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Retatienzdruck * Verlag der Zxldaer Re» tttndrucktrei in Znida. Zerusprecher Nr. 9.

JA 200..

Fulda, Samstag, den 2. September 1905.

32. Jahrgangs

Zweites Mtatt.

rvochen-Runbschau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 2. September 1905.

Die Uebersicht über die politischen Ereignisse der letztvergangenen Woche kann mit dem freu­digen Hinweis auf ein Ereignis beginnen, das für alle Welt und auch für uns die Beseitigung eines die politische und wirtschaftliche Weltlage ungemein störenden Druckes bedeutet: Der Friede zwischen Rußland und Ja» pan ist gesichert. Während in den letzten Wochen die Aussichten für den Frieden zum mindesten als sehr gering betrachtet werden mußten, und in den letzten Tagen sogar eine geradezu pessimistische Auffassung in der Friedensfrage mehr und mehr um sich griff, hat so zu sagen im entscheidenden Augenblick Japan durch seine Nachgiebigkeit das Zustandekommen des Friedenswerkes ermöglicht. Am Dienstag ist in Portsmouth eine Einigung über alle noch strittigen Punkte erfolgt und es bedarf nur noch der endgiltigen Formulierungen der Vereinbarungen, um den Frieden perfekt werden zu lasten. Die beiderseitigen Delegierten haben bereits einen formellen Waffenstillstand in Anregung gebracht, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Herrscher der beiden bisher im Kampfe befindlichen Mächte dieser Anregung so­fort Folge geben werden. Damit hat der grausige Krieg um die Vorherrschaft in Ostasien, der so viele Tausende von Menschenleben zum Opfer forderte, sein Ende gefunden. Die politischen und militärischen Erfolge Japans in diesem Krie­ge sind über alles Erwarten groß und sichern die­sem Inselstaats wohl auf viele Jahrzehnte hinaus in Ostasien ein Prestige und einen Einfluß, dem sich nichts an die Seite stellen läßt. Daß Japan in letzter Stunde sich großmütig zeigte und in einzelnen Fragen, vor allem in der Frage der Kriegsentschädigung nachgab, sichert ihm die Ach­tung aller zivilisierten Mächte in noch höherem Maße, als es die Waffenerfolge bisher zu tun vermachtem Es ist jetzt kaum schon an der Zeit, Vermutungen anzustellen über die fernere Gestal­tung der Dinge in Ostasien. Vorerst überwiegt der unmittelbare Eindruck des Friedensschlusses. Es bedarf nicht vieler Worte, um die Bedeutung desselben für die Weltpolitik hervorzuheben. Mchr als einmal hat im Verlaufe des anderthalb Jahre währenden Krieges die Gefahr weiterer Bertmcklungen gedroht, die unabsehbare Folgen nach sich gezogen haben würden. Nur dem auf­richtigen Bestreben der sämtlichen Großmächte, den Kriegsbrand nicht weiter um sich greifen zu lasten, ist es zu danken, daß der Streit zwischen Rußland und Japan nicht andere Nationen in direkte Mitleidenschaft gezogen hat. Die wirt­schaftlichen Störungen, die der Krieg im Gefolge hatte, waren nicht zu vermeiden. Für die beiden gegnerischen Staaten hat der Krieg Wunden ge­bracht, die lange nicht heilen werden. Mit auf­richtigem Danke wird man überall den Be­mühungen des Präsidenten Roosevelt gedenken, ohne die schwerlich die Verhandlungen in Ports­mouth den günstigen Erfolg gehabt hätten.

Im Bereiche der inneren Politik in Deutsch­land brachte die vergangene Woche wenig Be­langreiches. Zu erwähnen wäre die Land­tagsersatzwahl in Oppeln, die mit dem Siege des Zentrumskandidaten Pfarrer Abrams- ki geendet hat. Dieser Wahlsieg ist von der katho­lischen Presse mit Recht als ein erfreulicher Er­folg des Einheits- und Zusammengehörigkeits­gedankens bezeichnet worden, der sowohl die fa-

Dem Sollte enifti

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Rach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming «Zählt von Lina v. Berlepsch.

17] (Nachdruck verboten.)

Die dunkelen Augen blickten so flehend, daß Emmy die Freundin küssen mußte, ehe sie ant­wortete.

„Verzeihe, liebe Iva, aber ich kann nicht; ich wäre unter all den Fremden so unglücklich, wie ein Fisch außer Wasser. Wir können uns ja tref­fen, wenn die Gäste nicht dabei sind; sie verstehen unS doch nicht. Nun aber ist's Zeit, daß ich gehe, Onkel Murray kommt zum Tee."

.. Sie war fort; mit einem letzten strahlenden Lächeln entschlüpfte die schlanke, elsenhafte Gestalt. Es war der stolzen Herrin des Hauses, als hätte sie alle Wärme, alles Licht mitgenommen. Unge­duldig erhob sie sich und trat ans Fenster.

„Sie meidet die Fremden", sprach sie zu sich, „und wie ge-me täte auch ich's! Sie ist nicht da­zu gezwungen, ich aber bin's. Wenn nur ein Liunke aufrichtiger Zuneigung zwischen uns wäre, saber sie kommen ja doch nur, um Thilo's dem Volke entstammte Frau zu bekritteln, sich über deren gesellscyaftllche Mißgriffe lustig zu machen. Thilo sagt, ich sei empfindlich; warum aber lud er sie ein, vor allem diese Frieda, die mir verhaßte, glatte, silberzüngige Schlange! Vom ersten Augenblick an hatte ich Widerwillen gegen ihr falsches Lächeln, ihr schleichendes Wesen, und nun

ich in ihrer Nähe leben, ihren Hohn und Spott ertragen. Mit Thilo's Mutter wollt ich schon ans- fommen, ihre unverhohlene Geringschätzung, ihr ■h rIlren.i>cr Stolz sind doch offen und ehrlich, die nAk ’^e Frieda aber, die ich noch mehr ver-

stls haste, ist mir entsetzlich. Und wenn pt fis ^kte, wie unausstehlich sie mir ist, hätte hnftpa «L.fdcht eingeladen, damit ich solch sünd-

Gelubl überwinde, und ich müßte doppelt

tholischen deutschen wie die polnischen Wahlmän­ner des Wahlkreises bewegte, und als eine schwere Niederlage aller separatistischen Tendenzen, welche unter der Maske der Zugehörigkeit zum Zentrum dieses vor den verfahrenen Karren der Antipolen- politik spannen wollten.

Der Katholikentag in Straßburg hat in seinem weiteren Verlaufe gehalten, was der Anfang versprach. Selbst die Gegner müssen zugestehen, daß er eine imposante und bedeu­tungsvolle Kundgebung der deutschen Katholiken war, eine Kundgebung, der auf akatholischer Seite nichts gleichwertiges gegenüber gestellt werden kann. Mit Recht wird der Straßburger Katho­likentag von der „Kreuzzeitg." auch als eine über­aus bedeutsame national-patriotische Kundgebung bezeichnet. Wir hoffen, daß diese Anschauung bei unfern Gegnern so allgemein ist, daß endlich die versteckten und offenen Angriffe auf die nationale Gesinnung der deutschen Katholiken aufhören. Jetzt gilt es, die vielen und tiefen Anregungen, welche die Straßburger Tage gegeben haben, weiter zu verfolgen und zu verwerten zum Besten des katholischen Bewußtseins und des katholischen Lebens in Deutschland.

Auf kolonialpolitischem Gebiete sind auch dies­mal, abgesehen von einigen Teil-Erfolgen der deutschen Waffen gegenüber aufrührerischen Ein­geborenen, wenig erfreuliche Nachrichten zu mel­den. Der Aufstand inDeuts ch-O stafrikahat im Süden weiter um sich gegriffen, und auch im Norden scheinen die Eingeborenen sich anzuschicken, gegen die deutsche Herrschaft zu rebellieren. In Deutsch-Südwestafrika läßt der große Schlag, den General von Trotha gegen Hendrik Witboi und seine Hottentotten vorbereitet hat, noch auf sich warten.

Der Besuch der englischen Flotte in der Ostsee ist nunmehr zur Tatsache ge­worden. Ein starkes englisches Geschwader ankert vor Swinemünde. Der Kaiser hatte eine Be­grüßung desselben durch die deutsche Schlacht­flotte angeordnet. Auf einem Festessen, das die Stadt Swinemünde den englischen Gästen gab, hat der englische Admiral Wilson ein Hurrah auf die deutsche Flotte ausgebracht und für den ge­währten freundlichen Empfang gedankt. Dabei hat er dann gesprochen, daß der Verkehr zwischen den Angehörigen der beiden Marinen wie kein anderes Mittel geeignet sei, die Beziehungen zwi­schen den beiden großen Nationen zu fördern. Das offiziöse Wolsf'sche Telearapbenbureau aber hat den Admiral von dem „besien Einvernehmen" zwischen Deutschland und England sprechen ft^en. Man darf begierig fein zu erkabren, welche Les­art zutrifft. Der Kaiser hat mit seiner Gemahlin dem Stapellauf eines neuen großen Schnelldam­pfers in Stettin beigewobnt, ohne von der An­wesenheit der englischen Flotte in Swinemünde Notiz zu nehmen. Selbstverständlich bat her Flottenbesuch zahlreiche Binnenländer an die Ost­see gelockt. Der Flottenverein hat leider geglaubt, die Gelegenheit zu einer Reklame für sich benutzen zu mästen und dabei ist es wieder einmal zu Kundgebungen für „uferlose Flottenpläne" ge­kommen.

Die Krisis in Ungarn siebt trotz Kronrat und trotz der Bemühungen des Barons v. Banffy auf dem alten Fleck. Es heißt jetzt, daß Baron Fejerdary in diesen Tagen wieder nach Ischl reisen wird, um dort die entscheidende Zustimmung des Kaisers zu seinen Reform planen, unter welchen die Einführung des allgemeinen Wahlrechts an her Spitze siebt, zu erbitten. Die Reaierung scheint entschlossen zu sein, die betreffende Vorlage dem Parlament sofort nach seinem Wiederzulam- mentritt am 15. September vormleaen und dann eventuell zu Neuwahlen zu schreiten.

freundlich sein. Deshalb soll er davon nichts er­fahren. Er hat sie lieb und glaubt an kms falsche, heuchlerische Wesen, ich ober durchschaue die Schlange, und sie weiß es und haßt mich, wie ich sie hasse, nur vermag sie's zu verbergen. Das beiße ich aus dem Traume erwachen", fuhr Iva fort und schritt hastig im Zimmer auf und nieder, „ach, ich war zu glücklich seit unserer Rückkehr, und nun ist's vorbei! Warum aber ladet Tbila all diese Leute ein? Ach, sie sind seine Freunde, sind ihm, was mir Emmy ist. Liebe, gute, hemme Emmy, welches ist das Geheimnis Deines inneren Glückes? wie verschieden war sie von mir von jeher. Woran lieat das? wäre es die R-lliaion, auf die sie so viel hält, die ihr diesen Frieden gewährt? Gibt es einen Himmel?"

Mit düsterem Blicke schaute Iva hinaus ins Weite.

„Unser bestes Glück bienieden ist so flüchtig, so fieberhaft", fuhr sie fort, der Kamvf so lang, so ermüdend. Was war ich glücklich vor zwei kurzen Monden und nun . . . o wie trügerisch ist der Glanz dieser Welt!"

Vierzehntes Kavitel.

Der Traum erfüllt s i ch.

Richmond Hall war voll von Gästen, alle Zim­mer waren bewohnt, wie Musik klang das heitere Lachen, die melodischen Stimmen durch die Räu­me, geschäftig eilte die Dienerschaft Treppe auf und ab.

Iva war nie schöner gewesen, als an dem Tage, da sie ihre Gäste bewillkommte.

Nachdem die Zeremonie vorüber und Jedes sich zur Tafel umkleidete, trat Thilo mit frohem Lächeln zu seiner jungen Frau und beglückwünschte sie, daß sie in solch reizender Weise die Honneurs des Hauses gemacht. Iva war glücklich darüber und beschloß des Gatten Zufriedenheit immer mehr zu verdienen, zu lernen, wie man sich ver­stelle, um gegen alle, selbst gegen Frieda, zuvor­kommend und gefällig zu sein.

Zwischen Frankreich und Marokko ist es zu neuen Streitfällen gekommen, die Frank- reich zu scharfen Anforderungen an den Sultan Anlaß gegeben haben. Ter Sultan von Marokko scheint aber nicht gewillt zu sein, darauf ein­gehen.

In Rußland ist es zwar wieder zu einigen Zusammenstößen zwischen dem Militär und her Zivilbevölkerung gekommen, doch scheinen die inneren Unruhen jetzt nachzulassen.

Unpolitische Zeitkäufe.

O Berlin, 30. August 1905.

; (Nachdruck verboten.)

Was hilft mir die Sonnenfinsternis, wenn ich sie nicht zu sehen kriege? Meinetwegen braucht sich her dunkle Mond gar nicht vor die Sonnenscheibe zu schieben; denn hierzulande war Mutter Sonne schon den ganzen Tag in dichte Wolkenschleier gehüllt. Ich nehme aber ohne weiteres an, daß die Finsternis sich programm­mäßig vollzogen hat. Unsere Sterngucker rech- nen sehr genau, und die Gestirne am Himmel sind noch pünktlicher, tote die Könige auf Erden. Der liebe Gott bat bei der Schöpfung einen Fahr­plan für die Planeten und Monde aufgestellt, der für Sommer und Winter gilt und mit diel größerer Treue eingehalten wird, als der Eisen­bahnfahrplan des Herrn v. Budde.

Automobile haben wir im Uebersluß; aber mit der Luftschifsohrt hapert es noch. Das ist schade; denn der Luftballon allein vermag uns von den neidischen Wolken unabhängig zu macken. An den Straßenecken müßte angeschlagen stehen: „Zur bevorstehenden Sonnenfinsternis halte mei­nen Luftomnibns bestens empfohlen. Aufstieg an dem und dem Tor um so und so viel Uhr. Es wird garantiert, daß der Ballon bis über die Wolken steigt und die Passagiere den freien Aus­blick auf das ganze Himmelsgewölbe haben. Pelze und Wärmflaschen dürfen mitgenommen werden; Alkohol verbeten. Wasserfeste Ansichtspostkarten sind oben zu haben und können durch Fallenlasien expediert werden. Fahrpreis pro Perfon 10 Mk., Kinder die Hälfte. Unfall- und Lebensversiche­rungen können vorher unter kulanten Bedin­gungen abgeschlossen werden bei der Gesellsckaft „Windbeutel"; Agentur am Abfahrtsvlatze. Die Lustomnibus-Genossenschaft m. b. H."

Soweit sind wir noch lange nickt, und bei dieser Rückständigkeit her menschlichen Kultur können uns die Regenwolken nickt bloß hie Kar­toffeln, sondern auch die himmlischen Schauspiele verderben.

Uebrigens haben wir Deutsche diesmal nicht allzuviel verloren, denn unserem Vaterlande sollte keine vollständige Verfinsterung, sondern nur die Bedeckung von sieben Zehntel der Sonne beschie- den fein. (Alles geht nach dem DeZimalsvstem, auch hie Finsternisse her Gestirne). Tie übrig bleibenden drei Zehntel der leuchtenden Scheibe reichen noch ans für den irdischen Tagesgebrauch. Darum habe ick auch nickt bemerkt, daß es beute während her Finsternis finsterer gewesen wäre, als vorher und nachher. Tie totale Sonnen­finsternis, welche diesmal den Spaniern und Nordamerikanern beschieden war, ist allerdings ein ergreifendes Schauspiel, da alsdann mitten in den helllichten Tag ein Stück Nackt verpflanzt wird und der Me sch einige Augenblicke hierdurch den Vorgeschmack vom Untergänge der Welt be­kommt. Es ist fetzt beinahe zwanzig Jahre her, als wir stier zu Lande eine vollständiae Verfinste­rung erlebten. Leider wurde der Eindruck da­durch abgeschmackt, daß das zeitweilige Erlöschen des Himmelslichtes knapp nach Sonnenaufgang eintrat, als man noch garnicht reckt an den Tag

Der große Soeisesaal flutete von Licht, die Tafel blitzte von Krvstall und Silber, und um sie reihten sich die Gäste. Oberst Gleason, ein ge­bietend aussehender Mann mit seiner Gemahlin, einer steifen, kühl freundlichen T"me, Miß Reid, eine schweigsame, schmachtende Scköne, die unwill­kürlich an eine wächserne Lilie erinnerte, Mrs. Harver, eine heitere, blühende Witwe mit *mci T achtern, hübschen Modepüppchen, und Herr Le­ster, der etwas stotterte und die Sprocke nur müh­sam beherrschte. .Außer ihm bcüond sich noch Leutnant Gleason ha, des Oberst's ältester Sohn, merkwürdig ob seines martialischen Schnurrbar­tes und Heimst st P'fcafon, ein achtzehnjähriger Jüngling, der or'c Welt durch fein Monokle an- ftierte und die Meinung äußerte: „es hätte feit Noahs Zeiten kein solch famoses, altes Nest ge­geben, wie Rickmond Hall, auf Ehre!" Außer diesen war Miß Arlingsord erschienen, ein hüb­sches, bleickes, dnnkeles, ansprechendes Mädcken, und deren Bruder, Kapitän Arlingford, ein bild­schöner Seemann, ehrlich, offen und mutig, wie ein Seemann eben ist. Schließlich Herr Richard Curtis, der bei Thilos Hochzeit bereits erfckienen und sich nun anaeleaentlich nach unserer kleinen Freundin und Emilie Murray erkundigte, die seiner Ansicht nach ein im Erdental wandelnder Engel war.

„Möchf sie wohl kennen", flüsterte Herr Lester, „Ba—Barnfeld hat das Privilegium, wie es sch— scheint, himmlische Mä—Mädchen z» erziehen."

Ein vielsagender Blick, den er für unwider­stehlich hielt, traf die junge Hausfrau, hie sich eines Lächelns kaum erwehren konnte, als sie Kapitän Arlingfords vergnügtes Gesicht sah.

„War gewiß eine kleine reizende Gestalt, die wir in her Allee, im Vorüberfahren, sahen, famo­ses Kind! wert, daß ein Kerl für sie durch's Feuer liefe, ein Blitzmädel, auf Ehre!"

.Heinrich," bemerkte Frau Oberst Gleason ver­drießlich, „was hast Du doch für unelegante Rede­weise --"

gewöhnt war und deshalb bett Rückfall in die Nacht noch nicht so schauerlich fand. Ich wohnte damals noch in Berlin und mußte mit den neu­gierigen Volksmassen nach dem Tempelhofer Felde wandern, um einen freien Ausblick auf den Ho­rizont zu haben. Dieses Berliner Publikum, das teils wenig, teils gar nicht geschlafen hatte, war keineswegs andächtig, sondern vielmehr ulkig ge­stimmt; das himmlische Schauspiel wurde von den Nachtschwärmern zur Poste gemacht.

Wenn mans genau nimmt, so haben wir alle Tage ober vielmehr alle Nächte eine Sonnenfin­sternis. Denn ob sich her Mond ober ein Stück von bem Erdball zwischen uns und die Sonne schiebt, das macht keinen wesentlichen Unterschieb. Der alltägliche Sonnenuntergang wird aber be­kanntlich nur baburch herbeigeführt, daß sich die Erbe mit uns um ihre Axe dreht und dabei die westliche Kuppe der Erdkugel die Sonne für unser Auge verdeckt. Beim weiteren Drehen gerät dann die ganze Erdkugel zwischen uns und die Sonne, bis wir am Morgen wieder dem Tagesgestirn ent­gegengedreht werden. Weil es alle 24 Stunden sich wiederholt, nehmen wir es mit Gleichgiltig­keit hin. Die Polarforscher und die Eskimos aber, bei denen im Winter die Sonne fünf bis sechsMonate lang verfinstert bleibt, genießen den letzten Lichtblick mit andächtiger Wehmut, den ersten Strahl der wiederkehrenden Mutter Sonne mit freudiger Spannung. ch

Die Wilden zittern und verzagen, wenn die Sonne sich verfinstert. Ihnen fehlt die sichere Hoffnung auf die baldige Wiederkehr des Lichtes und her Wärme. Wir wissen, daß die Quelle des Lebens nicht ausgelöscht wird. Diese Zuversicht wollen wir uns auch bewahren, wenn in unserer Seele mal eine Sonnenfinsternis eintritt, wenn es uns dunkel im Kopfe und bange im Herzen wirb. Es gibt solche Augenblicke auch im besseren Menschenleben, wo her Lebensmut sinkt und Nacht- schauer über hie Seele gehen. Da darf ein recht­schaffener Christenmensch nicht zusammenknicken, wie ein Neger bei der Sonnenfinsternis, und nicht verzagt flennen, wie ein Kind in der dunklen Stube, sondern er muß sich sagen: her alte Gott lebt noch und ich lebe vorläufig auch noch; da wird sich alles noch wieder ins Lot bringen lassen I Also den Kopf hoch, die Ohren steif und die Hände frei zu neuem Wirken I ♦ ♦

*

In her Friedensfabrik von Portsmouth sah es vorige Woche auch nach einer totalen Finster­nis aus. Und jetzt strahlt doch die Sonne des Friedens. Das ist ein glückliches Ereignis, an dem sich auch die „unpolitischen" Leute freuen können. Denn her Krieg in Hinterasien hat die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen; her neu­geborene Frieden wird aller Welt Ruhe und Segen bringen. Nebenbei ist es auch ganz nett, daß die vielbeschriebene Ostseefahrt des englischen Kriegsgeschwaders sich bei Swinemünde in feucht­fröhliches Behagen aufgelöst hat. 11.ib für Rhein­land und Westfalen ist die friedliche Beilegung des Kampfes im Baugewerbe ein erfreuliches Ereignis.

Der Klügste gibt nach. Wer ist nun her klügste gewesen, Japan ober Rußland? Zuletzt hat Ja­pan in her Nachgiebigkeit mehr geleistet, als man erwartet hatte. Aber man muß zugestehen, daß auch Rußland, obschon seine Landarmee noch längst nicht niedergefchlagen ist, doch bedeutende Zugeständnisse gemacht hat. Nur im Geldpunkte toar schließlich Rußland unnachgiebig; wo nichts ist, da hat sogar der Kaiser von Japan fein Recht verloren.

Handel und Wandel in der Welt werden jetzt wieder in die regelmäßigen Bahnen kommen. Und es tut auch sehr not; denn bei den tueren Zeiten, die leider nicht fo schnell vorübergehen.

„Nun ja, sie ist ein Blitzmädel," wiederholte Heinrich mit Nachdruck. „Frage Tom ober Lester ober wen Du willst."

„Hast Recht, Heinz," stimmte fein Bruder bet „Höre Wilbair, ich beanspruche, vorgestellt zu werden."

„Nicht möglich, mein Bester," lachte Wildair, „Fräulein Emilie würbe beim Anblick Deiner Säbelkuppel entsetzt fliehen. Keine Aussicht für einen Solbaten."

„Ist von so einem Landmädchen auch nicht cm- ders zu erwarten," äußerte Mr. Lester. „Sind nicht der Mü— Mühe wert, baß man baran henkt."

Ivos Brauen zuckten, hätten Blicke die Macht zu töten, fo würbe Lester zum letzten Male ge­stottert haben.

Bedeutsame Winke gingen hin und her, bos­haftes Lächeln flog über die Lippen einiger Damen, Thilos Stirne wurde kraus und die Her- ren beschäftigten sich eifrig mit ihren Tellern. Bald darauf erhoben sich die Damen, um sich noch dem Salon zu begeben, wo sie sich in verschiedener Richtung zerstreuten. Das ältere Fräulein Harper fetzte sich an's Piano, hoffend. Miß Arlingfords Aufmerkfamkeit dadurch zu gewinnen, für die sie, anbetracht ihres Bruders, tiefes Interesse zu füh­len schien. Diese aber, von der stolzen, jungen Hauswirtin angezogen, setzte sich neben Iva und begann mit ihr zu plaudern. Die übrigen fanden sich gruppenweise zusammen, um her Musik zu lauschen, Kupferstiche unb Photographien zu be­sehen, bis hie Herren wieher zu ihnen stoßen wür­ben, was nicht lange auf sich warten ließ, benn bet junge Sprößling des Hauses Gleason fcmb baS Sitzen bei Wein unb Nüssen ohne hie Mädels verdammt langweilig.

Im Salon zog et sofort einen Schemel zu Miß Arlingford unb Iva und mischte sich ohne Scheu in ihr Gespräch.

„Unb wo ist die andere Mrs. Wilbair? sagte er, „hie Fran Mama; man hat sie ja noch gar nicht <* sehen bekommen."