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Fulda, Mittwoch, den 23. August 1905.
M 191.
32. Jahrgangs
Erstes Wlcrtt.
52. Senerolucriammmng her Katholiken Ieatschlaahs ja Slrahdurg i. 6.
(Nachdruck verboten.) cpc. Straßburg i. E., 21. Aug. 1905.
(Fortsetzung des Berichtes aus dem zweiten Blatte.)
Dem gestrigen Berichte ist noch nachzutragen, daß abends eine Beleuchtung des Münsters stattfand. Das imposante Schauspiel hatte tausende von Zuschauern angelockt. Auch zahl' reiche Privathäuser waren reich illuminiert. — Heute vormittag fand in der Festhalle die Generalversammlung des
Bolksvereins für das katholische Deutschland statt. Schon bei Eröffnung der Versammlung ist die weite Halle dicht besetzt. Auf der Vorstandstribüne wohnen wieder dieBischöfeFritzen, Benzler und Zorn v. Bulach sowie zahlreiche Parlamentarier und Vertreter des hohen Adels den Verhandlungen bei. Bei ihrem Erscheinen wurden die Hochw. Herrn Bischöfe stürmisch mit Händeklatschen begrüßt. Der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Brandts (M.-Gladbach) eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. Er dankt den Elsässern für die gastfreundliche Aufnahme und spricht die Hoffnung aus, daß das elsässische Volk den Volksverein immer mehr lieb gewinnen werde. Das wird in demselben Maße geschehen, je näher und je besser Sie ihn kennen lernen. Der heil. Vater, Papst Pius X. hat in seiner Enzyklika vom 11. Juni unfern Volksverein den Katholiken Italiens, deren Wohl ihm so sehr am Herren liegt, als
besonders nachahmenswert, gewissermaßen als Muster
inngestellt. (Lebh. Beifall); er hat ihn bezeichne! als eine „bewährte Institution", die dazu berufen- sei, ein gemeinsames Zentrum für die Katholiken aller Stände zu bilden, und er empfiehlt die Gründung einer solchen Organisation nicht blos den Italienern, sondern allen Nationen. (Lebh. Bestall). Ein solches Zeugnis aus solchem Munde muß uns anspornen, mit aber Kraft weiterzuarbeiten, und ich füge hinzu: Wenn wir demnächst die erste
halbe Million Mitglieder erreicht haben werden, so wird das für uns noch lange nicht die Grenze fern. (Stürm. Beifall.) Redner entwickelt sodann in großen Zügen das Programm des Volksvereins. Er will für die Bildung und Aufklärung des Volkes auf sozialem Gebiete tätig sein, denn eine solche gründliche Bildung und Aufklärung ist die Voraussetzung für eine größere Anteilnahme der Katholiken an allen Aufgaben der Gegenwart auf wirstchaft- lichem und intellektuellem Gebiete. Zum Schluß dankt Redner für die Unterstützung, die der KleruS, insbesondere die Hochw. Herrn Bischöfe, dem Volksverein jederzeit hätten zuteil werden lasten. (Stürmischer Beifall.)
Bischof Fritzen hält hierauf eine Ansprache an die Versammlung: „Wo ich nur irgend Gelegenheit habe, empfehle ich den Volksverein.
(Lebh. Beifall.) Es ist mein Wunsch, daß der Volksverein
selbst im kleinsten Dörfchen eingeführt werde. (Stürm. Beifall.) In diesem Sinne erteile ich dem Volksverein und feinen Mitgliedern meinen bischöflichen Segen. — Knieend empfängt hierauf die Versammlung den von den drei Bischöfen gemeinfam gespendeten Segen. Als Landes - Vertreter für Elsaß spricht hierauf Rechtsanwalt Vonderscheer: Die Worte des Hochw. Herrn Bischofs erfüllen gewiß uns alle mit ttefster Befriedigung. Wir als Gastgeber sind stolz auf diese imposante Versammlung. (Beifall.) Weiter dankt Redner allen denen, die seit Jahren an der Spitze des Vereins gearbeitet haben, insbesondere dem Vorsitzenden Brandts, dem „Leiter des Volksvereins von Gottes Gnaden (Beifall), dem Testaments-Vollstrecker des sel. Windthorst". (Stürm, langanh. Beifall.) General-Direktor Dr. Pieper erstattet hierauf den Jahresbericht. Wir heben aus demselben folgendes hervor: Die Mitgliederzahl ist von 400,000 auf 476,000 angewachsen. Eine Reihe neuer Flugschriften sind herausgegeben und in 7*/a Mill. Exemplaren verbreitet worden. Die Vereinsarbeit ist durch Dezenttalisation der Organisation und Agitation intensiver gestaltet worden Eine Reihe sozialer Standesvereine, sowie Volks- bureaus, Arbeiter-Sekretariate und der kathol. Frauenbund find finanziell unterstützt worden. Der kathol. Volksverein, so schließt Redner, ist in der Tat das geworden, was der sel. Bischof Ketteler seherischen Auges vorausgesehen und geahnt hat: der Mittelpunkt einer allumfassenden katholischen Volksbewegung. (Stürm. Beifall.) Es reden noch Justizrat Fahrenbach über die Notwendigkeit des Zusammenschlusses des kathol. Volkes im Volksoerein, Abg. Gröber über die Aufgaben des Bolksvereins, Abbe Tilly-Metz über den Volksverein in Lothringen.
Abg. Trimborn gedenkt des verstorbenen Stötzel und hält sodann die Schlußrede. Die Elsässer habe er als sehr praktische Leute befunden, settdem er als Student in Straßburg dem Elsaß seine Jugendliebe zugewandt, und darum müßten auch in dieser Versammlung praktische Entschlüsse zur Reife kommen; vor allem praktische Arbeit, zunächst durch Beitritt zum Volksverein, zumal derselbe eminent praktisch und zeitgemäß sei. Mehr wie je hat das öffentliche Leben praktische Bedeutung auch für das kirchliche Leben; darum ist es für die Kirche von größter Wichtigkeit, daß der Volksverein für das öffentliche Leben sammelt und schult und in jeder Gemeinde vertreten ist. Die Sammlung ist auch dazu notwendig, um für die Wahlen die Reserven heranzuziehen. Durch die Versammlung werden auch führende Kräfte herangezogen. Bei der Schulung für das öffentliche Leben bekämpft der Volksverein zwei Laster: die Gleichgiltigkeit. Kains Antwort: Bin ich denn der Hüter meines Bruders, bedeute die erste soziale Irrlehre, während der barmherzige Samarttan das Vorbild für den Volksverein fei. Das zweite Laster ist der Egoismus, die Engherzigkeit im Widerstreit der materiellen Interessen. Wenn es nicht gelingt, diesen Widerstreit durch Ausgleich, durch Vereinigung auf einer mittleren Linie zu überwinden, müssen Staat und Kirche schwer leiden. Der Volksverein arbeitet langsam und zuverlässig an diesem Ausgleich zum
sozialen Frieden, zum Nutzen von Staat und Kirche, darum möge der Wunsch des Bischofs von Straßburg erfüllt werden, daß auch das kleinste Dorf den Volksverein habe. Redner schließt mit einem Hoch auf die Träger der höchstM^üewalten: auf Papst und Kaiser, in das die Versammlung begeistert einstimmt. Erst um Mittag endete die Generalversammlung des Volksvereins.
Zweite geschloffene Versammlung.
Der Präsident, Erbprinz zu Löwenstein, eröffnete um */>ll Uhr die zweite geschloffene Versammlung, die sehr zahlreich besucht ist. Zunächst verliest er unter großem Beifall folgende
Antwort des Kaisers.
Potsdam, 21. Aug. 1905. Erbprinzen von Löwenstein. Durch die Worte warmer Vaterlandsliebe und treuer Anhänglichkeit, mit denen die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands Se. Majestät den Kaiser und König im heutigen Telegramm begrüßt haben, sind Allerhöchst dieselben hocherfreut worden. Se. Majestät lasten Euere Durchlaucht bitten, allen Teilnehmern an der Versammlung Allerhöchst ihren herzlichsten Dank auszusprechen. Auf Allerhöchsten Befehl v. Lueanus, Geheimer Kabinettsrat Sr. Majestät des Kaisers und Königs.
Der Statthalter von Elsaß-Lothringen hat folgende Antwort gesandt, welche gleichfalls mit Beifall ausgenommen wurde:
Langenburg, 21. Aug. Verbindlichen Dank für die freundliche Begrüßung, die mich sehr erfreut hat, spreche ich den in Straßburg versammelten Katholiken aus. Sehr glücklich macht mich die in dem Gruß von Ew. Durchlaucht ausgesprochene Erwartung, daß die gegenwärtige Tagung zur Eintracht unter den verschiedenen Konfessionen unseres Vaterlandes beitragen möge; ohne sie kann Deutschland nicht gedeihen. Fürst Hohenlohe, Kaiserlicher Statthalter.
Der Vorsitzende des ersten Ausschusses, Prinz Aren berg berichtet über die Verhandlungen im ersten Ausschuß und Prälat Nacke (Paderborn) legt bann die Gründe dar, weshalb es gerade jetzt höchst wünschenswert sei, daß der Boni- fatiusverein int weitesten Maße sich aus- breite. Die 600 Gemeinden, welche in der Diaspora vom Bonifatiusverein gegründet wurden, vergrößerten sich in ganz außerordentlicher Weise. Namentlich weist Redner auf die Verhältnisse in Sachsen hin, wo die katholische Kirche die größten Verluste erleide und wo der Bonifatiusoerein unbedingt Helsen müffe. Auch in Oesterreich seien sie noch sehr groß. Ein wahrer, echter katholischer Geist muß Oesterreich wieder durchdringen und dazu soll die helfende Hand den Oesterreichern gereicht werden. Zu all dem find große Mittel nötig und die werden schon fließen, wenn nur das katholische Volk Deutschlands mit dem Wesen und Zweck des Bonifatiusoereins vertraut gemacht wird in Vorträgen, Predigten, in der, Presse usw.
P. Alban Schachleiter (Prag): Oesterreich ist katholisch und wird katholisch bleiben. (Lebh. Beif.) Der Bonifatiusverein hat uns auf das Pferd geholfen, nun reiten wir. (Heiterkeit.) Redner erzählt dann von den Erfolgen in Oesterreich und versichert: Wir find bereits so weit gekommen, daß wir bald auf eigenen Füßen stehen. (Lebh. Beif.) Das in Prag erscheinende Boni-
Hl! I!
Nach dem Amerikanischen der Mrs. May Agnes Fleming erzählt von Lina v. Berlepsch.
7] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
In diesem Augenblick erschien Thilo Wildatr mit seinem Bruder unter der Türe. Beide hatten die Schlußworte vernommen und sahen, mit welcher Energie ihre kleine Freundin die Situation verteidigte.
Thilo nahm den Hut ab und verbeugte sich höflich vor Miß Skamp.
„Ich bitte tausend Mal um Verzeihung, wenn wir stören; mein Bruder erlitt einen Unfall und kann unmöglich weiter. Erlauben Sie gütig, daß er hier bleibe, bis ich einen Wagen bringe. Wir werden Sie nicht lange belästigen.
So unwirsch Jerusha war, ein Obdach konnte sie nicht versagen. Sie brummte zustimmend und Thilo half dem Bruder zu bequemer Lage. Iva hotte einen Schemel und schob ihn unter den kranken Fuß, ohne den Verletzten eines Blickes zu tour- digen. Sie war nicht in der Stimmung, zu ver- geffen und zu vergeben.
„In einer Stunde bin ich wieder da," sprach THÜo, „inzwischen vertraue ich meinen Bruder Ihrer Sorge, Miß Iva."
Das Mädchen hatte beiden den Rücken gekehrt und schaute verstimmt durch's Fenster.
Nachdem Thilo das Gemach verlassen, folgte sie ihm unentschlossen.
„Nun, Ida?" fragt« er umblickend.
Sie spielte mit den niederhängenden Ranken i einer Schlingpflanze.
- „Ich werde nicht hier Weibe«,* sprach sie hall scheu, hall trotzig.
L. Ailo kehrte em paar Schritte zurück und feste IN* Hand auf des Kindes Schulter.
Wie ein halbgezähmter junger Tiger vor dem Blicke des Bändigers, wich sie dem klaren, ruhigen Auge aus und schüttelte die Hand ab. Das Antlitz, das zu ihr niedersah, war weniger schön als ausdrucksvoll, es trug den Stempel tiefer Willensstärke. So jung sie war, fühlte die bislang unbesiegte Iva, daß sie vor ihrem Meister stand. Wohl versuchte sie dem Blicke zu trotzen, es ging nicht und wiederholt glitt der ihre seitwärts.
„Nun?" fragte sie leise.
„Wollen Sie mir einen Gefallen tun, Iva?" „Nun?" wiederholte sie mit zusammengekniffenen Lippen, als gälte es einen Kampf auf Leben und Tod.
„Mein Bruder ist allein, er leidet, er wollte Sie nicht beleidigen, er ist Ihr Gast. Iva, ich bitte Sie, bei ihm zu bleiben, bis ich zurück komme."
„Er hat mich ausgelacht und ich hasse ihn." „Es tut mir leid; für Einen, der einen Fehler bereut, hat eine großherzige Natur Vergeben."
„Das ist mir gleich, ich vergebe nicht. Ich tat, was ich konnte, ich hätte ihm fortgeholfen, wenn es möglich gewesen wäre, und er lachte mich aus. Rein, ich bleibe nicht bei ihm."
Zornig erregt riß sie die Blätterranken in Stücke und schleuderte sie von sich.
Thilo haschte die kleinen bösen Hände und hiell sie fest.
„Sie werden bei ihm bleiben, Iva."
„Nein, und wenn ich dafür sterben müßte."
„Jvak*
„Saffen Sie mich!" Sie versuchte die Hände los zu machen.
„Wisse« Sie, was Gastfreundschaft heißt, Iva?" rflte Thilo und hielt die Widerstrebende um fester.
„Ja."
Rudolf ift Ihr Gast; haben Sie je von de» erobern in der Wüste gehört, mein stolze- Fräulein?"
„Ja." -in weiterer mißlungener Ruck, sich zu befreien.
„Sie wissen also, sollte der Todfeind ihr Zelt betreten, so ist er sicher und wird geehrt, bewirtet gleich dem teuerlichsten Freunde."
„Gut; ich werde bei Ihrem Bruder bleiben, bis Sie zurückkommen, aber ich kann ihn nie mehr leiden. Ich hätte alles gern für ihn getan, hätte meinen Fuß verstaucht, wenn der feine dadurch heil geworden, ich meinte es so gut und er lachte."
Trotz der Gewalt, mit der sie die Tränen unterdrückte, zuckte es um den Mund. Sie wandte sich schnell ab, dem Hause zu.
Eigentümlich lächelnd blickte Thilo ihr nach.
„Besiegt zum ersten Mal im Leben," flüsterte er befriedigt. „Seltsam Kind; edle Anlagen, verdrehte Erziehung."
Er verfolgte seinen Weg.
Mit ihnbüfterter Stirn blickte Iba zum Fenster hinaus. Rudolf Wildair hatte Interesse für eigentümliche Charaktere und versuchte mit einer Ausdauer, die einer besseren Sache wert gewesen, Miß Jerusha's Unwillen zu überwinden. Endlich gelang es ihm, die alte Jungfer zur Auszählung ihrer tausend Unfälle und Beschwerden zu vermögen, während er mit solch betrübter teilnehmender Miene lauschte, daß ihr Herz zu schmelzen begann. Und als er Mieritz glänzendes Fell bewunderte, war die Eroberung gemacht. Von Stund an war sie ihm hold und öffnete demzufolge ein geheimes Eckchen ihres Schrankes und brachte ein kleines Gläschen Johannisbeerwein nebst einigen Lebkuchen zum Vorschein. Wäre Mur Zeuge solch unerhörter Freigebigkeit gewesen, sie hätte geglaubt, ihre Herrin wäre unheilbarem Wahnsinn verfallen.
Noch immer stand Iva mit düsterer Stirne und zornigem Blitze im Auge am Fenster und Miß Jerusha und Rudolf fühlten instinkttv, es wäre angezeigt, sie sich selbst zu überlasten. Ihr Unwille verzehrte sich meist tote Strohfeuer, aber eine Beleidigung vergab sie nicht. Eine solche fraß tiefer und ttefer und sank hinunter in'» innerste Herz. Bon Kind auf war sie vernachlässigt worden, ihr lebhafte» Temperament war nngezähmt, der
fatiusblatt erscheint in 800,000 Exemplaren und vermittelt religiöse Unterweifting, an der es in Oesterreich fehlt; die Abfallbewegung hat dafür gesorgt,daß Oesterreich katholisch bleibt. (Lang anhaltender Beifall.)
Darauf wird der Antrag, den Bonifatius- verein tatlräftig zu unterstützen, einstimmig angenommen.
Ein Antrag, der das „Werk zur Beseitigung der Simultanschulen" und den Verein vom hl. Franz v. Sales empfiehlt,wird, nachdem Prinz Ar en berg die Annahme befürwortet, ebenfalls angenommen. An weitere» Anträgen werden angenommen ein Antrag, der den Canisinsverein empfiehlt, (befürwortet durch den apostolischen Protonotar Kleiser Freiburgi. Schw.und den Abg. Delsor), ferner ein Antrag, der die Missionsoereinigung katholischer Frauen und Jungfrauen in Fulda empfiehtt, weiter ein Antrag auf Unterstützung des Peter Claver-Vereins für die afrikanischen Missionen (befürwortet durch Dr. Müller-Simonis). Bei den sozialen Fragen wird ein Antrag angenommen betreffend die Fürsorge für die Abwanderer vom Lande, betreffend die Durchbildung der Arbeiter in den katholischen Arbeitervereinen in sozialer und religiös-apologetischer Hinsicht. Hierauf Schluß der geschloffenen Versammlung.
Zweite öffentliche Versammlung.
Nach den Sitzungen der Ausschüsse und verschiedenen Sonderversammlungen begann um 5 Uhr die zweite öffentliche Versammlung in der Festhalle, welcher die Bischöfe Fritzen und Benzler und Weihbischof Baron v. Bulach beiwohnten. Bei Beginn der Versammlung wurden die Telegramme des Kaisers und des Statthalters verlesen, welche großen Jubel erregten, der in dreifachem brausendem Hoch auf den Kaiser Ausdruck fand. Als erster Redner, sprach heute abend Pater N a ch t w e y - Hünfeld, der apostolische Präfekt für Südwestafrika, über dir katholischen Missionen im 19. Jahrhundert. Nach einem Rückblick auf die Auslandsmissionen vergangener Zeit schilderte Redner die Bedeutung und Aufgabe katholischer Missionen in der Gegenwart und ihre segensreiche Wirkung für die kathol. Kirche und für das Deuffche Reich. An die eingehende Statistik der einzelnen katholischen Missionen schloß sich die dringende Bitte um materielle und geistige Unterstützung der katholischen Missionen. Hinweisend auf den Aufstand in Südwestafrika, wo die Eingeborenen Greueltaten gegen die Ansiedler ohne Unterschied der Konfession verübt haben, bemerkt Redner, daß die meisten nicht wußten, was sie taten; darum sei vor allem Dingen Aufklärung notwendig, zugleich aber die Erkenntnis, daß nicht Kanonen allein und nicht die Nrlpferdpeitsche im Stande seien, brave christliche Menschen zu erzielen. Gleichwohl sei die erzieherische Tätig-- kett in Südwestafrika keineswegs erfolglos gern efen, Dank der Tätigkeit der Missionen, die auch beim Aufruhr verschont geblieben feien. Das ganze Volk sei keineswegs aufständisch geworden, sondern die wahrhaft christlichen Ern- geborenen seien ruhig und treu verblieben; darum würden die Missionen weiter fortfahren, für di» Verbreitung der Religion in den deutschen Kolonien zu wirken, wobei sie allerdings dir Unterstützung der deutschen Katholiken ermatteten, besonders im Elsaß, dem klassischen Lande für
wilde Ausbruch ihrer Leidenschaft unbehindert geblieben. Ohne Religion, ohne Seelenbildung war sie aufgewachsen, ihrem Eigenwillen überlassen. Wohl hatte sie von Gott, von Himmel und Höll» sprechen hören, aber es waren nur Worte, die ihr Ohr, nicht Begriffe, die ihr Herz trafen. Nie hatte des Kindes Knie sich gebeugt zum Gebet.
War es ein Wunder, daß Iva wurde, was sie war, ein stolzes, unbeugsames, leidenschaftlich rach- sichtiges Geschöpf? Die Keime einer edlen Natur lagen in ihr, aber sie waren vernachlässigt und verwildert, indes jeder Fehler Nahrung und Ausbildung zu genießen schien.
Noch ist Iva offen, wahr und großmütig; sie schenke die Lüge, nicht weil sie Sünde, sondern weil sie etwas Niederes, Gemeines war. Großherzig wäre sie für jemand, den sie liebte, durch'» Feuer gegangen, hätte er sie aber beleidigt, st« hätte ihn ohne Scheu zurückgeschleudert in die. Flammen. Undank war keines ihrer Laster uni dennoch liefe ihr Benehmen gegen Miß Jerusha daraus schließen. Sie konnte die scharfe, bissige, wenngleich nicht bösartige alte Jungfer nicht heben und glaubte ihr nichts zu schulden, well man ihr in Barnsield diesen Begriff beigebracht hatte.
Es war fein Fehler an dem Kinde, der unter liebevoller Hand nicht zur Tugend geworden wäre. Thilo Wildair verstand ihr Wesen und beugte ihren Willen, weil der seine eben so stark uni durch Erziehung und Bildung dem ihren unendlich überlegen war.
Ihrer selbst unbewußt, hegte Iva Vorliebe für körperliche oder geistige Stärke, und von dem Moment, wo Thilo sie fühlen liefe, er könnte sie beherrschen, gewann er eine MacH über sie, die et nie wieder verlor.
Aber es schmerzte dieser erste Ring in der Kette, die später sie fesseln sollte.
Wie ein junges Pferd, das zum ersten Male Zaum und Zügel fühlt, wurde fie unruhig uni zornig gegen daS ungewohnte Joch.
„WaS hat er für ein Recht, mich bleiben m Hetzen?" fragte fie sich „und warum tue ich, waS