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32. Jahrgaus-

Fulda, Samstag, den 15. Juli 1905.

M 15»

Unpolitische Zeifldufe

1905.

schon das

sichrer drr

der junge Herr ganz und gar nicht.

Auch Liane hatte seit der Rückkehr von C.

(Nachdruck verboten.)

-K Berlin, den 14. Juli

wodurch der edle Mann sich so beleidigt fühlen konnte, daß er chr nun mit einer sichtbaren Zurück­haltung und Kälte begegnete. Wie hätte sie auch in ihrer Demut und Bescheidenheit denken können, daß der Mann, der so unendlich hoch an Geist und Wffsen über ihr stand, zu dem sie verehrungsvoll emporschaute wie zu einem höheren Wesen, daß dieser Mann glaube, sie wolle seine Freundschaft und fein Vertrauen, womit er sie — geehrt, schnöde zurückweisen! Endlich redete sie sich ein, der Ge­lehrte habe im näheren Umgänge mit ihr Lang­weile empfunden und strafe sie nun durch gänz­liches Uebersehen. Ihn nochmals anzureden, wagte sie nicht, da dies ihn sichtlich unangenehm be­rührte; noch heute Morgen hatte er auf ihre freundliche Frage, wie es ihm in Y. gefalle, eine überraschend kurze Antwort gegeben und sich dann । mit einem fast bitteren Zug rasch entfernt.

Jetzt saß Adalbert in der Wohnstube für kurze । Zeit Liane gegenüber: sie beugte das Köpfchen tief über ihre Handarbeit, aus Furcht, seinen Blicken zu begegnen, die sich dann jedesmal mit so großer Gleichgiltigkeit von ihr wegwandten.

„Sieh Dir doch jetzt einmal das Mädchen an,' sagte die Präsidentin lächelnd zu ihrem Bruder; „sollte man wohl glauben, daß sie es fertig brächte, irgend einem Menschen unartig und feindselig zu begegnen? — Und doch habe ich zugesehen, wie sie den Sohn Deines Freundes, den jungen Ternau, welcher ihr doch nie etwas zu Leide getan, auf seine Bitte um den ersten Tanz so unfreundlich obwies, daß ich ihr eine ernste Rüge erteilen

plötzlich heiß errötend hinzu — „ich gkrube, ich! habe aus lauter Verdruß über das Unabänderliche und aus Furcht, meine mühsame Selbstbeherrsch­ung zu verlieren, mich nicht einmal beim Herrn Doktor über die scheinbare Zurücksetzung ent­schuldigt."

Schüchtern blickte Liane zu Adalbert auf, sie hatte sich in der Uebereilung zu diesen Worten hinreitzen lassen und war überzeugt, daß er auch diesmal dieselben gar nicht beachten wurde. —

Doch — war es denn möglich? — Mit so un­säglich glücklichem Ausdruck hatte sein Auge noch nie auf ihr geruht I Eben öffnete er mit emem freudigen Lächeln die vor kurzem so fest geschloffe­nen Lippen, um etwas zu erwidern, als ihr Onket ihm lachend zuvorkam: „Laß es gut sein! rief er. „Adalbert wird unter Freunden das nicht übel

Es waren ernste, heilige Stunden wechselseitiger I Ermunterung und gemeinschaftlichen Strebens, I Stunden des Nachdenkens und der Begeisterung, welche die beiden im trauten Studierzimmer mit-1 einander verlebten. Manchmal streiften sie auch I zusammen durch Flur und Wald, woselbst der! Zauber der frischen, freien Natur auf beide gleich I belebend und erquickend wirkte.

Adalbert würde sich vollkommen glücklich gc- fühlt haben, wenn nicht der Gedanke an das ab­weisende Benehmen Lianen's einen tiefen Stachel in sein Gemüt gesetzt hätte, der ihn ruhelos marterte.

Um ihrem Wunsche zu entsprechen, vermied er sie soviel als möglich, und selbst wenn sie zu- weilen, vermutlich aus Höflichkeft oder aus Rück­sicht für den Gast ihres Onkels, einige freundliche Worte an ihn richtete, gab er, aus Besorgnis, unbequem und lästig zu werden, ihr nur ganz kurze, knappe Antworten. Wenngleich er so auf jede Weise ihr auszuweichen bemüht war, konnte er sein Herz doch nicht gegen den Eindruck ihrer Schönheit wappnen. In ihrer häuslichen Tätig- feit und in der liebenswürdigen Uebung ihrer kindlichen Pflichten erschien sie ihm mit wahrhaft

! bestrickender Anmut. .

Immer schwerer ward es chm daher, kalt und gleichgiltig ihr ferner zu bleiben; doch neben der Rücksicht, ihr gegenüber nicht zudringlich aufzu- treten, lehnte sich auch sein Stolz dawider auf, eine Gunst zu erbetteln, die ihm freiwillig nicht gewährt wurde. Er befand sich in einer seltsamen, fast unerträglichen Lage, der er ohne Zweifel schon in den ersten Tagen entflohen wäre, wenn nicht sein alter Freund, der sich so sehr über seinen Be­such gefreut, ihn ebenso dringend als innig um längeres Derweilen gebeten hätte.

Aus dem Balkan gährt er wieder, und zwar infolge der Nachricht, cm 2. August wolle Fürst Ferdivaad von Bulgarien ftin Land zum «ömg- reich proklamieren. Ma» argwöhnte, daß «riechen- land da- nicht ruhig hinnehm'.n wird wegen angeb­licher Gisährdllvg seiner Etefluffr» in Mez-borttn, und ängstliche Gemüter denken bereit- an einen Krieg zwischen Bulgarien und Srbchrvland, in welchem die Türkei auf Seiten Bulgariens stehe» würde.

erwähne das, um allerorten die Gönner und j Pfleger der Jugend zu versnlafser?, der Ange«, legenheit näher zu treten.

Die Verwertung der Ferien zum Besten der Jagend läßt an sich noch viel zu wünschen übrig. Das zeigt sich recht deutlich in den Stoßseufzern, die man so oft von den Eitern hören kann: Ach, wenn doch die Ferien nur zu Ende wären, damit die Kinder wieder ihre Arbeit und Zucht haben! Gerade für die städtischen Eltern ist e* eine sehr schwierig- Aufgabe, ihre Kinder den ganze« freien Tag hindurch in vernünftiger Weise za beschäftigen und zu kontrollieren. Wenn die Eltern selbst durch ihre Arbeit von «orgeni bis abends spät in Anspruch aenommen find, so ver­fallen die Kinder dem Straßenleben, oder in kleineren Orten dem plan- und ausfichtilosen Umhertreiben in der Umgebung des OrteS. Da

können sie freilich in fünf Wochen gründlich ver' bummeln. Am schlimmsten gehl ,es hier, wie mit vielen enteren Dingen, hem Mittelstand. S)te reichen Leute können mit ihrer Nachkommenschaft fich eine Sommerfrische arf eigene Kosten gönnen, »ns den Kindern der Armen wird vielfach durch eine gemeinnützige Feriei kslonie eine Wohltat er­wiesen. Für die Kinder aus dem Mittelstands die weder auf fremde noch auf eigene Kosten sich einen LvxuS gestalte« können, sollte noch etwas mehr geschehen. . . .

Zuvörderst sollten noch mehr Ferienkolonien sür zahlungsfähige Kinder bet Preßen und unter brwäh ter Obsorge eingerichtet werden. Auch auf katholischer Seite hat man nach dieser Richtung schon hübsche Anläufe ge­macht; doch es genügt «och längst Nicht. In der Diaspora hätten solche Einrichwngen noch den besonderen Vorteil, - aß man zwischen dem katholischen Nachwuchs eine innigere Verbind««, verstellt und die katholischen Kinder vor den ElaubenSgesahren schützt, die ihnen durch die Teilnahme an einer Kolonie drohen, in bet eine ungläubige oder doch katholikenfriodlichs Luft herrscht. Katholische Volksschulen gibt eS ia>auch vielfach in der Diaspora; aber die katholffchev Eymnafiasten und Realschüler find in der Regel auf protestantische Anstalten angewiesen, r V. w Berlin ausschließlich. Da wäre es wahrlich von ■ großem Segen, wenn man in den FÄcien den katholischen Nachwuchs sammelte zu Kolonien, oder wenigsten- zu An-flug-trupps, in bene» das katholische Bewußtsein zu seinem Rech« i kommt.

Nüürlich werden die «ezner gleich wieder I über „ullrammitane Absonderung- schreien. Ach nein, auf Abparung ist gar nicht abgesehen; die ist ja auch in der Dialpora überhaupt nicht möglich. Noch wenizer a«f Urfriedfertigleit. Ich glaube, es könnten in solche Ferienko'onien od« I Wandertrvpps, wie wir sie im Auge haben, auch ruhig Andersgläubige em treten, ohne daß ste in Sksihr kämen, verletzt oder gar „bekehrt zu werde«. Wir haben ja überhaupt die gute Ee> wohvheft, daß wir unser Bekenntnis o'-nr Polemik und ohne jede Feindseligkeit pofili» in aller Ge­mütlichkeit pflegen, während leider arf der andern Teste fich nur zu oft die Verwirrung, der Widerspruch und Widerwille gegen da- Katholische hnvorkehrsn. Unseren Kindern möchten wir ihren Glaubensschatz und ihre Uebung in den religiösen Pflichten ungeschmälert erhalten, und darum ist es namentlich für die zersprengten Katholiken von großem Wert, ihre Kinder während der Ferien mal etwaS katholische Lust ein« etate« zu lassen. ,

Das gilt nicht nur für die Ferienkolonien, sondern auch für die Wanderfahrten. Wenn z. B., um mit kleinen Touren anzufangen, katho­lische Kinder unter der richtigen Führung eine Fahrt nach Chorin oder Lehnin oder sonst einem alten ober neuen Kloster rc. «ntemetmen, so kann ihnen dort manches gesagt werden, was für sie

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Fernsprecher Nr. 9.

Hier zu Lande find schon Ferien. Ich weiß das genau, weil ich meinen Jungen nötige Selb zu einer Wansrrung . . Schüler hervusrücken mußte. Glücklicherweise kostet es nicht ganz so viel, wie die Ferienreife des Reichskanzlers nach seinem geliebten Norder« r«y. Ich finde sogar die Wanderfahrten der | halbwüchsigen Schüler, wie ste hier jetzt betrieben werden, recht billig und recht praktisch. Die jungen Burschen werden nicht auf ben btqutmen Bummel im Sisenbahnwagrn und Gasthöfen dressiert, sondern f.hren nur die aller notwendigsten Bahnstrecken in den Salons vierter Güte und i ziehen dann mit dem Racksock und dem Pilger- stab über Land, nach Art der alten fahrenden Scholaren, indem fie ihr Esten in der Regel fich selbst kochen ober braten und zur Nacht mit dem ersten besten g< stsreundlichen Hause vorlieb nehmen. Die Führung übernehmen erfahrene Studenten aus Liede zur Sache; die Autorität der Schule ober irgend eines Amtes kommt nicht tn'S Spiel, die Jungen lernen auch bei der Frei­heit und Brüderlichkeit dir Zicht und Ordnung freiwillig respektieren. Im «örtlichen wie im ! bildlichen Sinne gilt der Spruch: Auf eigenen j Füßen I Darin steckt gerade der erzieherische Wert solcher Aurflüge der Halbwüchstzen.

Für Berlin und seine Bororte bestehen bereits zwei Vereine, welche diese Wanderfahrten pflegen; der alte und der neue Wandervogel. Ich

. Ein adeliger Sproß.

Original-Novelle von Antonie Haupt.

11] (Nachdruck verboten.)

Mitternacht war längst vorüber, und die! Heiterkeit hatte ihren Gipfel erreicht, als die Präsi- Stentin, welche mit ihrer Tochter noch gerne in der Nacht nach Hause fahren wollte, das Zeichen zum allgemeinen Aufbruch gab.

Dio beiden mutzten die Heimreffe allem an­treten; Adalbert blieb zurück unter dem Vor- geben, datz er am Morgen eine Fuhtour nach 8-, dem Moselufer entlang, machen wolle. Auch der Professor blieb als Gast Doktor Ehrhardt's selbst­verständlich in C. Landrat Günther aber ver­sicherte sich, wie er sagte, „seines mutwilligen Töch­terleins", um, dem Beispiele der Präsidentin sol- gend, noch in der Nacht nach dem nahen 3E. zu • fahren. Beim Abschied versprachen Ehrhardt und Habesch, ihn nach den Kirmestagen aufzusuchen, und mit sehr verschiedenen Empfindungen zer­streute fich die Festgesellschast gegen Morgen nach Allen Himmelsrichtungen.

8.

Mehrere Tage waren vergangen, während toel- cher Adalbert bei seinem väterlichen Freunde weilte. Es hatte fich zwischen beiden Männern ein immer traulicheres Verhältnis gestatt^, da zeder in dem andern eine Ergänzung und Stutze sand. Der alte Herr, der an allen Fortschritten der Wissenschaft regen Anteil nahm, war glück­lich, mit einem Manne Gedanken austauschen zu können, der in allen Ansichten mit ihm Lberein- Jtimmte, und der, wenn ihm etwas dunkel oder zweifelhaft war, ihn aufilären und unterrichten konnte. Adalbert hingegen suchte und sand bet dem in den weiten Gefilden der Philosophie und Geschichte bewanderten Greis Rat und Belehrung für alles, was bis dahin noch unklar und ver­worren in seinem Geiste schlummerte.

rechtfertigen. Sie verschweigt dabei aber, daß er fich | keineswegs um eine Preisgabe irgend eine» Programm- pimkte» non Seiten brl Zentrums, sondern lediglich um die Taktik handelte, die zur Erreichung einer auS- reichendes Mehrheit für die bisher von den Liberalen verhinderte Wahlre'orm »ottoenbig war. Dieses Ziel iß erreicht. Hine illae lacrimae bei den Liberalen, die ihren „ß.beraliSmuT jetzt m wütenden Ausfällen aus dnS Zentrum und in Ausrufen zur Einleitung eines «tuen „Kultm'awpseS" gegen die „römischen Söldlinge' bekunden. u m . I

Zn Oesterreich ist im Laufe der Wiche die Tagung deS ReichSrat« geschloffen worden. Wit Genugtuung ist die Tatsache zu verzeichnen, daß eS | der Regierung gelungen ist, die Genehmigung de» der Volksvertretung vorgelegr en Zolltarifs und des oandelr- bertrag» mit Deutschland zu erreichen. Weniger er­freulich haben fich die Disge in Ungarn ent» wickelt. Trotz wiederholter Arußernngen de» Wimster» Präsidenten Fejervaiy mit der Opposition und der Krone ist e» bisher nicht aelungeu, die Kttfi» der | Lösung auch nur um einen Schritt näher zu bringen. | Da» ganze Regierungsprogrvmm in Ungarn läßt sich zur Zett in dem einen Worte zussmmenftfftn: cb- warten I

Der Krieg zwischen Rußland und Japan hat zwar auf dem Hauptschauplatz de» Ringen- zwischen den beiden Staaten keine bemerkenswerten Ereignifle gezeitigt, dagegen hat er durch ba» Vor­gehen der Japaner gegen die Insel «Sachalin etae wesentliche Autbehvuug gewonum. Die J-Pamr waren auch hier fiegreich. Die Raffe« brannten die | Stabt Korsakow! nieder und zogen fich dann, von den Japanern au» allen Stellungen verdrängt, zurück. Inzwischen nehmen dieFriedentverhandlkugen zwischen den beiden Staaten, »der vielmehr die Bor«, Bereitungen dazu, langsamen Fortgang. Die beider» fettigen Bevollmächtigten find definitiv ernannt, und man rechnet damit, daß die eigutsichrn Verhandlungen ! Anfang August eröffnet werden können.

In H o l l a n d dauert die KabiuettSkrifiS an. Bisher bat fich kein Weg gesunder;, um ein lebensfähiges Ministerium zu schiffe», nachdem die bei den Wahlen unterlegen«! Katholiken und Konserv tiven eS abge­lebt haben, für die Liberalen die Kastanien aus dem Feuer zu holen durch Betetliguiig an einem .gemäßigt liberalen" Kabinett.

Die Wirren im Innern Rußlands trogen fortgesetzt den Charakter der Revolution. In verschiedenen Städten ist eS wieder zu blutigen Za» sammenstöxeu zwischen btt Bevölkerung und ver be- voffaeten Macht gekommen. Ja Moika» ist am I Dienstag der Stadthauplmrnn Schuwalow da» Opfer eine» AtteutSterS geworden. Utbet die Meutereien im russischen Heere und in der russischen Marine sickern nur geringe Meldungen durch, doch taffe» schon diese erkenne'», daß man mtt bet Befahr titel völligen Versagen» de» Militärs im entscheidenden Momente I rechnen muß. Di- Irrfahrt der meuternden Be­satzung de« Panzer» „Fürst Potemkm' hat in der rumänischen Hafenstadt Konstanza ihr Ende gesunden Die Meuterer haben fich der rumänischen Regierung I übergeben und biete hat den von inne» verlassenen Panzer an R tßland aur geliefert. Das bisher in der 4 Begleitung des „Fürst Psternkin' gewesene Torpedo» I boot, dessen Besitzung fich den Meuterei- angeschloffen I hatte, ist nach Sebastopol gefahren und har fich dort auf Gnade und Ungnade den russische« Behörden übergeben.

Wodien-Rundfdiau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 15, Juli 1905.

DaS bedeutendste Ereignis auf dem Gebiete der Politik bildete in bet v« stoffenen Woche unbestreitbar dar Abkommen zn-nchen Frankreich und Deutschland in der Marrokko-Angelegen- freit Nach langen diplomatische» Verhandlungen, die mehr als einmal aus einem kritischen Punkt an­gelangt schienen, und jedenfalls die erheblichsten Schwierigkeiten zu überwinden hatten, ist am 8. Juli ba» Uebereinkommen zwischen den Regierungen der beiden Länder urterzeichvet worden, durch welche» ba» Zustandekommen der 001 Deutschland angeregten internationalen Marokko - Konferenz gesichert ist. Frankreich hat feine Einwendungen gegen die Konst» renzidee zurückgezogen, nachdem eS fich mit Deutsch­land über die Grundlagen der Konferenz geeinigt hat. Diese Grundlagen bilden die Souveränität und Unabhängigkeit de» Sultan» von Marokko, die Jnte- grttär seine» Reiche», bte wirtschaftliche Gleichberech- ngung aller Nationen ist Marokko, die internationale Regelung der Frage der Reformen dortselbst und die Anerkennung gewisser Vorrechte Frankreich» in Marokko, die sich au» der Nachbarschaft Algerien» er­geben. Deutschland hat demnach feinen in der Ange­legenheit eingenommenen Slaubpuatt durchaus gewahrt, gleichzeitig aber Frankreich ein Entgegenkommen be­wiesen, welcher diese» Land von der aufrichtigen Friedensliebe Deutschland» überz-ugen mußte. Der nächste Erfolg der (Stniguag, die zwischen Deutschland und Frankreich erzielt wurde, ist die Erklärung der Bereitwilligkeit Eaglandr zur Teilnahme an der Marokko Konferenz gewesen.

Boa großer Bedeutung für die Entwickiung unserer inneren Politik find zwei Vorgänge bet verfl ffeuen Woche, bte fich auf dem Felde politischer Waalen ab» I spielten. Zunächst die Reichstagsersatzwahl im 2. butschen Reichstag-Wahlkreise Donau-1 eschingen-Bonnborf, die mit eisern glänzenden Siege des ZmttumS im ersten Wahlgange endete. Damit ist ein Wahlkreis z«m ersten Male vom Zen­trum erobert worden, der zwar zu mehr al» 80 Proz. katholisch ist, aber bisher im Banne de» Schrinlivera- lismu» gebatten wurde. Noch bedeutsamer ist bet große Wahlsieg, den ba» Zentrum am 10. ds. MtS. beiden Urvahlen zum bayerischen Landtag! errungen Hst. E» hat nicht weniger al» 18 Man­date gewonnen. Dieser Erfolg ist von um so größerer Tragwette, al» er den endsittige» Zusammenbruch de» liberaüfierenden RegierungSsystewS ts Baynm in fich Meßt; denn jetzt hat da» Zentrum in der Abgeord­netenkammer mit ben Sozialdemokraten btr zur Darch- führmvg einer umssssesdrn WahlrrchiSreiorm auf Grundlage de» allgemeinen, gleichen unb direkten Wahlrecht» nötige Zweidrittelmehrheit. Ein auf dieser Grundlage basiertes Wablverfahres ober wird den Rest be» Einflaffe» de» Liberalismus i« katholische?" Bayern wegfegen. Die Liberale Presse sucht fich mtt tiefem AuSganz brr Urwahlen durch Schmähnngeu de» „schwarzroten Wahlkartell»*, d.h. da» Zusammen­gehen be» Zentrum» mit ben Sozialdemotraten, zu

genommen haben." . . . o

Und doch schien es das — einzig nur das zu sein, weshalb er ihr gezürnt! — Verwirrt und be- seligt zugleich fühlte sie innig den Blick auf sich ruhen, welchen er ihr so lange, lange nicht mehr gegönnt. Es war ihr unmöglich, mit dieser be­glückenden Empfindung im engen Raume oee Zimmers zu bleiben. Schnell legte sie ihre Arbett nieder und eilte hinaus in den Garten, mit einet Hast, welche ihr, als sie in der Laube angelang« war, ebenso töricht als unbegreiflich erschien. Ein unerklärliches Etwas, von dem sie sich nicht be­freien konnte, hatte fie gezwungen, vor fernem Blicke zu fliehen. , . ,

Sollte es aber wirklich nur die «ne scheinbare „ । Kränkung gewesen sein, die ihn so verletzt,,daß er

„Darin kann ich dem Kinde so unrecht nicht sein Benehmen gegen sie so gänzlich ö^ert? neben" meinte der alte Herr; „auch mir gefällt - Nem, nein! Es war mcht denkbar, daß, der si-1- h't'nae ßerr aani und aar nicht." hohe, gelehrte Mann auf die Unhöflichkeit «neg

Wenn es ein Unrecht war," versetzte Liane. | jungen Mädchens solchen Wert legte, und ganz

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