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32. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, bett 17. August 1905
M 186.
Hotetionsbrwd n. Verlag der guldaer Ae- tiendrackerei in gulba zernsprechrr Ur. 9.
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Z. parzeller in gulda. wochenbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung"
land den Krieg zu erklären und daß damals die Flotte mobil gemacht worden sei. Der .Vorwärts' will erfahren haben, daß die Ursache jenes angeblich drohenden Zusammenstoßes in einem schweren Konflikt zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard gelegen habe. Da aber diese neue Lüge des ,Vorwätts' diesem selbst zu albern erscheinen müßte und doch die Sozialdemokratie den Mafien als einziger Hott des Friedens empfohlen werden sollte, so sucht sich das Blatt mit der Behauptung zu helfen, daß solche wahnsinnige Erfindungen auch nur möglich seien, das zeige schon, zu welchem Abgrund allmählich das byzantinische, verkrüppelte, öffentliche Gewissen Deufichlands die Dinge treibe. In Wahrheit beweist damit der,Vorwätts' nur, daß er ohne alle Rücksicht auf das vaterländische Interesse mit auswärtigen Angelegenheiten groben Schwindel tteibt."
* Eine Lücke im Jnvalidenversicherungs- qesetz. Nach dem Jnvalidenversicherungsgesetz hat der Versicherte erst dann Ansprüche an die Landesversicherungsanstalt, wenn eine bestimmte Anzahl Marken geklebt ist. Ein Arbeitgeber, merkwürdigerweise eine preußische Behörde, hatte es unterlassen, für den Arbeitnehmer Marken zu kleben. Als letzterer Ansprüche an die Landesversicherungsanstalt stellte, wurde er abschlägig beschieden. Er klagte nun gegen den Arbeitgeber auf Schadenersatz, wurde aber in allen Instanzen, zuletzt vom Reichsgericht abgewiesen, weit das Gesetz keine Handhabe biete, den Arbeitgeber zum Ersatz des Schadens heranzuziehen. Wir haben also den Fall, daß ein Arbeitgeber sich seiner gesetzlichen Verpflichtungen entziehen i kann, und daß er trotzdem für den Schaden nicht haftet. Sicher war dies nicht der Wille des Gesetzgebers. Der Kaufmännische Verband für weibliche Angestellte, der seinen Hauptsitz in Berlin hat und etwa 20 000 Mitglieder in allen Teilen des Deutschen Reiches besitzt, hat beschlossen, an den Reichstag eine Eingabe zu richten, die eine Bestimmung verlangt, daß Arbeitgeber, die vorsätzlich oder aus Fahrlässigkeit keine Marken oder eine ungenügende Anzahl Marken kleben, für den etwa entstehenden Schaden haftbar gemacht werden können.
Ausland.
* Worte und Taten der holländischen Liberalen. Einer der von den Liberalen proklamierten Grundsätze war von jeher geistige Freiheit. Aber der Schulkampf hat gezeigt, wie wenig daraus in der Praxis wurde. Für diese allererste Forderung, daß die Eltern selbst entscheiden dürfen, in welchem Geiste ihre Kinder erzogen werden sollen, fühlte man nichts. Ein anderer liberaler Grundsatz war der vom Rechtsstaate. Aber als es darauf ankam, diesen Rechtsstaat durch Ergänzung der Gesetzgebung gegen anarchistische Wühlereien zu schützen, machten die liberalen Politiker, betäubt durch das sozialdemokratische Toben, allerlei Schwierigkeiten, und die festgeschlossene rechte Seite, die war es, die trotz des ermüdenden Widerstandes der Liberalen einen festen Standpunkt einnahm und die Versuche der Sozialdemokraten vereitelte. Ein drittes Grundprinzip war die Duldsamkeit und das Fernhalten kirchlicher Streitigkeiten vom Gebiete der Politik. Aber noch die jüngsten Wahlen haben gelehrt, wesen und nun plötzlich wieder an's Licht gesprudelt wäre. .
„Hanna," sagte er darum im Tone reinster Leidenschaft, „rechne nicht mit mir nach dem ju- gendhaften Verrat, welchen ich an Dir verübt habe, sondern bedenke, daß vor Dir ein Mann steht, den das Leben erzogen hat, und der als Köstlichstes, was sich ihm jetzt noch in seiner gesicherten Existenz bieten kann, Dich als sein angebetetes Weib erfleht I"
Das Fräulein horchte ganz erschreckt auf den rauhen, von tiefer Bewegung zeugenden Klang seiner Stimme; sie stand vom Stuhl auf, und sich lieb und tröstend über ihn beugend, erwiderte sie leise' aber bestimmt, indem sie nunmehr auch die trauliche Anrede benützte:
„Lieber, lieber Felix I Teurer, nie vergessener Freund! Welch' phantastische, träumerische Stimmung hat Dich überkommen, daß Du um die blinde, alte Hanna Geldern wirbst, als wäre sie ein jugendfrisches, liebeerfülltes Weib? Du siehst mich betrübt und erstaunt zugleich, da ich die Sprache der Leidenschaft nicht mehr begreife und vor ihr nur noch zurückschrecke. Ich habe Dir doch im Anfang schon gesagt, daß mein Herz still und ruhig geworden ist und nur für den Frieden schlägt, den es endlich gefunden!"
„Ach, da habe ich also einen richtigen Korb erhalten ; das ist die gerechte Vergeltung für meine Vergehen. Man sagt ja: Jede Schuld rächt sich auf Erden! Und ich Tor hoffte, mir ein spates Glück zu sichern, indem ich Dich Deiner traurigen Umgebung entriß."
„Du bist auch da wieder im Irrtum, wenn Du glaubst, daß der Ott, an welchem ich mich b^ finde, etwas Trostloses oder Beengendes für mich habe Ich liebe meine alten, unglücklichen Nachbarn samt ihren Schwächen und Gebrechen!"
„Natürlich, es setzt ja Deiner Selbstverleug- nung die Krone auf, diese Krüppel und Idioten, die das Auge abschrecken, in Deiner Nähe zu dulden."
her einen solchen Andrang von Vertretern der I Presse auf. Außer deutschen sind vor allem französische, italienische und spanische Korrespondenten angemeldet.
§ In betreff der Gerüchte, wonach der Bau von größeren Linienschiffen in Aussicht genommen ist, schreibt die .Germania': „Uns wundett bei der Sache schließlich nur eins: daß man sich mit 16,000 Tonnenschiffen begnügen will, während man doch auf die schon weit größeren Schiffe anderer Seemächte hinweist. Da man weiß, daß die neuen Forderungen im Reichstage nicht so leicht durchzusetzen sein werden, betont man, daß es sich ja zunächst nur um den Ersatz der Schiffe handele, die nach dem Flottengesetze auf eine 25jährige Dienstzeit zur ückblicken, aber man fügt gleich hinzu, daß bei den raschen Fortschtttten der Schiffbau- und Waffentechnik die Dienstzeit von 25 Jahren zu lang sei. Alles, was man im Jahre 1897 dem Reichstage zur Begründung der Flottenvorlage gesagt hat, war also „für die Katz"; heute redet man wieder ganz anders. Da wäre es wohl das beste, auf die alljährliche Bewilligung der neuen Schiffe zurüchukommen und keine Pläne auf lange Zeit anftustellen, an die der Reichstag zwar gebunden sein soll, die Marineverwaltung sich aber regelmäßig nicht hält."
* Zuck Oberpräsidenten der Rheinprovinz ist, wie die .Kölnische Zeitung' zuverlässig erfahren haben will, Kammerherr Freiherr von Schorlemer-Liefer ausersehen. Wenn es ! wahr ist, so erhält die Rheinprovinz doch endlich einmal einen katholischen Oberpräsidenten. Frhr. von Schorlemer, am 29. September 1859 als Sohn des berühmten Zentrumsabgeordneten und Gründers des westfälischen Bauernvereins geboren, ist seit 5* 1/a Jahren Vorsitzender der Landwittschaftskammer für die Rheinprovinz und gehött seit dem Jahre 1901 dem Herren- Hause an.
Dr. Klemens Frhr. v. Schorlemer ist am 29. September 1856 auf Haus Alst im Kreise Steinfurt als zweiter Sohu des bekannten Zentrumsführers und westfälischen „Bauernkönigs" Dr. Burghard Frhr. von Schorlemer-Alst geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums in Rheine studierte er von 1874 an in Göttingen und Würzburg die Rechte, wurde 1877
Referendar und 1884 Assessor, nachdem er inzwischen | seiner Militärpflicht genügt hatte. Zuerst bei der Staatsanwaltschaft in Bonn und Düffeldorf beschäftigt, wurde er im Jahre 1886 in die Staatsverwaltung übernommen und war als Regierungsassesfor bis 1888 in Magdeburg tätig. Am 14. November 188$ jutn Landrat in Neuß ernannt, blieb er in dieser Stellung bis zum 1. Dezember 1897, wo er die Vertretung des erkrankten Oberpräsidialrats in Breslau übernahm und später dessen Nachfolger wurde. Am 1. April 1899 wurde er auf ein Jahr beurlaubt und schied ein Jahr später, am 26. März 1900, aus dem Staatsdienste aus, da er inzwischen — am 16. November 1899 — zum Präsidenten der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz ernannt war. Seinen Wohnsitz nahm er in Lieser a. d. Mosel, um von dort gleichzeitig seine ausgedehnten Besitzungen in der Rheinprovinz verwalten zu können. Vermählt ist Frhr. v. Schorlemer seit dem 28. Januar 1880 mit Maria geb. Puricelli aus Trier. Dieser Ehe sind acht Kinder entsprossen. Eine Tochter wurde den Eltern neulich durch den Tod entrissen.
* Gefährlicher Klatsch. Zu den unter diesem Titel bereits beleuchteten „Geschichten" des .Vorwärts' schreibt heute die .Nordd. Allgem. Ztg.': „Um sich von neuem in die Rolle eines Wächters | des Weltfriedens zu produzieren, hat der ,Vor- I wärts' die längst abgetanen Unwahrheiten hervorgeholt, daß Deutschland am Ausgange des vorigen Jahres im Begriffe gewesen sei, Eng-
— Ich kann mir Wohl auch denken, daß Sie, nachdem Sie auf mir unerklärliche Weise erfahren haben, wer der Absender der geringen Summe I war, mir nachträglich das Darlehen zurückbezahlen wollen!"
„Und sagt Dir Dein Herz nichts, Hanna?
Ein tiefernster Ausdruck lag nun auf ihrem Antlitz, als sie den Kopf schüttelte und entgegnete:
„Nein, es sei denn, daß Sie mir vielleicht Grütze von Ihrer lieben Frau zu übermitteln haben!"
„Die würde ich auch gewih ausrichten, wenn meine liebe Annie noch auf dieser Erde weilte;
I aber mein armes, kindliches Frauchen wurde mir schon vor vier Jahren durch den Tod entrissen. Gerade zu jener Zeit, wo ich ihr den Kummer, den sie mit mir gemeinschaftlich getragen, durch ein angenehmes, sorgenfreies Leben hätte vergelten können!"
„Ach, wie traurig! Da kondoliere ich Ihnen von Herzen, armer Freund."
„Wirst Du mich nun nicht mehr mißverstehen, Hanna, wenn ich, auf Deine Großmut und Deine Seelengröße vertrauend, an diese ernste Mitteilung eine inhaltsschwere, flehentliche Bitte anknüpfe?" .
Hanna Geldern rückte plötzlich mit ihrem Stuhle und erweiterte so den Raum zwischen sich und dem Manne.
„Verzeihen Sie, Feli?; aber ich kann und will nicht verstehen, was Sie damit sagen wollen!"
Der Künstler wurde blaß vor Erregung. Ge- ftern abend noch wollte er den einstigen Treubruch durch das erneute Anbieten feiner Hand an die frühere Braut sühnen und damit der tiefen Dankbarkeit Genüge leisten, die ihn für die Helferin in seiner höchsten Not beseelte. Seit der halben Stunde aber, die er in der Nähe der Blinden zubrachte, war in ihm, gleichsam als Phönix aus der Asche, die alte, noch berftärfte Liebe erstiegen, und er hatte das Gefühl, als ob diese warme heilige I Quelle nur lange, lange Jahre verschüttet ge-
Deulsches Reich.
Berlin, den 16. August 1905.
* Zur (y itefener Kaiserrede. Da der Kaiser sich in Gnesen auf mündliche Aeußerungen Papst Leo XIII. berufen hat, erscheint es nützlich, an die Encykliken dieses Papstes an die polnischen Bischöfe vom 19. März 1894 zu erinnern. Darin heißt es in bezug auf Posen-Gne- sen: „Auch sehr gern richten Wir an euch das Wott, die ihr in der Diözese Posen-Gnesen wohnt. In der Tat ist es Uns besonders angenehm, daran zu erinnern, wie Wir auf den Sitz des hl. Adalbert einen euerer Mitbürger gesetzt haben, welchen die Wünsche aller dorthin riefen: einen durch feine Frömmigkeit, Weisheit und christliche Liebe hervorragenden Mann. Noch angenehmer ist es Uns, zu sehen, mit welcher Liebe ihr euch alle seiner milden und fruchtbaren Regierung unterordnet; das berechtigt Uns zu der Hoffnung, daß der Stand der katholischen Religion unter euch mit jedem Tage blühender sich gestalten werde. Damit aber diese Hoffnung sich immer mehr befestige und vollständig eueren Wünschen entspreche, so befehlen Wir euch, und zwar nicht ohne Ursache, zum hochherzigen Gerechtigkeitssinn des allerdurchlauchtigste n Kaisers Vertrauen zu haben. Mehr denn einmal haben Wir aus seinem Munde vernommen, daß seine Gunstbezeugungen und sein Wohlwollen euch zur Seite stehen werden, wenn ihr in der Achtung der Gesetze und in dem christlichen Rahmen aller guten Handlungen verharrt."
** Der Truppennachschub nach Südwest- asrika. Endlich hat die Reichsregierung Wotte gesunden, um auf die Anschuldigung zu antworten, daß sie in unverantwortlicher Weise das Budgetrecht des Reichstags und indirekt die Verfassung dadurch verletzt habe, daß sie Truppensendungen nach Deutschsüdwestafrika bewerkstelligte/ die übet die vom Reichstage bewilligten Sätze hinausgingen. Es hat einige Wochen gedauert, bis die ,Nordd. Allgem. Ztg.' in den Stand versetzt wurde, dieser schweren Anschuldigung entgegenzutreten; erst heute — Mittwoch abend — bringt das offiziös Blatt eine lange Auseinandersetzung über die Angelegenheit. Wir geben von vornherein zu, daß die Mitteilungen der ,Nordd. Allgem. Ztg.' uns in der Hauptsache zufrieden stellen; denn sie enthalten den Nachweis, daß die Reichsregierung nicht nur bei den bisherigen Truppensendungen bona fide gehandelt habe, sondern auch gewillt ist, für etwaige über die Bewilligungen des Reichstages in verkennbarer Weise hinausgehende, sich als notwendig herausstellende Verstärkungen unserer südwestafrikanischen Truppen auf dem Wege der Nachtragetats die vorherige Genehmigung des Reichstages einzuholen und zu diesem Zweck die gesetzgebenden Körperschaften rechtzeitig einzube- rufen.
* Der Zudrang von Vertretern der Presse zur Katholikenversammlung in Straßburg ist außergewöhnlich stark. Die in der Festhalle für Journalisten vorgesehenen 160 Plätze, welche um 40 die seitherige Durchschnittsziffer der auf deutschen Katholikentagen jeweils erzielten Korrespondenten übertrifft, sind sämtlich besetzt. 130 Plätze sind an Vertreter von Zentrumsblättern, 30 an nichtkatholische Zeitungen vergeben. Kein deutscher Katholikentag wies bis-
Die helfende Hand.
Novelle von Maria Bai er lein.
8] (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Und die Blinde begriff wohl die verletzte Männereitelkeit; denn sie tastete nach seinen Händen und indem ihre kühlen, weichen Finger leise und beruhigend über dieselben glitten, sagte sie lächelnd:
„Sie irren sich, mein Freund; so gänzlich unvorbereitet hat mich Ihr Erscheinen doch nicht getroffen. Der Herr Pfarrer, welcher mich gestern besuchte, teilte mir mit, daß der berühmte Orgel- virtuose Felix Steiner morgen in unserer Kirche ein Konzert zugunsten des Waisenhausfonds ab- halten werde. Seither habe ich mich in Gedanken gar viel mit Ihnen beschäftigt, und es war wohl eine Art Hellseherei, mit welcher ich vorhin Ihre Anwesenheit sofort erriet." —
Der Musiker war unter einem eigenen Gefühl erschauert, als er die schmeichelnde Berührung ihrer Hand fühlte. Er glaubte sich wieder um Jahre zurückversetzt. Das war ja die charakteristische Liebkosung seiner einstigen Braut ge- wesen, die sonst so zurückhaltend und spröde gegen ihn war. Ein heißer Glutstrom fuhr ihm zum Herzen; in impulsiver Gefühlsaufwallung ergriff er die schlanken, noch immer auf seinem Arm liegenden Finger, drückte dieselben mit Wärme und sagte:
„Weil Du denn so hellseherisch bist, ahnst Du wohl auch, was mich gleich heute früh zu Dir trieb, Du edle, Dich felbstvergefiende Seele!"
Hanna Geldern bemühte sich, die gefangenen Hände zurückzuziehen, jedoch ohne Erfolg.
„Sie haben ja Ihr Vorhaben bereits erledigt und mir für den kleinen Dienst, den ich Ihnen einst leisten durfte, überschwenglich gedankt, Felix!
wie man auf der linken Seite nichts Böses darin steht, wenn man die konfessionelle Hetze zu Parteizwecken verwenden kann und das ganze Land durch das Feuer kirchlicher Jntolleranz in Erregung zu versetzen versucht. Selten hat eine Partei in der Praxis so sehr ihre besten Theorien in den Schmutz geworfen wie die liberale Partei in Holland.
* Znr Erinnerung an den Krimfeldzug als erstes Ereignis, das zur Einigung Italiens beitrug, fand gestern in Turin an dem Krim- denkmal eine kirchliche Gedächtnisfeier statt, der der König, die Minister Pedotti, Finochiaro und Rava, die Spitzen der Behörden und 700 Veteranen aus diesem Feldzuge beiwohnten. Eine zahlreiche Menschenmenge war zu der Feier erschienen und begrüßte den König mit lebhaften Zurufen.
* Zur Lage auf Kreta. Ein Pariser Blatt meldet, daß Italien den Garantiemächten vorgeschlagen habe, den gegenwärtigen politischen Zustand auf Kreta dahin abzuändern, daß Kreta das Protektorat des Sultans anerkenne, im übrigen aber sich selbst verwalte, so daß die Garantiemächte ihre Ausgabe beendet erklären könnten. Deutschland sei von diesem Vorschläge in Kenntnis gesetzt worden.
* Zur Lage in Rußland. Schlechte Aussichten eröffnen sich in einem großen Test der russischen Landbevölkerung. Nich.' weniger als 26 Gouvernements sind, so wird dem ,L.-A.' geschrieben, von der Mißernte betroffen, deren Folgen bereits jetzt sichtbar werden. Das Gespenst des Hungers zieht bereits über | das Land herauf. Die Not dürfte diesmal noch größere Dimensionen annehmen, als im Hnnger- mhr 1891, da alle flüssigen Staatsgelder der Krieg verschlingt, der auch das Land von jungen Arbeitskräften ganz entblößt hat. — Der Kongreß des Bauernverbandes, welcher in Moskau unter Beteiligung von bäuerlichen Vertretern aus 22 Gouvernements tagte, verlangt für die Wahl der Volksvertreter das allgemeine direkte und geheime Stimmrecht vom zwanzigsten Jahre ab ohne Unterschied des Geschlechts, sowie eine konstituierende Versammlung mit gesetzgeberischer Initiative, Verfügung über die Finanzen, Kontrolle über die Verwaltung, die persönliche Unantastbarkeit der Volksvertreter usw. Ferner erkennt der Kongreß die Notwendigkeit, den bäuerlichen Landbesitz zu erweitern, an und fordert den oblig-rtorischen unentgeltlichen Elementarunterricht mit nicht obligatorischem Religionsunterricht, die Verweltlichung der Schule, Gratisbibliotheken und Lesesäle.
* Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die Japaner sind im Besitz von Kamtschatka, wenn sich folgende Meldung des ,Daily Telegraph'aus Tokio vom 15. Aug. bestätigt: Die Besetzung von Kamtschatka wird bald verkündet werden. Seine Garnison bestand nur aus einem Bataillon und war ohne Verbindung mit anderen russischen Streitkräften. — Zur Friedenskonferenz. Witte warnte die Berichterstatter ausdrücklich davor, zu glauben, daß das Schicksal Koreas und der Mandschurei, sowie die Frage der Integrität Chinas schon erledigt seien. Jede weitere Auskunft verweigerte er, mit dem Hinweis auf die jedem Konferenzmitglied auferlegte Pflicht des Stillschweigens, bestätigte aber die
„Du vergißt, Felix, daß diese ihre Häßlichkeiten mich nicht schrecken können, weil ich, als blind, I dieselben nicht zu erkennen vermag. Ich fühle nur die Anhänglichkeit und Liebe, welche alle, ohne Ausnahme, für „ihr Fräulein" empfinden, das für sie das Leben und die Gesundheit verkörpert, weil es jünger und stärker ist als sie. Es macht meinen Stolz und meine Befriedigung aus, wenn ich den armen, verlassenen Wesen einige Aufmunterung geben, ober an ihrem Todeslager bis zur letzten Minute tröstend zur Seite stehen kann, da der auf den müden, alten Gesichtern sich wiederspiegelnde Kampf nur solche Leute entsetzt, welche ihr Augenlicht noch besitzen. Hier habe ich gelernt, meine Blindheit zu preisen, und dem Allmächtigen zu danken, der mich damit auf das rechte Feld meiner Wirksamkeit gesetzt hat!"
Felir Steiner schaute ergriffen in das Antlitz der Blinden, auf dem sich eine hehre Ruhe und eine überwältigende Hoheit auspragte. Er stand von dem Sofaplatze auf, umfaßte das trauliche Gemach mit den Blumen, dem singenden Vöglein, den spielenden Sonnenstäubchen und der altbäte- rischen Einrichtung mit einem langen, abschied- nehmenden Blick und sprach:
„Ich sehe, daß es bei Dir nichts würde, wenn ich Dich zu überreden versuchte. Verzeihe mir, daß ich Deine Ruhe und Deinen Frieden zu stören wagte. Aber Du wirst mir nicht wehren können, daß ich für Dein ferneres Wohlergehen Sorge I tragen werde. Du kannst mir nicht zumnien, daß ich die Dankesschuld, welche mich heute noch mehr drückt als gestern, da ich Deine Liebestat erfuhr, mit mir herunfichleppel"
„Lieber Felix, warum willst Du mir die Freude über unser Wiederbegegnen durch all diese Bitterkeit vergällen? Willst Du es jemand verargen, daß er nicht mehr leidenschaftlich empfindet, nachdem feine Seele so lange brach gelegen und gleichsam ausgetrocknet war? — Gönne mir doch o\t I so- schwer erkämpfte Herzensrnhel"