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JW 192.
52. 6tne*tr|ammlinig der SchMeu JeiiiMids tu eirajjburg L 6.
(Nachdruck verboten.)'
cpc. Straßburg i. 22. Aug. 1905.
Zweite öffentliche Versammlung.
Ans Rom ist heute nachstehendes
Antwort-Telegramm des hl. Vaters eingetroffen: „Der 52. General - Versammlung der Katholiken Deutschlands, aus deren Bestrebungen und Arbeiten der hl. Vater den reichsten Nutzen für die Kirche zuversichtlich erhofft, spricht er seinen Dank aus für die übersandten Grüße und spendet ihr zum Zeugnis seines heimlichen Wohlwollens von ganzem Herzen seinen aposto- lischen Segen. Kardinal Merry del Val."
Nach dem apostolischen Präfekt für Deutsch- Südwestafrika, P. Nachtwey - Hünfeld (siehe gestrige Ausgabe), spricht Amtsgerichtsrat de Witt-Köln über die wahre und falsche Toleranz in Religion, Kirche und Staat. Mit keinem Worte ist soviel blödes Gerede verbunden worden als mit dem Worte Toleranz. Kann dem Katholizismus mit Recht der Vorwurf der Intoleranz gemacht werden? Die katholische Kirche ist allerdings dogmatisch intolerant, weil es nur eine wahre Kirche Christi geben kann und weil die katholische Kirche unerschütterlich an dem Standpunkte festhält, die wahre Kirche Christi zu sein. Aber ebenso sind die übrigen religiösen Gemeinschaften dogmatisch intolerant. Der protestantische Kirchenrechtslehrer O. Meier stellt den Satz auf: „Eine Kirche als solche kann weder in dogmatischer noch in ethischer Hinsicht prinzipiell tolerant sein." Man kann also nicht speziell der katholischen Kirche den Vorwurf machen. (Lebh. Beifall.) Das Toleranz-Prinzip ist nicht einmal eine Eigentümlichkeit der Religions - Gemeinschaften, sondern wird anstandslos im täglichen Leben geübt, z. B. auf dem Gebiete der Wissenschaft, Kunst und Politik, ohne daß man den Gelehrten rc. einen Vorwurf daraus macht. (Beifall.) Daher kann es auch hier kein Stein des Anstoßes für Andersgläubige sein, wenn die katholische Kirche sich als die allein seligmachende bezeichnet. (Lebhafter Beifall.) Der bekannte Satz: „Außer der Kirche kein Heil" entscheidet nur, wie Hetlinger betonte, die Frage: „Wer macht selig" und nicht: „Wer wird selig." Daher schließt die katholische Kirche auch die Angehörigen anderer christlichen Kirchengemeinschaften von der Heilsmöglichkeit nicht aus, ja sie erkennt dieselbe auch denHeiden zu, wie aus jedem Katechismus c... .ist. Stürmischer Beifall.) Auf allen : astige-, Gebieten ist die dogmatische Jn- tolerau mit der bürgerlichen Toleranz vereinbart. W rum sollte dies auf religiösem Gebiete nicht Bi" , sein? Redner weist im weiteren die Nolwc des konfessionellen Friedens für vn er r -d nach. Wenn wir für unsere religiös Erzeugung Achtung und Schonung
bean-pruchrn, so gewähren wir dieselben Rücksichten auch Andersdenkenden. Mit Recht hat daher auch der deutsche Kaiser in seinem bekannten Telegramme nach Eisenach betont, daß die Geistesfreiheit auch in der Achtung vor der liederzeugung anderer festzuhalten sei.
Im Mike eillstaimlit.
Nach de.u Ämerikanischen der Mrs. May AgneS Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.
8] (Nachdruck verboten.)
„Lady Macbeth muß als Kind so gewesen sein." „Glaub's schon. Die schwarzäugige Zigeunerin wäre im Stande, sich zu einer Lady Macbeth auszuwachsen, wenn man sie gehen läßt, wie bisher. Schade, daß sie niemand hat, der sich ihrer an- mnimt, als jene alte, unangenehme Person."
„Nimm Dich in acht, Thilo, ich und die alte Person sind gute Freunde. Warum kümmerst Du Dich aber nicht selber um die kleine Hexe? Du wärest gerade so ein süßer Mentor für die Jugend."
„Lache Du nur, ich habe wirklich Jntereffe für das Kind."
„Meinetwegen; ich finde keinen Geschmack an Hexen, weder an alten noch an jungen."
„Sba ist etwas Ungewohntes," meinte Thilo und löste einen Knoten an der Peitsche, „sie sagt xnir zu und ich habe sie gern."
Sechstes Kapitel.
Die Zähmung.
Es war, als triebe ein ruheloser Geist die kleine Iva uncher. Den lieben langen Tag strich sie durch Wald und Moor und konnte nirgends Ruhe finden. Ihrem Vorsatz war sie treu geblieben, sie hatte nicht nachgegeben, Thilo hatte keinen Gehorsam erzwungen; sie triumphierte. Cie hätte triumphieren sollen, aber zu ihrer größten Verwunderung versagte das Gefühl. Sie war störisch und mit sich selbst unzufrieden. „Er hat recht. Du hast unrecht," behauptete ihr Gewissen, und nachdem die erste Glut der Erregung gedämpft, erschien ihre Handlungsweise kleinlich und albern. Ein großmütiges Herz hätte nach der ersten Abbitte verziehen, sie tat es nicht nach wiederholter Aeuße- rung des Leidwesens. Wohl hatte Rudolf sie auS-
Fulda, Donnerstag, den 24. August 1905.
32. Jahrgang.
„Kampf gegen Rom und die römische Kirche", „gegen das Vordringen Roms, die wachsende Vorherrschaft der katholischen Kirche" ist der ständige Schlachtruf, durch den die konfessionelle Leidenschaft bis in die innersten Tiefen erregt .wird. Erfreulich ist es, daß sich nicht nur in den besonnenen Elementen der Bevölkerung, sondern nicht minder in maßgebenden Regierungskreisen die Ueberzeugung von der Gefährlichkeit dieses Lebens Bahn gebrochen hat. Die Kontroversfragen gehören nicht in die politische Agitation, sondern in die wiffenschaftliche Diskussion, den Katechismusunterricht, auf die Kanzel. (Lebh. Beif.) Im weiteren legt Redner dar, daß die Katholiken den „mittelalterlichen Staat" herbeiwünschten. Von keinem Katholiken, der im öffentlichen Leben, steht, ist je eine solche Aeuße- rung laut geworden. (Beifall.) Redner geht dann kurz auf die bekannten Toleranzverhältniffe in verschiedenen deutschen Bundesstaaten ein und legt die Ziele des Toleranzantrages dar. Er wolle für alle Konfessionen gleiches Recht. (Redner wird in seinen Ausführungen durch lebhafte Beifallskundgebungen unterbrochen. Die Widerlegung vers'chie ener bekannter Einwürfe gegen den Toleranzantrag schließt Redner mit den Worten: „Die werbende innere Kraft, welche in dem Toleranzgedanken enthalten ist, wird und muß den Sieg davontragen über die Unduldsamkeit und konfessionellen Vorurteile." Langanhal- tender, stürmischer Beifall.)
Als dritter Redner behandelt, von der Versammlung stürmisch begrüßt, P. Provin-wl Benno Auracher O. Cap. die Frauenfra^e. Unter den einzelnen Fragen, die mau in ihrer Gesamtheit als „soziale Fragen" bezeichnet, ist eine der neuesten, wenigstens der jüngst behandelten, aber nicht die unwichtigste, die grauenf rage, denn sie umfaßt die Hälfte des Menschengeschlechtes, und man nennt gewöhnlich die Frau nicht die schlechtere Hälfte. (Heiterkeit.) Schon das bloße Wort erregt bei vielen noch heute nichts anderes als ein mitleidiges Lächeln, einen leisen Spott, bei anderen ein geheimes Grauen, das sich sogar Lust macht durch Aeußerungen gegen die „ver- rückten, emanzipierten Weiber". (Heiterkeit.) Die Katholiken Deutschlands aber haben es sich längst zur Aufgabe gemacht, die soziale Bewegung der Zeit ruhig zu beachten, ihre Ursachen billig abzuwägen und dann ohne Furcht, aber auch ohne Prahlerei durch ernste Arbeit jene Bewegung auf dem Boden der christlichen Weltanschaur ung zu erhalten und je nach Möglichkeit praktisch Abhilfe zu treffen. So wird man es auch mit der Frauenfrage halten. Die Frauenfrage existiert, leugnen und ignorieren kann man sie nicht, denn eine einfache Betrachtung der Frauenbewegung muß uns die Frage als bedeutsam erscheinen lasten. Die Frauenbewegung kam in Deutschland in den 60er Jahren auf. In dieser Bewegung machen sich zwei Richtungen geltend, die eine — sozialdemokratische — will völlige Gleichstellung der Frau mit dem Mann. Daneben hat sie auch gute Ziele, aber untergeordneter Bedeutung. Diese sind die Lockmittel, durch die sich schon manche katholische Frau über die wahren Absichten hat täuschen lassen. Darum Achtsamkeit, wenn Prinzipien ausgestellt werden, die unserer ganzen christlichen Weltanschauung widersprechen. (Lebh. Beif.) 1904 ist hier in Straßburg ein katholischer Frauenbund gegründet
gelacht, aber er hatte auch um Verzeihung gebeten. Wie bösartig mußte sie den Brüdern erscheinen !
„T nte Jerry nennt mich einen garstigen, boshaften Nichtsnutz," dachte sie „und die andern wohl auch. Niemand hat mich lieb oder kümmert sich um mich, seit Mama und Adolf tot sind. Ich wollte, ich wäre bei ihnen! Ja, wenn ich gut wäre und hübsch wie Emmy Murray, die jedermann gern hat; ich aber bin schwarz und häßlich, habe ein böses Herz und alle hassen mich! Meinethalben, ich hasse sie auch und will mit Fleiß noch häßlicher und böser werden! Tun will ich gerade, was mir gefällt; wozu wäre ich sonst auf der Welt? „Um die Leute zu quälen," sagte Miß Jerusha; also kann ich nichts dafür; und sie hat fein Reckt, mir darüber zu zürnen. Emmy behauptet, Gott laste die Menschen sterben, warum läßt er mich nickt sterben; und warum meine Mama, die so gut war? sie ist im Himmel, ich aber müßte hinunter. Frag' auch nichts darnach. Er wird dann aber wieder lachen. O weil wenn ich nur bei Mama und Adolf wäre!"
Mit Bitterkeit und Gefühl des Unrecktes im Herzen wanderte das Kind umher. Sie gedockte aller Scheltworte, die Jerusha Skamp ihr gegeben und wußte, daß sie dieselben verdiente. Auf der weiten Welt gab es kein solch' verlassenes, ungeliebtes Kind, wie sie, darum wollte sie auch niemand mehr gut fein und Haß durch Haß, Ver- achtung durch Veracktung vergelten.
Es war spät, als sie nach Hause kam. Ge- gesten hatte sie nichts, der gewaltige Zwiespalt im Innern ließ sie keinen Hunger fühlen. Das Abendbrot der alten Jungfer war bereits abgetragen und wie zu vermuten, deren Stimmung nicht rosig.
„Kommst Du endlich!" begann sie in gewohnter Weise, findest Tu Dich endlich heim, wenn es Nacht wird, nachdem Tu den ganzen Tag herumvogier- test? Peitschen sollte man Dich, Tu nichtswürdiger fauler Fratz! mach' Dich fort in die Küche und sieh, ob Mux noch etwas zu essen für Dich hat. Ser-
worden, der alle katholischen Frauenvereine Deutschlands umfassen soll.
Um den berechtigten Kern der Frauenfrage zu erfaffen, muß man die gewaltigen wirtschaftlichen Veränderungen der neuen Zeit im Auge behalten. Mancher neue Gedanke ist doch ganz gut mit katholischen Grundsätzen vereinbar. E s hilft durchaus nichts, nur zu sagen: Die Frau gehört in's Haus. Ehedem wurden viele Gebrauchsgüter von der Frau pro- duziert. Die Frauen, die erwachsenen Haustöchter, sonstige weibliche Verwandten sanden dadurch ernste und nützliche Beschäftigung. Heute kaufte man die Kleider, Einrichtungsgegenstände, Konserven; sogar des Putzens und Wafckens haben sich bereiis die industriellen Unternehmungen bemächtigt. Dadurch werden viele Frauenhände im Hause überflüssig. Für die reiche Frau ist das zunächst eine Entlastung, sie könnte sich um so eifriger der idealen Tätigkeit des Familienlebens hingeben. Ob es geschieht, laste ich dahingestellt. lHeiterkeit.) Für die arme Frau und für ihre Töchter entsteht die Notwendig- feit, außer dem Hause zu verdienen. Da helfen alle Deklamationen nichts. Das ist vielleicht die dunkelste Seite der Frauenfrage, daß eine immerhin beträchtliche Zahl verheirateter Frauen durch die Not der Zeit gezwungen sind, tagsüber fern von ihrem Hauswesen, von ihren Kindern in der Fabrik dem Verdienst nachzugehen. Hier müßte das Ideal bleiben: Die Frau, die Mutter gehört ins Haus. Begehrt die Frau nach der Ehe, ihrem wichtigsten und schwierigsten Beruf, wer mag ihr dies verdenken? (Heiterkeit.) Dann alle jene anderen, die nicht verheiratet sind. Von etwa 17 Millionen sind nur 8 Millionen ve. heiratet und eben so viel ledig, verwitwet und geschieden. Die Mehrzahl kommt erst nach dreißig Jahren zur Ehe. Das ist viellelcht auch für manche ein kleiner Trost. (Heiterkeit.) Von jenen acht Millionen ist weitaus die Mehrzahl aufs Verdienen angewiesen. Sie verdienen aber unter ungleichen und ungünstigeren Verhältnissen als die Männer.
Es muß dem Mädchen Gelegenheit gegeben werden, seine Arbeit zu lernen, wie der Knabe find seine Arbeit als gelernte bester zu verwerten. (Zustimmung.) Es muß möglich gemacht werden, das Mädchen auch vorzubereiten auf seinen natürlichen Hauptberuf, auf die Ehe, die Führung eines Haushaltes. Wieviel Familienglück hängt davon ab? (Sehr richtig!) Die gut angelernte Arbeiterin braucht der Mann nicht als Schmutz-Konkurrenz zu fürchten. (Sehr richtig!) Die Frauen gesund zu erh< Iten an Leib und Seele, ist im Hinblick auf Volksgesundheit und Wehrpflicht eine hohe und politische Ausgabe. (Lebh. Beifall.) Ferner ist es eine Fordeiung der Gerechtigkeit, die Bildung der Frauen nicht dem Fluche der Oberfläcklickkeit anhcim- faUen zu lasten. Sie muß mit der Bildung doch einigermaßen gleichen Schritt halten. (Sehr richtig! Nicht alle Töchter, die auf ben Streetb angewiesen sind, können Fabrikarbeiterinnen werden, es muß auch höhere Berufszweige für die Frauen geben. Die Frauen haben z. B. im Lehrberuf ihren vollen Befähigungsnachweis geliefert, warum sollen sie nun nicht auch in die höheren Stellen einrücken, die Heranbildung der Lehrerinnen nicht selbst befolgen können? Sie müssen höhere Studien treiben, und wenn es dienen tust Du nichts als Schläge, Du Landstreicherin Tu!"
Jerusha schöpfte Atem und erwartete die herkömmliche aufbrausende Antwort. Zu ihrem Erstaunen blieb sie aus. Stumm und düster blickte das Kind in die Stöhlen.
„Nun, was stehst Du so lange? geh' und danke, wenn man Dir zu essen gibt."
„Ich brauche nichts," antwortete Iva mürrisch.
„So, Du brauchst nichts? ist wohl nicht genug für die Prinzessin?"
Jva's Zähne knirschten, mit funkelnden Augen hat sie aus Jerusha zu, die erschreckt den nächsten Stuhl als Verteidigungswaffe erfaßte. Der Angriff erfolgte nicht. Tie Hände vor die Stirn schlagend, eilte Iva mit lautem Zornschrei aus dem Zimmer und sperrte sich in ihr Kämmerchen. In äußerster Erregtheit sank sie zu Boden. Wie lang sie lag, dem leidenschaftlichen Stürmen des wilden kleinen Herzens preisgegeben, wußte sie nicht. Sie vernahm Tante Jerry's Tritt auf der Treppe, vor ihrer Tür hielt er eigen Moment an, dann wandte er sich dem Schlafzimmer zu, dessen Riegel von innen knarrens vorgeschoben wurde. Tas arme, mißleitete Kind haßte die alte Jungfer, haßte alle, alle, die es kannte.
Allmählich verlor sich diese unnatürliche Stimmung. Iva erhob sich und trat an's Fenster.
Tie heiße Stirne an's kalte Glas gelehnt, blickte sie hinaus.
Wie mbig und still war es draußen! Schimmernd im Sternenlicht rollte der Fluß seine Wogen bin. Unter den duftenden Fichten, die traitm- selig ihre Wipfel wiegten, lag tiefer, dunkler Schatten.
Co einsam und still batte der Wald nie geschienen, kein Saut, fein Leben um und um. Iva erhob den Blick zu den Sternen. Wie liebe Freunde saugen sahen sie nieder auf das arme, verwaiste Kind, und aller Sturm, alle Bosheit schwand unter'm Zauber dieses Lichtes. Geheimes Grauen, tief und nie gefühlt, durchzog das junge Herz. Sie öffnete das Fenster, ihr rear's, als mühte sie näher sein, ganz nahe bei den schönen, sanften
unsere katholischen Mädchen versäumen, andere sind gewiß zur rechten Zeit zur Hand, und wir Katholiken geraten wieder einmal ins Hintertreffen. Wenn die radikalen Frauenrechtlerinnen gegen die Ehe losgehen und gegen den Zwang, der der Frau in ihr angetan wird, so liegt auch darin ein Körnchen Wahrheit Leider haben sich viele Männer von der christlichen Auffassung der Ehe Irsgemacht. Wohl soll der Mann des Weibes Haupt sein, aber auch Christus das Haupt des Mannes. <Bravo.) Stellt unsere Zeit nicht ungleiche Sittlichkeitsforderungen an Mann und Frau? Ist der Mann nicht gerat jo wie die Frau an das göttliche Sittengesetz gebunden? (Lebhafter Beifall.) Wie mancher Mann hat, bevor er ms Heiligtum der Ehe eintrat, die elendeste Karrikatur desselben durch und durch kennen gelernt! Aus jenen dunklen Kreisen nimmt er sich die Gesetze für fein eheli^"^ Leben und das Maß für die Anforderungc ... ;eine Frau. Ist es da unbillig, wenn die Frau sich dagegen auflehnt? Aber das Mittel dagegen ist nicht Auflösung der Einehe, sondern: alles erneuern im Geiste des christlichen Sittengesetzes! (Lebh. Beifall.) Nicht Freiheit, sondern Schutz und Recht für das Weib! Schutz und Recht gibt ihr die Kirche. Arbeiten wir redlich mit, so vermag der alte christliche Geist auch in unteren äußerlich veränderten Verbästniffen das innere Wesen sestzu- halten: Die christliche Frau, durch das Christen- tum die treue Gehilfin des Mannes, die fromme Mutier ihrer Kinder, der Segen der christlichen Gesellschaft, herangebitdet nach dem Beispiel der aUerfeligften Jungfrau Maria! (Brausender Bei- fall.) Und wie oft ist nicht auch die christliche Frau zur geistigen Muller ihres Mannes geworden! (Beifall )
Stur dann, wenn die Frauenbeivegung auf katholischem Boden gut weit, rgeführt wird, nur wenn die Frau sich selbst bewußt bleibt, daß sie nichts erreicht ohne den Mann, daß sie dem Manne untertan bleibt, daß sie ihm gleichwertig, ober nicht gleichartig ist — nur dann kann eine
ung der Frauenfrage gesunden werden. Steht je,! im Glauben, katholische Frauen! Steht fest auch gegenüber übertriebenen Forderungen der modernen Frauenwelt! Handelt männlich und tut alles iw L-ebe, in Siebe zu eurem Sohne und in Siebe zu eurem Manne, in Siebe vor allem zu dem Allerhöchsten! (Jubelnder, nicht enden, wollender Beifall.)
rpc. Straßburg, 23. August 1905.
Am Mittwoch morgen begann um ft1/» Uhr die dritte geschlossene Versammlung
unter dem Vorsitze des zweiten Vizepräsidenten Grafen Audi au-Homburg. Wie alle früheren Veriammlungen war auch diese stark besucht. Zum Orte der nächstjährigen General-Veisammlung wird Essen a. d. Ruhr gewählt. Rechtsanwalt Dr. Bell-Essen: Es sei zu erwarten, daß auch die Essener Katholiken - Versammlung segensreich wirken werde. Redner verspricht einen Empfang, wie man ihn sich glänzender nicht vor> stellen könne. (Stürmischer Beifall.) Es gelangen sodann folgende Anträge zur Annahme: Ein Antrag auf Unterstützung der deutschen Missionshäuser und Missionen im
Sternen. Ter Nachtwind strich über die heiße Stirne, spielte mit dem dunklen Lockenhaar und das tat so wohl — so Wohl!
Iva hatte oft mit den Sternen geheime Zwiesprache gepflogen, nie aber hatte ihre hohe, heilige Schönheit sie überwältigt, wie heute.
„Gott hat die Sterne gemacht," sagte sie sich, „wozu? vielleicht sind es die Augen der Menschen, die im Himmel sind, vielleicht sehen Maina's und Adolfs Augen mich an? Sie wissen, wie elend und böse ich bin, — und wie traurig. Es muß ihnen leid tun, denn auf Erden hab' ich niemand, der mich leiden mag, sie aber hatten mich lieb. — — Manche Leute beten, auch Emmy, — ich tue es nicht. Ich wüßte gar nicht, was ich sagen sollt' und Gott würde mich nicht erhören, weil ich so böse bin. Wie heißt doch nur das schöne Gebet, das Ennny immer sagt und das sie mich 'mal lehren wollte. Vielleicht finde ich's, wenigstens teilweise noch.
„Maria, o Mutter, so innig gemint, O steh' auf Dein armes . . . verlassenes Kind: Ich ruf aus dem Land der Verbannung zu Dtr — O Mutter Maria, o fomme zu mir!
In Nacht und in Trübsal sei Du mir zu Seit’ — Mein Licht, meine Zuflucht, mein Schild, mein Geleit!
Ein sündiges Kind, vertrau ich auf Dich —
O Mutter Maria, b’icf wiecer auf mich!"
Jva's Stimme verlor sich; mit gefalteten Händen, die seelenvollen Augen zu den Sternen erhoben, gab sic sich dem Eindruck hin, den die frommen Worte bedingten.
„Mutter Maria! was soll das Wohl bedeuten? meine Mutter hieß nicht Maria, und zwei Mütter bat man doch nicht. Aber schön ist's! Ich will Emmy fragen, was es bedeutet, die weiß es ge wiß. O, wenn ich nur dort oben wäre bei den lieben Sternen!"
(Fortsetzung folgt.)