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JA 201.

KOaer W Zeitung

wschiilbeuage:„Illustrierte Somitagrzeitung" Monakbuiagr: „Zuldaer GeschichkblAter".

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Rotationsdruck u. Verlag der Zuldarr Ao tiendruckerei inMda. Zernfprecher Nr. 9.

Fulda, Montag, den 4. September 1905.

32. Jahrgangs

* Der entlarvte Katholikentag.

Die „Nationalzeitung" beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit den viel erörterten Aus­führungen des Abg. Dr. P i chl er tn der ge­legentlich des Straßburger Katholikentages ab­gehaltenen Versammlung des Augusftnus-Vererns über die Polftik des Bayerischen Zentrums Das nationalliberale Blatt sucht die Rrchtrgkeit der bei ihr zur «fixen Idee" gewordenen Behauptung zu beweisen, daß der Katholikentag einen poli­tischen Charakter im Sinne der üblichen Par­teitage trage, daß er mit einem Wort ein „Partei­tag des Zentrums" sei. Mit ihrer eigenen Frei­heit erlaubt sie sich dabei, von der „größten Un­verfrorenheit" der Zentrumspresse zu sprechen, welche „trotz der schlagendsten Beweise" das Gegen­teil behaupte, und meint, hoffentlich werde jetzt kein „anständiges" Zentrumsblatt mehr einen Widerspruch in dieser Richtung wagen.

Wir verzichten darauf, die „Nationalzei- tung" eines Besseren zu belehren. , Eine „fixe Idee" ist eben unausrottbar; auch die gedanken­losen Nachbeter des nationalliberalen Organs werden sich schwerlich darauf, besinnen, welches Armutszeugnis sie sich durch die Uebernahme der Beweisführung desselben ausstellen. Für Leute mit grobem Blick und gesundem, also auch objek­tivem Urteil muß die Unhaltbarkeit der Beweis­führung der „Nationalzeitung" ohne,weiteres ein­leuchtend Hn. Sie brauchen nur einen Blick in die Liste :r Veranstaltungen bei einem Katho­likentage oa tun, um sich darüber zu vergewissern, daß außer dem Augustinus-Verein noch so , und so viele andere Vereine, die sich mit irgend einem Zweige des katholischen Lebens in Deutschland befassen, gelegentlich der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands Versammlungen abzuhalten pflegen, weil — nun, weil sie daraüf rechnen können, gerade bei dieser Gelegenheit viele Mitglieder beisammen zu haben. Bisher ist es aber noch niemandem eingefallen, nach diesen Neben Veranstaltungen den Charakter der Ka­tholikentage zu prägen, die sich aus Ausschuß­sitzungen, öffentlichen und nichtöffentlichen Ver­sammlungen zusammensetzen. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß man, wenn man ein anderes Verfahren einschlägt, zu den absur­desten Schlußfolgerungen kommen inüßte. Mit dem gleichen Rechte, mit ivelchem inan einen Ka­tholikentag nach dem Augustinus-Verein charak­terisiert, könnte man einen nationalliberalen Par­teitag in Neustadt a. d. H., gelegentlich dessen die sich erfahrungsgeinäß zahlreich einfindenden pfälzischen Weinbauern eine Besprechung abhal­ten, einen „Weinbauer-Kongreß" nennen. Mit einer solchen Beweisführung ist also nichts zu machen, und eine verständige Presse sollte ruhig die „Nationalzeitung" und ihre Nachbeter ihrer „fixen Idee" überlassen.

Auch mit deni Versuch, die Ausführungen des Abg. Dr. Pichler als eine Entlarvung der Zentrumspolitik hinzustcllen, ivird die gegnerische Presse kein Glück haben. Die „Kreuzzeitung" bemerkt sehr richtig darüber: „An und für sich enthält die Rede kaum etwas neues, wedex in Hinsicht auf die Taktik des Zentrums noch auf das Materielle dieser Politik. Wenn sich die liberale Preste trotzdenr höchlichst überrascht stellt und sich gegenseitig die Meinung gruppierte, nun­mehr die geheimsten Pläne des Zentrums zu ken­nen, so stellt sie sich damit das denkbar schlechteste Zeugnis aus. Sie muß dann unfähig sein, in politicis etwas zu deuten und zu erkennen, eben­so auch andern Parteien nur ihre Tak '.k zu wer­ten." Tiescil Bemerkungen haben wir nichts hin- zuzufügei,.

Nach einer anderen Richtung hin ist aber noch ein Wort zu sagen. Wir haben in der gesamten

191

(Nachdruck Verb-'' n.)

Nach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.

imet als sie nehm. ,t Bei- tzer, er

Solche und ähnliche Reden hörte Thilo wieder. Achtete er ihrer auch nicht mehr, wert waren, so berührten sie ihn doch nnai Nach und nach wurden die Gelegenheiten ? sammensein häufiger, die Bemerkungen s,

sah heimliches Lächen auf den Lippen der Damen, offenbares Mitleid in den Zügen seiner Kousine — und ward unruhig. Er schämte sich, zu ge­stehen, ja selbst zu gestehen, daß er eifersüchtig war. Iva, die ehrliche, allzu offene, treuherzige Iva, die nie sich einer Unwahrheit, geschweige denn eines Treubruches schuldig gemacht. Un- gezahmt tn ihrer Aufwallung, unbedacht, leiden- schaftlich war sie, aber nicht verräterisch, nicht falsch. "id)t verderbt. Er hätte seine Seele ein- gefe' r ihre Unschuld, und doch — doch begann das ft langsam zu wirken und er beobachtete seine Fran, beobachtete sie mit argwöhnischem Blick

So tief sankst Du, Thilo, Du, Idas Abgott, den sie trotz aller Mißverständnisse ehrt, als Ideal jeder männlichen Tugend, dem sie vertraut haben mürbe, hätte Himmel und Erde Dich des Treu­bruches geziehen! Du zweifeltest an Deinem Weibe, das Du vernachlässigt, um auf ander« zu achten! '

„Du bist wirklich eine Hexe, Fritzi", rief Mrs. Wildair vergnügt, „bist eine Million wert, Mäd­chen! Dein Plan gelingt! Ich hielt eS für un­möglich, Thilo eifersüchtig zu machen, fürchtete eher, er würde uns durchschauen, aber eS ist ge­lungen, er ist eifersüchtig wie ein Türk« und st« »hnt nichts."

Fritzi lachte ihr böses Lachen.

„Armer Thilo, wird ihm schlecht genug gehen,

liberalen Presse noch nicht ein Wort deS Tadels über den groben Vertrauens­bruch gefunden, den der Berichterstatter der „Münch. Neuest. Nachr." und dieses Blatt selbst, das die in der betreffenden Versammlung deS Augustinus-Vereins als „vertraulich bezeichneten Ausführungen des Abg. Dr. Pichler beröffent- ichte, verübt haben. Der Versuch einer Ent- chuldigung des Berichterstatters ist mißglückt. Inter diesen Umständen hätte wohl jedes „an- tändige" Blatt, mochte es nun die Mitteilungen n diesem oder jenem Sinne verwerten, Anlaß, ich von dem Ursprünge der Indiskretionen los­zusagen. Der liberalen Presse fällt das aber nicht im entferntesten ein. Die „Münch. Neuest. Nachr." müssen sich von der „Augsb. Postzeitung" nachsagen lassen, daß sie mit ihrem jetzigen Ver- fahren nur ihren „alten Traditionen" tn der Be­handlung gestohlener und gefundener Aktenstücke und Brtefe folge. Wie die übrigen liberalen Blätter über solche „Traditionen" denken, wissen wir nicht. Sie dürfen sich aber nicht verfehlen, daß sie sich durch ihr Verhalten bis zu einem ge­wissen Grade zu Mitschuldigen des Mün­chener Organs machen.

Deutsches Reich.

Berlin, den 2. September 1905.

* Die ,Wartburg' muß natürlich auch ihre Glossen zum Straßburger Katholiken­tage machen. Wie sie aussehen, werden die Leser schon selbst erraten. Es sind natürlich die Protestanten schwer gekränkt worden. Daß die Martburg' trotz aller Richtigstellungen erzählen würde, der Rechtsanwalt Stieve habe sich aus der Versammlung in heftigen Angriffen gegen den Protestantismus ergangen und gefordert, der Kaiser müsse katholisch werden, und ter Papst die Leitung der Reichsgeschäfte übernehmen, ver­stand sich bei der Wahrheitsliebe des Blattes von selbst. Daß ihm die Versammlung immerhin imponiert hat, verrät es durch die Besorgnis, daß es nicht an Protestanten fehlen werde, die sich an den „geschickten und schönen Reden" in bedenklicher Weise begeistern könnten.

* Einem gestern veröffentlichten kurzen Nach­ruf für denverstorbenenUnterstaatssekretär Dr. Lohmann fügt heute der ,Reichs- und Staatsanzeiger' längere Darlegungen über den Lebensgang des Verblichenen hinzu, in welchen besonders feine Verdienste um die Sozial­politik hervorgehobe,n werden. Es heißt in dem

ttnterstaatsseretäv Lohmann ch.

Nachrufe: „Die Entwicklung und den Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung hat Exzellenz Lohmann von jeher als seine Lebensaufgabe be­trachtet, und kaum einer hat größeren Anteil daran gehabt, als er. Wohl sind nicht alle seine Pläne verwirklicht worden, aber seine Arbeiten bildeten überall eine wertvolle und sichere Unterlage für den Bau der deutschen Sozialpolitik. Die Krankenversicherung ist vor­nehmlich sein Werk, die ersten Entwürfe zum Unfallversicherungsgesetze rühren von ihm her, an der Arveiterschutzgesetzung war er maßgebend beteiligt, und er ist der Organisator des preußischen Gewerbeaufsichtsdienstes. Umfassende wissenschaftliche Bildung, hervorragende geschäft­liche Befähigung und vielseitige Erfahrungen auf industrieellem und wirtschaftlichem Gebiete befähigten ihn, diesen wichttgen und schwierigen Aufgaben gerecht zu werden. Aus einem arbeits­vollen, aber reich gesegneten Leben wurde er ab­berufen als Vorbild eines mit seltenen Gaben des Geistes und des Hebens ausgestatteten, her­vorragend pflichttreuen Dieners seines Königs und Vaterlandes, als wohlwollend-r und ge­rechter Vorgesetzter, wird er in der Erinnerung all derer, die ihn gekannt haben, fortleben!

* Zum englischen Flottenbesuch wird den Scherlblättern aus Danzig über einen Telegramm­wechsel zwischen Admiral Wilson und Kaiser Wilhelm berichtet. Admiral Sir Artur Wilson telegraphierte an den Kaiser: „Möge es mir gestattet sein. Eurer Majestät als Flotten-Admiral der britischen Marine das große Vergnügen auszusprechen, welches meine Offiziere durch das Zusammentreffen mit ihren Kameraden von Eurer Majestät Flotte empfunden haben." Der Kaiser erwiderte: „Es ist mir eine große Freude zu erfahren, daß Sie es als Freude empfanden, Ihren Kameraden der deutschen Flotte zu begegnen. Wilhelm II., Admiral of the fleet.“ — Das offiziöse „Wölfische Bureau" hat bisher über den Telegrammaustausch nichts gebracht, obwohl es sonst gewissenhaft, wie die Offiziösen nun mal sind, auch die kleinsten Einzelheiten von dem Flottenbesuch meldet, so z. B. vom Freitag abend aus Danzig, daß die englische Flotte Hebungen mit Scheinwerfern vornahm, und daß der Sonnabend-Vormittag mit Uebermittlung von Proviant und Lebensrnitteln ausgefüllt wurde. Wie es jetzt heißt, wird die englische Kanalflotte bis zum 5. September vor Danzig verweilen.

.-. Der »Reichs- und Staatsanzeiger' ver­öffentlicht folgende Warnung: „Vor einiger Zeit ist an dieser Stelle auf das schwindelhafte Treiben einer Reihe von Bankgeschäften in Amsterdam, die sich mit dem Verkaufe von Serienlosen befassen, aufmerksam gemacht worden. Zu diesen Geschäften gehört, wie uns von unter­richteter Seite mitgeteilt wird, in erster Linie auch die „Prämien - Effektenbank" in Amsterdam, die in der früheren Warnung unerwähnt geblieben war. Es kann nur wieder­holt auf das dringendste davor gewarnt werden, mit derartigen Banken in irgendwelche Geschäfts­verbindung zu treten."

§ Die Morddeutsche Allgemeine Ztg/ schreibt: In den an russischen Werten intessier- ten deutschen Kapitalistenkreisen scheint hier und dort eine vor kurzem erschienene Schrift über die Zukunft „Rußlands und Japans" einige Beun­ruhigung hervorgerufen zu haben. In anbe­tracht des Inhalts dieser Schrift ist eine solche

denn Eifersucht bringt viel Herzeleid unb Frau Iba läuft ins Garn, wie ein junges Kaninchen."

„Sahst Du, wie Thilo zusammenzuckte, als er die beiden ein Album zusammen betrachten sah? Und sie sah doch aus wie ein Engel, Hal ha! ha!"

Ibas Horizont überzog sich rasch und noch ahnte sie die Wolke nicht, die ihr Glück umnach- ten sollte!

Seit ihrer Rückkehr hatte sie Miß Jerusha nur einmal gesehen; sie bermochte nicht zu heucheln und wollte der alten Freundin doch ihren Gemüts- zustand nicht betraten.

Jerusha aber wurde unruhig und beschloß, Iba zu besuchen.

Betrachte also, geneigter Leser, wie Miß Je­rusha Gloria Anna Skamp im bewußten Ging- hamkleid, — Seide an einem Werktag zu tragen, war undenkbar, — einen fadenscheinigen Shawl und rosa baumwollenen Kapothut bor der Türe bon Richmond Hall steht und pocht.

Es war nachmittags, die Damen-kleideten sich an zur Tafel. Das berichtete auch der junge Be­diente mit biel Rücksicht und Bedauern, denn bi« erste Begegnung mit Miß Jerusha war ihm un- bergeßlich geblieben.

„Macht das einem andern weiß", rief die alte Jungfer entrüstet, „'s ist gleich hier Uhr. Meldet Eurer Herrin, baß ich ba fei."

Der Bediente schien unentschlossen, die Tisch­glocke mochte jeden Moment läuten und seine Ge­bieterin befand sich in ihren Gemächern.

Während er überlegte, wurde das Rauschen einer Seidenrobe hörbar und die ältere MrS. Wildair stand mit einem Blicke unerhörter Ver­wunderung und niederbohrenden Hochmuts vor der Besucherin. Sie wußte sehr wohl, wer Miß Jerusha war, die herrliche Gelegenhett aber, Iba zu kränken, durfte nicht borüber gehen.

„Was soll das?" fragte sie und trat einen Schritt zurück, „toaS will die Person? Wie kannst Du Bettelleute in« HauS laffen, Wilson?"

„Sie — sie ist feine Bettlerin, gnädig« Frau",

entgegnete der Lakai mit einem bangen Blick auf Miß Jerusha.

„Leute ihres Schlages gehören in die Küche, weise doch die Person dort hm, wenn sie im Hause zu tun hat."

Bisher war Miß Jerusha gestanden wie ber- fteinert. Sie, Jerusha Gloria Anna Skamp, für eine Bettlerin gehalten zu werden!

Erst fürchtete sie der Sprache nicht mehr mäch­tig zu fein, dann aber brach es in Strömen bon ihren Lippen.

„Was, Du gelber Perrückenstock, Du alte un- berfdjämte Person, mich nennst Du eine Bettlerin und ich soll mir das gefallen lassen? —"

„Jag sie fort, Wilson, jag sie fort, sie ist toll!" rief Mrs., Wildair zornig, wirf sie hinaus, wenn sie nicht geht."

Der Lärm hatte mehrere Gäste herbeigebracht, die neugierig und mit geheimem Vergnügen der Szene zusahen.

„Mich hinausjagen! mich hinauswerfen I" eiferte Jerusha, die geballte Faust auf der Hüfte und Dolche im Blick.

„Verstehst Du, Wilson, ich befehle", sprach Mrs. Wildair und stampfte mit dem Fuß.

„Daß er es nicht wage", rief hinter ihr eine drohende Stimme unb Iba drängte sich durch, borüber an Mrs. Wildair und stand ttotzig und hochaufgerichtet neben ihrer Pflegemutter, „mit welchem Rechte", wandte sie sich an die alte Dame, „befehlen Sie, daß man sie ausweise?"

„In der Tat, mir gegenüber eine seltsam« Frage. UebrigenS wußte ich nicht, daß Leute ihrer Art im Hause meines Sohnes berkehrten."

„So erfahren Sie eS nun", entgegnete Iba scharf, „so lange ich hier weile, soll diesesHau- ihr offen stehen, wann und so ost sie wünscht. Vielleicht wissen Sie nicht, wer st« fit?

„Wahrscheinlich eine Verwandte", höhnte Mrs. Wildair, „so steht sie aus."

„Mutter, Iva! um Gotteswillen, waS geht hier vor?" rief Thilo, rasch näher tretend.

„Deine Hrmr hat mich Mr».

Beunruhigung nur dadurch erklärlich, daß der Verfasser Dr. Rudolf Martin, Reg.-Rat im Kaiser!. Statt Amt ist und sich als solcher auf )em Titelblatt bezeichnet. Gegenüber den Schluß- olgerungen, die daraus gezogen worden sind, ei hiermit ausdrücklich festgestellt, daß Herr Martin seine Arbeit ohne jedes Vorwissen seiner vorgesetzten Behörde und der Re­gierung geschrieben und veröffentlicht hat. Es ist selbstverständlich, daß die Regierung dem Buche, das auf gründ haltloser Voraus­setzungen zu abenteuerlichen Prophezeiungen über das Schicksal Rußlands in den nächsten Jahrzehnten kommt, gänzlich fern steht." — In der gleichen Angelegenheit lesen wir in der ,Postt: „Wenn neuerdings der Versuch gemacht worden ist, dem Werke den Anschein einer ge­wissen Billigung in den Kreisen deutscher Be­amtenschaft dadurch zu verleihen, daß in die Publikationsorgane der außeramtlichen deutschen Beamtenvereinigungen Inserate über das Werk Aufnahme gefunden haben, so sind wir in der Lage, mitzuteilen, daß die berufenen Vertreter jener Beamtenvereinigungen Anlaß genommen haben, sich ihrem Vertreter gegenüber nachdrück­lich gegen ein solches Vorgehen zu verwahren mit der Motivierung, daß sie — ohne zu den in dem Martinschen Werke erörterten Fragen ma- teriell irgendwie Stellung nehmen zu wollen — jedenfalls von einer so phantastischen und unbe­sonnenen Behandlung derartig schwerwiegende, wirtschaftlicher Probleme weit abrücken müssen."

** lieber den Stand der Cholera in Deutsch- landteiltder,Reichs- und Staatsanzeiger' folgendes mit: „Bis zum 2. September mittags sind in Preußen insgesamt 43 Erkrankungen und 17 Todesfälle an Cholera gemeldet worden, zwei davon in Paaris und Warniheim, Kreis Rasten­burg in Ostpreußen. Zu den im Stromgebiet der Weichsel, Brahe, des Bromberger Kanals und der Netze errichteten 16 Heberwach^ngsstellen find hinzugekommen je eine in Filchw und Zantsch a. d. Netze, in Landsberg a. d. Warthe, ir Küstrin und Glichen a. d. Oder, in Oderberg am Fincerkanal, sowie Köpenick a. d. Spree. Bei den Ueberwachungsstellen sind bis jetzt 8 Sanitätsoffiziere, 2 Marinesanitätsoffiziere und 12 Kreisassistenzärzte, im übrigen praktische Aerzte tätig.

* Neber die Lage in Deutsch-Ostafrika hat der Kommandant des zur Unterstützung der Schutztruppe dorthin entsandtenKreuzers „Bussard" unter dem 30. August aus Kilwa gemeldet: „Im Bezirk Lin di ist der Aufstand begrenzt durch den Mbeni-Kuru, das Plateau Muera, die Lukuledi-Mündung und die Küste. Die Auf- rührer sind in größeren Trupps über das Ge­biet zerstreut. Oberleutnant zur See, Altvater, ein Deckoffizier und 12 Mann nebst drei schwarzen Soldaten machten einen Vorstoß von Mischinga ab. Kapitänleutnant Nobis, zwei Deckoffiziere und 15 Mann nebst zwei schwarzen Soldaten schützen Mroweka und Umgebung. Ein Marinestabsarzt, ein Deckofsizier und 12 Mann machten von hier ab einen Vorstoß. Polizei­truppen gehen die Telegraphenleitung entlang. Detachements der Schutztruppen operieren nörd­lich des Lutamba. Araber unterstützen die Truppen und stellen Hilfstruppen. Das De­tachement von Kilwa Kiwinje unterstützt das Vorgehen der Schutztruppe. Der Gesundheits­zustand der Truppe ist vorzüglich. Die Depesche

Wildair in höchstem Zorn, „so hat noch niemand mit mir gesprochen."

„Fasse Dich, Mutter", bat Thilo halbflüsternd, „und Du, Iva, geh auf Dein Zimmer, wenn Du mich lieb hast. Bitte, Miß Jerusha, beruhigen Sie sich."

Tante Jerry legte den Arm um Iva und zog sie fort.

„Dieser kleine Austritt bedarf der Erklärung", sprach Thilo, nachdem sie verschwunden waren, mit erzwungenem Lächeln zu den Gästen. „Die seltsam gekleidete Frau, die meine Mutter für eine der Personen hielt, die hier Almosen be­kommen, war meiner Frau in den Tagen ihrer Kindheit eine Art Schutzgeist. Sie werden nun verstehen, weshalb sie so eifrig gegen den Wunsch meiner Mutter auftrat. Ah, die Tischglocke 1 Lassen wir uns den Appetit nicht verderben, liebe Freunde." _ „ ,

Mit leichter Verbeugung bot er Mrs. Gleason den Arm und geleitete die Gäste nach dem Speisesaal.

„Bitte, Mutter, fei so freundlich, heute den Vorsitz zu führen.", t o _

Mit steifem Neigen des Hauptes willigte st­ein und Thilo Beauftragte den Diener, der gnä­digen Frau wissen zu lasten, daß sie sich nicht zu bemühen brauche, falls s.e lieber allein bliebe.

„Laß mich gehen, lieber Vetter", flötete Friedas Silberstimme, „Iva möchte sich beleidigt fühlen, Deine Botschaft durch einen Diener zu erhalten."

„Wie lieb und gut Du bist, Frieda!" rief Thilo mit aufrichtiger Rührung, „das verdient sie wahrlich nicht um Dich!"

Mit sanftem Lächeln glitt Frieda hinweg und begab sich, ohne lange zu pochen, in das Zimmer, tn das Iva sich zurückgezogen.

Auf dem Sofa saß Miß Jerusha, vor ihr kniete Iva, das Angesicht in ihrem Schoße ver- borgen. Die ganze Haltung war so grenzenlos elend und gebrochen, daß sich das Schluchzen be­greifen liefe, womit Tante Jerrv ihr« Trostwort« unterbrach.