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Sotationrdrnck n. Verlag der Snldaer A» tienbruderei in Hulda Sernsprecher M. 9.

Fulda, Freitag, den 8» September 1905.

JV3 205.

32. Jahrgang

* Mittelftandsvereinigungund Mittel- standspolMk.

Auf der soeben in Frankfurt a. Main abge> haltenen Generalversammlung der Mittelstands- Vereinigung haben sich sonderbare Bestrebungen hervorgewagt, die geeignet sind, die ganze Mittel­standspolitik in Mißkredit zu bringen. In erster Linie machte sich der in der Handwerkerbewegung vielgenannte Tischlermeister B a h a r d t - Berlin zum Träger dieser Bestrebungen, aber der Beifall, den seine Ausführungen nach den vorliegenden Berichten fanden, macht doch eirsigermaßen die gesamte Generalversammlung mit verantwort­lich für dieselben.

Herr Bahardt äußerte sich über die Koa­litionsfreiheit in einer Weise, wie wir es sonst nur von den professionellen „Scharf- niachern" gewohnt sind. Er glaubte Protest da­gegen erheben zu müssen, daß die Koalitionsfrei­heit zur Koalitionsfrechheit werde, und ver­langte eine „bedeutende Verschärfung der Straf­bestimmungen" zum Schutze der Arbeitswilligen. Augenscheinlich können gewisse Leute es noch nicht verwinden, daß die letzte Berggesetznovelle nicht solche Strafverschärfungen gebracht hat. Die von konservativen Seite im Reichstage nach dieser Richtung geäußerten Wünsche ließen ge­nügsam erkennen, wohin diese Bestrebungen ziel­ten. Daß jetzt die Mittelstands-Vereinigung sich zum Vorspann für dieselben macht, erachten wir als ebenso gefährlich wie überflüssig. Eine gesunde Mittelstandspolitik sollte sich unseres Er­achtens sernhalten von allen Bestrebungen, welche lediglich eine Verschärfung der Klassengegensätze zur Folge haben kann.

Nicht minder abfällig muß das Urteil aber über die Haltung lauten, welche der Obermeister Bahardt zur Frage des Fortbildungs­schulwesens eingenommen hat. Mit Bezug auf diese Frage hat der Genannte von „Humani- chtsgefühl" gesprochen und die generelle Forde­rung erhoben, daß der Unterricht der Fortbil­dungsschulen außerhalb, der Arbeits­zeit gelegt werde, da sonst die Handwerksmeist^ die Lust verlieren könnten, überhaupt Lehrlinge 'auszubilden. Der „stürmische Beifall", den der Versammlungsbericht an dieser Stelle verzeichnet, legt leider den Schluß nahe, daß die Mittelstands- Vereinigung sich noch immer nicht über den Wert des Fortbildungsschulwesens klar ist. Im eigen­sten Interesse des Mittelstandes und speziell des Handwerks kann man nur wünschen, daß der Fortbildungsuuterricht eine immer bessere Aus­gestaltung erfährt. Die Opfer, welche dafür ge­bracht werden müssen, stehen in keinem Verhält­nis zu den Vorteilen, welche daraus entspringen.

Den Abschluß dieser sonderbaren Bestrebungen, die der Mittelstands-Vereinigungstag in Frank­furt zu Tage förderte, bildete seine Stellung­nahme zur Frage des allgemeinen Be­fähigungsnachweises für das Handwerk, bezw. zu dem entsprechenden Beschluß des Hand­werks- und Handwerkskammertages von Köln. Die Generalversammlung der Mittelstands-Ver­einigung hat es fertig gebracht, den Handwerks­und Gewerbekammertag in aller Form zu „des­avouieren". Sie hat sich gewissermaßen zum Oberzensor der Beschlüsse dieser gesetzmäßigen Vertretung des korporierten Handwerks aufge­worfen, indem sie den Beschluß, den allgemeinen Befähigungsnachweis unter vollständiger Offen­haltung der grundsätzlichen Seite dieser Frage „zur Zeit" aus den Forderungen des Handwerks auszuscheiden aufhob und die Zurückverweisung der Frage an die Handwerkskorporation zur Be­gutachtung und zur Herbeiführung einer „Ur­abstimmung" beschloß.

Sein Sollte entftmnurt.

Nach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming erzähst von Lina v. Berlepsch.

23] (Nachdruck verboten.)

Iva war in's Sprechzinuner des Hotels ge­folgert worden und hier erschien Mr. Leonard, befremdet beim Anblick der vornehni aussehenden Dame, die nach ihm verlangte.

„Sie wünschen mich zu sprechen?" fragte er.

„Ich bin die Erzieherin, an die Sie so gütig waren, zu schreiben", entgegnete sie schüchtern.

„Darf ich um Ihren Namen bitten, Madame." „Mein Name ist Randall, Miß Randall." Mr. Leonard verneigte sich.

„«sie haben doch Legitimationspapiere, Zeug­nisse, Fräulein?"

Flüchtiges Rot tauchte in Jvas Antlitz.

„Ich habe keine Zeugnisse, weil ich noch keine Stelle bekleidet habe — traurige Verhältnisse — Vermögensumstände —" sie stockte.

„Ich verstehe, ich verstehe", unterbrach Mr. Leonard teilnehmend, als er die Träne gewahrte, die in Jvas Auge perlte, „Sie gefallen mir, und so können wir uns der Zeugnisse verschlagen." Hinter den Brillengläsern zwinkerte es seltsam. „Armes Kind!" flüsterte er vor sich hin, „muß schon viel Leid erfahren haben!"

„Vielleicht möchte es Ihnen als Hindernis er­scheinen, daß ich nicht musikalisch gebildet bin", äußerte Iva traurig.

„Nicht musikalisch? hm, hm! aber schließlich haben meine älteren Töchter ja einen Musiklehrer, $er etwa auch unsere kleinere Hedwig übernimmt.

Abgemacht also, Ihre Zöglinge sind zwei Kna» ben und ein Mädchen. Da Sie im Deutschen, Französischen und Elementarsächern unterrichten, werde ich von der Musik absehen. Was den Gehalt betrifft, soll er sich nach Ablauf des ersten Quar­tals Ihren Leistungen entsprechend bestimmen. Jedenfalls werden Sie zufrieden sein. Und nun, wann können Sie eintreten?"

In diesem Vorgehen liegt eine Anmaßung, die von verständigen Mittelstandspolitikern, deren es gottlob auch außerhalb der Mittelstands-Ver­einigung noch zahlreiche gibt, schwerlich gutge­heißen wird. Sachlich verdiente das, Vorgehen der genannten Vereinigung gleichfalls die schärfste Zurückweisung. Wenn je, so ist heute für das Handwerk ein einheitliches und ein» mutiges Auftreten von Nöten. Dieses einmütige Auftreten konnte auf dem Bode n der Kölner Beschlüsse als gewährleistet angesehen werden. Die Würzburger Dele- gierten-Konferenz des „bayerischen Handwerker­bundes" stellte die Einigkeit ader bereits wieder in Frage, und jetzt stört die Generalversammlung der Mittelstands-Vereinigung den Frieden voll- lends. Eine „Urabstiminung" über den allge­meinen Befähigungsnachweis bedeutet die Herbei­führung neuer Meinungsstreitigkeiten über die Frage im Handwerk, und die Erfahrung hat ge­zeigt, daß diese Streitigkeiten eine Erbitte­rung im Gefolge haben müssen, die den Inter­essen des Handwerks unmöglich frommen kann.

Und wenn die Sache noch einen prakti­schen Zweck hätte! Die Erlangung des allge­meinen Befähigungsnachweises ist, „zur „Zeit" ausgeschlossen. Eine erneute Agitation dafür be­deutet demnach nur eine Vergeudung von Zeit und Kraft, und das in einem Zeit­punkt, wo alles darauf hindeutet, daß durch die energische und einheitliche Betonung anderer Forderungen, namentlich eines wirksamen Schu­tzes des Meistertitels und der Ausstattung des­selben mit weitergehenden Rechten, die Inter­essen des Handwerks mächtig gefördert werden könnten.

Wir können nur auf das lebhafteste b e - dauern, daß die Generalversammlung der Mittelstands-Vereinigung in dieser und in den anderen oben berührten Fragen zu einer Stel­lungnahme gelangt ist, die ihre gesamten Be­strebungen verdächtig macht und dazu nötigt, ihrem Vorgehen in Zukunft mit starkem Miß­trauen zu begegnen.

Deutscher Reich.

Berlin, den 7. September 1905.

Daß der Chef des GenercLstabes der Armee, Generaloberst Graf v. Schlieffen, in allernächster Zeit von seinem Posten zurücktreten und seinen Abschied nehmen wird, beruht nach einer osfiziösen Korrespondenz auf falscher In­formation. An zuständiger Stelle sei von einer solchen Absicht von E^ellenz Schlieffen absolut nichts begannt. — Die ,Freie deutsche Presse' bemerkt zu diesem Dementi, daß „man den Hauptnachdruck wohl auf die Worte „in aller­nächster Zeit" legen müsse".

* In Anbetracht vielfach verbreiteter unrich­tiger Nachrichten über die Kompetenz-Angelegsn- heiten der für Ostafrika bestimmten Marine-Streitkräfte führt die ,Nordd. Allgem. Ztg.'die betreffendeKabinets-Ordre int Wortlaute an: „Es sind als überetatsmäßige Be­satzungsteile der Seestreitkräfte der ostafrikanischen Station hinauszusenden: „ein Detachement Marine-Infanterie von 150 Mann mit Chargen und 7 Maschinengewehren mit doppelten Be­dienungs-Mannschaften der Matrosen-Divisionen. Ihre Verteilung regelt der älteste Seeoffizier der ostafrikanifchen Station." Das offiziöse Blatt schließt daran folgende Bemerkung: „Demnach hat weder eine Mobilmachung der Marine-Feld-

„Sogteich, wenn erwünscht."

„Gut; ich reise morgen ab."

„Wollen Sie mir eine Zeit bestimmen, mein Herr, ich werde mich pünktlich hier einfinden. Das ist wohl alles?" fragte sie sich erhebend.

„Alles für den Moment", Miß Randall."

Wuch sonderbare Verwirrung der Name auf die junge Erzieherin hervorzubringen schien. Mr. Leonard gewahrte es, schrieb es aber einer leicht erklärlichen Befangenheit zu, die er durch freund­liches Wesen zu besiegen suchte.

„Auf Wiedersehen denn!" sprach er und bot Iva die Hand. Sie eilte hinweg, beglückt, einen Lichtstrahl gefunden zu haben in jenem Leben voll Mühsal und Düsterheit, das sich ihr austat. Einen Lichtstrahl, nachdem die Sonne erblindet, die ihr Dasein erhellt, ihr Herz belebt hatte.

Ach jetzt, jetzt erst, nachdem die dringende Frage um die nächste Zukunft beigelegt, jetzt erst fühlte sie die entsetzliche Oede ihrer Seele. Sie hatte alles besessen, — alles verloren. Der reiche Schatz seliger Liebe, den sie an's Herz gefaßt, war ihr entrissen, sie hatte ihn versinken sehen auf immer. Spurlos war es dahin, das holde, traute Bild seines beglückenden Heim, trübe rauschte die Flut eines unstäten Daseins darüber hin.

„Und wessen Schuld!" tönte es in ihrem In­nern, „wessen Schuld?"

Iva, wo findest Du den Trost, den Du er­sehnst? Wer hält Dich aufrecht in der Pein, die Dein Herz durchschneidet? Armes Kind, noch hast Du Himmelstrost nicht gefunden, -noch klammert Deine Seele sich allein an den Gatten, den Du verloren, der Dich hinweggetrieben aus seinen Armen, an ihn allein, Dein Idol, Dein alles hier und dort! Noch bricht kein versöhnend Licht durch die Nacht der Verzweiflung, die Dich umfängt. . Aus. fchmerzvollem Brüten weckte Iva der däm-, mernde Morgen, der einer neuen Existenz ent­gegenführen sollte.

Der kurze Wintertag schwand in den bleichen Gluten des Abends, als ein mit Pelzdecken wohl ausstafkierter Schlitten einem stattlichen Land­

kompagnie stattgefunden, noch gilt sie als im Kriegszustände befindlich Auch S. M. S. Bussard befindet sich nicht im Kriegszustände, ebensowenig die anderen nach dem Aufstands - Gebiete beor­derten Schiffe. Infolgedessen sind auch Kriegs- gebührnrsse für die Beteiligten nicht zuständig, wie auch die Porto-Vergünstigungen der Feldpost nicht eingetreten sind."

8 Der,Reichs- und Staatsanzeiger, veröffentlicht einen Sanitätsbericht unserer Marine für den Zeitraum vom 1. Oktober 1902 bis 30. September 1903, der sehr günstig aus­fällt. Der Zahlenberechnung ist eine Kopfftärke von 35 955 Mann — einschließlich der an Bord und der in Kiautschau befindlichen Offiziere, Deckoffiziere und Beamten — zu Grunde gelegt. Von diesen befanden sich 20348 Mann an Bord und 55607 Mann am Lande. In den drei vorhergehenden Berichtsjahren hatten die auf je 1000 Mann der Kopfstärke (einschließlich des Krankenbestandes) berechneten Erkrankungsziffern betragen:

an Bord am Land überhaupt. 1899,1900 . 703,3 865,7 768,2

1900/1901 . 631,7 760,0 710,5

1901/1902 . 511,2 721,0 603,3

Für das Berichtsjahr 1902 1903 stellte sie sich auf 444,3 an Bord, 731,3 am Lande, für die gesamte Marine auf 568,9; dies entspricht einer Zahl von 19816 Kranken einschließlich 639 aus dem Vorjahre übernommener. Der durchschnitt­liche tägliche Krankenbestand betrug im Berichts­jahre 1901/02 an Bord 29,5° <> und am Lande 37,6°/oo im Jahre 1902 03 an Bord 27°an Land 37,1°/OO, in der Marine überhaupt 31,4“/„O (in der englischen Marine 35,4°/,,„). Auf die einzelnen Stationen entfielen folgende Ziffern des Krankenzuganges in °/„ ihrer Kopfstärke: 1) an Bord auf Ostasien 632,2, Südsee (Australien) 628,1, Westindien (Amerika) 457,1, Mittelmeer 625,7, Westafrika 593,6, die heimischen Gewässer 353,5; 2) an Land uUf derOftseeftation 626,8" 00, der Nordseestation 678,0"/^, Kiautschau 1055,0°' ,0. Den niedrigsten Krankenzugang an Bord stellen also die Schiffe in den heimischen Gewässern, den höchsten die Schiffe in Ostasien und in der Südsee.

§ Die amerikanische Handelskammer in Berlin richtet sich mit einem Anschreiben an verschiedene Blätter, in welchem sie mit Be­dauern von einem Artikel Berliner Blätter Notiz nimmt, in welchem dem amerikanischen Botschafter Tower großes Unrecht geschieht und demselben fälschlich Aeußerungen und Gesinnungen betreffs der besprochenen Reziprozitätsverträge mit den Vereinigten Staaten zur Last ge­legt wurden. Die amerikanische Handelskammer teilt deshalb den vom Gesandten Tomer anläß­lich des zu Ehren des Generalkonsuls Nason stattgefundenen Abschiedsbanketts getanen Aus- fpruch im Wortlaut mit: „Daß, in Anbetracht des Zweckes des Festes, alle politischen Dis­kussionen und Reden selbstverständlich ausge­schlossen werden sollten." Die Kammer hebt ausdrücklich hervor, daß der Gesandte sich nicht gegen Reziprozität ausgesprochen habe.

* Zum Präsidenten der Kammer der Reichs­räte in Bayern wurde Für st Ernst Löwen­stein - Wertheim - Freudenberg gewählt. Fürst Ernst ist zugleich Graf zu Limpurg, ge­

hanse zufuhr, aus dessen hohen Fenstern das Helle Lampenlicht freundlichen WillkoniM entgegen zu strömen schien.

Lustig tönte das silberne Schellengeklingel vor der Einfahrt und auf der Veranda wurde eine lebhafte lautgrüßende Gruppe sichtbar.

Mr. Leonard stieg aus, half seiner jungen Be­gleiterin aus dem Wirrsal von Hüllen und Decken, und flüsterte dem herbeieilenden Diener einige Weisungen zu.

Flugs fühlte er sich von einem Dutzend Armen umschlungen und von Küssen und Fragen und Willkommsgrüßen fast erstickt, sah er sich unver­sehens inmitten des behaglichen Wohnzimmers, wo das hellste aller Kaminfeuer knisterte und der bequentste aller Lehnstühle daneben stand, in dem er sich plötzlich sitzen sah, ohne zu wissen, wie es geschehen.

„Mein Gott, Kinder!" seufzte der alte Herr, „was seid ihr doch für eine Bande; ein wahrer Sturmwind, meiner Treu! Wo ist Fräulein Randall?"

„Hier, mein Herr!" antwortete Iva, die eben in's Zimmer trat.

„Liebe Elvira", wandte er sich an seine Frau, „diese junge Dame ist Miß Randall. die Erzie­herin".

Iva verneigte sich vor einer kleinen Dame mit lebhaften Rehaugen.

„Und das sind meine ältesten Töchter Lilly und Ella", fuhr Herr Leonard fort und wies auf zwei hübsche anmutige Mädchen, die Iva leicht zunickten. . „

„Das endlich find Ihre Zöglinge, Fräulein.

Zwei nette Knaben zwischen zehn und zwölf Jahren traten näher, der jüngere führte ein Mäd­chen, offenbar eine Zwillingsschwester, an der Hand. . ,, ..

„Theodor, Guido und Hedwig, macht Fran- lein Randall eure Aufwartung."

„Randall? so heißt ja der schone Herr, der Lilly gestern die Rosen brachte", rief Hedwig und guckte nach der Schwester, die lächelnd und er­rötend sich an der Gürtelschleife zu schaffen machte.

„Ist Mr. Randall mit Ihnen verwandt, Fräu­lein?" fragte die Dame des Hauses.

„Welche Frage, Mama!" unterbrach Lilly. „Mr. Randall hat keine Verwandten, wie er mir sagte und der Name ist wahrlich nicht selten.

„Wie hübsch das Fräulein ist", flüsterte Ella der Schwester zu.

„Nicht übel für eine Person ihrer Stellung; doch finde ich sie zu bleich und ernst, die (Stirne zu hoch, die Taille zu . . ."

„Geh nur, Lilly, wenn man Dich hört, wäre sie fast eine Feldfcheuche, und doch hab' ich nie solch' wunderbare Augen gesehen."

„Schwarze Augen gefallen mir nicht, sie sind zu fchars und feurig."

„Wie schade!" spöttelte Ella, „diese Angen aber kannst Tu unmöglich zu scharf oder feurig nennen, sieh nur, wie melancholisch sie blicken.

„Laß doch Miß Randalls Augen!", äußerte Lilly gereizt, „was machst Du doch für ein Wesen, und 's ist nur eine Gouvernante."

Ella trat Iva näher.

„Wenn Sie Lust haben, Ihr Zimmer zu sehen, Fräulein, will ich Sie hingeleiten. Vielleicht wünschen Sie vor dem Tee etwas Toilette zu machen."

„Sie sind sehr sreuudlich, Fräulein", entgegnete Iva und erhob sich, dem Fräulein zu folgen.

Ella öffnete die Türe eines traulichen Ge­maches, defsen lichtblaue Draperien durch den rötlichen Widerschein des Feuers anmutig belebt wurden .

„Das ist das Zimmer der Erzieherin; 's ist eben nicht pompös, aber still und heimlich. Ihre Vorgeherin stürzte sich in den Abgrund . ■. ."

Entsetzt trat Iva zurück.

„In den Abgrund der Ehe", lachte Ella, „machen Sie's ihr nur nicht nach. Miß Randall. Aber, mein Gott, was fehlt Ihnen?"

„Es ist nichts", stammelte Iva, nur momen­taner Schwindel.

Ella war über den Ausdruck im Antlitz bei Gouvernante erschrocken, plauderte aber bald un­befangen weiter. w- f-Z

Fürst Ernst LSwensteiu-Wrrchcim» Freudenberg.

Herr in Baden. Fürst Ernst wurde am 25. Sep­tember 1854. zu Dresden geboten, er vermählte sich am 17. Juni 1886 mit Gräfin Wanda von Wylich und Loikum aus dem Haufe des Fürsten zu Putbus. Fürst Ernst ist Präsident des Ver­eins der deutschen Standesherren und Major a la suite der Armee.

* Aus dem ostafrikanischen Aufstands-Ge­biete. Nach einem Telegramme des Gouverneurs Grafen Götzen vom 5. d. M. sind die Städte Kilwa und Mohorro nicht mehr bedroht, aber im Hinterlande beider Bezirke find Akidas des Gouvernements von Eingeborenen verjagt worden. Am Rufidji-Flusse aufwärts haben sich die Unruhen bis zwei Tagemärsche südlich von Kiloffa ausgebreitet. Das Detachement Fonck ist daher aus dem Bezirke Dareswla-e, wo alles ruhig ist, nach Morogoro dirigiert worden. Aus anderen Bezirken liegen keine beunruhigenden Mel­dungen vor. Ein Telegramm des Gouverneurs von: 6. d. M. meldet, daß Bezirksamtmann Elwerbeck und alle Europäer des Lindibezirkes mit Ausnahme einer vermißten Missionsschwester sich in Linidi befinden. Beim Ueberfaüe der Mis- sions - Stationen Lükuledi, Maffassi und Nyan- goro sind Pater Lang und Bruder Cyprian v er- mundet worden. BeiderJsakara-Fähre zwischen Kiloffa und Mahenge sind verschiedene Jnder- Niederlassungen zerstört und mehrere Araber und Küstenleute ermordet worden. Eine bei Kiloffa plündernde starke Räuberbande ist durch eine Abteilung der Schutztruppe unter Assistenz­arzt Brünn zersprengt worden. Kiloffa selbst ist jetzt durch ein Detachement der Schutztruppe unter Oberleutnant Schultz gesichert.

§ Dem ,Reichs- und Staatsanzeiger? zufolge sind vom 6. bis 7. September im preußi­schen Staate 15 Erkrankungen und 6 Todesfälle an Cholera neu gemeldet. Unter den Neuer­krankten befinden sich ein Fährmann, ein Flößer und ein Schiffslehrling, sowie sieben Arbeiter, die mit russischen Arbeitern engen Verkehr gehabt hatten. Die Gesamtzahl der Erkrankungen und der Todesfälle betragen bis jetzt 105, bezw. 32.

fürsteter Gras zu Umpfenbach und Herr zu Bren« berg und Mondfeld. Er ist erblicher Äeichsrat der Krone Bayerns, Vizepräsident der Kammer der Standesherren in Württemberg und Standes-