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Rotationsdruck u. vqchM js» Fuldaer 2k»; ttt^rxEerei in Fulda
Fernfp-echer Nr. 9. '
Fulda, Donnerstag, den 10. August 1905. ,32. Jahrgang.
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Deutscher Reich.
i Berlin, den 9. August 1905.
* Am neuen Reichsetat wird sehr eifrig gearbeitet; zunächst wird derselbe eine dankenswerte Ergänzung erhalten. Wie der Abg. Dr. ,S p a h n im Vorfahr anregte, soll nun ein al- Vhabetisches Register demselben beigegeben werden, damit man sich rascher orientieren kann. Wichtiger noch ist eine andere Frage; die Wohnungsgeldzuschüsse der Unterbeamten sollen erhöht werden.. Wir hören dies sehr gerne, aber wir mästen jetzt schon sagen: nur ‘für diese? Bei den mittleren Beamten ist es ebenso notwendig. Niemand wird behaupten wollen, daß unsere Postassistenten und P 0 st s e k r e t ä r e zu gut bezahlt seien. In den meisten Eiuzelstaaten ist der Wohnungsgeldzuschuß weit höher als im Reiche; Baden hat ihn in fast mustergiltiger Weise, geordnet. Wie der Zentrumsabgeordnete Hug seit Jahren im Reichstage betonte, ist namentlich unter den dortigen Postbeamten die Unzufriedenheit sehr Hoch, daß sie noch die niedrigen Zuschüsse erhalten, während die Landesbeamren sich weit bester stellen. Wenn man Geld für neue Schiffe, Kolonialkriege usw. hat, muß man auch solches herbeischaffen, um die Beamten entsprechend zu besolden. Das Zentrurn wird sich dieser Wünsche der Beamtenschaft entschieden annehmen. Allerdings kann das Gesamtbild des Etats noch nicht gegeben werden, da man auch die neuen Steuern Michi kennt und das Ergebnis der Zölle infolge der neuen Handelsverträge ein sehr unsicheres ist; glänzend aussehen wird der Etat auch Heuer nicht, deshalb ist Sparsamkeit am Platze, was sich besonders der Kriegsminister und der Marinestaatssekretär merken sollten.
ca. Von „geistlichen Kirchenräubern" wußten sozialdemokratische Blätter (z. B. ,Schwäb. Tagwacht' sStuttg.j Nr. 135 vom 14. Juni 1905) aus „Montognaneale", soll heißen Montagnareale in Italien zu berichten: „Sämtliche Kirchengewänder wurden gestohlen. Der Verlust ist noch nicht abzuschätzen . . . Der Verdacht richtet sich auf einige Mitglieder des römischen Klerus, die jedenfalls mit den Dieben in Verbindung stehen." Das zuständige Bischöfl. Ordinariat Patti schreibt der Zentral-Auskunftsstelle folgendes: „Der Diebstahl geschah, es wurden auch mehrere Verhaftungen vorgenommen, aber den wahren Täter hat man noch nicht. Von einem Verdacht auf Mitglieder des römischen Klerus weiß in der ganzen Gegend kein Mensch etwas."
** Eine Deputation des rheinisch-lvestfälischen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe ist heute auf ihren Antrag vom Minister des Innern empfangen worden. Die,Norddeutsche Allgemeine Zeitung' berichtet darüber: „Nachdem die Deputation Mitteilungen über den Lohnkampf im rheinisch-westfälischen Baugewerbe gemacht hatte, wies der Minister daraufhin, daß die Verfügung des Regierungspräsidenten in Düsfeldorf betreffend die Zuziehung ausländischer Arbeiter lediglich bestehende Verwaltungsgrundsätze wiedergebe, ohne für einen der streitenden Teile Partei zu nehmen. Im übrigen sei es selbstverständlich, daß die Staatsgewalt erforderlichenfalls die Arbeitswilligen nachdrücklich schützen werde; auch habe der Regierungspräswent die
Die helfende Hand.
Novelle von Maria Valerie in.
(Nachdruck verboten.)
Hanna fand es nun auch unverzechlich, daß vor der neuen Leidenschaft ihres ungetreuen Verlobten jeder Gedanke an die vergangenen, gemeinsam zugebrachten Stunden der Sorge und des Leids schwinden mutzte. Sie hatte früher immer angenommen, die einfache Dankbarkeit, die er ihr für so manches bereitwilligst gebrachte Opfer schuldete, würde ein unzerreißbares Bindeglied zwischen ihnen bleiben, und hatte es nicht für möglich gehalten, von demjenigen zur Seite gesetzt zu werden, der es ihren pettmiären Unterstützungen verdankte, wenn ihm während der Studienzeit am Konservatorium die größten Dafeinssorgen fern- gehalten wurden. Jetzt hatte ihr milleidiges Herz auch dafür eine Entschuldigung gefunden.
Sie, das ernste, gereifte Mädchen, hätte nicht so naiv und leichtgläubig sein sollen, den Liebesversicherungen des warmherzigen, jungen Musik- schülers eine tiefere Bedeutung beizulegen. Es war ja nur zu erklärlich, daß der junge, haltlose Mann sich damals an seine Zimmernachbarin an- geschlossen hatte, welche mit ihm die Begeisterung für alles teilte, was zum Bereich der Frau Musika gehörte. Ihm, der kurz zuvor seine Ettern begraben, hatte die schwesterliche Teilnahme und Fürsorglichkeit der Klavierlehrerin so Wohl getan. Wenn er an manchen rauhen Winterabenden mtt von der Hebung im Geigenspiel erkalteten Fingern an ihre Tür pochte, so konnte er sicher fein, ein freundliches Gesicht, eine interessierte Frage nach, seinem Ergehen und eine heiße Tasse Tee zu finden. Bei der um zwei Jahre älteren Zim- mernachbarin fand er Trost in numchen kleinlichen Lebenstucken, Aufmunterung für seinen musikalischen Beruf und während der wenigen freien Zeit die nötige aeiftiae Erboluna Da batte er
entsprechenden Maßregeln bereits seinerseits angeordnet."
:: Zn dem Eisenbahnunglück bei Sprem- bera schreibt die ,Norddeutsche Allgemeine Zeitung': „Der beklagenswette Eisenbahnunfall bei Spremberg ist nach dem Berichte der von dem Minister der öffeullichen Arbeiten nach der Unfallstelle entsandten Kommission durch den den Zugmeldedienst in Spremberg leitenden Stationsassistenten veranlaßt. Er ließ unbegreiflicherweise den Schnellzug 113 von Spremberg in der Richtung nach Görlitz abfahren, trotzdem auf der eingleisigen Strecke, also auf demselben Geleise, der Nachzug zum Schnellzug 112 von Görlitz nach Spremberg in der Abfahrt war. Er handelte damtt den für den Zugverkehr auf eingleisigen Strecken bestehenden einfachsten klarsten Vorschttsten entgegen. Bei Beachtung dieser in der Praxis und in allen Ländern bewährten Vorschriften ist der Betrieb auf eingleisigen Linien nicht minder sicher, als auf zweigleisigen. Daher erfolgt auch der Ausbau eingleisiger in zweigleisige Strecken lediglich zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit stark belasteter Linien. Zu diesen gehört aber die Bahn Kottbus—Görlitz nicht, die nur mit 11 bezw. 12 fahrplanmäßigen Zügen innerhalb 24 Stunden in beiden Richtungen belegt ist, wozu noch bei starkem Reiseverkehr je zwei Bedarfs- personmzüge kommen können. Diese geringe Zugzahl beweist, daß von einer Ueberlastung der Bahn, die Veranlassung zur Legung eines zweiten Geleises hätte geben können, nicht die Rede sein kann. Die Klage der Presse über verspätete ungenügende amtliche Berichterstattung wird von dem Minister der öffentlichen Arbeiten als berechtigt anerkannt. Die angeordnete Untersuchung wird ergeben, inwieweit die bestehenden Verfügungen, die ein initiatives Handeln der zuständigen Beamten und Dienststellen ausdrücklich vorschreiben, nicht ausreichend beachtet sind. Aus diesem beklagenswerten Unfall, dessen weitere Verfolgung von der Eisenbahnverwaltung der Staatsanwaltschaft übergeben ist, allgemeine ungünstige Schlüsse auf die Betriebssicherheit der Staatseisenbahnen zu ziehen, durch die das reisende Publikum beunruhigt werden könnte, liegt keine Veranlassung vor, zumal bekannt ist, daß die preußische Staatseisenbahn-Verwaltung ohne Rücksicht auf die Kosten dauernd bemüht ist, den höchstmöglichen Stand der Betriebssicherheit zu erreichen. Den gewaltigen Ansttengungen der beteiligten Dienststellen ist es gelungen, schon gestern nachmittag 6.45 Uhr den vollen Betrieb wieder aufzunehmen." — Der Kaiser hat durch den Regierungspräsidenten den Hinterbliebenen der Opfern des Unglücks telegraphisch sein Beileid ausdrücken lassen. Ferner soll der Eisenbahnminister zwecks augenblicklicher Unterstützung der Verivundeten und deren Angehörigen größere Geldmittel, angeblich bis 100000 Mark, zur Verfügung gestellt haben.
* In der Rolle eines Marktschreiers zeigt sich augenblicklich im Rheinlande die Sozialdemokratie, darauf spekulierend, daß die groß? Masse dem nachläuft, der am lautesten die Vorzüge seiner Waren anzupreisen vermag. Ein Schulbeispiel dieser jahrmarktschreierischen Reklame finden wir in einem Flugblatt, betitelt: „Zentrum und Arbeiter", das gegenwärtig, im Rheinland verbreitet
denn das Gefühl von warmer Sympathie und brüderlicher Freundschaft, das sein leicht entzündliches Künstlerherz zu Hanna Geldern hinzog, für die rechte, echte Liebe gehalten. Er warb mit seiner ganzen bestrickenden Liebenswürdigkeit um die Zuneigung derselben und hatte bei dem gänzlich alleinstehenden, ums tägliche Brot ringenden Mädchen nur zu leichtes Spiel! Für die arme Lehren» verkörperte der schöne, angehende Künstler den Inbegriff alles Glücks, und ihre Seele, welche immer gedarbt hatte, hing mit grenzenloser Leidenschaft an dem Verlobten.
Als Felix Steiner nach der Hauptstadt übersiedelte, um sich auch noch einige Zeit am dortigen Konservatorium auszubilden, da hatte seine Braut geknausert und gespart, um dem Manne durch kleine Zuschüsse das Leben in der teuren Residenz angenehmer zu machen. In Hanna lebte ja die felsenfeste Zuversicht auf das Genie ihres Verlobten und sie vermeinte bei allein, was sie zur Erleichterung des Konservatottsten tat, am Bau ihrer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten.
Damals wurde sie für alle manchmal ziemlich fühlbaren Einschränkungen, die sie sich auferlegte, übergenug belohnt durch lange, dankatmende Schreiben aus der Hauptstadt, die ihr der Briefbote jede Woche regelmäßig ablieferte. Darauf, daß die Pause mtt der Zeit länger, dafür aber die Briefe kürzer wurden, hatte sie nicht acht; sie nahm an, daß die eifrigen Studien den Geliebten am Briefschreiben verhinderten. Auch dann war das Mädchen noch ahnungslos, als ihre Geldgeschenke zu den Gebutts- und Namenstagen von Felix zurückgewiesen wurden und er ihr in einem krausen, unverständlichen Schreiben mitteilte, wie peinlich und beschämend diese Unterstützungen auf chn einzuwirken begännen. Hanna las aus diesen Bemerkungen nur eine zärtliche Angst um sie heraus. Felix befürchtete gewiß, daß sie sich zu viel Mangel auferlegte. Da entstand plötzlich eine lange, lange Pause —, kein Brief, keine Sorte kam mehr an mit dem bekannten Poststempel. Die Klavierlehrerin bekam soaar auf alle ihre
wird vom sozialdemokratischen Agitationskomitee für die obere Rheinprovinz. Wir möchten hier nur eine Stelle aus dem Flugblatt herausheben, damit kein Arbeiter im Zweifel darüber bleibt, was die Sozialdemokratie alles kann oder wenigstens verspricht. In dem Flugblatt heißt es zum Schluß:
„Die Arbeiter dürfen ihr Los nur einer Partei anvertrauen, die gemißt und befähigt ist, alles für sie zu tun, ihnen alles zu geben — alles, was sie bisher entbehren mußten, alles, worauf sie einen Anspruch haben, wenn sie sich als Menschen fühlenwollen."
„Das Volk kann, was es will. Das Volk der Arbeiter kann sein unwürdiges Joch abschütteln, seinem Elend ein Ende bereiten, wenn es will. Dazu ist Einigkeit und Geschlossenheit nötig, Anschluß an eine große Arbeiterpartei: Die Sozialdeinokratie."
Wie schrieb doch kürzlich der Korrespondent (Nr. 65) für Deutschlands Buchdrucker?:
„Die Gewerkschaftsbewegung bedarf nicht des geschichtlichen Hinweises Bernsteins,, seine Auslassungen sind nur ein Beweis für die politische Hilflosigkeit der Partei, die nicht vorwärts und nicht rückwärts kann, weil sie an Händen und Füßen gebunden ist durch ein der Zeit nicht mehr entsprechendes Programmund ihre daraus resultierende verkehrte Politik."
So ist es in der Tat! Es gibt keine Partei in Deutschland, die mitvollen Backen den Arbeitern so viel in Worten versprochen hat, wie gerade die Sozialdemokratie. Fragt man aber nach den Taten dieser Pattei, so stehen sie im umgekehtten Verhältnis zu den großen Verheißungen. Es ist nämlich sonderbar, daß die Sozialdemokratie wohl sagt, was sie gefordert hat und was sie in Zukunft noch den Arbeitern bieten will, aber fast niemals, was sie für die Arbeiter denn tatsächlich erreicht hat. Da ist der Präsentierteller der hilflosen, „an Händen und Füßen gebunbenen" Partei, die in ihren Agitationsschriften „alles" versprochen hat, bedenklich leer. All' diese pausbäckigen Versprechungen der Sozialdemokratie haben die soziale Lage der Arbeiter noch nicht um einen Deut gebessert, wohl aber die vraktisch-sozialen Taten der Zentrumspatte!. Daher werden denkende Arbeiter nur schwerlich auf die marktschreierischen unerfüllbaren Ver- fprechungen der Sozialdemokratie hereinfallen!
§ Nach der im Reichsversicherungsamt gefertigten Zusammenstellung über die Invalidenrenten betrug die Zahl der seit dem 1. Jan. 1891 bis einschließlich 30. Juni 1905 von den 31 Versicherungsanstalten und den 9 vorhandenen Kasseneinrichtungen bewilligten Invalidenrenten 1,235,581. Davon sind infolge Todes- oder Auswanderung der Berechtigten, Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit, Bezugs von Unfallrenten oder aus anderen Gründen 473,267 weggefallen, so daß am 1. Juli 1905 762,314 Invalidenrenten liefen, gegen 748,428 am 1. April d. I. Die Zahl der während desselben Zeitraumes bewilligten Altersrenten betrug 432,818. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung der Berechtigten oder aus anderen Gründen weggefallen 293,739, so daß am 1. Juli 1905 139,079 Altersrenten liefen, gegen 142,213 am 1. April. Invalidenrenten gemäß § 16 des Jnvalidenver- sicherungsgesetzes (Krankenrenten) wurden feit dem i. Januar 1901 48,275 bewilligt. Davon waren am 1. Juli noch 18,556 gegen 17,886 am 1. April in Kraft. Beitragserstattungen wurden bis zum 30. Juni bewilligt an weibliche Personen, die in die Ehe getreten sind 1,279,457 (gegen 1,240,069 bis zum 31. März),, an versicherte Personen, die durch einen Unfall
Anfragen keine Antwort — der Verlobte mußte krank fein, schwer krank — ihm war ein Unglück passiert! — Fräulein Geldern hatte schon alles vorbereitet zur Reise nach H. — Da kam endlich ein dickes, eingeschriebenes Poststück an sie. Gott fei Dank! Es war feine Handschrift! Der Bote erhielt von ihr vor lauter Freude ein gutes Trinkgeld; in ungeduldiger Hast erbrachen die bebenden Hände die Umhüllung — und in den Schoß der jäh erblaßten Dame rollte--ein kleiner
goldener Reif —, das Treuzeichen, welches sie dem Verlobten beim Abschied an den schlanken Finger gesteckt hatte.
Hast na Geldern hatte weder verzweiflungsvoll aufgeschrien, noch war sie in hysterisches Weinen ausgebrochen; aber sie faß noch nach einer Stunde auf dem gleichen Platz und starrte bald auf den armen Goldreif in ihrem Schoß, bald auf die steile, mit Schnörkeln verzierte Männerschrift. Ztoei Banknoten, die zusammengefaltet zwischen den Briefblättern lagen und die den Betrag der dem Musiker geliehenen Summe ausmachten, hatte sie gar nicht beachtet. Und doch war es gut, daß das Geld wieder in die Hände gelangte, welche es erarbeitet hatten. Fräulein Geldern konnte es brauchen, als sie plötzlich, unfähig zum Verdienen, auf das lange, schwere Krankenlager geworfen wurde, und eine ernstliche Gehirnent. zündung zu überstehen hatte.
Als sie wieder ausgehen und ihren Unterricht aufnehmen konnte, da staunten die Jungen und Mädchen ob der Verwandlung, welche sich an ihrem Fräulein vollzogen hatte. Die sonst so gütigen Augen blickten streng und finster. Von den herb zusammeugepretzten Lippen ertönte kein Scherzwort mehr und zwischen den schwarzen Haaren, die viel, viel lichter geworden, zeigten sich stark ins Auge fallende weiße ©keifen.
Es wurde natürlich viel gezischelt und gespöttelt, als die spießbürgerliche Gesellschaft der kleinen Stadt herausgeschnüffttt hatte, daß der schöne, talentvolle Musiker seine Brant fitzen Letz. Die meisten hatten auch das Derhältins mtt
dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Jnva»; lidenversicherungsgesetzes geworden sind 3156. (2479), und an Hinterbliebene von Versicherten 279,429 (270,437), zusammen also 1,562,042 gegen 1,513,475 bis zum 31. März 19O5.|
* Aus Deutsch-Südwestafrika in Pretoria eingetroffene Privatnachrichten von ausgewanderten Buren schildern die L a g e in der Kolonie als sehr e r n st. Gut bewaffnete Eingeborene, so heißt es in den Berichten, schließen sich von überall her den Leuten Hendrik Wit- bois an. Die Behauptung, England unterstütze insgeheim den Aufstand der Farbigen, wird in Pretoria als unbegründet betrachtet, doch ist bekannt, daß hunderte von Eingeborenen, die in der britischen Armee als; Fuhrleute und dergleichen angestellt. waren, jetzt wohlbewaffnet und reich- lich mit Munition versehen, nach» Deutsch-Südwestafrika hinüberströmen. , Horden bewaffneter Hottentotten plündern die Far-i men in den dünn bevölkerten Grenzbezirken.; Die wiederholten Warnungen der Burenführerf haben nicht nur den geplanten Treekk von Buren nach Deutsch-Südwestafrika zum Stillstand ge-1 bracht, sondern es kehren jetzt auch Burenfami-; lien, die voriges Jahr nach Deutsch-Südwest-! afrika auswanderten, nach Verkauf ihrer Far-! men in ihre alte Heimat zurück. Mehrere frü-f Here Bureiroffiziere haben, wie es weiter heißt, Anträge, bei den deutschen Kolonialtruppen' Dienst zu nehmen, abgelehnt. In den Berliners leitenden Kreisen ist man aufs peinlichste überrascht, daß der Häuptling Hendrik W i t-i bei mit starken Kräften bei Gibeon steht. Die! „Münchener Allgemeine Zeitung" nennt es ein! „M eisterstü ck", das Hendrik Witboi fertig» gebracht, nämlich aus seinen Schtirpfwinkeln mt; Osten sich mit stärkeren Kräften durch b iej deutschen Linien hindurch nach Western durchzudrücken. Der „alte Fuchs Hendrik*' führt die Deutschen also an der Nase hermLs General von Trotha hat neue llmkreisungsbe» wegungen eingeleitet. „Ob ihm Hendrik Wit-, boi freilich den Gefalle:: tut, stehen zu bleibens ist eine andere Frage", sagt selbst die mit dem' Kolonial-Koller behaftete Allgemeine Zeitung., Der soeben begnadigte Dr. Karl Peters) hielt dieser Tage in Hannover einen Vortrag,; worin er sich über Südwestafrika , sehr pessii mistisch äußerte. Daß der Aufstand in Südwestafrika beeinflußt werde durch die äthiopische Be- toegimg, hält Dr. Peters für wahrscheinlich, ebenso eine Unterstützung der Auf« ständigen dirrch die Engländer.
§ Nach einem Telegramme des Kaiser!. Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika hat der,Norddg Allgem. Ztg.' zufolge Major Johannis, der!, inzwischen in den Matumbibergen eingetroffen ist,, telegraphisch gemeldet, daß keinerlei Grund zu Besorgnissen wegen Ausbreitung der Unruhen vorhanden sei; 2 Rädelsführer sind bereits ohne! diesseitige Verluste gefangen genommen.
** Die Deutschen im Auslande. Nach der, neuesten Veröffentlichung des Statistischen Amtes! leben rund 3 Millionen Deutsche im Aus«; lande; dazu kommen noch 430 000 Personen,! die nicht im deutschen Reich geboren find, welche die deutsche Staatsangehöttgkeit aber besitzen. 700 000 int Auslands lebende Personen habe»' insgesamt die deutsche Staatsangehörigkeit. Am scheelen Augen angesehen; denn war es nicht doch^ etwas anmaßend gewesen von dem armen, un-< ansehnlichen Mädchen, den hübschen, temperament-s vollen Jungen an sich zu ketten? —
Hanna ging wieder still ihrer Wege. Wenn; jemand eine direkte Frage an sie richtete, so konnte! sie eine solch abweisende, stolze Antwort geben,; daß in Zukunft sich alle Vornahmen, dieses hoch-; mittige, schroffe Geschöpf in Ruhe zu lassen. Sie- hatte auch keineswegs etwas anderes gewollt und« war froh, ihr liebearmes, aber arbeitsreiches Leben in aller Zurückgezogenheit verbringen $ui körnten. .
So war Jahr um Jahr verstrichen. Die Zerr hatte durch ihren gleichmäßigen Gang Schmerz und Empörung in ihr eingelullt, und Hanna schaute den verschwindenden Monden nach, ohne viel Leid oder Freude dabei zu empfinden. .
Das war nun mit einem Schlage vorbet. DaA Fräulein wußte es bestimmt. Niemals würde, sie dieses verzweiflungsvoll grübelnde Männern antlitz mehr aus dem Sinne bringen. Das Schick-« fal des um alle Lebenshoffnungen betrogenen,! gesunkenen Organisten würde ihre Gedanken fatj Anspruch nehmen, und das Mitleid mtt der hilf-; losen Familie desselben den Schlaf für immer; von ihrem Lager scheuchen, toemt sie als Gewiß-, heil annehmen mrrtzte, daß dem ehemaligen Ver>< lobten keine helfende Hand gereicht würde, die; ihn aus diesem Elend zu einer würdigeren Ext-; stenz emporziehen konnte. . ,
Und da zog urplötzlich durch die Seele der be-j trogenen, armen Lehrerin eine große, eine er-' habene Eingebung. Sie eilte elastischen Schrittes der försterlichen Behausung zu.
Vom Dorfe heraus klang das Geläute be» Mittagsglocken. Hanna zog die bescheidene Ta-! schenuhr und konstatierte mit Uebermschung, da» sie etliche Stunden unter der Tanne zngebrachk und dott den auf sie einstürmenden Gedanken Audienz gegeben hatte. ..
„Gott sei Dank! Da kommt ja unfer Sräuletol, Wir befürchteten schon, daß Sie sich tm WatSH