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Fulda, Donnerstag, den 27. Juli 1W5

32. Jahrgang.

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Maria regelmäßig ihre Begleiterin war. Von diesen Ausflügen kehrte sie niemals ohne hübsche, \

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Aber die Ausführung dieses und ermger anderer Pläne, welche auf die Verschönerung der Besitzung abzielten, wurde durch plötzlich etn- getretene Unglücksfälle unmöglich gemacht. Das Aktienunternehmen, rn welches Helldorf fern Geld gesteckt hatte, ging zugrunde mit einem ungeheuren Verluste. Den Aktionären gingen ihre Einlagen vollständig verloren, und gleich darauf brach auch der Bankerott der Porzellanfabrik aus. Durch diese zwei Schicksalsschläge verlor Helldorf Geld und Arbeit; der letztere Verlust war natürlich der empfindlichste, weil er ihn einer regelmäßigen und in den letzten Jahren sogar stets steigenden Ein­nahme beraubte, für die nicht so bald em Ersatz gefunden werden konnte. — Von dieser verhäng­nisvollen Zeit haben wir bereits gesprochen.

So hart aber auch der Schlag war, den das Schicksal auf die Familie Helldorf niederfallen ließ, (o vermochte er doch nicht, sie zu erschüttern, denn sie war eine echt christliche Familie, deren Glieder durch wahre Religiosität und innige Liebe unauf- löslich an einander gekettet waren. Sie blieb da­her ungebeugt und in herzlichster Eintracht vereint an ihrem häuslichen Herd. .

Da gerade in jener Zeit die städtischen Grund­stücke im Werte sehr hoch standen, so riet Frau Helldorf, ihr Besitztum zu verkaufen, und tn eine kleinere Stadt überzufiedeln, um dort ein beschei­denes Geschäft zu gründen; ihr Gatte aber wider­sprach aus Liebe zu seiner Kunst, für die wieder bessere Zeiten kommen könnten, wie er meinte.

steigen nieder". ,, ,, .. ™ ,

Aber die tapfere Luise verscheuchte di Raben, und ein guter Engel umschwebte schützend das Haus Helldorf. , „ ,,

Der in sein Atelier gebannte Mann wußte, wie gesagt, von alledem kein Wort, aber wohl

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Der häusliche Herd.

8] Bon I. B. Egermann.

(Nachdruck verboten.)

widme.

* Der rnffische Minister Witte in

Paris. Minifterprätdent Rouvter -mpSng

Früh morgens pflegte sie gleichzeitig mit Maria aufzustehen. Im Laufe des Vormittags erschienen dann nacheinander die Lehrer, von welchen sie Unterricht in der Musik, im Gesänge und tn den Wissenschaften empfing. Den Nachmittag der- brachte sie entweder auf dem Sopha oder aus der Gartenbank ruhend, mit Lesen beschäftigt. In dieser Lebensweise fand keine wesentliche Der-

25 Pf,.; W wieder- Holungen wirt entspe.

Habatt gewährt-

vruck und Verlag der KuldaerXetierdrnckerrs. hi Zulda (har»o»ie>..

Zernsprecher Ur. 9.

Wollen wir die Zeichnung, ihres Charakters vervollständigen, so müssen wir noch erwähnen, daß sie sich neben vielseitigen Kenntnissen emer bei Frauen ungewöhnlichen Fertigkeit tn der höheren Rechenkunst erfreute. Ste hatte dtese ihrem. Vater zu verdanken, der ihr von ^ugend auf Unterricht hierin erteilt und sie späterhin häufig als Gehilstn bei seinen Arbeiten gebraucht hatte.

Frau Luise fand zur Zett der Not Gelegen- heit, auch diesen Teil ihrer Kenntnis e zum BAen ihrer Familie zu verwerten, indem sie durch Ver­mittelung alter Freunde ihres seligen Vaters„Auf. träge zu verschiedenen rechnerischen Arbeiten für das Bureau der Sternwarte erhielt. -

Da diese Arbeiten gut bezahlt wurden, so lag sie denselben mit eisernem Fleiße ob; Nachte hin­durch saß sie. am Schreibttsche m verwickelte Rech­nungen vertieft, und nicht eher suchte sie die ihr j so notige Ruhe, als bis sie die gestellten Aufgaben i ^Leider^war diese aufopfernde Tätigkeit von bedenklichen Folgen für die Sehkraft der suten Frau begleitet; sie durste ihre Arbeiten nicht fort- setzen, wenn sie nicht völlig das Licht ihrer ohne­hin geschwächten Augen embußen wollte. Liu- rechten Zeit für sie trat der oben erwähnte günstige Umschwung der Familienverhältnisse ein, und nun konnte Frau Luise sich Ruhe und ihren Augen Erholung gönnen.

- Zweites Kapitel.

Als sich Klara mit den Geschwistern Marrens am Frühstückstische eingefunden, eilte letztere ins Haus, um auch ihre Mutter abzuholen. Frau Hell­dorf war schon völlig angekleidet, saß aber zum I großen Schrecken ihrer Tochter gänzlich erschöpft im Lehnstuhle und erklärte sich außer Stande, der Einladung zu folgen. Ueberhaupt zeigte ihr I Zustand, daß sie wieder einmal unter den Schwächeanfällen litt, von denen sie fett längerer Zeit öfters heimgesucht worden war. >;hre 2lnge- ’ hörigen fühlten sich hierdurch um so tiefer be*

kümmerlichen Resten ihres Vermögens verbliebene Einkommen, so daß es wenigstens zur Führung des bescheidensten Haushaltes genügte. Selbstver- ständlich leistete der Gatte und Vater durch seiner Hände Arbeit das ihm Mögliche.

Ungefähr zwei Jahre nach den geschilderten Er- eignissen war ein Umschwung in den Verhältnissen der Familie Helldorf eingetreten. Helldorf hatte infolge seines Rufes als ausgezeichneter Maler von der neuen Porzellanfabrik, die an Stelle der alten gegründet war, dauernde Auftrage erhalten. Auch hatte sein Bruder, der von fernen Unfällen Kunde erhalten, ihm bis auf weiteres eure kleine Jahresrente ausgesetzt, aber an diese Bewilligung die Bedingung geknüpft, daß derselbe seine Tochter Klara in seinen Familienkreis als Pensionärin aufnehme, damit diese in der Hauptstadt ihre Aus­bildung vollenden könne. „Ich halte es für besser, meine Tochter ist bei Euch, als bei. stemden Leuten", hatte er hinzugefügt. — Für die Unter­richtsstunden, die in Helldorfs Hause durch be- sondere Privatlehrer gegeben werden sollten, war eine besondere Summe festgesetzt.

So war Klara in das Haus ihres Onkels ge­kommen, wo sie als nahe Verwandte trotz ihrer Launen stets mit liebevoller Aufmerksamkeit be­handelt wurde. Ueber die Fehler, welche das innae Mädchen zufolge einer verschwenderischen Er­ziehung an sich trug, sah die Familie um so lieber hinweg, als sie niemanden lästig fielen und Lurfe es verstand, sich bei allen beliebt zu machen. Selbst die alte Martha war ihr gewogen..

Vergnügungssucht konnte ihr nicht vorgeworfen werden. Vielmehr schien sie an das häusliche Leben gewöhnt zu sein, denn nur höchst feiten ver­ließ sie das Haus, und nur, um für sich Einkäufe an Büchern und Musikalien zu besorgen, wobei

nur gezwungen die geheime Abstimmung beiden i Reich-tagSwahlen eingeführt habe.

* Die .Nationalzeitung' veröffentlicht eine Zuschrift bei Abg. Dr. Paasch«, worin letzterer die Meldung verschiedener Blätter, daß । er seine Studiensahrt nach Deutsch . Ostafrika wegen wichtiger Arbeiten Hoche ausgeben müffen, als unrichtig bezeichnet. Er habe nach wie vor 1 die feste Absicht und auch bereit- alle Vorbe­reitungen getroffen, Anfang oder Mitte August nach Ostafrtka zu reisen, um dort etwa zwei Monate in der deutschen ur d englischen Kolonie sich dem Studium der wirtschaftlichen Verhält, niffe hinjugeben. Seine feste Absicht, am 5. August von Marseille aus auszurerstn, könne allerdings inssfern vereitelt werden, al- er durch eine schwere Erkrankung in seiner Familie viel­leicht gezwungen sei. die Abreise noch um vier­zehn Sage zu verschieben. . ,

♦* Einer Berliner Korrespondenz zufolge ist es nicht au-geschloffen, daß die Spritztour deutscher Reichst«Lsab,e«rdneter nach Kamerun aufgeschoben wird. Hoffentlich heißt es in diesem Falle aufgeschoben, aufgehoben.

*, Die ,N»rddc»1sche Allgemeine Zei- tttng^ warnt vor der Firma Becker und Cie. in Pari-, unter Darlegung des unreellen Se- schäftSbetttebeS der Firma. Die Firma erklärt fich durch Zeitungsanzeigen und Zuschriften an einzelne Personen zur kostenfreien Anfertigung von lebensgroßen Kohlenstiftporträten bereit und hängt dann denen, die darauf heretnfallen, schlechte Bilder und teure Rahmen auf.

* Reise Vorschriften über die «»uu- tagSrnhe, soweit sie sich auf das Gewerbe beziehen, «erden im Herbste vom Bundesrate er- lasten werden: für das Handelsgewerbe soll es bei den 5 Stunden Verkaufszeit bleiben, sowett nicht die örtliche Polizei Behörde Einschränkungen trifft. Für den Großhandel soll künftig nur 2 Stunden in den Kontoren gestattet sein. Wesentliche Einschränkungen sind für den Fabrikbetrieb vorgesehen; so soll in den Glashütten die SonntagSarbeit ganz untersagt werden; in den chemischen Fabriken wird eine wesentliche Verkürzung der Arbeitszeit eintreten, wie es die vorangeschrittene Technik gestattet. Endlich sollen die Ottsbehörden angehalten wer- den, bei der Gestattung von Ausnahmetagen strenger zu verfahren; dies iN sehr notwendig, da namentlich in den kleineren Orten die Poltzet- Behörden nahezu alle Gesuche um Sonntagsarbeit genehmigten, selbst dann, wenn ein dringendes Bedürfnis gar nicht oorlag. Da« Zentrum hat fick schon seit Jahren darum bemüht, daß hier eine Einschränkung aus religiösen und sozialen Gründen einlritt. Endlich winkt der Erfolg!

* Erhebungen über die Umgehnuz des B-rbotS derW^uderverfteigeruugru. Das RrtchSamt deS Innern ersuchte, wie der ,Franksarter Zeitung' berichtet wird, die Bundes- regierungen um Erhebungen über die Ämg-Hang deS Verbots der Wanderv«steig«urigen (§ 56c Absatz der Gewerbeordnung) in der von dem Abg. Srzbnger am 27 Februar 1905 im Reichs-

* Der Röuig von Belgien erließ eine Militäramnestte für solche Soldaten, die zu Strafen bis zu 500 Franks oder 3 Monaten SefängmS verurteilt find. Von bisher Unbe- scholtenen «streckt sich die Amnestie aus Strafen bis zu 1000 Fran» oder 6 Monaten SefäogiG. — .Lr oeuble' glaubt zu wissen, daß der König auch mehrere MillionenF an» zu Wohltätig­keit Szwecken, namrmltch zur Errichtung von Anstalten für lungenschwiodsüchtire Kinder und Urbertrtunfaükaffen stiften werde.

* Ans Anlaß der Feier der 7Sfährigeu Unabhängigkeit Belgien» gab die deutsche Kolonie rn Antwerpen gestern abend ein Festmahl, an dem etwa 500 Personen teil« n<rh«en. Anwesend waren u. a. der deutsche Gesandte Graf v. Wallw'tz, Mtvisterpräftdent de Smet de Nreyr, der Minister deS Innern be Trooz, der italienische Generalkonsul de Bmy die Piäfidente« des Senats und des Ab Mrdr.etkndauses, der Büroer-reister von Ant- «erpen, der deutsche Generalkonsul Pritsch, so wie Brttr>t r des Königs, der Zivil- ur.b । Militärbchörden und die Ojfiz'ere des deutschen Panzerschiffes »Kais« Karl der Große". Gras v. Wallwitz brachte einen Tnnklpruch auf KSvig Leopold und das delzische Volk au?. Ter Prästvrsr des Abzeordretentsvfts Schollaert dankte hieraus im Namen aller Belgier dem deutschen Grsaaden sür btffen Worte uttb « klärte, die Belgier seien ries gerührt von dem schSok» Gedanken der deutschen Kolonie, sie zu dreiem glänzenden Fesimi^lzt oeirht er. _ Der Redner trank aus ein lanpeS und glückliches Lebe, somi- eine glorreiche Retzi-ruvg Kaiser WUHelms, den er als einen Bürge» ..sar die belgische Neutralität dearütze, und der, von seiner schweren Verantwortlichkeit dmch drunaen, fich ga^z der Wohlfahrt seines Balkes

am Dienstag Minister Witte und haM mtt ihm eine längere Unterredung. Arn Mittwoch rttste Witte in BegleUung deS Pariser Agenten russtschen FwanzmmisterS Raffalowistch nach Eherdourg, wo « sich nach Nordamerikas- schiffen wird. - ,TempS' hebt geg-nüberand«- lautenden Meldungen hervor, daß Minister Witte während seines Aufenthalte- in Parts weder politische noch finanzielle Verhandlungen geführt habe, sondern fich bet seinen Zusammenkünften mü zahlreichen politischen und finanziellen Per- sönlichketten lediglich auf Gefpräche beschränkt habe.

* Der König von Spanien kamam Mittwoch im Auwmobl über die spanisch- französische Grenze und besuchte Pau und die Grotte von LourdeS.

* In Schweben hat dl» Minifi er tum seine Entlassung ein,«reicht. Hierdurch ift nach dem .Afterposten' rin neuer und durch- ! aus unberechenbarer Faklor in d-n Gang o« Sreigniffe hinemgebracht worden. Säm liche nor 1 wegifche Blätter «kUren, daß sie «rite.e 9t läut.runzen während der Beratung über die An- träge des schwedischen ReichsragS-SonderauS- schuffeS aß warten wollen, bevor st- fick «»l weirergeLende Erörterungen der gestellten Besi - gnngen einloffen. Die meisten Blätter heben ftdoch bereits sitzt hervor, daß dir S« stellten Bedingungen sehr sch«" annehmbar seien und teilweise einen «tngr-ff in die in-«e Verwaltung Norwegens darzustellm scheinen. ,

Die äußerst schwierige pMffchr Lage, tu welcher sich tzegenwärtig Schweden durch bte LoSttennung von Norwegen befindet, wird -urch den Rückttitr deS schwedischen Mintstettums auss neue gekennzeichnet. DaS schwedisch« Mimllettum tritt in dem Moment zurück, wo die tang- wierigen Beratungen über die dmch dos Bür- gehen Norwegens veranlaßten Vorlagen d - R« i aiewng zu Ende gesührt worden find. Der sihwedilche Reichstag hat in i «we

schroffere Form in leinen Beschlüffen zum AuS d7nck gebracht, als die Regie ung. Aus­schuß bei schwedischen Reichstags f<fc oa sächlich folgende For-ttungea bn einer »usiösung der Union vor:

1. Auf jeder «eite der Grenze zwischrnderbriveu Reiche« w rd ein Gebiet ftst,esetz. t.«erh»bdkfsenMe Befestiauneen aeschleist we.de« foUe« mW neue Beftstigungen nicht ^richtet werd.« dü sir. 2 Die Weidegerechrigkeit für Renn-tere oe schwedischen LapplSnder im "S-dUche« R°rwe»«r wttd festaelegt 8. D?r Zraufttbanbel durch ° we toteber wird een-« »ehin^erun,-« S

schwnunae« kvfichert 4. Die vertragSmätz^r *«0* Mn«S Schweden, geßenOb« ben fremden s Mä^-en mvß tt-r»estellt me-ben, fo dtb n°Ewch bte oollpä-dige FretheU Sch«eir«nS sou einer «onlichkeit für Norwere« eesenübtr i>nbei^ Starte« nozwestelhaft wird. Der Ausschuß ^t Schteb« ! sprichtsabkomme« mit Jiftwejen t wär scherz.serr, aber hinfichllich der 8 a;e der Auf

I rssn-g d,r Union richt sü notwendiz.

* Die Luge in «»tzlnnv Am Dienstag ist. in Warschau ein Geheimagent durch Messerstiche getötet worden. Fast pleickzttiig fielen in Lozty,e ein Schutzmann, tn Kal«, «tn

tage geschilderten Art und Weisch wonach größere I Mengen von Waren an Gastwirte oder Hänrler schickt und demnächst versteigert würden.

**Nl Deutsch - Güdweftnsrik« meldet ein Telegramm: Beim Urverfall em« Karre durch Hottentotten zwischen Karribann und «aiber am 17. Juli 1905 find gefallen: Grfteit« Karl Bartholomae, geboren am 27. 8 1882 zu Flacht, früher im Inf.. Regt. Rr. 88, Kopfschuß; Gefreit« Anton Ltnz, geboren cm 6. 5. 88 zu Ebenweiler, früh« im Königl. bcye- rischen 9. Feldsrtillrrie-Regt., Kopfschuß; Reiter Paul Mannsp«8erj geboren am 16. 5. 1883 u Eleebronn, ftüh<r im König!, württembergt- chen 4. Feldartivnie-Regt. Nc. 65, B ust und Bauchschuß; Reit« Engen Werfi' gtt, geboren am 16. 12. 187« zu Hagrnbach, f:Ätzer Bezirks- kommando I. Mühlhausen im Elsaß, Kopf- und

änderung statt. o

Ihr Onkel Friedrich, besten Lebensgeschtchte wir kennen, war seit einiger Zeit wieder so stark beschäftigt, daß er den ganzen Tag über nicht aus । seinem Arbeitszimmer herauskam und sich um die Vorgänge im Hause, nicht mehr kümmern konnte. Die Sorge für die Familie lag daher einzig und allein auf seiner ältesten Tochter und seiner vortrefflichen, mutigen Gattin.

In der Zeit der Not hatte diese es bortreff- lich verstanden, die unzähligen kleinlichen An- Achtungen, mit denen die Menschen auf eine tn Bedrängnis geratene Familie einstürman und thr das Leben noch mehr zu verbittern suchen, von ihrem Manne abzuhalten: er erfuhr nicht, daß dte Händler ihnen den Kredit gekündigt hatten, daß Menschen, die auf das Unglück anderer spekulieren, mit gewinnsüchtigen Anträgen kamen, in der Ab­sicht, das nach ihrer Meinung unhaltbare Besitz­tum für einen Schleuderpreis an sich zu reißen und außerdem in der Nachbarschaft dte schänd­lichsten Geschichten über die Familie umliefen.

Es ist ja nun einmal der Welt Lauf, daß wenn jemand vom Unglück heimgesucht ist, das Dichter- wort sich erfüllt: „Das Opfer liegt, bte Raben

Deuffdies Reidi.

Berliu. beu 26. 3uB 1965.

* Ueber die «orgeschichte der Kaiser- Begegnung, die selbst den berufersteu Diplo- «ateykriisen rigenttich bi» zum letzten Augen- blickein Geheimnis blieb, berichtet ein Peters' bürg« Korrespondent den .Hamburger Nachr.': Graf Lamkdorff hat «st am Sonnabend nach- mittag Mitteilung «halten, daß der Zar eine Begegnung mit Kais« Wilhelm haben werde. Die russtschen BertretMgen im Auslände wurden dann am Sonntag vormittag darüber verständigt. Darüber, wie die Zusammenkunst zustande ge­kommen sei, erklärte man cm amtlicher Stelle, eine Auskunft nicht «teilen zu können. Die vor- bereftenden Schritte seien unmittelbar von Kaiser zu Kaiser und, wenigstens so weit Rußland in betracht komme, ohne jedrS offiziöse oder private Wiffen amtlicher Instanzen geschehen. Auf die Bemerkung, die franzöfische Darstellung fuße augenscheinlich auf der weit verbreiteten Annahme, d« Zar fühle fich persönlich zu dem deutschen Kaiser tzivg zogen, folgte die bemerkenswerte Ant­wort, eS sei früher all«divgS zutreffend gewesen, »wenn damals behauptet worden sei, daß em eng«eS persönliches Verhältnis zwischen den beiden Majestäten nicht bestehe. DieS fei jedoch feit der Wiesbadener Begegnung im Herbst 1903 voll­ständig anders geworden. Bei jener Gelegenheit M das Eis gebrochen, und fo bestehe bisher zwischen beiden Monarchen ein e n g e s F r e u n d - schaftsverhältnis. Für den, der die damals in bedeutungsvoll« Aussprache eingetretene Wand- lang kenne, verliere die Begegnung vom Sonnfag jeden auffälligen Ttzarakt«. Ebenso w«dr man in Anbetracht der «wähnten persör-lichen Be­ziehungen gut tun, die politische Bedeutung de? Begegnung nicht nur in der Besprechung von Lagesstagen zu sehen. G mz ausgeschloffen sei es, daß der Kaiser für Die inneren Angelegen­heiten Rußlands aus eigenim Antriebe dem Zaren Ratschläge erteilt habe. Im Januar diese Jahre? sei von drttter Sette, wie man in Petersburg weiß, an den deutschen Kaiser die Anregung herangetreten, seinen Einfluß beim Zaren i« Zusammenhang mit den tnr-ren Waren Ruß­lands geltend zu machen. „Gott soll mich davor bewahren," hat d-r Kaiser geantwor­tet, „ba hineinzureden. Um über rufst'che Verhältnisse mitzureden oder da irgend eine Maß- regel zu empfehlen, muß man rusfisch denke», russisch fühlen, kurz in Rußland geboren sein. Ein Fremder könnte durch solches Hineinreden nur Ur heil anv.chten!" Diese Aeußerung des Kaisers wird als unbedingt authentisch bezeichnet. Der tu ihr festgelegte Grundsatz sei dauernd für daS Verhältnis Kais« Wilhelms den inneren Derhältniffen Rußlands gegen üb« eni scheidend.

::: »rns «irbach Gorquitte» kommt in der.Kreuzzeitung' auf die von ihm in bet Herrevha>--sttzuni vom 28. Jani ds. I*. ge mich?« Behauptung zurück, baß Fürst Blsmarck