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3. parzeLer in Zulda.
Zuldaer M Zeitung
wochllckeiiage: „Illustrierte 8onntagszeitung" Momikbellag«: „Mdaer Seschichkblätter".
rnrel-en: Vie ei», fpaltige petitzeile ob« deren Bonn 15 Pf-. Reklamen die petitzeile 25 Pf,.; bei Wied«, holnngen wird entfpr. Rabatt gewährt.
Rotationrdruck n. Verlag d« Znldoer A«. tienbrnckerei in Znlda. Kernsprech« Br. 9.
32. Jahrgangs
Fulda, Freitag, den 1. September 1905.
M 199.
Deutsches Reich.
Berlin, den 31. August 1905.
• Die Mitwirkung des Kaisers am Friedenswerk. Aus der Depesche des Präsidenten, Roosevelt an den Kaiser geht hervor, daß auch, wie schon gemeldet, Kaiser Wilhelm an dem Zustandekom- men des Friedenswerkes einen Anteil gehabt hat. Der „Lokalanzeiger" will im einzelnen in Erfahrung gebracht haben, daß KaiserWilhelm es war, dessen friedfertige Vorstellungen den Entschluß des Zaren herbeiführten, überhaupt Friedensdelegierte zu ernennen und weiterhin gerade den russischen Ministerpräsidenten Witte zum Führer der Mission zu machen.
*„ Der Kaiser hat dem Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, dem Sohne des Prinzen Friedrich Leopold's von Preußen, den Schwarzen Adlerorden verliehen.
* Uniformänderungen und kein Ende. Die Uniform der Jäger zu Pferde wird sich zum 1 .Oktober wesentlich ändern. An Stelle des gelben Kollerbesatzes tritt roter, die gelben Knöpfe und Tressen werden weiß. Die Achselklappen erhalten eine rote Einfassung und statt der jetzigen Nummer XI wird eine gestickte 2 getragen werden. Die neue Bewaffnung (Lanze und Karabiner) ist jetzt schon eingeführt, wird jedoch von dem ältesten, ernt 1. Oktober zur Entlassung kommenden Jahrgang der Mannschaften nicht getragen, sondern nur von den beiden jüngeren. Die weiße Reit- und Paradehose fällt weg; sie wird durch eine grüne ersetzt.
* Gegen die Soldatenmißhandlungen. Der preußische Kriegsminister von Einem hat an sämtliche Regimentskommandeure folgenden Befehl erlassen: „Infolge der zahlreichen Fälle von Soldatenmißhandlungen und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener durch Vorgesetzte, die in letzter Zeit in unliebsamer Weise die Oesientlichkeit beschäftigen, bringe ich den Herren Regiments-Kommandeuren meine Verfügung vom 1. Januar d. I. nachdrücklichst in Erinnerung. Im besonderen ist den Mannschaften der einzelnen Truppen-Verbände die strenge Weisung zu erteilen, jede Mißhandlung vonseiten eines Vorgesetzten auf dem vorgeschriebenen Wege sofort zur Anzeige zu bringen, denn nur mit Hilfe der Mannschaften kann diesem Uebel gesteuert werden." Die in Erinnerung gebrachte Verfügung des Ministers enthält die Bestimmung, daß die Vorgesetzten den Mannschaften überhaupt nicht zu nahe kommen dürfen, ihre Befehle und Weisungen vielmehr aus einer Entfernung von drei Schritt zu geben haben.
* Unsere Wrltpolitiker und Marineschwärmer wissen Honig aus jeder Blume zu ziehen. Jetzt dient ihnen sogar der Besuch des englischen Geschwaders vor Swinemünde dazu, für den Bau von weiteren und größeren Kriegsschiffen in Deutschland Propaganda zu machen, indem sie behaupten, Vergleiche des englischen Geschwaders mit dem deutschen, das der Kaiser zur Begrüßung geschickt habe, fielen, besonders was die Armierung und Gröhe anlangt, leider nicht zugunsten der deutschen Schiffe aus; dem englischen Material wie der englischen Bauart gebühre Vorzug und Preis. — Die Flottenschwärmer pflegen bei jeder Gelegenheit das Monopol deutschen National- ,i_e fühlS für sich in Anspruch zu nehmen. Haben die Herren nicht wenigstens eine leise Ahnung davon, wie sehr sie dem Ansehen Deutschlands schaden, wenn sie derartig bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die angebliche Tatsache von der Minderwertigkeit unserer Flotte in alle Welt hinausposaunen? Jeder wirklich nationalfühlende Deutsche würde darüber schweigen, auch wenn diese Inferiorität auf Wahr
heit beruhte. Noch weniger klug und würdig ist das Lamento, wenn es, wie es in Wirklichkeit der Fall ist, nicht im geringsten zutrisft.
4- Gegenüber anderslautenden Nachrichten hinsichtlich der Stellung der Regierung zur Fleischnot, speziell zur Frage der sofortigen Erhöhung des russischen Schweinekontingents glaubt die „Deutsche Tageszeitung" „mit allem Nachdruck" hervorheben zu sollen, „daß an den maßgebenden Stellen niemals eine Verschiedenheit der Auffassungen obgewaltet hat und daß besonders die erste schlesische Konferenz, an der der Staatssekretär des Landwirtschaftsministeriums teilnahm, keinen anderen Standpunkt eingenommen hat, als den, der später vom Landwirtschaftsminister iind dem Reichskanzler vertreten ist."
* Für die Erhöhung der indirekten Steuern macht die „Kreuzztg." wieder in ihrer Wochenrundschau Propaganda; nach ihrer Ansicht kann die Hilfe gegen die finanziellen Mißstande tm Reiche nur auf dem Wege der Besteuerung der Gegenstände des Massenverbrauchs erfolgen. „Wir bestreiten mit aller Entschiedenheit, daß diese Gegenstände keine weitere Belastung ertragen und bedauern deshalb die Art, in der die Zentrumspresse einer derartigen Belastung entgegentritt. Die „Hamburger Nachrichten" haben nicht unrecht, wenn sie diese Art scharf geißeln und im Zusammenhangs hiermit von demagogischer Agitation reden." Ei! ei! Demagogische Agitation hätten sich dann auch die konservative und nationalliberale Fraktion des Reichstags und der Bundesrat und der Kaiser zu schulden kommen lassen, als sie das Flottengesetz von 1900 annahmen! Dieses Gesetz enthält nämlich einen Artikel 6 und dieser bestimmt, daß der Mehrbedarf der Marine um 53,7 Millionen M über den Mehrertrag der Reichsstempelabgaben hiiiaus nicht durch neue den Massenverbrauch belastenden Steuern aufgebracht werden darf! Dieser Artikel 6 hat heute noch Gesetzeskraft und gilt ebenso wie Artikel 1 des Flottengesetzes, er gehört zum ganzen und ohne seine Aenderung ist eine Vermehrung der indirekten Steuern nicht möglich. War es den Konservativen und Nationalliberalen nicht ernst, als sie für diesen Artikel stimmten? Dann würden sie ja elende Heuchler gewesen sein! Vorerst wollen wir noch annehmen, daß die Abgeordneten dieser Parteien anders handeln werden, als ihre Presse schreibt. Auch ist es nicht so, als ob die indirekten Steuern eine ganz unbedeutende Last seien; heute trifft auf den Kopf der Bevölkerung 21 M indirekte lind nur 8 M direkte Steuern; deshalb müssen letztere zuerst erhöht werden, ehe mau erstere noch mehr hinaufschraubt.
* Ein grober Vertrauensbruch ist gelegen!«, lich des Straßburger Katholikentages seitens eines liberalenJournalistenerfolgt. Die,Bayer. Zentrumsparlamentskorrespondenz'meldetdarüver:
Bekanntlich hält der Augustinusverein, dem die Mitglieder der katholischen Presse und deren Freunde angehören, auf jedem Katholikentage eine Versammlung ab, in welcher zur Information der katholischen Journalisten — selbstverständlich in streng vertraulicher Weise — die politische Lage im Reiche oder in einzelnen Bundesstaaten erörtert wird. Eine solche Versammlung fand am Sonntag, den 20. v. M., auch in Straßburg statt. Vor Beginn derselben betonte der Vorsitzende in der üblichen Weise, daß diese Verhandlungen st r e n g vertraulich erNatur, daher zur Veröffentlichung nicht geeignet sind, und ersuchte etwa anwesende Gegner, an deren Loyalität appellierend, den Saal zu verlassen. Es entfernte sich aber niemand. Nun erschien in Nr. 396 der „Münch. Neuesten Nachr." ein ausführlicher Bericht über diese Versammlung, namentlich über die Referate der Herren Schriftsteller Nienkemper und Abg. Domkapitular Dr. Pichler. Der Ver-
Iem Ä enlftomini.
Nach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.
16] (Nachdruck verboten.)
„Ich li eiß cs, Thilo," spricht Iva mit feuchten Augen „und es scheint undankbar, also zu sprechen. Du verstehst aber, was ich meine. Ich habe Fremde nicht gerne und dort waren so viele um mich. Es gab so viele Förmlichkeiten, nichtssagende, ermüdende Zeremonien, Zwang und unwahres Wesen, o, mir war's oft, als müßt ich fliehen heim - heim nach dem lieben Barnfield, um nie wieder es zu verlassen. Und alle jene Damen, wie waren sie vornehm und elegant und vermochten tausend anmutige Nichtsheiten zu schwatzen, während ich mrt gebundener Zunge saß, linkisch und befangen ■Jt der Angst, Dich in Verlegenheit zu bringen. O Thilo, tote stolz und selbstbewußt war ich, ehe ich mrch verheiratete."
„Du warst es zu viel, Iva," unterbrach er ernst.
„Und jetzt," fuhr sie fort, ohne seine Worte an- ders als durch helleres Rot der Wangen zu erwidern, „jetzt bin ich scheu und schüchtern um Deinetwillen. Ich fürchte Dir zu mißfallen. Ach, ich wußt' es doch, mit welch' lieblosen Blicken all' die Damen, die so freundlich waren, Thilo Wildairs Braut, das einfache Kind des Volkes der- folgten, um sie auf einer Handlung zu ertappen, die gegen die Etikette der Gesellschaft verstößt. Ich wurde ganz nervös dabei und — wünschte — nimm's nicht übel, Thilo; aber ich wünschte, ich hätte Dich nie geheiratet. Du freilich nanntest mich zuweilen Deinen jungen Aar — ach, wie gefesselt aber fühlt sich der Aar! Ich glaube, ich wäre geworben, hätten wir den Winter dort verlebt."
ihren Worten lag leidenschaftlicher Ernst.
„Gestorben!" antwortete er leichthin, „pah, sei nicht albern, Iva. Ich sah wohl, daß Du aufgeregt warst, und zwar in einem Maße, daß ich's schließ-
lich auch wurde. Das mußt Du überwinden lernen. Bedenke, es ist die Gesellschaft, in der Du fortan Dich zu bewegen hast."
„Eine steife, unwahre Sippe, die mir immer zuwider ist."
Thilos Brauen zuckten.
„Iva!" verwies er kühl.
„Vielleicht habe ich mich noch nicht in die neue Stellung gewöhnt," fuhr diese, sich selbst entschuldigend, fort, „wer plötzlich aus seiner Sphäre in eine völlig verschiedene versetzt wird, muß sich unbehaglich fühlen. Glaubst Du wohl, daß selbst unsere Haushälterin mit ihrer vornehmen Förm- lichkeit mich einschüchtert, daß ich meine Diamanten und Spitzen ansehen muß, um meine Würde als Mrs. Wildair auf Richmond Hall nicht zu vergessen. Nach und nach werde ich wohl ebenso steiferlich und erhaben scheinen, tote — Mrs. Hamm wenigstens."
Thilo blieb ernst.
„Bist Du böse?" fragte sie befremdet.
Er schüttelte das Haupt.
„Mich langweilt diese Geschichte; meine Frau soll nicht nur schön sein, sondern auch wohlgezogen und von feinem Benehmen. Streife doch endlich das Linkische des Landmädchens ab und trachte Dich in Deiner neuen Sphäre mit Sicherheit und Anmut zu bewegen. Du lernst, im eigenen Hause als Dame die Honneurs zu machen, nachdem ich Dich zu meiner Frau erhoben."
„Erhoben!" wiederholte Iva mit blitzenden Augen und stolzem Zurücktoerfen des Hauptes.
„In gesellschaftlicher Beziehung ja. Geistig und moralisch stehen wir auf einer Stufe, in den Augen der Welt aber habe ich eine Mißheirat gemacht. Diese Welt nun, deren Autorität ich hintansetze, sieht mit Schadenfreude Deine — Schüchternheit, um nicht mehr zu sagen. Vom ersten Moment, da ich meiner Mutter Dich vorstellte, wußte ich, daß wir zu solcher Erörterung kommen mußten. Glaube mir, Iva, wenn ich jetzt Deinen hochfahrenden Geist verletze, ist's nur, um fürber-
dacht, das Recht der Gastfreundschaft, das auf den Katholikentagen der liberalen Presse gewährt wird, in so unanständiger Weise mißbraucht zu haben, lenkte sich sofort auf die Herren Dr. Busching, Mitredakteur der „M. N. N.", und Alois Schmid, Herausgeber der liberalen „Bayer. Korrespondenz", welch' letzterer die Versammlungsberichte für die „M. N. N." lieferte. Der Verdacht bezüg- lich des Herrn Dr. Busching ist indessen zweifellos unbegründet, da dieser Herr schon vermöge seiner Abstammung es nicht wagen konnte, in der Versammlung zu erscheinen. Und mit gleicher Sicherheit ist zu behaupten, daß Herr Schmid sich nicht gescheut hat, einen solchen Vertrauensbruch zu begehen. Er hat schon im Vorjahre auf dem Regensburger Katholikentage Ausschutzsitz- ungen besucht, obwohl dieselben nicht öffentlich sind, wie behauptet wird, auf Grund von Studentenkarten, die er für sich und seinen Gehülfen gelöst haben soll. Wir sind überzeugt, datz Herr Schmid durch seine Handlungsweise seinen liberalen Kollegen einen sehr schlechten Liebesdienst er- wiesen hat, denn unserer Ansicht nach mutz auf den nächsten Katholikentagen gegenjedwedes liberale Schnüffeltum Vorsorge getroffen werden. Wenn dadurch den Vertretern der liberalen Presse etwa Rechte beschnitten werden sollten, die man ihnen bisher in der liberalsten Weise gewährte, so mögen sie sich dann bei ihrem Münchener Kollegen Schmid bedanken!
Die Bayerische Zentrnmskorrefpondenz muß offenbar bestimmte Gründe für ihre Angaben haben. Im Uebrigen wäre es angezeigt, daß der Augustinusverein eine schärfere Kontrolle bei seinen Versammlungen einsührte.
§ Bei dem Auf stände in den Matumbibergen in Deutsch-Ostafrika, der die Rebellion im Schutzgebiete in den ersten Tagen des August einleitete, ist auch ein Deutscher getötet worden, der Ansiedler Hans Hopfen. Die „F r e i e d e u t s ch e Presse" hebt mit Recht hervor, daß die vorn Auswärtigen Amt veröffentlichten amtlichen Berichte darüber nichts gesagt haben. „Man erfährt", sagt das freisinnige Organ, „die Tatfache jetzt — wie leider fo vieles andere aus unseren Schutzgebieten — erst durch eine private Kundgebung." '
Ausland.
* Der ungarische Ministerpräsident Feservary hat sich am Donnerstag früh abermals nach Ischl begeben und wird am Freitag vom Kaiser Franz Joseph in Audienz empfangen werden. So folgt eine Audienz und Konferenz der anderen, ohne daß man der Lösung der ungarischen Krisis auch nur »m einen Schritt näher käme.
* Zu den Vorgänge» auf Kreta meldet der Triester „Piccolo" aus Athen, datz der jüngst zwischen russischen Truppen und den Aufständischen bei Atsipopulos auf Kreta stattgefundene Kampf für die ersteren mit schweren Verlusten verbunden gewesen ist. Die Russen und kretischen Gendarmen zusammen waren gegen 700 Mann stark, während die Aufständischen nur 230 Mann zählten, nämlich die Bande Egris mit 40 und jene von Manos mit 190 Mann. Die Russenhattenl5Toteund58Verwun- bete, bie Aufstänbischen nur acht Tote. Manos mußte sich nur wegen Mangels an Munition zurückziehen. Seine Leute hatten 14 000 Patronen verbraucht. Stach bem Kampfe von Atsipopulos würbe in Athen ein Ministerrat abgehalten, wel- cher bie Senbung einer Note an bie Schutzmächte beschloß, um bie Erlaubnis zu erhalten, batz, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, die internationalen Truppen durch hellenische Truppen ersetzt werden. Die italienische und die französische
hin Dich glücklich zu sehen. Du läßt Dich zu sehr gehen, hast keine Rücksicht, keine Politik, möcht' ich sagen. Der offene Widerwille, den Du gegen Einzelne an den Tag legtest, hat Dir Feinde gemacht; weißt Du bas wohl?"
III.
„Gewiß; ich ziehe ihre Feindschaft ihrer Freundschaft vor."
„Du vielleicht, ich nicht. Es ist immer besser, ein Hund wedelt, als batz es heitzt: Ich kann Dir nicht befehlen, bie Leute zu lieben, Deinen Widerwillen aber sollst Du verbergen. Ein Lächeln, ein höflich Wort kostet wenig Mühe und erspart viel Verdruß."
„Heucheln kann und will ich nicht, ich werde nie etwas Niedriges tun."
„Will ich Dich zu Niedrigem veranlassen?" fragte Thilo stirnrunzelnd, „die gewöhnliche Höflichkeit erfordert, daß Tu Dich anständig und artig benimmst gegen alle. Ich hoffe also, daß Du mich nicht wieder mit der Zurschaustellung Deiner Sympathien und Antipathien in Verlegenheit bringst."
Ungestüm rauschte Iva vom Sitze auf ans Fenster, ihre Wangen glühten. Wer vermöchte den Sturm zu schildern, der bei diesen Worten sich in ihr erhob!
„Weiter", fuhr er ruhig fort, „mußt Du Dich nach und nach an Deine neue Lage gewöhnen, ehe wir nach Washington gehen. Ich habe deshalb einige New-Aorker Freunde eingeladen, die Weihnachtswochen bei uns zu verleben. Wir dürfen sie in wenigen Tagen hier erwarten."
Wie von einer Feder emporgeschnellt wandte sich Iva um.
„Du ludest sie ein, ohne mich zu fragen?"
„Habe ich nicht das Recht, meine Freunde zu mir zu bitten?"
Iva preßte die Hand auf's Herz und Thilo gewahrte die Veränderung ihrer Zuge.
»Sei vernünftig, Iva", sprach er sanft, ,eS
Regierung sollen diesem Anträge nicht abgeneigt sein. In Griechenland ist die Mihstimmung gegen Rußland bedeutend gestiegen und im Panto- pulos-Theater finden täglich russenfeindliche Kundgebungen statt. — Allem Anscheine nach liegt hier griechische Tendcnzmache vor.
* Der russisch-japanische Friedensschlutz. Während die Russen ihrer Freude über den Ausgang der Verhandlungen in lautem Jubel Luft malten, verhehlten die Japaner nicht ihre Niedergeschlagenheit. Einige von ihnen weinten. Sie hatten zwar sehnlichst den Abschluß deS Friedens gewünscht, betrachteten jedoch den Verzicht auf eine Kriegsentschädigung als ein zu großes Opfer, und die Abtretung von Nord- Sachalin war für sie eine bittere Enttäuschung. Sie bezeichnen den Sturz des Kabinetts in Tokio als sicher. Viele von ihnen sprachen, wie das .Daily Chronicle' mitteilt, es offen aus, daß der Friede ein Friede mit Unehren sei, und erklärten, daß Japan vor Empörung wild werden würde, wenn man dort den Inhalt der Friedensbedingungen kennen lerne. — Witte hat an den deutschen Kaiser folgendes eigentümlich anmutende Telegramm gesandt:
Ich habe die Ehre, Ew. kaiserlichen Majestät zu berichten, daß Japan Ew. Majestät Forderungen betreffend die Friedensbedingungen angenommen hat, und so wird der Friede dank Ew. Majestät weisen und festen Entscheidungen hergestellt werden und dies in genauer Uebereinftim» mutig mit den Anweisungen Ew. Majestät. Rußland wird im fernen Osten die Großmacht bleiben, die es bisher gewesen ist und für immer bleiben wird. Wir haben aus die Ausführung der Befehle Ew. Majestät alle unsere Geisteskraft und unser russisches Herz gewandt und bitten, uns barmherzig zu verzeihen, daß wir nicht mehr zu tun vermochten."
lieber fein persönliches Verhalten während der Friedensverhandlungen erzählt Witte der russischen Presse allerlei Histörchen. Dem Korrespondenten des ,Slowo' gegenüber renommierte er mit seiner Charakterstärke: „Sehen Sie",, so ließ sich Witte vernehmen, „was es heißt, Charakter beweisen! Ich war in schrecklicher Lage. Das Kompromiß anzunehmen, hatte ich kein Recht. Der Abbruch der Unterhandlungen schien mir bevorzustehen, wobei alle Sympathien aus Seiten Japans getreten wären. Roosevelt appellierte an meinen Patriotismus, an meine Humanität und endlich an meinen gesunden Menschenverstand. Doch gottlob gelang es n .r, meinen Charakter bis zum Schluß festzuhalten, so daß bie Japaner nicht aus meinem Gesichte lesen konnten, was in meiner Seele vorging. Ich nahm gleich bei Beginn einen indifferenten Ton an, an den schließlich alle glaubten. Als die Japaner mir ihre Bedingungen übergaben, legte ich sie ungesehen zur Seite und sprach von Nebensächlichteiten. Fortgehend hatte ich scheinbar das Dokument auf dem Tisch im Konferenzsaal vergessen. Einer der japanischen Bevollmächtigten bemerkte: „Finden Sie es nicht für notwendig, das Dokument mitzunehmen, um Unberufenen keine Einsicht zu gestatten?" Darauf steckte ich es ruhig in die Tasche, und so handelte ich von Anfang bis zur letzten Minute."
* Auf den holländischen Sunda-Jnseln gährt es allenthalben unter den Eingeborenen. Der Gouverneur von Celebes hat einen Beamten ein
tut mir leib, wenn Dir's unlieb ist. Sollte man nicht denken, ich fei ein Tyrann statt eines liebevollen Gatten, der bie eigene Vorliebe zur Ruhe opfert, um Dir bie Gewohnheit bes Umgang- zu gewähren?"
Sie antwortete nicht. Ihr Stolz war zu tief verletzt, um burch diese Worte geheilt zu werden.
„Und wer kommt denn?" fragte sie endlich mit unsicherer Stimme.
„Meine Mutter mit Frieda, bie Arlingsfords, Frau Harper mit zwei Töchtern, Oberst Gleason mit Frau unb Söhnen, Miß Reib unb Herr Lester."
„Gerade alle, bie ich nicht leiben kann."
„Die Du nicht leiben kannst? Was willst Du damit sagen?"
„Was ich sage; heucheln hab ich noch nicht gelernt."
„Nun, das wäre schön! Du scheinst zu vergessen, baß auch meine Mutter habet ist.
Iva schwieg. . .
„Steht auch meine Mutter auf ber Liste jener, bie Du nickt leiben kannst?"
Keine Antwort.
„Antworte!" gebot er ernst.
„O Gott, frage mich nicht, Thilo!" stöhnte Iva. „Was kann ich bafür? Ich versuchte, Deine Mutter zu lieben, aber--"
Die Stimme versagte ihr.
Thilo trat näher unb hob bas Gesicht, batz sie mit ber Hanb bedeckte, zu sich empor.
„Es ging nicht", vollendete er lächelnd. „Ihr habt einander nicht verstanden. Tut nichts, Iva; nach unb nach wird sich's geben, weil sie bei uni wohnen wirb."
„Was?"
„Sei doch ruhig; wie reizbar Du bist! Natürlich wirb sie bei uns leben, sie unb Frieda. Si» ist ja allein, ist's nicht natürlich, daß sie bei ihrem Sohne weile?"
„Und auch Frieda?" ,
„Versteht sich. Sie ist Waise und meine nächste