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32. Jahrgang
Fulda, Montag, den 11. September 1905.
M 207.
Iwettes Matt.
Zum deutsch-amerik. Handelsvertrag.
In der deutschen Presse hat man sich bisher immer noch darüber gestritten, ob die Unterhandlungen zwischen dem deutschen Reiche und den Bereinigten Staaten von Nordamerika über einen neuen Handelsvertrag bereits einyeleilet seien oder nicht. Während von einer Sette behauptet wurde, es seien schon „Vorbesprechungen" im Gange, wurde von anderer Seite erklärt, die formelle Einleitung der Verhandlungen würde erst im Spätherbst dieses Jahres erfolgen. Die Offiziösen taten, als ob die ganze Sache fie nichts anginge und — schweigen sich aus. Der Zweifel über den Stand der Frage der Regelung unserer künftigen Handelsbeziehungen zu dm Vereinigten Staaten blieb also bestehen.
Jetzt kommt in einem Telegramm eines Berliner Lokalblattes aus New-Dork eine Meldung, welche diesen Zweifel nicht nur beseitigt, sondern gleich an seine Stelle eine so grelle Beleuchtung der Lage setzt, daß dre öffentliche Meinung in Deutschland nicht wenig überrascht sein wird. Für die Annahme, daß die Meldung unrichtig sei, liegt bei den notorischen Beziehungen des betreffenden Blattes — es ist der ,Bettiner Lokal-Anzeiger^ — zu „leitenden Kreisen" nicht die geringste Veranlassung vor. Auch können wir im Gegensätze zur ,Freien Deutschen Presse' aus dem Inhalt der Meldung keinen Grund für einen Zweifel an ihre Richtigkeit schöpfen. Wäre die Meldung tatsächlich unrichtig, so würde die ,Nordd. Allg. Zig/ wohl sofott mit einer Richtigstellung herausgerückt sein, denn die Bedeutung der Nachttcht ist unverkennbar.
Die Meldung geht kurz dahin, Präsident ftoosevelt habe den „Vorschlag" des deutschen Botschafters Speck von Sternberg für einen neuen Handelsvertrag zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten abgelehnt. Deutschland habe einen Handelsvertrag gefordert, der ihm Vorteile gewähre, die über den Dingley-Tarif hinausgingen, während es selbst den Vereinigten Staaten keineswegs alle aus feinem Konventtonal- Tarif hervorgehenden Vorteile anbiete. Der deutsche Botschafter habe erklätt, für die Gewährung des gesamten Konventionaltarifs sei der deutsche Reichstag nicht zu gewinnen. Das Antwortschreiben Roosevelts besagt, die Ver- etnigien Staaten hätten unter diesen Umständen keinen Anlaß, einen Vettrag zu schließen, durch den sie von Deutschland weniger empfangen würden. als die meistbegünstigten Staaten. Das Schreiben weist sodann auf die Möglichkeit eines Zolltarifs hin, schließt aber mit der Jnaussicht- nahme weiterer Verhandlungen.
Nach dieser Meldung sind also die Unterhandlungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten schon am Schluffe des ersten Stadiums, des Austausches der grundsätzlichen Anschauungen über die Vertragsfrage angelangt. Wir stellen mit Genugtuung fest, daß die Reichsregierung sich auf dem Boden der Kundgebungen bewegt, die bei der Beratung der Tarifvetträge mit Rußland, Oesterreich-Ungarn usw. von der Mehrheit des Reichstags hinsichtlich der Erneuerung der bloßen Meistbegünsti- gungsverträge im allgemeinen und hinsichtlrch des käuflichen Vettrages mit den Vereinigten Staaten im besonderen ausgegangen sind. Von den sämtlichen Rednern der Mehrheitsparteien, insbesondere auch von dem Zentrumsabgeordneten Herold, ist damals mit allem Nachdruck betont worden, daß man einen bloßen Meistbegünstigungsvertrag mit den Vereinigten Staaten nicht annehmen würde. D'e en Verhältnissen entspricht die Stellungnahme der Reichsregierung. Daß die Vereinigten Staaten auf der Grundlage des Dingley-Tarifs unter etwaiger Einräumung der geringfügigen, Frankreich gemachten Zugeständnisse die Vorteile unseres Konventionaltarifs einheimsen önnten, hat der Abg. Herold als absolut ausgeschlossen bezeichnet. Wir verstehen es daher nicht, wie die ,Fr. Deutsch. Presse' einen Vorschlag Deutschlands, wie ihn das Schreiben Roosevelts skiz- ziette, als „unglaublich" hinstellen will, und wie dieses freisinnige Organ den Vereinigten Staaten Recht geben kann, wenn sie diesen Vorschlag ablehnen. Die Vereinigten Staaten haben die einzelnen Vorteile, die der deutsche Vertragstarif bietet, mit einzelnen, überden allgemeinen, d. h. den Dingley- Tarif hinaus gehend en Zugeständnissen au erkaufen. Das ist die Sachlage! Die Ablehnung, d. h. wohl die vorläufige Ablehnung des deutsck>en Vorschlags durch Roosevelt wird man in Berlin wohl ebenso gelassen hinnehmen, wie die Drohung mit einem Zollkrieg, bei dem Amerika mindestens ebensoviel, wahrscheinlich aber mehr als wir aufs Spiel setzen würde. Für eine Kündigung des bestehenden Vertragsverhältniffes hat Deutschland noch bis zum 1. Dezember ds. IS. Zeit. Die Frist bis bahln wird zweifellos von beiden Seiten für ernstliche Versuche zur Verständigung ausgenützt werden. Wir hoffen und wünschen, daß Deutsch - land dabet mit ebensoviel Klugheit rote
Festigkeit auftritt. Die Festigkeit ist dabei mindestens in gleichem Maße von Nöten, wie die Klugheit. Es gut, eine Reihe von Fehlern gut zu machen, die früher begangen worden sind. Gttingt das den Vereinigten Staaten gegenüber, so wird die Revision der übrigen noch vorhandenen reinen Meistbegünstigungsverträge eine verhältnismäßig leichte Aufgabe sein.
K.c. von -en Toten altchristlicher Zeit.
Von Römer.
(Nachdruck verboten.)
Es gehört zu dem edelsten Brauch der Völker, ihre Toten zu ehren, sie zu lieben bis über das Grab hinaus. Wir sprechen im folgenden nur von der Weise, wie in altchristlicher Zeit, in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, die Christen ihre Toten durch Grabmal und Denkschrift ehrten. Wir folgen dabei dem kürzlich erschienenen ebenso tiefgründigen wie prächtigen Werk „Roma sacra“ des hochw. Rektor de Waal vom Deutschen Campo santo in Rom.*)
Auf den Gemälden der Katakomben, wie auf den Sarkophagen mischt sich mit dem Schmerz über die Trennung der Eheleute im Tode die Hoffnung auf ein Wiedersehen im ewigen Leben. Sinnig ist eine Darstellung in den Katakomben der Domi- tilla. In der Mitte steht auf einer Tabella die Inschrift: IANVARIVS CONIVGI FECIT**). Unter dieser Tafel sind zwei Lämmer auf blumenreichem Felde, neben derselben aber zwei weibliche Personen mit zum Gebet erhobenen Händen dargestellt. Sinnbilden diese „Oranten" die zur Anschauung Gottes eingegangenen Seelen, also hier die verstorbene Gattin, welche Januarius droben wiederzufinden hofft, so ist der gleiche Gedanken durch die beiden Lämmer im himmlischen Paradiesesgarten ausgesprochen. — In den Katakomben des hl. Januarius zu Neapel ruhen in ein und demselben Grabe Hilaria, die mit 45, Theo- tecnus, der mit 50, und ihr Töchterlein, das mit 2 Jahren starb. Alle drei sind als Oranten in dem Arkosolium gemalt, das Mädchen, trotz seiner zwei Jahre, im Alter von etwa zehn Jahren, mit Ohrringen, Kranz, Halsgeschmeide und Schließe auf dem Gürtel. Das Kind ist unverschleiert; die Mutter trägt einen weiten Mantel, der über den Kopf her den Oberkörper umhüllt. Zu äußerst stehen brennende und mit Blumen umwundene Kerzen. — Wenn die alten Christen den Fisch als Sinnbild Christi betrachteten, dann hat schon Tertullian um das Jahr 200 den Vergleich weiter geführt, indem er sagt: „Wir sind die Fischlein des großen Fisches Jesus Christus, und wir können das Leben nur bewahren, wenn wir im Wasser (der Taufgnade) verharren." So verstehen wir die Darstellung zweier Fische neben einem Ankerkreuze auf einem Grabsteine: es sind die beiden Ehegatten, die im Leben wie im Sterben im Kreuze Christi ihr Heil wie ihre Hoffnung sahen.
Nicht selten ist der Abschied der Ehegatten im Tode auf den Sarkophagen dargestellt, so z. B. auf einem Sarkophag in der Kathedrale zu Tolentino, wo die Gattin, verschleiert, dem Gatten die Hand zum Lebewohl reicht. Ueber beiden hält aus der Höhe eine Hand einen Kranz, das Sinnbild des ewigen Lohnes im Himmel. Die Inschrift auf dem Sarkophag meldet, daß der allmächtige Gott, der sie zu süßer Ehe verbunden, sie nun auch in einem Grabe vereinigt habe, aus welchem sie durch Christi Gnade zugleich in Seligkeit zu erstehen hoffen. Auf einem Sarkophag zu Salona in Dalmatien stehen rechts und links neben dem Guten Hirten die verstorbenen Eltern, beide umgeben von ihrer zahlreichen Nachkommenschaft in Kindern und Kindeskindern. Auf dem Sarkophag der Valeria Latobia zu Rom wird gesagt, daß sie nach dem Tode ihres Mannes zwölf Jahre als Witwe gelebt habe. Valeria, das Haupt mit einem Schleier umhüllt, faßt den scheidenden Gatten bei der Hand, um von ihm Abschied zu nehmen. Derselbe Sarkophag, in welchem sie den Gemahl beigesetzt, hat später auch ihre eigene Leiche aufgenommen.
Aus den Grabschristen finden die Erinnerung an die vortrefflichen Eigenschaften der Verstorbenen, der Schmerz um ihren Verlust und die Hoffnung auf ein seliges Wiedersehen im Himmel den mannigfaltigsten Ausdruck; bald schreiben einer der Gatten dem andern, bald die Eltern dem Sohne oder der Tochter, bald die Kinder dem Vater oder der Mutter die Grabschrist.
Im Rückblick auf den glücklichen Ehestand ließt es der überlebende Teil, mit Jahr, Monat und Tag die Dauer ihrer Vereinigung anzugeben. — Großes Gewicht hat zu allen Zeiten die Kirche darauf gelegt, daß die Eheleute jungfräulich zum Mare traten; aber im Altertum spricht sich dieses noch besonders darin aus, daß solche Eheleute einander mit „Virginius, Virginia" (der — die Jungfräuliche) anredeten und diese Benennung auch auf die Grabschriften zu wiederholen liebten. — In den mannigfaltigsten Wendungen werden die Vorzüge der Hingeschiedenen geschildert; manchmal gibt ein einzelner Ausdruck Zeugnis von der zärtlichen Liebe, welche das Paar im Leben verbunden hatte; die gegenteilige Hochachtung spricht sich darin aus, daß der Gatte die Gattin ferne Domina, „Herrin", nennt, und umgekehrt. Doch führen ttnr lieber die Inschriften selber an, indem wir aus der großen Menge einzelne auswählen.
„Der Petronia, der würdigen Gattin, die 21 Jahre alt wurde und mit ihrem Gemahl 10 Monate und 5 Tage lebte. Der Gatte Ursus hat sich
•) Verlag der Allg. Berlagsg. in München.
**) Von Januarius seiner Gattin gestiftet.
und der unschuldigen Gattin dieses Grabmal bereitet. Sie ruhe m Frieden." An der Spitze der Inschrift ist eine Orans, eine betende Frau, das Sinnbild der zu Gott eingegangenen Seele, in den Stein graviert; zu ihren Füßen stehen zwei Tauben, das Sinnbild der Unschuld. — „Seit dem Tage unserer jungfräulichen Vermählung hast du glücklich mit mir gelebt, unschuldigste Gattin. Möge Erquickung dein Anteil fein mit den seligen Geistern!" — „Seiner Taube, feiner Gattin setzte Quiriacus diesen Denkstein, der wohl- verdienten, die mit mir 4 Jahre und 10 Monate lebte; sie starb in ihrem 17. Jahre. Sie ruht in Frieden." — „Der Quiriace, die ein seltenes Beispiel einer Frau gewesen, von bewunderungswürdigem Rechtssinn, ungewöhnlicher Unschuld, unvergleichlicher Keuschheit, überaus folgsam und in allem enthaltsam; fie hinterließ als zarte Waisen drei Kinder, welche zugleich mit mir an diesem Grabe ihr Lob verkünden. Als Zeugen ihres Lebenswandels werden die heiligen Märtyrer ihr bei Gott und Christus zur Seite stehen. Sie lebte mit mir schuldlos und in aller Süße 4 Jahre, 5 Monate und 12 Tage." — „Ihrem Gatten setzt in Frieden die Inschrift Firmina; er lebte mit mir 12 süße Jahre und 7 Monate." — „Enius Augustinus lebte 35 Jahre. Ich, Candida Martha, setzte diesen Grabstein meinem jungfräulichen Gemahl, mit welchem ich 14 Jahre lebte. Ruhe in Frieden!" Der Inschrift ist der Namenszug Christi vorausgestellt. — „Volusia Martina dem wohlverdienten Gatten Flavias Verissimus, mit dem sie 12 Jahre lebte, ohne je Grund zu haben, mich über ihn zu beklagen. Dem würdigen ©alten habe ich diesen Denkstein gesetzt." — „Der Hilarilas, seiner jungfräulichen Gattin, hat Pro- bilianus diesen Denkstein gesetzt; ihren christlichen Sinn, ihre Keuschheit und Gitte können alle Nachbarn bezeugen. 8 Jahre lang hat sie ihrem jungfräulichen Gemahl in der Ferne ihre Keuschheit bewahrt." — „Flavins Crispinus der Aurelia Anias, der wohlverdienten Gattin, welche 28 Jahre all geworden, und die ich 9 Jahre zur Gattin halle, in aller Liebe, ohne daß sie je meinem Herzen wehe getan. Lebe wohl, meine Teure, in Frieden mit den Heiligen; lebe in Christo!" — „Der verehrungswürdigen Pudicissima, einer Frau seltenen Beispiels, der süßesten Gattin, hat Alexander dieses Grab bereitet, ihr, die als Christin mit mir niemals Zwietracht haben konnte. Der wohlverdienten in Frieden, die 27 Jahre und etwa 8 Monate lebte." — „Der Aurelia Maria, dem unschuldigsten jungfräulichen Kinde, das schuldlos zu den Gerechten und Auserwähllen hinübergegangen ist in Frieden im Atter von 16 Jahren, 5 Monaten, 19 Tagen, die dem Aurelius Damas 25 Tage verlobt war. Tief un- gtticklich setzen die Ellern der süßesten, gelieblesten ^Tochter wider Willen den Denkstein, in großem Schmerze, solange sie leben werden. Ihr heiligen Märtyrer gedenket der Maria!"
Mil dieser Inschrift von überaus zärtlicher Fassung sind wir zu den Grabschriften gekommen, welche Ellern ihren Kindern gesetzt haben. Die weitaus größere Zahl gehört Kindern im zarten Alter. Wenngleich in den ersten Jahrhunderten in der Regel der Unterricht in den Lehren des Heiles der Taufe voranging und daher die Kinder etwa erst mit dem zehnten oder zwölften Jahre das Sakrament empfingen, die feierliche Spendung desselben aber bloß in der Ostern acht stattfand, so wurde bei drohender Todesgefahr auch den Kleinen die heilige Taufe gespendet. Die besondere Sorge der Ellern war darauf gerichtet, daß das Kind als „fidelis“, d. h. als Christ und als Kind der Kirche sterbe, und hierin fand dann das Ellernherz mächtigen Trost. Aber diese Gewißheit, daß das Kind nun bei Gott sei, bot als weiteren Trost die Ueberzeugung, in dem kleinen Engel droben einen Fürbiller zu haben. Daher lesen wir auf den Inschriften: „Hier ruht in Christo und in Frieden Maurittns, ein Getaufter, ein unschuldiges Kind, das drei Jahre lebte." — „Zosimus und Cunice setzten diesen Stein ihrem Kinde Eunicus, das glücklich die Gnade Gottes empfangen hat." — Eine im Kirchen- Museum zu Rom befindliche griechische Inschrift, die mit einem Anker und einem Fische, beti beiden ältesten christlichen Sinnbildern abschließl, betont von dem Kinde, daß es als Christ von christlichen Ellern geboren sei: „Ein Gläubiger aus Gläubigen ruhe ich, Zosimus, hier, nachdem ich zwei Jahre, einen Monat und 25 Tage gelebt habe." — „Victor, unschuldige Seele, lebe unter den Heiligen und Gerechten, und in deinen Gebeten bitte für un8." — „Atticus, deine Seele ist, wo es gut ist; bete für deine Eltern!"
Die Liebe der Ellern ergebt sich in Schilderungen der vorzüglichen Eigenschaften und außerordentlichen Gaben des vorftorbenen Kindes: „Der Herr hatte sie mit wunderbarer Klugheit und Geschicklichkeit ausgestallel", heißt es auf dem Grabstein der zwölfjährigen Sovera in den Katakomben des Callistus, süß den Ettern und der Dienerschaft; ihr Leib ist hier begraben bis der Herr ihn auferroecft." — „Der süßesten Heraclia, der Gläubigen, die 5 Jahre, 5 Monate und 25 Tage lebte. Radopianus seiner wohlverdienten Tochter Heraclia." — „Macus, du unschuldiges Kind, du bist jetzt bei den unschuldigen Kindern. Wie unwandelbar ist jetzt dein Leben! Wie hat in Freude dich die Himmelskirche von dieser Well heimkehrend auf genommen! O Ellern unterdrückt die Seufzer eurer Brust, trocknet die Tränen eurer Augen!" — „Der Nila Florentia, dem süßesten und unschuldigsten Kinde, das nach der Taufe der Vater begraben hat. Am 2. März vor Tagesanbruch als Heidin geboren, wurde fie 18 Monate und 22 Tage all, in der achten Stunde der Nacht, al» fie in den letzten Atem- ziigen lag, getauft; sie lebte dann noch 4 Sinn- den, fo daß sie wieder nach der Mutterbruft der- langte; dann starb sie in der ersten Stunde des
Tages am 24. September. Da Vater und Muller sie unaufhörlich beweinten, hörten sie in der Nacht eine himmlische Stimme, die ihnen verbot, über die Verstorbene zu klagen. Ihr Leichnam ist durch den Priester in einem Sarge beim Grabe der Märtyrer bestattet worden."
Wie die Kinder ihre Pflichten gegen die Ellern erfüllten, spricht sich in mannigfachen Weise auf den Grabsteinen aus. Nannten die Gatten sich auf den Grabsteinen Dominus und D o - mina, „Herr, Herrin", so taten dies ebenfalls
die Kinder ihren Ellern.
„Rogala setzte ihrem Herrn, dem siißeslen Vater Mellitus den Grabstein." — „Asellus und Lea ihrem wohlverdienten Vater Priscus in Frieden. Er lebte 64 Jahre, 3 Monate und 12 Tage." — An der Spitze der Inschrift stehl das Anagramm Christt; am Schlüsse kehrt dieser Namenszug des Herrn zwischen zwei Palmzweigen wieder mit den Worten: Im Zeichen Christi", um die Hoff, nung auszudrücken, daß oer Verstorbene als Christ sich die Palme der ewigen Seligkeit erworben habe. — „Den süßesten Eltern (bereiteten die Kinder) die Ruhestätte bis zur Auferstehung,"
vermischtes.
* Kleine Nachrichten. Finsterwalde. Eine große Feuersbrunst zerstörte die große Oel- und Mahlmühle, sowie einige Nachbarhäuser. — Triest. Ein etwa fünf Meter langer Haifisch wurde bei der Insel Veglia von Thunfischern gefangen. Da der Haifisch auf österreichischem Gebiete gefangen wurde, wird die übliche Prämie von 200 Kronen auf Grund der amtlichen Daten des Fiumaner Hafenamtes durch das Triester Hafenamt den Fischern ausbc aßlt werden. — Johannesburg. In der Premiermine in Johannesburg soll wieder ein Riesen-Dia- mant gefunden worden sein. Er soll 460 Karat wiegen und fehlerlos sein. — W e l s. Ein Opfer der Sonnenfinsternis ist in Wels eine Frau namens Marie Ettinger geworden, da sie ohne Zuhilfenahme eines farbigen Glases mit einem Fernrohr die Finsternis beobachtete. Kurz darauf hatte sie über Kopfschmerzen geklagt und starb noch an demselben Abend infolge Gehirnschlages. Glimpflicher kamen sechs andere Personen davon, die gleichfalls die Finsternis mit bloßem Auge beobachteten, aber nur schwere Sehstörungen erlitten. — Düsseldorf. Die von ausständigen Bäckergesellen hiesiger Brotfabriken in Neuß gegründete „V o l k s b ä ck e r e i" hat im ersten (zehn Monate umfassenden) Geschäftsjahre einen Umschlag von 114 800 -F erzielt. Der Reingewinn von 1800 c4t soll dem Reservefonds über- wiesen werden. Die Genossenschaft zahlt gegenwärtig 30 Mitglieder mit einer Haftsumme von 1500 M und Geschäftsanteilen in Höhe von 678 <M.
* Womit die Staatsoberhäupter sich parfümieren, verrät das „Universum": Oskar II. von Schweden, der von jeher viel auf sein Aeußeres gehalten, verbraucht sehr viel Chypre; Eduard VII. schwärmt für konzentrierten Moschus; Wilhelm II. macht ausgiebigen Gebrauch von Mang-Ulana und Corylopsis; Viktor Emanuel III. hat Vorliebe für Heliotrop; Abdul Hamid badet sich förmlich in Veilchen- und Lilien-Essenz, danebenbespritzt er sich von oben bis unten mit Melissen- wasser; Kaiser Franz Joseph benutzt lediglich parfümierte Toiletteseifen; Präsident Loubet gebraucht ausschließlich Kölnisches Wasser: der Beherrscher aller Reussen und die jugendliche Königin von Holland verschmähen jegliches Parfüm.
* Eine drollige Szene wird aus einer Trierer Barbierstube berichtet: Ein Bäuerlein aus d-r Gegend von Neumagen (ein Weinort an der Mosel) tritt in den Laden und mit den Worten „Eich will rasiert gewen" setzt es sich in den Sessel. Der Gehilfe bindet ihm die Serviette vor, seift es ein, und läßt sein Messer zweimal hintereinander das Stoppelfeld bestreichen. Das alles läßt sich der biedere Landmann ruhig gefallen. Nun naht sich ihm der rede- und handgewandte Jüngling mit der bekannten Spritze, und ein feiner Sprühregen von aromattschem Essenzwaffer benetzt ihm das Gesicht. Da aber schüttelt sich das Bäuerlein vor Schreck und Unwillen. Wütend blickt es den Friseur an; dann räuspert er sich und kleidet feinen Unmut in die Worte: „Wadd fällt Eich denn eijendlich ein? Eich han doch mdd de Pernnospo-oora!“
s Der galante Himmel. Klein-Ellis Mama bekommt den Besuch einer Freundin. Die Dann wird in ein Zimmer geführt, in welchem sich nm Elli befindet. — „Nun Elli, was hast du da füi für ein schönes Buch?" — „Ich will dir's zeigen, Tante." — „Dann komm ans Fenster, der Himmel ist trübe." — Klein-Elli .legt das Bilderbuch an den Fenstertifch. Im feilen, Augenblick teilt die Sonne tue Wolken und bescheint hell das Bilderbuch. Elli wendet ihr Köpfchen nach dem Himmel, liebenswürdig nickend: „Danke, lieber Gott, ich kann schon sehen!"
* Eine gewährte Bitte. Ein Fähnrich, welcher ans dem Militärstande wegen Uebernahme des väterlichen Gutes entlassen zu werden wünschte, schrieb an Friedrich den Großen ein Gesuchs das mit den Worten begann: „Geehrter Herr König! Hierdurch möchte ich Sie um meinen Abschied gebeten haben, weil ich u. f. w." Der König schrieb darunter: „Allerdurchlauchttgster Herr, groß, mächtigster Fähnrich! Er ist em grober Esel, den lch nicht brauchen kann. Gehe Er meinetwegen, wohin er will! Friedrich, R."
* Unangenehmer Zusatz. Dienstmädchen (nachts um zwölf Uhr in die Stammkneipe ihres Herrn kommend): „Hier schickt Ihnen die gnädige Frau den Hausschlüssel, weil wir zu Bett gehen wollen . . . und das andr» werde sich morgen früh finden!"
* Eine Raffinierte. „Warum laden Sie die Ge< hetmrätin zu allen Ihren Kaffeekränzchen ein?" — „Dir versteht es so geschickt, aus einem großen Geheimnis, fünf kleine zu machen." t ,
• Er kennt ihn. Onkel: „Biete dem Schuster doch wenigstens einen Kognak an, wenn du ihn noch nicht bezahlen kannst!" — Neffe: „Um Gottes willen nicht; da kommt er jeden Tag mit der Rechnung!"
* Gute Aussicht. Hausfrau (beim Vermieten der Wohnung zum Studenten): „Um 10 Uhr wird regel« mäßig das HauS geschloffen." — Student: „Das macht nichts, liebe Frau, ich gehe schon früher inS Gasthaus t"