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Zul-aer

wochrnbeilage: „Illustrierte Sonntagszettung"

Zeitung

Monatrbeüage: „$ulöaer Geschichtsblätter".

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Botationrdruck u. Verlag der Zuldaer 3e> tiendrnckere! in gölte. Fernsprecher Nr. 9.

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JVj 206.

Fulda, Samstag, den 9. September 1905.

Krstes

des Landwrrtschaftsministers ersch> gegenüber wiederholm wir, ba]

gegenüber wiederholm wir, daß keinerlei An- zeigen für eine derartige Aenderung vorliegm. Die Regierung hat ihren Standpunkt bisher so scharf und so entschieden vertreten, daß sie ihn unmöglich Preisgeben kann, ohne sich selbst aufs empfindlichste ins Gesicht zu schlagen. Was aber dm Herrn Landwirtschaftsminister betrifft, so glauben wir gut unterrichtet zu sein, wenn wir

§ Zur Frage der „Fleischnot" schreibt die ,Deutsche Tageszeitung': „In einigen Blättern, auch in solchen, welche ernst genommen werdm können, finden wir neuerdings wieder Andeutungen, daß die Regierung gesonnen sei, ihre Haltung in der sogenannten Fleischnotfrage zu ändern, und daß infolgedeffm die Stellung sei. Dem-

berichts für 1903/1904 erst im Entstehen be­griffen) und 11 Nebenstationen; endlich im Be­zirk Ssongsa zwei Hauptstationen (Peramiko und Kigonzera, wovon elfteres Doppelgründung) mit 5 Nebenstationen. Dre älteste Station ist Dar-es- Salam. Sie wurde 1889 gegründet und von ihr verbreitete sich die Mission wester ins Land hinein.

(Schluß folgt.)

, Deutsches Reich.

Berlin, den 7. September 1905.

* Abg. Gehr f. Der Landtagsabgeordnete Wilhelm Geyr (Zentrum), Gutsbesitzer zu Kam- bergerhof bei Neuß, der dm Siegkreis Mülheim- Wipperfürth hn Abgeordnetenhaufe vertrat, ist heute, Freitag, morgen in seiner Heimat ge­storben. Geboren am 19. Juli 1851, widmete er sich nach gründlicher Ausbildung auf der landwirtschaftlichen Schule zu Cleve und der Akademie in Poppelsdorf der Bewirtschaftung des elterlichm Gutes. In das Abgeordneten­haus wurde er 1903 gewählt. Er war auch MitgliÄ) der Neußer Stadtverordnetenversamm­lung. Von einer Krankheit des gesund und kräftig aussehenden Mannes war bis dahin nichts bekannt.

Wie die ,Nationalzeitung' erfährt, wird in nicht zu ferner Zeit ein Wechsel in der Leitung des Militärkabinetts eintreten. Als den kommenden Mann bezeichnet das Blatt dm Generalleutnant v. Maekensen, Kommandeur der 36. Division in Danzig.

.-. Zu den Erörterungen über die. Umge­staltung des Kolonialamtes äußert sich auch die .Kreuz-Zeitung'. Sie bezeichnet die Angabe, die Kolonialverwaltung werde nach wie vor dem Auswärttgen Amte unterstellt bleiben, als das genaue Gegenteil der voraussichtlichen Ent­wickelung. Auch bezeichnet sie es als unrichtig, daß das Auswärtige Amt der Abtrennung der Kolonialabteilung widerstrebe. Eher das Gegm- teil sei richtig. Die Gedanken einer Neuord­nung der gesamten Kolonialverwaltung wären von Anfang an, wie dies ja auch der Reichs­kanzler im Reichstage betont habe, auf eine Selbständigkeit der obersten Kolonialbehörde ge­richtet. Auch die im Zusammenhänge der jüngsten Preßerörterungen vorgebrachten Neuigkeiten über die noch völlig unentschiedene Besetzung des Generalkonsulats glaubt die Mreuz-Zeitung' in das Reich privater Spekulation verweisen zu dürfm.

Ausland.

* Der dritte internationale Freidenkertag in Paris ist am Mittwoch geschloffen rootben. Außer ben französischen Teilnehmern, die in

sagen, daß er nicht im geringsten an seinen Rücktritt denkt. Daß ein solcher Rücktritt unter den obwaltenden Verhältnissen die landwirtschaft­liche Bevölkerung tief verstimmen müßte, liegt auf der Hand." — In Betreff der Fleischnot hat der Berliner Magistrat beschlossen, den (von uns bereits mitgeteilten) Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung beizutreten. Die gemischte Deputation soll zusammengesetzt werden aus 15 Mitgliedern und zwar 5 Magistratsmit­gliedern und 10 Stadtverordnete. Seitens des Magistrats sollen teilnehmen, der Oberbürger­meister, der Bürgermeister Reicke und 3 Stadt­verordnete.

* Der ,Reichs- und Staatsanzeiger' veröffentlicht eine Verfügung des Kaisers, die den Reichskanzler ermächtigt, ein vorzeitiges Ausscheiden von Mannschaften, welche sich noch in Erfüllung ihrer gesetzlichen aktiven Dienstpflicht befinden, aus den Schutztruppen auf begrün­dete Reklamation in finngemäßer Anwendung der Bestimmungen der Wehrordnung, bezüglich der übrigen Mannschaften im Sinne der Ziffer 4 c der Bestimmungen über Kapitulationen vom 13. Juni 1902 zu verfügen.

§ Vom 7. bis 8. September mittags find dem ,Reichs- und Staatsanzeiger' zufolge im preußischen Staate 19 Erkrankungen und 7 Todes­fälle an Cholera neu gemeldet worben. Von ben Erkrankungen kommen auf bie Kreise Marien- bürg 6, Thorn 1, Brom berg Stabt 1, Bromberg Land 1, Wirsitz 5, Gnesen 3, Czarnikon 1, Königsberg 1; insgesamt sind bis jetzt 123 Er­krankungen unb 39 Todesfälle in Preußen fest- gestellt. Bei einer von den gestern gemeldeten Erkrankungen handelt es sich nicht um Cholera.

* Die liiiifionen m vemfcy-Gstasrtta.

Nach einer Aeußerung des Gouverneurs von Deuffch-Ostafrika, Grafen Götzen, ist im letzten Grrmbe der gegenwärtige Aufstand der bärtigen Eingeborenen eine Auflehnung des Heiben- tums gegen bie christliche Kultur. Mit dieser Annahme stimmt nicht nur die Meldung überein, daß die Eingeborenen von ihren „Zau­berern", welche die Hauptträger der alten heid­nischen Überlieferungen sind, aufgereizt worden seien, sondern auch die Tatsache, daß sich die Angriffe der Aufftändischen in hervorragender Weise gegen die Missions - Stationen im Lande richten, wie dann auch bekanntlich die ersten Opfer der über lokale Unruhen hinausgehenden Empörung Missionen gewesen sind. Daß bie Aufstänbischen .dabei keinen Unterschied machen zwischen ben perschiebenen Missionen, beweist ber Umstand, daß sich ihre Angriffe sowohl gegen eine Reihe von Missions - Stationen ber Acholischen Bene­diktiner-Mission, wie gegen bie Station Massasst ber anglikanischen Universitiee - Mission gekehrt haben, und daß im Dar - es - Salam - Bezirke die Station Muneromango der evangelischen Mffsions- Gesellschaft bedroht wurde.

Der Haß der Träger des Heidentums unter ben Eingeborenen erklärt sich zur Genüge aus dem blühenden Missionswesen, deffen sich gerade Ostafrika erfreut. Langsam, aber doch stetig wirb bas Heibentum zurückgebrängt. Es ist nicht bas erste Mal, daß die christlichen Missionen den Zielpunkt für die Angriffe der aufgestachelten Eingeborenen-Bevölkerung abgeben. Seit dem Jahre 1888 find wiederholt verschiedene Misstons­stationen überfallen worden, und ber Opfer von Menschenleben, die dadurch gefordert wurden, sind nicht wenige.

Unter diesen Umständen dürste ein Ueber­blick über den Stand der katholischen Missionen in Deuffch-Ostafrika nicht unwill­kommen fein. Die katholischen Missionen dort« selbst zerfallen in drei Hauptabteilungen. Die erste wird gebildet von der Apostolischen Präfektur Nord-Sansibar. In ihr find die „Väter vom Hl. Geist" und die „Trappisten" uätig. Die ersteren unterhalten 12 Stationen, oon welchen Bagamoyo die älteste, Bonde die jüngste ist. Nach dem letzten Jahresbericht waren in der Mission im ganzen 22 Priester, 12 Brüder und 20 Missionsschwestern tätig. Auf allen Stationen zusammen wurden 10,563 Katho­liken gezählt. Die Mission unterhält 53 Schulen, in welchen im Jahre 1903 4885 Schüler und 2305 Schülerinnen unterrichtet wurden- Die Missionen haben der in Deuffch-Ostafrika be­kanntlich noch bestehenden Sklaverei im Lause der Jahre durch den Loskauf von zahlreichen Sklaven starken Abbruch getan; ihre letzten Be­richte klagen aber über ben großen Widerstanb, ben ber Islam ber Ausbreitung bes Christen­tums entgegensetzt. Die Trappisten unterhalten zwei Missionsstationen: Neu-Köln (Gare) und St. Peter (Jrente).

Im Berichtsjahre 1903/04 waren auf ber erstgenannten Station 1 Pater, 6 Brüber und 5 Schwestern, auf ber zweiten Station 2 Patres, 4 Brüder unb 6 Schwestern tätig. Außer ber eigentlichen Missionstätigkeit unb dem Schul­unterrichte beschäftigten sich bie Trappisten auch mit ber Heranziehung ber Eingeborenen zu einer geregelten Arbeit in Felb, Garte», Haus unb Werkstatt. Sie sagen in ihrem Berichte vom Jahre 1902: „Zur Arbeit müssen alle (Jnsaffen der Misstonsstationen) erscheinen. Denn wir gehen von bem Grundsätze aus: den Schwarzen erst zum wahren Menschen heranzubilben burch Arbeit unb Gebet. Solche getaufte Christen, bie niemals arbeiten lernen, fonbern bie Faulheit hegen, werben eine wahre Landplage in der Kolonie. Diese Erfahrung machten wir in Natal unb ber Kapkolonie usw. taufenbmal."

Den zweiten Bezirk ber katholischen Mfffionen hübet das Apostolische Vikariat Süd- Sansibar. Es ist ber Benediktiner-Kongre- 95t'on von St. Ottilien (Bayern) übertragen.

A?hlber in bem Vikariate im Jahre t>4 tätigen Missionare betrug 14 Priester, l8 _ Larenbrüder unb 23 Schwestern. Ihrer Nationalrtät nach warm alle ohne Ausnahme Deutsche. An der Spitze des Vikariats, das als solches im September 1902 errichtet wurde, stand der kürzlich mit vier Begleitern (zwei Brüdern unb zwei Schwestern ber Mission) von ben Eingeborenen ermordete Bischof Cafsian Spiß, der fett langen Jahren in der Mission tätig war. Die 11 Hauptstationen der Mission find auf 4 Batike verteilt, und zwar in folgender Weise: Im Bezirke Dar-es-Salam zwei Hauptstationen (Dar-es-Salam und Kura- stno, wovon die erstere Doppelgründung) unb 7 Nebenstationen: im Bezirke ßtnbt drei Haupt­stationen (Lindt, Bukaledi und Nyangao, wovon ersteres nur Prokura, letzteres Doppelgründung) und 16 Nebenstationen; im Bezirke Jnuga drei Halp)tstationen (Tosamagenga, Madibito und Barba, wovon die zwei ersteren DoppelgrÜndungen, die letztere zur Zeit ber Erstattung des Jahres­

großer Zahl erschienen (eS sollen 1600 sein), zählte man viele Kongreffisten aus Belgien, Italien, Deutschland, England, Spanien, ber Schweiz, Rußland, Amerika usw. Deutschland hatte 150 „freie" Denker nach Paris geschickt, darunter den Zehn - Gebote - Hoffmann. DaS Arbeitsprogramm des Kongresses umfaßte folgende Punkte: 1. Plan einer neuen Enzyklopädie. 2. Die Moral ohne Gott. 3. Trennung von Kirche und Staat. 4. Nationale nnd internationale Propaganda des freien Denkens. 5. Freidenker- tum und Friedensbestrebungen. Der belgische Delegierte Furnemont hielt am Sonntag im Namen ber auswärtigen Gäste eine kleine An­sprache, in der er auf bie führende Rolle hin- wies, die Paris in ber Geschichte ber „Freiheit" imd bes „freien Denkens" gespielt hat. Paul Brouffe, Vorsitzender bes Pariser Stadtrates, hob hervor, wie es stets bas Bestreben ber republikanischen Gemeindevertretung war, bie öffentlichen Angelegenheiten ber Kirche zu ent­reißen unb nach allen Richtungen hin ein welt­liches Regime einzuführen. Er kam bann weiter auf bie politischen Reformen zu sprechen, bie Frankreich mit ber im Werke befmdlichen Trennung von Kirche unb Staat „bekröne". Nachmittags 2 Uhr würbe auf ber Butte Mont­martre bas bronzierte Gipsbenkmal bes Chevalier de la Barre enthüllt. Dieses Denkmal haben bie Gotteshaffer gerabe ber Herz-Jesu-Kirche gegenüber aufstellen lasten, um gegen bie .In­toleranz" unb bie „klerikale Herrschaft" zu pro­testieren, als bereu Symbol bas Sans Coeur wegen seiner ganz Paris überragenben Sage be­trachtet wirb. Wie jetzt dokumentarisch feststeht, ist ber im Denkmal verewigte Held nicht ein „Märtyrer" des katholischen Klerus, sondern ein Opfer voreingenommener, nichtswürdiger well- licher Richter, die trotz des in geistlichen Kreisen erhobenen Widerspruches ben 19 jährigen Jüng­ling unter ber Anklage, er habe ein Kruzifix be­schädigt, gotteslästerliche Lieber gesungen unb ben Kultus verspottet, zum Tobe verurteilten unb hinrichten ließen. Bei der Enthüllungsfeier sollen unter bem Schutze ber wohlwollend zu- schauenden Pariser Polizei geradezu haarsträubende RedA lovgelasten und bas Herz Jesu in ber infamsten Weise verlästert worden sein. Am letzten Tage nahm der Kongreß eine Reihe von Resolutionen an, u. a. über bie Trennung zwischen Kirche unb Staat.

* Das russische Marineamt hat beschlossen, eine große Anzahl neuer Kriegsschiffe schleunigst bauen zu lassen unb zu diesem Zwecke bie riesige Summe von 200 Mi llionen Rubel für bas nächste Jahr bereitzustellen. Es scheint also, baß ber Gebaute an Revanche recht leben­dig an ben maßgebenden Stellen in Rußland ge­pflegt wird.

* Admiral Nebogatow und die Befehlshaber der Schiffe seiner Division, welche sich bei Tschusima ergeben haben, werden ohne kriegs­gerichtliches Urteil aus ber Armee ausgestoßen. Eine Meldung aus Petersburg besagt darüber: Durch kaiserlichen Erlaß wurden Kontreadmiral Nebogatow und die Kapitäne, welche die Panzerschiffe Imperator Nikolai I., Admiral Ssenjawin u. Generaladmiral Apraxin befehligten, unter Verlust ihres Dienstgrades und unter An­wendung ber Bestimmungen des Marinestrafge­setzbuches aus bem Dienste entfernt. Auf ben Berickt über bie Uebergabe ber genannten brei Panzerschiffe unb des Panzerschiffes Orel schrieb ber Kaiser ben Befehl, alle anderen Offiziere dieser Schiffe bei ihrer Rückkehr nach Rußland vor Gericht zu stellen. Betreffs bie Kommandanten des Drei soll bie Ausführung bes Befehls aufgeschoben werden, bis ein genauer Bericht eingegangen ist über die Umstände, unter denen ber Kapitän ben Befehl über ben Drei von dem schwer verwundeten Kapitän, der vor­her das Schiff befehligte, übernommen hat.

♦ Die aufständische Bewegung im Kaukasus wird von russischer Seite mit furchtbarer Härte und Grausamkeit niedergedrückt. Wie das ,W. T. B.' aus Baku meldet, kam es am Donners­tag auf bem Gruben - Terrain in Balakany, wo eine beträchtliche Streitkraft mit Artillerie zu­sammengezogen ist, um die verderbliche Bewegung niederzuhalten, zu einer wahren Schlacht. Banden von Arbeitern, di« in einem Hospitale verschanzt waren, wurden mit Gewehrfeuer und Bajonett vertrieben; andere Banden griffen das Militär­lager und das Vorrats - Depot an, wurden aber durch Truppen zurückgetrieben, welche mehr als 10 00 Personen töteten und »et« wundeten. Es herrscht Mangel an Lebens­mitteln. Nach dieser „Schlacht", deren Wesen offenbar darin bestanden hat, daß die wehrlosen Arbeiter einfach abgeschlachtet wurden, wird wohl in Baku bald die Ruhe des Friedhofes eintreten. Wenigstens scheint man in Petersburg diese Er­wartung zu hegen, denn die ,$imeS' läßt sich aus Petersburg melden, daß in Baku nunmehr das Schlimmste vorüber sei, zugestanden wird aber, daß Stadt unb Umgebung jetzt ein furcht- düsteres Bild bieten. Ueber 1000 Personen seien insgesamt bei den Unruhen getötet und mehrere Tausend verwundet. Die Getöteten unb Verwundeten seien fast alle ausschließlich Tataren, Perser und Armenier. Die Petroleumindustrie

32. Jahrgang

sei nahezu völlig ruiniert Die Staatseinkünfte erleiden dadurch einen Verlust von gegen 400 Millionen (?) Mark jährlich. Rund 100000 Personen sind arbeitslos. Selbst wenn die Ruhe wieberhergestellt ist, wird bas angerichtete Zer« stötungswetk vielleicht in Jahrzehnten nicht wieber gut gemacht werben können. Sticht viel beffa wie in Baku sieht es auch an anderen Punkten im Kaukasus aus. Die Hauptstadt Tiflis ist von Flüchtlingen aus Baku, bie ihr Hab unb Gut im Stiche gelassen haben, angefüllt. Am 7. b. M. sprachen bei ben Behörden Abgeordnete ber großen Petroleum-Raffinerien vor, die um Schutz für 25 Millionen brennbarer, in ben Reservoiren zu Baku enthaltener Flüssigkeit nachsuchten. — Sämtliche Branntwein - Brennereien unb Seidenspinnereien im Bezirke Schuscha wurden von Satteren in Brand gesteckt. Einem Teile ber Arbeiter gelang es, in die Berge zu flüchtm, ein anderer wurde niedergemetzelt. — Die Naphthagruben in Bibi Eibat von Mantahow liegen in Asche; auch bie Nieberlagen ber Caspischen Gesellschaft sind in Brand gesteckt. Die christlichen Arbeiter sind von tausenden von Tataren umzingelt.

* Eine revolutionäre Bereinigung von Ar­meniern ist in Athen entdeckt worden. Wegen einer dort vorgenommenen Beschlagnahme von vier Koffern, in denen sich kleine Bomben be- fanbeti, war eine Untersuchung eingeleitet. In ihrem Verlaufe wurden im Keller einer kleinen armenischen Kirche zahlreiche Bomben und Ge­wehte sowie viele wichtige Schriftstücke entdeckt. Es handelt sich, wie berichtet wird, um eine große revolutionäre Vereinigung yon Armeniern, deren Ziel ist, ein Einschreiten ber Mächte zu gunften ber Armenier herbeizuführen.

Am Airche und 5chule.

□ Fulda, 9. Sept. 1905. Unter bem Vor­sitze des Herrn Geh. Dberregietungstates Dr. Paehier fanb am 7. unb 8. bs. Mts. am hiesigen Kgl. Lehrerseminar bie münbliche erste Lehrerprüfung statt. Als Vertreter ber Königlichen Regierung in Kassel war Herr Re­gierungsrat Bottermann, als Vertreter bes Hochw. Herrn Bischofs Herr Domkapitular Herb en er aus Fulba zugegen. Sämtliche Zög­linge ber Oberklaffe bestauben die Prüfung; ihre Namen sind: 1. Joseph Hahn-Arolsen, 2. Karl Kathrein-Amoneburg, 3. Jos. Keller-Naumburg, 4. Nikol. Mock-Gilfershausen, 5. Karl Montag- Breitenholz, 6. Gottsr. Pamme-Heepen (Wests.), 7. Otto Rohre-Marburg, 8. Georg Schaffner- Frankfurt a. M., 9. Hermann Schick-Fulda, 10. Karl Schick-Roßdorf, 11. Anton Schmitt-Ober- bimbach, 12. Richard Schreiner-Fulda, 13. Anton Söhngen-Konigstein, 14. August Stark - Mom­berg, 15. Karl Waigand-Frankfurt a. M., 16. Rich. Weber-Hünfeld, 17. Friedr. Menniges- Wennigen /Wests.), 18. Franz Werth-Eppe (Waldeck). Die Examinanden Schreiner, Weber und Werth wurden auf Grund der schriftlichen Arbeiten von ber mündlichen Prüfung befreit.

* Rom, 8. Sept. 1905. Se. Eminenz Kar­dinal Pierotti ist heute gestorben. Sett mehreren Wochen lag er schwer krank in feiner bescheidenen Wohnung in ber Via Pis bi Marino bamieber, aufs Liebevollste von seinen bei ihm wohnenben Ordensbrüdern gepflegt. Kardinal Pierotti war gegenwärtig der einzige Vertreter des Dominikanerorbens im Karbinalskollegium. Er entstammt einer in sehr bescheidenen Verhält­nissen lebenben Familie unb wurde am Neujahrs« tage 1836 in einem Eototte Luccas geboren. Leo XIII. lernte ben jungen Dominikanerpater in Perugia kennen, als er selbst bort residierte. Im Iahte 1870 kam Pater Pierotti nach Rom, wo er zuerst Stubienbirektor unb alsdann Pfarrer ber Minervakitche wurde. Bald nach ber Wahl des Kardinals Pecci zum Nachfolger Pius' IX. berief Leo XIII. den gelehrten Dominikaner in seine unmittelbare Umgebung, indem er denselben zum palatinischcn Prälaten und Magister ber apostolischen Paläste ernannte. Als solcher war Pater Pierotti, welcher seine Wohnung im Vatikan hatte, in sehr vielen Fällen ber theologische Beirat unb vertraute Rat­geber Leos XIII. Jrn Konsistorium vom 30. No». 1896 wurde er zum Kardinaldiakon kreiiert.

totales.

Fulda, den 8. September 1905.

io? Auszeichnung. Dem Herrn Ober-Post» sekretär Fritzsche ist ber Rote Adlerorden IV. Klasse, dem Herrn Ober-Postschaffner König bas Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worben.

+ Fuldas Haushalt vor 50 Iahten. Im Iahte 1857 wurde zum erftenmale die „Stabt« Kämmetei-Kassetechnung" und zwar die vom Jahre 1855 durch Druck zur öffentlichen Kennt­nis gebracht. Der damalige Herr Oberbürger­meister Mackenrodt bemerkt in dem Vorwort zu diesem „Haushatt der Stadt Fulda in dem Iahte 1855", daß die Schuldenlast auf 81404 Gulden (— rund 138500 Mark) gestiegen ist, und daß die zur Einsichtnahme der Gemeinde­glieder stattfindende öffentliche Auflegung der Gemeindetechmmgen vor ihrem Abschluffe fett länger« Zeit von niemanden benutzt worden sei.