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Rotationsdruck n. Verlag d« Zuldaer Ac« tiendruckerei in Zulda Zernsprecher Nr. 9.
32. Jahrgang
Fulda, Montag, den 21. August 190&
M 189
3]
(Nachdruck verboten.)
Völlig außer Fassung ob solch' unerhörter Dreistigkeit folgte die alte Jungfer dem Befehl, während sie sich fragte, ob sie Wohl recht gehört hätte.
Sie trat neben die elende Lagerstätte der Kranken. Zwei hohle Augen erhoben sich zu ihr.
Angesichts des Todes, der hier das Zepter schwang, erlosch jede Spur beleidigten Selbstgefühles.
„Es tut mir wirklich leid, daß Sie an diesem elenden Orte sind," sprach sie mit sanftem, beinahe weichem Ton, „kann ich etwas für Sie tun?"
„Wer sind Sie?"
„Ich bin Miß Skam; und da ich Licht in der alten Hütte bemerkte, kam ich, um zu sehen, ob vielleicht zu helfen wWe?"
Trübe schüttelte die Kranke das Haupt.
„Ich sterbe; für mich kann niemand mehr etwas tun, — für mich ist's zu spät."
„O Mama,«MamaI" schrie die Kleine, „Du stirbst nicht. — Du darfst nicht sterben."
Leidenschaftlich umklammerte sie die Mutter. „Sei ruhig, Iva; Dein Schreien tut mir weh." Iva ermangelte aber jeder Selbstbeherrschung. „Nicht sterben, Mama! o nicht sterben! oh! oh! oh!"
Jerusha's Geduld war erschöpft; wie eine Schraube legten sich ihre Finger an den Arm der Kleinen.
„Schweig, Ungeheuer!" zischte sie erregt, „willst Du Deine Mutter vor der Zeit umbringen? Noch ein Wort und ich beutle Dir das Herz auS dem Leibe."
Und sie schüttelte da- Kind, bis ihm der Atem verging und es weinend an die alle Stelle neben den Reisigbündeln niederkauerte.
52. kenerckechnmIiW her Katholiken MWandS j» Strahburg i. 6.
. Straßburg, 20. Aug. 1905.
(Nachdruck verboten.)
(Von unserem Spezialberichterstatter.)
Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erfreut sich einer außerordentlich großen Beteiligung. Als erste erschienen auf dem Plane — wie gewöhnlich — der Augustinus verein, die Männer von der Presse, der Samstag abend eine „zwanglose Zusammenkunft", und heute (Sonntag) vormittags 11 Uhr seine Generalversammlung im Sängerhause abhielt. Aus allen Gauen Deutschlands waren die Vertreter der katholischen Presse erschienen und mit ihnen zahlreiche Parlamentarier und sonstige Freunde der Presse, geistlichen und weltlichen Standes. Bei dem feierlichen Pontifikalamte, welches heute morgen 1/«10 Uhr abgehalten wurde, reichten die weiten Hallen des alt» hrwürdigen Münsters bei weitem nicht aus, um die zahllose Menge, die von allen Seiten herbeiströmte, zu fassen. Als nach Beendigung des Gottesdienstes die Studentenvereine auffuhren, wurde das Gedränge in den Straßen immer lebhafter, zumal vom Bahnhofe her immerfort neue Scharen hinzukamen. Der Festzug der Arbeiter-, Männer-, Gesellen- und Jünglingsvereine, der nachmittags x/g2 Uhr von dem stattlichen Unrversttätsplatze auszog, konnte bei dem herrlichen Wetter sich auf's schönste entfalten. So etwas hatte man in Straßburg noch nicht gesehen. Für die Begrüßungsversammlung, mit der heute abend 8 Uhr die eigentliche Katholikenversammlung eröffnet wird, dürfte die Festhalle trotz ihres gewaltigen Umfanges wohl kaum ausreichen. Soweit man die Sache bis jetzt beurteilen kann, wird die diesjährige Generalversammlung hinter keiner ihrer Vorgängerinnen zurückstehen.
„Arme Iva!" seufzte die Kranke, „was soll aus ihr werden, wenn ich tot bin? Arme, verwaiste Kinder!"
Schmerzlich zuckte es über die leichenfahlen Züge.
„Gott lebt. „Er ist der Waisen Vater," tröstete Miß Jerusha, „kümmern Sie sich nicht nutzlos, sondern sagen Sie mir, wie Sie hierher kamen? Erst aber will ich Ihnen zu trinken geben."
Die Habichtsblicke der alten Jungfer flogen int Raume umher und gewahrten eine kleine zinnerne Tasse. Sie füllte dieselbe mit Johannisbeerwein und brachte sie an die lechzenden Lippen der Kranken.
Begierig sog diese das erquickende Getränk.
Jerusha lächelte befriedigt, ließ sich neben der Kranken auf den Boden nieder, hüllte sie liebevoll in den dünnen Shawl, legte das fieberheiße Haupt auf ihren Schoß und strich mütterlich zart die bunt- len Flechten aus der Stirne, auf welcher bereits das Zeichen des Todes lag.
„So, und nun sagen Sie mir alles," ermutigte Jerusha.
„Sie sind recht gut und lieb," antwortete die Kranke mit dankbarem Blicke, „ich fürchte so sehr, allein sterben zu müssen, deshalb sandte ich meinen Jungen zum nächsten Hause. Er sollte jemand mitbringen, aber er ist noch nicht wiedergekommen."
„Sind Sie Witwe?" fragte Jerusha unter schmerzlichen Gewissensbissen beim Gedanken an das Kind, das sie von der Schwelle gewiesen.
„Ja, seit sieben Jahren schoit. Ich heiße Alice Randall Darrell."
„Sie haben wohl keine Verwandten, weil Sie hierher kamen, an einen Ort, der kaum gut genug wäre für einen Stall."
„Keinen, keinen Freund in der weiten Welt!" entgegnete die Kranke so bitter, daß Jerusha unwillkürlich der Armen hohle Wangen streichelte.
„Hm, hm!" knurrte sie teilnahmvoll, „sind alle tot, alle tot!"
„Tot für mich!" erklärte die Fremde.
3em Volke entstammt.
Rach dem Amerikanischen der Mrs. May AgneS Fleming erzähll von Lina v. Berlepsch.
cpc. Straßburg i. E., 20. Aug. 1905.
Erster Tag: Sonntag.
„Und du staunst, wenn all die Laute, All das Rauschen und das Singen Andachtsvoll zu einem großen Gotteslob zusammenklingen." —
Wir sind es nachgerade gewohnt, daß unsere Katholikenversammlungen von gegnerischer Seite teils aus Unkenntnis, teils in tendenziöser Absicht als politische Veranstaltuugen im Volke verdächtigt werden und das Schlagwort vom politischen Katholizismus auf sie beliebte Anwendung findet. Auch diesmal wird es nicht an solchen Stimmen fehlen, zumal da die diesjährige Ka- tbolikenversammlung die erste ist, welche in den Reichslanden tagt. Mag es auch für uns nicht angenehm sein, längst durch Wort und Tat widerlegte Behauptungen immer wieder hören zu wüsfen, so wollen wir uns dadurch doch nicht die Freude vergällen lassen, die jeden Katholiken ergreifen und erfüllen muß, wenn er sieht, wie aus allen Gauen Deutschlands tausende und abertausende Glaubensbrüder nach Straßburg geeilt sind, um in einer Zeit, wo die staatliche und kirchliche Autorität dem Ansturm feindlicher Gewalten ausgesetzt sind, Zeugnis davon abzulegen.
daß in dem christlichen Volke Deutschlands noch eine gesunde Kraft wurzelt, die sich in den Dienst von Altar und Thron stellt. Ob wir den alemannischen Dialekt hier hören oder den niedersächsischen, ob die neuhochdeutsche Sprache an unser Ohr klingt oder die romanische; sie alle künden, daß sie beseelt sind von dem ewigen Gottesgedanken und andachtsvoll sttmmt der Glocken eherner Ton in das Gotteslob zusammen, die Weihe des Tages wird erhöht durch den Festschmuck, den die „wunderschöne Stadt" angelegt hat und wenn man die Psychologie des Volksmundes, wie sie in dieser Bezeichnung zum Ausdruck kommt, recht versteht, so ist es vornehmlich der gewinnende, persönlich liebenswürdige Charakter des Sttaßburgers, welche den Aufenthalt in Straßburg zu einem so schönen macht. Aufrichtige Teilnahme macht sich in der Straßburger Bevölkerung ob der imposanten Menschen- maffe, die seit heute früh in den Straßen wogt, geltend; man hat das richttge Gefühl, daß eine solche Veranstaltung Achtung für sich in Anspruch nehmen darf, auch wenn man konfessionell auf einem anderen Standpunkt steht. Ein Konzentrattonspunkt war am heutigen Morgen das feierliche Pontifikalamt im Alünster, in welchem die Gnade des hl. Geistes auf die 52. Generalversammlung herabgefleht wurde. Waren dort schon viele tausende versammelt, so brachten die Extrazüge immer neue Scharen und um mittag waren 35,000 Personen in Straßburg zusammen, die sich zum Arveifrrfestzug arrangierten.
Der Festzug
setzte sich nach Via Uhr in Bewegung. Es fällt aus dem Rahmen unseres Berichts heraus, eine detaillierte Schilderung dieses Festzuges zu geben, der alles übertrifft, was Straßburg und andere Katholikenversammlungen an ähnlichen Veranstaltungen bisher gesehen haben. Der Schweiz hatte man als besondere Auszeichnung den Voranttitt überlassen, sodann folgte eine kombinierte Gruppe, weiter Preußen, Württem- bcrg, bayer. Pfalz, Baden, Lothringen, Ober-Elfaß, Unter-Elsaß, Straßburg. Unter-Elsaß war mit 12,000,Baden 4000, Oberelsaß, Straßburg und Lothringen waren je mit 3000 und Preußen mit 2000 Teilnehmern vertreten. Jeder Gruppe wurde die Landesfahne voraufgetragen, dem ganzen Zug die Fahne des deutschen Reichs.
Auf Grund einer besonderen Festzug-Ordnung schwenkten nach Vollendung des Umzugs, flier Durch das Spalier einer dichtgedrängten Volksmenge erfolgte, die einzelnen Gruppen zu dem für sie bestimmten Versammlungslokal ab. Da die Zahl der Teilnehmer gegen die Anmeldungsziffer vom Freitag sich noch um 5000 vermehrt hatte, mußte noch ein 10tes Versammlungslokal hergerichtet werden und zwar der Schloßplatz des ehemaligen bischöflichen Schlosses.
Die Hauptversammlung fand in der Festhalle statt, wo Graf Droste-Vischering präsidierte. Von den übrigen Nebenversammlungen sind besonders hervorzuheben diejenige im alten Bahnhof, in der Markthalle (dem ftüheren Kaufhaus), im bischöfl. Gymnasium und im Priesterseminar. Da die Themata inden Parallversamm- lungen dieselben waren, müssen wir uns damit begnügen, >:ur über die Versammlung in der Festhalle Eiührlicher zu berichten. Es sprachen in der Festhalle Schiffer- Düsseldorf und Pfarrer
Prof. Dr. Meyenberg-Luzern: „Das Zusammenwirken von Kirche und Staat zum Wohle Der Gesellschaft".
Geh. Rat Roer en-Köln: „Der Kampf gegen die Unsittlichkeit in Schrift und Bild".
P. Heinr. Lies e-Exaeten: „DerBonifatius- verein".
Graf Oppersdorf (Johann)-Oberglogau: „Die soziale Frage".
Universitätsprosessor Dr. Mausbach- Münster i. W.: „Die Pflicht der Anteilnahme der Katholiken an Kunst und Wissenschaft".
Rektor ZieschöBreslau, welcher über „Die Katholiken und die Volksbildung" sprechen sollte, kann infolge Erkrankung an der Katholikentagung' nicht teilnehmen. ____________
Deutsches Reich.
Berlin, den 19. August 1905.
* Der Kaiser und die Kaiserin bitten nach einer Mitteilung der ,Nordd. Allgem. Ztg/ anläßlich der im Winter bevorstehenden Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares von der Darbietung irgend welcher persönlichen Geschenke freundlichst abzusehen. Dagegen werden es Ihre Majestäten mit Freude und _ Genugtuung _ begrüßen, wenn Private, Vereine und sonstige Körperschaften das Familienfest im Kaiserhause als Anlaß benutzen wollen, um Zuwendungen und Stiftungen zu nationalen, wohltätigen und fonsttgen gemeinnützigen Zwecken zu machen."
* Der Bau einer neuen kaiserlichen Jacht ist, wie dem Hanseatischen Presse-Bureau aus Mariuekreisen mitgeteilt wird, in Aussicht genommen. Bereits auf der letzten Mittelmeerreise des Kaisers wurde dem Kaiser das von einer englischen Werft hergestellte Modell einer neuen Jacht gezeigt, welche in ihren Dimensionen größer ist als die jetzige „Hohenzollern" und sich durch die weniger umfangreichen Deckaufbauten auszeichnet. Auch die kaiferliche Werft hat ein Modell anfertigen lassen, das obigen Anforderungen entspricht. Danach würde der Neubau der englischen Königsjacht „Viktoria and Albert" ähneln. Die „Hohenzollern" wurde im Jahre 1892 als Aviso gebaut und später in eine kaiserliche Jacht umgewandelt, welche anstelle der alten „Hohenzollern" des jetzigen „Kaiseradler" traf.'
* Gegen den Katholikentag in Straßburg planen die Sozialdemokraten eine Kundgebung. Der ,Fr. Pr/ zufolge wird Abgeordneter Bebel am Sonntag, den 27. Aug. in der städtischen Markthalle in Straßburg über das Thema „Die politische Situation und der deutsche Katholikentag" sprechen. Das Gesuch, die Bebelsche Versammlung unter freiem Himmel stattfinden zu kaffen, wurde von der Behörde ab» schlägig beschieden. Ein Versuch, die für den 52. deutschen Katholikentag erbaute Festhalle zur Bebelschen Versammlung zu erhalten, schlug ebenfalls fehl.
* Erzbischof Stablewski ist übel daran. Die Polen schelten ihn, weil er anläßlich des Kaiserbefuches in Gnesen feierliches Glockengeläute der Kirchen, Beflaggung der Kirchentürme mit deutschen Fahnen und Versammlung der Gnesener Geistlichkeit auf dem Marktplatze anordnete. Die Hakatisten schelten ihn, weil er, der krank ist, sich beim Kaiserbesuche nicht zeigte. Wir ziehen aus diesen Schimpfereien der deutschen und polnischen Radikalen den Schluß, daß Erzbischof
„Geh, laß mich! ich tue Deiner Mama nichts." Mit Mühe schüttelte sie die eisenfesten kleinen Finger ab, die sich wie die Scheeren einer Krabbe um ihre Schultern klammerten.
„Iva lieb, geh, setz' Dich hin!" bat die Kranke. „O, was soll aus dem Kinde werden, wenn ich fort bin? Verzeihen Sie ihr," fuhr sie mit schwacher Stimme fort, „'s ist ein halbwildes, ungebänbig- tes Ding. Wenn Sie Kinder haben, werden Sie aus Erfahrung wissen . . ."
„Ich hab' keine Kinder", unterbrach Jerusha, „wenn dieses Mädchen aber mir gehörte, sollte eS bald anders sein."
Die Kranke hatte die letzten Worte nicht vernommen; Iva zog sich zurück, ohne die brennenden Augen von der, alten Jungfer^zu tuendem
„Und sie? ist auch sie eine Komödiantin?" fragte Jerusha mit einem Blick auf die Kleine.
„Sie spielt Kinder- und Pagenrollen, singt und tanzt, und war immer der Liebling des Publikums. Mit der Zeit wird sie eine tüchtige Künstlerin werden," entgegnete d». armt Mutier mit mehr Lebhaftigkeit art. bisher.
„Und Sie wollen aus Ihrer Tochter eine so nichtsnutttue Theatermamsell machen? Schämen Sie sich, Mrs. Darell! Ich würde sie lieber Zuständig verhungern sehen."
Seufzend wandte sich Kranke ab.
„Damit will ich v'ch- sagen, daß sie verhungern mut’," b-u-ütotdbtigit Jerusha. „es gibt Waisenhäuser und Armenpfleger genug, und für ba» Kind wirb gesorgt werben. Wie aber kommen Sie hierher?"
„Mit der Truppe, zu der ich gehörte. Wir spielten in einer nahen Stadt, und Iva, die, wie Sie ja selbst sagen, einen unbändigen Charakter hat, bekam mehrfach Schelte vom Direktor, weil sie nicht spielen wollte, wenn er es verlangte. Eines Abends hatte sie getanzt und das ganze Haus applaudierte. Nun sollte sie noch einmal auftreten, ich aber fühlte mich sehr unwohl um» Iva bestand darauf, mtt mir nach Hause zu gehen.
Forschner-Mainz,im Sängerhaus Arbeitersekretär Andre-Stuttgart und Generalsekretär Dr Sipp-Straßburg, im Exerzierhaus: Arbeitersekretär Oswald-Aschaffenburg und Generalsekretär Ob er le-Straßburg, Alter Bahnhof: Arbeitersekretär N e u m e y e r-München und Pfarrer Rektor Kastert-Kalk, in der Au- bette: Arbeitersekretär Bernzoll-Kaiserslautern und Stadtpfarrer Knebel-Mannheim, in der Markthalle: ArbeiterfekretärRaderrnacher- Koblenz und Prof. Dr. Meyers-Luxemburg, in der Reunion des Arts: Arbeiterfekretär Fischer-Mühlhausen i. ,E. und Generalsekretär Dr. Pieper-M.-Gladbach, im bischöflichen Gymnasium: Arbeitersekretär Wernerus- Aachen und Kaplan Donders-Münster i. W., im bischöfl. Priesterseminar: Arbeitersekretär Gable-Kneudingen und Kaplan Hülsmann- Dülken, auf dem Schloßplatz: Dr. Wurm.
Neben der Versammlung in der Festhalle machte besonders die Versammlung in der alten Bahnhofshalle einen imposanten Eindruck. Die Halle verrät noch ganz ihre frühere Bestimmung. Dort wo früher die Geleise lagen, sind Steinflächen gelegt, sodaß die Halle in mehrere Einzelhallen zerfällt. Nach der einen Seite, wo früher die Züge ausfuhren, ist die Halle offen; sie umfaßt 10 000 Personen. Die Markthalle oas frühere Kaufhaus, stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Auch dieses Lokal gehört zu den geräumigsten, welche Straßburg ausweist.
Bevor wir über die Arbeiterversammlungen des näheren berichten, sei noch folgendes hervorzuheben: An Mitgliedskarten waren bis Samstag 2100 verkauft worden; die Erwartung scheint demnach nicht unberechtigt, daß Straßburg die Kölner Jubelversammlung einholen wird. Zur gleichen Zeit betrug die Zahl der Studenten- und Lehrerkarten an 500. Zur Bewältigung des ungeheueren Massenandrangs hat die Straßburger Straßenbahnverwaltung zahlreiche Sonderzüge eingelegt und den Plan derselben unter den Äesuchern des Katholikentages verteilen lassen.
Vom Festblatt, das reichhaltig ausgestattet ist und dessen Redaktion in der Hand des noch von der Regensburger Tagung in gutem Andenken stehenden Prof. Dr. Barth liegt, liegen bis jetzt 2 Nummern vor. Die erste entbietet den Mitgliedern des Katholikentags in Poesie und Prosa den Willkommgruß und veröffentlicht u. a. die Ergebenheitsadreffe an den hl Vater. Die zweite Nummer veröffentlicht die Teilnehmerliste.
Was das Rednerprogramm betrifft, fo werden in den öffentlichen Versammlungen sprechen: W»
Abg. Gröber über „die Quellen des religiösen Lebens und ihre Wirkungen in der katholischen Kirche".
Prälat Dr. Ehrhard, Universitätsprofessor zu Straßburg: „Die Bedeutung des Papsttums für Religion und Kultur".
P. Nachtwey, apostol. Präfekt von Kamerun: „Die Missionen im 19. Jahrhundert und die dem katholischen Volke ans ihnen erwachsenden Pflichten".
Amtsgerichtsrat de Witt-Köln: „Diewahre und falsche Toleranz in Religion, Kirche und Staat".
P. Benno Auracher Ord. Cap. Provinzial in Alt-Oetting: „Die Frauenfrage".
„Ja, aber um Gotteswillen, was haben Sie ihnen denn getan?"
„Ich heiratete gegen den Willen meines Vaters."
„Oh — bas war freilich nicht recht!" rief bie alte Jungfer, „aber verzieh Ihnen benn bie Familie später nicht?"
„Mein Vater haßte meinen Mann, weil er Schaufpieler war."
„Ein — Schau—spie—ler?" wiederholte Jerusha starr vor Schrecken, „hatten Sie benn ganz den Kopf verloren?"
„Ach, ich war ein Kind unb wußte nicht, was ich tat. Mir schien bas Leben nur Glanz unb Licht, Musik unb Tanz. Wie halb aber fanb ich bas Gegenteil."
„Nun, bas versteht sich! Du lieber Gott! was gibt's doch für törichte Menschen!"
„Mein Vater verstieß mich, meine Familie wollte nichts mehr von mir wissen unb es blieb mir nichts übrig, als mich ber Gesellschaft anzuschließen, zu ber mein Mann gehörte. Acht Jahre wanberten Wir von Ort zu Ort, von Lanb zu Land, immer in Not unb Armut, benn Arthur spielte unb trank."
„Unb Sie? Gehörten auch Sie zum Theater?" „Es blieb mir ja nichts anberes übrig, um Brot zu verdienen für meine Kinber."
M ^."Jerusha war nie mit Schauspielern in
——3 gekommen, für sie waren es Wesen be- fo- Xrt: Spukgestalten, Dämone, Kinber ber
Naa Las Wunder also, wenn bei solch uner
warteter Entdeckung fie jetzt -'uffprmgen wollte, auf bie Gefahr hin, bie schwache Bürbe, bie ihr im Schoße lag, unsanft hinzuwerfen. Eine Hand aber brückte sie nieber; fast fürchtete sie, es sei ber Gottseibeiuns in höchst eigener Gestalt. Als sie ober emporblickte, sah sie in bie flammenben Augen ber kleinen Iva.
„Du häßliches, böses, altes Weib!" rief diese leidenschaftlich, „wenn Du Mama wehe tust, bringe ich Dich um! Ja, ich bringe Dich um!" Des Kindes Augen sprühten so drohend, daß Jerusha geängstigt die frühere Stellung einnahm.