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J ÄSJ'ÄM. wochenbcUage! „Illustrierte Sonntagzzeitung

Zeitung

Monatsdellaze: „Fnl-aer GefchichirbMer".

Anzeigen: Vie «r» fpaltige yetitzeUr *sa beten Raum 16 pfg° Reklamen die petitzM- 25 Pfg.; bei Wiede». Holungen wird eetf»8. Rabatt gewährt.

Druck nnd Verlag leg Fuldaer Aetiendrmlere- in Fulda (Harmonie^ Fernsprecher ttt-9.

Fulda, Freitag, den 14. Juli 1905.

'S. 158.

Deutsches Reich.

Berlin, den 13. Jnlt 1966.

ß Die »Norddeutsche Allgemeine Zeitung' übernimmt heute abend ein Dementi der »Hamburger Nachrichten', wonach die un> günstigen Nachrichten über den Srsundhrits-u- ftand des Arieg-ministers v. Einem als jeder Begründung entbehrend bezricknet werden, und nur zugegeben wird, daß der Minister ftch auch in biefem Jahre zur Kur in Kiffinsmr auf« hält. Da das offiziöse Blatt dieses Drmentt ohne wettere Bemerkung bringt, wird man dar» selbe wohl als zutreffend «nsehen können.

§ Der ,Reichsbote' sucht feint gegen den Abg. Dr. Bachem erhobene Anschuldigung, er habe den föderativen Srundcharakter der Reiches in Frage gestellt, unserer Zurückweisung gegen, über aufrecht zu erhalten. Es verlohnt flch nicht, auf die gequälten Redewendungen und An­schuldigungen des Blattes näher eivzugehen. Sie werden genügend gekennzeichnet durch folgende Schlußsätze: „@8 ist Zeit, daß die Regierung einen Strich zieht, der fie von diesem Größen­wahn der regierenden Partei trennt und den vom Zentrum bedrohten Bundesstaaten das Vertrauen wiedergibt, daß fie an maßgebender Stelle gegen solche unerhörte Uebergriffe nicht schutzlos dastehen. In dem Föderalismus Bachems bleiben sonst nm katholische und katholikenfrkundltche Bundes­staaten existenzbrrechtigt." Wenn der.Reichsbote' an diese Ausführungen noch die Frage knüpft: „SBo bleibt also die offiziöse Ablehnung der Bachemschen Ansprüche, die wir schon einmal ge­fordert haben?" so dürfte daS Blatt fich doch über den Wert täuschen, den man an ernsten Stellen seinen Sttlübungen beilegt.

• Zu der -wischen der preußischen Zen« lralgenoss'enfchaftskafse und der land» wirr» ch ast! ichen Zentral-Darlehnskasse für Deutschland zu Neuwied (Rolfs, eifeno erbend) vereinbarten engeren Inter effeugemeiufchaft äußern fich von den heu­tigen Berllner Abendblättern nur wenige. Die »Freie Deutsche Presse' nennt die offiziöse Kundgebung darüber eine „seltsame Mitteilung- und behält fich ein nähere« Eingehen darauf vor. DaS .Berliner Tageblatt' knüpft an die Meldung folgende Bemerkung: „Unter der Kontrolle der Preußenkaffe wird das Neuwieder Institut in Zukunst wohl weniger gewagte Finanz- kunststÜcke machen. Deshalb und weil ein Zu­sammenbruch der Neuwieder Kaffe unabwendbare Folgen für die deutsche Landwirtschaft, nament­lich für die kleineren Landwirte gehabt hätte, wird man die engere Jntereffenqemeinschaft zwi­schen den beiden Instituten willkommen heißen. Dich fie auch chre Bedenken hat, versteht fich von selbst. Indes wird die parlamentarische Kontrolle der Geschäftsführung der Preußenkaffe immer eine gewisse Garantie dafür bieten, daß fie die mit ihr liierte Neuwieder Kaffe keine allzu bÄrenklichen Bocksprünge auf finanziellen •ebiei machen läßt

Ein adeliger Sproß.

Original-Novelle von Antonie Haupt.

10] (Buchdruck verboten.)

„Dieser junge Mann mit seiner gelvandten Lebensart," brummte der Kreissekrttär kopf­schüttelnd, „scheint mir ein echter Don Juan zu sein. Den ganzen Nachmittag über machte er offenbar Fräulein Laura den Hof, während er jetzt nur Auge und Ohr für Fräulein Leffenich hat."

Als die beiden jungen Leute am gemeinsamen Tisch, wohl verschanzt hinter einem Wall von Flaschen, halblaut dieses Zwiegespräch führten, be­tt at Adalbert unbemertt den Saal. Sein Auge suchte sogleich Liane und fand sie auch bald neben seinem blonden Freunde, dem sie mit scheinbar großer Aufmerksamkeit zuhörte.

Nachdenklich blickte fie zu Boden, und ein sinnender Ernst lag auf ihren lieblichen Zügen: eben hob sie das Auge, und ihr Blick begegnete dem des jungen Gelehrten. Wie verklärendes Morgenrot zog es über ihr edles Antlitz, und schnell wollte Adalbert zu ihr hin, auf halbem Wege aber trat ihm Ternau entgegen.

„Du bist lange ausgeblieben, Waldburg," lächelte er. „Nun — Deine schöne Tischnachbarin hat sich inzwischen mit Doktor Ehrhardt getröstet; die beiden muffen wichtiges miteinander zu be­sprechen haben!"

Betroffen blieb Adalbert stehen - wenn es so war, dann durste er nicht störend dazwischen treten. Der Aufforderung des Forstkandidaten, fich zu -hm an den Tisch zu setzen, leistete er jedoch nicht Folge, sondern schritt hinüber zu Habesch, der ihm Mündlich zugenickt.

** Zu den Auseinandersetzungen, die gestern in der Generalversammlung der Gnmon- gefellfchnft über das Verhalten des Gouver- neurS Dr. Sols stattzefunden haben, bemerkt die.Germania': „Bisher hat Herr Dr. Sols fich gegen die Angriffe seiner Gegner noch immer erfolgreich zu verteidigen gewußt. Warten wir es also ab." — Die .Nationalzeitung' schreibt zu dieser Angelegenheit: „Mr bedauern lebhaft, daß die Seger, sätze auf Samoa fich durch das fortgesetzt provozierende Verhallen der Minorität (der deutschen Pflanzer in Lamca) derartig zuspitzten, daß schließlich sogar gericht­liche Verurteilungen zu empfindlichen Freiheits- strafen erfolgten, daß aber gerade Herr Deeken bei diesen Prozessen eine sonderlich imposante Rolle gespielt hätte, dürste« selbst solche L-utt nicht behaupten wollen, welche sachlich hier und da vielleicht nicht unbedingt auf das Gouver­nement schwören. Es wurde in der General­versammlung der Samoagefellschast bemerkt, daß nach Anficht deS Auswärtigen Amt« Herr Deeken fich auf Samoa unm öxüch gemacht habe. Diese Anficht des Auswärtigen Amts wird auch von Leuten geteilt, die den unerquicklichen Konflikten der samoanischen Weißen als per­sönlich völlig uninteressierte Zuschauer gegen»- überstehen "

§ Die »Kreuzzeitung' kommt in norm Leitartikel noch einmal auf die Landtags- wähle« i« Bayer« zurück. Von bksvndrrrm Interesse ist in ihren Ausführungen das, was fie über die Unterstützung der Liberalen seitens der Konservativen uns Agrarier in Bcyrrn fagt: „Wie wäre es erst den Liberalen in Bayrrn er­gangen, hätten fich nicht unbedachterweise die Agrarier mit ihnen eingelassen. Irgend ein praktisch polttischeS Motiv gibt es dafür nicht. Man kann wohl sagen, daß ohne die agrarische Hilfe bte Liberalen höchstens 10 bis 15 Mandate erhielten, zumal dann, wen» die Agrarier ein Kompromiß mit dem Zentrum abgeschlossen hätten. Politische Berührungspunkte sanden fie hier mehr als beim Liberalismus, der doch mit der ganzen anrüchigen legislativen Last seiner historisches Vergangenheit be­haftet ist. Heute werden die Agrarier und Kon­servativen wohl einsehen, daß fie Übel gefahren find. AlS Dank ernten fie von der liberalen Presse, daß diese in der Wahlaufmachung die agrarischen Wahlmänner und Stimmen einfach den Liberalen zuzählt. Bon Einzelheiten muß zur Belegung für die einzuschlagende Taktik her- oorgeh^en werden, daß der altbayerische radikale Bauernbund, der fich am engsten mit dem Liberalismus li'.e t hat, am schwersten geschlagen wurde. Sr hat von sechs gleich drei Mandate verloren und steht in allen anderen Wahlkressen auf getäuschte Hoffnungen zurück. Etwas zuverläsfigeS läßt fich erst nach der Ab- geordnetenwah! sagen, da kleine Korrekturen nicht ausgeschlossen find. Wir meinen, daß die Agrarier keine Ursache haben, noch länger mit dem Liberalismus zu paktieren. Deshalb empfehlen wir ihnen, fich da, wo e» fein muß die Zen- trumSstimmen zu sichern. Die Zweidrtttelmajori«

„Wie mich das freut, lieber Professor, daß auch Sie an dem geselligen Vergnügen tätigen Anteil nehmen!" sagte er herzlich.

„Ja, ich weiß selbst nicht, wie es kommt," meinte dieser, indem er fast ängstlich um sich schaute. „Ich glaube beinahe, daß die Liebens­würdigkeit von Fräulein Günther es zu Wege gebracht hat; und wer weiß" — fügte er mtt einem furchtsamen Blick auf Laura hinzu, „was ich heute nicht noch alles leisten werde."

Das junge Mädchen versetzte lachend: „Und ich habe heute gelehrte Vorttäge angehört, für die ich bisher nie Interesse zu haben glaubte. Aber Sie, Herr Dottor," frug sie lebhaft, „haben Sie während dieser Zeit wieder einige Heilungen voll­bracht?"

„Das gerade nicht," lächelte Adalbert, „doch hoffe ich, daß die von mir angeordneten Mittel zur Heilung führen werden. Mein junger Freund erwartete freilich, sobald ich das Zimmer eines Kranken betrat, daß derselbe gesund sich erheben werde, verlor aber dennoch sein Vertrauen auf meine Heilkraft nicht, als er fich in seiner Voraus­setzung getäuscht sah."

Während Adalbert sprach, war feine Aufmerk­samkeit auf etwas ganz anderes gerichtet; er be­obachtete, wie Dottor Ehrhardt gegen feine Ge­wohnheit fast feierlich Lianen die Hand bot und dann mit einer tiefen Verbeugung fie verließ, um zu der übrigen Gesellschaft an den Tisch zurück- zukehren.

Jetzt war der Augenblick gekommen, in wel­chem er sich ihr nähern durfte, — die ersten Takte des folgenden Tanzes erklangen, als er eilig auf fie zutrat; Liane blickte ihm fteundlich entgegen; doch als er fein Gesuch um den nächsten Tanz vor­brachte, stand plötzlich, wie aus der Erde ge­wachsen, Ternau neben ihm, der zugleich mtt ihm frug: „Darf «6 um die Quadrille bitten?"

In ihrer Verwirrung nur an die zürnende

lär für die Reform dek Wahlrechts ist nun sicher, sodaß an diesem Punkt die Bindung der Zen- trumSstimmen nicht zu scheitern braucht. Wie fich diese Zweidrittelmehrheit künftig im Landtag bewähren wird, daS muß erst der Erfolg, muß die Praxis ausweisem " — Diesen Auslassungen gegenüber nimmt sich die Hvltung orr .Deut- scher? Tageszeitung', des Organs deS Bun- des der Landwirte, etwas eigemümlich au?. Las Blatt spricht nämlich fortgesetzt von „schworzroler Koalition" und eignet sich dawft den Jargon der liberalen Presse an. Die »Deutsche Tageszeitung' sollte sich von dec .K euzzta.' darin belehren lassen, wie verfehlt ihre Anschauungsweise in diesem Falle iß.

* Uns Deutsch - Südwestafrik«. Sin Tclegramm ans Windhuk meldet: Utteroffi- zier Jopf Bersert, geboren 28 Sept. 1877 tn Sonnenberg, früher Pionierbaratllcn Nr. 6. am 11. Jnii in der Ktankensammelstellr NarudaS an Typhus gestorbrn, Reiter Hermann Echaffert, geboten cm 20 März 1883 in Weikersheim, früher im königlich württemberzischerr Feld- Artillerie Regiment Nr. 49, am 10. Juli 191’5 im Lazarett Rolffontein an Sehirnentzündun, nach Malaria und Typhus gestorben.

Busland.

* I« der französischem Deputierten- kämm er wurde am Donnerstag die Amnestie- Vorlage beraten. Die Vorlage dürfte ent­sprechend dem KommiffionSaritrage tn der vom Senate genehmigten Form angenommen werden. Die von den Sozialisten Sembat und Pressens- beantragten Zusätze, nach welchen fich die Amnestie auch auf die nach dem Anarchisten­gesetz zu ahndenden Verbrechen und Vergehen, sowie auf das Attentat gegen den Köniz von Spanien erstrecken fojte, find von der Kommission einstimmig abgelehnt worden.

* 3*w jüngster» Attentat auf de» König von Der Anarchist, der

in der Rächt zum 1. Juni d. I?. in Paris den Anschlag auf den König von Spanien und den Präsidenten Loubet verübte, ist jetzt bekannt ge­worden. Er hatte fich Alessandro FarraS ,e- nannt und auch Ausweispapiere auf diesen Namm, während FarraS im Jahre 1904 in Barcelona starb. Festgefiellt ist, daß er Eduardo, Enrique, Jass AriuoS oder Arinon heißt und am 17. Januar 1882 in Gracia bei Barce­lona geboren wurde. Die Berliner Kriminal­polizei wurde auf den flüchtigen Verbrecher auf» merksam gemacht und um die eventuelle Fest» «ahme ersucht.

* Sei Heer der Arbeitslose» in Eng­land, insbesondere in London, soll stetig zu- nehmen. Reit Hardie, Mitglied der Arbeiter» Partei, drängte am Mittwoch im Unterhaus die Regierung, dafür zu sorgen, daß ein Gesetz eingebracht werde, daS sich mit den Arbeitslosen beschäftigt; aber der Premierminister lehnt? eS ab, über diesen Gegenstand eine Zusage zu geben. Hardie erklärte darauf, daß dieS Gesetz höchst

Mutter denkend, vergaß Liane, Adalbert ein Wort der Entschuldigung zu sagen, und dieser war tief betroffen, als sie, ohne eine Silbe an ihn zu richten, die Lippen fest aufeinander gepreßt, ihren Arm in den Ternaus legte und sich mit diesem entfernte. Wollte fie ihm durch diese Zurücksetzung zeigen, daß seine Annäherung ihr unangenehm sei? — Wie hätte sie ihm sonst einen Menschen vorziehen können, welcher ihr, wie sie ihm selbst gesagt, höchst unsympathisch war? — Unendlich schmerz­lich berührte ihn diese Kränkung von einem Wesen, dem er vertrauensvoll seine ganze Seele er­schlossen. Warum hatte sie auch mit keinem Wort, mit keiner Miene verraten, daß der Aus­druck seiner innersten Gedanken keinen Wieder­hall in ihrem Herzen fand? Sicherlich hätte er sie dann mit seinen Mitteilungen nicht belästtgt, und sie hätte nicht erst nötig gehabt, ihn auf so unzweideutige Art in fernere Schranken zurück­zuweisen. Ein brennendes Weh durchdrang ihn, als er sich sagte, daß er nun dazu verurteilt sei, das liebliche Geschöpf zu meiden, dessen edler Charakter ihm seiner Liebe würdig zu sein schien. In heftiger Erregung suchte er unbewußt eben dieselbe Nische auf, in welche Liane vor wenig Stunden sich geflüchtet, um ungestört an ihn, das Ideal ihrer Träume, zu denken. Unmöglich konnte er in seiner schmerzlichen Gemütsbewegung sich unter den lustigen, lärmenden Kreis der anderen mischen; er wollte erst Herr iiber seine Stimmung werden, um seinen gesellschaftlichen Pflichten ge­nügen zu können.

Eine Hand, welche sich mit sanftem Druck auf seine Schulter legte, weckte ihr, aus dem schwer­mutsvollen Sinnen, zugleich blickten Maxen's blaue Augen mit liebevoller Innigkeit in die seinen.

„Ist das auch recht von Dir, lieber Adalbert," schalt er, „daß Du uns Deine Gegenwart so unverantwortlich lange entziehst? Mein Onkel

wichtig fei. Wenn es in dieser Session nicht eingebracht würde, würde eS Revolten und Ruhestörungen geben, und er hoffe, daß eS dazu lamme« möge. Diese Bemerkung rief bet den Ministeriellen Prottstrafe hervor, worauf Hardie auSrtrf: „Gutgefütterte Tiere könnm schreien, aber was ick sage ist wahr." — Die Sozialdemokraten bleiben sich doch in allrn Ländern zleich.

* Zum russischer» Mariuemimister ist, wie die »Petersd. Teleqr. - Agentur' offiziös be­fugt, Vize-Admiral virilew ernannt worden. Der bisherige Vize-Admiral Avellan ist unter Belassung in der Stellung als General- Adjutant des Kaisers verabschiedet worden. — Kaiser Nikolaus scheint sich von der neuen Kraft sehr viel für die Zukunft zu versprechen. Ader es ist doch sehr fraglich, ob auch em Bttilew der jämmerlichen rusfisch-n Froste wieder zu Ruhm und Ansehen verhelfen tatin.

* 3*m russische» Friedensbevollmäch- tigten ist nunmehr Fuanzmimster Witte er­nannt worden. Sinern Berliner Blatte wird auS Petersburg gemeldet: Da man an leitender Stelle den Eindruck gewann, daß der Botschafter Murawjew nicht bte Persönlichkeit fei, die so verantwortungsvolle Mission in Washington zu erfüllen, und daß überhaupt Graf LamsdorffS politische Leitung wenig AuSstcht habe, Rußland auS der schwierigen Sttuatton hinauSsteueru zu können, hat der Zar persönlich den Wunsch auSgedrückk, Minister Witte solle die Mission zu dem FriedenSwer! übernehmen, Noch kürzlich äußerte Wüte zu einer Bertrauenspttson feixe Befriedigung, daß nicht er, sondern Mu- rawjkw da? undankbare Amt übernehme; wenn aber der Zar ihm befehlt, zu reifen, werde er selbstnrstS-d'ich nicht einen Moment zögern. Der Moment ist eingetreUn. Seine Abreise nach Washington soll dieser Tage erfolgen. — Die »PrerKvurger Telegraphen-Agentur' meldet: Bot­schafter Msramjem ist i-folge abermaliger Er­krankung nicht in der Lage, fich nach Washington zu begeben. Dir Ernennung deS Ministerpräfi» deuten Wüte zum Bevollmächtigten für die Frie» denSoerhandlungen ist möglich. — Diese letzte Wendung läßt kaum noch einen Zweifel an der Richtigkeit der Meldung des Berliner Blattes zu. Witte war von anfang an Gegner der Kriegs mit Japan und wird natürlich auch alles auf- bieten, um Rußland einen ehrenvollen Frieden zu fichern.

• Der Zar lehnt die Amnestie für politisch Verbannte ab. Aus Peterhof er- fährt der »Rufs. Kurier', daß die in der letzten Zeil fich mehrenden politischen Attentate bei dem Zaren den höchsten Unwillen Hervorrufen, bet fich durch die entsprechend gefärbten Berichte deS Polizeiministers Trepow nur noch steigert. GS ist daher kein Wunder, wenn daS Gesuch des Irkutsker SeneralgouveruearS, der beim Zaren um eine Amnestie für polirisch Verbannte in Si­birien einkam» mit folgend-r bezeichnenden Rand­bemerkung deS Zaren versehen wurde: s»

taehto« (.Auf keinen Fall").

frug schon zum brittcnmale ungeduldig, ob Dok­tor Waldburg noch immer nicht von seinen ärzt­lichen Besuchen zurückgekehrt fei. Ich hatte Dich nun allerdings vor kurzem wie die Ceder unter Strauchgewächs auftauchen, dann aber auch wieder spurlos verschwinden sehen, und begab mich unverzüglich auf eine Entdeckungsreise. Endlich, nach langem Forschen und Suchen, finde ich Dich hier, Deinem Aeußern nach in tiefe Melan­cholie versenkt, während Dein Geist vielleicht tn der Klinik irgend einem Unglücklichen Arm und Bein amputiert. „Ich glaube gar," fuhr er lachend fort, „Du hast mit Habesch die Rolle ge­tauscht! — Wer dem heute morgen gewersfagt, daß er mit dem unartigen Quälgeist, wie er Fräulein Laura zu nennen beliebte, heute abend die Quadrille tanzen würde! — Sieh da, wie er sich plagt! — Ein Tanzmeister hätte sretlrch vieles an ihm auszufetzen — doch ein Sütelm leistet mehr, als er kann!" ,

Adalbert verfolgte mit den Augen dte Rich­tung, nach welcher fein Freund deutete, gewahrte aber statt des Professors den Forfttandtdaten, dessen Augen mit widerwärtiger Zärtlichkeit auf feiner schönen Nachbarin hafteten; diese schien jedoch seine lebhaften Worte, sowie seine ver- zehrenden Blicke mit großer Kälte, ja mit Ab­neigung aufzunehmen, und der junge Dottor hatte eine Ahnung, als ob es eine äußerst an­genehme Sache sein müsse, den zärtlichen Jäger zur Türe hinauszuwerfen! — Daß es Liane im höchsten Grade zuwider war, mit Ternau zu tanzen, konnte er leicht wahrnehmen, und dennoch hatte sie fich diese Qual auferlegt, nur um nrcht mit ihm verkehren zu müssen! — Es bedurfte der ganzen Kraft seiner Selbstbeherrschung, um äußerlich nicht zu »erraten, was seine Seele be­wegte. Freilich ahnte er nicht, was unterdessen in dem Herzen Lianens vorging. Das arme Mädchen war auf s tieffte beschämt über die Un-