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3. Parze»« in Zulda.

Zuldaer K Zeitung

wochendeiiage: „Illustrierte Somitagrzeitung" ■'rSy^^X' Msnatrbeii-ge: „Zuldaer Geschichtrblätter".

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Rotationsdruck u. Verlag der Mdaer Ae» tiendruckerei in Zulda Zernsprecher Rr. 9.

32. JahrgMg^

Fulda, Montag, den 28. August 1905.

JV9 195.

12]

(Nachdruck verboten.)

auf eine höhere Stufe zu heben. Der »Vorwärts' hat vor noch nicht allzu langer Zeit einmal be­hauptet, im Kampfe gegen die Schmutzliteratur und gegen die Unsittlichkeit überhaupt stehe die Sozialdemokratie „in erster Reihe-, und er hat für sich selbst die Anerkennung verlangt, daß er in diesem Kampfe manches geleistet habe. Dem ,Vorwärts' ist es nicht gelungen, diese Maske lange zu tragen. Die pronographische Literatur, die das Blatt und sein Verlag, der — wohlge­merkt — mit der sozialdemokratischen Parteilei­tung identisch ist, den sozialdemokratischen Ar­beitern in Feuilletons und in allerlei mit dem Scheine wissenschaftlicher Forschung sich brüsten­den Sudelwerken darzubieten wagt, hat selbst in den Kreisen anständigerer „Genossen" die schärfste Verurteilung erfahren. Wir erinnern nur an die vernichtende Kritik des „Genoffen" v. Voll mar über das Rosenow'sche Machwerk „Wider die Pfaffenherrschaft". Der .Vorwärts' und sein Verlag können nicht mehr beanspruchen, unter die Gegner der Schmutz- und Schundliteratur gezählt zu werden; sie zählen sich auch wohl selbst nicht mehr dazu. Die Auslastung des .Vor­wärts' über die Rede desAbg. Roer en ist der bündigste Beweis dafür.

Die katholischen Arbeiter vor allem werden sich merken, wie es mit der Förderung der Sitt­lichkeit bestellt ist, die sich der .Vorwärts' ange­legen sein läßt. Die deutschen Katholiken aber in ihrer Gesamtheit und in erster Linie die Teil­nehmer an dem Straßburger Katholikentage wer­den die Verunglimpfung nicht vergeßen, die ihnen von dem leitenden Organe der Sozialdemokratie zuteil geworden ist. Und was Herrn Abgeordn. Roeren anbelangt, nun. er wird es sich zur Ehre anrechnen, von einem Blatte beschimpft worden zu sein, das sich selbst ostentativ derjenigen Sorte von Presse zugesellt hat, der sein Kampf gilt.

welchen Einfluß er auf sie geübt, wie er sie in ihrer zwanglosen Kindheit bemeistert.

Unwillkürlich ballte sich die kleine Hand, zuckte Unmut über die dunkle Stirne, als der Fremde zu Miß Jerusha trat.

Werden auch Sie Thilo Wildair nicht mehr er­kennen wollen, Miß Skamp? Haben auch Sie den alten Bekannten vergessen, der Ihnen großen Dank schuldet?"

Die kurze Rede, die Thilo mit Iva gewechselt, war Tante Jerry nicht entgangen, erstaunt wandt« sie sich um.

„Mein Gott, ja!" rief sie vergnügt, „wollt' wetten, 's ist der junge Herr--nun, Iva, weißt

Du, den Tu damals so gerne leiden mochtest. Und so kommen wir wieder zusammen; freut mich. Sie wieder zu sehen, Mr. Wildair, freut mich wirklich."

■ Und lebhaft schüttelte Miß Jerusha die gebotene Hand.

„Entschuldigen Sie," sprach Iva sich los­machend, „ich eile voraus, die nassen Kleider zu wechseln."

„Was bringt ihn her?" fragte sie sich im Wei­tergehen, „glaubt er in mir die Sklavin von früher zu finden? Das wird er nicht, und nie werde ich ihm vergeben, daß er meinen Willen bezwang."

Flammendes Leuchten blitzte in ihrem Auge.

„Also da sind Sie wieder," sagte Miß Jerusha mit größter Freundlichkeit, „wer hätte das nur ge­dacht? und der Sauire ist wohl auch wieder da?"

„Mein Onkel ist tot."

„Ei was? tot? mein Gott! muffen ja alle einmal sterben, was hilft's also, wenn man noch so sehr jammert. Was wird nun aus dem Herren­haus drüben?"

„Ich will es restaurieren lasten und als Land- fitz benützen."

„So, so; also gehört es Ihnen?" nickte Jerusha mit großem Verständnis, „ein schönes Fleckchen Erde, wohl viele Tausend wert. Wird bald eine Hausfrau dort einziehen, he? um die Dienstboten zu überwachen und den Hühnerhof?"

)( Eine Beschimpfung des deuischen Ka- tholikenlages durch die SsMemskratik.

Als der Präsident des Sttaßburger Katho­likentages anerkennende Worte über die Bericht­erstattung der nichtkatholifchen Preffe über die Verhandlungen der Generalversammlung der Ka­tholiken Deutschlands sprach, und dabei auch die Objektivität hervorhob, die sich bei dieser Bericht­erstattung zumeist gezeigt habe, lagen ihm die letzten Berichte, wflche der.Vorwärts' über dre Verhandlungen in Straßburg gebracht hat, noch nicht vor. Andernfalls hätte er zweifellos dieses Blatt von der Anerkennung ausge­nommen, welche er der nichtkatholischen Preffe gezollt hat. Wir haben dabei nicht die läppische Art und Weise im Auge, wie das Zentralorgan der Sozialdemokratie über die imposante Kund­gebung der deuffchen Katholiken in Straßburg im Allgemeinen und über einzelne Veranstal­tungen im Besonderen berichtet hat, auch nicht die tendenziöse Manier, in der die Berichte zu­meist gehalten waren. Wir verstehen voll­kommen, daß die deutschen Katholikentage mit ihrer imposanren Beteiligung und ihrem er­hebenden Verlauf der Sozialdemokratie und dem .Vorwärts' ein „Dorn im Auge" sind und würden darum auch die tendenziöse Zustutzung der sozialdemokratischen Berichterstattung über die Generalversammlung der Katholiken Deutsch- lands gelassen hinnehmen in dem Bewußtsein, daß das Kläffen der sozialdemokratischen Meute nur die BestÄigung der Tatsache ist, „daß wir reiten". Aber diese Gleichmütigkeit erstreckt sich doch nicht auf direkte Beschimpfungen niedrigster Art, die sich der .Vorwärts' gegen den Straßburger Katholikentag, den das Blatt äußerst geistreich als „das Konzil zu Straßburg" bezeichnet, gestattet.

In einer Auslassung des sozialdemokratischen Zemralorgans über die bedeutsame und ein­drucksvolle Rede des Abg. Roeren über den „Kampf gegen die Unsittlichkeit in Schrift und Bild," die sich zu einem flammenden Aufruf gegen die seitens der Schmutz- und Schund­literatur drohende Vergiftung unseres Volkes und namentlich unserer Jugend gestaltete, heißt es:

„Run folgte ein furchtbar eintöniger Vortrag des Abg. Roeren-Köln übw das Thema: „Der Kampf gegen die Unsittlichkeit in Schrift uno Bild". Herr Roeren poussiert — mit Ver­laub zu sagen — mit der Unsittlichkeit. Er sucht sie, so sagt er, zu vernichten, spricht aber s viel von ihren Auswüchsen und — horribile <■ ! — von seiner interessanten Sammlung

von tlnsittlichkeiten, daß er bei seinen Hörern eine vüle Stimmung ergänzte, wenigstens bei den Hörern he3 Katholikentages. Ein Kollege erzählte uns während der Rede, er habe nie so „schöne" Dinge erlebt, als auf dem Kölner Katholikentage nach Roerens Rede. Ob sich diele Erfahrung auch hier (in Straßburg) be­stätigt hat, wagen wir nicht zu behaupten. Aber es gibt auch sicher keinen größeren Sinnen­kitzel als Roeren'sche Predigten."

Wir haben diese Auslassungen des .Vorwärts' wörtlich angeführt, um unseren Lesern zu zeigen, rote weit die Unverschämtheit des Hauptorgans einer Partei geht, welche für sich die Mission in Anspruch nimmt, die deutsche Arbeiterwelt nicht nur materiell, sondern auch geisttg und moralisch

Triefend und bleich vor Ermüdung, klomm sie die Uferhöhe hinan, langsam, wie sie nie ge­tan. Der Fremde erwartete sie, wie es schien, am Wege.

Gleichzeitig streifte ihn ihr Blick. Fremde waren in Barnfield nichts Ungewohntes mehr, und der junge, elegante Mann erweckte keine Neugier.

Zu ihrer Verwunderung aber trat er auf sie zu und bot ihr die Hand.

„Erlauben Sie mir, Ihnen die Hand zu . drücken. Miß Darell; Sie sind eine zweite Jo­hanna Sebus."

„Mein Herr!"

„Sie weigern sich? und doch sind wir ein­ander nicht fremd."

Stolz und hochaufgerichtet stand sie vor ihm.

„Haben fünf kurze Jahre das Andenken an Thilo Wildair wirklich ganz verwischt?" sprach er beinahe trübe.

„Ach ja, ich entsinne mich", entgegnete sie und erhob den Blick zu den männlich-schönen Zügen, die nun der Hut nicht mehr beschattete, „wie geht es Ihnen, Mr. Wildair? Bitte, Tante Jerry, hel­fen Sie mir die Anhöhe hinauf, ich bin sehr müde."

Sie schien die Hand, die sich ihr bieten wollte, nicht zu sehen, faßte Miß Jerushas Arm und schritt mit leichtem Neigen des schönen Hauptes an ihm vorüber.

Thilo blickte ihr nach. Ein Lächeln umspielte ferne Lippen, ein Lächeln, das Iva die früheren -^nge zurückgezaubert, hätte fie es gewahrt.

„Sollst mir's bezahlen, stolze Maid," schien eS 80 Mien, „meine Macht ist nicht gebrochen."

_bot dieses Zusammentreffen mit Thilo «riwarr wenig Freude. Sie erinnerte sich zu wohl.

MM Lowe enlstoml.

Nach dem Amerikanischen der Mrs. May AgneS Fleming erzähtt von Lina v. Berlepsch.

Deutsches Reich.

Berlin, den 26. August 1905.

*# Stimmen zum Straßburger Katholiken­tag. An der Spitze ihrer „Rückblicke" kommt die ,Norddeutsche Allgemeine Zeitung' auch auf den Sttaßburger Katholikentag zu sprechen. Was das offiziöse Blatt darüber zu sagen weiß, ist im Grunde genommen furchtbar mager. Wir vermissen jede eigene Stellung­nahme des Blattes zu der auch von den Gegnern in übereinstimmender Weise als überaus bedeu­tungsvoll und imposant anerkannten Kundgebung der deutschen Katholiken. In dieser Hinsicht sticht die Aeußerung der .Norddeutschen Allge­meinen Zeitung' über den diesjährigen Katholiken­tag wesentlich ab von den Beurteilungen, welche die Katholikentage früherer Jahre in dem „Kanzler-Organ" gefunden haben. Das offiziöse Organ beschränkt sich auf die überaus gründliche Mitteilung, daß das Arbeitsprogramm der Tagung so ziemlich alle die Fragen aufzuweisen habe, die zur Zeit unter politisches, soziales und kulturelles Leben bewegten. Daß es an die Spitze dieser Fragen den „Kampf um die akademische Frei­heit" stellt, ist bezeichnend. Außer dieser Frage geht die Norddeutsche bann nur noch auf die Er­örterung der sozialen Angelegenheiten auf dem Katholikentage näher ein. Wir vermissen in dieser Zusammenstellung neben der Gründlichkeit auch jedes System. Vielleicht holt die .Nordd.

Allg. Ztg.' hinsichtlich einer Besprechung der zweifellos bedeutendsten mnerpolitischen Kund­gebung der letzten Zeit in seinen folgenden „Rück­blicken" noch einiges nach.

Die .Tägliche Rundschau', das Organ des Evangelffchen Bundes, hat folgendes Urteil für den Präsidenten der diesjährigen Tagung:

„Dann schritt man zur Konstituierung der General- nerfammhmg. Das Präsidium übernahm Erbprinz Aloys zu Löwenstein, der Sohn des bisherigen Generalkommissars der Katholikenoersammlungen, ein noch junger, hagerer Mann, mit schmalem Gesicht und nervös zuckenden Augenlidern, den man _ zunächst für einen Studenten halten könnte. Die äußerst ge­schickte, auch mit Humor gewürzte Rede, mit der er den Vorsitz annahm, zeigte jedoch sofort, daß er für die Leitung so großer Versammlungen ausgezeichnet beanlagt ist. Wir Protestanten könnten uns jeden­falls Glück wünschen, wenn sich in der jüngeren Ge­neration unseres evangelischen Hochadels endlich einmal ein Mann fände, der ähnlich wie der Prinz veranlagt, sich mit der gleichen Begeisterung und Tapferkeit an die Spitze unserer großen evangelischen Bundesorgmu- salion stellte."

Neber die Rede des P. Auracher, welche die Frauensrage behandelte, schreiben die national- liberale .Münchener Reuest. Nackr.':

„Die Rede des P. Auracher muß r auf alle einen tiefen Eindruck machen. Kein vernünftiger Mensch wird es dem Kapuziner verargen, wenn er vor allem die katholische Frau und die katholische Frauenbe­wegung ins Auge faßt. Aber kein Verständiger wird anderseits das tiefe soziale Verständnis und die be­geisterte Hingebmig dieses Mannes an seine soziale Mission verkennen wollen. Mag P. Auracher sonst denken, was er will: sehr vieles von dem, was er in Straßburg gesagt hat, können und wollen wir gern unterschreiben. Es war ein großer und nachhal­tiger Genuß, der kunstvoll aufgebauten Rede zu lauschen. Und mag man gegen einzelne Forderungen mit Recht Einwendungen erheben: als Ganzes mußte man fie berounbern. Es ist eine Freude, im sozialen Kampfe solchen Männern zu begegnen, auch wenn sie politisch zu unfern Gegnern zählen."

(*) Das deutsche Kolonial-Missions-Fest, welches in Verbindung mit dem 2. Deutschen Kolonial-Koi greß am 8. Oktober in Berlin abgehalten werdm soll, läßt eine große Teil­nahme. auch von auswärts, erwarten. Beson­ders zahlreich werden Leiter und Mitglieder der Orden und Kongregationen, welche in den Missionen der deutschen Kolonial- und Ueber- see-Gebiete tätig sind, an den Missionsveran­staltungen sich beteiligen. Bis jetzt haben ihre Beteiligung bereits zugesagt: Von der Kongre­gation der Väter vom Hl. Geist (Mission in Deutsch-Ostafrikä) P. Acker, Provinzial in Knechtsteden und P. Thome; von der Kongre­gation der Weißen Väter (Mission in Deutsch- Oftafrikaf Provinzial Dr. Froberger in Trier; von der Missions-Genossenschaft vom hl. Herzen Jesu (Mission in der Südsee) Provinzial H. Linckens in Hiltrup bei Münster; v n der Ge­nossenschaft der Oblaten aus dem Missionshause St. Bonifatius in Hünfeld bei Fulda (Mission in Südwestafrikaj P. August Nachtwey, Apostolischer Präfekt von Windhuk und Provin­zial P. Ignaz Watterot; von der Gesellschaft Marien's (Mission in der Südsee, Samoa und Salomonsinselnj Provinzial P. Flaus aus dem Missionshause St. Jo'eph in Meppen; von den Oblaten von: hl. Franz von Sales (Hottentolten- Mission in Namagualand in Südwestafrika) P. Lebrau und ein weiterer Pater: von der Kon­gregation der Pallotiner in Limburg (Mission in Kameruns P. (fandet. Ferner von der Steyler Mission in Südamerika P. Rektor Bo-

Die kleinen scharfen Augen der alten Jungfer blinzelten forschend von der Seite nach dem jungen Gutsherrn.

„Kann wohl sein," lächelte dieser und strich mit der Hand durch das lockige Haar, „glauben Sie, daß mich eine haben mag?"

„Das wollt ich meinen: Männer mit Geld brauchen nie verlegen zu sein. Wie geht's aber Ihrem Herrn Bruder?"

„Danke, gut: ich habe erst von ibm gehört. Er ist in Europa und macht die große Tour."

„Ei was?" Miß Jerufha wußte nicht, was die große Tour für eine Erfindung wäre, „warum macht er sie denn nicht zu Hause, dies wäre doch viel beguemcr."

Unterdessen waren sie zum Häuschen gekom­men und ohne Antwort abzuwarten, öffnete Miß Jerusha die Türe und ersuchte ihren Begleiter einzutreten.

„Der Tee ist bereit, trinken Sie ein Täßchen mit und machen Sie fich's bequem. Mu—u—x!"

„Hier, Madam," rief die kleine schwarze, hastig in's Zimmer stürzend.

„Wo ist Fräulein?"

„Droben."

„Gut; eil Dich und mach den Tee fertig, rasch, hörst Tu? ah, da kommt Iva; nun, kennst Du den Herrn?"

Erstaunt und mit unverhohlenem Mißvergnü­gen blickte das junge Mädchen auf Thilo.

„Ich habe das Vergnügen," entgegnete sie mit kaum merklicher Verneigung. „Mur, achte auf das Küchenbrod, ich will den Tisch decken."

Tante Jerry konnte ihres Pfleglings Launen zu gut, um über ihr Benehmen erstaunt zu sein, sie fing also frischweg ein Kreuzverhör mit dem jungen Mann an, zu erfahren, was er während der letzten fünf Jahre getan und in den kommen­den Jahren zu tun gedächte?

Thilo antwortete mit großer Höflichkeit und fie erfuhr, daß er Jurisprudenz studiert, als Ad­vokat Verteidigungen mit Erfolg geführt, daß er durch des Onkels Lod in den Besitz des Herren-

drms aus St. Wendel. Es sind somit schon jetzt die katholischen Missionen fast aller deutschen Kolonien und Uebersee-Gebiete durch Vertreter auf dem Kolonialkongreß und als Teilnehmer an den besonderen katholischen Missionsveranstal­tungen angemeldet. Die Verhandlungen des Kolonialkongreffes sinden im Reichstagsgebäude statt. Für den Festabend der katholischen Missionen ist einer der größten Säle Berlins in Aussicht genommen.

** Zu der Nachricht der,Frankfurter Zeitung', daß neuerlich Erhebungen über Fleischnot seitens der Regierung angeordnet seien, schreibt die,Dentsche Tageszeitung': „Sollte die Mitteilung des Frankfurter Blattes richtig sein, so würde in diesen Erhebungen nichts Auffälliges gesehen werden können. Wenn aoer in einigen Blättern die Vermutung daran geknüpft wird, daß die Regierung geneigt sei, einen anderen Standpunkt in der Frage der Oeffnung der Grenzen einzunehmen, so glauben wir berechtigt zu sein, eine derartige Vermutung als irrtümlich zu bezeichnen. Wie der Reichskanzler in seinem Schreiben an den Ersten Bürgermeister in Katto- witz ausdrücklich hervorhob, hat der Preußische Landwirtschaftsminifter seinen Standpunkt auf Grund sorgfältigsttr Erwägungen eingenommen. Seitdem hat sich tatsächlich nichts geändett. Wollte also die Regierung den seither vertretenen Standpunkt preisgeben, so würde sie damit be­kunden, daß entweder die früheren Erwägungen nicht sorgfältig genug gewesen seien, ober daß sie sich vor dem Fleischnotgeschrei habe in's Bockshorn jagen lassen. Beides würde für ihr Ansehen gleich bedenklich sein."

** Tarifverträge. Im Verlage der West- deutschen Arbeiterzeitung, M. Gladbach, 1905 ist das 9. Heft der Arbeiterbibliothek unter dem Titel „Tarifverträge" (Preis 15 Pfg., frei zugestellt 20 Pfg., 10 Ex. 1,70 Mk.) erschienen. Es ist eine Frage von tiefgehender Bedeutung für das ganze gewerbliche Leben, für Arbeitgeber sowohl wie Arbeitnehmer, die in diesem Heft behandelt wird. Die Tarifverträge, auch korpo­rative Arbeitsverträge genannt, regeln die Lohn- und Arbeitsverhältmsse für ein bestimmtes Gebiet und auf bestimmte Zeit durch Abmachungen, die von Vertretern der Arbeiter und Unternehmer getroffen werden. In dem Heftchen wird zunächst in knapper, übersichtlicher Form die Entstehung und Entwicklung der Tarifbewegung in Deutsch- land geschildert, bann die Gestaltung der Tarife in den deutschen Gewerben. Im 3. Kapitel werden den Arbeitern sachgemäße Ratschläge für den Abschluß von Tarifverträgen gegeben. Da? vierte und letzte Kapitel hebt die Bedeutung der Tarifgemeinschaften in wirtschaftlicher, sozial- ethischer und kultureller Beziehung hervor. Zur befferen Orientierung ist dann noch in einem Anhänge das Schema eines Tarifvertrages an­gegeben. — Das Heftchen entspricht einem lange empfundenen Bedürfnis. Namentlich ist es den Mitgliedern der christlichen Gewerkschaften zu empfehlen. Sein Erscheinen ist um so mehr zu begrüßen, als gerade jetzt wieder dmch eine Resolution der Katholikenversammlung die Auf- merksamkeit weiterer Kreise auf die aktuelle Frage der Tarifverträge hingelenkt worden ist.

* Eine Vermehrung der Anzahl der preußi­schen Lotterielose steht nach der ,Neuen Pol. Korresp.' zu erwarten. Sie wird in derselben Weise wie nach Abschluß des zwischen Preußen

Hauses gekommen, dennoch aber die Laufbahn des Rechtsanwaltes verfolgen wolle. Sein Bruder Rudolf, dessen Gesundheit angegriffen, sei für einige Jahre auf Reisen und werde dann ebenfalls in die Heimat zurückkehren.

Es war spät, als Tbilo aufbrach. Iva hatte schweigend zugehört und kaum ein Wort ge­sprochen. „ .

„Ein netter Mann," äußerte Tante Jerusha, nachdem er gegangen. .

Iva stand am Fenster und sah hrnaus tn dre Nacht.

„Und hübsch," fuhr die alte Jungfer fort und blickte finnend auf Mieritz, „reich obendrein. Hm, Iva, Du liebst das Geld, wie wär's, wenn Du — Sie schaute sich um nach ihr, Iva war hpr- schwunden.

Zehntes Kapitel.

Träume.

„Wie angenehm!" rief Thilo Wildair, warf sich am Ufer des Flußes in's Gras und schnellte Steinchen über die Oberfläche des Wasser's: fie sprangen hupfend Wetter, bis die rieselnde Quelle sie verschlang.

Iva saß unter einer Ulme und zeichnete.

Drei Monate waren feit Thilo's Wiederkehr verflossen, die goldene Sommerzeit war da.

Als Nachbar hatte er Miß Jerusha häufig be­sucht und war von ibr freundlichst beroilffommt worden. Durch ihr eistaes Benehmen hätte Iva jedem anderen die Lust benommen, fürder vorzn- sprechen. Tbtto aber ließ sich nicht ei »schüchtern und nahm ihre starre Kalte ziemlich gleichgültig hin, überzeugt, daß er schließlich doch siegen würde. Und war der Triumph nicht größer, je gewaltiger der Widerstand? Gewohnt an Schmeicheleien und Aivorkommenheit reifte Jva's abstoßendes Be­nehmen den blasierten jungen Rechtsgelehrten. Er plauderte also herzlich mit der alten Jungfer, er­wies sich respektvoll und kiM gegen Iva, und wie ein Waffertropfen nach und nach einen Stein ans- höhlt, gab auch des Mädchens unnatürliche Sters-