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SchrifUetterrIosviMM

3. fiXk wochenbeUage: „Illustrierte Sonntagrzettung"

Zeitung

aionawiage: „Klldaer Geschlchtrblätter".

Äisefeeet 9it «1» fpultig« petttzeü« *ts deren Hem* 16 Pf- «ellamen die petitjEs 25 psg.; bei wieder- Holungen wird entiM- Rabatt gewahrt.

Druck und Verlag des zuldaerAetiendnukerei in Kulte» (Harmonie)

Zernfprecher Ur. 9

32. Jrchrgan

Anstand.

* Die letzte Enzyklika M hl. »«ter», durch welche die Katholiken antzefrue-t Le.dev, sich an allen Kundgebungen des öffentlichen Lebens im Jntertfs? de? Staates und der Gr» sellschaft g» betetltgb, hat rach dem Zuarftänd. nis drr meisten liberalen und konservativen Blätter auf dir Wahlen für die Verwaltungen einen nicht Krrtngen Einfluß autgeübt. Nach dem Beispiele RomS hat sich in den meisten Zentren die liberale gemäßigte Partei mit den Katholiken verbunden. Ao dieser Zusammen- schluß fehlte, Haden in der Regel, dir Gszttlisten gefehlt.

* Das nngsrische Ministerium Feser- v«y ißt nicht verfafsungswidrig. tiuflti* Minister Lavyi hielt am Sonntag vor seinen Wählern in Ltptau eine Rede, in der er auS- führte, die vnterschridung zwi ch«n einer parla­mentarischen und unparlameNtari'cken Reeirrnng sei nicht im Gesetz begründet. Wenn auch für eine erfolgreiche Führung der Geschäfte rrfo drr- ltch fei. daß die Regierung über eme Mehrheit im Lbzeords.eteutzause verfüge, so fei drch während einer Rebrrgansszeit eine Ausnahme zu« läjfig, wenn aus der ParlamentSmrhrh«it eme Regierung nicht gebildet werden könne. Die Ab­stimmung der AveeortznetrnhauseS hebt nicht die Gesetzlichkeit d«r königlichen Eknennung des Mi-

Christentum selbst in Mißkredit zu dringe», klar zmoge liegt.

* SM Deutsch-Güdweftafrik« Sin Telegramm aus Windduk meldet: Im Ge­fechte bei Keidorus am 28. Juni gefallen: Reiter Paul Schmidt, geb. am 1. Mai 1883 zu Prellwitz, früher Kürassier-Regiment Rr 5 (Kopf­schuß). Verwundet: Reiter Paul Henke, geb. am 4. Februar 1886 zu Aschersleben, früher Dragoner»Regiment Nr. 16, schwer (Knochenschuß im Itr kerr Obrrschenkel, Streifschuß am Rücken, Oberschenkel uud Schläfe, Flrischschuß im rechten Oberschenkel); Gefreiter Jakob Vaeth, geb. am 2 August 1878 zu Würzburg, früyer Bi- ztrkS Kommando Sfchaffenburg. leicht (Streifschuß an der linken großen Zehe); Reiter Adolf Nicklas, geb. am 14. Juli 1883 zu Schönaich, früher Jnfantsrie-Rsaiment Nr. 37, leicht (Schuß in rechtes Gesäß); Retter Ewald «vepfert, geb. am 19. Februar 1883 zu greibtrg. früher Infanterie-Regiment Nr. 44, leicht (Fteischfchuß im linken Ob-r- und rechten Unterfcherkei). — Ferner Unteroffizier Richard Franke, geb. am 10. Januar 1880 zu Liegwtz, früher Dragoner- Regiment Nr. 4, am 5. Juli im Lazarett Kalk- for-tein am Typhus und Lungenentzündung ge­storben; Reiter Hermann Knitter, gel. am 4. Februar 1881 zu Sironnau, früher Bezirks- Kommando Schöneberg, am 1. Juli im Lazarett Kalksontein an Malaria, Nierenentzündung und Skorbut gestorben.

Fulda, Dienstag, bat 11. Juli 1905.

Deutfdies Reidft

Berlin, dm 10, Jnli 1995.

** Das Marokko «bkommeu zwischen Deutschland und Frankreich. Dir 8. Juli 1905 wird m der Geschichte der polnischen Be­ziehungen zwischen Deutschland und Frankretch einen hervorragenden Platz beanspruchen dürfen. Bon diesem Tage find die drei kurzen schreiben datiert, die heute in der .Nordd. Allgem. Zig/ veröffentlicht worden find, während sie gleich­zeitig durch den französischen Ministerpräsidenten Rouoier mündlich zur Kenntnis der französischen DeplUiertinkamner gebracht wurden. Sie ent­halten das zwischen Deutschland und Frankreich eene Abkommen bezüglich der Marokko-

Mz und präsentieren sich als eine Kr- klärung des französischen Minister- Präsidenten über die ihm vom deutschen Botschafter dargelegtrnAnschaunnFrnder deutschen Regierung betreffs des KmchrenzvorschlLges. Weiter rnthaltrn fie die bündige Zusicherung, daß Frankreich daraufhin fette ursprünglichen Einwendungen gegen die Konferenz sollen tafle, sonne eins Bestätigung der deuifcherstirs kundgegebenrn Anschauungen durch den Bot­schafter Fürsten v. Radoliv. Sine auf diesen beiden Scheiben fußende gemeinsame Er. klärung des deutsche« Botschafters und bei französischen Ministerpräsidenten über die Zurück ziehung der zur Zeit in Fez bestechlichen deutschen und französischen Gesandtschaften, sowie ein ge- mrinsamsS Vorgehen beider Regierungen behufs Erteilung oou Vorschlägen an den Sultan von Marokko hinsichtlich der geplanten Konferenz bilden den Inhalt drs 3. Aktenstückes. Damil ist die brennendste Frage der letzten Wochen ein guter Stück weiter gefördert. Noch ist die „Marokko-Frage" ja nicht elrdigi. Der Kon­ferenz wird noch eine recht hülle Aufgabe zu» faßen. Aber das jetzige Übereinkommen »zwischen Deutschland und F ankreich bildet eine starke Gewähr für den guten AuSgang aller noch ausstehenden Berhan^lunae«. Lbelcher Ge. »hm für die beiden zunächst beteiligter. Staaten Mta der jetzigen Vereinbarung erwachsen wird, muß dir Zukunft lehren. Alle aufrichtigen Freunde der Aufrechterhaltung des Weltfriedens können «8 aber mir mit Freude uns hohrr Senugtaung begrüßen, daß eS gelungen ist, zwischen Deutschland und Frankreich eine Politik anzudahne?, die auf dem gegenseitigen Vertrauen auf eine ehrliche Friedens- liebe jeder der beiden Regierungen und Staaten basiert. Bas ist ein Gewinn, der nicht hoch genug angeschlagen werden tarn», und vielleicht der Keim für eine weitere Ver­ständigung, die reiche und kostbare Früchte tragen kann.

** Wie das .Berliner Tageblatt' e> fährt, ist die Reich-tasSersatzwuhl im Wahlkreise Lkattowitz Zabrze auf den 12. Oktober fest- «KSSBSSMMS

Lm adeliger Sproß.

Original-Novelle von Antonie Haupt.

7] (Nachdruck verboten.)

Mit Freuden ward ihr Vorschlag angenommen, und nach wenig Minuten rappäte das Fuhrwerk in den Borhof des Gebäudes hinein.

Mutter Kranz erschien, dick und gemütlich aussehend, an der Türe des altertümlichen Hauses und freute sich augenscheinlich sehr, die ihr wohl­bekannten Damen bei sich aufnehmen zu können. Sie versprach baldigst für ein heißes Bügeleisen zu sorgen, das den Schaden, den das Unwetter auf ihren hellen Gewändern angerichtet, wieder gut machen sollte. Nachdem sie die Gäste in's Zimmer hinein bewillkommt, entfernte sie sich, um die nötigen Vorkehrungen zu treffen.

Der Altertumsforscher, der noch immer in seiner gelblichen Hülle einherstolziert war, breitete dieselbe jetzt vorsichtig auf zwei Stühlen aus und sah sich dann nach seiner Retterin um, die emsig en der verknitterten Auszierung ihres Kleides zupfend am Fenster stand. Mit der Absicht, ihr einige Dankesworte zu sagen, steuerte er hastig auf sie los; als er aber ihre braunen Augen so lachend und erwartungsvoll auf sich gerichtet sah, begnügte er sich damit, sie freundlich anzusehen und zufrieden dabei mit dem Kopfe zu nicken, wobei Laura die Wahrnehmung machte, daß er merkwürdig hübsche, blaue Augen habe. —

„Nicht wahr, Herr Professor, mit der Decke, bas war ein guter Gedanke von mir?" ergriff fie jetzt selbst das Wort.

„Ein besserer als ich von einer jungen Dame M meinem Heil erwarten konnte," sagte dieser beistimmend.

Laura lachte über seine Aufrichtigkeit, dann srug sie teilnehmend: „Sind Sie auch nicht naß geworden?"

gesetzt wordes. — Die .Germania' bemerkt >u der Wahl folgendes: Hmc Korfanly, bet im Jahre 1902 ba£ ihm vom Reichstage wieder adgesprocheve Mandat süx Kaltowitz- Zabrze mit Hilfe der Sozialdemokratie in der Stichwahl errungen hatte, hat ef jetzt mit seinen rhrmattgm KrmtzrSxeuofsen oollKLuvig verdorben. Er bekämpft in seinem Blatt. .Polak' die Sozial« dmwkcMW sehr scharf, fum Test persönlich, in­dem rr die Führer angreifr. Ganz «rtschirdeu hat er sich auch g?zm die VnhchMg der ruffischen Pole« durch die SoMifien auZgr- sprochrn, die er „zum Teil Berrück.-e, zum anderen Teil Verbrecher" nennt: Der .Vor­wärts' entrüstet sich gewaltig über „da§ blöde Gefasel dieses ArbstterosritetkrL" und „mabemn Wleuhelden" mrd erklärt schließlich: „Sollte rs im Wahlkreis« Ksttswitz-ZeKrze wirder zu einer Stichwahl zwischen Pslrn und Zentrum kommen, dann dürfte es den ausschlaggebenden Sozial« demokraten recht schwer werden, zu entscheiden, ob er Pfarrer Kapitza ober der „radikale" Kor- fanly der rückständigere und gehäffigerr Feind der Arbeiterbewegung ist." — Bet der Haupt- wähl im Jahre 1903 erhielt Letocha (Zentr.) 19 992, Korsanty 11670, Morawsky (Ssz.) 10044, Schneider (fr. VsWp.) 3033 Glimmrn. Bei der Stichwahl siegte dann Korfaniy mit 23 550 Stimmen über Letocha, bet 22 875 Stimmen erhielt.

V Zur RftnMflung des deutsch- spanische» HandelssbkomMenS bemerkt die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' osfiz'öZ: An­läßlich des deutschspanischen Abkommens vom 12. Februar 1899 wegen Abtretung der Karo- lim an Deutschland ist durch Notenaustausch eine Brrtinbarung zwischen den beiden Ländern wegen wechselseitiger Gewährung der Meistbe­günstigung sür ihre Einfuhr getroffen worden. Diese Vereinbarung war für Deutschland inso­fern von besonderer Bedeutung, als mit ihrem Inkrafttreten (1. Jali 1899) die deutsche Ein- fuhr in Spanien an den Zollermäßigusgen teil­nahm. die in dem spar.lfch-schweiz-rischen Han- delrvertroge vom 3. Juli 1892 vorgesehen sind. Dieser Vertrag läuft infolge Kündigung om 31. August ss. IS. ab. Vor einigen Tagen ist je­doch in den spanischrn CorteS ein Gesetzentwurf zur Annahme gelangt, nach welchem die in dem spanisch-schwrizerischen Vertrage der Schweiz ein- geräumten Tarifzugrständniffe den in Spanien meifidezünfiigtrn Staaten, und damit auch Deutschland, bis zum 1. März 1906 weiter ge­währt w rden sollen. Bis zu diesem Ztt'prmkte bleiben also die bisherigen spanischen Kon­ventionalzölle in Kraft. Nach Wegfall der spanisch schweizerischen Zugeständnisse bietet aber der spanischeKonoentionattrrif kein ausreichendes Acquivatent geg-nüber unserem künftigen Ver- tragstarife. Jnfolaedeffea war die Kündigung deS bestehenden Abkommens notwendig, welche nach der bestehenden Vereinbarung nicht vordem 1. Juli 1906 wirksam werden kann. BIS dahin

Wieder richtete der Professor einen die Seele durchdringenden Blick auf das junge Mädchen, und als er diesmal durchaus keine heimliche Lach­lust bemerken konnte, erwiderte er freundlich: „Nein, nachher nicht mehr!" drehte sich dann aber plötzlich sehr verlegen um und ging' in die ent­gegengesetzte Ecke des Zimmers, indem er etwas brummte, woraus ein aufmerksamer Lauscher vielleicht das Wort: „Hexe!" aufgefangen hätte.

„Mutter, fiel es Dir auch auf, daß hinter dem Lächeln der Frau Kranz heute etwas Schwer­mütiges versteckt war?" frug Liane während­dessen.

Die Präsidentin erwiderte nachdenklich: „So munter, wie gewöhnlich, kam sie mir allerdings nicht vor; es schien mir auch, als ob sie etwas auf dem Herzen habe."

Adalbert, der draußen einen Platz gesucht, um seinen triefenden Regenmantel unterzu­bringen, trat jetzt in's Zimmer und fast auf dem Fuße folgte ihm Mutter Kranz, diesmal mit un­verstellbarer Jammermiene:

„Lieber Gott," schluchzte sie, „das Elend mit dem Kläs ist nicht mehr anzusehen! Liegt der Junge schon seit gestern abend in der ärgsten Pein und schreit und wimmert, ohne auftuhören, und das schlimmste dabei ist, daß er fast keine Luft schnappen kann. Was soll ich nur anfangen? — Ein Doktor war weit und breit nicht zu finden — und — der kräftige Junge stirbt mir vielleicht so ohne weiteres."

„Auf welche Weise stellten die Schmerzen sich denn ein?" frug Adalbert aufmerksam.

„Mit einem Male kam es an ihn — in die linke Seite — wie herbeigeflogen, und damit fing er auch gleich an zu jammern, wie er es jetzt noch tut," klagte die Frau.

Auf Adalbert's Frage: „Könnte ich den Kranken einmal sehen?" schaute sie ihn verwun­dert an; als aber Frau Lessenich ihr erklärte, der Herr sei ein geschickter Arzt, da überflog ein freudiger Ausdruck ihr bekümmertes Gesicht:

„Dann muß ich aber erst allein zu ihm hinauf,

darf das Zustandekommen eines neuen Tarif­vertrages mit Spanien erwartet werden.

•* Das Oberlandesgericht in Brann- schweig hat nach einer Meldung des «Berliner Lokal Anz.' als Perusupgs Instanz die Klage deS ehemaligenLeutnams Bille gegen den Verleger Sattler auf 200,000 A Schadenersatz wegen unrechtmäßigen Verkaufes des Verlagsrechtes nach Wien und wegen Uedervorteilung bei Abschluß des Verlagsoertrages verworfen.

:: Der feit längerer Zett zwischen der Stabt» gtwemoe Berlin und der „Großen Berliner Gtrsßenbshngesellschast" schwebendeProzeß ist von der 6. Zivilkammer des ReichSg-aichis in dec ResifisnSinstanz zu gunsten der Stadt- asmrindr Berlin entschieden worden. Der Streit handelte sich drkairnrlich um die Feststellung, ob dir Straßeubahugesillschafr gegen dte Ge­nehmigung zur Fortsüsrmig der Hochbahn in das Sladtirners ein WteersprnchSncht besitze, bezw. aus einer solchen Anlage EütschSditzungs- onsprüche herzuleiten berechtigt sei oder nickt.

* Bibelsprüche als Areipatz für Ber- len«dnngen zu betrachten, kann nur in einem sozialdemokratischrn Gehirn ausgeheckt werden. Jüngst ist in Köln ein Kaufmann aus Ehrenfeld wegen DerleumdMg eines protestantischen PfarrerS zu ICO SRI. verurteilt worden. Die sozialdemo­kratische »Rheinische Zeitung' fühU sich bemüßigt, dem k ägerischen PZstor am Zrug zu sticken und st- hinzuweisen auf daS Schrtftwort: «Bittet für die, so euch beleidigen" (Matth. 5, 44 und 45. sgl. ,Rheir. Zig.' Nr. 146 vom 28. Juni 1905), Vielleicht fürchtet das soMdimokratische Blatt, wen« die von der sozialdemokratischen Preffe systemaiisch verleumdeten und beschimpstrn „Pfaffen" mit gerichtlichen Klagen vorgehe», selbst mal mit dem Kadi in recht unangenehme Berührungen zu tam®en, zumal fie in diesem Artikel viele und große Schinken im Salze liegen hat, und will deshalb vorbonen, indem fie die Bekenner deS verhaßten EhristentumS an das Gebot der FeindeSliebe erinnert Warum aber erinnert sie sich selbst und die ganze sozialdemo­kratische Preffe nicht an das Bibelwwt: „Du sollst nicht lügen?" Das ist doch so einfach und leicht faßlich gesagt, daß eS jeder verstehen kann und wer dieses Gebot desolat, braucht kette Angst zu haben vor dem Kadi! Sollte aber der Artikel- schreiver in stirer sozialdemokratischen Exegese wirklich meine», das Gebot der FeindeSliebe ver­lange von den Bekennern des verhaßten Christen. inms, daß fie sich wehrlos den sozialdemokrati­schen Verleumdungs kübel über den Kopf schütten lasten, die sozialdemokrettsche Bekämpfung der „Pfaffen" straflos dravfloSfchwadronieren kör-ne. so fei der Mann erinnert daran, daß das (Einflentcm auch ein Gebot der Selbst­liebe hat und dieses Schutz der eigenen Ehre gegen Lüge uud V;rleum;ung fordert, erst recht ban», wenn die Verleumdung nicht bloß auf die Person d«S Verleumdeten zielt, sondern vielmehr die Adstcht, durch Verlenwttuia des Klerus das

der Junge war noch nie krank und würde sich zu arg erschrecken, wenn er einen Doktor sähe." Mit diesen Worten eilte Mutter Kranz hinaus; nach einiger Zeit kam sie wieder und bat den jungen Doktor, ihr zu folgen.

„Der Kläs fürchtet sich zwar sehr vor Euch!" teilte sie ihm auf der Treppe mit, „aber das schadet nichts — sehen müßt Ihr ihn doch, wenn Ihr ihm helfen sollt."

Adalbert betrat jetzt mit ihr eine ländlich ein­gerichtete niedrige Stube, in deren Hintergrund das Bett stand, auf welchem der Kranke mehr saß, als lag. Es war ein breitschulteriger, wie es schien kräftig gebauter Bursche, der mit vor Aufregung bleichem Gesicht die Erscheinung des fremden Doktors anstierte.

Ruhig und sanft trat Adalbert zu ihm und frug teilnehmend, wo denn die schmerzhafte Stelle sei. Unfähig zu sprechen, zeigte der Kranke auf seine Brust. Adalbert legte fest seine-Hand da­rauf und frug: -

„Fühlt Ihr durch diesen Druck Euern Schmerz vermehrt?"

Zu seinem Erstaunen antwortete der Patient mit heiterem Tone: „Ich spüre gar keinen Schmerz mehr! Schon als ihr in's Zimmer herein kämet, empfand ich ihn nicht mehr so heftig, und jetzt, nachdem Ihr Euere Hand auf die Stelle gelegt, ist er ganz weg."

Mutter Kranz stand starr vor Erstaunen und war geneigt, dem jungen Doktor überirdische Kraft zuzutrauen, während ihr Sohn gar nicht mehr an seiner Zaubermacht zweifelte.

Adalbert lehnte aber die Wunderkraft ent­schieden von sich ab, indem er den Leuten die auffallende Tatsache auf natürliche Weise er­klärte: „Euer Sohn," sagte er zu der Frau, „der, wie Ihr mir selbst mitgeteilt, noch niemals krank war, wurde von einem heftigen Rheumatismus der Brustmuskeln befallen; als er nun die unge­wohnte Erscheinung des Arztes hereintreten sah, kam er in eine starke Aufregung. Es ist wohl schon jedem Arzte einmal passiert, daß eine starke Auf­

regung eine so wohltätige Einwirkung auf einen kranken Körper ausübt. Durch diese Aufregung wurde der Rheumatismus beseitigt."

„Daß die Pein fort ist, daran seid ^hr doch schuld, und ich danke Euch und dem lieben Gott vielmal dafür!" sagte der Bursche und rief dann jubelnd: „Jetzt geh' ich auch Heut auf die Kirmes und zeig' den andern, daß der Kläs noch tanzen kann!"

„Das möchte ich Euch doch nicht anraten," er­widerte Adalbert lächelnd; „wenn alsdann die Schmerzen wiederkehrten, könnte ich meine so­fortige Heilkraft nicht verbürgen."

„Daraufhin wag' ichs!" rief der Bursche, und mit nochmaliger Warnung verabschiedete sich Adal­bert von seinem dankbaren Patienten, um zu den andern zurückzukehren.

Mutter Kranz war ihm vorausgeeilt und hatte seine Wunderkur bereits verkündet,, aber ohne seine ihr zu gelehrte Erklärung dabei zu geben; und der junge Doktor konnte beim Eintritt in s Zimmer nicht genug Fragen beantworten.

Mittlerweile hatte aber der Regen nachgelassen, die verdorbenen Toiletten waren in ihrem alten Glanze hergestellt, und man schickte sich an, den Wagen zu besteigen, um die letzte Viertelstunde der Fahrt im schönsten Sonnenscheine zur.üötzu- legen. Mutter Kranz begleitete die Gesellschaft unter den heißesten Dankesbezeigungen an's Tor und meinte, das Gewitter sei gerade nur des­halb vom lieben Gott geschickt worden, damit der arme Kläs von seinen Kchmerzen befreit werden sollte. --- • —s.’ »wäv-

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Festlich geschmückt lag C. im hellen Sonnen- glanz und schien mit seinen bunten Fahnen und Wimpeln freundlich grüßend unsere Reisenden her­bei zu winken. Böllerschüsse mischten ihr Getöse in den fröhlichen Walzer einer mächtigen Orgel, zu dessen Melodie die mutwillige Jugend den Text sang: „Was man aus Liebe tut, das geht noch 'mal so gut." Alle Häuser des ansehnlichen Dorfes prangten in grünen Laubgewinden, und die länd-