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"Druck und Verla- I« ZuldaerSetiendruSerei in Zulda (Harmonie)
Lernjprecher Nr. 9,
32. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch, dm 12. Juli 1905.
»* Die Landtagswaylen in Bayern.
Am Montag haben in Bayern die Ur* wähle« für die Erneuern» g de- LandtaqS statt* gefunden. Nach einer Woche, am 17. Juli, werden ihnen die eigentlichen Abgeordneten« wählen folgen. Das entscheidende Moment liegt indessen schon in den vorgestrigen Wahlen. Und zwar läßt sich nach den jetzt vorliegenden Nach, richten sagen: Die bayerischen Landtagswahlen "bedeuten einen ebenso großen Erfolg des Zentrums, wie sie eine Niederlage des Liberalismus darstellen. Bas Zentrum hat 16 Mandate gewonnen und nur 1 Mandat verloren. Er ist das ein Erfolg, der um so bedeutender ist, als ihn das Zentrum in der Hauptsache ausschließlich der eigenen Kraft verdankt; denn nach den Meldungen auS Bayern hat es 13 Mandate ohne jede Unterstützung von anderer Seite gewonnen.
Schon damit ist das Gerede von dem „schwarz«roten Wrhlkartell", mit dem der Liberalismus schon vor den Wahlen das Zentrum zu verdächtigen suchte, und mit dem jetzt die liberale Preffe sich über die schwere Nieoec* loge des Liberalismus hinwegzuhelfen sucht, ge. nagend charakterisiert. Nach den Auseinander, setzungen, die im Reichstage öffentlich über dar „Bündnis zwischen Zentrum und Sozialdemokratie- erfolgt sind, und bei welchen sowohl von Seiten drs Zentrums, wie von Seiten der Sozialdemokratie die bündigen Richtigstellungen er. folgt find, kann man das Aufwärmen'dieser Mär nur als rin durchsichtiges B erlegen - heitSmanöoer auffoffrn. Gewiß haben Zentrum und Sozialdemokraten in einzelnen Wahlkreisen im Hinblick aus die Hauptsache, um die es sich bei den Wahlen handelte — die Sicherung der Wahlrechts-Reform — einander unter stützt, aber die bloße Tatsache, daß das Zentrum 13 Mandate „aus Eigenem" gewonnen, während die Sozialdemokraten nur einen Gewinn von insgesamt zwei Mandaten zu ver- zeichnen haben, zeigt, welche geringe praktische Tragweite dieses gelegentliche Zusammengehen bei dm Wahlen gehabt hat. Die Betonung dieses „WahlkartellS" ist eine innerliche Un- Wahrheit, die um so schärfer hervortritt, wenn man das Mischmasch. Kartell" inS Auge faßt,' das dem Zentrum gegenüberstand und daS Nationalliberale. Freisinnige, Demokraten, Konservative und Bauernbündler umfaßte Es würde wohl keinem Menschen gelingen, «inen Grundzug für ein solches Kartell zu finden, der irgendwie nach politischen Prinzipien schmeckte. Nur Eins hielt diese verschiedenartigen Elemente zusammen: die Furcht vor dem Zentrum und vor der Möglichkeit einer Zweibrrttel-Mehr- heit desselben in der Kammer. Demgegenüber war Zweck und Ziel des Zusammengehens von
Au adeliger Sproß.
Original-Novelle von Antonie Haupt.
’S] (Nachdruck verboten.)
Frau Ehrhardt, eine gemütlich aussehende Dame in den besten Jahren, und ihre beiden Töchter — nette, frische Mädchen, — begrüßten die Eintretenden: dann wurden die fremden Herren dem heiteren Kreise vorgestellt.
Landrat Günther, ein Mann von hünenhafter Gestalt, zu dessen schneeweißem Haar und langem eisgrauem Bart die blühende Gesichtsfarbe und die blitzenden schwarzen Augen einen angenehmen Kontrast bildeten, näherte sich mit jugendlicher Lebhaftigkeit den beiden Fremden, indem er in wahrhaft aufrichtiger Weise seine Freude an den Tag legte, die jungen Gelehrten persönlich kennen zu lernen. Für den Professor der Altertumskunde fchien er sich besonders zu interessieren, und bald hatte er diesen in ein wissenschaftliches Gespräch verflochten, wobei Habesch sich ganz in seinem Elemente fühlte.
„Erinnerst Du Dich eines alten Bekannten aus den Gymnasialjahren?" schlug es jetzt mit scharfer Stimme an Adalbert's Ohr. Ueberrascht betrachtete dieser den schlanken, mittelgroßen jungen Mann in grüner Jägerkleidung, der mit eigentümlichem Lächeln um die schmalen, von spärlichem, rotem Barte umrahmten Lippen vor ihm stand. Das rötlich-blonde Haar und die stechenden grauen Augen waren ihm allerdings sehr be- rannt, und gerade nicht mit freudigem Ausdrucke erwiderte er: „Wie sollte ich Alfred Ternau ver- geffen haben!"
„Zu verwundern wäre es freilich", lächelte der Jager; „ich habe Dir zu oft das Erringen des »rerses erschwert, als daß Du mir nicht ein gutes
Zentrum und Sozialdemokrali« ein wahrhaft liberaler, nämlich 6 ie Erringung einer Wahlreform auf der Grundlage des allgemeinen gleichen Wahlrechtes, die bisher vom Pseudoliberalismus verhindert worden ist.
Dieser Ziel ist nach dem Ausfall der Urwahle« erreicht. Mit 106 Mandaten des Zmttums und der Sozialdemokratie ist die Zweidrittelmehrheit in der künstizen Kammer für eine umfassende'Wahl« form in dem oben angedrutettn Sinne gesichert. Dis ist das Hauptergebnis der Nmwchlen. Es ist er, langt wordentrotz einerWahlkrei Sgro m etrie, die den Liberalen, wie der Ausgang o-r- schiedener Wahlen klar zeigt, günstig war und trotz der Schwierigkeiten, die das Wahlsystem bot.
Daß daS Zentrum für sich noch einen besonderen Erfolg verzeichnet, tst ein Ergebnis, welches unsere Genugtuung selbstorrfländlich noch erhöht. Nach dem Siege des Zentrums ist er mit der Bevorzugung des Liberalismus ie Bsy'r«, die bisher auf Kosten der großen Mehrheit des bayerischen Volkes zu Suesteu einer kleine« Minderheit getätigt wurde, ein für allemal zu Ende. Die Konsequenzen des Wahlergebnisses liegen auf der Hand. Das Zentrum wird die nötigen Mittel und Wege finden, um bitte Konsequenzen in Tatsachen zu verwandeln. Nickt mit Unrecht bezeichnet darum die katholische Preffe Bayerns den vorgestrigen Tag als eine« Wendepunkt in der inneren Politik Bayerns.
Die Bedeutung des Wahlausfalles wird aber nicht auf Bayern beschränkt bleiben. Sie wird und muß sich im Reiche geltend machen; denn dem Einflüsse Bayerns in der Reichspolittk werden neue Wege gewiesen werden. Ncch in einem anderen Sinne geht die Bedeutung deS vorgestrigen Tages über Bayern hinaus. Am Tage der Wahl schrieb daS jüdisch-liberale.Berliner Tageblatt': „Wir vertrauen dem gesunden Sinne des bayerischen Volkes, daS im Wahlkampfe sich seiner hohen Aufgabe als SÜdwacht des deutschen Volkes bewußt sein wird. Die Zeit bei politischen Jndifferen ismuS ist vorüber, die Zeit verlangt einen Kampf, der — von Süden ausgehend, hoffentlich bald das ganze Volk erfaßt. Das Wort Kulturkampf hat einen schlechten Klang, und doch — eS ist ein Kampf für deutsche Kultur, für deutsches Geistesleben und deutsche Frei- heit, gegen römische Söldlinge. Am 10. Juli werden in Bayern die Vorpostengefechte geschlagen wernen." Nun, nach dem Ausfall dieser „Borpostengefechte- dürste eS den Liberalismus kaum noch nach der Haupt- schlacht gelüsten. DaS bayerische Volk hat am 10. Juli die richtige Antwort aus diese „Kulturkämpferei" gegeben, eine Antwort, die hoffentlich durch das ganze Reich schallen wird.
Andenken hättest bewahren sollen. Doch, als Sieger gingst Du ja stets aus dem Kampfe hervor, und jetzt laß uns Freunde werden, Waldburg! Unsere Bahnen gehen jetzt weit auseinander, und nie mehr werden wir dasselbe Ziel erstreben. Hier meine Rechte zur Versöhnung!"
Zögernd legte Adalbert seine Hand in die des Forstkandidaten: dann versetzte er: „Ich habe Dir niemals feindliche Gesinnungen entgegengebracht, während Du sehr häufig Deine antipathischen Gefühle mir gegenüber in Wort und Tat zum Ausdruck brachtest."
„Knabenstreiche, lieber Waldburg I Einen um so wärmeren Freund sollst Du jetzt an mir haben!" entgegnete Ternau mit katzenarttger Freundlichkeit.
„Zu Tische engagieren, meine Herrschaften!" erscholl nun das kräftige Kommando Ehrhardt's.
Mit flüchttgem Kopfnicken trennte Adalbert sich von seinem früheren Mitschüler und eilte auf Liane zu, um die sich eine Schar junger Leute gesammelt hatte. Kühn durchbrach er den Kreis ihrer Verehrer und kam noch rechtzeitig, um die Gunst zu erringen, sie zu führen. Ternau sah ihm mit eigentümlichem Ausdruck seiner stechenden Augen nach, indem er brummte: „Dieser Ritter ohne Furcht und Tadel weiß hier, wie überall, das beste für sich zu erobern."
„Sie werden doch nicht allein zu Tisch gehen wollen, lieber Ternau!" rief Doktor Ehrhardt, der mit Laura an ihm vorüberschritt, und langsam, nachdenklich wandte er sich um, eine ländliche Schöne, die noch keinen Ritter gefunden, als Tischnachbarin zu erwerben.
„Aber, verehrter Herr Professor! da haben wir über unseren Altertümern ganz vergessen, uns eine Dame zu erwählen", dröhnte jetzt die tiefe Baßstimme des Landrats.
„Das ist mir sehr lieb!" lachte Habesch. Das heißt, wenn" — damit drehte er sich schleunigst
Dguffdies Reich.
Berlin, den II Juli 1905.
§ Nach dem Vorgang be8 Grafen o. HoenS- broech tn der .Täglichen Rundschau' richtet der .Reichsbote' heule abend einen scharfen Angriff gearn den Abgeordneten Dr, Bache», wegen seiner Ausführungen über de antikatholische Drudentenbewegung auf dem Parteitag der rheinischen Zentrumspartei. Dort hatte der Abg. Dr. Bochern bekanntlich unter HinwerS auf die Sugambria Affäre u.a. bemerkt: Staaten, welche nicht mehr die Kraft in sich trüge», einem solchen frivolen Ansturm zu widerstehen, hätten eigentlich fine Existenzberechtigung mehr. Daraus folgert der.Reichs bote', bet Abg. Dr Bachem habe eine« Angriff gegen den Grundbestand bei deutschen Reiches gerichtet, wie er stärke kaum je von einem Sozialdemokraten ausgegangen sei, und ruft nach der „zum Schutze der Reichsver- faffung berufenen Regierung" und osstzösen Preffe, um ben födrraiiren Charakter bei Reichs und die Unantastbarkeit der Bundesstaaten hochzuhalten. Vom Grafen Paul v. HoenSbroech wie vom .Reichsboten' kann man bei derartigen Angelegenheittn ohne weiteres voraulsttzen, daß sie verdrehen und fälsch'». Dai ist auch hier wieder der Fall, denn der Abg. Dr. Bachem hat, wie ei aus dem Zusammenhang seiner Rede hervor- geht, nur von der inneren Existenzberechtigung der in Frage stehenden Kleinstaaten gesprochen und fick ausdrücklich gegen eine Beeinträchtigung des verfaffungSmäßigen föderativen Grmttchorak ter8 des Reiches verwahrt. Wenn er auSführte, der gesunde Föderalismus müffe darauf verzichten, mit feiner Flagge auch solche Kleinstaaten zu decken, welche den einfachsten Grundsätzen von Parität und Toleranz unzugänglich seien, »ab ihnen sogar direkt ins Gesicht schlügen, so ist daS selbstverständlich nur in dem Sinne gemeint, wie das Zentrum bei der letzten Toleranzdebatte wiederholt ein Einschreiten von ReichSwegen gegen die „Katholiken quälerei" in ben einzelnen Kleinstaaten verlangt bat. Daß.daS Zentrum jemals den föderative« Charakter bei Reiches verleugnen würbe, glaubt der Graf Hoenibroech selbst so wenig wie der.Reichsbote'.
** Sriegsmiuister v. Girre» soll sich nach der ,Staatsbürgerzeitung'mit Rücktritts- gehonten tragen. Der Grund hierfür sei nicht in politischen Dingen, sondern in einem Magenleiben zu suchen, das den Minister seit längerer Zeit plagt und ihn veranlaßt hat, die Heilquelle» Kisfingrns aufzusuchen. — Die .Freie deutsche Preffe' bemerkt dazu: Tatsache sei, daß der Kriegsminister v. Einem seit längerer Zeit schwer leide. Bereits in der vergangenen Reichstagssesston habe sich die Kran?heit in dem äußeren Auftreten des Kriegsministers bemerkbar gemacht. •
* Eine nette OrdenSniederleffnng. Dem Orden der Benediktiner tst von ben preußischen Ministern des Kultus und des Intern die Erlaubnis zu einer neuen Niederlassung in
um, aber mit enttäuschter Miene setzte er hinzu: „Ah, es ist zu spät!"
„So gestatten Sie mir, an Ihrer Seite Platz zu nehmen", sagte Günther mit einer leichten Verbeugung.
Lachend nahm der Professor seinen dargebotenen Arm, und Direktor Clemens, welcher bisher voll Interesse an ihrer Unterhaltung teilgenommen hatte, begleitete sie.
Nachdem man sich niedergelaffen, herrschte Anfangs eine gewisse Feierlichkeit unter der Tisch- gesälschaft, die sich aber mehr und mehr verlor. Der greise Direktor, Landrat Günther und der Altertumsforscher bildeten den Mittelpunkt der Tafel, ihnen vis-ä-vis saß der alte Ehrhardt mit Frau Lessenich und die Wirtin des Hauses, die sich von einem alten Hagestolzen, der in dem Orte selbst nur für sich und seine Liebhabereien lebte, zu Tische hatte führen lasten.
Mit großer Aufmerksamkeit folgte letzterer dem wissenschaftlich«: Gespräch der gegenüber- sitzenden Herren. Zuweilen warf er zum Er- staunen des Professors einige Worte ein, die von nicht geringen Kenntnissen zeugten; und später erzählte er sogar von bedeutenden Ausgrabungen, die unter seiner Leitung in den benachbarten Bergen gemacht worden waren, während er selbst dabei eine umfangreiche Sammlung von Altertümern sich erworben hatte.
Am unteren Ende der Tafel ging's laut und lustig zu, das junge Volk scherzte und lachte in allen Tonarten, und Vater Ehrhardt, dem die gelehrte Unterhaltung auf die Dauer ein wenig zu ernst wurde, warf manchen lächelnden Blick hinüber.
An der entgegengesetzten Seite des Tisches aber schienen die einzelnen Paare nur leise mit einander zu sprechen. Zum erstenmale war Adalbert die Gelegenheit geboten, sich länger und eingehender mit Liane zu unterhalten. Ihre natürliche, unbefangene Anschauungsweise und ihre
Cornelimünster bei Aachen erteilt worben Damit wirb dem Orden eine der älteften Kulturstätten, an der er schon im frühen Mittelalter Znter dem hl. Benedikt von Aniane wirkte, zurück- gegeben.
** Die ,Kre»zzeitnng' gibt den Aufruf wieder, ben bis „vereinigten Liberalen und Demokraten Münchens" «u die akade»ifche zur UttrrstÜhxng des
Liberalismus im Landtagswahlksmpfe erlösten haben. Das konservative Blatt bemerkt dazu: „Nicht mit Unrecht macht die Zentrnmspreffe auf den Widerspruch aufmeaksi-.m, der darin liegt, daß die Liberalen dir politische Unterstützung der Studenten in Anspruch nehmen, ben katbolischm Korporationen aber aus ihrer angeblichen polnischen Betätigung eine« Vorwmf mache«. Wir haben selbstverständlich gar nichts dagegen einzuwenden, daß liberale und demokratische Studenten sich ihrem WahlbÜreau nützlich machen. Parteien absr, die sich zu diesem Zwecke der Studenten bedknsn, sollten auch ben »ichiliberalen Studenten politische Mrinuntzsfrei- heit einräumen. Oder otrirfigt sich tag wirklich nicht mit den liberalen Grundsätzen und der akademischen „Freiheit?"
* Im Gegensatz zu anderweitigen Meldungen, denen zufolge in bet Hiberrrik Angelegenheit eine Emtgung nahe beoorstehe, hörr eine hiesige Korrespondenz, daß keine Aussicht vorhanden sei, eine Verständigung noch vor Antritt des SommrrurlaubS des ^reutzifchen Han- delsministers herbeizuführen. Bisher hätten nur unverbindliche Pourparlers zwischen dem Minister und Unterhändlern- die den Jntereffen der Herne Ges. m. b. H. nahestrhen, Ra tgefunben.
♦ Petersburger Blätter wollen misten, daß die russische Regierung in Berlin neuerdings einen Vorschuß von 10O Millionen Anbei zu denselben Bedingungen ausgenommen habe, wie die 200 Millionen Rubel im April d. I. Demgegenüber stellt die .Nationalzeitung' fest, daß diese Nachricht jeder tatsächlichen Grundlage entbehre und von einem solche Borschußgeschäst keine Rede gewesen sei.
Zn den bayerischen Landtags- Wahlen liegen vorerst nur wenige Preßftimmen vor. Die »Germania' bemerkt, das Zentrum habe bei den Urwahlen gut abgescknitte» und demnach alle Ursache, durchaus zufrieden zu sein. Der Erfolg des Zentrums müsse ein Wendepunkt in Bayerns Politik bedeuten, „denn das Zentrum kann, nachdem die gestrigen Urwählern überzeugender als je bargetan haben, daß es die Überwältigende Mehrhett des bayerische» Volke- hinter sich hat, unmöglich dulden, datz eine mehr oder minder liberale Regierung noch länger eine ben Wünschen und Forderungen dieser Überwiegenden Mehrheit entgegengesetzte Politik treibt, eine Politik, die weit mehr Rücksicht auf die kleine liberale Minderheit nahm, als auf die starke Zentrumsmehrheit . . ES darf daher «wartet werden, daß vor allem die Minister, die vor den eben stattgehaölen Wahlen taten, was in ihren Kräften stand, um den Liberalis-
geistige Frische erfüllten ihn mit Entzücken und Bewunderung. Noch nie hatte er sich so glücklich gefühlt als in diesen Stunden, in welchen er zum erstenmale mit einem Wesen sprach, das ein so tiefes Verständnis und inniges Mitempfinden für seine Gedanken und Lebensansichten bekundete. Er erzählte ihr von seiner ersten Jugendzeit, von dem einsamen, träumerischen Leben im Walde, von seinen früh verstorbenen Eltern, sowie auch von seinen Plänen und Hoffnungen für die Zukunft.
Während er sein ganzes inneres Leben offen vor ihr ausbreitete, ruhte Lianen's seelenvolles Auge mit ungewöhnlichem Glanze auf seinen bewegten Zügen; chre Wangen hatten sich höher gefärbt, und mit erregter Teilnahme lauschte sie seinen Worten. Wie anziehend erschien ihr der hohe herrliche Mann, wenn er mit so weichem Klange von seinen Jugenderinnerungen sprach, wenn er den ganzen Reichtum seines Gemütes vor ihr entfaltete, und wie stolz und befestigt fühlte sie sich, daß er sie solchen Vertrauens wert hielt! , , >
Während die beiden auf diese Weise die ganze Welt um sich her vergessen zu haben schienen, lachten und plauderten an ihrer Seite Max und Laura wie zwei harmlose Kinder; ein Witzwort gab das andere, und sogar Ternau, der sich um seine schüchterne pausbackige Dame gar nicht kümmerte, desto beharrlicher aber den Blick seiner durchbohrenden grauen Augen auf Liane und Adalbert gerichtet hielt, mußte manchmal Laura's drollige Einfälle belächeln.
Unterdessen war der.Nachmittag vorangeschrit- ten — in der jungen Welt machte sich eine gewisse Unruhe bemerkbar, bis das zaghaft in irgend einer Ecke gehauchte Wörtlein „Tanzmusik" wie ein zündender Funke in eine Pulvermühle fiel. Alles erhob sich, wirbelte bunt durcheinander und machte Vorbereitungen, den Weg zum nächsten Tanzlokale anzutteten. _