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f Zeitung

32. Jahrüang^

Fulda, Mittwoch, den 16.August 1905

M 185.

U»tationsdr«ck tu Verlag der Zuldaer Ac- tiendruckerri in Kulda Fernsprecher Nr. y.

Ln;elgen: Vie ein. spaltige prtitzeile »der deren Saum 15 pfg. Reklamen dle petttzelle 25 Pfg.; bei wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Verantwortlicher Schriftleiter:A.wehler

monatsbeitoge: „Zuldaer Eeschichtsblätter"

I. pari«»« in Mda. WochLNhellagi: „Illustnette Sonntagzzeitung"

ErschMt iL-IIch, mit W . _ . . .

Ausnahme der Sonn- M Jk ■ SÄL AA

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Deutsches Reich.

Berlin, den 15. August 1905.

** In verschiedenen Blättern wird mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß das Eintreten der ,Nordd. Allg. Ztg.' für den Plan der Direktion des Stettiner „Vulkan", betreffend Errichtung einer Zweignieder­lassung im Hamburger Hafen im Hinblick auf einen Passus in der Auslassung der Direktion besondere Aufmerksamkeit verdiene. Wir können hierin nur zustimmen. In der Erklärung der Direktion des Stettiner „Vulkan" heißt es näm­lich an einer Stelle: „Die englische Marine hat Panzerschiffe von 20000 Tonnen im Bau, die russische Marine und Japan projektieren bereits Schiffe von 18 000—20 000 Tonnen. Unsere Marine kann einem solchen Vorgehen gegenüber nicht zurückbleiben, weil anerkanntermaßen der Gefechtswert so großer Schiffe nicht durch mehrere kleine Schiffe klar gekennzeichnet werden kann. Deutschland wird sich in ganz kurzer Zeit vor die ernste Frage gestellt sehen, Schiffe von 16000 Tonnen Deplazement und mehr zu bauen und eine besondere Norvseeflotte zu bilden." Wenn man daneben die am Samstag mitgeteilte Aeußerung der ,Nordd. Allg. Ztg." stellt, so wird man sich über die Tragweite dieser Mitteilung keinen Zweifeln Hingaben können. Jnder,Nordd. Allg. Ztg." wurde nämlich betont, der Standpunkt der Direktion sei ihr [bet ,Nordd. Allg. Ztg/j „auf Erkundigung an berufener Stelle" als durchaus richtig bezeichnet worden. Es wäre sehr erwünscht — und für die Beurteilung der schweben denMarinefragen von erheblichemInteresfe zu erfahren, welche Stelle die ,Nordd. Allg. Ztg/ mit der „berufenen Stelle" gemeint hat und weiter, ob sich die Uebereinstimmung der An­sichten dieser „berufenen Stelle" mit den An­schauungen der Direktion des Stettiner „Vulkan" auch auf den mitgeteilten Passus erstreckt.

* Auf deutschen Eisenbahnen — ausschließ­lich der bayerischen und der Bahnen mit weniger als 50 Kilometer Betriebslänge — sind im Mo­nat Juni d. I. zwölf Entgleisungen auf freier Bahn (davon 9 bei Personenzügen), 25 Entgleisungen in Stationen (davon 7 bei Per- sonenzüaen), fünf Zusammenstöße auf freier Bahn (davon 2 bei Personenzügen), 8 Zusammenstöße in Stationen (davon 4 bei Per­sonenzügen) vorgekommen. Dabei wurden vier Bahnbedienstete getötet, 17 Reisende und 21 Bahndedienstete verletzt.

** Zu den Truppennachschieben nach Deutsch- Südwcst-Afrika schreibt die .Freie Deutsche Preise": „Die offiziösen Entschuldi­gungen w/gen der Verletzung des Budgetrechts des Reichstags durch die südwestafrikanischen Truvpennachschiebe werden immer eigenartiger. Jetzt behauptet der Berliner Korrespondent der .Münchener Neuesten Nachrichten" aus gründ bester Informationen erfahren zu haben, daß der Reichskanzler sofort nach Verlautbarung der Beschwerden in den Zeitungen die Kolonialab- eilung des Auswärtigen Amts angewiesen habe, Len Sachverhalt genau zu untersuchen. Dies sei geschehen, doch sei infolge des Urlaubs mehrerer maßgebenden Persönlichkeiten [Staatssekretär Frhr.

Die helfende Hand.

Novelle von Maria Baierlein.

7] (Nachdruck verboten.)

> Der milde Schein der morgendlichen Herbst­lonne beleuchtete gerade den der Tür zugewandten Kopf der Blinden. Er bestrahlte die vielen weiß schimmernden Stellen in den noch im er üppigen Haarmassen, zeigte aber auch ein herzinniges, liebenswürdiges Lächeln, das sich um den kleinen Dtund des Fräuleins gelagert hatte.

„Nun, liebes Luischen, Du bist ja heute über­pünktlich^ Tas ist schön, kleine Dame; es zeigt, daß Tu Freude und Eifer zu Deinem Vorhaben hast. Dafür wird Mama aber auch riesig über­rascht fein, wenn Du ihr an ihrem Geburtstag die schwere Sonate fehlerfrei vorspielst!"

Felix Steiner brachte keinen Laut hervor. Die Erscheinung des Fräuleins, das die starren Augen in die ungewisse Weite richtete, während die ein­fallenden Sonnenstrahlen einen lichten Schimmer um ihre friedlichen, blassen Züge woben, wirkte so herzergreifend und rührend auf ihn, daß er fühlte, rote sich von seinen Wimpern ein feuchter Tropfen löste und in den Bart hinab rollte.

Das war etwas seltenes bei ihm; denn feit acht Jahren, — seit dem Tage, der ihn einer besse­ren neuen Zukunft entgegenführte und die in seinem Innern wütende Verzweiflung in laut­loses Schluchzen aufgelöst hatte, war keine Träne mehr in seine Augen gestiegen. Nicht einmal der Tod seiner geliebten Annie hatte ihn zum Weinen gebracht, weil er denselben seit Monaten voraus- ah und keinem Jungen ein willensstarker Tröster sein wollte.

Bis die heißen Tropfen aus seinem Herzen aus- stiegen und die Augen näßten, mußte dieses schon einen Sturm von Eleird, Oual oder — Gewissens- Pein überstanden haben.

„Nun, mein liebes Kind, warum kommst Du denn nicht zu mir? Willst Du mich necken, weil Du Dich so lautlos verhältst?"

Die Blinde, welche trotz angestrengtem Horchen

v. Richthofen; Direktor Steibel u. s. ro.] die Nachforschung und Feststellung noch nicht be­endet. Wenn sich das wirklich so verhält, wie hier dargestellt wird, dann ist die ganze Sache noch viel schlimmer und für die Regierung noch viel kompromittierender, als man bisher angenommen hatte. Also der Reichs­kanzler weiß von nichts, der Staatssekretär des Auswärtigen und der Direktor der Kolonialab­teilung befinden sich auf Urlaub und wissen auch von nichts. Ja wer in aller Welt hat venn über die Köpfe dieser verantwortlichen Beamten hinweg über die Entsendung der 300 Mann und über die schleunige Ausrüstung weiterer 800 Mann bestimmt? Welche Stelle darf es unternehmen, unter völliger Beiseiteschiebung der zuständigen Behörden derartige Verfügungen zu treffen? Sollten die Münchener Neuesten Nachrichten" recht haben, dann würde bei uns zum minde­stens in kolonialen Angelegenheiten schon eine Autokratie herrschen, die auch den letzten Rest konftttutioneller Bekleidungsstücke von sich ge­worfen hat."

* Nene Verluste in Deutsch-Südwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Ge­freiter Adolf Rachemann, geb. 30. 6. 1881 zu Linden, früher im Füsilier-Regiment Nr. 37, am 8. August 1905 im Lazarett Swakopmund an Gehirnlähmung gestorben. Reiter Leonhard Feldraths, geb. 26. 10. 1882 zu Oedt, früher im Infanterie-Regiment Nr. 65, am 8. August 1905 bei Kauchas durch Unvorsichtigkeit eines Kameraden schwer verwundet. Schuß Hals.

* Die,Norddeutsche Allgemeine Zei­tung" schreibt: .Dem Gouverneur von Samoa, Dr. Solf, ist in der Presse ungerechte und harte Brhrmdttmg eines früheren Gouvernements­beamten Eckenweber und seiner Familie vorgeworfen worden. Auf die erhobenen Beschuldigungen kann im einzelnen erst Auskunft erteilt werden, wenn der eingeforderte Bericht des Gouverneurs von Samoa eingegangen fern wird. Auf Grund des Materials, das an amt­licher Stelle hier vorliegt, ist indessen schon fest- zustellen: daß Eckenweber wegen verschiedener schwerer Vergehen gegen die Disziplin vom Gou­verneur entlassen worden ist, sowie daß der Gouverneur bereits Anfang April Eckenweber schriftlich angeboten hat, dessen Frau im Regie­rungshospital kostenlos ärztlich behandeln und verpflegen zu lassen, daß dies Anerbieten jedoch von Eckenweber wiederholt abgelehnt worden ist. Hierauf ist es wohl zurückzuführen, daß seine Frau erst drei Tage vor ihrem am 1. Juni er­folgten Tode ins Hospital ausgenommen wurde.

Ausland.

* Präsident Loubet hielt am Montag in Valence an der Rhone eine Rede, in welcher er ausführte, die Armee vergesse nicht ihre Würde und die Interessen des Landes, sie werde sich niemals von verderblichen Lehren leiten lassen, welche den Unwillen der gesamten Station erregten. Wir können ruhig sein, so fuhr der Präsident fort, das Vaterland ist wohl gehütet, die Fahne würde, wenn nötig, gut ver­teidigt werden; wir können es ohne Prahlerei

das erwartete Getrippel von kleinen Kinderfüßchen nicht vernahm, wurde jetzt etwas unruhig, erhob sich von ihrem Sitze und schritt, die Hände tastend vor sich hinstreckend, der Tür zu. Ihr lauschendes Ohr vernahm das tiefe, mühsame Atemholen des von seinen Gefühlen überwältigenden Organisten. Ein leises Befremden glitt über das ruhige, fried­volle Antlitz mit den erloschenen Augen. Hanna stand still und sagte laut und betonend:

„Es scheint, daß ich mich geirrt habe, wenn ich vermutete, es sei meine kleine Schülerin hier ein­getreten. Wer befindet sich also im Zimmer? — Daß es ein Fremder ist, das zeigt mir dieses für mich peinliche Stillschweigen; denn die Leute aus meiner Umgebung lassen mich meine Blindheit nicht so lange fühlen!"

„Hanna!"

Es war nur ihr Name, der in tiefster Bewegung ausgesprochen wurde. — Aber die Klavierlehrerin mußte den Klang dieser Stimme noch nicht ver­gessen haben ; denn sie zuckte plötzlich zusammen, preßte die Hände gegen das hochklopfende Herz, und indem ihr eine tiefe Nöte ins Antlitz stieg, flüsterte sie mit unsicherer, zagender Stimme:

„Ich muß mich leider nur auf die Treue meines Gehörs verlassen, da ich mit leiblichen Augen nichts mehr erkennen kann. Wenn mich aber dieses nicht täuscht, so keime ich denjenigen, der mich beim Namen ruft, aus früheren Zeiten her! Gebt mir Gewißheit, wer Ihr seid! Habe ich richtig vermutet, wenn ich an---

„Felix Steiner denke?" fiel ihr da der Mann ins Wort. „Ja, Tu Edle; Tein geistiges Auge hat Dir die Wahrheit geoffenbartl"

Em ungestümer Männerschritt — und Hanna fühlte, wie ihre Hände ergriffen und an ein heißes, bärtiges Lippenpaar gepreßt wurden.

„Felix Steiner! Der große Meister der Orgel- kunst I Welche Freude für mich, ihn noch einmal in meinem Leben zu hören", sprach das Fräulein. Das stille Gesicht hatte bereits die gewohnte Blässe, und der Mund das alte, anmutige Lächeln wieder angenommen.

„Kommen Sie her, Felix, setzen Sie sich an meine Seite und erzählen Sie mir etwas von

und Schwäche sagen, das ist die beste Gewähr dafür, daß wir den Frieden mit Würde zu halten wissen werden. Im weiteren Verlauf feiner Rede machte Loubet eine An­spielung auf die Trennung der Kirche vom Staate, und sagte, das Parlament und die Regierung kämen den Wünschen aller guten Bürger entgegen und bemühten sich, durch dieses Gesetz keinerlei Mißstimmung eintreten zu lasten. Die religiösen Ansichten eines jeden würden ge­achtet, selbst von denen, die sie nicht teilten. Loubet hob schließlich hervor, die exttemen und reaktionären Parteien sollten sich nicht so weit von dem Hauptteil der republikanischen Armee entfernt halten. Der Präsident der Republik sei weder ein Präsident der Extremen, noch bet Reaktionären, sondern er sei der Präsident Frank­reichs und vertrete die Gesamtheit des Volkes, er müsse auch allen raten, nichts im Lande in Unordnung zu bringen, und sein beständiges Augenmerk darauf zu richten, daß nicht an der Macht der Armee gerüttelt werde, die die Bürgschaft leiste für die Unantast­barkeit und Würde Frankreichs.

* Hungerrevolten in Spanien. In ver­schiedenen Bezirken bemächtigen sich die Land­arbeiter nachts der Schafherden und schlackten die Schafe, um sich Nahrung zu verschaffen. Die Behörden sind machtlos. Sobald einzelne verhaftet werden, kommen alle Arbeiter herzugelaufen und erklären, daß sie alle schuldig seien. Die verhafteten Sanbarbeiter äußern, sie seien mit ihrem Lose zufrieden, da sie im Ge­fängnis wenigstens ernährt würden. — Amtliche Meldungen aus Andalusien be­stätigen die beklagenswerte Lage der länd­lichen Bevölkerung; der Ackerbauminister erklärte, ein Kredit von 12 Millionen würde nicht aus­reichen, um die dringenden Bedürfnisse zu decken und die unternommenen Arbeiten fortzusetzen.

* Die Holländer haben endlich ein neues Kabinett beifammen. Es ist wie folgt gebildet: Aeußeres: Dr. van Tets van Goudrian, bisher Gesandter in Berlin; Justiz: Depunerter van Raalte; Inneres: Deputierter Rink; Marine: Kapitänleutnant Cohen Stuart; Finanzen: de Meest er, bisheriger Vizepräsident des Rotes von Niederländisch-Jndien; Krieg: General Staat, bisher Abteilungschef im Generalstab; öffentliche Arbeiten, Industrie und Handel: Kraus, Direktor der technischen Hoch­schule; Ackerbau: der frühere Deputierte Vee- gens; Kolonien: Deputierter Fock; Präsi­dent des Ministerrales ist bis auf weiteres Finanzminister de Mee st er.

* Die Stimmung in Tokio und Peters­burg. Nach Meldungen aus Tokio herrscht dort die allgemeine Ansicht vor, daß es zum Frie­densschlüsse kommen werde. In diesem Sinne schreiben auch die Zeitungen ,Kokumin" und ,Asahi". Das letztere Blatt erklärt, Ruß­land sei anscheinend eher bereit, Geld zu zahlen, als Gebiet abzutreten. — Ein Petersburger Tele­gramm meldet: In dem kaiserlichen Fami­lienrat, welcher nach Eintreffen der japanischen Bedingungen abgehalten wurde, verlangte Groß­sürst Nikolaus Wladimirowitsch den Abbruch der Friedensverhandlungen.

Ihrem gesegneten Wirken und Ihrem weitver­breiteten Rufe."

Sie glitt mit sicheren Bewegungen bis zu dem Polftersestel, der neben dem gemütlichen Ledersofa stand, winkte dem Künstler zu, sich auf das letztere niederzulaffen, und erwartete voll ruhiger Freund­lichkeit feine Ansprache.

Der Musiker schaute noch immer voll lieber« raschung in dieses von innerem Frieden erhellte klare Frauenantlitz. Da war nichts von der be­fürchteten Verbitterung oder von vorwurfsvollen Anklagen gegen ihn zu erblicken. Der Abglanz längst überwundener Lebenskämpfe und abge­klärter Seelenruhe hatte einen Zauber über das­selbe ausgegossen, den das Mädchen in jüngeren Jahren nicht besaß. Durch die Unsicherheit, welche im Anfang die Blindheit mit sich brachte, hatten ihre Bewegungen eine gleitende Weichheit erhalten, welche die Anmut der ebenmäßigen, schlanken Ge­stalt noch steigerte.

Felix Steiner entwand sich der Gemütsbe­wegung, die ihn überwältigt hatte, und fing zu leben an.

„Sie — nein, ich kann so nicht weiter sprechen — Hanna, Du nimmst nur die gegenwärtigen Er­folge zum Gesprächsthema und willst mich nicht ahnen lassen, daß Du die ganze Trostlosigkeit und entwürdigende Lage meiner Vergangenheit ge­kannt hast!"

Das Fräulein richtete die erloschenen Augen auf ihr Gegenüber und fragte überrascht:

„Wie kommen Sie auf diese Behauptung, Felix?"

„Seitdem ich die Gewißheit habe, es Dir, Du hochherziges Weib, zu verdanken, daß ich mich aus der, moralischen Versumpfung und dem sozialen Elend, in welchem Du mich in Waldersbach ver­kommen sähest, wieder erheben und mir ein besse­res Geschick erringen konnte."

„Was sollen diese Andeutungen? Ich verstehe nicht---"

„Verstelle Dich nicht, Hanna — seit gestern weiß ich, daß Du vor acht Jahren in Waldersbach warst, um in der dortigen Försterei Deine er­schütterte Gesmrdhett zu erholen, daß Du aber

* Der Zar hat, wie versichert wird, am Sonnabend ein Manifest unterzeichnet, das unter dem Namen Duma eine National- verfammlung zusammenberust. Die Veröffent­lichung des Manifestes soll demnächst erfolgen. Redigiert ist das Manifest von Pobjedonos- zew. — Der Name des Verfassers und Redak­teurs bürgt dafür, daß nicht allzuviel bei oer Sache herauskommt.

* In Persien gewinnen die Engländer einen größeren Einfluß. Nach einer aus Teheran in Petersburg em gegangenen Meldung entwickeln die Engländer an der Grenze zwischen Persien und Beludschistan eine rege Tätigkeit. Sie planen allem Anschein nach die strategisch wichtigen, gut bewässerten Punkte Laodis, Dusab und Mirdshi- wa in Besitz zu nehmen. Den letztgenannten Punkt hatten sie bereits besetzt, sie mußten ihn aber an Persien zurückgeben. Es verlautet, die persische Regierung wolle ihren angeblich käuf­lichen, die persischen Interessen schädigenden Kom­missar von dort abberufen. Die Engländer wollen, wie es heißt, im Herbst in dem an Be­ludschistan grenzenden persischen Gebiet eine Tele­graphenlinie errichten.

28. GeilmilsrrfMMlmg des Derdmdes kotlj.taftii.il miWMtMliMMnds.

cpe. München, 11. August 1905.

In der Nachmittags-Sitzung wird ein Antrag Aachen angenommen, wonach in Zukunft auf jedem Verbandstage größere Vorträge über wichtige, allgemein interessierende Fragen des kaufmännischen Lebens und Wissens gehalten werden, unb zwar in einer öffentlichen Versamm­lung, zu der auch Notabilttäten der betr. Städte erngeladen werden sollen. Es folgt das Kapitel Stellenvermittelung. Weiß mantel(Köln) macht eingehende Mitteilungen über den von der Kölner Handels kämm er eingerichteten pari- tätischen Arbeits-Nachweis — demselben gehören an: 9 Handlungsgehilfen, 6 von der Handelskammer gewählte selbständige Kaufleute, 2 Vertreter des Siadtverordneten-Kollegiums und je ein Vertreter des Oberbürgermeisters und des städtischen Arbeits-Nachweises — und kommt zu dem Ergebnis, daß sich der Anschluß an diese paritätischen Arbeits-Nachweise empfehle. Zum Kapitel „Lehrlingswesen" liegen nicht weniger als lO Anttäge vor. Die Anträge fordern u. a.: Gesetzliche Festlegung der Zahl der Lehrlinge im Verhältnis zur Zahl der Handlungsgehilfen, wei- tere Ausgestaltung des obligatorischen kausmänni- schen Fortbildungsschulwesens und , Erlaß einer gesetzlichen Vorschrift, daß nur derjenige Hand­lungslehrling werden darf, der mindestens die erste Klasse der Volks- und Bürgerschule besucht hat bezw. vor Beginn der Lehrzeit eine Prüfung vor einem dazu besonders bestimmten Ausschüsse bestanden hat. In der Debatte, die allgemein ist und sich auf alle Anträge zu gleicher Zeit er­streckt, wendet sich Weißmantel (Köln) mit großer Schärfe gegen die beiden letztgenannten Anträge; solche Anträge könnten und würden nie­mals Gesetz werden. Von anderer Seite wurde auf die besondere Wichtigkeit einer vertieften

wieder heimreistest, weil Dein Geld zu. Ende war — Du hattest ja Deine Ersparnisse an meine Adresse abgehen lassen, um mir die Reise nach H. zu ermöglichen. Der Förster muß Dir meine trau­rigen Verhältnisse kundgegeben haben, und Du brachtest dem treulosen, verkommenen ehemaligen Bräutigam dieses Opfer!"

Hanna Geldern saß auf ihrem Platz mit ge­senktem Haupt und eingezogenen Schultern. Ein uneingeweihter Beobachter hätte vermuten können, daß dem blinden Fräulein soeben eine beschämende Tatsache zur Last gelegt worden war. Sie ließ die Dankesbeteuerungen und schwärmerischen Huldigungen des Musikers stumm über sich er­gehen. Als er aber die Vorsehung anklagte, welche ihr als Belohnung für die einem Mitmenschen er­wiesene Liebestat den blendenden Blitzstrahl sandte, da wehrte sie erschreckt ab und rief:

„Halten Sie ein, Felix, und mäkeln Sie nicht an den Fügungen des Himmels! — Als ich ba- mals zum Sommeraufenthalt abreifte, war ich ein verbittertes, krankhaftes Geschöpf, das sich in Gottes freier Luft Frieden und Stärke in s Herz trinken wollte. Nun, der Allmächtige hat mir diese Segnungen erringen helfen, freilich auf an- dere Weise, als ich es voraussetzte. Auch ich habe von jenem verhängnisvollen schwülen Juliabend, als während eines kurzen, aber heftigen Unwetters der Blitz in den Eisenbahnwagen fuhr und mich besinnungslos dahinwarf, in Verzweiflung und ohnmächtigen Schmerz gegen unfern Herrgott ge- rast, nachdem ich wieder aufgewacht war. Es war ja der entsetzlichste Augenblick meines Lebens, als ich gewahr wurde, daß die dunkle Nacht nie mehr von mir weichen würde. Aber der himmlische Vater wußte Wohl, was er tat; er führte mich durch Leid und Kampf zum Frieden!"

„Daß Dich die Pulsschläge des Lebens nicht mehr aufregen können, Hanna, das zeigt mir die Fassung, mit welcher Du meinen unvorhergesehe­nen Besuch aufnahmst," bemerkte hieraus der Künstler, ohne verhindern zu können, daß man dem Ton seiner Stimme eine heimliche Enttäuschung und Bitterkeit anmerkte.

(Schluß folgt.