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JW 202.

Der Rücktritt der Rolonialdttettors Dr. StiibeL

jag der derzeitige Direktor der Kolomalab. teilung des Auswärtrgen Amts Dr. Stübel binnen kurzem seinen Postm verlassen wird, gilt jetzt den Blättern aller polttischen Richtungen als aus« gemachte Sache. Auch über den Nachfolger Dr. Stübers, sei es als „Kolonialdirektor", sei eS als Unterstaatssekretär eines „Kolonialamts", herrscht — in der Presse bereits Einmütigkeit. Man bezeichnet den jetzigen Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, den Grafen Götzen, als dm Mann, der nicht nur das Erbe Dr. Stübels an­treten soll, sondern dieses Erbe auch ausgestaltm und zu einem höheren Range führen soll. Bon dieser „Rangerhöhung" ist bekanntlich schon lange die Rede, und sie ist auch bereits int Reichstage offiziell angedeutet worden. Man be­greift daher nicht gut die Mißstimmung, welche nach Versicherung eines Berliner Blattes die ..leitenden Regierungskreise" ob der jetzigen Er­örterung dieser Angelegenheit angeblich erfaßt hat, eine Erörterung, die. nach diesem Blatte fich mit „Ministerstürzerei" deckt.

| Ob d e fraglichen Auslaffungm des ,Reichs- boten' tatsächlich einen ernsteren Hüttergrund haben oder nicht, vermögen wir nicht festzustellen. Auf alle Fälle aber hat sich der .Reichsbote" ht 3er „Frage Stübel"" den Anschein gegeben, als schöpfe er seine Informationen aus einer dem jetzigen Kolonialdirektor nahestehenden Quelle. Wenn das genannte Matt jetzt im Tone der Entrüstung ber .Köln. Volkszeitung" den Vorwurf macht, sie habe, „nicht .für nch behalten können, was sie hinten herum er» hren habe" und dadurch nicht nur die hin-

1 btlich der Ausgestaltung des Kolonialamts ge- \ onnenen Fäden in Verwirrung gebracht, I andern wahrscheinlich auch Dr. Stübel zum Mucktritte gezwungm, so erforderte das immerhin (nige Beachtung. Die ganze Darstellung der ^gelegenheil im .Reichsboten" ist so sonderbar, ß sie — wahr sein könnte. Man höre!

| Das konservative Blatt behauptet, es sei vereinbart gewesm, daß Dr. Stübel „gehen sollte"", und er selber habe mehrmals seine Ent- bebung von seinem durchaus nicht angenehmen mte gewünscht. „Besonders deshalb (!)" sei mit l em „Rückritt des verdienten Beamten"" gerechnet Jiio’bwt, „weil in der Kolonialverwaltung eine g!nze Reihe neuer Aenderungen eintreten sollte."" Nach dieser Einleitung heißt es aber weiter: »daß Dr. Stübel alle diese Dinge not dem vi ichstage nur vertreten wollte, wenn er die Ge- r ähr hätte, daß er noch lange Zeit im Amte l leibt, begrevt man."" Sein Bleiben habe der olonialdirektor aber von seinem Gesundheits­zustände abhängig gemacht, ferner davon, daß er gewissen Widerständen gegenüber genügende slnierstützung finden würde. Diese Unterstützung Witte ihm durch das Eingreifen des Grafen Götzen werden. Anderseits aber sei Graf Götzen -um Nachfolger Dr. Stübels ausersehen gewesen, rlls dieser sich doch zum Ausscheiden aus seinem Amte entscheiden sollte. Ein Emschluß sei aber noch nicht gefaßt gewesen. Dr. Stübel habe ab« warten wollen, bis Graf Götzen nach Deutschland !am. Inzwischen hätten aber Blätter, denen Dr. Ztübel schon zu lange Kolonialdirektor gewesen sei, die Nachricht in die Welt gesetzt, der Kolonial- direktor sei krank. Vielleicht hätte aber trotzdem

ZM Mt entstammt.

"Rach dem Amerikauischeu der Mrs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.

20] (Nachdruck verboten.)

In furchtbarer Aufregung verließ er sie.

Am folgenden Morgen erschien Iva nicht beim Frühstück. Ihre Abwesenheit bedingte eine ge­wisse verlegene Stimmung, die sich noch erhöhte, als Kapitän Arlingford arglos nach ihr fragte.

Eine häßliche Flamme, die Flamme der Eifer­sucht zuckte auf in Thilos Blicken. Seine Mutter und Frieda gewahrten es, in frohem Einverständ­nis begegneten sich ihre Augen.

„Sie war gestern unwohl", entgegnete der Hausherr eisig, „doch werden Sie wahrscheinlich das Glück haben, meine Frau beim Mittagsmahl zu sehen, Kapitän."

Es lag etwas im Tone, das Kapitän Arling- ford befremdete, verwundert blickte er auf.

„Arme Iva", äußerte Mrs. Wildair, die keine Mitzhelligkeit zwischen dem Sohn und seinem Gaste auffonnnen lassen wollte, „ich fürchte, das ungeschickte Borkommnis von gestern hat sie ver­letzt. Sieh doch 'mal nach ihr, Frieda."

Frieda war vorsichtig und hatte ihre Gründe, „den Leu nicht zu wecken". Nach kurzem Bedenken aber fand sie es zu reizend, die Feindin zu peinigen.

Schnell huschte sie die Treppe hinaus und trat leise vor Ivos Türe. Alles war still. Sie ver­suchte die Klinke aufzudrücken, die Türe war ver­schlossen. Sie pochte lauter: keine Antwort.

Endlich öffnete sich die Türe und Iva erschien auf der Schwelle, so bleich, so verändert, daß lte£a erschrak. Sie faßte sich jedoch bald rmo sah Iva mit gewohntem höhnischem Ausdruck an.

„Guten Morgen, liebe Iva; Kapitän Arltng- sich und erkundigt fich nach Deinem

Befinde«.''

Fulda, Dienstag, den 5. September 1905.

Deutsches Reich.

Berlin, den 4. September 1905.

* Unsere Kolonialtruppen in Deutsch-Ostafrika stehen unter dem Kommando des Major Johannes, der bisher in zwei Kolonnen von Kilwa und Tohoro aus gegen die Rebellen operierte. Major

W-a or Johannes.

Johannes ist aus den Matumbibergen für seine Person nach Dar es Salam zurückgekehrt und hat gemeldet, daß die Ordnung aufrecht erhalten werden könne, wenn eine Kompagnie bis auf weiteres dort bleibe. Ohne Zweifel werden ht nächster Zeit dem Major Johannes erhebliche Verstärkungen aus der Heimat zugehen müffen.

* Einberufung des preußischen Landtages. Die ,Nationalzeitung" bementiertein in der Presse in den letzten Tagen aufgetauchtes Gerücht, daß der preußische Landtag bereits zum Oktober einberufen werde. Heber eine Einberufung des Landtages und über eine Herbsttagung fei noch nichts beschlossen. Ein solcher Beschluß könne

Dr. Stübel's Amtstättgkeit noch länger gedauert, wenn nicht die ,National-Zeitung" uno ,Köln. Volksztg." (das erstgenannte Blatt bestätigte lediglich, was die^öln. Volksztg." gemeldet hatte,) ausgeplaudert hätten, was sie „hinten herum"" erfahren hätten. Sie hätten Nachrichten über Dr. Stübel's Rücktritt gebracht, die diesen jetzt „wahrscheinlich zum Abgehen zwingen"" würden.

Kraus genug ist diese Darstellung. Das Interessante daran ist lediglich die — Heim­lichtuerei, die nach dem ,Reichsboten" mit wichtigen Fragen getrieben wird, welche die All- !Gemeinheit berühren. Wir können es unmöglich ür ersprießlich erachten, wenn Personen­ragen in einer Weise Einfluß auf Organ!» ationSfragen, die zum Besten des Dater- landes und lediglich von Gesichtspunkten aus, die durch dieses Beste bestimmt werden, gelöst werden müffen. Wenn solche „Empfindsamketten" und „Eifersüchteleien" in den Besetzungen wich­tiger und hoher Reichsämter mitsprechen, wie sie in der Darstellung des ,Reichsboten' zu Tage treten, so wäre das unter allen Umständen vom Uebel. Einstweilen können wir nicht annehmen, daß diese Darstellung einen ernsten Hinter­grund hat.

erst erfolgen, wenn alle Minister wieder in Berlin anwesend seien.

* Wegen der Reichstagsersatzwahl in Esten werden in dem dortigen Wahlkreis aus Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahl keine Re­servisten und Landwehrleute jetzt zu militärischen Hebungen herangezogen. — Das ist eine Maßnahme, die von nun ab hoffentlich all­gemein eingeführt wird.

Von freisinniger Seite ist in der Ber­liner Stadtversammlung folgender An- trag zur „Fleischnot" eingebracht: „Die Stadt- Verordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen: 1) In Gemeinschaft mit der Versammlung bei den Reichs- und Landes­behörden um schleunige Maßnahmen zu ersuchen, a) zwecks Aufhebung der Einfuhrverbote für ge­sundes Fleisch, b) zwecks Ermäßigung der Vieh- zölle, weil hierdurch allein eine dauernde und wirksame Abhilfe gegen die Ernährung und Ge- sundhett des deutschen Volkes und mithin auch der Berliner Bevölkerung schädigenden Fleisch­teuerung zu erwarten ist. 2) eine gemeinsame Kundgebung der deutschen Städte im Sinne der Erreichung der durch die Anträge zu la und b erstrebten Ziele herbeizuführen."

* Aus Deutsch-Ostafrika. Dem Jetliner Lokalanzeiger" geht ein Telegramm aus Dar es Salam zu, wonach der Oberleutnant v. d. Mar­witz von der ostafrrkanischen Schutztnrppe die Rebellen im Hinterlande von Kilwa aufs Haupt fchlug. Der Feind hatte 40 Tote und zahlreiche Verwundete.

* Cholera. Der ,Reichs- und Staats­anzeiger" veröffentlicht, daß bis zum 3. Sep­tember mittags in Preußen 13 neue Erkrankun­gen und 3 Todesfälle, bis zum 4. September 10 weitere Erkrankungen und 3 Todesfälle an Cholera amtlich gemeldet worden sind. Die Gesamtzahl beträgt bis jetzt 66 Erkrankungen und 23 Todesfälle.

Im einzelnen liegen heute folgende Mel­dungen vor:

* Graudeaz, 4. Sept. 1905. Im Krankenhaus zu Kulm ist am Samstag der sechs Jahre alte Knabe Sigismund Blasegiwrcz, ein Sohn der am 28. v. M. an der Cholera gestorbenen Reisenmachersfrau, eben­falls an der Cholera gestorben. — Der Kultusminister ordnete die Herrichtung von Kantinen längs des Weichselstromes an. Aus den Kantinen sollen nur Rottenführer der Flößer Lebensmittel und Gettänke für die Flößer erhalten. — Zwei im Graudenzer Krankenhaus untergebrachte erkrankte Flößer können wahrscheinlich nach acht Tagen als gesund entlassen werden.

* Bromverg, 4. Sept. 1905. Der hiesigen Regierung ist, wie die .Ostdeutsche Presse" meldet, seit vorgestern nachmittag ein Flößer namens Sell im Josephmen-Kanal bei Rakel als cholerakrank gemeldet, als choleraver­dächtig in Rakel vier Personen, zwei Männer und zwei Frauen, von der Ueberivachungsstelle Netzedamm ein Flößer, in Stöwen. Kreis Kolmar ein Arbeiter und eine Arbeiterfrau, in Weißenhöhe der Arbeiter Lamp­recht, im Kreise Czarnikau in den Ortschaften Priesen­dorf, Romanshof, Walkowitz je ein Arbeiter. Ver­storben sind an Cholera der Schiffer Zucker auf einem Netzekahn bei Wirsitz, in Bilawy zwei Kinder von dem Schiffer Albrecht bei Rakel. Der in Lubasch für den 8. September geplante Ablaß wurde wegen der Cholera­gefahr ausgehoben.

* Marienwerder, 4. Sept. Die .Neuen Westpreutz. Mitteilungen" melden: Bei dem früher erkrankt ge­meldeten Schiffer in Treul ist Cholera amtlich festgestellt worden. Gestern ist in Grabowka eine aus Schulitz gekommene Schiffersfrau choleraverdächtig erkrankt und nachdem sie nach Kulm gebracht worden war, noch ge­storben. Es ist dies der erste, auf einem Kahn vorge­kommene Erkrankungsfall. Ju Mocker bei Thorn ist gestern abend ein 14jähriges Mädchen choleraverdächtig

Der Rede wurde keine Antwort. Der dunkele Blick blieb unverwandt.

„Was soll ich dem schönen Kapitän sagen? er schien fo betrübt, Dich nicht beim Frühstück zu sehen, darf ich ihm Deine Gesellschaft für's Früh­stück versprechen? Leg' dann aber etwas Rot auf, Liebe, Du gleichst einer wandelnden Leiche. Bei solcher Farbe möchte selbst Arlingfords Liebes­flamme erlöschen."

Keine Autwort. Die hohe Gestalt blieb re­gungslos, das Antlitz unbewegt, die Augen starr, die Lippen stumm.

„Willst Du mir sagen, Iva, woher Du die Schminke beziehst? zuweilen habe ich auch von Röten. Deine Schwiegermutter und Mrs. Glea- son behaupten, es sei Runkelrübensaft, der Kapi­tän und ich aber widersprachen. Wir wissen, daß alle Landmädchen rote Backen haben. Nicht wahr, wir hatten recht?"

Keine Antwort.

Friedas Gleichmut war durch das dauernde Schweigen etwas erschüttert.

„Jetzt muß ich aber gehen, teuerste Iva; darf ich Dein Kommen ankündigen?"

„Bist Du fertig?" fragten nun die blassen Lippen tonlos.

«Ja — ja; ich erwarte Deine Antwort."

Statt aller Antwort trat Iva zurück, schloß die Türe und schob den Riegel vor.

In stummer Wut stand Frieda draußen. Haß und Rachgier verzerrten ihre Züge, sie ballte die Faust gegen die Türe.

„Nun, tote geht'« Iva?" fragte Mrs. Wildair, als Frieda lächelnd wieder zur Gesellfchast trat.

„Nach ihrem Aussehen zu urteilen, nicht gut," entgegnete Frieda. „Wie sie sich fühlt, konnte ich nicht erfahren, sie ließ fich zu keiner Antwort herab."

Thilo, der fich eben mit Miß Harper unterhielt, errötete.

Wann kommen Sie zu unS, fragte die alte Dame weiter.

„Liebe Tante, ich weiß es nicht; Iva schloß die Türe vor mir."

Herr Wildair verfolgte sein Gespräch in solch hastiger Weise, daß die Dame verwundert die gro­ßen, schmachtenden Augen öffnete.

Es sollte eine Schlittenfahrt veranstaltet wer­den. Nach dem Frühstück eilten die Damen, sich umzukleiden und Thilo benützte die Gelegenheit, sich zu Iva zu begeben.

„Iva, ich befehle Dir, zu öffnen 1" rief Thilo, als auf wiederholtes Pochen keine Antwort er­folgte.

Die Türe ging auf; er sah das entstellte Ant­litz seiner Frau.

Zu gereizt aber, es zu beachten, trat er ein, schloß die Türe hinter sich zu und stellte fich Iva gegenüber mit einem Ausdruck, der ihr bisher fremd gewesen.

„Was soll dieses Benehmen gegen meine Ku­sine, Iva. Was soll dieser neue Schimpf gegen meine Familie?"

Wie von einer Schlange getroffen, wankte die junge Frau zurück.

„O sag' nicht, daß Du um ihr Kommen wuß­test", rief sie mit abwehrenden Händen.

„Natürlich wußte ich darum," antwortete er hart, und wenn sie großherzig genug war, Dein gestriges Betragen zu übersehen, so hätte sie Dei­nerseits anderes verdient, als sich die Türe ge­wiesen zu sehen."'

Jtm antwortete nicht, taumelnd sank sie aufs Sofa.

Er wußte also darum, wußte diesen letzten tätlichen Schimpf und hieß ihn gut. Das hatte noch gefehlt, den Becher bis an den Rand zu füllen. Ihr toar's, als müßte es brechen, das Herz da drin­nen, in seinem ungestümen Pochen.

„Und nun, da Dir's beliebt," fuhr ihr Gatte fort, „Deine insolente Weise beizubehalten, so höre mich. Du sollst meine Gäste, die Dir zu viel Ehre erweisen, indem sie unter Deinem Dache verweilen, r- ja, ich wiederhole es, zu viel Ehre, — nicht

32. Jahrgang

zu

Sie erhob die unendlich traurigen Augen ihm.

„Ja," hauchte sie.

„Wirst Du tun, was ich befohlen?"

erkrankt. Außerdem werden zwei choleraverdächttge Fälle auS der Jakobsvorstadt in Thorn gemeldet.

„Gut alsol Und fortan feine Szenen gemeiner Heftigkeit I Zügele Deine maßlose Leidenschaft, be­trage Dich anständig und nimm Dich tn acht!"

Mit diesen drohenden Worten verließ er sie.

Betäubt, sinnverwirrt, in grenzenloser Pein sank Iva aufs Lager. Andere hätten geweint, sie konnte nicht; der Schmerz brannte in ihre Seele, das Herz weinte blutige Tränen, das Ang« aber blieb trocken.

Endlich erhob sie fich und läutete.

„Susanna," sprach sie zur eintretenden Kam­merfrau, „kleide mich an; ich will die Gäste im Salon erwarten."

„Was wünschen gnädige Frau zu tragen?"

„Gleichviel was."

Dem eigenen Geschmack überlasten, kleidete Sn- fanna die Herrin in korinthroten Athas mft kost­baren Spitzen, wandte die prachtvollen Flechten schlicht um das schöne Haupt, legte blitzende Ru­binen um Nacken und Arme, und zauberte mit ge­übter Hand einen Hauch von zartem Rot auf du totbleichen Wangen.

„Wollen gnädige Frau sehen, ob es so recht ist?" Die Kammerfrau trat bescheiden zurück.

Iva erhob den Blick nach dem Spiegel, ein

Ausland.

* Das Ultimatum Frankreichs an Marokko läuft nach einer Reuter Meldung am 5. September ab. Außer den bereits bekannten Forderungen stellt Frankreich noch andere, darunter bie lieber» reichung einer Entschuldigung, sowie die Regelung bereits früher gestellter Forderungen. — In Tanger erschlugen in einem Streite am 2. d. M. zwei Araber einen französischen Juden. Die Bevölkerung ist erregt.

* Zur ungarischen Krisis veröffentlicht die ,Wiener Allg. Ztg." folgenden Ausspruch des Kaisers Franz Joseph: „Der Friede von Portsmouth wird hoffentlich nicht ohne Einfluß auf die ungarische Krise bleiben. Was zwischen Rußland und Japan möglich war, wird doch hier nicht unmöglich fein. Die ungarische Koalition kann sich an Japan ein Beispiel nehmen und sehen, daß eine der schönsten Eigen­schaften des Menschen Mäßigung heißt." — Predige einer den Anhängern Koffuth 8 Mäßigung!

* Die Bedingungen des russisch-japamscheu Friedensschluffes sind in Kürze folgende: Ruß­land erkennt den vorherrschenben Einfluß Japans in Korea an und überträgt alle ihm von China gewährten Rechte in der Mandschurei, wie die Verpachtung Port Arthurs und der Liautung- halbinsel, an Japan. Letzteres übernimmt auch die mit russischem Gelde und von Rußland ge­baute mandschurische Eisenbahn bis zu einem Punkt 240 Kilometer südlich von Chardin, so daß nicht nur die ganze Transversallinie Po- granitschnaja-Wladiwostok, sondern auch noch ein großer Teil der von Charbin nach Süden führenden Bahn Eigentum der Rusten bleibt. Allerdings verpflichten sich beide Teile, die Mandschurei zu räumen und diese China zurück- zugeben, allein es ist dabei zugleich ausgemacht, daß China den Japanern eine Summe zahlt, die dem Werte der von ihnen besetzten Bahn­strecke entspricht. Ob China auch für die übrigen in der Mandschurei liegenden Strecken der Bahn an Rußland eine Zahlung leisten muß, ist nicht klar. Möglicherweise behalten die Rusten die Bahn in derselben Weise in „Pacht", wie es vor der milttärischen Besetzung der ganzen Mandschurei durch russische Truppen der Fall war. Beide Teile erkennen ferner die „offene Tür" in der Mandschurei, d. h. die Freiheit des Handels und Verkehrs für alle Völker an. Die russische, der sibirischen Küstenprovinz vorge­lagerte Insel Sachalin wird geteilt und zwar fo, daß die nördliche Hälfte bei Rußland ver­bleibt, die südliche aber an Japan fällt. Durch diese Teilung verhindert Rußland, daß die Ja­paner sich direkt vor der Mündung des Amur festsetzen. Außerdem verpflichten sich beide Par­teien, keine Befestigungen auf der Insel zu er­richten, und Japan verspricht zugleich, auch an der zwischen der Südspitze von Sachalin und der nördlichen japanischen Insel Hokkaido ge­legenen La Perouse-Straße keine Festungswerke anzulegen. Die Japaner erhalten in den russischen Gewässern gewiffe Fischereirechte. Daß Rußland den Japanern die Kosten für die Unterhaltung der zahlreichen russischen Gefan­genen in Japan ersetzt, kann eigentlich nicht als eine besondere Bedingung des Friedensvertrages nicht länger geringschätzend behandeln. Da Du taub warst gegen meine Bitten, befehle ich nun. Wir fahren aus. In vier Stunden sind wir zu­rück. Sieh zu, daß ich Dich zur Tafel gekleidet im Salon treffe, wenn ich wieder komme. Versuche nicht, mir zu trotzen. Weg mit dieser Leichenbit­termiene und all den Grimmassen! Zeige Dich endlich als eine Frau, die ihre Stellung verficht und hüte Dich, mich ferner zu reizen; beim Him­mel, ich lasse nicht mit mir spielen. Hast Du mich verstanden?"