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3 . Jahrgang

Fulda, Mittwoch, den 6. September 1905

M ^03.

rlnztigrn: Vie tftt- spaltlge Petitzeile ob« bereu Baum 15 Pfg, Reklamen ble petitzeUl 25 Pfg.; bei Wieben Holungen wirb entfpr, Rabatt gewährt.

Botatisnrbruck u. Verlag ber$«Ib<ier2lc» tienbrnderei in Znlba. Fernsprecher Nr. 9.

Zeitung

rnomrtsbeuage: „$ulbacr SeschichtsblStter".

Erscheint täglich, mit - W Vk

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verantwortlicher

Schriftleiter: 3. vanm

3. pa^eLe??n'Nba. wochenbeilage: „Zllustftefte Sonntagszeitung"

(•) Zur .Lleischnot-zrage".

Der .Reichs- und Staatsanzeiger' bringt in Siner heutigen Ausgabe ein paar interessante eiträge zur Beurteilung der „Fleischnot"- tzrage und der Forderung betreffend Erleichte­rung der Vieh- und Fleischeinfuhr vom Aus­lande. • Zunächst gibt das offizielle Blatt eine tStatistik der Vieh- und Fleischeinfuhr 'fm Monat Juli. Darnach ist die Einfuhr von lebendem Vieh im Monate Juli ds. Js. un­gefähr gleich groß gewesen, wie im Juli des ver­gangenen Jahres, dagegen hat sie gegen den Juni des vergangenen Jahres um über 4000 Stück abgenommen. Eine Verschiebung hat in- sofern stattgefunden, als die Zufuhr von Ochsen und Bullen aus Oesterreich abermals sehr stark nachgelassen hat und es nur durch eine ver­wehrte Einfuhr dänffchen Viehs bewirkt wurde, daß der Rückgang nicht noch größer erscheint. Als „sehr auffallend" bezeichnet es der -Reichs­und Staatsanzeiger' ferner, daß die Einfuhr von ^Schweinen im Juli um 1257 Stück gegen Idas Vorjahr zurückgegangen ist. Es sind aus Rußland bedeutend weniger Schweine einge­führt worden, als das zulässige Kontin­gent beträgt. Diese Feststellung charakterisiert genügend den Ruf nach „Oeffnung der Grenzen" und speziell nach Vermehrung des Kontingents der zur Einfuhr zugelaffeneu russischen Schweine.

Auch die Einfuhr von Fleisch und Fleisckwaren hat im Juli eine Abnahme gegen den Juni ds. Js. zu verzeichnen, und zwar um rund 12,000 Doppelzentner beim Fleisch und um rund 10,000 Doppelzentner bei Schmalz. Gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahre ist allerdings auch die Fleifcheinfuhr wieder sehr erheblich gestiegen, und zwar erstreckt sich diese Steigerung auf alle Fleischgattungen. Der,Reichs- und Staatsanz/ schließt daraus: „Daß trotz der hohen Fleifchpreise in Deutschland nicht eine Ver­mehrung der Vieh- und Fleischeinfuhr, sondem .eine Abnahme gegen den Juni stattgefunden chat, dürste der beste Beweis dafür sein, daß es weder an den Zöllen noch an den Be­stimmungen des Fleischbeschaugesetzes liegt, daß das Ausland nicht mehr Fleisch nach Deutschland liefert, sondern daß das Ausland tatsächlich so viel, als es ausführen kann, abge­geben hat und daselbst nicht mehr vorhanden ist." * An anderer Stelle wendet sich der .Reichs- und Staatsanz/ gegen die Behauptung, die .deutsche Viehzucht sei nicht im Stande, ge­nügend Schlachtvieh zu liefern. Von Seiten der Fleischer und „der sonstigen, eine weitere Oeffnung der Grenzen fordernden Kreise" werde diese Behauptung auf den angeblich zur Deckung des Bedarfs völlig ungenügenden Auftrieb von Schlachtvieh gestützt. Den zu diesem Zwecke aufgestellten „unkontrollierbaren Statt- Aiken" stellt das offizielle Organ der Regierung «ne an Hand der amtlichen Zahlen aufgemachte lStatistik über die Austriebe an acht der größten preußischen Schlachtviehmärkte für die verflossenen acht Monate, Januar bis einschließlich August gegenüber.

Die 8 Schlachtvieh-Märkte sind die von Ber­lin, Stettin, Posen, Breslau, Magdeburg, Han­nover, Köln am Rh. und Frankfurt a. M. Zu

Im Me entstmnit.

Rach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming erzähtt von Lina v. Berlepsch.

21] (Nachdruck verboten.)

Thilo war gerade recht gekommen, um Zeuge der kleinen Szene zu sein. Ein dunkler Schatten umwölkte sein Blick. Ist die Eifersucht grausam wie der Tod, so ist sie auch mit Willen blind. Mußte nicht jener Verdacht fliehen vor der wahr­haft kindlichen Offenheit dieser wechselseitigen Be­grüßung? Thilo aber wollte nichts sehen, als daß der Kapitän die Hand seiner Frau erfaßt hatte und daß ein Lächeln ihm lohnte.

Auf Iva zutretend, schob er Arlingford etwas -unsanft beiseite und bot ihr den Arm.

I. Bei seinem Anblick erstarb das Lächeln auf ihren Lippen. Er gewahrte es. Düsterer, drohen­der wurde sein Blick. Er setzte sich auf's Sopha neben sie.

„Bitte, laß Deine Vorliebe für den hübschen Kapitän nicht so offenkundig werden", zischte er ihr flüsternd zu, „um Deinetwillen, nicht um meinetwillen, verstehst Du? Die Leute machen Glossen darüber."

Jvas Auge flammte auf, als der insultierende Begriff dieser Worte ihr klar wurde; Thilo aber -hatte sich bereits von ihr abgewendet und war zu einer Gruppe der Gäste getreten.

„O, daß ich tot wäre!" stöhnte sie aus ttefstem Herzensgründe, als dieser letzte furchtbare Schlag sie traf. „Hat die auf mich gehäufte Schmach, das entsetzliche Weh, das meine Seele durchwühlt, damit endlich den Höhepunkt erreicht? O mein Gottl mein Gott! womit hab' ich das verdient?"

Endlich zerstrxuw sich die Gesellschaft, endlich fand auch Iva Ruhe, auf Augenblicke wenigstens, die traumlose Ruhe der Erschöpfung.

„Wozu entschließen sich die Damen und Her­ren?' fragte Heinrich Gleason am folgenden

Deutscher Reich.

Berlin, den 5. September 1905.

—* Die ,Nordd. Allg. Ztg/ bestätigt die Meldung der ,Nordostse-zeitung', daß Prinz, Heinrich von Preußen sich in seiner Eigenschaft als Stationschef nach Flensburg begeben wird, um mildem englifchen Admiral Winsloe Besuche auszutauschen.

* Die offizielle Mitteilung, daß der für den Gesandtenposten in Tanger ausersehene Geh. Legationsrat Dr. Rosen sich nach Paris begeben werde, um bestimmte Fragen mündlich zu besprechen, über die vor dem Zusammentritt der Marokkokonferenz noch eine Verständi­gung herbeizuführen sei, wird von verschiedenen Blättern als Ausdruck der Bemühungen Deutsch­lands angesehen, die Frage des Zusammentritts der Marokkokonferenz in rascheren Fluß zu bringen, und zugleich als eine Aufmerksamkeit gegenüber dem französischen Ministerpräsidenten, für den es von Interesse sein müsse, den künftigen Repräsentanten Deutschlands in Marokko kennen zu lernen.

* Blättermeldungen zufolge wird der Chef des Großen Generalstabes, General Graf Morgen beim Frühstück, welche Projekte gibt's für den heutigen Tag?"

„Wollen wir nicht Schlittschuh laufen?" fragte Fräulein Harper.

„Gut, ich bin dabei", meinte Mr. Gleason.

„Auch ich!" rief Curtis.

Die übrigen Herren schienen mit der Sache einverstanden.

„Und was sagt unsere gnädige Wirtin?" wandte sich Kapitän Arlingford an Iva, die bleich und teilnahmslos an der Tafel saß.

„Sie werden mich entschuldigen müssen; ich fühle mich nicht wohl genug, mitzugehen."

„Sie sehen auch wirklich angegriffen aus", bemerkte Fräulein Arlingford, „erlauben Sie mir, bei Ihnen zu bleiben."

„Auch mir, auch mir, Mrs. Wildair, bitte!" rief Heinrich Gleason hastig, „Schlittschuhlaufen ist nicht halb so angenehm, als Fräulein Arling­ford singen hören."

Das Fräulein nickte freundlich bei dem gut­gemeinten Kompliment, während ihr Bruder be­teuerte, die angestrengten Vergnügen der letzten Tage hätten ihn so ermüdet, daß er sich Ruhe gönnen müßte und die Dame des Hauses ersuchte, auch ihm das Verweilen in ihrer Nähe zu ge- statten.

„Du wirst besser tun, mit uns zu kommen, Iva," bemerkte Thilo trocken, „frische Luft kräftigt."

„Ich kann nicht, Thilo, mein Kopf schmerzt und ich vermag mich kaum aufrecht zu halten. Doch soll sich meinetwegen niemand der Gesell­schaft entziehen, lassen Sie mich also für Ihr freundliches Anerbieten danken."

„Ich nehme keinen Korb", lachte Fräulein Ar­lingford „und möchte auch für unseren jungen Freund Heinrich ein Wort einlegen, da er so gut ist, an meinem Gesang Ergötzen zu finden."

„Und wer legt für mich ein Wort ein?" fragte der Kapitän.

„Das will ich, beim Zeils!" rief Gleason.

Vergleichszwecken fügt der,Reichs- und Staats­anz/ die Auftriebszahlen für den gleichen Zeit­raum der Jahre 1903 und 1904 hinzu. Auf Grund dieser Zusammenstellung kommt das Re­gierungs-Organ zu folgenden Resultaten: ^,An 6 von diesen 8 Märkten ist im laufenden Jahre allerdings ein Rückgang des Schweine­auftriebes zu verzeichnen; er beträgt aber im ganzen für alle 8 Monate zusammen nur 21,849 Stück oder 1,78«/, des Auftriebes von 1904, und gegenüber dem Jahre 1903 ist noch eine Steige­rung des Austriebes auch an diesen Märkten um 144,063 Schweinen zu verzeichnen. Zwei Märkte (Magdeburg und Hannover) weisen sogar auch im Jahre 1905 eine weitere Steigerung gegen das Vorjahr auf. Ein noch ganz anderes Bild würde man erhalten, wenn man auch die Aufttiebszahlen aus dem Jahre 1902 zum Vergleich heranziehen würde, doch wollen wir uns mit dem Hinweise daraus begnügen, daß in dem „Fleischnot-Jahre" 1902 her Berliner Markt in den ersten 8 Monaten nur mit 584,298 Schweinen beschickt war, daß also im Jahre 1905 allein auf dem Berliner Markte 206,534 Schweine mehr aufgetrieben worden sind. Bekanntlich sind nun aber auch die Preise für die anderen Viehgattungen ge- sttegen, und da weist die Statistik nach, daß . mit einziger Ausnahme des Kölner Marktes, der einen unbedeutenden Rückgang auch im Rinder- und Schafauftrieb aufzuweisen hat, sonst an allen Marktplätzen und in allen Viehgattungen auch in diesem Jahre eine weitere Steigerung des Auftriebes stattgefunden hat. Bei Berücksichti­gung des Minderauflriebes in Köln haben wir an diesen 8 Schlachtvieh - Märkten in der Zeit von Januar bis einschließlich August d. I. einen Mehraustrieb von 18,720 Rindern, 22,046 Käl­bern und 20,864 Schafen zu verzeichnen."

Der »Reichs- und Staatsanz/ schließt: „Die vorstehende, ausschließlich auf amtlichen Zahlen beruhende Statistik zeigt, daß die deutsche Landwirtschaft und deren angeblich un­genügende Viehproduktion nicht länger für die sogenannte Fleischnot verant­wortlich gemacht werden können."

v. Schlieffen in nächster Zeit von feinem Posten zurücktreten und seinen Abschied nehmen. Als sein Nachfolger wird mit großer Bestimmtheit General v. Moltke genannt, der den erkrankten Grafen v. Schlieffen bereits bei den diesjährigen Kaisermanövern vertreten wird.

* Der frühere Oberst Gaedke war bekanntlich von der Zeitung »Echo de Paris' aufgefordett worden, den französischen Manövern beizuwohnen und der genannten Zeitung kritische Berichte über die Manöver zu liefern. Wie jetzt aus Paris gemeldet wird, hat Gaedke jetzt den Antrag ab­gelehnt, und zwar mit Rücksicht auf die in Deutsch­land über die Angelegenheit entstandene „Preß- kampagne".

* Als Beispiel einer unrichtigen Bericht­erstattung kann nachstehende Meldung der »Post' gelten: „Zum Schutze des Meistertitels will die Regierung nach einer Mitteilung an den Berliner Polizeipräsidenten und die Regierungspräsidenten allgemeine Maßnahmen nicht treffen." — Das Blatt vergißt hinzuzufügen, daß es sich in diesem Falle lediglich um einen „Schutz des Meistertitels" gegenüber unbefugter Eintragung in die Register der Standesbeamten handelt.

* Zur Choleraangelegenheit schreibt der »Reichsanzeiger': „Vom 1. 5. Sep-ember mittags sind in Preußen 11 Erkrankungen und 1 Todesfall an Cholera amtlich gemeldet. Die Gesamtzahl erhöht sich dadurch auf 77 Er­krankungen und 24 Todesfälle. Von den neuen Erkrankungen sind je 1 in Paaris und Wami- heim, Kreis Rostenburg, 1 im Kreise Czarnikau» 7 in der Strafanstalt in Gnesen, 1 im Kreise Kolmar vorgekommen.

Folgende Einzelmeldungen liegen heute vor:

* Bromberg, 5. Sept. 1905. Die »Ostdeutsche Rund­schau' meldet über den Stand der Cholera im Regie­rungsbezirk Bromberg, daß bei einem aus dem Zucht­haus in Crone an der Brahe nach Gnesen transpor- tierten Strafgefangenen asiatische Cholera festge­stellt wurde. Sechs weitere Strafgefangene sind unter Choleraverdacht erkrankt. In Stiegvtzdorf ! Kreis Czarnikau) ist ein Gelegenheitsarbeiter erkrankt, in Schleusenau sind ein Telegraphist und ein Stellmacher mutmaßlich an Cholera gestorben

* Thorn, 5. Sept. 1905. Die »Thorner Presse' meldet: Ein in vergangener Nacht aus Posen hier ein- qetroffener Zugführer ist unter Choteraverdacht erkrankt in das Krankenhaus ausgenommen morden und bald gestorben. m

* Marienwerder, 5. Septbr. 1905. Die .Neuen Westpreuß. Mitteilungen' melden: Neue choleraver­dächtige Erkrankungsfälle aus dem Regierungsbezirk Marienwerder wurden nicht gemeldet. Zu dem als Cholerafall bezeichneten Tode der 7tijährigen Orts­armen Laskowski in Thorn wird amtlich gemeldet, daß durch eine nochma ige Untersuchung in dem Institut für Infektionskrankheiten die asiatische Cholera nicht sestgestellt werden konnte.

* Warschau, 5. Sept. 1905. Seit gestern ist im Gouvernement Warschau in allen Orten an der preußi­schen Grenze, sowie in Mexandrowo wegen der Cholera- gefahrUeberw achung, ärztliche Untersuchung und Quarantäne angeordnet Sämtliche Paffierwege wurden gefttndheitspolizeilich gesperrt.

*. Katholische Feuerwehr auf dem Straß­burger Katholikentage. Wie läppisch die Nör­geleien kirchenfeindlicher Blätter über die Straß­burger Katholikenversammlung sind, zeigt folgende auch in die »Tägl. Rundschau' (24. Aug.), das ,Wiener Deutsche Tagebl/ (26. Aug.s, »Berl. Börsenztg/ u. a. Blätter übernommene Notiz der demokratischen ,Straßb. Bürgerzeitung':

Mit einer pikanten Episode hat der diesjährige Katholikentag begonnen. Zur Bewachung der Festhalle war, wie es sich von selbst versteht, ein kleines Feuer­wehrkontingent notwendig, unv die Straßburger ^Be­hörde war natürlich bereit, diese Wache zu beschaffen.

„Tres faciunt collegium“, ,ügte er in glück­licher Remineszenz seiner Studienjahre hinzu, „wir werden also bei Ihnen bleiben, Mrs. Wildair und eine prächtige Zeit soll's werden, he, Ar­lingford?"

Alle drei drangen mit so viel Nachdruck in Iva, daß sie, ohne unhöflich zu werden, nicht ab- lehnen konnte.

Eine drohende Wolke umdüsterte Thilos Blick. Bald jedoch gewann der heitere Ausdruck des Weltmannes wieder die Oberhand und scheinbar heiter schloß er sich denen an, die zum Schlittschuh­lauf sich bereit machten.

Iva verlebte einen angenehmeren Morgen, denn feit lange; es lag etwas ihrer früheren kind­lichen Heiterkeit in dem Tone, womit sie den Gat­ten bei feiner Rückkehr begrüßte. Er aber stand kalt und stumm ihr gegenüber und ach, der Blick, der aus seinen Augen auf sie schoß, vernichtete die wiedergewonnene glückliche Ruhe.

„Warum zürnte er?" fragte sie sich geängstigt; daß er ein Unwohlsein für Vorwand halten könnte, kam ihr bei der Offenheit ihres Wesens nicht in den Sinn. Unruhig und gequält nahm sie wenig Anteil an den Vergnügungen des Abends, es drängte sie, allein zu fein.

Vom Speisesaal führte eine bedeckte Gallerie nach einem kleinen Saal, in dem sie erst so traute Stunden verlebt.

In silbernen Strömen floß ein kristallheller Wintermond durch die hohen Fenster. Iva lehnte das fiebernde Haupt gegen die kühlen Scheiben und blickte hinaus in die schneeige Landschaft.

Das Rauschen eines Gewandes wurde ver­nehmbar, ein leiser Schritt, Iva wendet das Haupt und sah in Friedas verhaßtes, höhnisch lächelndes Gesicht.

Die Röte der Entrüstung flammte über ihren Wangen. Konnte sie keinen Schritt tun, ohne von der Feindin belauscht zu fein?

Nun, Frau Iva", spöttelte Frieda, „haben wir uns gut unterhatten mit dem schönen Seefahrer?"

Die Leiter des Katholikentages aber stellten die Be­dingung, daß das Kontingent nur aus katholischen Feuerwehrmännern zusammengesetzt fein dürste. Tenn, so taltulierten sie gewiß, wenn der katholische heilige Sankt Florian belieben sollte, in der katholischen Fest­halle ein katholffches Großfeuer anzulegen, wäre es un- geschicklich, wenn man ihn von andersgläubigen Feuer­wehrmännern bedienen lassen wollte. Die lächerliche Geschichte charakterisiert zur Genüge den kleinlichen Geist, der sich da einer unzweifelhaft großen Sache bemächtigt hat. Kann es eine bösartigere Philistrosität geben, als diese engherzige Abschließung auf allen, auch den indifferentesten Gebieten, als diesen katholischen Schwimmunterricht, diese katholischen Restaurationen und Trikotagengeschäste? Und wenn die Herrschaften auch versichern, daß sie den Frieden mit Andersgläubigen, auf ihren Konzilen, wie jetzt wieder der Vorsitzende des Straßburger Lokalkomitees, mit tönenden Worten wollen daß sie niemals Streit begonnen hätten, so biaudit man sie an solche harmlose Züge zu erinnern, die den konfessionellen Unfrieden bis in das Kleinleben deS All­tags tragen."

Die Geschichte ist eine dreiste Erfindung. Die Stellung der Feuerwehrleute ist obligatorisch. Darum hat das Lokalkomitee des Katholikentages mit dem Bürgermeisteramt überhaupt nicht korre- fponbiert, um Feuerwehrleute gegen Brandgefahr zu erhalten, sondern es wurde lediglich die Stellung von Feuerwehrleuten zumSicherheits- dienst beim Festzug beantragt. Daraufhin erhielt das Lokalkomilee vom Bürgermeisteramt folgende Antwort:

Bürgermeisteramt der Stadt Straßburg i. E. 3. Aug. 1905.

Das Komitee hat den Wunsch geäußert, die Stadt möge ihm für den Sicherheitsdienst bei dem am 20 August stattfindenden großen Festzuge Feuerwehrleute, gegen entsprechende Vergütung derselben seinerseits, zur Verfügung stellen. Ich habe dagegen keine Bedenken, sofern die Feuerwehrleute dazu gewillt sind. Es em­pfiehlt sich in erster Linie katholische Feuerwehrmann, schäften zu befragen. Ich ersuche die Abteilung, den Herrn Branddirektor entsprechend anzuweisen und ihn auch zu veranlassen, dem Vorsitzenden des Lokalkomitees, Herrn Dr. Burguburu bezügliche Mitteilung zukommen zu lassen.

Der Bürgermeister: gez. Back.

An die Abteilung II hier.

Es ist also der evangelische) Bürgermeister, welcher zuerst Anweisung gegeben hat, es sollten in erster Linie katholisehe Feuerwehrleute zum Sicherheitsdienst beim Arbeiter-Festzug« herangezogen werden.

Ausland.

* Die neuen Hafenanlagen der belgischen Stadt Ostende sind am Montag im Beisein des Königs und fast aller Minister festlich demVer- kehr übergeben worden. Sie umfassen em Spül- bassm, das etwa fünfmal größer ist, wie das bis jetzt vorhandene, sowie großartige Vor­richtungen, die das Versanden der Küste ver­hindern sollen. Etwa 3000 Meter neue Qai- lange sind bis jetzt geschaffen und eine Maximal- tiefe von 7,50 Meter wird selbst den größten Schiffen die Landung gestatten. Ostende tritt somit in die Reihe der großen Häfen ein. Vor dem Rathaus hielt der König nach der Ansprache des Bürgermeisters Pieters eine Rebe, in der er dem Ministerpräsidenten de Smet de Naeyer für seine Tätigkeit äußerst warmes Lob spendete und die Kammern dafür beglückwünschte, daß sie den Kredit für die Hafenverbesserung bewilligt haben.

* Die norwegisch-schwedische Konferenz zur Vereinbarung der Modalitäten der formellen Lösung der Union arbeitet fleißig. In Karlstadt ist Sonntag abend von Christiania der Dozent für Völkerrecht Dr. Gjelsvik als Sachverständiger

Jvas Zähne knirschten, ihre Hände ballten sich, als wollten sie mit Gewalt den Unwillen nieder­zwingen, der in ihr aufstieg.

„Laß mich!" sprach sie mit mühsam erzwunge­ner Stube.

„Noch nicht gleich, Sieb; es gehört doch wahr­haft grenzenloses — Vertrauen dazu, mit Dir unter Deines Mannes Dach ein Stelldichein zu verabreden."

„Willst Du mich nun lassen?" fragte Iva eisig.

„Durchaus nicht; angenehme Gesellschaft ver­läßt man nicht so schnell, das weißt Du ja aus Erfahrung. Interessant ist dieses Verhältnis, das muß man zugeben, und wie romantisch wäre eine Entführung." .. „ _r. .

Totenblässe bedeckten Jvas Zuge, ihre Glteder bebten.

Frieda triumphierte. ,

„Und wie reizend eifersüchtig der arme Thilo ist", fuhr sie fort. „In New-York mag man auch allerlei spannende Dinge zu hören bekommen von Adonis Arlingford und fernem Liebchen denn die süßen Blicke und trauten Heimlichkeiten biteben nicht unbeachtet, liebe Iva."

Das boshafte Vergnügen, das Frieda bet der sichtlichen Pein ihres Opfers empfand, ließ sie den unheilvollen Blick übersehen, der in Jvas Augen sprühte.

„Es tut uns leid, zu vernehmen", werden die Zeitungen bringen, „das Frau I. W., das ange­betete Weib des Herrn T. W. aus Barnfeld, sich von einem Kapitän der amerikanischen Marnte entführen ließ. Der entehrte Gatte ist den Flücht­lingen auf der Spur usw. Nun, waS sagst Du zu meinem Roman?"

Keine Antwort; eine Hölle aber lag in JvaS Blicken. .

„Und das hat eine Betteldtme getan", zr chte Frieda mit vernichtender Geberde, „ein gemeines Geschöpf aus der Hefe des Volkes, der Sproßlmg einer Komödiantin, die in einem Graben der Landstraße verkommen, eine . ..