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vruck und Verlag d« zuldaerSctiendruckere^ in Zulda (Harmonie). Zernfprecher Nr. 9.

M, 178.

Fulda, Montag den 7. August 190.5.

32. Jahrgang.

Deutscher Reich.

Berlin, den 5. August 1905.

* Ein Fiasko der Finanzpolitik des Zen­trums hat Abg. Patzig entdeckt und doziert nun hierüber in der schrecklich langweiligsten Weise in der „Nat.-Zeitg.". Worin soll es be­stehen? Bekanntlich wurden in den beiden letz­ten Etats den Einzelstaaten die Matrikularbei- träge gestundet; jetzt müssen sie diese bezahlen, da die Ueberweisungssteuern nicht so hoch ein- giugen, um diese Matrikularbeiträge zu decken. Aber darin liegt doch kein Fiasko für das Zent­rum; dieses hat sich nur aus dem einen Grund für die Stundung von 17 Millionen im Jahre 1904 und 54 Millionen im Jahre 1905 er­klärt, um die bereits aufgestellten Etats der Einzelstaaten nicht in Unordnung zu bringen; die Abgg. Dr. Spahn und G r ö b e r haben dies eigens betont. Jetzt weiß man für 1904 die Höhe des Defizits an ungedeckten Matriku- larbeiträgen, also können die Bundesstaaten diese Summe gut in ihren nächsten Etat ein- stellen. Das Zentrum hat also vollauf seinen Zweck erreicht; es hat nie den Einzelstaaten gesagt, daß sie nichts git bezahlen haben. Ueb- rigens hat das Zentrum nur für 1904 diese Stundung vorgeschlagen, für 1905 rührte der Antrag von dem nativnalliberalen Abg. Dr. P a a s ch e her, der nun von seinem Fraktions­genossen Patzig heruntergerüffelt wird. Wenn manche Einzelstaaten jetzt zur Bezahlung dieser Schulden Anleihen aufnehmen müssen, so mag cs für sie nicht sehr erfreulich sein, aber sie werden dann ihre Finanzminister anweisen, hei der neuen Flottenvorlage recht sparsam auszu­treten und dies hat dann eine höchst gute und heilsame Wirkung; so bewährt sich die Finanz­politik des Zentrums auch in dieser Richtung.

** Der ,Reichs- und Staatsanzeiger' ver­öffentlicht das Gesetz betr. Aenderung der Landesgrenze gegen die freie Hansastadt Bremen bei Bremerhaven und bei Fischerhude, Kreis Achim; ferner das Gesetz betr. die Be­willigung weiterer Staatsmittel zur Besserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern der Staatsbetriebe und von gering besoldeten Staatsbeamten. Bekanntlich stellt das Gesetz weitere 15 Millionen Mark der Staats­regierung zu diesem Zwecke zur Verfügung. Außerdem enthält die heute zur Ausgabe ge­langte Gesetzsammlung Nr. 31 unter Nr. 10634 das Gesetz betr. die Kosten der Prüfung überwachungsbedürftiger Anlagen vom 8. Juli 1905 und unter Nr. 10 635 das Gesetz zur Abänderung des Gesetzes betr. die Ausführung des Reichsviehfeuchen- gesetzes vom 12, März 1881, vom 22. Juli 1905.

* Neue Auf­stände in unseren afrikanischen Ko­lonien. Nach den letzten Nachrichten ist nunmehr be­stimmt festgestellt, daß Hendrick Witboi mit star­ken Kräften am Tsaeheib,einem zwischen dem Hu- dup und dem Keit- sub nach demLeber- fluß führenden Revier sitzt. Ge­neralleutnant von Trotha gedenkt ihn dort änzu- greifen und ist im Begriffe, seine Truppen hierzu zu versammeln. Die Ausführung dieser Truppenoerschie­bung wird mit Rücksicht auf die weiten Entfer­nungen 'erst in der zweiten Hälfte des August beendigt sein. Auch die unbedingt erforder­liche Auffüllung der Magazine wird er­hebliche Zeit be­

anspruchen. Mo- Hendrik Witboi.

rengo wird durch schwächere Kräfte beobachtet werden. Nach einer Meldung der »Nord­deutschen Allgemeinen Zeitung', die sich auf ein Telegramm des Kaiserlichen Gouverneurs in Deutsch-Ostafrika stützt, sind auch unter den Eingeborenen der Matumbiberge nörd­lich vonKilwaUnruhen ausgebrochen, deren Veranlassung noch nicht völlig geklärt ist. In dem an der Küste gelegenen Orte Ssamanga sind verschiedene Judenhäuser von den Eingeborenen verhrannt worden. Zur Unterdrückung der Un­ruhen, deren lokaler Charakter vom Gouverneur betont wird, sind die beiden Kompagnien aus Lindi und Dar-es-Salaam nach Kilwa beordert.

* Die französische Regierung hatte vor einiger Zeit den Wunsch ausgesprochen, die Gebeine der in Deutschland verstorbenen Kriegs­gefangenen sammeln und nach Frankreich bringen zu lassen. Der Kaiser hat jetzt, wie die ,Grenz- boten melden, seine Zustimmung gegeben und zugleich angeordnet, daß die Uebergabe unter militärischen Ehren vollzogen werden soll.

* Welche Früchte die systematische Hetze

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Der häusliche Heck

13] Von I. B. E g e r m a n n.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

So war die Weihnachtszeit herbeigekommen, Weihnachten mit seiner schlichten und herzlichen, echt christlichen Freude und Frömmigkeit. Nie­mals hatte die Familie Helldorf ein schöneres Christfest erlebt. Aber wohl auch, behaupten wir, noch niemals einen solchen Regen von Gnaden­gaben aller Art.

Nachdem in den ersten Tagen des Christ­monates der Kaufvertrag mit Halkett über einen großen, aber entbehrlichen Teil des Helldorf'schen Grundstückes in aller Form abgeschlossen worden war, hatte jener den Entschluß geäußert, auf dem erworbenen Grund und Boden ein schönes Land­haus mit einer Sternwarte zu erbauen. „Hier" — sagte er dabei — „hier soll der Mittelpunkt meines künftigen Lebens und Schaffens sein, hier glaube ich der Sonne näher zu sein als dort, wo ich jetzt noch wohne."

Marie, die bei diesem Gespräch Halkett's mir ihren Eltern anwesend war, fühlte sich von seinen Worten eigentümlich berührt und errötete. Sie hatte deren Sinn, wie auch den bedeutsamen Blick Halkett's richtig verstanden und auf sich bezogen, obwohl sie in ihrer echt jungfräulichen Bescheiden­heit früher nicht im entferntesten geahnt hatte, welche Absichten er verfolge. ■

Dies sollte ihr einige Tage später klar werden, als Halkett, dessen Besuche fast täglich stattfanden und schinerzlich vermißt wurden, wenn er einmal abwesend blieb, im Familienkreis erschien und das Kaufgeld für das ihm abgetretene Terrain aus­bezahlte. Er sagte, als die geschäftliche Frage er­ledigt war: „Ich freue mich, zu ihnen in nähere Beziehungen getreten zu sein und gebe der Him­mel, daß diese sich recht bald noch fester gestalten mögen!" — Und zu Marie gewendet, fuhr er fort: „Mit Ihnen, verehrtes Fräulein, möchte ich ebenfalls einen Vertrag schließen. Sie sollen mir

nämlich ein Geschenk machen. Die Sache erfordert reifliche Erwägung, deshalb mutz ich Ihnen Zeit lassen, aber am Weihnachtstage wünsche ich, mir sagen zu können: „Auch Du gehörst zu den Be­schenkten!" Ueberdies habe ich mit Ihnen abzu­rechnen, Sie haben mich überlistet. Doch hiervon ein anderes Mal!" —

So rätselhaft diese Worte klangen, Marie hatte ihren versteckten Sinn herausgefunden und wußte nun, daß Halkett in der Sprache des Herzens zu ihr geredet habe. Sie errötete zwar bei diesem Gedanken, aber als Halkett Abschied nahm und allen die Hand reichte, legte Marie unbedenklich auch ihre Hand in die seinige. An ihrem leisen Beben erkannte Halkett Mariens Gefühlserregung, die er sich günstig deutete.

Am folgenden Morgen erhielt sie von Halketts Hand ein Brieflejn folgenden Inhalts:

„Verehrtes Fräulein!

Ich traue Ihrem feinen Gefühle zu, daß Sie die Worte, die ich gestern an Sie zu richten wagte, verstanden haben. Feind aller Umschweife sage ich Ihnen daher heute, daß mich Ihr stilles, bescheide- -nes, häusliches Wesen seit unserer ersten Begeg­nung gefesselt hat; denn ich lege hohen Wert auf die Tugenden, auf die Kennzeichen echter Weib­lichkeit, welche Sie, verehrte Marie, zieren. Ich weiß sehr genau, daß Sie die Perle Ihres Hauses sind und von allen Freunden desselben hochge­schätzt werden. Das Geschenk, um welches ich gestern in verblümter Weise bat, ist, wie Sie schon ahnen, ein Platz in Ihren, Herzen. Bitte, schenken Sie mir dieses und dazu Ihre Hand auf immer! Teilen Sie, verehrte Marie, diese Zeilen Ihren Eltern mit, damit sie wissen, warum ich komme, wenn ich es nochmals wage, an Ihrem häuslichen Herd zu erscheinen. In ehrerbietigster Ergeben­heit Ihr

Halkett."

In holder Verwirrung und Freude zugleich las Marie diese Zeilen mehrere Male durch, dann aber eilte sie mit der frohen Botschaft in der Hand zur treuen Mutter, in deren treues Herz sie die Geheimnisse ihres Herzens stets niederzulegen pflegte.

gegen die Katholiken im „rheinisch-westfälischen" Jndustriebezirk zeigt, beweist wieder ein krasser Fall, welcher sich auf dem Bahnhof Wanne ereignete. In dem einzigen III. Klassewagen unter einer langen Zugreihe von Kolliwagen, welche die Eisenbahnverwaltung den Teil­nehmern einer Wallfahrt nach Kevelaer zur Verfügung stellte, befand sich, wie man der „Germania" mitteilt, aus der Rückwand des Abteils eine die katholische Geistlichkeit in der gemeinsten Weise beschimpfende Inschrift,, die jedem Eintretenden sofort auffallen mußte. Ein Geistlicher und ein Franziskanerpater, tvelche den Wagen betreten wollten, stiegen wieder aus, um bei dem Stationsvorsteher Be­schwerde einzulegen. Ein Stationsbeamter hatte sich auf Ersuchen der Teilnehmer, die Schmähworte entfernen zu lassen, geweigert mit den Worten: „Das ginge ihn nichts an." Es bedurfte erst energischer Vorstellungen, bis der Stationsbeamte sich bequemte, die Schrift, die nach Augenscheinsnahme nur von einem „besse­ren" Herrn herrühren konnte, auswischen zu lassen. Die Essener Eisenbahndirektion hatte wieder die ältesten Kolliwagen zur Verfügung gestellt. Da die bisherigen Beschwerden bei der Essener Direktion erfolglos geblieben sind, hat sich die Leitung des Pilgerzuges mit einer Beschwerde direkt an den Minister gewandt.

* Der Ruhm von Schöppenstedt, einem Städtchen mit 3583 Eiuwohnern im Herzogtum Braunschweig, diesem vielgepriesenen Lande der „Toleranz", wird nicht erlöschen. Dasürsorgtdas braunschweigische Staatsministerium in rührender Weise. Dieses lehnte nämlich die vom Bischof von Hildesheim beantragte Anstellung eines Kaplans in Wolsenbüttel, der zu­gleich auch in Schöppenstedt Gottesdienst ab­halten sollte, ab — wegen mangelnden Bedürf­nisses, wie es in dem abschlägigen Bescheide der Regierung heißt. Hoffentlich dauert der Wider­stand der Regierung nicht so lange wie in Blanken­burg; es muß auch in Schöppenstedt Frühling werden.

Ausland.

* Zur Abfallbewegung in Oesterreich. Der Etat des Gustav-Adolfvereins zeigt für die in Oesterreich zur Unterstützung der „Los von Rom"-Bewegung zu verwendenden Summen für 1904 544,071 Mk., für 1905 442,000 Mk. Die vom Evangelifchen Bunde verausgabten Summen sind da nicht eingerechnet. Die ange­sichts solcher hohen Summen erzielten Resultate sind recht mager. Es traten über 1899: 6385, 1900: 5058, 1901: 6299, 1902: 4247, 1903: 4056, 1904: 3982 Personen. Ungefähr 11,600 Personen traten zu den Altkatholiken. Zu be­

merken ist, daß die Kirche aber Uebertritte zum Katholizismus in der Höhe von 4062 in jenen Jahren zu verzeichnen hat. Daß die Bewegung überhaupt noch lebt, ist nur jenen immensen Geldsummen resp. der damit genährten Tätigkeit der importierten Vikare zuzuschreiben. — In­zwischen ist der Bonifatiusverein rege an der Arbeit. Am 16. Juli wurde in Prödlitz in Böhmen, das, mitten im Abfallsgebiet ge­legen, 4000 Seelen und 13 Schulklaffen, aber weder Kirche noch Priester hatte, feierlich der Grundstein zu einem neuen Gotteshaus gelegt. — Ein Zentralnachrichtenbureau nach Art der Zentral-Auskunftsstelle und Hand in Hand mit dieser hat der Rechtsschutzverein des Klerus der Wiener Erzdiözese dortselbst (XIX Vermosergaffe 3) ins Leben ge­rufen. Dieses Bureau fungiert schon nach kurzem Wirken dank seiner guten Organisation als Nach­richtenzentrale, nicht nur zur Abwehr, sondern auch zur Verbreitung sonstiger Mitteilungen an die Presse. Der Rechtsschutzverein, der das Bureau geschaffen, hat in dem soeben abge­laufenen 3. Vereinsjahre nicht weniger als 42 Berichtigungen von lügnerischen Angriffen auf Priester erwirkt. Diese seine energische Tätigkeit hat übrigens zur Folge, daß die feindlichen Blätter vorsichtiger wurden. Weiter hat der Verein fünf Prozesse angestrengt und gewonnen. Wir besitzen derzeit zwölf derartige Rechtsschutz­vereine, die sich trefstich bewähren.

* Die Krönnngsfeier Papst Pins X. am 9. d. Mts. findet nun doch in der Sixtina statt. Ein Besucher fragte dieser Tage den hl. Vater nach der Ursache dieser Aenderung und dieser antwortete wörtlich: „Wir wollen nur ruhig am 9. ds. in der Sixtinischen Kapelle bleiben. Es ist allerdings recht heiß darinnen. In St. Peter hätten wir es kühler, doch un­sere Mittel erlaube n uns dies nj 4) t, denn wissen Sie, eine solche Feier in Sankt Peter ko st et mich jedesmal viertausend Franken und die können wir b e s s e r v e r w e n d e n!" Pius X. spielte damit an aus die Ausgaben für den Ausbau eines päpstlichen Thrones und der Tribünen für die Diplomaten und die Patriziers, sowie aus die „Gebühren", welche alten Privi­legien zufolge das vatikanische Kapitel und ver­schiedene Angestellte zu beanspruchen haben. Anläßlich des bevorstehenden Krönungsfestes ernannte der heilige Vater seine beiden wirk­lichen Geheimen Kämmerer, den Marquis Mis- ciatelli und den Grafen Scapinelli di Löguino zu Hausprälaten.

* Aus Mazedonien. Nach einer Meldung des „Wiener Tel.-Korr.-Bur.« wurden in Monastir und anderen Orten Mazedoniens in den letzten Sagen zahlreiche Haussuchungen vorgenommen, -on Monastir wurde der Vertreter des Metro-

Frau Helldorf las mit Tränen in den Augen Halketts Brief und segnete ihr liebes Kind, an dem sie, wie sie längst wußte, in der Tat eine Perle besaß. Stürmischer waren die Freudenbezeugun­gen ihres Vaters. Seine Tochter in die Arme schließend, rief er begeistert aus: „O Kind, durch Dich hat Gott uns überreich gesegnet! Du, nur Du allein bist die Gründerin unseres neu er­blühten Glückes I Und nun sollen wir Dich hin- geben, sollen wir Dich missen? —"

„Meine geliebte Eltern, fürchtet das nicht!" antwortete Marie. „Ich werde Euch nicht ver­lassen, das sei die Bedingung, an welche ich mein Jawort knüpfe! Es wird auch nicht von mir ge­fordert werden, daß ich die Stätte, wo meine Wiege gestanden, verlasse. Nicht umsonst gründet Halkett fein Heim so nahe an unserem eigenen.

XII.

Am Vormittage des nächsten Tages erschien Halkett vor der noch am Frühstückstisch versammel­ten Familie Helldorf. In seiner geraden biederen Weise bat er die Eltern, um Herz und Hand ihrer Tochter werben zu dürfen. Er fand Gehör und bei Marie Erhörung seiner Herzenswünsche. Obschon sie in ihrer holdseligen Verwirrung kein Wort hervorzubxingen vermochte, so zeigte doch der leise Druck ihrer Hand, der seelenvolle Blick ihrer schönen Augen beredter, als Worte es vermocht hätten, daß ihr Herz ihm gehöre.

Dem Segensspruch der Eltern folgte ein Familienfest, wie es schöner und inniger nicht ge­dacht werden kann. Das eigentliche Verlobungs­fest wurde auf Halkett's Vorschlag am heiligen Weihnachtsabend zu feiern beschlossen, und an diesem sollte — so wünschte es Frau Helldorf — ihr alter Freund, der uns bekannt gewordene Be­amte der Sternwarte, teilnehmen. Dieser Mann verdiente auch die Auszeichnung, denn noch in der letzten Zeit hatte er seine Freundschaft für Helldorfs bewährt, indem er, getreu dem Marie gegebenen Versprechen, seinen Freund Halkett von den Verhältnissen der Familie in Kenntnis ge­setzt und ihre Würdigkeit in's hellste Licht gestellt hatte. Mariens ausgezeichneter Eigenschaften, ihrer Tugend und Frömmigkeit, sowie ihrer auf-1

opfernden Fürsorge für ihr ganzes Haus war daber rühmender Erwähnung geschehen.

Als am Weihnachtsabend die Familie Hell­dorf mit Halkett und dem gemeinschaftlichen Freund an der festlichen Tafel faß, da erhob sich Vater Helldorf, reichte seiner Tochter den Arm und führte sie Halkett mit den herzlichen Wor­ten zu:

„Sie haben um unsere Tochter geworben und uns hrerdurch hochgeehrt. Nehmen Sie sie hin als ^hre Braut, und empfanget beide nochmals un­seren elterlichen Segen!" — Unter allgemeinem ^ubel und allseitig beglückwünscht sanken sich die Glücklichen in die Arme. Dann aber sprach Halkett:

„Sie, meine Lieben, haben mir ein kostbares Gut, einen Schatz anvertraut, der mir wertvoller ist, als alle Königreiche der Welt. Ich werde Ihre Tochter stets hoch in Ehren halten, sie auf meinen Händen durch's Leben tragen und ihr das­selbe zum Paradiese gestalten, daraus schwöre ich! Ueber noch einen Punkt will ich Ihnen beruhigende Gewißheit geben. Marie wird Ihnen durch den Ehebund mit mir nicht geraubt werden, sondern immer in Ihrer Nähe bleiben. Sie kennen ja meinen Bauplan, er sei Ihnen Bürgschaft dafür!"

Wir bitten unsere Leser, uns die Schilderung der nun folgenden Szene zu erlassen und sich mit der Versicherung zu begnügen, daß alle Anwesen­den von Rührung tief ergriffen waren, besonders aber die Eltern, die ihre Tochter so hoch geehrt sahen und wußten, daß sie nicht von ihr getrennt leben und sterben sollten.

Seinen Schwiegereltern zuliebe ließ sich Hal­kett bewegen, die Hochzeit bis nach Vollendung des Neubaues auf dem früheren Helldorf'schen Grund­stück zu verschieben. Mit Geld ist fast alles zu machen; daher wuchs der Neubau, ein wahrer Prachtbau, mit zauberhafter Geschwindigkeit aus deni Boden hervor.

Endlich zogen die jungen Vermählten in das neue Haus ein. Ein neuer häuslicher Herd hafte sich eng an den altert angeschlossen, um welchen die Familie Helldorf so schwer und so lange ge­kämpft hatte. Diese Kämpfe aber wiederholten sich nie mehr, sie ruhten für alle Zeiten.