32. Jahrgang.
Fulda, Freitag, den 25. August 1905
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monakbeilage: „guldaek Geschichtrblätter".
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knüpft daran die dringend« Mahnung' an ihrer Durchführung kräftig mitzuwirken. Er verwerft auf die Telegramme des Kaisers und des Papste» und bemerkt dabei, in seiner Rede in Gnesen habe der Kaiser mitgeteilt, daß Papst Leo XIII. rhm versichert habe, alle seine katholischen Untertanen mürben ihm die Treue halten. Da» konnte der hl. Vater leicht versprechen, denn alle kirchentreuen Katholiken sind auch ihrem Kaiser treu. (Beifall.) Alsdann dankt dec Präsident der Stadt Straßburg, auch ihren evan- gelischen Bewohnern, für ihre Gastfreundschaft und das herrliche Gartenfest (Lebhafter Beifall), ferner der katholischen Presse für ihre mühevolle Arbeit. Die gegnerische Presse habe im allgemeinen sich anständig verhalten; einige mehr belustigende als verletzende Steuerungen bringt Redner der Versammlung zur Kenntnis und er- weckt damit stürmische Heiterkeit. In anderen Jahren habe der Präsident so eine Art Ueberblut über die Verhandlungen gegeben; in diesem Jahre habe ihm ein bedeutender Redner dieses Amt abgenommen, „unser guter Freund Bebel", (Große Heiterkeit), der am nächsten Sonntage hier tn einer Versammlung über den Katholikentag sprechen wolle. , .. ... ,
Ein Vermächtnis sei ihm zu erledigen geblieben von Regensburg her. Dort habe Justizrat Porsck in der Schlußrede betont, es müsse einmal auf den Katholikentage gründlich das Thema behandel, werden: R e l i g i o n u n d K o n f es s t o n. Sie-' ligton ohne Konfession ist unmöglich, Konfession ist Religion in subjektivem Sinne. Heutzutage- wird oft Religion und Konfession zueinander tn Gegensatz gebracht. Religion ohne Konfession kon- strnieren zu wollen, ist aber ein logische» Unding. Vom Christentum kann gar keine Rede sein ohne
I das feste Bekenntnis zur Göttlichkeit Christ' (Bravo!), und wir v e r b i 11 e n u n s, d a tz d, e CbristuSleuaner uns das Christentum bringen wollen. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen, daß jeder treu zu seiner Konfession. stehe, aber auch die ehrliche Uederzei*- flung der Andersgläubigen achte nn, feine Mitchristen liebe. (Lebhafter Beifall.) Was wir in diesen Tagen gelernt haben, das soll un» die geistige Nahrung für das kommende Jahr sein, und wenn dann wieder der August kommt, dann -
I wollen wir alle nach Essen gehen zur 53. (Seneral- I Versammlung. (Stürmischer Beifall.)
Nuntius Msgr. Caputo erteilte der Versammlung nochmals den apostolischen Segen. Dann schloß der Präsident die 52. Generalversammlung mit dem katholischen Gruß. Stehend sang die
I Versammlung hierauf: Großer Gott, wir loben Dich!
DaS Festmahl
war von 300 Teilnehmern besucht. Anwesend waren u. a. der päpstliche Nuntius Monsignore Caputo, die Bischöfe Fritzen und Zorn v. Bulach u. s. w., Präsident Prinz v. Loewenstein br'ngt das Hoch auf Papst und Kaiser ans, indem er besonder» des christlichen Sinnes des Kaiser» gedenkt. Der Präsident des Lokalkomitee» Dr. Burguburu toastet auf den päpstlichen Nuntius, Graf Anblau auf die Hochw. Bischöfe, worauf der NuntiuS erwidert, er bade dem hl. Vater telegraphisch von dem herrlichen Verlauf der Tagung Mitteilung gemacht und werbe ihm persönlich sagen: Wenn die Vorsehung eS leiten würde, daß er frei in seinem Re cke sich bewegen könne, möge er nach Straßburg kommen und dort Halt machen, er werde dort eine freundliche Ausnahme finden. (Stürmischer Beifall.) Redner gedenkt sodann der guten Beziehungen »wischen Papst und Kaiser. (Erneuter stürmi- scher Beifall.! Bischof Fritzen toastet auf die Präsidenten u s Teilnehmer der Dersamm- lung. Erster Vi ident Wellstein auf Sttaß-
bürg. Der erste votbnete Hochapfel auf
den Katholikentag. Der frühere Reichstagsabge- orbnete Guerber auf die Redner. Graf Droste- V i s ch e r i n g auf das Lokalkomitee.
malischen Grundsatzes (Bravo!), vielmehr tm wesentlichen ein natürliches Ergebnis der geschichtlichen Entwickelung des Völkerleben». Daher mußte sie sich ändern bei vorgeschrittenen kulturellen Verhältnissen (Bra- vo!), und wir dürfen sagen, daß durch dieselben | die sittlichen Anschauungen geläutert wurden. (Beifall.) Wie Papst Zacharias den Franken geschrieben, der möge im Staate herrschen, der die Macht dazu habe, so fühlte die mittelalterliche Gesellschaft, daß die Kirche allein die Autorität, Kraft und Weishett besaß, da» Schiff der abend- ländischen Kiilttir durch Wogenbrandung und gärenden Nebel zum großen Ziele vorwärts zu steuern. (Lebhafter Beifall.) Auch bei den Päp- 1 ften und Lehrern deS Mittelalters läßt sich neben der zeitgeschichtlichen Betonung der weltlichen Autorität des Papstes die Anerkennung der Selbständigkeit de» Staates auf feinen Gebieten in manchen Aussprüchen nachweisen; so bei Thomas von Aqutn. Derselbe Lehrer weist darauf hin, daß es persönliche Menschenrechte gibt, in denen weder kirchliche noch staatliche Oberen befehlen können. Beide Gewalten stammen, wie Thomas von Aguin sagt, von Gott, daher steht die weltliche Gewalt so weit unter der geistigen, wie Gott es angeordnet hat. In weltlichen Fragen steht die weltliche Gewalt über der geistigen. DaS Fazit der Entwickelung zieht mtt aller Klarheit Leo XIII. in dem Satz, daß die Gewalt deS Staates wie die der Kirche von Gott stamme und daß jede in ihrer Art und auf ihrem Gebiet die höchste sei. Damit sind natürlich nicht alle Unklarheiten im einzelnen beseitigt, vielfach ist das einzig Erreichbare in den Grenzfragen ein Modus vivendi. Die Kirche hat sich bei der- I tragsmäßiger Festsetzung desselben stets treu und gewissenhaft an ihre Pflichten gehalten, obschon sie stets dec verlierende Teil war. (Beifall.) Eine volle Trennung zwischen Staat und Kirche kann höchstens als ultima ratio (letztes Mittel) gelten. Diese besteht nicht einmal in
i Nordamerika, wo daS Christentum im Staatsleben beachtet und begünstigt wird, und um so weniger ist sie in den von altersher christlich erzogenen Nationen möglich. Hier ist die Trennung eine Versündigung am Volksleben und artet fast stets in .Haß au5. (Lebhafter Beifall.) Das Einigende zwischen der Kirche und dem modernen Staate ist der gemeinsame Zweck, den Leo XIII. in die I Worte: Sittliche Vervollkommnung der Menschheit kleidet (Bravo l), ein Zweck, in dem auch alle religiösen Bekenntnisse sich begegnen, zu dem auch eine weise Staatsregierung Stellung nehmen mutz. (Beifall!) Dabei hilft die Kirche, indem sie die Autorität des Staates zu einer sittlich bindenden Macht bezw. das Fundament dieser Verpflichtung fest gegründet. EinVolkohne Religion läßt sich nicht regieren! (Bravo!) Die Möglichkeit, daß das katholische Gewissen in Ausnahmefällen den Gehorsam verweigern muß, hebt die Regel deS Gehorsams nicht auf. Die Kirche schützt ferner die Tradition, die konfervative Grundlage deS StaatslebenS. Es gibt keine Macht, die wie sie Vergangenheit und Gegenwart verbindet. (Beifall.) Die wieder- । erstehenden Dome und Burgen zeugen von alter deutscher Kraft, aber auch von alter katholischer Frömmigkeit und Glaubensbegeisterung. DaS Rückgrat her Staatsordnung ist das Gesetz, die objektiv über der Willkür des einzelnen stehende Norm. Gegen sie richtet sich der moderne Idealismus. Der Staat ist gegen solche geistige Störun- gen wehrlos; die Kirche aber betont den objektiven Charakter des Gesetzes, sie verschafft selbst da, wo der Staat lässig ist, wie bezüglich der Duells, dem sittlichen Gesetz in ihren Kreisen Achtung. (Lebhafter Beifall.)
Die Kirche erweist der Gesellschaft endlich als katholische, das heißt als Weltkirche den größten Dienst. Sie wendet sich gegen den moder- nenRassenhatzwie gegen den antiken, gegen die lleberfpannung deS Nationalstolzes. Sie ist die geborne Friedensliga, die erfolgreichste kolonisatorische Macht, die älteste internationale „gelehrte Gesellschaft", die großartigste Anstalt zur Schaffung einer Menschheitsreligion und Sittlichkeit. (Lebhafter Beifall.) Je mehr unser Bin- uenftaat Weltpolitik treibt, umsomehr begegnet ihm auch die moralische Macht der Kirche nicht als Nebenbuhlerin, sondern als Helferin. (Leb-
I Hafter Beifall.)
Es waren glänzende Tage, als Papst Leo IX. an den Ufern des Rheines erschien und neben ihm die hochragende Gestalt Kaiser Heinrichs III., deS strengen Hüters der Gerechtigkeit. Im Straßburger Münster, wo die alten Kaiser aus den Fenstern leuchten, haben wir um GotteS reichen Segen für das deutsche Volk und damit auch um Segen für Papst und Kaiser, um Erhaltung ihres schönen Einvernehmens gebetet. Die Aemter beider und unsere Wünsche für beide lassen sich nicht besser zusammenfassen, als in dem Psalmworte: Barmherzigkeit und Treue sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Friede haben sich umarmt. (Lebhafter, sich mehrmals erneuernder Beifall.)
Hierauf nahm der Präsident, Erbprinz zu Löwenstein, das Wort zur Schlußrede: Hier in den Reichslanden müssen wir noch öfter I zusammenkommen. Habe ich nicht recht gehabt?
(Lebhafte Zustimmung.) Ja, diese Reden — sie waren eine Pracht! (Der Präsident dankt den
I Rednern einzeln, und bei jedem Namen bricht die Versammlung in neue Beifallsäuberungen au8). Und dann der herrliche Festzug am Sonntag, der allein schon ein Ereignis war! (Lebhafter Beifall ) | Diejenigen Versammlungen, die man früher vielfach als ein Uebel ansah, haben tn diesem Jahre unS den Dienst getan, un» hier zu entlasten, sonst hätte diese Riesenhalle gewiß nicht auSgereicht. Der Präsident verweist dann auf die wichtigen Be- j schliesse der geschlossenen Versammlungen und
Winke gibt, wie sie für den Schutz der in? Ausland wandernden katholischen Landsleute wirken könne«. Zum Schluß der Der- __________________ fammlung gibt der Vizepräsident Wellstein der 52. Geseraloersmumlusg Iler NathMev I tÄ^gefa^ SX
Ä .... . f. t te. mögen. Darauf schließt er die Versammlung uu.
MdMK in SIMM L I, I dem christlichen Gruß.
Deutsches Reich.
Berlin, den 24. August 1905.
♦ Der Straßburger Katholikentag ging heute zu Ende. Es ist nach altem Brauch fein Wort gefallen, da» Andersgläubige verletzen könnte. Das hindert aber nicht, daß Leute, die durchaus das Bedürfnis haben, sich in ihrem protestantischen Bewußtsein gekränkt zu fühlen, über Intoleranz und Störung des kon- feffionellen Friedens klagen. Die,Magde- burgische Zeitung' fühlt sich schon dadurch verletzt, daß der Bischof von Metz von der Versammlung stürmisch begrüßt wurde, als der Präsident ihn in der Einleitungsrede erwähnte. Stürmisch begrüßt wurden alle Bischöfe, warum sollte mit dem Metzer nun eine Ausnahme gemacht werden? Wegen feines Verhaltens in der Kirchhofsfrage, meint natürlich die Mogdeb. Zeitung'. Es ist wirklich eine naive Zumutung, daß die Verfammlung den von anderer Seite vielgeschmähten Bischöfe nun auch noch durch demonstrative Kühle hätte beleidigen sollen. Herr Abg. Gröber soll sodann den Frieden gestört haben durch die Behauptung: „C* undogmatisches Christentum ist kein Christentum". Da» sagen bekanntlich sogar „undogmatisch denkende" Leute, denen sich da» Magdeburgische Blatt verwandt fühlt, und tm Katholik soll e» nicht sagen dürfen? Da» Schlimmste aber soll der Professor Dr. Ehr«
Vierte öffentliche Versammlung.
Während in früheren Jahren der in den ersten Tagen überfüllte Saal am letzten Tage I oft beträchtliche Lücken zeigte, ist heute die Halle I noch vollständig besetzt. Der päpstliche fliuntms I Msgr. Caputo ist auch heute in Begleitung bet I Bischöfe von Straßburg, Metz und Speyer und I des Weihbischofs Zorn v. Bulach erschienen, von der Versammlung wieder herzlich begrüßt.
Graf Oppersdorfs (Oderglogau), Mitglied deS Preußischen Herrenhauses, sprach über I
Die soziale Frage:
Seit vor 40 Jahren Freiherr v. Kettelet auf I der Liebftauenheide bei Offenbach a. M. zu zahl- I losen Arbeitern sprach, ist für den Arbeitet man- 1 ches errungen worden, aber Christentum I und Gerechtigkeit sind nicht befrie- I d i g-tk Wir verlangen Sicherung und Ausbau I der Koalittonsfreiheit, Freiheit gegenüber der Arbeitgeber- und Beamtenwillkür, gesetzliche An- I erkennung der Berufsvereine, Arbeitskammern, I Verwirklichung des schönen Gedanken? der Wit- I wen- und Waisenvetsicherung als Tat christlicher I Bruderliebe. Das mag uns erschwert sein durch den Klasseichaß mancher Arbeiterkreise, aber diese I stellen glücklicherweise nicht den ganze» Arbeiterstand dar. Einst ist bet schier unüberwindliche Gegensatz zwischen Griechentum und Judentum gefallen; hoffen dürfen wir datum, daß auch der Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gelöst wird auf dem Bo- I den des Christentums unter dem Zeichen des Kreuzes. (Lebhaftes Bravo.) Dann ging Redner auf die Wünsche und Bedürfnisse des gewerblichen Mittelstandes über, wie Handwetkerfotdetung, Verleihung größerer Rechte an die Inhaber deS Meistertitels, obligatorische Gesellenprüfung, kräftige staatliche Gewetbesörderung. Solche Bestrebungen unterstützen wir ebenso gern, wie die nach Schutz deS mittleren und kleineren Kaufmanns- st an des gegen die Großbetriebe im Detailhandel, gegen den unlauteren Wettbewerb. Auch die Bestrebungen zugunsten der Privatbeamten begegnen auf katholischer Seite aufrichtiger Sympathie. Nun wendet sich Gras Oppersdorfs zum Bauernstand, der auch im Elsaß eine große Rolle spiele. Die Landwirtschaft und den Bauern- stand muß man fördern und heben, dieses Programm der Selbsthilfe haben die Bauernvereine von Schotlemers Tagen an aufgestellt und festgehalten in demselben Sinne, in dem heute unter cm deren Generaldirektor Pieper eS formuliert. Warrn und herzlich feiert Redner unter großem Beifall die Angehörigen der ver» schiedenen Stände, die mit den Bauern zusammen i gehen: Die Huene, Arco-Zinneberg, Los, Heim, Herold. Heute stehen in dem „großen Kartell" 300 000 christliche Bauern. (Bravo!) Die Selbsthilfe hat die S t a a t s h i l f e herbeigeführt. Im letzten Zolltarif hat auch die Staatsregierung sich zum Programm des Bauernvereins bekannt: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Ein Haupt- Verdienst der Bauernvereine war die Verbreitung de» Genossenschaftswesens, auch eine Verkörperung des uralten christlichen Gesetzes der werktätigen Nächstenliebe. Graf Oppersdorfs schloß mit einem schwungvollen Aufruf zu den Werken der christlichen Liebe: Wenn wir diese Werke üben im Geiste der Nächstenliebe und damit auch der Vaterlandsliebe, folgend dem ewigen Gottes- sohne, der allen Alles geworden, so erfüllen wir die Liebespflicht der katholischen Weltanschauung. (Langanhaltender Beifall und Händeklatschen.)
Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen nahm I Universitätsprofessor Dr. Maus- I dach (Münster i. W->, mit großem Beifall be» I grüßt, das Wort zu seinem Vortrage über I Das Zusammenwirken von Kirche und Staat zum Wohle der Gesellschaft:
Die Tage der Generalversammlung waren I Tage der Begeisterung; aber wir haben auch I unser Gewissen erforscht: Wie steht es mit unserem Verhalten gegenüber Kirche und Staat. Die zeitbewegenden Fragen und Aufgaben, die hier verhandelt wurden, fügen sich ein in den Rahmen I der beiden großen Ordnungen der Menschheit: I Kirche und Staat. Dieses Bewußtsein ist be- I sonders lebendig geworden, ich möchte sagen, blitzartig aufgetreten bei den Begrüßungsworten an Papst und Kaiser (Bravo l), welchen der Donner Ihrer Zustimmung folgte. Es soll auch ausdrück- I lich in diesem Schlußvortrage betont werden. Als Motto gelte das Wort Leos XIII., daß die Liebe zur Kirche und zum Vaterlande Zwillingsschwestern sind. Die ersten Päpste haben bei Aus- I bruch der Staatsverfolgungen zum Gehorsam gegen den Staat gemahnt. So Petrus: Seid untertan jeder menschlichen Gewalt um Gottes- I willen, und Klemens von Rom in einem herrlichen Gebet für die Fürsten der Erde. Es ist habet eine Unwahrheit, die alte Kirche habe im Staate das Reich deS Satans erblickt. Aber sie | hat den Menschen freigemacht von der I Allgewalt des Staates. In der alten
Kirche hat das große Wort, daß man Gott mehr | gehorchen müsse als den Menschen, seinen Siegeslauf begonnen. Vor ihm versank die Allmacht I deS heidnischen Staates. Die Macht bet I Kirche im Mittelalter ist weder ein Werk I päpstlicher Herrschsucht noch die Folge eine» dog-
Vierte geschloffene Versammlung.
Am Donnerstag Morgen um 8 Uhr wurde bi * selbe durch den 1. Vizepräsidenten Landtagsabgeordneten OberlandeSgerichtsrat Well st ein-Franks, eröffnet. ES ro rden folgende Anträge angenommen: Tin Antrag, bet charitative Ausbildungskurse empfiehlt, (begründet burch Dr. Werth- mann-Freiburg i. B), ferner ein Anttag zur Empfehlung des seraphischen LiebeSwerks, ein Antrag auf Empfehlung bet Ausbildungs» kursef üt freiwillige Krankenpflegerinnen — befürwortet von Dr. Müller-SimoniS- Straßburg — ein Anttag aus Unterstützung der Mäbchenschutzbewegnng — ferner ein Anttag, bet die Anstalten zur Erziehung und Pflege von Krüppelhaften in Bigge (Ruht), in Aachen und Burtscheid empfiehlt. Angenommen wttd ferner ein Antrag, der die Bin- cenzoereine empfiehlt. Der Anttag gingauSder Mitte der studierenden Jugend hervor, wa» von der Versammlung stürmisch begrüßt wurde. Schließlich wird ei» Anttag angenommen, bet bm Geist«
(Nachdruck verboten.) I
cpe. Straßburg i. 23. Aug. 1905. 1
(Fortsetzung be» Berichtes au» dem zwecken Blatte.) I
epe. Straßburg, 24. August 1905.
Die französische Versammlung wurde am Mittwoch nachmittag im Sängerhause unter dem Vorsitz bei Grasen Anblau abgehalten. I Der große Saal war gut besetzt. Den größten Teil bei Publikums bildeten naturgemäß die I französischen Lothringer. Mit stürmischem Händülatschen und Rusen: Vive Monseigneur l I wurde Bischof Benzler von Metz begrüßt, ali er den Saal betrat. (Betrübt muß das sogar die ^kölnische Zeitung' berichten.) Er hielt eine Ansprache; jedem Satz folgte stürmischer Beifall. Et stellte mit Freuden fest, daß man ihm hier in Straßburg überall mit großer Hochachtung und Verehrung begegnet fei. Er er» inneite an die großen Pflichten der Katholiken gegen die Kirche, und »war, sie zu ehren und ihr zu bienen. Die Katholiken müßten alle ihre , Kräfte in den Dienst der Kirche stellen. Den Haupivorttag hielt Abbs Collin, Redakteur )t* ,L rroin' aui Metz, über die soziale Bewegung. Er führte u. a. aus:
Ich komme »oh Metz, um einen kleinen Mein ht bei große Gebäude einzufügen, daS die deutschen Ka- tijobten aufbauen al» Abwehr gegen den Unglauben, wie Unmoral und gegen den Umsturz. Diesmal sind Vie $i atfehlen nach Straßburg gekommen, um neue Pläne «uszudanen, um ju prüfen, was weiter itt geschehen habe, aber auch, um uns zu feilten, mit Ihnen fyinö in Hand zu gehen. Kür dir Eisäffer, die die- tlbe Sprache sprechen wie die Deutschen, war das leicht; daher kommen wir Lothringer zu Ihnen, wie zu einem Meister, der ftfeon sein Meisterstück gemacht hat. Wir französischen Lothringer find in dieser Beziehung noch etwa: hinter den deutschsprechenden Brüder» Uuti.tf. Die «»Derne Politik hat die gofre Gleich- xilnglelt gegen die Religion zur Folge gehabt, feie bis zum Abfall geht. Darum müssen wir uns aufraffen und überall und stets Katholiken sein; wir haben ein abschreckende» Beispiel in Frankreich vor vor Augen, von de« ein lothringischer Schriftsteller f iflte: »Da« Schlimmste ist nicht die Trennung der Kirche vom Staat, sondern der Abfall ganzer Provinzen vom Christentum “ Ader das liebet ist schon bald geheilt, wenn es richtig erkannt ist. Der große Qrrfolfl des Sozialismus beruht daraus, daß viele gar uidit und viele schlecht wählen. Ich wollie, Ihr berühmter Mitbürger Freppel (großer Beifall) käme wieder, "m uns über das Stimmrecht zu belehren. Die deutschen Katholiken haben schau viel für die Arbeiter getan; aber wir müssen uoch mehr tun, wir müssen wie die Bäcker da» Brot in
jedes Haus bringen. Wir müssen wie der
alle Kaiser Wilhelm, al» er am Abend seines Lebens tue soziale Gesetzgebung begann, sagen: „Ob ich Er- tolg habe ober nicht, ich werde meine Pflicht tun." Mein letztes Wort gilt den Arbeitern. Man kann sagen, daß fast alles, was hier geschieht, in ihrem Interesse geschieht. Sie sind heute Me Lieblingskinder der -tirche uns des Staates. Noch sind unsere Arbeiter in Llsav-Loihringen, besonders auf dem Lande, gut, darum wollen wir Hand in Hand mit ihnen gehen, wir wollen ihnen von unferm Wissen und Geist geben, damit sie un« wie rechte Brüder werden. In Elsaß-Lothringen gibt es noch viele Tausende, feie nicht Deutsch können, und bie die französische Sprache für ihre Geschäfte und 6te Erziehung ihrer Kinder nötig haben. Daher sind ivir so dankbar für diese französische Versammlung un» ioffen, daß sie auch bei späterenBer» «ammlungen stattfinden wird, und jetzt meine Herren, ans Werk! Als im Jahre 1798 Napoleon die Vernichtung der französischen Flocke bei Abukir vernahm, sagte er zu seinen Truppen: »Unsere Flotte ist vernichtet, wir können nicht mehr nach Frankreich zurnck- trhren; um von hier fortzukommen, müssen wir groß iveroen wie die Riesen.» Unsere Situation ist die gleiche, .'ihnen, den Miesen der Zukunft, den zukünftigen Hei- ligen der deutschen und elsässischen Kirche, entbiete ich meinen Eruß; ich beglückwünsche sie und danke ihnen m voraus für unser kleines Vaterland. Möge Gott n,nen vergelten, was sie für es getan haben.
Beifallsstürme halten ben Rebner oft unterbrochen. Da bie Zeil ber öffentlichen Versammlung nahe war, verzichtete ber zweite anaekünbigte Redner, Rechtsanwalt Dr. Foret au» Metz, auf das Wort. Bischof Benzler sprach ein kurzes Schlußwott und spenbete ben Segen.