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Druck und Verl«- »er Zuldaer RetiendrnckerM in Znlda (Harmonie) Zernsprecher Rr. 9,

M 162

Fulda, Mittwoch, deu 19. Juli 1905.

32. Jahrgang.

• Die „Imparität" in vayrrn und prevtzen.

In Nr. 305 glaubt auch die .Tägsi Rund­schau', das freiwillig« Organ des Evangelischen Bundes, etwas zu der Lage der Protestanten in Bayern" sagen zu müffen. .Daß der Ultramon» tantsmuS in Bayern aus der ganzen Linie im Borrücken begriffen ist," schreibt Vas Blatt, „zeigt sich in nichts so, als wie sich das Beamtentum zu den politischen Fragen hält, und welche An­forderungen von den Zentrums-Organen an die Eigenschaften der Beamten gestellt werden." Das ist eine ganz haltlose Verdächtigung. Dem Blatte würde es wohl schwer halten, anzugeben, wann, wo und wie das Beamtentum (ein sehr weiter Ergriff!) des Ultramsntanismus wegen zu den politischen Fragm besondere Stellung genommen hätte. Eine neue Verdächtigung ist es, wenn das Blatt sortfährt, die Regierung habe bis vor etwa einem Jahrzehnt den Grundsatz der Verfaffimg, wonach jeder Bayer, ohne Unterschied der Konfession, zu allen Zwilämtern gelangen kann, hochgehalten, und bei Besetzung der Aemter nur dir Qualifikation, nicht aber die Konfession in Berücksichtigung gezogen." In den letzten Jahren war es also anders! Unverständlich ist es, und deshalb nehmen wir Notiz von diesem Artikel, wie gerade ein preußisches Blatt sich auf dieses gefährliche Gebiet begibt, ein Blatt, das doch wiffen muß, wie es mit dieser.Parität" trotz Verfassung und größerem Prozentsatz der Katho­liken in Preußen ausfieht. Ernst v. Lasuulx schrieb schon 1838 (Kritische Bemerkungen über die Kölner Suche S. 387), er könne nicht be­greifen, warum der protestantische Köniz von Preußen zufällig lauter protestantische Mnifter, nur proteftar. tische Generale, bloß protestantische Oberpräsidenten und fast nur p:o!estantifche Gesandte und StsatSräte dabr. Warum verringere sich, fragt er, in stets ab- nehmender Progression dir Zahl der ^Katholiken, jr höher die AmlsDürden im Königlich preußischen Staate find? In Bayern habe man ebun mit klarem Wiffen und festem Willen Eathoijschrn König, der 3llt Millionen katholische und 1 Million protestantische Untertanen habe, und doch werde t« den höchsten Zivil- und Militärwürden kein Unterschied gemacht zwischen Katholiken und Protestanten. Lasaulx meint: „Der Mensch ist von Natur ein logisches Geschöpf, einen Zufall läßt er sich Wohlgefallen, aber eine ganze, wie es scheint, zusammen­hängende Reihe ist ihm als etwa? Unver­nünftiges zuwider." (Stölzl, 6. v. Lasaulx, 1904, S. 120)

Das alles trifft aber auch heute noch zu, sowohl iubezug auf Preußen wie auf Bcyrrn. In Preußen ist unter den 11 Ministern bloß ein einziger Katholik, Jastizminister Schön- ftedt, und dieser lebt i» gemischter Ehr mit protestantischer Kindererziehung. Bon den 13 OberpräsideNten ist kein einziger katho-

Sin Mger Sproß.

Original-Novelle von Antonie Haupt.

15] (Nachdruck verboten.)

„Unmöglich I" rief Habesch, „zeigen Sie doch mal her! — Wahrhaftig," ries er nach einer Weile, als Adalbert ihm den Brief gereicht, „da steht's: — meine herzige Julie, die jetzt bei meinen Verwandten hier zu Besuch ist, wird sich ebenfalls sehr freuen, meine gelehrten Freunde begrüßen zu können. — Julie," wiederholte er, „weshalb nennt der Mensch sie nicht Liane, wie alle üb­rigen? — So ein Bräutigam mutz immer etwas besonderes für sich haben."

Schweigend und verstimmt lehnte Adalbert in der Sophaecke; auch fein Freund schwieg nach­denklich eine zeitlang, in der er sich angelegent- lichst damit beschäftigte, einen Knopf an dem Aufschlag seines Rockes abzudrehen, worauf- er kleinlaut sagte: „Es wäre doch vielleicht so übel nicht, wenn wir der Einladung Folge leisteten: es könnten möglicherweise wichtige Funde dort im Wcllde gemacht werden."

„Das glaube ich auch," ermutigte Adalbert; „an Ihrer Stelle würde ich gewiß keinen Augen- rlick zögern."

„Warum denn nur ich?" frug Habesch angst- lich. „Sie müffen mit, denn allein habe ich keine ruhige Stunde in dem verwünschten Lande."

„Sie verlangen Unmögliches, mein lieber Freund," erwiderte Adalbert; „meine Studien dulden in diesem Augenblick durchaus keine Unterbrechung."

„Ei waS, Studien!" entgegnete der Pro- seffor. Sie bedürfen unbedingt einer Ab­spannung und können später mit verdoppelten Kräften nachholen, was Sie jetzt versäumen."

„Ferner," fuhr Adalbert fort, „werde ich auch balb mit meinen Vorlesungen beginnen müffen."

lisch; unter den 13 Oberlandesgerichts, gertchtspräsidenten fiedel sich zurzeit nur ein einziger Katholik. Liese „Parität" ist ebensoweit von „Zufall" entfernt als von einer schadksnenhaften und mechanischen Parität, dern etwas mehr „Qualifikation" wird man doch wohl bei den 10 Millionen Katholiken Preußens vorauSsktzrn können.

Und in Bayern? Zrei Jahrzehnte lang war die Hälfte der bayerischen StaatSminister protestantisch. Nach Entlassung des Minister­präsidenten Crailsheim verschob sich das Brr- hältnis zugunsten der Katholiken um eine 8 ff er, was aber schon bei einem liberalen Blatt am Rhein Parttälsschmerzen hervorrief. Jetzt ist bei 5 katholischen und 2 protestantischen Ministern die „Parität" schon mehr gewahrt. Ja dem Ministerium des Innern fitzen 7Prolestanten und 5 Katholiken (!); erst Ende März wurde noch ein Protestant als Regierungsrat in'» Ministerium berufen. Als dagegen jüngst in Preußen ein Katholik ins Kulturministerium be­rufen wurde, schrieb di« ,Tägl. Rundschau' (610 v. 1903): „Unser Kultusministerium wird immer katholischer;" dabei waren von 27 Oberbeamten dieses Refforts ganze sechs katholisch!

Und wie steht es erst mit der Besetzung der Hosämter? In Preußen fitzt im ganzen Zivü- und Milirärkabinett des Kaisers und Königs nicht ein einziger Katholik. Auch der ganze nähere Hofstaat des Kaiser» und der Kaiserin zählt keinen Katholiken; eS ist, als wenn man es mit einem exklusiv protestan­tischen Staat zu tun hätte trotz der 10 Mill. Katholiken der Monarchie! Dagegen find in dem zu 70 Proz. katholischen Bayern fast alle ein­flußreichen obersten Kronämter, von den beiden erblichen abgesehen, protestantisch be­setzt. Da ist doch wahrlich die Entrüstung der «Täglichen Rundschau' über da» „Borrücken deS Ultramontanisrnus" sehr unangebracht.

Nun hält das Blatt sich darüber aus, daß in einem überwiegend katholischen Bezirke Bayerns ein Katholik deshalb nicht zum Regierungspräfi- denten gemacht worden ist, weil et in Mischehe mit protestantischer Kindererziehurg lebe. Der Fall muß hier eigentlich auSscheiden, du es sich gär Nicht um einen Protestanten handelt; aber wir können auch tatsächlich nicht» schreckliches darin finden, denn so viel Rücksicht aus die katholischen Gefühle wird die Regierung in Bayern doch wohl noch nehmen dürfen, daß fie an die Spitze eine» fast ganz katholischen Bezirk» keinen Mann stellt, der mit der katholischen Kirche offen verfallen ist und darum ein beständiges Aergernis ?ibt.

Am Schluffe fingt die,Tägl. Rundschau' — und damit bekommt der Artikel eine ergötzliche Seite — dem Liberalismus ein eigenartiges Lob- lieb. Nachdem fie über die Nachgiebigkeit der heutigen Regierung in Bayern gegenüber der „Bewegung" geklagt, schreibt fie: „Man mag

„O — bis dahin find wir längst wieder zurück — und was schadete es auch, wenn wir eine Woche später als die übrigen unsere Kollegien eröff­neten?" meinte der Altertumsforscher.

Adalbert ober schien dennoch unerbittlich; erst als Habesch mit wirklich ungeheuchelter Ver­zweiflung ausrief: „Dann muß auch ich zu Hause bleiben!" trug seine Gutmütigkeit den Sieg da­von. Er versprach dem unbchilslichen Freunde seine Begleitung unter der Bedingung, daß sie bei keiner der bekannten Familien, sondern in dem nächsten Hunsrücker Dorse Quartier nähmen. „Ich will mich dabei ungestört den Studien wid­men können," fügte er bei.

Mit Freuden ging Habesch auf den Vorschlag ein, und es wurde beschlossen, schon den nächsten Morgen zur Abreise zu benutzen.

12.

Zwei Tage später, in den Abendstunden, saßen in C. auf der Terrasse vor Ehrhardt's Hause der reiche Weinhändler, Doktor Ehrhardt und Brand in traulichem Gespräch zusammen. Die Damen waren drinnen in der Stube, und Max blickte häufig zu dem Fenster auf, hinter welchem man ihre fröhlichen Stimmen vernahm, viel häufiger, als sich durch seine Zärtlichkeit für die gemütliche Tante und die beiden Kousinen er­klären ließ. Sein Onkel, der chn schalkhaft lächelnd beobachtet, sagte jetzt zu Brand: „Mit solch verliebten Leuten ist doch rein gar nichts anzufangen! Statt unsere für ihn so wichtige und lehrreiche Unterhaltung zu beherzigen, blin­zelt der Junge unaufhörlich nach dem Fenster hinauf, und ich wette, seine Gedanken find ganz wo anders, als bei unseren Weinbergs-Ange­legenheiten, denen er doch als zukünftiger Wein- gutsbesitzer ungeteilte Aufmerksamkeit widmen sollte."

„Später will ich für mein Vergehen Buße tun," lachte Max, „indem ich mir von Ihnen Lektionen in dieser Wissenschaft erteilen lasse."

„Und das nennt der Mensch Buße tun, wenn er heilsame Lehren annimmt!" rief der alte Herr

den Siberaliimus für «ivenoch so unvollkom­mene Partei (!) halten: ein eigentliches BtaatSdewußtsein, warme Anhänglich­keit an die Monarchie und an da»Deutsche Reich find eben doch nur in de» Reiben der Liberalen zu finden.« DaS landeSüdlicheGe­lächter wird diesem Satz nicht fehlen.

Deaflches Reich.

Berlin, den 18. Juli 1906.

* Uebrr den Empfang, den der Kaiser dem Afirfts« ®filew in Swinemünde an Bord der „Hoheuzollern" bereitet hatte, waren aller­hand phantastische Meldungen durch die Blätter gegangen. Der Kaiser hat den Kanzler, drr fich zum Bor trage bei ihm meldete, überaus symaihisch begrüßt und die Osfiziere und Mannschaften drs Schiffe» zu einem dreimaligen Hoch auf den Fürsten aufgefordert. Alle anderen Meldungen entbehren nach ter .Weserzeitung' der Be­gründung.

* Der Abt vom Mari« Laach weilte der .Germania' zufolge am Samstag tn Eorneli- münster, um Gelände zu erwerben für eine Niederlassung de» Beuroner Bene­diktinerordens. In AuSstcht genommen ist ein -twa 60 Morgen großer Guts Hof in der Nähe Kornelimünsters.

* Auf das vom ZentralauSschuß der Zentrumspartei für Berlin und Um­gegend an die bayerische Zentrumsfraktion gerichtete GlfickWnnschtelegraM« ist vom Vwfitzendsy der letzterwähnten Partei, dem Prälat Dr. v. Da Her ein in herzlichen Aus­drücken abgrsoßtes Schreiben an den zweiten Vorsitzenden dr» Zentralausschuffes eingelaufen. Dr. v. Daller spricht in dxm Schreiben dm Ber­liner Freunden und GesinnungSgenoffen „für da» hochehrende Telegramm" den herzlichsten Dank, auch im Namen, deS bayerischen Zentrums, au». M* Wallfahrte» und Polizei. Die Regie- tunken der Rheinprovinz haben, wie die .Köln. Volkszeitung' berichtet, eine Verfügung erlaffen, gemäß welcher Anträge auf Se- nehmigung nicht herkömrnlicherWall- fahrt en auf längere Strecken die ein Heber« nachten erfordern, seitens oer Landratsämter mit Begleitberichten dem Präfihmteu von Fall zu Fall eingkreicht werden müffen, damit vor Er­teilung Der erforderlichen Genehmigungen eine Verständigung sämtlicher beteiligten Ortspolizei­behörden herbeigesührt werden kann. Dazu schreibt die »Köln. VolttM': Gegen eine Ver­ständigung der OrtSpottzeibehörden bezüglich der Wallfahrten kann man im Interesse der öffent­lichen Verkehrs nichts einwenden. Eigentümlich muß jedoch der Umstand berühren, daß Ausflüge von Vereinen aller Art. sowie Aufzüge der« selben, ob auf kurze ober lange Strecken, ob mit i der chie Ukbemachten, einer so liebevollen Für

sorge der staatlichen Behörden sich nicht zu erfreue« haben.

* Die Preußische Zentral Geuofsea« fchaftlkaffe ist durch Gesetz vom 31. Jatt 1895 gegründet worden. Ja H 5 a. s. O. ist den In« Muten, mit denen vir Preußische Zentral-Se- nvffenschaftLkaffe in Gkschäfrsoerlehr treten darf, daS Recht gegeben, sich bei ihr mitBermöMs« etnlagen zu beteiligen. Dir ProvinMl-Genoffen« schaftskaffe zu BreSlcu, die Landwirtschaftliche ReichSgenoffeufchastSdank zu Darmstadt, die Ge- noffenschafrsbank zu Hall', di Landesgenoffen« schaftskaffe zu Hannover, die Larrdwirtschäfüiche Zerttral-DarlehnSkaffe zu Neuwied, die Provinzial» Genoffenschaftskaffe zu Posen, die Nassauische HauptgrnoffenschaftLkasse zu Wiesbaden und die Ländliche Zentralkaffe zu WormdM haben von dieser Befugnis Gebrauch gemacht und um Zu« laffmrg zur Kapitalbeteilrgung gebeten. Der Finanzminister hat diese Genehmigung erteilt. Hierauf ist, wie die halbamtliche,Brrl. Korrrsp.' hervorhebt, die EiSrterung einer engeren In» tereffengemeinschast zwischen der Preußischen Zen« tral-Genoffenschaftt kaffe und der Landwkttchaftl. Zevtral-Darlehrskoffe zu Neuwied tn den Tages­zeitungen zurückmfützren. Eine solche Jntereffen« gemeinschaft und die daraus fich ergebende wechselseitige Verständigung ^dürfte dem garzen Genossenschaftswesen nur zum Vorteil gereichen.

* DieBerkehrseiA »ahmen aller deatsche» Eifenbahue» betrugen rmMonar Junr 1905 aus dem Personenverkehr 63,853 312 Mk. und 12 029 879 mehr als im gleichen Monat des Vorjahr»; die El »nahmen av§ dem Güter­verkehr beliefen fich auf 102 289 604 Mk. und 2 028 615 als im Juni 1904. Die Bahren mit dem RechnungSjadre April-März erzielten in der Zett vom 1. April 1905 b s Ende Joni 1905 au» dem Personenverkehr eine Ein» nähme von 144 151 374 Mk , Segen die gleiche Zeit des Vorjahr» mehr: 10 359 839 Mark, aus de« Güterverkehr 283 819 576 Mark, gegen, das Vorjahr mehr: 16818 045 Mark. Die Bahnen mit dem Rechnungsjahr Januar« Dezember verrinnahmirn tn der Zeit vom 1. Januar 1905 bis Ende Juni 1905 au8 dem Personenverkehr 37 828 984 Mk., -»eea die gleiche Zett im Vorjahr mehr: 1058 397 Mk, au» dem Güterverkehr 70 331 594 M. und 1 791 914 Mk. mehr als im Jahre 1904.

** Die «-r-äuge im Stl*b 1900 werden nun doch den Ausgangspunkt eines einheitlichen behördlichen Vorgehens gegen sämtlichefogen. Spielklubs bilben. DaS Ministerrum des Innern hat nämlich, wie der,Konf.' erfährt, von den einschlägigen Behörden Bericht über dieGpiel- klubs im allgemeinen und über die Vorgänge im Klub 1900 insbesondere eingefordert. Das nach zwei Richtungen hin eingeleitete Vermittlungs­verfahren bezieht fich auf folgende Feststellungen: „Haben Klubmitglieder durch das Spiel ihr Ver» mögen verloren? Liegt bei Klubmitgtiebern ter Verdacht gewerbsmäßigen Spieles vor? Ist an»

in komischer Enttüstung. „Na," fügte er etwas besänftigt hinzu, „seine heutige Zerstreutheit will ich ihm nicht verübeln, wenn ich bedenke, welche Gefühle auch mich begeisterten, als ich in seinen Schuhen steckte."

„Ich habe niemals eine Liebe gehabt — was auch am allervernünftigsten war," brummte Brand; und dann ablenkend sagte er: „Ich wundere mich nur, daß wir noch feine Antwort von den beiden Professoren haben."

„Ich fürchte, daß sie entweder gar nicht, oder wenigstens nicht in der nächsten Zett kommen," versetzte Doktor Ehrhardt, „sonst hätte Waldburg uns schon ihre Ankunft gemeldet."

„Das wäre schade," seufzte Brand, «ich hatte mich so sehr darauf gefreut!"

„Guten Abend, meine Herren!" tönte es jetzt mit dünner, scharfer Stimme von der Landsttaße herauf.

„Ternau!" rief Max überrascht. „Wo kommen Sie denn heute abend her?"

„Aus den Wäldebn des Hunsrückens," ant­wortete der Forstkandidat, indem er die Stufen der Terrasse erstieg; „da ich einen Auftrag für Sie habe, machte ich den kleinen Umweg über C."

„Einen Auftrag für mich?" frug Max. „Ge­wiß ist's ein Ruf zu einem Pattenten?"

„Ein Ruf ist's allerdings, aber für Sie alle, auch geht er von feinem Pattenten aus, sondern von den Herren Professoren Waldburg und Ha­besch, die ich, soviel ich weiß, in bester Gesundhett in einem fleinen Hunsrücker Dorse verließ. Sie lassen den Herrschaften ihre besten Grüße ent­bieten und sie für morgen früh um acht Uhr laden."

Sprachlos vor Staunen starrten die drei sich an. „Unerhört," rief der Weinhändler, statt unsere dringende Einladung anzunehmen, fich in einem so elenden Nest ein Unterfommen zu suchen!"

„Das ist wieder so eine vertrackte Idee von Habesch," sagte Max; „der gute Waldburg mußte, wohl oder übel, dieser abgeschmackten Laune Folge

leisten. Na — hoffentlich werden fie morgen schon von ihrer Liebhaberei für die armselige Dorsfneipe gehellt sein und das Quartier bei Vater Ehrhardt vorziehen."

„So klug waren dre Herren nun doch, die schmutzige Kneipe nicht zum Aufenthalt zu wählen," lächelte Ternau. „Sie find bei unserem Förster abgestiegen und haben gar keine übele Wohnung." r,

„Eine sonderbare Marotte von Habesch bleibt s dennoch," erklärte Max. „Aber Sie trinfen nicht, Ternau! Ziehen Sie vielleicht ättern Wein vor? — Ich werde Ihnen in diesem Falle welchen be­sorgen lassen." „

„Machen Sie sich meinethalben keine Muhe, sagte der Forstkandidat, sich erhebend, „ich muß früh nach Hause, werde aber morgen nicht ver­setzten, in Ihrer Gesellschaft- zu sein, da mrchdre Ausgrabungen ebenfalls interessieren. Auf Wie­dersehen in den Ruinen!" verabschiedete er sich.

Es mußte wirklich ein außerordentlich reges, wissenschaftliches Interesse sein, was Herr Alfred Ternau für die römischen Altertümer empfand, denn die ausgehende Sonne sendete eben ihre ersten Strahlen auf die Wipfel der Bäume, während das Moos auf dem Boden, die Farren- fräuter und das junge Gestrüpp noch im tiefen Schatten lagen, als die schlanke, geschmeidige @e» statt des Jägers schon emsig in dem Mauerwerk hin und her glitt. Gewiß wollte er Vorstudien auf dem Terrain machen, um nachher den übrigen durch feine Ortskenntnis ihre Mühe zu erleich­tern. Diese Studien mußten sogar sehr gründ­licher, eingehender Art sein, denn eben war der junge Mann in dem Gemäuer durch eine gar nicht einladend aussehende Spalte dem Innern der Erde entstiegen, und das eigentümliche, selbst- zuftiedene Lächeln, welches seine oünnw Lippen dabei umspielte, deutete daraus hin, daß seine Bemühungen nicht ohne Erfolg gewesen. Seine Untersuchungen schienen damtt nun auch beendet; nach einem Blick auf die Uhr warf er die an einen Baumstamm gelehnte Büchse lästig über die