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VertetteertH*«

32. Jahrgang.

Fulda, Frettag, den 21. Juli 1905.

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Uten Heute (6 Pte- Meflewe* di« petifyät 25 pf|-r M Wit)» letiotgew wird rxtM.

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Druck und verlaß das KttdaerAtttexbnMM in Zulda (^armonN) Lernfprrcher «r. I.

s Zul-aer W Zeitung

iÜShTSm. wochmbeuag«! „Illuftriette Soimtagrzeitong" Moxatrixiiag«, „Kildaer Geschichtrdlätter".

::: Die hochlchulstage

Lüdet auch heute dar Thema der Erörterungen für verschiedene Berliner Blätter, wobei der äuge» kündigte Erlaß der Kulturministers brtr. die Auflösung von Sludentenausschüffen, die unter Ausschluß der konfessionellen Verbindungen zustande gekommen find, die Unterlage ab gibt. Borweg sei bemerkt, daß auch die studentischen Korporationen der Berliner UniverfitSt unter dem Widerspruche der fünf katholischen und pvei jüdischen Korporationen, ferner der freien wissenschaftlichen Vereinigung, der Finkenschaft und — war der »RttchSbot«' naturgemäß all höchst auffallend bezeichnet — del „Verein! deutscher Studenten-, einen Ausschuß gebildet hat, von welchem die Ion» fesfionellen Korporationen ausgeschlossen sein sollten.

Die »Nationalzeitung' wiederholt die längst und oft wiederholte Behauptung, daß fich die Hochschulbewegung nicht gegen die katholischen Korporationen zuspitze. DaS Blatt schreibt: „Damit würde fich die Bewegung um ihren Er» folg bringen; sie soll und will nur daS Der» mengen konfesfioneller und zumal kirchlich'poli­tischer Ziele mit denen oel akademischen Verbindungswesens zurückwehren. Im Kultus­ministerium zu Berldr kann fie dafür allerdings auf Verständnis nicht rechnen. Dort klebt man am Buchstaben und an untergeordnete» formalen Erwägungen. Aber man klebt sehr fest. ES ist deshalb einstweilen nicht abzusehen, wie die gemeinsame Organisation unter Ausschluß der -onfeffionellrn Verbindungen durchgesührt werden und Bestand gewinnen wird. An die Ge- nrhmigung von Rektor und Senat ist nach dem Erlaß del Ministers nach Danzig und Hannover nirgends zu denken. Und auch von einer zweiten ReÜorenkonferenz wird man fich, wenigstens in diesem Stande der Dinge, k um den Erfolg ver. sprechen können, daß fie einen modas vivendi findet. Die Eegensätzr we ben fich also für unS wieder erheblich verschärfen.- Auf die albernen Redensarten der .Nttionalztitimg' näher etnzn- gehen, fühlen wir uns nicht veranlaßt; dieselben i haben für uni nur insofern ein Jttereff«, alS °ste eben fa der .Nationalzeitung' stehen und £dal Kultusministerium gerichtet find, Beziehungen zu dem genannten Blatte Geheimnis find.

Der .Reichl bo t e' ist offner; er gibt ziem­lich unverblümt zu, daß es fich bei der ganze« Bewegung nm um einen Kampf gegen die katholischen Korporationen handel« and sucht Studentenschaft, Profefforenschaft, Regie­rung und Kaiser scharf zu mach«« in diesem Kampfe. DaS Hetzblatt schreibt u. a.: „SS hat fich gezeigt, daß die Bureaukrati« den Schutz der akademischnl Freiheit durchaus einseitig auf­faßt, daß sie noch keinen einzigen SchrÜt gegen die «ltramontanen Ansprüche, gegen ihre konf«sfio> nellr Abfchiießung und Sxpaufion, gegen ihre jesuitische ProxiS gegenüber d«n anderen Kor»

Sin ndkligtt Sproß.

Original-Novelle von Antonie Haupt.

17} (Nachdruck verboten.)

Geräuschlos öffnete sie nach einer Weile die Türe — fie vernahm die Schritte vieler Menschen, fie fühlte zweimal, wie etwas Schweres auf den Boden gesetzt wurde, aber sie vermochte nicht, sich zu erhtt»en. Nach und nach entfernten sich die Schritte in die anstoßenden Gemächer, sie hörte ein leises Flüstern, dann wieder ein Gehen, zuletzt herrschte lautlose Stille überall.

„Mut, Mut, mein liebes Fräulein!" klang es jetzt dicht neben ihr, und fachte legte sich eine Hand auf ihre Schulter.

Sie hob den tränenschweren Blick empor und rfab in Doktor Ehrhardt's ernst bewegte Züge.

„Wie steht's mit den beiden?" flüsterte sie angstvoll.

„Von Adalbert hoffe ich zuversichtlich, daß er genesen wird," erwiderte er leise: »doch das Beste, was ich von dem armen Habesch sagen kann, ist, daß er noch atmet. Seine Lebensflamme ist frei­lich dem Erlöschen nahe, doch so lange noch ein Fünkchen glimmt, darf man nicht an der Rettung verzagen. Kommen Sie hinuter, liebes Fräulein, dort will ich Ihnen das Nähere mitteilen."

Liane folgte dem Dottor in die Wohnstube, woselbst sie seinen Onkel, Herrn Brand und den Förster antrafen, welche den ganzen Tag Wer nichts genossen hatten und hier auf die dringende Bitte der Präsidentin eine klein« Stärkung ein- «ahmen. Frau Lessenich selbst war mit dem alten Herrn bei den Verunglückten geblieben.

Max erzählte nun dem aufhorchenden jungen Mädchen, daß Adalbert nach langen, fruchtlosen Belebungsversuchen endlich das Auge aufgeschlagen und zur Besinnung zurnckgekehrt sei: aber, ob-

Dotationen, die bisher duldsame Evangelische und Katholiken unter ihrem Banner hatte«, getan hat, daß fie dagegen fortwährend die deutsche nationale Studentenschaft auf de« Kopf schlägt.- — Der »ReichSbote^ beruft fich weiter darauf, daß die gegen die katholische« Korporationen angehenden Studenten ein Kaiserwort für fich hätte«, an dem fich nicht drehe« und deuten laffe. Der Monarch, der seine Söhne selbst studieren laffe, habe ihnen „die Betficherung erteile« laffe«, daß fie fich wegen des Schutze! der wahren und rich- tig verstandenen Freiheit keine Sorge zu machen brauchten. Die Sorge, welche der Kaiser für grundlos halte, sei also da und berechttgl. Man sollte daher eine beffere Gerechtigkeit am Throne suchen, eine ehrfurchtsvolle Denkschrift über die tatsächlichen Vethältniffe und sachliche« Vorgänge abfaffen, am besten unter gemeinsamem Zusam- menwirken aller Lehrkörper und Studentenschaften, und man sollte schließlich um eine Audienz nach- suchen, um diese so dem Kaiser persönlich zu überreiche«.

Wen« doch der »Reichsbote' fich «ur klar darüber werde« wollte, was der Kaiser mit dem Schutz der „wahre« «nd richtig verstandenen- akademischen Freiheit gemeint hat. DaS Blatt könnte diese Kenntnis leicht aul dem Antwort- kelegramm del Kaisers auf das Huldigungsiele gramm del Effenacher StudententogS schöpfen, denn in diesem Telegramm war die Mahnung ausgesprochen, „die deutsche Geistesfrei- heit auch durch die Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender hoch- zuhalte«-.

Deutfdies Reich.

Berlin, den 20. Juli 1965.

§ DieBerkehr»ei«UMh«e» der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft be­trugen im Monat Juni auS dem Personen- u«b SepSckverkehr: 49143000 Mark (mehr gegen dal Vorjahr 9408000 Mk), aul dem Güterverkehr: 80895000 Mk.), (mehr gegen dal Vorjahr 1756000 Mk.), hierzu kommen aul sonstigen Quellen noch 7 936000 Mk. Einnahme« (gegen Vorjahr mehr 618000 Mk) In der Zeit vom Begin« del Rech­nungsjahre! betrug die Einnahme auS dem Personen- und SepSckverkehr 128349000 Mk. (gegen das Vorjahr mehr 9 857 000 Mk ), aul dem Güterverkehr: 252019000 M. (gegen das Vorjahr mehr 14 851000 Mk.) Außerdem betrugen die Einnahmen auS sonstige« Quellen 22978000 Mk. (gegen das Vorjahr mehr 1087000 Mk.) — Die Einnahmen der Reichleisenbahn in Slsaß-Loth- ringen betrugen im Monat Juni aul den Personen- und GepLckverkehr 2200000 Mk. (gegen Vorjahr mehr 355000 Mk), aus dem Güterverkehr 5771000 Mk. (gegen Vor­jahr mehr 39 000 Mk) Einnahmen auS sonstigen

Quellen beliefen fich aus 535000 Mk. (gegen I dn nutet d« «erwalttmg d«S TtmttS strh«d-i. P.W«ck-

Vorjahr mehr 45000 Mk) Van Beginn des eeXflfltunfl fflt

Rechnungsjahres ab betrugen die Einnahmen 6 au) <nf

auS den Personenverkehr 6 164000 Mk. all,«meine rranSpotttost««

(gegen das Vorjahr mehr 440000 Mk.) und «ost-» &

7 Stt.

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I, Obetbahumeiftet

aus dem Güterverkehr 18866000 Mk.

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Kraft.

2. KtseubahuaWeuten

3. vtellwerkSweicheusteller, Maschinenwärter

4. Sisenbahngthllßnnen, Rotte» führet, Schirr-

männer 100 „ 4 „

Diese Verordnung Mtt mit dem 1. April 1905 ta

(gegen daS Vorjahr mehr 971000 Mk) Hierzu tarnen auS sonstigen Quellen an Einnahme 1549000 Mk. (gegen das Vorjahr mehr 19000 Mark).

§ Das »Berliner Tageblatt' wirft die Frage auf, wa! aus der Bergarbeiterschutz, msveüe wird und beklagt fich, daß die Puv- Matten bei Gesetzes noch immer nicht erfolgt sei. D-S Blatt schreibt: „Wen unter den ver- antwortlichen Ministern trifft die Schuld für diese schwer erklärliche Verzögerung eines Gesetzes von der sozialpolitischen Bedeutung des in Rede stehenden? Dürftig genug find ja die einzelnen Bestimmungen in dem Gesetze ausgefallen Nun wird auch das Wenige roch zurückgehalten. Der­artig wichtige RegierungSokte sollten unter keinen Umständen einen Aufschub erleiden. Jede »eitere Verzögerung trägt nur dazu bei, das Vertrauen der Mafien zu dem gute« WÄe« der Regierung zu erschüttern.

* An einer Novelle zur «ewerbeordumug, von der kürzlich die Rede war, wird schon feit Jahren gearbeitet. Sie soll allgemeine Fragen, wie die der Abgrenzung zwischen Fabrik und Handwerk, und besondere Fragen, wie die der Konzesstonierung von Schankwirtschasten, zur Entscheidung bringen. Wenn jedoch weiter mitgeteilt wird, daß diese Novelle demnächst in gesetzgeberische Behandlung genommen werden soll, so weist eine offiziöse Darlegung auf die Auf- gaben der nächsten Reichs tag« tagung- und auf die dringend erforderliche Scheidung zwischen Entwürfen, die unbedingt notwendig, und solchen, die bloß nützlich find, hin. Danach hat es mit der 9toBeHe also noch gute Wege.

♦ G»zicklbe»»kratte nutz Heer. AuS Ehemnitz wird den ,Leipz. Reuest. Rachr.' ge-

*„ Auf das von den Abgeordneten von Kardorff, von Nprman«, Paasch» usm. eingereichte Gesuch um Begnadigung bei früheren Reichskommiffars Dr. Rat! Peters hat bet Kaiser die Rechtsfolgen des gegen Dr. PeterS ergangenen ErkennrniffeS des DiSziplinar- hofeS vom 15. November 1897 in Bezug auf Verlust des Titels auf gehoben. Dem »eiteren Anträge auf Bewilligung einer Pension konnte nicht stattgegeben werden, da eine Uebernahme aus die ordentliche« PenfionsfondS nach de« gesetzliche« Bestimmmigen nicht möglich war, die Gewährung einer Pension aus bem Allerhöchsten DiSposttionsfonds bet der ReichShauptkaffe aber grundsätzlich nur im Falle vorliegender Bedürftig- leit erfolgt.

* Aus »entsch LiebWeftOfrik» meldet eia Telegramm auS Windhuk: Im Gefechte bei NaruS am 17. Juri find gefallen: Reiter Watter Preuße, geb. bi Altenburg, früher Igl. sächsisches 6. Feldarttllerte-Regiment Nr. 68, Bauchschuß; Rester Hermann Erber, geb. zu Scheibe, früher Pionierbataillon Nr. 6-, Kopfschuß. Ferner: Rester Karl «ölicke, geb. in Würmlitz, früher Infanterie-Regiment Nr. 32; am 17. Juli im Feldlazarett 15 zu Hasuur an Typhus gestorben: Unteroffizier Willy Maywald, geb. in Liegnitz, früher Feibartillerie-Regiment Nr. 67; am 17. Juli in Qtjiverro versehentlich von einem Posten angeschofien, Schuß in den rechten Oberschenkel.

schrieben:

Hier tagte eine so,taldemokratische Parteiversamm- lang deS 15 sächsischen Reich» tagSwahllretftS. Wn «ntrai, nach dem alljährlich vor «nstevnng der Retruten an die AuSzuhibenden ein, Flugschrift »«teilt werden soll, soll ans dem bevorstehenden sozial- demokratischen Parteita, in Irna zur ««handümg erbracht werden. Diese Flugschrift soll den Rekruten Ausschluß über di, Frage geben: .Wte kaun stch drr Soldat Vorstrafe und Mißhandlung schütz«?'' Auch soll dir Flugschrift eine Sammlung von Militärgericht,, uttetlru enthalten.

Die Herren werden es fich wohl noch über­legen. Auf dem vorigen Partestag tief selbst Bebel, all solche „Anregungen- laut wurden: »Ihr wißt nicht, waL ihr tut!-__

* UmzugSkosteu der staatlichen «iseubahnbe. amte«. Der .VtaatSanzel,«' publiziert heute eine königliche Verordnung, brtr. dir Aendrruug und Er­gänzung der Brsttmmnngrn sür die Umzuglkosten d« Beamten d« B'.aatreisenbahneu nnd bet nut« dn Verwaltung deS Staat» stehenden Privateisenbahneu. Hi«nach «halt« dir nachstrh«d aufgrführten rtatS» mäßtg angestelltrn Beamten d« Staat,eisenbahnea und

Ausland.

* Belgien begeht, wie bekar ni, gegerwärstg die Feiersettwr 7 5 jährigenUnabhängig k eik Am Donnerstag nahmen der König und die königliche Famllie in der Kirche zu Sälen an einem Gedächtnis zotteidien st sür die Mitglieder bei Königshauses teil Sm Nachmittage santz ein glänz«der Umzug der »anneraborbnnngen vieler Vereine, darunter der Gstde der Goldschmiede mtt ihren Kleinodien und der alten (Silben statt. Die königliche Familie wohnte nachmittags der ersten Aufführung eine» Ritterturuists bei. Die Bevölkerung begrüßte die königliche Familie überM mit Begeisterung. Die Stadt ist festlich geschmückt und die Festlichkeiten find vom herrlichsten WÄter begünstigt.

* «i* eilet Wort des Königs in G chwelen. Sin Berichterstatter der ,Frkf. Ztg.' hatte dieser Tage eine längere Unterredung

gleich keine Verletzung an ihm wahrnehmbar, sei er doch nicht imstande gewesen, fich zu bewegen oder auch nur ein Glied zu rühren. Es habe sich nun ergeben, daß er außer einigen Muskelquetschungen eine starke Erschütterung des Rückenmarkes er­litten, infolge deren er des Gebrauches seiner Glieder nicht mehr mächttg sei. Er hoffe jedoch, daß bei seines Freundes kräftigem Körperbau das Unglück ohne weitere Folge bleibe, und er nach einigen Wochen der Ruhe vollständig geheilt sei.

Liane atmete erleichtert auf, und Max fuhr fort:

„Bei Habich ist das nun etwas anderes — den Bruch des Armes und die vielen Quetschungen will ich nicht hoch anschlagen — aber er hat mehrere tiefe Wunden im Kopf, und ich fürchte sehr, daß das Gehirn verletzt ist, denn nichts vermag ihn aus seiner starren Betäubung zu er­wecken."

„Weiß man denn noch nicht, auf welche Weise das Unglück hereinbrach?" frug Liane.

„Doch", versetzte Ehrhardt, „Adalbert hat uns den Hergang mitgeteilt. Nachdem sie, erzählte er, in den Gang hinabgeglitten, hätten sie erst sorgfältig in die Höhe und dann über den Boden geleuchtet: als fie nichts Gefährliches bemerkt, seien sie langsam weiter geschritten, Habesch iiner ein wenig voraus. Plötzlich habe dieser ge­glaubt, Fresken zu bemerken und ihm zugerufen, schnell mit seiner Laterne herbeizukommen. In demselben Augenblick aber sei der Unglückliche auch schon mit furchtbarem Getöse in der Tiefe verschwunden, rings um ihn her sei alles nach­gestürzt, gleich darauf habe auch der Boden unter feinen eigenen Füßen gewankt, und ehe er ge­wußt habe, wie ihm geschehen, sei auch er hinab­gestürzt, wobei die Sinne ihm geschwunden."

„Ich kann nun nicht recht begreifen," fügte Max leiser hinzu, „wie der vorsichtige, erfahrene Altertumsforscher so leicht eine gefährliche Stelle übersehen konnte: ich muß Ihnen gestehen, daß ich mich bei dem Vorfälle eines Verdachtes gegen

Ternau nicht erwehren kann. Er suchte freilich, Habesch mit aller Kraft von dem Hinabsteigen abzubringen, doch er war es, der den Vorschlag gemacht, daß Adalbert sich in die Tiefe wage, und er war es, der beteuerte, daß der Gang ge­fahrlos sei. Wenn ich annehmen könnte, daß er Grund habe, Adalbert zu hassen, so würde ich ganz gewiß glauben, daß er heute die Ge­legenheit benutzt habe, um ihn zu verderben. Zu gut halte ich den Menschen nicht dafür, es liegt etwas Tückisches, Lauerndes in seinem Wesen. Doch — ich mag ihm vielleicht Unrecht tun, da er mir selbst oft versicherte, weich' freund­schaftlichen Gefühle er für Adalbert hege. Es war nur gar zu eigentümlich, daß er im Moment des Unglückes gerade davon gegangen war. Erst nach Verlauf von zwei Stunden, als wir die leblosen Körper auf dem Rasen ausgestreckt hatten, blickte er scheu hinter einem Baume hervor; als er die beiden starr und totenbleich da liegen sah, zuckte er zusammen wie vom Schlage gerührt. Ich glaube, er war im Begriffe, sich heimlich wieder zu entfernen, als ich ihn anrief. Wie das verkörperte böse Gewissen kam er herbei, und es schien mir sogar, als ob eine Anwandlung von Zerknirschung sich bemerklich mache, denn er leistete nachträglich noch recht brauchbare, tüchtige Hilfe. Dieses Umstandes halber will ich meinen Verdacht auch gegen sonst Niemand äußern, zu­mal da man ihm im Falle einer Gerichtsverhand­lung doch kein Vergehen nachweisen könnte. Wenn er wirklich schuldig ist, wird er in seinem Innern schon genügende Strafe für sein Verbrechen em­pfinden."

Liane hatte gespannt den Worten Ehrhardt's gelauscht: als er von Ternau gesprochen, hatte sie die Farbe gewechselt und als ob fie seinen Verdacht bestätigen wolle, unwillkürlich genickt: fie sagte aber nichts, nnd als er geendet, reichte fie ihm die Hand mit den Worten:

„Ich danke Ihnen, Herr Doktor!" und ging hinaus, die Männer sich selbst überlassend.

Es folgen nun schwere, sorgenvolle Tage fite die Bewohner des Landhauses; abwechselnd teil­ten sie sich in die Pflege der Kranken. Dottor Ehrhardt hatte sich ganz im Hause einquartiert und saß, nachdem er Habesch's Arm eingerichtet und die nötigen Verordnungen gegeben, meist mit dem greisen Direktor an dem Bette Adalbert's, der wie ein hilfloses Kind da lag und dem die Zeit der Ruhe und die aufheiternde Unterhaltung der Freunde die einzigen Heilmittel waren.

Frau Lessenich und Liane wechselten Tag unb Nacht ab in der Pflege Habesch's, dessen dumpfe Betäubung allmählich in ein rasendes Fteber übergegangen war. In seinen Phantasien ward er gesteinigt, kämpfte mit Flammen und wtlden Tieren, aber immer und überall flocht er den Namen „Laura" ein. Was der ängstliche, ver­schlossene Mann sonst keiner Menschenseele anver- traut, das verriet er jetzt in seinen Fieberphau- tafien. Die Frauen jedoch, sowie auch Ehrhardt dachten garnicht daran, daß seine oft so zärtlich gerufene „Laura" ihre Bekannte sei.

Inzwischen war das Gerücht von dem gräß­lichen Unglücke der beiden berühmten Professoren in die Qeftentlichkeit gedrungen, und einer im Hause hätte den ganzen Tag über vollauf Be­schäftigung gehabt, wenn er allein die Depeschen und Erkundigungen, die sowohl von der Uni- verfität, als aus ganz Deutschland einliefen, be­antwortet hätte. Die Zeitungen waren gestillt mit entstellten Berichten über den Unfall und über das Befinden der beiden Gelehrten. Heute waren beide tot, morgen lebte noch einer, und über­morgen sollten beide noch leben, aber hoffnungs­los darnieder liegen.

In Wirklichkeit jedoch ging es mit Adalbert Tag für Tag ein wenig besser, und nach Verlauf Von zwei Wochen war er so weit hergestellt, daß er in einem Rvllsessel in das gegenüberliegende Zimmer zu dem immer noch im heftigsten Fieber tobenden Habesch gebracht werden konnte.