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Fulda, Samstag, den 5. August 1905.
32. Jahrgang.
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Deutscher Reich.
Berlin, den 4. August 1905.
* Dem .Vorwärts' sind unsere Ausführungen über die Berggesetznovelle und die Verantwortung , welche' die Bergarbeiter selbst, wenigstens zum Teil, für die Ausführung des Gesetzes zu tragen haben, unbequem gewesen. Unter den allbekannten Ausfällen gegen das Zentrum und das von ihm an den Bergarbeitern „verübte Verräterstück" stellt er die Lage so dar, als ob wir Erfolg oder Mißerfolg des Gesetzes allein von dem Verhalten der Bergarbeiter abhängig gemacht hätten. Das ist uns selbstverständlich nicht eingefallen. Daß aber die Bergarbeiter ihrerseits mit Hand anlegen müssen, und zwar in objektiver, rückhaltloser Weise, wenn das Gesetz überhaupt für sie Nutzen haben soll, kann auch der /Vorwärts' nicht leugnen. Wenn das sozialdemokratische Organ meint, infolge des Streiks seien die Bergarbeiter schon an'der Mitwirkung zur Ausführung des Gesetzes in Bezug auf die Wahlen zu den Arbeiter-Ausschüssen gehindert, so weist die ,Germania' mit Recht darauf hin, daß bei der Beratung des Gesetzes ausdrücklich festgestellt ist, daß der Streik nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses aufgefaßt iverben soll, sondern, daß dazu der Eintritt in ein neues Arbeitsverhältnis erforderlich ist.
* Die Neuauflage des Witboi-Aufstaudes. Eine kaum glaubliche Meldung kommt aus Südwestafrika: Witboi ist mit einer ansehnlichen Truppenmacht über die deutsche Grenze zurückgekehrt und hat sich in dem Felsengebirge westlich von Gideon niedergelassen. Nun steht unsere Schutztruppe vor derselben Aufgabe, die sie vor einem Jahr zu lösen hatte; alle seitherigen Kämpfe waren umsonst, die Opfer an Geld und Menschenleben vergebens. Wie lange soll dieses Kämpfen noch fortgehen? Jeder Tag kostet uns eine halbe Million und erreicht wird absolut gar nichts! Diese Neuauflage des Kampfes kann sich noch einigemale wiederholen, Friede wird so in einigen Jahren nicht erzielt. In diesem Durchbruch Witbois, der nun im unzugänglichsten Teile der Kolonie sitzt- darf man eine Art Zusammenbruch der deutschen Kriegs- führung erblicken. Die Regierung' sollte unter keinen Umständen neue Truppen hinaussenden, ehe der Reichst.^ die Gelder dafür bewilligt hat. Mil den spateren Gesuchen um Immunität ist es nicht getan. Die Einführung der Zivilverwaltung würde den früheren Frieden ermöglichen. In unserem eigenen Interesse dürfen wir nicht dulden, daß alle Eingeborenen um- kommen; dann ist die gesamte Kolonie noch weniger als wertlos. Der Reichstag ist sicher mit einem sofortigen Frieden einverstanden, ja,
An häusliche Heck
12] Von I. B. Eg ermann.
(Nachdruck verboten.)
„Davon später, lieber Freund," entgegnete Hal- fett. „Für jetzt nur eine Frage. Würden Sie mir wohl einen Teil Ihres Grundes und Bodens käuflich überlassen? Ihr hübscher Garten und Ihre Ruheplätzchen sollen dabei nicht leiden. Im Gegenteil würde ich mich bemühen, den Garten zu erweitern. Nun, was sagen Sie dazu?"
„Ihre Pläne werden um so weniger ein Hindernis bei uns finden, als meine Frau schon vor Jahren an eine ähnliche Veränderung gedacht hat. Ungünstige Verhältnisse allein haben sie verhindert. Meine Frau, welcher das Grundstück gehört, würde mit Freuden Bauplänen zustimmen, mit denen eine Verschönerung ihres Erbteiles verbunden wäre. Sie hängt voll Liebe an der Erhaltung des häuslichen Herdes, an welchem ihre Wiege gestanden."
„Das gefällt mir!" antwortete Halkett. „Der Plan kann später weiter besprochen werden. Heute und morgen geht es nicht aus Rücksicht auf Ihre Frau. Denn wissen Sie, sie ist vor einer halben Stunde von einem Augenarzt operiert worden, ihr Augenlicht darf als gerettet betrachtet werden, nur müssen wir- jetzt jede Aufregung von ihr fern halten. Ein Freund von mir hat die Operation schnell und glücklich vollführt."
„O gütiger Himmel, du überschüttest mich mit Gnaden!" rief Helldorf aus. „Wer hätte das gedacht! Gestern noch standen Nahrungssorgen, Bankrott,. Blindheit meiner Frau drohend an der Pforte unseres Hauses, und auf einmal heute alle Not beseitigt! Kommen Sie mit, Herr Halkett, wir wollen zu meiner Frau!
„Nein, mein Bester! Jetzt nicht! Schonen Sie dieselbe, jede Erregung würde schädlich wirken. Schade, daß Fräulein Marie abwesend ist, ihr
er wird diesen fordern! Jedenfalls ist das gesamte deutsche Volk einig in der Ansicht, daß es so nicht weiter gehen darf.
** Tie Gegner der katholischen Studentenverbindungen sind um neue Lorbeeren verlegen. Da sie solche auf grobem Wege nicht erlangen können, bemühen sie sich auf Umwegen um dieselben. So läßt sich bas ,Berliner Tageblatt' aus Kiel melden: das Kultusministerium habe mit feinem neuen Feldzug gegen die Studentenausschüsse wenig Glück. Das Rektorat der Kieler Universität habe den von der Studentenschaft be- fchlossenen neuen Studentenausschuß, welcher die Ausschließung aller konfessionellen Verbindungen vorsehe, genehmigt. Offenbar handelt es sich hier um eine etwas leichtfertige Meldung, denn von einem „Stubentma u s s ch u ß",der diekonfessionellen Verbinbungen ausschließt, kann nach dem letzten Erlaß des Kultusministers keine Rede mehr sein.
* Eine Verunglimpfung des hl. Bonifatius. Aus Anlaß der Veröffentlichung des Hirtenbriefes der deutschen Bischöfe über den l. Bonifatius wagen es liberale Blätter, nach einem einheitlichen Muster diesen großen Deutschen zu verunglimpfen. Deutschland habe gar feinen Anlaß, demselben Loblieder zu fingen, heißt es; demnach würde es die liberale Presse lieber gesehen haben, wenn unsere Vorfahren Heiden geblieben wären und ja nicht Katholiken geworden wären. Weiter liest man; „Bonifatius war der Bahnbrecher und Bannerträger römischer Herrschaft auf deutschem Boden und hat dadurch unsägliches Elend über deutsche Lande gebracht." Demnach müßte Bonifatius ein Verbrecher gewesen sein. Nun urteilt aber die Geschichte über ihn ganz anders; er war es, der die vorher zerrissenen deutschen Stämme einigte, der das Fundament für die deutsche Einigkeit legte! Erst Professor Dr. Luther hat diese zerrissen und dadurch in der Tat „unsägliches Elend über ,bie deutschen Lande" gebracht. Vor Luther war Deutschland groß und einig, weil es katholisch war; der Niedergang des Deutschen Reiches datiert vom Auftteten Luthers an. Solche allgemeine Wahrheiten sollte niemand bestreiten wollen; denn es sind die bekanntesten protestantischen Schriftsteller, die sich so in ihren Geschichtswerken äußern. Eine Frage aber mögen uns diese Verunglirnpfer des großen deutschen Heiligen erst beantworten: Welches Christentum sollte uns denn der hl. Bonifatius bringen, wenn nicht den Katholizismus? Er konnte doch nicht hingehen und erst in seiner Studierstube das Evangelium fälschen, wie es Luther nachweislich getan hat! Damals existierte nur der Katholizismus, bet einzige Quell ber Wahrheit; sollte nun Bonifatius ein eigenes Evangelium etfinben ? Dann hätte er nie den hohen Namen Bonifatius, d. h. Wohltäter, verdient, dann hätte er unsere Vorfahren in die Irre geführt und so dem deutschen Lande schwer geschadet.
* Die Thronfolge in Sachsen-Weimar. Der so jung verwitwete Großherzog soll sich mit der würde ich die Sorge für ihre Mutter anempfohlen haben. Warten Sie die Rückkunft Ihrer Tochter ruhig ab, erzählen Sie ihr alles und ich —gehe jetzt. In einigen Tagen werde ich wieder kom- nien, und dann wird sich das Uebrige besprechen lassen."
Helldorf folgte getreulich dem Rate des neuen Freundes, indem er erst gegen abend zu seiner Frau ging.
„Und, was fehlt Dir, meine Liebe? Was bedeutet die Binde um Deine Augen?" frug er, als wüßte er noch nichts von dem Vorgefallenen.
„Mir fehlt nichts, wünsche mir Glück!" antwortete sie freudig. „Ein gewisser Herr Halkett, der sich für uns zu interessieren scheint und durch unseren alten Freund, den Beamten der Sternwarte, von meinem Augenleiden Kenntnis erhalten hat, brachte heute nachmittag einen Augenarzt mit. Dieser untersuchte meine Augen und operierte sie glücklich. In ein paar Tagen soll die Blinde fallen, und dann werde ich vollständig geheilt sein. Was wollte eigentlich Halkett von Dir?"
„Er wollte meine Vase und hat sie — denke Dir! — für bare viertausend Mark angekauft. Hier ist das Geld, verwahre es."
„Höre ich recht? Viertausend Mark? Gott, wer hätte das gedacht! — Viertausend Mark und dreitausend Mark Einnahme in wenigen Tagen! Das ist ja ein überreicher Segen! Wir müssen Gott auf den Knien danken, daß er sich unserer auf diese Weise erbarmt hat! Ich habe es aber immer gesagt: „wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten." In jedes Menschen Geschick, mag es noch so traurig sein, tritt nach Gottes Fügung stets zur rechten Zeit eine Wendung ein. Wie lange haben wir gelitten!"
„Rege Dich nicht auf, liebe Frau! Allerdings, Du hast recht, sind im übrigen denke ich ganz wie Du. Doch noch etwas! Halkett will einen Teil von unserem Grundstück kaufen; zu welchem .Zweck, weiß ich noch nicht. Gibst Du Deine Zustimmung?"
Absicht tragen, sich nicht mehr zu verheiraten; damit tritt bie Regelung ber Thronfolge auf. Ein Vetter des Großherzogs, Prinz Hermann von Sachsen-Weimar, ist der nächste Thronan- wärter: er ist dieser Tage als Leutnant in das GardeÜirassierregiment eingetreten!
Ausland.
* Zur Lage in Rußland. Wie der ,No- woje' Wremja' aus Noworossisk telegraphiert wirb, sei der Verkehr auf der ganzen Wladikawkas bahn wiederhergestellt. Alle Züge oev- kehren wieder fahrplanmäßig. Die Hauptagitatoren feien verhaftet weiden. Ditz Gerüchte, daß bei den jüngsten Unruhen 70 Personen, darunter auch Weiber und Kinder, getötet worden seien, seien falsch. Das Polizeidepartement berichtete heute dem /Negierungsboten', bei dem Zusammenstoß der Truppen und Bahnarbeiter in Neworofsisk am 1. ds. Mts. feien 13 Arbeiter und ein Kosak getötet und 20 Arbeiter verwundet worben.
* König Oskar von Schweden empfing am Dienstag nachmittag den Großadmiral von Koester in Audienz und überreichte ihm am Schluffe derselben den Seraphinen-Orden. Gestern vormittags stattete der König dem deutschen Geschwader einen Besuch ab und nahm an einem Frühstück beim Großadmiral von Koester auf dessen Flaggschiff Kaiser Wilhelm II. teil. Abends gab der König im Stockholmer Schlosse ein Festmahl für die Offiziere des deutschen Geschwaders. An dem Mahle nahmen etwa 300 Personen teil, darunter Großadmiral v. Koester, Ministerpräsident Lundeberg, Kriegsminister Tingsten, Marineminister Lindmann, der deutfche Gesandte v. Müller und ber beutsche Generalkonsul v. Krencki. Der König trug beutsche Abmiralsuniform. Bei bem Festmahl brachte König Oskar auf den Deutschen Kaiser einen Trinkspruch in deutscher Sprache aus, in dem er seine Dankbarkeit für die Freundschaft aussprach, die Kaiser Wilhelm ihm seit seiner Thronbesteigung erwiesen habe. Hierauf toastete ber König, ebenfalls in beutscher Sprache,^ auf -bie beutsche Marine, bereit mächtige und" schnelle Entwicklung bet jedermann Bewunderung erwecken müsse, am meisten aber bei denjenigen, welche, wie er selbst, von Jugend auf der Flotte angehört hätten; er fei in Wahrheit stolz darauf, die Erlaubnis erhalten zu haben, die Uniform derselben zu tragen. Großadmiral v. Koester erwiderte unter anderem: „Die deutsche Marine hat bei ihrer Entwicklung das Glück gehabt, schwedische Offiziere als Lehrer zu haben. Meine Kameraden vereinen sich mit mir in einem von Herzen kommenden Hoch auf den König von Schweden und Norwegen, Seine Majestät König Oskar II. lebe hoch!"
* Die außerordentliche Tagung des schwedischen Reichstages ist am Donnerstag ge-
„Unbedingt! Du weißt ja, daß ich schon früher derartige Pläne hegte." —
„Nun, er wird gelegentlich wiederkommen. Jetzt aber muß ich in's Atelier, Halkett will die Vase abholen lassen." —
Unter Helldorfs Aufsicht sorglich verpackt, wanderte die Vase hinaus in die Welt, nachdem sie so lange Zeit fast unbeachtet dagestanden hatte.--
Welche Freude und Ueberraschung für die kurz darauf heimkehrende Maria! Ihre Mutter von der schrecklichen Gefahr der Erblindung befreit! Welch' ein Sturm von Gefühlen kam über das junge Mädchen! Ihre Seele jubelte. Ihr Haupt an das der Mutter schmiegend, sprach Mara ein inbrünstiges Dankgebet zum Lenker der Geschicke, dabei im innern Segen erflehend für den, der sich ihrer so edelmütig angenommen hatte. — Es waren glückselige Btinuten für die beiden Frauenseelen.
Als sich endlich Frau Helldorf sanft aus Mariens sie fest umschlingenden Armen losmachte, sagte sie:
„Du sollst gleich zu Deinem Vater kommen, er hat eine kleine Ueberraschung für Dich in Bereitschaft." —
Daß die „kleine" Ueberraschung für Maria zu einer sehr großen ward, kann sich der gefühlvolle Leser denken. Die Bande, die das Herz des jungen Mädchens zu Halkett hinzogen, wurden fester und fester, er ward der Gegenstand ihrer Verehrung und Liebe.
An diesem Abend wurde ein Familienfest gefeiert, wie es in unseren Zeiten immer seltener wird. Denn es war zugleich ein Fest der Dankbarkeit gegen Gott und feine Engel in Menschengestalt. —
XI.
Die Augenbinde war gefallen und Frau Helldorf erfreute sich wieder ihrer früheren Sehkraft. Dieses glückliche, von der ganzen Familie gefeierte Ereignis eröffnete für diese eine neue, glückliche Zeit. — Marie, die das Geld für die Vase von
schlossen worben. Hierbei erklärte in ber Zweiten Kammer Präsident Svartling, baß bie Situation fortbauernb ernst, aber bie Kammer ruhig sei, im Bewußtsein, durch ihre Mitwirkung eine feste Grundlage für eine gute und friedliche Lösung der Unionsfrage gelegt zu haben. Wenn die Situation sich zuspitze, dann liege die Verantwortung nicht auf schwedischer Seite. Der Präsident kündigte die baldige Wiedereinberufung des Reichstages an.
* Vom ostasiatifchen Kriegsschauplatz. Der größte Teil der russischen Befatzungs- truppen von Sachalin hat sich am 31. Juli den Japanern ergeben.
)*( vie Bauarbdterausfpeming in Westfalen und Rheinland.
Die von der sozialen Kommission in Essen ungebahnten Einigungsverhandlungen sind vo11ständig gescheitert. Der Kampf Wird in verschärfter Form fortgesührt Werden. Um den Frieden herbeizuführen, erklärten die Vertreter der Arbeiter sich in den Verhandlungen bereit, bei ihren Mandatgebern dafür eintreten zu Wollen, daß die Arbeit dann Wieder aufzunehmen sei, falls sich die Unternehmer verpflichteten, im gesamten Gebiet die 10-ftün- dige Arbeitszeit einzuMren und vom 1. September ab eine Lohnerhöhung von 2 Pfg. und am 1. Januar 1906 um einen Weiteren Pfennig pro Stunde eintreten zu lassen. Dieser Vorschlag Wurde in der am Montag, den 31. Juli, in Witten abgehaltenen Versammlung de» Arbeitgeberbundes abgelehnt. Eine am Mittwoch, den 2. August, in Bochum abgehaltene Sitzung, an der außer der Sechser-Kommission auch die Vertreter der in Frage kommenden Zentralvorstände sowie Vertreter der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter aus allen Orten des Aussperrungsgebietes teilnahmen, beschäftigte sich zunächst mit der e im allgemeinen. Festgestellt wurde, daß in Orten zusammen 10 145 Bauarbeiter ausgesperrt sind. Davon sind 4342 Maurer Mitglieder des christlichen und 3879 Mitglieder des Zentralverbandes. Von den Zimmerern sind 624 Mitglieder des Zentral- und 140 Mitglieder des christlichen Verbandes. — 914 Bauhilfsarbeiter sind Mitglieder des Zentral- und 246 des christlichen Verbandes. Von den Ausgesperrten entfallen auf die sogenannten Vertragsgebiete 3057 Maurer, 480 Bauhilfsarbeiter und 270 Zimmerer. Augenblicklich zu untersttitzen sind noch: vom christlichen Verband 898 Maurer, 38 Zimmerer und 37 Bauhilfsarbeiter. Von den Zentrak- verbänden 852 Maurer, 133 Zimmerer und 238 Bauhilfsarbeiter. Bei der BerichterskKttung über die Verhandlungen wurde besonders die vollständig unparteiische Haltung des Vorsitzenden der Verhandlungs-Kommission, Herrn Beigeord- ihrem Vater in Verwahrung bekommen, war es sehr unangenehm gewesen, daß sie beim Besuche Halketts abwesend gewesen, weil ihr dadurch die Gelegenheit entgangen war, demselben die Wechsel- schuld abzuzahlen. Ihr Vater, der von dieser Angelegenheit noch gar nichts wußte, staunte, als sie ihm jetzt die Geschichte erzählte, über Halketts Großmut und stimmte bei, daß die Schuld ohne Säumen getilgt werden müsse.
„O, hätte ich nur eine Ahnung davon gehabt!" sagte er. „Halkett hätte mir die viertausend Mark förmlich aufgenötigt, er hätte mir das Geld eigenhändig in die Tasche gesteckt, wenn ich mich länger gegen die Annahme gesträubt hätte! Die Wechsel- schuld hätte er in Abzug bringen müssen! — Nun, diese Sache muß schleunigst geordnet werden." —
Marie fetzte sich sofort hin, und nach ein paar Minuten ging ein eingeschriebener Brief mit dem (Selbe an Halkett ab.
Am 1. Oktober mußte Marie's Kusine zurück zu ihren Eltern. Unmittelbar darauf folgte die große Geldsendung, durch welche Helldorfs Bruder, der durch glückliche Spekulationen reich gewordene Kaufmann, seine langjährige Schuld abtrug. Damit war in verhältnismäßig kurzer Zeit der Wohlstand an den häuslichen Herd der bedrängten Familie zurückgekehrt. So war auch hier Gott in der größten Not am nächsten gewesen.
Es kamen nun zwar viele grämliche und neblige Tage, wie sie der Spätherbst birgt, so finster und traurig, daß manches leidende Menschenkind schon durch den Anblick des Himmels, an dem weder Sonne noch Mond und Sterne sichtbar werden, traurig und kränker werden kann. Aber unsere Frennde konnten davon nicht angefochten werden, sie lebten in dem Himmel des wiedergefundenen Glückes, der innerlichen Ruhe und Zufriedenheit. Das Licht und die Wärme, die das Feuer auf dem häuslichen Herde ausströmte, schienen ihre wohltuende Wirkung verdoppelt und an Anziehungskraft gewonnen zu haben; kurzum, ein neues Leben war im Hause erwacht.___
(Schluß folgt.-