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Rotationsdruck «. Verlag der Zuidaer Ar» tiendruckerei in Znlda Fernsprecher ttr. 9.
Fulda, Samstag, den 12. August 1905.
32. Jahrgangs
Erstes Wl'crlt.
H>i - *^rry.-r^*y^g3gag——
Deutscher Reich.
Berlin, den 11. August 19Oo.
* Gegen bett Schmutz in Wort und Bild ist den Abwehrvereinen ein neuer Bundesgenosse -rwachsen. Im Mai wurde ein Verein deutscher Bahnhofsbuchhändler gegründet, der ein eigenes Fachblatt ,Der Bahn- tzofsbuchhavdest herausgibt. In dem Leitartikel «er Programmnummer: „Was wir wollen" wird darauf hingewiesen, in welcher hervorragenden Meise gerade der Bahnhofsbuchhandel für all- ^mtine Volksbildung durch Verbreitung guter mtd billiger Schriften tätig fein könne. Dann rvird ausgeführt: Diejenigen Verleger, welche aus den Massenabsatz der Bahnhöfe rechnen, ^ub genötigt, einwandfreie Literatur herauszugeben, weil der nunmehr vereinigte Bahnhofsbuchhandel geschlossen gegen jede anstößige Literatur Front machen wird. Die Bestrebungen der Vereine zur Hebung der Sittlichkeit sollen in dieser Beziehung nach Möglichkeit unterstützt werden, selbstverständlich kann aber, dem Charakter des Bahnhofsbuchhandels entsprechend, nicht nur einseitige Literatur gepflegt werden, sondern es sinden, wie das Interesse des reisenden Publikums es erheischt, auch interessante, pon der Tagespresse als aktuell empfohlene Schrftuve Li Vertrieb. Gegen Bahnhofsbuch- ;andlu«; c , -rache dem Verein nicht angehören and Schui-istneratur vertreiben, wird unnachsichtlich vorgegangen werden, Bahnhofsbuchhand- tuugen aber, deren Besitzer Vereinsmitglieder sind und die sich zu einem derartigen Vertriebe h«ßedea, werden, nach vorhergegaugener Ver- warnung, im Wiederholungsfälle aus dem Verein ausgeschlossen und die Ausschließung den betr. Eisenbahnverwaltungen zur Kenntnis gebracht.
“ Der deutsche Gewerbe- und Handwerkskammertag in Költr faßte noch folgenden Beschluß: De: Kammertag wolle im Anschluß an die Beschlußfassung über den von der Gewerbe- hutunet Hamburg vorgelegten Gesetzentwurf betreffs die Bevorrechtung des Meistertitels, auch zum Ausdruck bringen, daß er an dem vom Hauowerkskammertag in Lübeck angenommenen Gesetzentwurf betreffend den Schutz des G e s e l l en- titrlS, und an der obligatorischen Gesellen Prüfung fest hält und dessen baldige Gesetzwerdung wünscht. Ferner beschäftigte sich der Kaun.merlaa mit dem Ausbau der fret- willigen Jnvaliditätsversicherung für selbständige Handwerker, mit dem Konsumvereinswesen und anderem. Dann wurde der Kammertag geschlossen.
* Im Landwirts chaftsmi niste ri um traten am Freitag die Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer zusammen, um ihre Ansichten über die Steigerung der Fleischpreise und die weitere Preisbildung, die Frage der Preis- Notierung auf den öffentlichen Schlachtviehmärkten soioie der Bekämpfung der Viehseuchen mit dem Minister auszulauschen. Seitens des Ministeriums wohnten Vertreter diesen Verhandlungen bei.
* Die Ernennung des Grafen Waldersce zum Weltfeldmarschall bespricht das Buch eines Russen. Wir erfahren dabei, was der halber interessant ist, daß die Ernen
nung des Generalfeldmarschalls Grafen Walder- fee zum Oberkommandierenden der Truppen, denen die Befreiung der Gesandtschaften und die Niederwerfung der Boxerbewegung "zu danken ist, nicht, wie behauptet worden ist, auf deutsche, sondern auf russische Initiative zurückzuführen ist. Der Kriegsminister, General Kuropatkin, der kein russisches Oberkommando wünschte, weil dadurch die russisch-chinesischen Beziehungen kompromittiert werden tonnten, riet dem Zaren, sich an Kaiser Wilhelm zu wenden, und so kam es zur Verständigung auf die Person Waldersees. Hierzu bemerkt Professor Schimann in der ,Kreuzstg/: „Es ist das erste Mal, daß diese verborgen gebliebene Tatsache an das Licht der Oesfentlichkeit gezogen worden ist, und auch für mißtrauische Gemüter den Wert der Enthüllung nicht mindern." Diese Nachricht ist umso beachtenswerter, als Graf Waidersee stets der ,Kreuzztg/ nahe stand und Professor Schimann der Reisebegleiter des Kaisers auf der Mittelmeerfahrt war.
* Heber die zollamtliche Behandlung deutscher Geschäftsreisender bei ihrer Rückkehr aus dem Auslande sind der Konfektionszeitung ,Geschäftsfreund' in letzter Zeit mehrfache Klagen zugegangen. Ein Elsässer Fabrikant, der seine größere Abnehmer in der Schweiz, in Holland, Belgien usw. selbst zu besuchen pflegte, teilt dem Blatte mit, daß die Art und Weise, wie sein kleines Musterpaket von den Beamten jedesmal durchsucht und untersucht werde, ihm oft die Galle ins Mut treibe. Während die ausländische Zollabfertigung stets schnell und glatt erledigt werde, begnügten sich die deutschen Beamten meistens nicht einmal damit, das Musterpaket zu öffnen und die Muster alle durcheinander zu tvühlen, sie pflegten auch hier und da Abschnitte von Stoffen nachzumessen. Erst bei seiner jüngsten Rückkehr aus der Schweiz habe ein Beanner die „Länge" eines Stoffmusters von 1,40 Meter bemängelt, bis er darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der Abschnitt nur 40 Zentimeter lang sei und die vermeintliche Länge des Stoffes von 1,40 Meter die Breite der Ware darstelle. Ein anderer Fabrikant, der mit vier großen Koffern feiner konfektionierter Weißwaren aus Belgien zucückkani, wurde bei seinem Wiedereintritt auf deutsches Gebiet aufgefordert, die ganzen Muster, von denen jedes das zollamtliche Siegel trug, in dem nicht gerade sauberen Zollabfertigungsraum auszupacken. Er weigerte sich entschieden, seine sehr diffizile Ware auf diese Weise dem Verderben auszufetzen, und erzwang nach längerem Hin- uild Herreden schließlich die Intervention eines höheren Beamten, der dann sofort im Sinne des Fabrikanten entschied. — Das sind so echt bureau- kratische Praktiken, unter denen der Geschäftsreisende zu leiden hat. Hoffentlich wird den unteren Beamten, die nach der obigen Darstellung die Hauptschuld an den Belästigungen trifft, von oben herab die Weisung gegeben, ihren amtlichen Eifer zu zügeln und die Kaufleute rücksichtsvoller zu behandeln!
* Die Verstärkungen für Südwestafrika. Es war in der Presse darauf hingewiesen worden, daß es eine Irreführung der öffentlichen Meinung bedeute, wenn die ,Nationalzeitung' behaupte, die nach Deutsch-Südwestasrika abge- fandten außeretatsmäßigen Verstärkungen unserer dortigen Truppenmacht seien vom General von Trotha für die Durchführung der Operationen
ie helfende Hand.
Novelle von Maria Baierlein.
<>J (Nachdruck verboten.)
„Aber was ist Dir denn in den Sinn gekom- men, daß Tu wie toll und blind an unserem Häuschen vorbcigerast bist?" Bubi und ich standen unter der Tür und warteten voller Freude auf Tein kommen. Du aber schautest an uns vorbei und machtest ein Gesicht, als wolltest Du den Hiin- mel stürmen. Das hatte doch seinen Grund I Ist Dir schon wieder etwas Mißliches begegnet, Felir?"
Der Musiker schaute auf das kindliche, ver- ängstigte Weib an seiner Seite nieder und schob chren Arni in den seinen. Dann sprach er langsam und schwerfällig:
„Es ist nicht Beunruhigendes passiert, Frauchen. Was sollte auch noch Schlimineres koni- men können? Hast Du noch nicht genug an allem?
Aber es bedarf manchmal einer Gänseherde tind frecher Bauernbuben, um einen gebrochene:: Menschen vollends erkennen zu lassen, welch armseliges Geschöpf er geworden ist."
„Fclir! Ich glaube, Du phantasierst! Wie kommst Tu auf eine Gänseherde? Du mußt krank sein! Und das gerade jetzt, wo uns der liebe Gott eine solche Freude geschickt hat!"
„Mag er denn nock) etwas mit mir zu fchasien haben, der liebe Gott? Den habe ich mir doch schon lange zum Feind gemacht", erwiderte Steiner ungläubig. „Er ist so wenig mehr mein Freund, wie eines seiner Menschenkinder."
„Mann, Mann, freble nicht!" Annie legte die Hand wie beschwörend auf den Mund, der so ver- zwkifefte Worte gesprochen. „Zu Hause werde ich Dir ein Zeichen seiner Güte sehen lassen. Ach, ick war so unendlich froh und konnte kaum abwarten, bis Du öeiiiiZcmft, und da brachte mir Dein Ta- vonstücmen wieder eine neue Sorge!"
Obwohl ein leichtes Schmollen durch diese Rede klang, hörte der Organist doch den Ton eines heimlichen Jubels heraus: er sah jetzt auch die leuchtenden Äugen seiner Frau und erkundigte sich interessierter um die verheißene Ueberraschung.
„Daheim liegt sie. Zur Strafe dafür, daß Du mich in der Gluthitze zu diesem Dauerlauf veranlaßtes. werde ich früher kein Wörtchen verraten. Ich sage nur, komm und schau, und zweifle nicht mehr an Gott!"
Felix folgte nun in erwartungsvoller Spannung seiner Frau in das schlichte Hänschen.
Drinnen in der mit den Ueberresten einstigen Wohlstandes eingerichteten niederen Stube saß vor dem einfachen Tannentisch, der so wenig zu den befleckten und zerrissenen Polsterstühlen paßte, der kleine Sohn der Eheleute und spielte in heller Freude mit einem Häuflein Talerstücke, welche vor ihm lagen. Er hatte aus demselben allerlei rätselhafte Figuren zufammengestellt und als er den ein- . tretenden Baten gewahrte, rief er voller Entzücken:
„Papa, Papa; schau nur, wieviel Geld uns beule der Postmann gebracht hat. Da kann ich bester mit spielen, wie mit meinen albernen Bleisoldaten, die nicht mehr stehen wollen, weil sie alle die Reine abgebrochen haben!"
Der Musiker war mit einem Satz beim Tisch. ; Er verschlang den kleinen Silberhaufen mit bett : Blicken, während er stammelte:
. Aas ist das? Woher kommt das Geld? Wer . hat cs gebracht, Annie?"
Die kleine Frau drückte ihm den Abriß einer Postanweisung in die Hände und rief voll übermütiger Freude:
. rin Freund von uns reicht seine helfende Hand, um Dir die Reise nach H. und damit dos erwartete Probespiel zu ermöglichen. Freue Dich, Felix, daß uns Gott durch einen edlen Freund, den er uns schickt, im letzten Moment so ans dem Elend hilft! Und wer ist dieser Tein Freund, dessen Name auf der Postanweisung steht?"
gegen Hendrik Witboi verlangt worden, da nach den Meldungen des Generals selbst dieser beabsichtige, um die Mitte des Monats August den Hauptschlag gegen Witboi führen zu wollen und bis dahin die abgesandte Verstärkung noch nicht einmal halbwegs' bts Swakopmund sein könne. Jetzt erklärt auch das .Reich', von maßgebender Seite ersahren zu haben, daß Trotha bisher nur das Hinübersenden monatlicher Ergänzungstransporte getvünscht habe. Was die Behauptung der ,Nationalzeiluncst anlangt, daß die weiteren in Aussicht genommenen Transporte von 800 Mann nur zur Ausfüllung der Lücken dienen sollen, so bemerkt die ,Freie Deutsche Pressest ein einfaches Rechenexempel genüge, um nachzuweisen, daß die Nachschübe bedeutend größer seien, als die Abgänge. Auch der /Vorwärts' weist das nach, indem er hervorhebt, daß der Reichstag nur einen alle zwei Monate stattsindeuden Truppennachschub von 250 Mann bewilligt habe. Selbst also wenn es wahr wäre, daß die ab- gesandten (und noch für weitere Sendungen in Aussicht genommenen) Truppen, nur die in vier Monaten entstandenen Lücken ausfüllen sollten, würden 700 Mann mehr abgehcn, als vom Reichstag bewilligt worden seien.
* Die deutschen Verluste in Sübtvestafrika. Die deutschen Verluste in dem jetzt 19 Monate währenden Aufstande betragen seit Beginn des Aufstandes bis zum 31. Juli 1905 an Toten 1142 Mann, an Lebenden (d. h. Verwundeten, Verunglückten) 570 Mann, der Gesamtverlust ist demnach 1692 Mann. Die Schutztruppe hat bis Ende Juli d. I. verloren an Toten 827, an Verwundeten 499 Mann. Gesamtoerlust 1326 Mann. Gefallen vor dem Feinde sind 39 Ossi- ziere, 68 Unteroffiziere, 245 Mann, den Wunden erlegen 5 Offiziere, 1 Unteroffizier, 18 Mann, an Krankheiten (größtenteils Typbus) gestorben 13 Offiziere, 55 Unteroffiziere, 315 Mann, vermißt werden 1 Offizier, 5 Unteroffiziere, 36 Mann, verunglückt sind und tot 3 Offiziere, 4 Unteroffiziere, 19 Mann. Verwundet wurden 51 Offiziere, 105 Unteroffiziere, u22 Mann, verunglückt sind, leben aber, 1 Offizier, 6 Unteroffiziere, 14 Mann. Im ganzen sind von der Schutztruppe vor dem Feind gefallen 352 Mann, an Wunden erlegen 24 Mann, an Krankheiten gestorben 383 Mann, vermißt iveiden 42 Mann, tödlich verunglückt sind 26 Mann, sonst verunglückt 21 Mann, verwundet 478 Mann. Nach Eh argen geordnet stellt sich das Bild wie folgt: Gesamtverlust an Offizieren 113, davon tot 61 (davon 9 Sanitärsossiziere), blessiert 52 (davon 13 Sanitätsoffiziere-, Gesamtverlust an Unteroffizieren 244, davon lot 113, blessiert 111, Gesamtverlust an Mannschaften 969, davon tot 633, blessiert 336. Die (bis März 1905 tätigen) Marineteile hat an Toten 90, an Verwundeten 26 Mann, zusammen 116 Mann, die Verluste der Farmer, Frauen, Reservisten und Freiwilligen ans der Kolonie sind 205 Tote, 45 Verwundete, zusammen 250 Köpfe.
* Neber die Unruhen an den Matumbi- bergon in Deutsch-Ostafrika liegt folgendes Telegramm des Gouverneurs Grafen v. Götzen vor: „Wie Major Johannes meldet, zerstreuen sich die Aufständischen. Nach seiner Annahme wird die Angelegenheit binnen kurzem beigelegt fein. Die Araber und sonstigen Eingeborenen sind gegen die aufsässigen Bergbewohner und auf unserer Seite. Verwundet
Ihr Mann hakte die wenigen Worte, welche auf dem Papierstreifen standen, gelesen. Er schüttelte auf die letzte Frage Annies verneinend den Kopf; dann ließ er sich auf einen der vor dem Tische stehenden Stühle gleiten, und während das müde, noch fassungslose Haupt auf der Platte ruhte, erschütterte ein lautloses Schluchzen feinen Körper. Seine Frau ahnte wohl, daß die plötzliche frohe Ueberraschung diesen Umschwung in feinem gequälten Herzen hervorgebracht hatte; sie legte darum nur leise ihre Hand auf den Scheitel des Sitzenden, dann floffen auch über ihre Wangen selige Freudentränen. Der kleine Knabe aber schaute ganz verblüfft auf die weinenden Eltern. Er bckgriff offenbar nicht, warum die blitzenden Silberstücke eine solche Wirkung hervorbrachten. Endlich zupfte er feine Mutter am Kleid und fragte verdutzt:
„Aber Mama! Warum weint den der dumme Papa, wenn der Postmann so viele Batzen bringt?"
Da richtete sich der bewegte Musiker auf und die Arme um Weib und Kind schlingend, sagte er mit erstickter Stimme:
„Ach, meine Geliebten! Der Herrgott hat uns Hilfe in der höchsten, äußersten Not gesandt. Er
t mich durch diele gesegnete, helfende Hand noch ml aus dem tiefen Sumpf, und bei Euern li it Häuptern sei es geschworen, daß mich derselbe nie mehr aufnehmen wirdl"
IV.
Jahre waren verstrichen seit jenem Sommertag, welcher Hanna Geldern für wenige Stunden le Herrlichkeit eines längeren Waldaufentholtes chatte ahnen lassen, und an welchem dem brotlosen Felix Steiner im Moment der größten Erniedrigung und tiefsten Verzweiflung ein Rettungsanker zugeworfen wurde. Das hochherzige Opfer der armen Klavierlehrerin war nicht umsonst gebracht worden. Der Musiker, der die auskömmliche Or- ganistenstelle erhalten, vergaß auch nicht, was er dereinst in jener verhängnisvollen Stunde gelobt hatte. Tie Erinnerung an die traurigen, ent-
wurde diesseits nur ein Askari. Wie es scheint, ist die Veranlassung zu den Unruhen in Zauberei und in reichlichem Biergenuß zu suchen." — Nach einer Meldung von anderer Seite hat der Gouverneur außer den beiden Kompagnien in Dar-es-Salam und Lindiauch ein Delachement des Kreuzers „Bussard" zur Unterdrückung der Unruhen in Anspruch genommen. Das für Kilwa Kiwinje ausgeschiffte Detachement unter Oberleutnant z. S. Jastrzemsbki, 20 Mann, ein Maschinengewehr und das Mohoro-Detach ment unter Oberleutnant z. S. Paasche, 22 Mann, ein Maschinengewehr haben am 7. August 400 Aufständische zurückgeschlagen. Auf deutscher Seite keine Verluste. Samanga und die eine Stunde entfernte Telegrophenleilung ist durch 1300 auf drei Stunden Entfernung von Samanga stehende Aufständische bedroht. Es ist dort ausgeschifft: ein Detachement unter Kapitänleutnant Nobis mit Oberleutnant z. S. Wernecke, Stabsarzt Dr. Mohr mit 31 Mann. Außerdem stehen ein Feldwebel, 40 schwarze Soldaten, ein Maschinengewehr zur Verfügung. Der „Bussard" hat von Land Gewehre und Schwarze zur Auffüllung der von Bord gegebenen Mannschaften und Harrdwaffen bekommen. Der Korvettenkapitän Back hat nur noch den Navigationsoffizier, Oberleutnant z. S. Altvater, an Bord.
Ausland.
* Staats- und konfessionelle Schulen in Holland. Ein hestiger Schulstreit hat unter dem Ministerium Küpper getobt über die Frage, ob die konfessionellen Schulen den staatlichen gleichgestellt werden dürsten oder nicht. Man besprach thre Wirkungen und ihre Erfolge und eine Partei suchte die andere mit statistischem Material zu! überbieten und zu überzeugen. Unlängst erschien nun seitens des Zentralbureaus für die Statistik der zweite Jahrgang der Schul,ftvang-Statistik. Darin lieft man buchstäblich das Folgende („Sowohl die erlaubten wie die unerlaubten Schulversäumnisse sind an sämtlichen konfessionellen Schulen des Reiches geringer als an den Staatsschulen, auch das Verhältnis zwischen beiden Versäumnissen gestaltete sich zu Uugunsteu der Sraatsschulen. An den letzteren wurden 21,73 Prozent als unerlaubt betrachtet, an den konfessionellen Schulen 15,40 Prozent."
* Zum Bombonattentat in Konstantinopel am 21. Juli. Die Pforte ist eifrigst bemüht, diplomatische Unterstützung für die A us I ieferung des nach der Schweiz geflüchteten Rips, der Besitzer des Wagens mit den Höllenmaschinen und zweifellos Leiter des Attentats war, zu erlangen. Ob Rips wirklich Russe ist, steht noch nicht sicher fest. Der Verdacht, daß ein Bulgare oder ein russischer Armenier das Attentat verübt habe, ist neuerdings aufgetaucht. Das Verlangen der Pforte an die diplomatischen Missionen, die auf ihren Posten eintreffenden Korrespondenzen für Ausländer und zwei verdächtige Inländer, die am Attentat beteiligt sein sollen, anzuhalten, wurde entsprechend den heimatlichen Gesetzen beantwortet. Die Untersuchung über das Attentat wird eifrigst fortgesetzt. In den letzten Tagen haben einige Haussuchungen bei Geflüchteten und Verdächtigen stattgefunden.
* Zur Lage in Nusilanb. Seit einigen Tagen haben die in letzter Zeit etwas abgeflauten Streikbewegungen mit neuer Kraft würdigenden Zeiten der dörflichen Verlassenheit scheuchten jede Regung des früheren Leichtsinns von ihm. Frau Musika konnte den halbverlorenen Sohn wieder in die Arme schließen und sein so lange eingedämmtes Genie entfaltete sich zu neuer, lebendiger Blüte. Es dauerte nicht lange, bis der Name Felix Srmner in den eingeweihten Kreisen der mufikliebenden Welt einen wohlbekannten, guten Klang bekam. Später wurde er sogar als Domorganist in die Hauptstadt berufen, und die hohen, mächtigen Gewölbe der erzbischöflichen Kathedrale halten wider von dem meisterhaften, hcrzerhebeuden Spiel des begnadeten Künstlers. Während feiner jeweiligen alljährlichen Urlaubszeit eiferten die andern Städte, den Meister zwecks eines Gastspiels zu sich zu rufen; denn feine unübertroffenen Orgelkonzerte waren die beste Zugkraft, wenn es galt, für gemeinnützige Absichten und Werke der Barmherzigkeit einen namhaften Fond zu sammeln. .. . ,
In X. war aus unaufgeklärten Ursachen das städtische Waisenhaus total niebergebraunt. Die bescheidenen Verhältnisse der kleinen Stadt erlaubten aber nicht, das Asyl aus dem Gemeinde- fädel neu auszubauen. Da Klingelbeutel und Sammellisten, welche man hemmgehen ließ, auch nur ein ungnügendes Resultat lieferten, erinnerten einige Lehrkräste daran, daß der berühmte Orgelspieler Felix Steiner ein Kind ihrer Stadt sei und deshalb die Bitte um einmalige Abhaltung eines seiner Konzerte in hiesiger Pfarrkirche gewiß nicht abschlagen würde. Dieser Hinweis wurde Von der städtischen Verwaltung mit Freuden aufgegriffen und der Künstler mittels einer Adresse, auf welcher sich das ganze Gemeindekollegium unterzeichnet hatte, um die Zusage eines Orgelkonzertes gebeten.
Felix Steiner war dem Rufe gefolgt; es waren aber undefinierbare Gefühle, die beim Betreten des Heimatstädtchens seine Seele erfüllten.
Bei jedem Schritt und Tritt sprach tue Ver- gangenheit zu ihm. — Wenn er die Wecntge» pflasterten Straßen und engen Gäßchen durch-