntag wiederum Metzeleien ftattgefunben haben, die mit solch' viehischer Rohheit ausgeführt worben sinb, baß bie Feder sich sträubt, sie in ihren Einzelheiten zu schildem. Der Besitzer einer Zeitung, in welcher ber Pöbel zur Mäßigung aufgeforbert würbe, ist auf offener Straße erbolcht und seine Tochter auf« gespießt worden. Ganze Straßenzüge seien mit Leichen bedeckt. Der Aufruhr nehme noch zu. Die unheilvollen Folgen ber Mord- brennerei unb Schlächterei bekommt bie russische Jnbustrie nunmehr erst recht zu spüren. Wie aus Zarzyn an ber Wolga gemeldet wird, ist dort seit Montag der Handel mit Naphtha ein- gestellt worden. Die Lage der Konsumenten ist kritisch. Auch in Astrachan ftellten am Dienstag die Naphthafirmen die Lieferung von Heiz
ganz Amerika geflogen, bann will ich Hans heißen."
Lächelnd voll stolzer Freude stand Iva vor ihm und erschien ihm wie eine sieggekrönte junge Königin.
„Und was wird meine Frau, was werden die Mädchen dazu sagen", meinte der alte Herr, „so unverhofft, wie es gekommen!"
„Unverhofft kommt oft", sprach Iva heiter, „vielleicht ist'S nicht die einzige Ueberraschung, Sie ich Ihnen Vorbehalte."
„Wieso?"
„O, das hat Zeit; lassen Sie mich erst meinen Preis holen. Ich weiß aus den Kinderjahren, was das für etne Freude ist. Nun?" wandte sie sich an eine Dienerin, die auf der Schwelle erschien.
„Es sind zwei Herren draußen, die nach Miß Randall fragen." . „ .
Iva erbleichte; sollte die Stunde der Enthüllung schon gekommen fein?
„Laß sie eintreten", sprach' sie leise.
„Siehst Du, ich hatte recht, wir haben sie ge- funbenl" rief Curtis und erfaßte Jvas Hand. Randall folgte ihm auf der Ferse.
„O Mrs.^ Wildair", sagte Curtts schier schluchzend, „wer hätte hoffen dürfen, Sie so bald, Sie hier zu finden!"
„Mrs. Wildair?" wiederholte Mr. Leonard für sich, „zum Kuckuck, was faselt er denn?"
„Ich freue mich herzlich, Sre wiederzusehen", entgegnete Iva, und ihr Blick flog zu Curtis Begleiter.
„Kennen Sie diesen Herrn?" fragte dann Turtis vergnügt.
Innig und warm ruhten JvaS Blicke aus den teueren Zügen.
„Adolf, mein Bruder, mein lanavermitzter Bruder!' jubelt» sie und sank weinend in sein« Arme.
„Herzen-iva!' stammelte Randall tiefbewegt Herr Leonard hatte sich inzwischen überzeug^
W er nicht der Gvielball eineS Traums war.