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Zultzaer W Zeitung

vochenbellaae: „Illustrierte 5onntags;eitung" mottdsbdiagt: „KU-arr SeschichtrblAter".

32. Jahrgan«

Fulda, Montag, veu 17. Juli 1905.

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Verantwortlicher GchrtflleiterrZos.Vaa« wachmb-iiage-„IllustrierteSonntagzzeitung

>«jetge«r St« ei* spolttg« petftjetu deren San« 15 Pir Heflame« die petitM« 25 Pfg.; bei Wied«' Holungen wird entspr.

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Druck und Verlag K? Fuldaer Actiendruckere in Fulda (Harmonie)

Fernsprecher Ur. 9.

Ein adkligkr Sproß.

Original-Novelle von Antonie Haupt.

13] (Nachdruck verboten.)

10.

In die Mauern der alten Waldburg waren zum erstenmale seit langer Zeit wieder Gäste eingekehrt. Mitten auf dem verödeten Schloß- Hof prasselte ein lustig aufloderndes Feuer, und ein kräftiger, sonnengebräunter Mann in reiferen Jahren, dessen graue Joppe mit grünen Auf- Wagen den Förster verriet, war eifrig bemüht, ein großes Stück Fleisch am Spieß hin und her zu drehen, während ein niedliches, junges Mäd­chen mit goldigen Flechten und blitzenden, braunen Schelmenaugen ihm mit zierlicher Geschäftigkeit dabei half, den Braten zu übergießen, nebenbei aber auch ihre Sorgfalt den seitwärts in der Asche schmorenden Kartoffeln angedeihen ließ. Die beiden auf dem sonnigen Plätzchen: der kraftvolle, bärtige Mann und die elegante junge Dame in dem Hellen Sommergewande, emsig um das lodernde Feuer beschäftigt, boten auf dem ernsten, düstern Hintergrund ein reizendes, lebensfrisches Bild.

Das mochte wohl auch der ehrwürdige Greis finden, der an dem zerfallenen Eingang der Burg lehnend, mit heiterem Lächeln auf die hübsche Truppe am Feuer hernieder sah. Jetzt wandte er den Blick in das Innere der Burg; was dort sein Auge fesselte, war ein Bild ganz anderer Art. In dem hohen Gemach, über dem der Himmel blaute, wiegten üppig grünende Ranken und junges Gesträuch sich um die geborstenen Wände; blühendes Moos und hohes Gras wucher­ten ungehemmt empor, und die grünen Fächer des Farrenkrautes verbreiteten sich rings umher. Mitten in der poetischen Wildnis, am verein­samten grauen Fensterbogen, lehnte trauernd die

Deutiäies Reto.

Berlin, de« 15. Juli 1905,

* lieber die @inber»f*ttg tzeS 8wb>- 4«gd wird Ser ,Deutschen Tageszeitung' mit ge­teilt, daß man in den Ministerien keineswegs da­mit rechnet, die Kammern schon Ende Oktober oder Anfang November einzuberufen. Der Land­tag dürste erst Anfang Januar wieder zu- fammentreten, wie es bisher weist der Fall war. Dagegen heiße es, daß der Reichstag in der zweiten Hälfte deS Oktober, vorauSstcht- lich am 24., einberufen wird.

§ Aw Freitag Aberd fand eine Sitzung d e sZerrtrslausschusset derZerrtrrr rrrspartei für Berlin und Umgegenb im katholischen Vereins umse statt. Die Versammlung sav.dtr u»S Anlaß der bayrischen Landtaoswahl au bin Vorsitzenden der bayrischen L?.ndiaqsf.-aklion, Herrn P r ä l a t e « D r. D a l l e r, rin Telegramm folgenden Wor.lartts: „Der Zerrt? alausschuß der Zentrumspartei sür Berlin und Umgegend sendet der bayrischen ZenttumSpartei sein- herzlichsten @iüd® h-fitje zu dem Wahlsiege und gibt zu­gleich der Hoffnung Ausdruck, daß mit diesem großen Erfolge dec bayrischen Zentrumkparm der Einfluß des kullu kämpferischen Ltberalttwus im schön?« Beyernlande nunmehr kvdgiltig ge­brochen ist."

* Keine gr««en gelbwatfetmen? Dis Meldung über die Erprobung der grauen Feld- bekleidung der Truppen wirb von einer Korre­spondenz bestritten. SS sei nur zutreffesy, daß die neue Feldbekleidung zur Zeit von drei Bataillonen, dem Lehrbaiaillon, einem Bataillon des Grenadierregiments König Friedrich Wil­helm I. Nr. 3 und einem Bataillon deS Königs- Jnfantcrieregimerts Nr. 145, also vo« drei As- laillonen im Ost«», Westen u-w Zentrum der Monarchie, probeweise art.-og n wird.

* Den Arbeiterin-er« ist das neueste sozialpolitische F l u g v l r t (Rr. 30) de« V o l k S- veretns für da4 katholische Deutschlaud $e- widmet. Es rrörte.t ausführlich die Notwendig- leit. Zwecke und Ziele der katholischen Arbeiterinnen vereine. Die letzteren sollen einmal der religiösen Schulung und sittlichen Gharakterstättung, sowie der veredelnder Unter­haltung und Erholung der A büttrinnen diene». Vor allem haben sie aber ouch wirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen: Zunächst die Erziehung für den späteren häuslichen Beruf als Grttin und Mutter, sodann Belehrung über Arbeiter- Versicherung und Arbeiterschutz zu erteilen, Über eine rationelle Gesundheitspflege zu unterrichten, Wohnuußs- und Arbeitsnachweise jt fördern, den Anschluß an gute S-ackäffen und Kranken- laffew zu vermitteln rc. A.ssrückiich wtrd auf dir Wichtigkeit der christlichen Kewriko.r«i«e für die ArbeÜerinnrn hingemirsen und zürn Beitritt zu denselben aufgefsrdert. Zur Werbung »euer Mitglieder dürfte daS Flugblatt den bestehenden

Reiter «httflopb RHbNgaf, geboien am 16. M°t 1865 in Kaltecken, früher im Infanterie,Re-mirnt Nr. 147, Schuß rechten Oberarm «n Kkaxthrtt find grstorden: Retter «ruft «tefecke, geboren am 32. September 1833 zu Ricklingen, früher im Jrrfanterie-Regtwenr Stt. 171, am 10. Juli 1905 in der ^snkenssmmelstelle Warm- bod an TypdnS; Reiter Joban» Beier, geboren am 3. Januar 1872 zu JpSheim, früher Bezrrvkonm-Wido 2 München, am 12. Juli 19c5 tm «azarett Swakopwund an erlittenem SchSvelbrnch; Ret-er Friedlich Hartmig, geboren am 10. Mai 1878 zu DittwannSSorf, früher NN Jnfanterte-Rraiment Nr. 74, yst sich am 26. Zwei 1805 an? Unvorfichtigkett mit Karabiner «rwnndrt, Schuß lircke Hand.

V Berlin, 15. Juli 1905. Der Kaiser wird, wie auS München gemeldet wird, tm Herbst mir dem Prtnzregente» Luitpold eine Zusammenkunft haben. Der Prinzregent von Bayern werde Smde Lngnfl oder »n> fang September nach Nürnberg zur Snthüllung des KaiserdenimalS reisen ans dort bei dieser »elegenyetr mit dem Kaiser znsawmevtt-ffe«. — König Also«« dox Spanien wird Mitte September direkt von San SedasttW-, wo die iönigliche Familie »nrzert Som- meransenthalt genommen hat, nach Berlin^ reifem Der Äeheime ZegationSrot deS Auswärtige« Nm.s Dr. Helfter ich tritt, einer Meldung d«r -Frkf 8tg. zufolge, in die Berwalrnng der anatottscheu «tfe»» bahnen ein. - Neber die Fertenreisen d-r preuß-- scheu Minister und Staatssekretäre d^ Reich» berichtet die,N. P. Sorttp': Der Reichskanzler hat fich ans vier biS fünf Wochen nach Ror^rney de- geben. Bo» den preußischen Ministern befindet fich der Minister deS Innern v. Brthma»»-H»llwe, seit acht Tage» in »isfingkn und bleibt dort noch vter Wochen. Der BrrkehrSminister von Buddr ist »ach Dresden biS »um 2. August beurlaubt. Der ttrrrgS- mintstrr von Einem ist in Rifftagen und bleibt dort noch fünf Wochen. Der Handelsminister WAller erl^igt zunächst noch eine Dienstreise und gAt am 22 d. MtS. auf fünf Wochen nach s?inem »ute ^pfn- Hammer bet «rackwede. Der LandwirtschastSuuuister von BodbielSkt ist vom 1. Juli bt4 1.BurM nach Bad Nenndorf beurlaubt. Der Ftnanzminister Sch o u- stedt und der LvltuSminister v. Studt haben Uber ihren Urlaub »och nicht verfügt. Bo» den ^aat^ sikretärrn der uerschtedeuen RetchSämter geht der der ReichSpostamteS Krätke erst tu 4 biS S Wochsr: auf Urlaub; Staatssekretär Nieberdtng hat seine» Ur- laub bereit» bseudet. Der Stoattsekreiär »ras «osa- d owSky tritt am 16 Juli einen 6- W Sfüch«Lichen Urlaub an. DaS Reiseziel ist wahrscheinlich «Island. Der Staatssekretär de» Seußere», Frhr. n o » Richt- Hofen, ist von seinem fünfwSchenttrckes Urlaub zuruck­gekehrt; er war im Hochgebirge in Bayer». Freiherr ».Stengel ist bis zum 30 August nach VE bet Jmmenstadt in Bayer» beurlaubt, und des SraMk- sekretär d«S ReichSmartn-amte» endlich, v. T trp i». ist vom- 1. Juli auf 3 Monate beurlaubt «r «ar zuerst zur Kieler Woche, dann in Metz zur r^fiLtiguug der Schlachtfelder und geht nun nach St. Alastrn im Schwär,walde. - Snftelle des ,«m ^iedSa-richt»- Präsidenten beförderten Frhr. von seckendorff ist. »ach der ,R, Pol. Karr.', der bisherige RrgterungSPiLstdent i» MeSdaden, Hengste »berg, »««^tmcstaat»- fekretär im StaalSmmistrrium und des bisherige vor­tragende Rat im Mt»steriurn deS Jnne^, Dr von Meister, »um RegierungSprSstdenten koWieSbadeu er­nannt worden (Wilhelm HengstenLerg «Mde am 24. Aovbr. 1853 in Brandenburg a. H gelten. Oktober 1902 war er RegterungSvräftdsnt in Wiesbaden. Dr. Wilhelm v. Meister ist 42 Jahre alt und steht feit Oktober 1885 im StaaUdtenL. 1893 w^derr Landrat de» Kreises Höchst a. M. «d18S5 in gleicher Sigenschast nach Homburg o. d. H. wurde

er geadelt, 1902 al» HilsSardrit« in da» Mwtfterium de» Innern berufen und tm April 1903 »um «eheimen RegterungSrai und Vortragende» Rat ernannt.)

* «tratzburg, 15. Juli 1905. In ser- gangener Woche sand hierfelsst eine Verlamm» reden möchte. — Gott, wie habe ich mich nach diesem Augenblick gesehnt!" rief er aufgeregt. „Liane, ich liebe Dich! und mein mußt Du werden, um jeden Preis!"

Hoch aufgerichtet, mit- flammendem Auge stand das Mädchen dem Jäger gegenüber „Was berechtigt Sie zu einer solchen Sprache? fruz sie stolz. „Ich wüßte nicht, daß ich jemals Ihnen dazu Veranlassung gegeben hätte."

„Keine Veranlassung!" rief er tote außer sich. „Wort und Blick waren allerdings stets abweisend genug, doch Dein Benehmen strafte beide Lügen. Warum ließest Du mich unaus­gesetzt in Deiner Nähe bleiben? Warum gabst Du mir beim Tanz den Vorzug, wenn ein anderer sich zugleich darum bewarb?" ..... ..

„Ich bereue es jetzt unendkich, baß ich durch die Ermahnungen meiner Mutter mich dazu be­wegen ließ, Ihnen auch nur die kleinste Gunst zu gewähren," entgegnete Liane entrüstet.

„Ich durchschaue Dich, kleine Kokette!" Stschte der Jäger. „Du weißt recht wohl', daß dieses Anziehen und Abstößen — dieser scheinbare Wider­stand meine Liebe nur noch mehr anfachen wußte.

Hierauf sprang er näher, doch zum Glücke tönte eben ganz nahe durch das Gesträuch Laura s fröhliche Stimme: „Liane — Liane wo steckst Du denn?"

Erschreckt blieb Ternau stehen, und Liane eilte mit den Worten: „Sie waren mir stets wider- wärtig, nun aber verabscheue ich Sie!" dem Rufe ihrer Freundin nach.

Wutbebend blieb der Jäger zurück; er stampfte zornig mit dem Fuß und knirschte: „Wieder ein­mal zu spät! Muß ich denn immer nach diesem Tugendheld kommen? O, daß ich Rache an ihm nehmen könnte für all' die Unbill, Schmach und Zurücksetzung, die ich seinetwegen schon erdulden mußte!"

„Gut, daß Du kommst!" rief Laura ihrer Freundin zu. „Ich habe oben ein reizendes Platz- chen für uns gedeckt, und alle warten nur auf Dich,

erscheint uns dagegen, was die ,Notdd. Allstem. Ztg/ über den Einfluß der „üderalen Kultur- käwpferei" auf den Wahlausfall sagt. Das Blatt führt rämlich dazu aus:

„Sean vielleicht auch die Ansicht zu weit geht, daß fich da» Anwachsen der Z-nttumspartei gas» all«» aus dem Wiederavfache» deS Kulturkampfes durch den LibetaliSmuS erkläre, so ist doch nicht zu vet kenn»». Laß der Ltberalismu» gerade in dieser Be­ziehung ki ästige Handhab?» zur wirksame» Agitation in einem überwiegend ftrengkatholischen Lande geboten hatte. Jedenfalls also dürste der LiberaliSmrs dem jetzige» WahlauSsall die Lrhre einer vorfichttgen Schonung der religiösen Gefühle kirchlich gestnnker Kateolüen zu entnehme« haben, als fte in der Brr »angenhiit häufig zu beobachte» war. Ist eS doch unter alle» Umstanden bezeichnend, daß dem LcheraliS- mnS fn katholischen Gegenden, selbst in der aus- geklärten Pfalz, fast alle Sitze verloren getarnte» find."

Auch Ser M e i ch s b o 11‘ beschäftigt fich »och- mal« mit den boytttschen Wahle». Er rnt- blödrt sich nicht, die, üditgens »och durchaus unbestätigte Nachricht von einer ZufaMwenkunft des Kaisers mit dem Prinzregeuten Lustpold im Herbste dieses Jahres mit dem Ausfall der Wahlen in Verbindung zu bringen. Er msint: „Man wird im Reichs diese Begegnung mit be- sortderrm Jntereffe begleiten; denn, nachdem die letzten Wahlen dir natürliche Herrschsucht der Uittsmo»t;:nen noch weiter gesteigert haben, be­ginnt das Epie! der ultramontanen Mnister- stürzrrei bereit» offen, “ Der »Reichs bote' be­fürchtet, man werde jetzt beginnen, „such den esangikischen Norden zu oejuvarisieren". Bachem habe ja bereits sechs rhürinzische Bundesstaaten voa der Liste der lebensderechttgten Stsoten» pebilix gestrichen; sogar das katholisch regierte Sachse« erhalte di« ultramontanen Kerbe zum Umschlagen. Er schließt seine Expektorationen: „ES ist allmählich für evangelische Politiker eine wahre Lust, im neuen deutschen Reiche „römischer Gnade m leben-.

* Von der EvtschLdrguug der deutschen Ansiedler auf Samoa, die nach Vereinba­rung der drei beteiligten Mächte vor einigen Monaten auf 40000 Dollars festgesetzt wurde, hat, nach den »Hamb. Nachr/, die englische Regierung nun endlich ihren Anteil auSg«zahlt. Di« Regierung von Washington wird voraus­sichtlich bald folgen; danach kanndenBeteiltgten auf Samoa ihre Entschädigung in kurzer Zeit eingehändigt werden. Di« Unruhen auf Samoa, bei denen die Schädigungen fich ereigneten, fanden im Jahre 1899 statt; sonach hat die Er- lrdigung der Sach« 6 Jahre in Anspruch ge­nommen. Die deutschen Ansiedler sind — wie ein Leser der ,Fu ls. Ztg/uns aus Apia schreibt— der Ansicht, wenn die deutsche Regierung energischer sür ihre berechtigten Ansprüche eingerreten wäre, hätte die Angelegenhett eine viel raschere und günstigere Erledigung gesunden. 06 und inwie­fern diese Ansicht richtig ist, können wir nicht untersuchen.

* Weitere Berluftc tu Sübwestafeika. Sin Telegramm an» Windhuk melbet: Am 10. Juki 1905 avf Pferd, pofte» bei Kanas gefallen: Reiter Paul SeSke, geboten am 23. März 1885 zu Schtevelbei», früher im Husareu-Regiweut Nr. 5. Verwundet:

Liane, die der freundliche Leser zweifellos schon erkannt haben wird, nickte zustimmend und trat dann in die schättig dämmernde Waldes­nacht. Nicht lange brauchte sie die angegebene Richtung zu verfolgen, als ein spärlicher Rest von grauem Gemäuer mit zierlich und gleich­mäßig behauenen Steinen ihrem Auge sichtbar wurde. Erfreut eilte sie darauf zu; hier war ja der Ort, wo Adalbert als Knabe die schönsten Kriegsspiele aufgeführt, die alten Mauern hatten ihm als Festung gedient. Ob wohl der unter­irdische Gang, der, wie er ihr erzählt, bei be­sonderen Bedrängitissen seine Zuflucht gebildet, noch nicht verschüttet war? Forschend streifte Ihr Blick umher, um vielleicht einen Eingang zu er­spähen, da plötzlich richtete er sich angstvoll auf die riesenhafte Buche, obgleich der grüne Jägers- mann , der eben hinter dem dicken Stamme der­selben hervortrat, in diesem Augenblicke durchaus nicht furchterregend ausfah.

Die Büchse Hintz harmlos über seine Schulter, seine kleinen grauen Augen blitzten fteudig auf, während das Lächeln, womit er eine elegante Verbeugung begleitete, ein überaus füßes sein sollte. Dennoch zuckte Liane bei seinem Anblick wie in jähem Schreck zusammen. Der Jäger schien jedoch nichts davon zu bemerken; mit un­verkennbarem Entzücken rief er: „Welch' frohe Ueberrafchung, Fräulein Liane, Ihnen endlich einmal auf meinem Revier zu begegnen, nachdem ich so oft erfolglos das Ihre durchstreift! Tät­lich getroffen haben Sie mich längst, doch nie gaben Sie fich die Mühe, die eroberte Beute an sich zu ziehen. Wenn ich das Glück haben sollte, Sie zu treffen, wahrlich, keine Minute würde ich zögern, von meinem Rechte Gebrauch zu machen!"

„Ich muß gestehen, Herr Ternau," sagte Liane ärgerlich, „Ihre Waidmannssprache gefällt mir nicht, und ich weiß auch nicht, was Sie sagen wollen."

„So lasten Sie mich es Ihnen denn sagen in der Sprache, mit der ich am liebsten zu Ihnen

Nrbeiterinnenoereinrn gute Dienste leisten. Es soll aber auch an Orten, wo «in Arbeiterinnen- verein nicht besteht, Anresung geben zur Grün­dung eines solchen oder Erwägung, bestehenden Jungsrauenvereinen, Kongregationen oder bet» gleichen eine besondere Abteilung sür Arbeite- rinnen anzugliedern.

* Der Regeusbnrger rkatholikent-g des Jabres 1904 hatte 73126 Mk. Ausgaben bei 70671 Mk. Einnahmen, also ein Defizit von 2455 Mk. Platzniete und Halle kosteten 24835 Mk., die Herstellungsarbeiten 11647 M., Waffer und Licht 2114 Mk, Dekoration 6431 Mark, Druckkosten 11421 Mk. Der Berkaus von Eintrittskarten ergab 29834 Mk., von Drucksachen 11405 Mark. Der Hochs. Herr Bischof v. Seneftrey schenkte 3000 Mk., Fürst von Thurn und Tsxis 5000 Mk., andere Teil­nehmer 17 700 Mk, so daß das D-.fizit sofort aus der Wrlt geschafft war.

* Zu den bayerischen Landtagswahlen äußert fich jetzt auch die ,Nordd. Allgem. Ztg/ in ihren „Rückblicken". Das offiziöse Blatt schreibt: ^Das wichttgste Ereignis der Woche waren di« Wahlmännrr-Wahlen zur bayerischen Kammer der Abgeordneten, durch deren Ausfall dem bayrrischen Zentrum der Zweck seines Bünd- niffes mii der Sozialdemokratie grfichrrt erscheint. Die Zahlen beweisen, daß das Zentrum einen durchschlagenden Erfolg errungen hat, indem es ihm gelungen ist, von insgesamt 159 Sitzen der Abgeordnetenkammer 102 für fich allein zu er­ringen, wodurch ihm eine derartig überwiegende Mchrheit zugefallen ist, daß ihm sogar zur Zwri- dritttl • Mehrheit rur noch 4 Stimmen fehlen." 3 weiteten enthält der sehr ausführlich« Arttkel neben manchen richtigen auch recht viele schiefe Urteile. So ist es unverstäadltch, wie bie ,Nordd. Allgem. Ztg.' sagen kann, in diesem Wahlkampfe sei eS eine merkwürdige Erscheinung gewesen daß sich der Kampf deS Zmtrums und der Sozial« demokraiie gegen den Gesamt Liberalismus unter der Parole der „Wahlrechtsräuberei" vollzosen habe, obwohl dieser seinersetts mit denkbarster Entschiedenheit für die Einführung deS allge­meinen, gleichen und dtrekien Wahlrechtes einge­treten wäre. ES würde dem osfittösen Blatte wohl schwer faßen, für dir letztere Annahme Tat­sachen anzusühren, denn es ist ganz uuleuabar, daß es der Liberalismus in der bayerischen Kam- mer gewesen ist, der die Durchführung einer gründlichen Wahlreform verhinderte. Die .Nord­deutsch«' macht fich einer schiefen Auffaffung der Verhältniffe wetterhm auch in der Richtung schul­dig, daß fie aus dem Zusammengehen des Zentrums mit der Sozialdemokratie, daS lediglich zur Er­langung einer durchgreifenden Wahlreform statt- sand, den Schluß zieht, beim Zentrum sei das Bewußtsein des prinzipiellen Gegeusatzes zur Sozialdemokratie im Schwinden begriffen. Wie wenig das der Fall ist, könnte das Blatt nicht nur auS den Kundgebungen der ZenttumSpreffe, sondern auch auS den Aurlaffungen der sozial­demokratischen Blätter zur Genüge ersehen. Richtig anmutig holde Burgfee. Oder war die herrliche, lichtumwebte Erscheinung mit dem braunen Lockengewoge und den schwermütigen, blauen Augen etwa ein wunderliebliches, märchenhaftes Menschenkind? — Ihr Blick, der träumerisch ernst auf dem duftigen Waldgebirge geruht, schweifte jetzt mit leichtem Lächeln zu dem allen Herrn.

„Onkelchen," sagte sie mit weicher, melodischer Stimme, „ich konnte doch trotz allem Spähen noch nichts von den römischen Mauerwerken seheri, von denen Doktor Waldburg mir erzählt."

Die Burgfee war das liebreizende junge Wesen also nicht, denn diese hätte gewußt, wo die römi­schen Ueberreste zu finden seien. Der alte Herr schien über ihre Anrede auch gar nicht erstaunt, sondern entgegnete freundlich: „Das glaube ich wohl, liebes Kind; davon wird jetzt noch weniger zu sehen sein, als zur Zeit, da Adalbert sie zum Tummelplatz seiner Spiele gewählt. Wenn Du sie aber dennoch aussuchen willst, so brauchst Du nur den kleinen Abhang hinunter zu laufen und Dich dann nach rechts zu wenden, der Riesen­buche zu, die Du von hier aus leicht wahrnehmen kannst."

Er war zu ihr ans Fenster getreten und be­zeichnete ihr die Richtung.

„Ich würde Dich dorthin begleiten," fügte er hinzu, „doch meine alten Glieder verlangen Ruhe, nachdem sie auf Deine Bitten fchon den weiten Weg bis. hierher zurückgelegt. Verdenken kann ich's Dir fteilich nicht, daß Du die Trümmer des alten Stammschlosses einmal sehen wolltest, wo Adalbert seine frohe Kindheit verbracht, — und ich bin auf diese Art auch wieder auf den Schauplatz meiner früheren Tätigkeit gekommen. Aber wenn Du gehen willst, dann spute Dich; gar zu lang« dürfen wir hier nicht verweilen."

Flüchtigen Fußes eilte das junge Mädchen hinaus über den Schloßhof, wo die niedliche Blondine, die etien ein Messer mit einem großen Stück Butter schwang, ihr nachrief: „Wenn der Braten gar ist, komme ich Dich abholen."