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32. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch, bot 26. Juli 1905.

JÄ 168

Marie ließ sich also in ihren wirtschaftlichen Verrichtungen auch diesmal nicht stören, sondern richtete den Frühstückstisch unter den Flieder­büschen des Gartens ruhig an. Zuletzt {teilte sie vor dem Platze der Mutter eine Vase mit köstlich duftenden Blumen.

Während dieser Vorbereitungen war es im I Hause lebendig geworden. Die Klänge einer auf dem Piano meisterhaft gespielten Mozart'schen Sonate rauschten aus dem Hause heraus über den Garten. Für die Bewohner des Hauses, die noch im Morgenschlummer lagen, wurden jene Klänge zum Weckruf; denn ehe sie verstummten, waren bereits die Schläfer von ihrer Ruhe auferstanden und voll Scham über ihre Trägheit mit hasttger Eile an die Zurüstung ihrer Toilette gegangen.

Da wir sie bald alle im Garten versammell sehen werden, so wollen wir uns mittlerweile mit den noch unbekannten Hauptpersonen des Haus­standes näher bekannt machen.

Die Klavierspielerin, welche von ihnen zuerst im Garten erschien und sich mit den Blumenbeeten beschäftigte, ist Klara Helldorf, an Jugend und Schönheit ihrer Kusine Marie zwar gleich, aber verschieden von ihr durch Eigenschaften des Geistes und Herzens, ohne sie jedoch zu übertreffen. Ein strenger Vergleich zwischen Beiden würde vielleicht sogar zu gunsten Mariens ausfallen. Ihre Väter sind Brüder. Klaras Vater hatte sich dem Kauf- mannsstande gewidmet und später mit Hilfe seines väterlichen Erbteils ein eigenes Geschäft begründet, das er durch glückliche Spekulationen zu einem schwunghaften Exportgeschäft und zur Quelle eines großen Vermögens umgeschaffen hatte.

Anders sein Bruder Friedrich Helldorf, Mariens Vater. Von Jugend auf mit Liebe zur Kunst der Porzellanmalerei erfüllt, hatte er sich derselben mit großem Eifer und Talent geweiht und schon im Anfang seiner Laufbahn vielver-

meinschaft mit der Familie am häuslichen Herde walten solle.

Seitdem verdoppelte sie ihren Diensteifer; dem Wohle der Familie opferte sie ihre ganze Kraft, und damit nicht zuftieden, opferte sie sogar, so lange die Not dauerte, ihre Ersparnisse auf, um den Bedrängten einige Erleichterung zu ver­schaffen.

Der Morgen, an welchem Maria nach chrer harten Nachtarbeit auch noch die häuslichen Ge­schäfte in der Küche zu Ende gebracht, war so herr­lich, daß sie sich entschloß, den Frühstückstisch aus dem Zimmer in den Garten unter die Flieder­büsche zu versetzen. Als sie wieder in die Küche trat, sagte die alte Martha:

„Warum stehen Sie denn aber so früh au, Mariechen? Das ist ja ganz unnötig! Was so i ich nun tun? Wenn Sie die Küche besorgen, kann ich mich ruhig auf's Sopha setzen. Sehen Sie doch zu, wie Sie dann zurechttommen würden! — Gehen Sie lieber zu Ihrer Mutter hinauf, i)or: find Sie nötiger, und lassen Sie mich hier machen!"

Marie kannte die Herzensmeinung der Alten zu gut, um sich durch die Art, wie sie dieselbe aus­drückte, im geringsten verletzt fühlen zu können. Dazu kam, daß sich zwischen Martha, die als ein Mitglied der Familie galt, und dieser, vorzüglich den Kindern, im Lauf der Zeit ein patriarchalisches Verhältnis ausgebildet hatte, an dem alle festhiel­ten, und welches durch die oft wunderlichen Launen der Alten niemals gestört werden konnte. So wurde von ihr selbst die achtzehnjährige Marie noch als ein zartes Kind betrachtet, das, wie f e sagte, „bemuttert" werden müsse und ihr „nich^ ins Küchenhandwerk pfuschen" dürfe. Wenn dies auch Tag für Tag geschah und Martha eben so o t bat über murrte, so freute sie sich doch im Stillen Ü6?r den viel versprechenden Eifer des „Kindes". „Aus dem Kinde kann noch etwas tüchtiges wer­den", sagte sie oft.

spaHi-e JHtttjefl« *tr Um Bet* 15 pfg. leOamtn di« petitj« ile 25 Pf,.; bei wieder. Holungen Mir» tntfpi.

Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der ZuldaerRettendruckeret hi Zulda (Harmonie), Zernsprecher Nr. 9.

Deutsche; Reich.

Serll».. den 25 Juli 1966.

♦ Ueber He »i-zipttm »userer Marine veröffentlichte» die „Münchener Neuesten Nachr.' vom 18. Juli eine« Artikel, der sich besonders eingehend mit einem angebliche» Zwischenfall an Bord de- Kreuzer» .Frauenlob- beschäftigte. Die in de« Artikel enthaltenen Angaben über Disziplinwidrigkeiten find, nach der .Nordd. Allgem. Ztg.'. in den wesentlichen Punkte« rei e>fanden. Richtig fei nur, daß in der Nacht vom 4. zum 5. Juni d». I«. einzelne «eine Gegevfiände des Schiffsinventars über Bord ge- warfen, andere beschädigt seien. Ain irgendwie erheblicher Schaden sei dadurch nicht entstanden. Sonstig« Disziplinwidrigkeiten seien an Bord des IkkeuzerS nicht vorgekommen. Särz'ich unbe« gründet sei auch die Annahme, daß der Fregatte«, kaptlän ESesar durch übermäßige Strenge die Ausschreitungen verschuldet Hobe; auch fei es nicht richtig, daß er vorübergehend seines Amtes enthoben gewesen sei. Seine Ernennung zum Kommandanten S. M S. .Mars" fet bereit» vor dem Borfall auf dem Kreuzer vorgesehen gewesen und stehe also mit dem Vorgang außer allem Zusammenhang. Außerdem könne in der Ernennung zum Kommandanten eines unserer I großen Artillerieschulschiffe niemal» ein« Maß. »«grlurg oder Zurücksetzung gefunden werden. Sie bewtist im Ge,enteil da« volle Vertrauen zu Leistungen und Fähigkeiten de» Fregaltenkapi- I täns CLesar. Die .Nordd. «llgem. Ztg' schließt ihre Mitteilung mit folgenden Sätzen: „Der B«. hauptun», daß die Manneszucht in unserer Ma> rive in beklagenswerter Weise abnehme, muß mit aller Einschieben heit entgegevgetreten werde«. Daß Ausschrettunaen einzelner vor kommen, ist nicht zu vermeiden; aus ihnen läßt fich kein Schluß ziehen auf den «eist des ganzen. Schwere Insubordinationen find überdies speziell dei der akliven Schlachtflotte, zu welcher auch der Kreuzer | „Frauevlob- gehörte neuer ding» nicht öfter vor-| gekommen, al» in srüheren Jahre». Die Statistik beweist eher eine Ab- wie eine Zunahme grrtcht- sicher Untersuchungen, und sogar eise Abnahme der verhängten schweren Strafen.-

* Der .Reichrbote' leistet fich heute abend wieder «ine Berdächtiguttg des Zentrum» Er schreibt: „Da» schwärmte Bündnis ( n Bayern) hat noch eine ordere, pol i sch r och belrächtlichere und in ihrer Wirkung «eitet reichende positive Seite. Es besteht räm ich zwischen Zentrum und Sozialdemokratie in vcyern auch etw s GrmeinsomeS: Der Partikulvrtsmu» mit seiner Spitze gegen Preußen @$ ist gar nicht zu be­zweifeln, daß es der innerste und letzte Zwick de; Herr p. Vollmar ist, tm Bunde mit dem bayerischen Zentrum im zweitgrößten Bundesstaate die Bast» für eine Politik zr schaffen, die be. mußt darauf abzielt, Südtettichlond im btfonbetett gegen Preußen ausMspielen. Die Feindschaft ge en P rußen und das Hchenzill-iihavS ist die eiaenilich« Seele der Vollmarsche', Vo'itrk.

■■»ItiCTtage. viertel. fLtzrl.»ezn»r»rei, oh« vtt»s«rlohA ml

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Sollte nun die boy« is»e Sozialdemokratie ««$ Einführung de» neuen Wahlrecht», wie ste Hom, die zweitstärkfie Partei werden so wirddie bayerische Regierung von dieser Sozialdemokratie kaum besondere innerpoistische Schwierigkeiten ist erleiden haben. Wohl aber wird die bayrrffch« Regierung einem sehr erhebliche« Druck und einer ständigen Kontrolle bezüglich ihrer Beziehungen zu Berldr auSgestzt sei», und hier drohen Ver­wicklungen, die näht unterschätzt werden sollten und die den jetz^en Vorgängen in Bayern eine Bedeutung zukommen lasten, die in hohem Maße das Reich und die gesamte Reich-Politik ltmciere« muß. — Wenn jetzt Re chrkanzler und Reich«- behörden nicht das Gruseln lernen, daun werden ste es wohl nie mehr lernen.

8 Hebet die Zusammenkünfte der Vertreter de» Verbände- uichtkouf.sfioueller Stn- deutenkorporationru, die bereits am Sams­tag in Berlin stattfand, verlautet noch nicht» Nähere». Die .Lägt. Rundschau' hat zwar eine wortteiche Mitteilun, über d'e Versammlung ge­bracht, aber irgend etwa» Greifbare» über die Abfichten und Beschlüste war nicht darin ent­halten. ES heißt nur, I» sei beschloss« worbe«, daß „bk Studentenschaft ihr unbestreitbares Recht auf da» Entschiedenste verteidigen werde . Zu diesem «Kampfe gegen L.indmAten" machen sogar die nationalliberalen »Bersi Reuest. Nachr.' abfällige Bemerkungen. Das Blatt schreibt — mit einer als Gegenstück zu dem -Siegesjubel" der übrigen liberalen Hetzpreff« über den jüngsten Erlaß de» KusiutwinisterS interestanten Randbemerkung — folgende«: „Gegen das Vorgehen de» Ministerium», mag auch die aus Freundlichkeit gegenüber dem Rteri* kaliSmuS erlastene Verfügung nicht gerade angenehm berühren, dürfte fich kaum etwa» ausrichten kaffen. Es handelt fich nicht um die Beseitigung der Verbände und ihrer „Ausschüsse, sondern um die nebensächlich« Frag«, letz« teren einen anderen Namen zu fleoen. Die ,B. N. 91/ übersehen nur, daß die „Nebensache für manche Leute die Hauptsache war, weil ste dadurch den Schein erwecken in können glaubten, als bildeten ihre „Ausschüsse* »ine «esamtver- tretung der Staden evschaft. Au, dies« Weis« I wollte man eben auf Umwegen eine Verneinung der Existenzberechtigung der katholiswen Korpo­rationen herbeiführen. — Die ,B N N' ge­statten fich übrigens im «nschluffe an ihre obigen Bemerkungen eine Verdächtigung der katho­lischen «tudentenvereine, die ganz zu der KampseSweis« der Gegner paßt- Sie leiten eine kurze Bemerkung über die Reso utionen der katholischen Slubemenverri««, die vuf dem Ver- baudStage in Freiburg in Br. gefaßt wurden, mit folgenden Worten ein: „Inzwischen hat der Verband der kwholischen Studentenvereine, die an dem ganzen Konflikt die Hauptschuld tragen, zu Freiburg i B. getagt.- Die ,B. N. N.' scheinen von den Vorgängen in Jena und an andern Universitäten keine Krmttm« zu haben. Wer solche Behauptungen aufstellt, muß fie auch beweisen, s-mst muß er es fich gefallen losten, alS Verleumder za gelten.

Zuldaer W Zeitung

3. ÄStaÄH- wochoibeilag«: „Illustrierte Sonntagrzeitung"^^^^^^^ m°n°trbeu°g«: „Zuldaer GeschichtzblStter".

ver HSuslichr herb.

2] Von I. B. E g e r m a n n.

(Nachdruck verboten.)

Diese alte Magd hatte ihre Stellung nur noch -em Namen nach inne, denn längst wurde sie von der Familie als ein Mitglied betrachtet und be­handelt. Seit vierzig Jahren gehörte fie dem Hause an, in welchem sie schon den Großeltern Les jungen Mädchens gedient hatte. Sie hatte später der Gründung des gegenwärtigen Haus­standes beigewohnt, die Kinder auf ihren Armen getragen, gewartet und gepflegt, mit der Familie Freuden und Leiden derselben durchgemacht.

Da war auch eine böse Zeit gekommen. Die Eltern der Kinder wurden von schweren Ver­mögensverlusten betroffen und sahen sich außer Stand gesetzt, die Haushaltung in der früheren Weise fortzuführen. Die unvermeidlichen bitteren Einschränkungen sollten mit der Entlassung der treuen Dienerin beginnen; eines Tages also ge­standen ihr die Eltern, wie es mit ihnen stehe und daß sie daher ihre Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen könnten.

Die Magd lächette eigentümlich, wie sie ber schmerzlichen Erregungen zu tun pflegte, und ant­wortete in ihrer derben Weife: „Nun, so werfen Sie mich einfach aus dem Hause, wenn Sie können; gutwillig gehe ich nicht! Wir wollen einmal sehen, wer mehr Kräfte hat, Sie oder ich!"

Diese Antwort der treuen, anhänglichen Seele, welche ein beredtes Zeugnis von ihrer edlen Ge­sinnung ablegte, rührte tief das bekümmerte Ehe­paar. Wie hätte es jetzt noch auf der Trennung bestehen können? Genug, die Dienerin blieb und erhielt die Versicherung, daß fie zeitlebens in Ge­

wiss io», di« Deutschland übernommen hat. Noch besteht der Zweibund, und der ministerielle ,Temp»' versichert. der Wert der ftanzöstsch- russischen Allianz werde durch die Kaiferrntrevu« nicht vermindert. Wenn der Zar fich ttotzbem um die Zusammenkunft mit dem Kaiser Wilhelm bemüht hat, so ist das ein Zeichen des Der- trauens in Deutschlands Friedensliebe. SS ist nicht unbekannt, welchen Ante« der deutsche Kaiser an der Vermittlerrolle drS Prästdenteu Roosevelt zwischen Rußland und Japan hat; man würde Kaiser Wilhelm einer unwürdigen Doppelspiele» bezichttgen, w.llte man annehmen, daß die Ratschläge, die er dem Zaren zu er­teilen vielleicht in die Lag« kam, sich in anderer Richtung bewegt hätten. Wenn dabei die tra- dittonellen guten Beziehungen zwischen Deutsch- land und Rußland eine Auffrischung ersuhren, so kann daS nur jenen Leuten unbequem sein, die aus die bekannt- „Isolierung Deutschlrnd»- pekulieren und jetzt ihr „schlecht»- Gewiff n“ durch unfinnige Anklagen gegen unS verraten.

Sine geradezu groteske Auslegung derHaiftr- begrgnung hat fich di« sozialdemokratisch« Preste unter VorantrUt des Franzosen Jaurö» angeeignet. Derselbe bekundet sein für Berlin kaltgesteLsiS Diplomatentum durch die Behaup­tung, die Begegnung von Björkö mache Kaiser Wilhelm in Zukunft auch verantwortlich für die Entwickelung der ivnerpolitischen Verhüll- niste in Rußland; denn sein Rat werde auch in diesen Dingen für den Zaren maßgebend sein. Die Grausamkeiten, die der Zarismus hinfort noch tm Kampfe gegen das russtsche Volk verübe, würde« dem deutschen Kaiser zur Last fallen, und wenn der Zarismus befiegt werde in diesem Kampfe, so werde daS auch einen Sieg über Kaiser Wilhelm bedeuten! Die Ausführung dieser Gedanken sichert unserer sozialdemokrati­schen Preste Stoff auf Wochen hinaus. WaS kümmert fie, was kümmert Demagogen, Diplomaten vom Schlage Jaurss' die strenge Zurückhaltung, welche Deutschland den inne­ren Angelegenheiten Rußlands rot« jedes Änderen Landes gegenüber stet» geübt hat und nach den Srkläiunarn bet ReichSregirrung auch zu üben gewillt ist?! Gewiß werden auf dem Kaiserschiff vor Björkö auch die unseligen Wirren im Innern Rußlands zur Sprach« gekommen sein; die Hemmung der äußeren Politik Ruß­lands durch diese Wirren ist ja unverkennbar. Aber Kaiser Wilhelm wird weil daoon entfernt gewesen fein, in dieser Hinsicht einen rote immer gearteten Einfluß auf den Zaren auSzuübrn. Für eine Ausbeutung der Bjöcköer Katserdegegnung in der Richtung, die JarnäS andeutete, siegt ebenso we-tg ei> Ar. Haiti punkt vor, w-.e für eine Verdächtigung der FriedenSposiiik des deutschen Reiches. Alle Versuche der einen rote der anderen Art können nur mit einer kläglichen Blot- stellung ihrer Urheber ende».

vie Katferbegegimng vor vjörkS.

Die Weltpolitik ist nervö» geworden. DaS zeigt fich deutlich in den Erörterungen, welche die Kaiserbegegnung vor Björkö in einem großen Telle der ausländischin Preste hervorgerufen hat. Die Erörterungen einzelner französischer und eng- ltscher Blätter übersteigen selbst dar äußerst« Maß besten, was man sonst in dieser Jahreszeit an Konjetturalpolitik für zulästig er­achtet.

Es hieße Bogel-Vtrauß-Politik tieiben, wolle man die große politische Bedeutung der neuesten Kaiserbegegnung leugnen und die letztere —- etwa auf Grund de» familiären GeprägeS der Aeußerlichkeflen bei der Zusammenkunft — -alS einen bloßen Akt freundschaftlicher Höflichkeit hinstelsin. Gewiß hat auch daS per-önliche Moment bei dem Zustandekommen der Begeg­nung eine Rolle gespielt. Es läßt fich daS unschwrr schon au» dem Um ft mb« folgern, daß der Zar seit «unmehr fast zwei Jahren von jedem dirrk en Verkehr mit anderen Monarchen abgefd)ttitten ist. Daß er unter diesen Umständen, und namentlich angestchtS der Ereigniffe, welche Ruß'a-io seitdem betroffen haben, auch persönlich da» Bedürfnis nach einer Aussprache mit d-m ihm verwanStschaftlich und sreundschastsich ^ohe- stehenden Kaiser Wilhel,m empfindet, ist ver- ständlich. Aber damit ist auch sofort die U e b e r - leitung auf daS politisch« Gebiet ge geben. SS kommt nur darauf an, von welchem -Grstch'Spuntte aus man den Zusammenhang der Dinge betrachten oder vielmehr daistellen will.

Di« französische Preste macht trotz des sofortigen Widerspruches von deutscher Veite die Behauptung zum Ausgangspunkte ihrer Betrach' langen, die Begegnung von Björkö fei von Kaiser Wilhelm angeregt worden. Ein« augenscheinlich an der Sein« fabrizierte Depesche der ,igtrce HavaS" auS P trrsburg behauptet sogar, di« „für Rußland kowpromittierer.de Kund- gedung des deutschen Kais-rS- fei dem Zaren förmlich cufgenötipt werden. Um diesen tenden­ziösen Unstarr wahrscheinlicher erscheinen zu lasten, «ird hinzugefügt, Kaiser Wilhelm habe durch feinen Schritt bezweckt, den unangenehmen Ein- Druck zu verwischen, den der E npsang des jopa- Nischen Prinzen Arisugawa in Berlin und vie Brteiligung Deutschlands an der japanischen An- leihe hervorgerufen hätten. Damit ist der Grundton gegeben, auf den die französischen Blätter, wenigstens in der Mehrheit, ihr« Be­trachtungen über das Ereignis gestimmt haben. Sin großer Teil der englischen Preste betet den Franzosen diese Behauptungen nach. Für unS können solche Erscheinungen nut die Bed-u lung von Symptomen haben, die eine absicht­liche Verdrehung der Tatsachen kundmechen und gleichzeitig die Befürchtung, daß der Einfluß Deutschlands auf dem Gebiete der Weltpositik fich roch kräftiger als bisher geltend machen könnte.

In Wahrheit ist bie Kaiserbegegnung vor Björkö eine neue Anerkenmms >«■ Friedens

sprechende Erfolge errungen. Einige ^ahre spater liefe er sich in der Hauptstadt nieder und lebte dort einzig feiner Kunst. Hier gelang es dem Por­zellanmaler Friedrich Helldorf bald, für einen billigen Preis das bereits naher beschriebene Grundstück in einer der Sichersten Vorstädte zu er- werben; mit dem erheblichen Rest seines väterlichen Erbteils beteiligte er fich an einem Aktienunter­nehmen, das eine Reihe von Jahren hindurch einen hübschen Reinertrag abwarf. Dieses Ein­kommen und die Erträge seiner Arbeiten für eine grofee Porzellanfabrik reichten hin, Helldorffs Hausstand eine bescheidene, aber sichere Grundlage zu geben. "

Die Gründung dieses Hausstandes, mit anderen Worten: die Familie Helldorf fiel durch den Zu- fall begünstigt, mit dem Hauskauf zusammen. In dem Hause wohnten nämlich Mariens Groß­eltern und deren einzige Tochter Luise mit chrer Magd Martha. Nach dem Kaufvertrag war jenen, den bisherigen Eigentümern, für Lebenszeit Wohnung im Hause eingeräumt worden, und dieses Zusammenwohnen unter einem Dache führte schließlich zur Ehe Friedrichs mit Luise Im Laufe der Jahre schenkte Luise ihrem gesiebten Gatten drei Kinder, deren ältestes, die hübsche, fleißige Marie, wir schon kennen gelernt haben.

Die Berufsverhältnisse Helldorfs gestalteten sich allmählich so günftig, er war mit Arbeit fo ge­segnet, daß er daran denken konnte, den längst für notwendig gehaltenen Umbau des Hauses an der Nordseite des Gartens in Angriff zu «ehmen, um für seine Berufstätigkeit die paffenden Räum­lichkeiten zu gewinnen. ®ie Mittel hierzu lieferte ihm yr.'r Gattin Louise von ihren so rasch feintereinan?':r 'm— Eltern hinterlassene Erbteil; auch das isarre:-.'"'»'' '-r-urde später sollte das unregelmäßige jptnier^ das der Besitzung keineswegs zur Zierde gereichte, ' abgerissen werden. (Forts, folgt.)