Druck und Verlag der zr'daerActitndruck«ei in Hulda (Harmonie). Zernsprechrr Nr. 9.
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Mdaer W Zeitung
:XÄäÄx Mchmdeiiage:„Illustrierte Sonntagrzeitung" m««atrb-»-ge: ..8«ldaer Geschlchtrblatter".
32. Jahrgang.
Fulda, Samstag, den 22. Juli 1905.
M 165
zip'errn, mivdestens ebrnsc gut, wir die modern« was im geschloffenen Raum arbeitet, entfaltet
„Nein und nochmals nsiOl V in dem Winter- werten Änne« die meisten Menschen fich emau-
Weiber sich von der Tyrannei der Mäine: eman-1 zivirren. Bor den anbilden der rauhen Jahres- zeit kann man fich stützen, fo:ar ohne Hunde- oder Nerzpelz Wollenes Unterzeug, feste Stiefel und im schlimmsten Faste eine Mätzr mit Ohren- klappen — das genügt zur Behaglichkeit in Frost und Wind. Wer von der Auffrischung im Freien genug hat. setzt fich zu Hause behaglich an den warmen Ofen, unter die rrauliche Lampe und er« klärt die Erde für ein Tal der Gemütlichkeit."
„Jawohl, und verbraucht eine Unmasse Taschentücher, um die Spuren seines Schnupfen- zu beseitigen."
„Schnupfen? Ach. ob ii nicht auch im Sommer Erkältungen genug gäbe! Wenn Du auch dt« Wahlverteidiger des Sommers spielen willst, so mußt Du doch mit dem Rest Deiner Ehrlichkeit rugrstehrn. daß der Winter die gesündche Jahres- zeit ist. Bon meinen eigenen Erfahrungen will j ich ja nicht sprechen; aber geh' auf den Kirchhof und sieh nach, wie üppig die Reihe der Kinder- gräber im Sommer an wächst. Herodrr, der ! dethlehemische Kmdermörder, war ein Stümper im Vergleich mit d m maffrnwörderischen Sommer. Wir haben Hunderte von Gesundheitkpro' fefforen, tausende von Aerzten und zehntausende von Kurpfuschers, — aber unsere Kmder laffen wir im Sommer massenhaft dahinsterben! Der Sommer ist der wahre Moloch gewesen und geblieben. weil dir Menschheit von fanfang an bis in das hochgkpriesene 20. Jahrhundert zu dumm und zu ungeschickt erfunden worden ist, um mit dem Sommerwetter fertig zu werden. Der Winter gleicht der russischen Macht; er steht schlimm aus und ist doch leicht zu befiegen. Der Sommer aber ist ein gefährlicher Gegner, der mit freund- lichem Grinsen einen über den Haufen rennt, ehe man es fich verficht."
„Nun. ich sehr zu meiner Freude, daß Deine Krankheit Lieser fitzt und den Zungenschlag noch nicht geschwächt hat. Ss ist ja richtig, daß wir bisher eS in der Bekämpfung der Kälte «eiter Sebracht haben, aiS in der Bekämpfung der Hitze, [bet die Kultur schreitet doch fort und wer I weiß, ob irgend ein Ertson mittels der flüfftgen Luft oder sonstiger Hilfsmittel unS nicht dazu verhilft, daß wir im Sommer ebenso stetig fünfzehn Grad im Zimmer haben, als wie im
Winter."
„Damit wäre die Frage noch nicht gelöst, lieber Freund. Wir bleibe« Wetterknechte im Sommer, weil wir hinaus in's Freie müffen und wollen, aber gegen den starken Wechsel des Wetters in unserer sommerliche« Kleidung schlecht geschützt find. Sieh' Drr doch die Damen an in ihren hellen und luf igen Gewändern. Lieblich «nzusehm, solange die Sonne programmäßig scheint. Aber nun gibt'- Gewitter, Abkühlung, Wind und Regen! Wie
M ihren triefende« Fähnchen? Man kriegt ja vom Zuishen schon einen Schüttelfrost, wenn mar. steht, wie drr Regen auf die durchsichtigen Tüllärmel rc. drr Sonntags-Ausflüglerinnen klatscht! Wir Männer find ja nicht gar so opferwillig Diener der Mode; aber wenn Air im hellen, dünnen Sommeranzug loSgehen, kann uns ein Umschlag des sommerlichen Wetters auch recht frostig und häßlich machen. Wir Haden ja auch mcht einmal einen Sonnenschirm, sondern in der Regel nur ein Stöckchen, mit feem fich kaum ein Hund, geschweige denn das W-ttrr bekämpfen läßt. Im Winter dagegen ! ist die Kleidung eine treffliche Rüstung."
I M ist jammerschade, daß Du zu alt und I Su verheiratet bist, um nicht noch Nordpolfahrer werde« zu können!"
„Ich werae Dich in Deinem Spotte ersticken. Dena Du mußt doch gelelen haben, daß Nansen und Senoffen keinen Schnupfen, keine Lungen- entzündunz. k-inen Typhus rc. gekannt haben, daß fie die Last dort oben daMnsrei gesunden haben. Der Sommer ist der schlimme Bazillen- züchtet. Im Sommer wächst das -Brod, aber auch des Kranktzeitsgift. W-r die G fahren deS Sommer« glücklich übersteht, bet verdat kl es nut dem Krästevorrar, den er im ersiischeaden
Winter gesammelt hat." .
„Im Ende behauptest Du noch, daß im Wi'trr dir Tolenaräber so b-schästigunzilos wären, wre die c-uSgeipernen Bauleute an ter
Ruhr."
„Hebe treiluig ist keine Widerlegung. D-r Winter hat auch seine Erfahr«, aber der Scmmer erst recht. Uno dann mußt Du mir dock zuaestehe», daß der Winter die erMigste A bniszeit ist für alle diejenigen Berufe, dir n.ckt a*f da« Feld und die freie Lust ringe - Wtefen find. Die Landwirtschaft muß ja btt gbtur de- Dinge nach ein Sommetfalter bleiben; ab:r die Maurer wissen neuerdings auch schon den Winter trefflich auSzunutzrn. Uns akeS
Wodien-Rundfdiau.
(Nachdruck verboten.)
Fulda, den 22. Juli 1905.
gegen . . >
.Sklaven deS Unwetr«».
Unpotiflrdie Zeiflfluie.
" ^ "Dtachdruck verboten.)!
D Berlin, ben 21. Juli 1965.
«gedroht« Aussperrung der organifierten Ar« benrt bereits begonnen, so daß der KonflM als wesentlich verschärft erscheiM Mit Ausnahme der national- libr-alen Blätter hat fich fast die gesamte P-effe ans dir Seite deS Oberbürgermeisters Zmeigert g-stellr, und [übst unter den nationalliberaten Organen steck Anise, so die .Nationalztg', welche das Verhalten der Ätb'itgeber verurteilen.
Ein« breiten Rau n nahm in der Berichterstattung
Weil ich's versprochen hatte, bin ich gestern durch strömeirden Regen za einem kranken Freunde
die verdrießltchften Kranken.
Statt des Loblieder auf meine ttitfenbe Opfer- Willigkeit ließ et ein hetabsallendes Knurren I hSten: „Na, bei dem Wettet hättest Da deine alten Ältedmaßen und Kleidet auch nicht za stra- pezieven brauchen; so totkrank bin ich doch nicht, Habe ja nur die Übliche Sommerkrankheit bet Flaschenkinder: Mageuverberbnis. Das kommt ! von dem nichtsnutzigen Sommerwetter. Was kann man jetzt besseres essen, als Gurkensalat, und was kann man bei bet Hitze besser trinken | alS Weißbier? Die hinterlistige Natur lockt einen ! auf ben Leim und lacht fich bann ins Fäustchen, I wenn dabei eine innerpolitische Unstimmigkeit hetauskommt, wie die Diplomaten sagen. Und nachdem die Hitze mich seffellägerig gemacht Hut. kommt jetzt dieser langweilige Regen, um meine | Lebensfreude vollends zu verwäffern. Voriges | Jahr zu wenig, dieses Jahr zu viel. Nicht etn- i | mal auf die Veranda körnen wir uns fetzen | Hier aus dem engen Zunmer durch da« rechteckige Fenster in ben naffen Garten zu gucken, das ist die vielgepriesene Sommerherrlichkeft. Gib der Wahrheit die Ehre, du unpolitischer Tintenkftxer, uns gestehe, daß der Winter die schönste Jahreszeit ist. Ich sehne mich «ach dem Winter, dem Befreier!"
„Du sprichst in Rätseln, seekranker Freund! Wie soll denn der Winter bet Befreier fein? Oder verstehst Du die „Freiheit" im Sinne der | Thümmel-Studenten?"
„Meine leidende Lebet bittet höflichst, nicht von diesen Jangeu zu reden, die nicht einmal in I ben Ferien zur Vernunft kommen. Mir ist es I bitterernst mit dem Handschuh, den ich be« fo- genannten Sommer hinwmf, und der Kußhand, - die ich dem Winter entcegenfenbe. Im Sommer j find wir Sklaven deS Wetters, Im Winter da
das GabenbSchlein." .
„Wenn ich dazu den schlechten Witz mache, daß bei diesem Regen alle Bächlein stießen, so mußt Du das meiner Krankheit zugute halten. Ich meine, daß im Sommer die ganze ^ens fühtung sich veräuß-rlicht, während bet, Winter die Innerlichkeit fördert, die «ebanteMufammen häü. die Kmsi bet Enlschlkßung auffrischt, die Leute zielbiwußter. tatkräftixer, gefühlvoller und opferwilliger macht Nicht umsonst W das Hauptfest bet Nächstenliebe mitten in denWinttr. I „Nun hör' aus; ich möcht' mir die Sommer-
freude nicht ganz verderben lassen."
„Gut, feiere die Jahreszeiten, wie sie Men, aber wenn die gegenwärtige Jahresreit chre Mucken uns fühlen läßt, so wollen wir uns trösten, daß die kommende Jahreszeit °»ch ihre Vorzüge haben wird. Noch eine Zigarre gefällig? Die sind riut gegen die sommerlichen
erst im Winter recht seine L^iftu^gsfähigkeitund seine Arbeitslust. Drive s't kel, liebet Freund, geraten auch meistens im W nttr deffer att i Sommer, und mein bischen kaofmänniches Talent leidet unter der Hitze empfindlich. Die lieb«, Mitmenschen, die Im sonnigen Süden wohne«, gelten bei uns Pharisäern alS faul; ihre geringere Leistungsfähigkeit IV gt aber tW am Laster, sondern an der Lust. Im Sommn sind mit auch nicht so ganz mit Leib und Seere bet der Arbeit! fache. Um so weniger, als RI« jetzt immer mchr bis in dir ^el^n bet Saben mamsells hinein die Ueberzeugung oerbreitet, daß der Sommer eigentlich krine Arbeitszeit, fanden eine heilige Ferien- und Reifezeit fetz' -
, „Nun, willst Du denn über den Naiurgenuß im Sommer ben Stab brechen?"
„Ach was, ich richte nick', ich sch ldrre bloß. Unb datum sage ich als treuer Photograph der Zeitläufe. daß im Winter bte schönsten Tugenden am besten gedeihen. Der Sommer snstre^, sowohl die Gedanken, als die Personen. DerWinter sammelt und vereint, unb darum ist et bte wüte I zeit bet Gemütlichkeit unb des Familienlebens. Von Weihnachten braucht man noch gar » cht zu reben. Jeder gewöhnliche Winterabend mft dem behaglichen Familien - Stilleben bei O^n und Lampe ist erbaulich. Der häusliche Herdistim Winter wärmet als im Sommer. Auch die son- fügen Tugenden gedeihen im Winter. Ichl wette z. B., daß Du vonD-inem „Haus' und Herd - Buch zum Besten eurer Zchlendorser Kirche im Winter mehr absetzest, als im kommet.
w9ia, es fließt auch an ben Hundstagen nory
brr Preffr in der verfloffeveu Woche der vor dem Schwurgerichte in Bückeburg verhandelte Prozeß gegen ben SAlrier Wehrt ein, der in einem der früheren Ptoz-ffe gegen den oldenbnrgijchen Justizminister Ruhst rat eine Rolle spielte und fich jetzt aufgrund feiier Aussage, daß der genannte Minister noch nach bem von ihm angegebenen Zeitpunkt bazardiert habe, wegen Meineids z» verantworten hatte. In dem Proz-ffe würben bte ganzen Berhanblungen über die Spirlaffäre bei Ministers ncch einmal rekapituliert. Dec arg-klagte Kellner wurde fteigesprochen. Nach «nparteii'chem Urteil geht et aber nicht an, aus biejer Freisprechung ehe Schuld des Ministers in bet Richtung ein« von tont geschworenen Meineides zu strlzetn. Dar Gericht hat lediglich die subjektive Ueb-r» zentzneg be-t Kellnert Meyer von der W .hrheit seiner Avthge sestgchellt. Etwa« anderer ist eS, wie men
wieder in ihrer Mitte begrüßen zu können. Dieser „edle Ritter" w ll von „Gnade" nichts wiffen und ist statt nach Paris nach Wien gegangen.
Die Marokko-Konferenz rückt allmählich näher. Rach England hat jetzt auch Spanien feine Beteiligung an derselben zugesagt. Langsam, aber schon in deutlicheren Umriff-n zeigt fich auch die Friedenskonferenz zwischen Rußland und Japan am poiittschen Horizont. Alt b.-deutsameS Momest ist in dieser Hinsicht die Errennung Witte'S zum Bevollmächtigten Rußlands aozusehen. Nicht mit Unrecht schließt man allgemein daraus auf ehrliche Friedrr.Sal.fich' en Rußlands. Asm mandschurischen Kriegsschauplatz liegt Bemerkenswertes nicht vor. Auf der Insel Sach in haben die Japaner fich inzwischen völlig zu Herren der Situation gemacht.
i Was aus dem Inner» Rußlands im Laufe der Woche gemeldet wurde, trug vollständig ben Stempel bet früheren Ereig-üffe: Blutige Zusammenstöße zwischen Bürgerschaft und Militär und Meutereien im Heere. Ein Wandel steht in dieser Hinsicht kaum in naher Aussicht. -
In b r „hohen Politik" ist — für Deutsch- land wenigstens — mit bet vergangenen Woche die „F-rienzttt" angebrochm. Der Kaiser hat seine übliche Sommerrrise angetreten, bie ihn bieSmal in die schwedischen Gewässer geführt hat. Bei Geste hat eine Zusammenkunft zwischen dem Kaiser und dem König OSkar von Schweden stattgefunben, der von einigen Seiten mit Rücksicht auf den schwebenden Kvnflckt zwischen Schweden und Norwegen auch politische Bedeutung beigelegt ttutbe. DaS jungvermählte deutsche Kronprtnzenpaar wellt in Dänemark. AlS einen nicht bedinglich höfischen Akt haben wir ben am Mittwoch erfolgten Regierungsantritt beS Herzogs Karl Sduarb von Sachsen- Ko burgundGothazu verzeichnen.
Die meisten Jnhab« bet Rcichsämter erfreuen i wMisiischtt Seite ausgegangene Schmähung beS bet« sich mit dem Rei^kanzler der Serien und befinden ffofienen Krieg-Ministers veranlaßt tourben, hat bie sich dabei ht „Konkurrenz mit ben preußischen ^eg{etuag ^dessen die Amnestievorlag- zurückgezogen Ministern, von denen zurzett «ur wenige noch in un» =e eln Gnadendekret ersetzt. Dieser Wandel Berlin anwesend find Trotzdem sehlt e» keineswegs aber — vorläufig wenigstens noch - die
an Fragen, die Stoff zu AuSeinandetsetzungen ab-1 m^er bei BergnügenS, den „Barden" Deroulsde geben. Die Erörterungen üder die innere Polittk in ^tet Mitte begrüßen zn können. Dieser drehten fich fast anSschlienltch um den Ausfall der „dle Ritter" w ll von „Gnade" nicht- wiffen und ist
bayerischen Landtag-Wahlen. D-e Abge- 5 ordnetenwahlen baden da» Ergebnis der Urwahlen I bestätigt. Das Zentrum kann einen Gewinn von 18 Sitzen auiwelsen unb wirb in bet neuen bayerischen , Kammer, die im Ganzen 169 Mitglieder zählt, in bet Stärke von 102 Köpfen erscheinen. An bet Zwei- . drittelmehrheit fehlen ihm bemnach nur 4 Slimmen. Für die wichttgste Frage der kommenden Stffion, bie Wahlrechtsreform, find diese mehr wie gedeckt darck bte Sötf Stimmen bet Sozialdemokraten, bie um einen amt verstärkt in der neuen Kammer aufmarschieren
ES bedarf keine» Worte» mehr, um darzntun. daß unter diesen Umständen von einet „liberalen" Politik unb einem „liberalen" Kabinett in Boyern keine Rede mehr fein kann. ES gehört bie ganze Anmaßung be» sogenannten Liberalismus dazu, um auch jetzt «och den Anspruch zu ergeben, al» auSschlaggrbenber Faktor anerkannt zu werden h einem Lande, da» unzweideutig bewiesen hat, daß e» vorn Liberalismus nicht» wiffen will.
Auch In bet vergangenen Woche hat eine Reich»-1 tagSerfatzwahl stattgesunden, nämlich im Wahlkreise Oberbarnim. Die Wahl de» bisherigen 8ertretet», de» ReichSparteiler» Prof. Pauli, ist vom Reichstage noch kurz vor Schluß der Tagung für ungültig erklärt worden. Bei der jetzig« Ersatzwahl »ar Pauli wieder aufgestellt worden; ihm stand al» Hauptgegner der Sozialdemokrat Brun» und außerdem der Freisinnige Köllmann gegenüber. Der erste Wahlgang hat zur Stichwahl zwischen Pauli und Brun» geführt. Der letztere hat einen Borsprung von nnr 60 Stimmen, den Ausschlag geben aber etwa 3500 steifinnige Wählet. Man nimmt an, baß dieselben in ihrer großen Mehrheit für Pauli dntret« »erb«, womit besftn Wiederwahl gefichert »äte. Bemerkenswert ist bet Umfianb, daß auch bie Wahl im Wahlkreise Oberbarnim einen starken Rückgang der sozilüdemokratisch« Stimmen erkennen ließ.
Zu einem bedeutung»voll« Borgang hat fich bet Konflikt entwickelt, bet in Essen zwischen bem bot-' tlgen Oberbürgermeister Zweigert und den Arbeit- gebe« be» Baugewerbe« entstand« ist. Wie unfern Lesern bekannt ist, hat der genannte Oberbürgermeister in Sachen de» von dm Arbeitgebern dmch Bitletzung be» Tattsvettrage» begangenen Kontraktbruch» entschieden die Partei bet Arbeiter ergriff« unb b« Antrag gestellt, b« oUSgesperrt« Arbeitern au» städtischen Mitteln bie Summe von 20,000 Mk. als Unterstützung zu gewähren. Die Effener Stadtver- orb nete»öetfommlung hat in ihrer Mehrhett biefen Antrag grundsätzlich gutgeheißen, ihn aber zunächst btt sozialen Kommission de» Kollegium» überantwortet, da der Ausfall eine» Einigung-Versuch» abgewartet w cd« soll. Jnzwffch« shaben die Arbeitgeber mit btr angeorohteit Aussperrung der organifierten Ar-
RSmirdier Mochenbriei.
[:] Som, 18. Juli 1905.
Die durch bie letzte Enzyklika Papst Pius X. errpfohlene Organtsatton der italtent- schm Katholiken wird insofern bald einen Schritt vorwärts wachen, als in Florenz eine Anzahl angesehener Männer zusammentreten werden, um ihre beratende Stimme über die praktische Aus führung der päpstlichen Anordnungen abzugeben. Die Versammlung soll also e*“jJ J ratenden Charakter tragen und keinesweLs selbst mft irgend welcher Exekutivgewalt "kleidet sein. So werden die Beratungen denn durchweg eine« I akademischen Charakter tragen, «an wird tine Dankes-Adreffe an den hl. Vater beschließen und dann löst sich die Versammlung auf. Die alleinige Leitung der geplanten Organisierung wird ausschließltch in den Händen der Herren Toni o lo, Medolago-Albani und Pericoli liege», de vom hl. Vater eigens dazu berufen wurden. Be- vor Italien übrigens für mveEinrick.tungnach dem Muster des deutschen Vclksoereins reif sein wird, dürfte noch recht viele Zett vergeben. Man wird bei den Schulen ansangen muffen, der große Unkenntnis in ben n
I kämpfen, dem Heranwachsenden Seschlechte reli giösesBewußtsein beibringen undnamentttch die Chustlichmachung der Laudb-wölkttung fichan- nehmen müff«, welch' l.tzte-.e faft gari st» in den Händen sehr geschickter lozialisti^cher Ägfta toten befindet. Dazu find vor allemd^Dinge nötig, welch« gerade nicht dr- stärkste Seite de heutigen J-alienS find, nSmltch viel Arbeit, Ge duld und viel Geld.
Die Neapolitaner sind außer sich vor Freude über das Herzogspaar von ^losta, welch«! fick im herrlichen Bouibonen-Schloffs von Capobi- monte häuslich eingerichtet bat. Der H"roS 'st bereits sehr volkstümlich geworden: er empfing und besuchte den Kcnbin.-l Prisco, Erzbischof von Neap-l, gibt großartige Gesellschaften u viel Geck aus, was die Neapr litaner von> irh« : besonders hochschätzten. Die Herzogtn oesuchte ;! bereits fast sämtliche Kirchen und Hetltgtürner und , | unterhält sich bei ihren Spazier^äntzen mit bem i Volke ~cA hat Die Köntain H lena nirmals t * getan und daher sind auch 'ne Neupolaane.in»r«n
dar Verhalten des Mintste.'» Rnhstrat an fich mtell« will. Ja dieser Beziehung finb Dinge iestgestrllt wor- b«, bte, auch wenn man bie „Entrüstung", welche ein Teil bet Press- heuchelt, nicht ietli, unserer An-1 ficht «ach einem ersprießlich« Weiterwirk« de» Mi- nister» in seiner jetzigen Stellung überaus hinbernb! im Wege strh« müffen.
Während bie politischen Geschäfte in Oistetreich ihren ruhigen Gang nehmen, hat fich bie KtisiS in Ungarn debenNich verschärft. Der beratenbe Au», schütz bet vereinigten Opposition hat am Di«»tag ein Manifest erlaffen, ba» da» Kabinett Fejervaty inkos- stitionell erklärt und bie Mur.iz-p eu zur Fortsktzung ihre» passiven WibetstanbeS avfforberte. Die Bet- Weigerung bet Steuerzahlung unb der Rekrntenstellunz wirb bie „Pflicht" jedes Bürgers gegenüber bet ungesetzlich« Regierung erklärt. Da» M-.nifest führt eine Sprache, bie mit Recht al» bie „Sprache bet Revolution" bezeichnet wird. ES ist nicht abzrf-hen, wohin bie Dinge führ« werben.
Die französische Republik hatte eine um- faffenbe Amnestie für polit sche Betgehen geplant. In biefelbe sollten auch bie Offiziere einbegriff« »erben, bie unter bem Krieg»minister AnbrS Spion- bi«ste gegen bie eigenen Kameraden geleistet hatten, und beSwegeu bestraft worben waren. Nach tumultn- arischen Sz-nen in der Kammer, bie burch eine von