32. Jahrgang
Fulda, Freitag, den 4. August 1905
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Deutsches Reich.
Berlin, den 3. August 1905.
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noch blutwenig von den sogenannten „Kunststädten", wo man das stille Verdienst darben läßt. Das kümmert mich jedoch nicht, mögen andere denken, was sie wollen! Ich biete Ihnen viertausend Mark, nicht mehr und nicht weniger! Wollen Sie?"
Es ist unzweifelhaft peinlich, für eine Leistung Bezahlung zu empfangen, während man sich sagen muß, daß man einen Teil derselben der Gnade oder Großmut zu verdanken hat. Helldorf befand sich in diesem Falle. Deshalb zögerte er verlegen mit der Annahme und sagte dann zu Halkett:
„Sie überschätzen meine Arbeit bei weitem und ich kann mit gutem Gewissen das Angebot nicht annehmen. Es wäre nach meiner Meinung doch besser gewesen, wenn Sie die Vase durch einen Dritten hätten abschätzen lassen. Um dabei ganz sicher zu gehen, würden Sie vielleicht einen Auswärtigen gewählt haben, und zwar deshalb, weil unter meinen hiesigen Kunstgenossen eine kleinliche Eifersucht gegen mich herrscht. Wäre dies nicht der Fall, so hätte ich die Vase schon längst an den Mann bringen können."
„Es bleibt bei der Summe, lieber Helldorf, nicht einen Taler bringe ich in Abzug! Bei der Bestimmung dieser Summe, habe ich mein persönliches Interesse im Auge gehabt. Sie sollen nämlich fortan meine Bestrebungen im Gebiete der Kunst unterstützen; ich habe mancherlei Pläne gemacht, bei deren Ausführung Sie mir unentbehrlich sind. Ein alter Freund von Ihnen und Ihrer Frau hat mich auf Ihren Beistand verwiesen, und ich rechne darauf, daß Sie mir diesen Beistand nicht verweigern werden. Also zieren Sie sich nicht länger, willfahren Sie mir, zunächst durch Annahme des Geldes!"
In die ihm von Halkett dargebotene Hand schlug Helldorf jetzt unbedenklich ein.
„Ja," sagte er, „da Sie meine Dienste verlangen, so will ich das Geld annehmen und dafür meine Schuldigkeit tun. Sagen Sie mir, was Sie von mir fordern!" (F. f.)
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Tagen entfernen dürfen. Ich werde bis dahin einigemale nachsehen. Nur keine Gemütsaufregung!"
Hiermit verabschiedete sich der Augenarzt von Frau Helldorf und zugleich von Halkett, der zurückblieb, um die von dem Maler gefertigten Kunstarbeiten in dessen Atelier zu besichtigen. Den Dank der Frau Helldorf lehnte er mit den freundlichen Worten ab:
„Lassen Sie das auf sich beruhen, liebe Frau! Ich kenne Sie und tveiß, daß Sie und Ihre Familie dessen, was Menschenfreunde für Sie zu tun vermögen, durchaus würdig sind. Durch widrige Verhältnisse waren Sie in Notstand geraten; es müßte doch kein Gott im Himmel sein und keine Gerechtigkeit auf Erden geben, wenn Ihnen nicht geholfen werden sollte! — Wir Menschenfreunde sind nur Werkzeuge in Gottes Hand. Ihr Dank gehört also Gott allein! — Doch nun zu Ihrem Herrn Gemahl! Ich habe von einer kunstvoll gemalten Vase, einem Erzeugnis seiner fleißigen Hand, vernommen. Kann ich ihn jetzt besuchen, und wo ist sein Atelier?"
„Er ist zu Hause, geehrter Herr. Wollen Sie an meinerstatt den Klingelzug hier in Bewegung setzen, so wird alsbald unsere alte Martha Sie hingeleiten."
Halkett klingelte, verabschiedete sich aber gleichzeitig, um der alten Dienerin das Treppensteigen zu ersparen. Er traf sie im unteren Gang und wurde auf seinen Wunsch von ihr ins Atelier geführt, wo eben der Maler Helldorf emsig mit Farbenmischen beschäftigt war. Da sein Eintritt fast ohne Geräusch erfolgte, also von Helldorf nicht sofort bemerkt wurde, so fand Halkett hinlängliche Muße, sich in der Künstlerwerkstatt umzuschauen. Auf den ersten Blick bemerkte er die auf einem Postament stehende große Vase, die mit den uns bekannten' bildlichen Darstellungen auf's herrlichste geziert war. Bewundernd betrachtete er das Werk und er würde sich ganz darin vertieft haben, wenn nicht Helldorf sich plötzlich umge- wendet hätte und seiner ansichtig geworden wäre.
(Nachdruck verboten.)
Ueberrascht stand diese vor den beiden Fremden, außer Stande, auf das Anerbieten Halketts sofort zu antworten.
„Erkennen Sie mich wieder, Frau Helldorf?" frug Halkett.
„An Ihrer Stimme wohl, mein Herr; doch in diesem Augenblick sind meine Augen so um- schleiert, daß ich Ihre Gesichtszüge nicht genau 311 sehen vermag. Wenn dieser Herr mir Hilfe bringen kann, so werde ich mich dankbar erweisen. Ist denn aber eine Operation unvermeidlich? Genügt nicht das Mittel, welches Sie, Herr Halkett, mir versprachen?"
„Nicht mehr, Frau Helldorf", versetzte der Arzt. „Uebrigens", fuhr er fort, „brauchen Sie die Operation nicht zu fürchten, sie wird, wie mir der Augenschein beweist, eine sehr leichte und gänzlich schnwrzlose sein. Erlauben Sie mir wohl jetzt eine Untersuchung Ihrer Augen?"
„Wohlan, so mag es sein," versetzte sie, und nahm auf Ersuchen des Arztes Platz auf ihrem gegen das Licht gekehrten Lehnsessel.
Nach kurzer Prüfung sagte jener: »O, das hat noch sehr wenig zu bedeuten, ist aber schon reif."
Und ehe sich Frau Helldorf dessen versah, hatte er ein schon vorher bereit gehaltenes feines Instrument zur Hand, mit dem er durch zwei rasch und sicher ausgeführte Griffe über die kranken Augen fuhr.
„Die Operation ist glücklich vollzogen, sagte er freudig und glückwünschend. „Der Grund des Uebels war ein ganz leichtes, durchsichttges Fell- chen, das sich auf jedem Auge gebildet hatte. Nun ist es gut, es wird wieder Licht um Sie werden, liebe Frau, wenn Sie den Verband, den ich Ihnen jetzt über die Augen legen muß, nach einigen
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„Wie kommen Sie hierher, mein Herr?" redete Helldorf zwar einigermaßen erstaunt, aber nicht unfreundlichen Tones den Herrn Halkett an.
„Ihre alte Dienerin hat mich eingeführt, und Sie, mein Freund, waren so in Ihre Arbeit versunken, daß Sie mich nicht bemerken konnten. Wer so, wie Sie, und mit solchem Eifer schafft, der kann auch nur solche Kunstwerke schaffen!"
Mit diesen Worten auf die Vase deutend, trat Halkett auf den Maler zu, bot ihm die Hand und sagte zu ihm: „Ich bin Ihr Nachbar, heiße Halkett, habe von Ihren Leistungen gehört und frage Sie nach dem Preis dieser Vase, die ich gerne meiner Kunstsammlung einverleiben möchte. Nennen Sie mir offen Ihre Forderung, und seien Sie überzeugt, daß ich das freundschaftlichste Interesse für Sie hege."
„Geehrter Herr", erwiderte Helldorf, „ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Zuvorkommenheit. Meine Vase steht Ihnen zu Gebote, überfeinen Preis dafür kann ich nicht bestimmen. Zum erstenmale in meinem Leven müßte ich tun, was ich nie getan: eine Forderung stellen! Wissen Sie was, mein Herr, lassen Sie den Wert der Vase von einem Unparteiischen abschätzen, und ich werde annehmen."
„Wir brauchen feinen Vermittler, Herr Helldorf, ich selbst bin Kunstverständiger und verstehe Kunstwerte nach ihrem Wert zu schätzen. Zugleich bin ich aber auch Kunstliebhaber und da habe ich auch meinen Vorteil im Auge. Indessen als ehrlicher Mann und Freund biete ich Ihnen für diese Vase ohne langes Besinnen viertausend Mark; schlagen Sie ein?" —
„Sie beschämen mich durch Ihre Großmut, Herr Halkett, und doch erfreut sie mich, weil sie selten ist. Unsere Stadt brüstet sich gar zu gern mit dem Beiwort: „Kunststadt" und dennoch mußte ich bisher, wie noch manche ander« von meinen Genossen, darben. — Irre ich nicht, so sind Sie hier gänzlich fremd, nicht wahr?"
„Allerdings bin ich erst vor nicht ganz einem Jahre aus England hierher gezogen und kenne
* Vie nalionalliberale presse und die Ratholikenversammlung in Straßburg.
Mit der Bekanntgabe des Programms für die diesjährige'Katholikenversammlung war für die gesamte kulturkämpferische Presse, in erster Linie natürlich für die nationalliberale, der Zeitpunkt gegeben, von dem ab sie in verstärktem Maße mit Verdächtigungen gegen das Zentrum und Schmähungen gegen den verhaßten „Ultramontanismus" einsetzen mußte. Dieses Schauspiel wiederhott sich jedes Jahr, und es hätte mit sonderbaren Dingen zugehen müssen, wenn es in diesem Jahre anders gewesen wäre. Schon der Umstand, daß die Tagung der diesjährigen Katholikenversammlung in Straßburg im Elsaß anberaumt ist, läßt sich ja so hübsch zu Tiraden über „Machterweiterungsgelüste des Zentrums" und dergleichen verwerten.
Die Führung der kulturkämpferischen Presse hat in diesem Jahre die ,Nationalzeitung' übernommen, und sie glaubt augenscheinlich, durch ein recht „schneidiges" Vorgehen in dieser Angelegenheit ihr auf den Nullpunkt gesunkenes Prestige in der politischen Presse etwas heben zu können. So wirtschaftet das Blatt denn mit den plumpsten Verdächtigungen und ödesten Schmähungen darauf los, freilich nicht ganz ohne Anknüpfung an seine bisherige „Tradition". Gestern schon waren wir in der Lage, eine Denunziation der elsaß-lothringischen Katholikenals „Reichsseinde" und „Preußenfeinde", die im Herzen an ihren Sympathien für Frankreich fest- hielten, zurückzuweisen. Mit dieser Leistung hatte die,Naüonalztg.' den Kampf würdig eröffnet. Sie setzt denselben heute mit weiteren Verdrehungen und Verdächtigungen fort. Lächerlich wird das nationalliberale Organ durch feine „Entdeckung", daß auch politische Angelegenheiten auf dem Katholikentage verhandelt werden sollen, daß man sich namentlich in der General-Versammlung des Augustinus - Vereins auch mit der „politischen Presse" befassen will. „Hiermit wird aufs neue der politische Charakter der ganzen Veranstaltung dokumentiert" — frohlockt die,Nationalztg/ im Tone des bekannten Heureka. Diesen politischen Charakter der deutschen Katholiken-Versamm- lung hätte das Blatt nun schon vor mehr als 50 Jahren „dokumentieren" können. Wo und wann ist jemals auf katholischer Seite geleugnet worden, daß die General - Versammlungen der deutschen Katholiken sich auch mit politischen Dingen befassen und daß die Verhandlungen dort- selbst in dieser Hinsicht auch einen politischen Anstrich tragen? Gewiß, die ,Nationalztg.' würde es lieber sehen, wenn die deutschen Katholiken ihr und ihren Hintermännern die Führung der politischen Geschäfte in Deutschland vollständig überließen. Aber soweit sind wir noch nicht. Noch machen die deutschen Katholiken Anspruch darauf, auch in der deutschen Politik ein Wort mitzureden, und so lange die ,Nationalztg/ nicht das
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Monatrbeilage: „SulbüCt Geschjchtrblättrr". ‘"sÄtS»?«?
* Dem ,Reichsboten' zufolge beschloß auch der Ausschuß des Verbände^ der evangelischen Arbeitervereine von Rheinland und Westfalen eine Eingabe an den Reichskanzler und den Handelsminister zu richten, in welcher unter Hinweis auf das Unglück auf der Zeche „Borussia" gebeten wird, die Fortführung der Reformen im Bergbaubetriebe im Auge zu behalten und gesetzliche Maßnahmen zur besseren Sicherung des menschlichen Lebens und der Gesundheit der Bergleute herbeizuführen.
8 Die gestern von uns ausgesprochene Befürchtung, daß die Berggesetznovelle gewissen Parteiführern Anlaß geben würde, die Sache der Bergarbeiter erneut zu diskreditieren.
dere ist, als die des ,Vorwärts'. Uebrigens ist die Notwendigkeit von der erstmaligen Wahl der ständigen Arbeiterausschüsse, die an dem letzten Streif beteiligt gewesenen Arbeiter auszuschlichen unseres Erachtens keineswegs von vornherein gegeben. Es wird auf die Zechenverwaltungen ankommen, wieweit sie in diesem Punkte Entgegenkommen zeigen wollen. Auch kommt der Umstand in Betracht, daß die Arbeiterausschüffe auch anders als blos durch besondere Wahlen gebildet werden können. Aber auch die etwa zur Zeit vorhandenen Uebelstände in dieser Hinsicht rechffertigen keineswegs, das auf eine Verächtlichmachung der Errungenschaften des neuen Bergarbeitergesetzes abzielende Vorgehen des ,Vorwärts'. Wir betonen noch einmal, daß es für die Bergarbeiter nichts verhängnisvolleres geben könnte, als ein schmollendes Beiseitestehen ober eine parteipolitische Ausnutzung der neuen Vorschriften.
* Freiheit der Wissenschaft! Der Professor für Philosophie an der Münchener Universität, Lipps, stellte, wie erst jetzt in dieOeffentlichkeit durchsickett, um Ostern d. I. herum in der philosophischen Fakultät den Antrag, katholischen Theologen als Privatdozenten von nun an die Aufnahme in die betreffende Fakultät zu versagen. Der Antrag scheint keine Mehrheit gefunden zu haben, weil sich nichts mehr rührt, er ist jedoch sehr bezeichnend gerade für Professor Lipps, der sonst überall für die größte Freiheit schwärmt. Warum beantragt, fragt die,Augsb. Postztg.', Herr Proseffor Lipps nicht geradewegs die Ausschließung aller katholischen Kandidaten, oder wenigstens all' derjenigen, die nicht auf die Lippe'sche Dogmatik in der Philosophie geaicht sind? Das wäre zwar noch ungerechter, aber um so ehrlicher.
* Wegen angeblich allzuhäufigen Besuchs, den einige französische Offiziere
Rezept dafür mitteift, wie man politische Angelegenheiten anders als in politischen Erörterungen behandelt, wird sich das Blatt auch mit dem „politischen Charakter" der Katholiken-Versamm- lungen abfinden müssen.
Wenn Die ,Nat. Ztg.' aber meint, mit ihrer „Entdeckung" endlich den Zusammenhang zwischen den Katholikentagen und dem Zentrum bewiesen zu haben, — darauf geht ja doch das ganze Gerede von dem „politischen Charakter" der Versammlungen hinaus, — so beneiden wir sie nicht um ihre Logik. Um die deutschen Katholikentage zu „Parteitagen des Zentrums" zu stempeln, reicht das Zeugnis der ,Nat. Ztg/ noch lange nicht aus, und wenn sie hundertmal von einem „Parteitag des Zentrums" schreibt und diese Bezeichnung als Ueberschrift ihrer Auslassungen wählte.
Mit deutlich erkennbarer Absicht macht die ,9lat. Ztg/ weiterhin auf das gleichzeitige Tagen verschiedener katholischen Studentenverbände in Straßburg aufmerksam. „Auffälliger denn je", sagt das ehrenwerte Blatt, „figurieren auf dem vielseitigen Programme (des Katholikentages) die Versammlungen der akademischen katholischen Verbindungen und Vereine, die allein in sieden großen Gruppen oertreten fein werden." Das „auffälliger denn je" beweist nur, daß die ,Nat. Ztg/ entweder die Programme der früheren Katholikentage schlecht studiert hat, oder daß sie eine kleine Entstellung nicht scheut, um ihren Zweck sicher zu erreichen. Und dieser Zweck ist lediglich eine Erneuerung der gegen die katholischen Studentenkorporationen gerichteten Denun- tiation einer organischen Verbindung mit dem Zentrum.
Nach den bisherigen Leistungen der ,Nat. Ztg/ darf man annehmen, daß das Blatt das Operieren mit Verdrehungen und Verdächtigungen bis zum 20. August „unentwegt" weiter betreiben wird. Wir sind gespannt darauf, wie hoch es diese seine Leistungen erst steigern wird, wenn der Katholikentag in Sttaßburg im Gange ist.
* Schon wieder ein abgesägter Genosse. Diesmal ist es der Achtstundenredner Antrick, den einstens Bebel die „Hoffnung der Partei" nannte; jetzt sitzt er in einem Sanatorium, da ihm die praktische Ausführung der freien Liebe den Kops zu sehr verwirrt hat, so daß er mit der Ehefrau eines anderen Gen offen Ehebruch beging. Sein früherer Wahlkreis Kottbus hofft wohl nicht auf eine Genesung, denn er hat soeben als Kandidaten den Mischen Arzt Dr. Bernstein aus Berlin ausgestellt. Es ist wirklich schade, daß diese Partei-Hoffnung so endete.
Regierung auf diplomatischem Wege Bei der französischen Regierung beschwert haben. Der „Gaulois" ist ein Blatt, dessen Nachrichten man nicht allzuviel flauen darf. Er benutzt bann auch gleich feine Meldung zu einem Protest gegen das Auftreten der deutschen Regierung und sagt, daß man in Frankreich den deutschen Offizieren die größte Bewag'.mgtzsreihett gestatte. Bei der schwülen Stirnmi die augenblicklich in Frankreich gegen Deutsa,. rd herrscht, ist die Veröffentlichung solcher Nachrichten nur geeignet, Oel ins Feuer zu gießen, und das ist wohl auch der ganze Zweck, toarum der „Gaulois" die Sache veröffentlicht.
* Aus Deutsch - Südwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: General-Oberarzt Dr. Theodor Sedlmayr, geboren am 13. 6. 1855 zu Passau, früher im königlich sächsischen Karabiner-Regiment am 27. Juli d. Js. auf einem Ritt von Sandfontein nach Romandrift gefallen. Nachträglich gemeldet, im Gefecht bei Narus am 17. Juli 1905 gefallen: Reiter Robert Schiller, geboren am 26. 7. 1881 zu Seitendorf, früher im Jnsantette-Regiment Nr. 63, Brustschuß, Reiter Anion Kuhn, geboren am 12. 6. 1882 zu Wittlich, früher im Pionierbataillon Nr. 19, Kopfschuß, ferner Reiter August Mahlendorff, geboren am 17. 9, 1881 zu Bahn, früher im Infanterie-Regiment Nr. 85, am 27. Juli d. Js. im Lazarett Dawignab am Typhus gestorben.
Ausland.
* Im englischen Unterhause hatte der Nationalist O'Dowd die Anfrage angekündigt, ob angesichts der in Deutschland erhobenen Proteste die Manöver des englffchen Geschwaders in der Ostsee nicht ftattfinben sollten. O'Dowd hat sich jedoch eines besseren besonnen und in der Nachmittagssitzung diese Anfrage nicht gestellt. Er erklärte, er habe sie aus dem Grunde unterlassen, weil die ursprünglichen Vorbereitungen für die Manöver der englischen Flotte aufgehoben seien und daher keine Gefahr für internationale Verwicklungen vorläge. (Das „Reu- wortet und betont, es sei die Pflicht eines jeden konnnen falsch unterrichtet sei, wenn er annehme, daß die Vorbereitungen aufgegeben sind, und
findet schon in dem heutigen /Vorwärts' eine ihren in Elsaß-Lothringen lebenden Familien Begründung. Das sozialdemokratische Blatt machen, soll sich nach dem „Gaulois" die deutsche schreibt: „Selbst wenn die Bergleute des Ruhr- “1—'------ r ---U£JC-— m
reviers nicht wollten, werden sie doch durch das famose Gesetz gelungen, mindestens jetzt die Arbeiterausschüffe den Streikbrechern zu überlassen. Denn wählen dürfen nur solche, die mindestens ein Jahr, und gewählt werden gar nur solche, die mindestens drei Jahre ununterbrochen auf dem Bergwerke gearbeitet haben. Das sind aber für den Anfang lediglich die Streikbrecher. Damit werden die Ausschüße von Anfang an den vom Dreiklaffenparlarnent gewollten Charakter erhalten, nämlich Kommissionen von Zechenpolizisten zu fein. Die brauchen denn auch nicht gleich wieder aufgelöst zu werden, da sie sicher ihre „Befugnisse" nicht überschreiten werden. Und nach fünf Jahren, wo wieder eine neue Wahl nötig fein wird, werden diese „sozialen Friedensinstitutionen" wohl niemand mehr interessieren." — Wir halten an unserer Annahme fest, daß die Auffassung der sozialdemo- krattschen Bergarbeiter im Ruhrrevier eine an-