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Verantwortiicher S4>ristleiter:».wetzler für die Anzeigen

3. parzeSer in Zulda.

Zuldaer

wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagrzeitung"

Fulda, Donnerstag,

M 198.

Friede zwischen Mhland und Japan.

Das große Völkerringen in Ostasien ist zu Ende. Das Haupt des Präsidenten Roosevelt umstrahlt der Glorieschein des Friedensengels, und das nordamerikanische Seestädtchen Ports­mouth im Staate New Hamsphire ist fortan ge­weihter historischer Boden.

Japan akzeptierte Rußlands Schlußmttteilung dahingehend, daß keine Kriegsentschädigung zu zahlen ist, und daß Sachalin zwischen Rußland und Japan zu teilen ist, und zwar ohne Zahlung einer Rückkausssumme an Japan; auch in den Fragen der Auslieferung der in fremden Häfen internierten russischen Schiffe und der Beschränkung der Seestreitkräfte in Ostasien hat Japan nach­gegeben.

Die japanische Expedition gegen Sachalm fiel schon in die Zeit der Friedensunterhandlungen, die Anfang Juni auf Betreiben des Präsidenten Roosevelt begannen. Roosevelt erstellte sich dabet kräftigster diplomatischer Unterstützung durch Frankreich, England und Deutschland. Nach Neberwindung mancher Schwierigkeiten auf rus- Be trat dann die Friedenskonferenz am in Portsmouth zusammen, am Diens- 29. August, kam es itt der zehnten dlich zu einem gedeihlichen Abschluß m, die Ende voriger Woche bereits zu verlaufen schienen. Japan, das feine Forderungen recht hoch gespannt n sehr vielen Punkten nachgegeben, die dem unbeugsam scheinenden Widerstand der Russen begegneten. Schwerwiegende politische und finanzielle Gründe müssen es gewesen sein, die den Mikado bestimmt haben, so viel von seinen Forderungen abzulaffen. Ein Londoner Blatt, die ,Morning Post, will darüber folgendes ersahren haben: Japans Verhalten war seine Antwort auf den Hinweis auf die gelbe Gefahr. Rußland hat unstreitig einen großen diplomatischen Sieg errungen, indem es tatsächlich die Annahmen seiner eigenen Bedingungen erzwang, sichert es sich den 'Frieden, ohne dafür zahlen zu müssen, und nur der moralische Sieg bleibt auf Seiten Japans. Man wird nicht fehl gehen, wenn man sagt, daß, wenn Japan bereit war, 60 Millionen Pfund Sterling und die südliche Hälfte von Sachalin an Stelle einer Entschädigung für alle anderen finanziellen Forderungen anzu­nehmen, dieses Uebereinkommen durch Präsident Roosevelt vorgeschlagen worden ist, der glaubte, daß Rußland dieses annehmen würde. Ob Japans versöhnliches Verhalten von den Raffen als ein Zeichen seiner Schwäche ausgelegt worden ist, oder ob Rußland tatsächlich nach einem Vor­wand suchte, um den Krieg fortzusetzen, ist unbe­kannt, indessen lehnte Rußland kategorisch die Zahlung auch nur eines Schillings mehr ab, als Japan rechtmäßig auf Grund der Bestim- inungen der Haager Konferenz für den Unterhalt der Kriegsgefangenen zu fordern berechtigt war. So hartnäckig war Rußland, daß sogar der Vorschlag, der Entscheidung eines Schiedsgerichts die Höhe der für die nördliche Hälfte von Sachalin zu bezahlenden Summe zu überlassen, von ihm kurzer Hand abgelehnt wurde. In diesem Augenblicke wandte sich Präsident Roosevelt an Japan. Welchen Einfluß der Präsident in Tokio geltend gemacht hat, ist nicht bekannt und man weiß nicht, in welchem Maße es sein Vetdienst ist, Japan zu diesem weit­gehenden Verzicht bewogen zu haben, man kann

jedoch zuversichtlich behaupten, daß auf sein Ver­langen die Sitzung am Dienstag anberaumt wurde, die wahrscheinlich die letzte gewesen wäre, wenn sie bis Mittwoch verschoben worden wäre.

Sind diese Angaben des englischen Blattes richtig, so ist daraus wohl zu entnehmen, daß Präsident Roosevelt dem Mikado das Versagen weiterer finanzieller Unterstützung aus den ^Ver­einigten Staaten in Aussicht gestellt haben könnte für den Fall, daß Japan den Krieg fortsetzen wollte. Bekanntlich hat Japan einen guten Teil seines großen Anleihebedarfs zu Kriegszwecken in Amerika gedeckt. Der Krieg kostet den Japanern wie der japanische Friedensunterhändler Komura einmal versicherte, täglich mindestens 1 Million Dollars, das sind rund 4 Millionen Mark. An Menschenleben haben Rußland und Japan im Verlauf des Krieges insgesamt einen Verlust von rund 570000 Mann zu beklagen gehabt, wovon auf Rußland 370000, auf Japan rund 200000 entfallen. Auch dieser riesige Verlust an Men­schen mag für Japan mftbesttmmend gewesen sein zum Nachgeben. Rußland verfügt trotz aller Niederlagen noch immer über einen großen Staatskredit und wird auch weiterhin darüber verfügen, da es bisher allen Ansprüchen seiner Gläubiger vollauf gerecht geworden ist. Bet einer Bevölkerung von 120 Millionen kann Ruß­land auch einen großen Menschenverlust leichter ertragen, als das kleine Japan mit seinen 47 Millionen Einwohnern. Indessen, man braucht sich nicht den Kopf zu zerbrechen über die Motive des Friedensschlusses. Die Tatsache, daß dem Blutvergießen nunmehr ein Ende gemacht worden ist, ist allein als solche mit Freuden von allen Völkern schon im menschlichen Interesse zu be­grüßen, und wenn auch manche Handelszweige und insbesondere das Geschäft mit Kriegsbedarf Vorteile von dem Kriege gehabt haben, so sind doch die ungünstigen Rückwirkungen des Kampfes zwischen Japan und Rußland auch auf das allgemeine Wirtschaftsleben der Welt ziemlich stark zu verspüren gewesen. Daher kann es nur allgemeines Gefühl der Erleichterung und Ge­nugtuung erwecken, daß in Ostasien wieder Friede herrscht.

Am 6. Juli entließ der Kaiser von Japan seine Friedensdelegierten mit einer Ansprache, in der er jedem zur Pflicht machte, ihre An­strengungen dahin zu richten, daß ei« „Friede auf dauernder Grundlage" zustande k-me. Wie weit die jetzt geschaffene Grundlage diese Vor­aussetzung rechtfertigt, muß die Zukunft lehren. Japan hat von seinen zwölf Forderungen nur erreicht: Anerkennung seines Protektorats über Korea, Rückgabe der Mandschurei an China, Anerkennung des japanischen Besitzes von Port Arthur mit dem Hinterland und der Halbinsel Liautong, Ueberlaffung der sogenannten Port Arthur-Eisenbahn an Japan und, freilich nur zur Hälfte, die Abtretung Sachalins. Japan erhält aber keinen Pfennig Kriegskostenent­schädigung, es hat verzichtet oder verzichten müssen auf die Auslieferung der in neutralen Häfen internierten russischen Kriegsschiffe und auf die Forderung einer Beschränkung der russischen Seestreitkräfte in Ostasien. Dauernd wird der Friedensschluß auf solcher Grundlage wohl kaum genannt werden können. Japan wird die Zustimmung zu einem solchen Friedens­instrument wohl auch dadurch sehr erleichtert worden fein, daß Rußland, ehe nicht die inneren Wirren im Zarenreiche gelöst sind, vorläufig

Jem Me entflammt.

Nach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.

I5] (Nachdruck verboten.)

Sie wurde gerufen und sah in ihrem scheuen Erröten und seligen Lächeln zauberhaft lieblich aus. Tante Jerrys Vorwürfe über die Idee, den Hochzeitstag bis übers Jahr zu verschieben und Thilos flehende Bltcke waren so überzeugend, daß .Iva nachgab. Das Glück des Augenblicks war so vollkommen, daß sie bangte, daran zu rühren; aber sie hatte ihr Wort gegeben und Jvas Wort war unverbrüchlich.

An demselben Nachmittage wurde Mrs. Hamm in Kenntnis gesetzt, daß sie bald eine junge Herrin zu erwarten hätte. Sie hatte zu lange in der Welt gelebt, um sich über etwas zu wundern, dennoch verbarg sich ein schwaches Lächeln hinter dem feinen Taschentuch, als sie vernahm, der junge Gutsherr führe ein Mädchen vom Lande, ein Kind aus dem Volke, als Gemahlin heim. Sie ver­neigte sich indeß bereitwillig, als Mr. Wildair sie beauftragte, das Brautkleid zu besorgen und reiste am folgenden Tag mit der besten Schneide­rin des Städtchens und unbeschränkten Geld­mitteln ab.

Nie hatte es eine exzentrischere, ruhelosere Braut gegeben, als Iva. Das ungezähmte toll­kühne Wesen ihrer Jugend erwachte wieder und brachte Tante Jerry schier zur Verzweiflung.

Die Zeit, die in ihrem Geleise gleichmäßig weiter zieht und keinen Tag schneller bringt, sei es zur Freude, sei es zur Trauer, ließ endlich den Morgen tagen, der Jvas Geschick besiegeln sollte.

Es war ein goldener Septembermorgen; Tal und Hügel, Fluß und Flur schienen übergossen von schimmerndem Licht.

t Früh schon regte sich alles in Barnfeld und strebte dem Häuschen am Ufer zu, um den präch­

tigen Brautwagen, die goldbeschirrten Rosse zu sehen, oder gar das glückliche Paar selbst.

Im Häuschen ging es lebhaft her. In der Küche war Mux schmählich bei Seite gesetzt, um der „perfekten" Köchin des Herrenhauses Platz zu machen. Diese hatte auch ihre ganze Kunst ent­faltet, das Dejeuner herzustellen. Solche Speisen hatte noch kein Auge geschaut, keines Menschen Gaumen gekostet. Die Lakaien waren ebenfalls zugegen und machten sich nützlich mit vornehmer Herablassung und angemessener Geringschätzung gegen alles, was sie umgab. Mrs. Hamm sah vornehm aus und würdevoll, und Miß Jerusha in rauschend holzbrauner Seide, blitzender Rubin­brosche und wunderbarem Mischmarsch von Bän­dern, Spitzen und flammroten Blumen auf dem Haupte, sah ihre kühnen Träume verwirklicht.

In der kleinen Halle stand Thilo und harrte der Braut, gegen das Treppengeländer lehnte sein Freund Curtius in weißer Weste und Halsbinde und drehte den Schnurrbart, innerlich ergrimmt, Miß Dürbein als Brautsräulein zu haben, statt der lieblichen Emmy Murray.

Oben im Jungfrcmengemach wurde Iva zum Feste geschmückt. War sie schön im einfachsten Kleidchen, wie bezaubernd erschien sie in weißer, matter Seide, int Perlengeschmeide, die taufrischen Orangenblüten auf der reinen Stirne. Ein fast wildes Leuchten strahlte aus den großen Augen, und das tiefe Rot der Wangen verriet anderes, als den seligen Frieden einer frohglücklichen Braut.

War es unbestimmte Furcht vor der neuen Welt, die sich ihr erschloß? war es der Mangel an Vertrauen auf ihn, dem sie ihr Geschick verbinden sollte? Mangel an Vertrauen auf sich selbst? namenloses Bangen vor der Zukunft?

Sie wußte es nicht, sie fühlte nur die Angst, das Grauen, das gleich einer Wolke des Glückes Sonne umdüsterte.

Umsonst suchte Iva das seltsame Gefühl los zu werden; wie eine Mißgestalt drängte es zwi-

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32. Jahrgang;

den 31. August 1905.

kaum in der Sage fein wird, wieder 2061^01^^ gelüsten in Ostasien zu stöhnen.

Deutsches Reich.

z Berlin, den 30. August 1905.

♦ Zum Besuch des englischen Geschwaders in der Ostsee. Daß der Kaiser von Stettin wieder abgereist ist, ohne die englische Flotte be­sichtigt und einen der englischen Offiziere gesprochen zu haben, wird in verschiedenen Blättern mit großer Genugtuung verzeichnet. Auffällig bemerkt wurde es nach den Hamburger Nachrichten', daß fick b-i dem Stettiner Stapellaufe in Gegenwart des Kaiferpaares die britische Flotte nur durch einen blutjungen Marineleutnant vertreten ließ. Die Stadtverordneten im freifinnig regierten Danzig nahmen am Dienstag mit großer Mehr­heit die Magistratsvorlage an, wonach 5000 Mk. für den Empfang der englifchen Flotte bewilligt wurden.

* Die Studienfahrt nach Nordamerrka. Auf der vom preußischen Landwirtschaftsminister für Beamte der Ansiedlungskommission veran­laßten landwirtschaftlichen Studienreise nach Nordamerika wird der dortige deutsche landwirt­schaftliche Sachverständige Dr. Gagzow die Führung übernehmen. Die Abreise ist bekannt­lich ant 20. August von Bremerhaven erfolgt. Neben dem Besuch einiger Großstädte wie New- York, Chicago, Milwaukee sollen vor allem die ländlichen Verhältnisse eingehend beobachtet wer­den. Zunächst wird Kanada bereist. Hier sind seit über 100 Jahren Rheinländer, Hessen, Badenser und Württemberger ansässig. Darauf geht die Reise etwa 3000 englische Meilen nach den: Westen. In diesen Gebieten werden Farmen besucht, deren riesenhaft technischer Betrieb ein großagrarisches Bild vergegenwärtigt. Viele Deutsche haben hier aus kleinen Anfängen her­aus etoe ansehnliche Stellung als Grundbesitzer erlangt. Die Reise dauert etwa 2 Monate.

** Der .Reichs- und Staatsanzeiger' bringt eftte lange Reihe von Ordensverleihungen für Angehörige der deutschen Schutztruppe in Süd- westastika. Auch einigen Missionaren sind Auszeichnungen zuteil geworden, u. a. auch dem Pater Ziegenfuß von der katholischen Mission in Windhuk. Derselbe hat den Königlichen Kronenorden 4. Klasse am weißen Bande mit schwarzer Einfassung erhalten.

Der ,Reichs- und Staatsanzeiger' ver­öffentlicht folgende Bekanntmachung der zustän­digen Minister in Sachen der Choleragefahr vom 28. ds. Mts.: „Angesichts der in den letzten Tagen auf der Weichsel beobachteten Er­krankungen an Cholera, welche augenscheinlich durch den Flößereiverkehr aus Rußland einge- schleppt worden sind, ist zur einheitlichen Leitung der Maßregeln zur Verhütung der Weiterver­breitung der Cholera durch den Flußverkehr der Königliche Oberpräsident der Provinz West­preußen als Staatskommiffar für die Cholera­bekämpfung in dem Stromgebiet der Weichsel und der Königliche Regierungspräsident in Bromberg als Staatskommiffar für die Cholera­bekämpfung in dem Wasserlauf der Brahe, des Bromberger Kanals und der Netze bis zur Ein­mündung in die Warche eingesetzt worden. Die­selben werden alle Maßregeln ergreifen, welche geeignet sind, die in den genannten Stromge­bieten etwa vorkommenden Fälle von Cholera

festzustellen, jede Verschleppung der Krankheit durch Menschen oder Flußfahrzeuge zu ver- hindern, fowie die Krankheitskeime und tue Ge­legenheit zu deren weiterer Entwickelung soweit als möglich zu tilgen."

* Die Abstinenz im Gerichtsgebäude. Durch eine kürzlich erlassene Verfügung des Kammer­gerichtspräsidenten ist es sämtlichen Beamten, Unterbeamten und auch den Richtern der ver­schiedenen Gerichte im Bezirk des Kammer­gerichts untersagt worden, in den Gerichtsgebäuden während der Dienststunden Bier zu Kinken; sie sind auf alkoholfreie Erfrischungsgetränke hmge- wiesen worden.

* Der Abschluß des Friedens zwischen Ruß­land und Japan wird von der gesamten Presse auf das lebhafteste begrüßt. Die offiziöse ,Nord- deuffche Allgemeine Zeitung' schreibt an der Spitze ihres Blattes:

„In der Sitzung der Friedenskonferenz zu Pourtsmouth vom 29. August wurde laut osft- zieller Mitteilung volle Uebereinstlmmung tn allen Fragen erzielt und beschlossen, zur Aus­arbeitung des Friedensvertrages zu schrecken. Die Konferenz vertagte sich dann auf drei Uhr nachmittags. Nach einer Meldung der „Affozmd Preß" haben die Japaner tatsächlich alle Kon­zessionen gemacht. Diese Nachricht begrüßen wir mit lebhafter Genugtuung. Für Rußland bedeutet die über alles Erwarten rasche Einigung ein Er- gebnis, das es dem ruhigen Ausharren des Kai- fers Nikolaus und seinen Ratgebern in St. Peters­burg und feinen Bevollmächtigten in Pourtsmouth verdankt. Es liegt darin zugleich eine Anerken­nung der Summe unangetasteter Widerstands­kraft, die dem russischen Kaiserstaate trotz mili­tärischer Mißerfolge verblieben ist, und die eine dringliche Widerlegung aller politischen Theorien, die sich auf einer Unterschätzung der slavischen Welt aufbauen. Den japanischen Staatsmännern mag der Entschluß, nachzugeben, nicht leicht ge­worden fein. Aber er ehrt ihre Weisheit. Er läßt auch beim Friedensfchluß, tote während des Krieges das in die Gemeinschaft der alten Kultur- mächte so glänzend eingetretene junge asiatische Weltreich den besten Vorbildern würdig erscheinen, welche die Geschichte der Staaten abendländischer Zivilisation bietet. Das Entgegenkommen des Kaisers und der Regierung von Japan zu dem Friedensschluß unter Verzicht auf schärfere Bedin­gungen kann umfo höher bewertet werden, als e3 sich um einen Akt freiwilliger, keinem anderweiti­gen Druck weichender Selbstbeschränkung handelt. Wir beglückwünschen die beiden Souveräne, ihr« Regierungen und ihre Völker mit aufrichtiger Freude zu dem erzielten Einvernehmen und hoffen, daß sich nach der für einen nahen Zeitpunkt in Aussicht gestellten Unterzeichnung des endgültigen Friedensvertrages ein Zustand herausbildet, der es den bisherigen Gegnern ermöglicht, in fester guter Nachbarschaft nebeneinander zu leben. Leuchtend ist in die Geschichte unserer Tage das Verdienst eingetragen, das sich der Präsident der Vereinigten Staaten um die Sicherung des Frie­densschlusses erworben hat. Es war ein Stück harter, aber meisterhaft geleisteter staatsrnänni- fcher Arbeit, und die Menschheit, die für ihre Ent­wickelung Frieden braucht, wird den Namen Roose- velt nicht vergessen."

Ausland.

* Katholischer Volksverein in Italien. Gestern erschien, wie der ,Köln. Volksztg.' aus Rom gemeldet wird, ein wichtiger Artikel von Professor Toniolo betreffend den sozialen Volksverein der Katholiken Italiens

scheu sie und das strahlende Bild, das aus dem Spiegel ihr entgegensah.

Emilie Murray in lichtem, weißen Gewände und yjjtofem, blauen Band huschte hierhin und byutpLMMiaewiß. sollte sie lachen oder weinen, und ÄkWides zugleich in der Freude über Jvas Glück und im Schmerz, sie zu verlieren.

Nun ist alles bereit, die Gäste sind gekommen, und ein Lächeln im Auge, eine Träne auf der Wange geleitete Emmy die geliebte Freundin nach unten, wo der Bräutigam der Braut harrt.

Jvas Herz schlägt und ungestüm, als sie dem künftigen Eheherrn gegenüber steht. Emmy läßt ihre Hand los, und lächelnd und flüsternd bietet Thilo dex Geliebten den Arm und führt sie in . das gute Zimmer, in dem die Trauung vorge­nommen werden soll.

Die Trauhandlung beginnt. Das Auge tief gesenkt, auf den Wangen mit jedem Atemzug wechselnde Farbe steht Iva wie vom Traume ge­bannt. Sie spricht das bindende Wort, hört, „was Gott verbunden, soll der Mensch nicht tren­nen" und nun wird ihr klar, sie sei vermählt.

Alle umdrängten sie mit Glückwünschen und Liebkosungen, Miß Jerusha und Emilie will weinen, man nennt sie „Mrs. Wildair", und Iva Darell hat aufgehört zu sein.

Die freie, wilde, fessellose Iva ist dahin für immer. Iva Wildair trägt den Ring der Unter- toürfigfeit. Sie hat einen Herrn, sie hat geschwo­ren, ihn zu lieben, ihm zu gehorchen, „bis sie scheide der Tod." Mit seltsamer Scheu erhebt sie den Blick zu ihm, lächelnd, stolz und glücklich steht er vor ihr.

„Ob wohl jede Braut fühlt wie fie?N_ fragt sie sich und versucht zu lächeln, den Glückwünschen zu antworten, das eigentlich beklemmende Etwas, das ihr Glück stört, scheint zu schwiichen, sie toirb das frohe, lebhafte Wesen von früher.

Man setzt sich zu Tische. Es entsteht ein Lärm von Gläsern, Messern, Gabeln und Tellern, unter­mischt von Lachen und Plaudern, alles scheint

glücklich und Miß Jerusha trocknet ihre Tränen. Reden werden gehalten. Toaste ausgebracht. Thilo Wildair erhebt sich, antwortet darauf in tief gefühlten Worten und dankt in seinem Namen und im Namen feiner Frau.

Seiner graul wie seltsam das klingt. Iva lacht und wundert sich, daß sie lacht. Tante Jerry blickt mit solch inniger Zärtlichkeit auf die strah­lende Braut, daß dieser alle Sünden ihrer mut- willigen, ausgelassenen Kindheit einfallen und mit aufrichtiger Reue sie erfüllen. Dann denkt sie an ihre verstorbene Mutter, an Adolf, den teuren Bruder, von dem sie nie wieder gehört, denkt an Rudolf und fein ungenanntes Verbrechen und seufzte bei dieser Erinnerung. Das kleine Kätz­chen kommt schnurrend heran und legt die saube­ren Pfötchen auf das weiße Brautgetocmd, ^va nimmt den Liebling auf und preßt ihn schmei­chelnd an sich. Die Gesellschaft erhebt sich und die Braut begibt sich nach oben, zur Reise sich zu rüsten.

Und nun steht sie, zum Abfahren bereit, in Mitte der Freunde. Miß Jerusha umarmt sie und fchluchzt, daß es einen Stein hätte erbarmen mögen und Iva fühlte tiefen Schmerz beim Ge­danken, daß sie scheidet, auf immer scheidet, denn fortan konnten sie sich nie mehr fein, was sie sich gewesen.

Hände werden gedrückt, Wünsche werden ge­spendet, an Thilos Arm wandelt Iva den Gar­tenweg entlang zum Wagen.

Nun winkt sie ein letztes Lebewohl, die Roffe ziehen an, mit feuchtem Blick umfaßt Iva, sich erhebend, das Bild, das sich ihr bietet, die freunb- lichen Gestalten vor dem schlichten Heim ihrer frühen Jugend, daS rebenbewachfene Häuschen, die grüßende, lächelnde, fchluchzende Emilie am Gartengitter.

Wie lebhaft kommt ihr das Glück zurück itt späteren Tagen, in jenen düsteren Tagen, der«, Schatten schon über ihr weilt.