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Zuldaer

Zeitung

32. Jahrgang.

Fulda, Montag, deu 10. Juli 1905

O 154.

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Sozialdemokratie." -

Der „Vorwärts" wird mit diesen Forderungen, die Herr Mehring eine Verkennung des Wesens der Parteitage nennt, wohl eben so wenig Glück haben, wie im vergangenen und vorvorigen Jahre. Mit Bezug auf seinen vor Dresden ge- äußerten Wunsch, damals die Bedeutung und Lehren der Reichstagswahl vom 16. Juni zu er­örtern, schreibt er jetzt:

„Wir sind noch heute der Ueberzeugung, daß der Vorschlag vollauf berechtigt war, und wir meinen, daß jene Szenen, über deren Pein- lichkeit und Widerwärtigkeit die Par­tei sich einig ist, hätten vermieden oder sehr erheblich zurückgedrängt werden können, wenn der Parteitag sich von Anfang an die richtige Aufgabe gestellt hätte."

In dem Bestreben eben, den inneren Schwierigkeiten in der Partei dadurch aus dem Wege zu gehen, daß man auf den Par-

Parteifrage.. „

wünscht zu diesem Zwecke als Hauptpunkt für <?ena Referate über die „stockende Sozialreform" und -ie „Attentate" auf dieselbe, sowie „die Wand­lungen in der Weltpolitik und die Stellung der

viel wichtiger für die Partei die äußeren Fragen der hohen Politik sind, als die internen Partei­angelegenheiten.

Wir haben gar keine Veranlassung, unS etwa im Hinblick auf den Parteitag zu Jena nach sozial- demokratischem Muster in der Rolle eines Pro- pheten zu gefallen. Wir konstatieren nur eine gewisse Angst des Vorwärts vor den inneren Parteifragen als ein Zeichen dafür, wie nervös man in der Sozialdemokratie die eigene Lage empfindet.

j.wochmdeiiage:„Illustrierte Sonittagrzeitung"

□ Der sozialdemokratische Parteitag, der in diesem Jahre vom 17. September an in Jena tagen wird, wird soeben von der sozialdemo­kratischen Presse eingeläutet. Der „Vorwärts" (Nr. 155), das sozialdemokratische Zentralorgan, ist wie im vergangenen Jahre recht unzufrieden. Dagegen glaubt Herr Mehring, der sozialdemo­kratische Nebenregent des Parteivorstandes, in feiner „Leipziger Volkszeitung" (Nr. 152), daß die Tagesordnung in der Partei allgemeine Zu­stimmung finden werde. Während Herr Mehring die Erörterung des politischen Massenstreiks als Punkt der Tagesordnung als einen „glück­lichen" Griff feiert, klagt der „Vorwärts" Stein und Bein, daß „wiederum keine einzige

Monatsbeilage: „ßul-aer Geschichtsblätter"

politisch-propagandische Frage auf der Tagesord­nung stehe." Nach dem Vorwärts — im vorigen Jahre, vor der Bremer Tagung, führte er dies des näheren aus — sollen die sozialdemokratischen Parteitage vor allem agitatorisch-pro- pagandistisch wirken. Und deshalb sollten vornehmlich solche Dinge auf die Tagesordnung gesetzt werden, die die „Massen draußen ergreifen .und begeistern". Es habe sich aber, so klagt der „Vorwärts", ein „grundsätzlicher Irr­tum" in die Parteitage hineingeschlichen. Die Erledigung der Verwaltungsangelegenheiten und die Beratung über innere Parteifragen sei auf dem Parteitage zur Hauptsache geworden. Da­gegen sei die politische Stellungnahme der Partei zu den Ereignissen der Zeit zurückge­drängt worden und geradezu gänzlich geschwun­den. Dadurch hätten sich die Parteitage der un­mittelbaren Einwirkung auf das politische Leben Deutschlands in nicht unerheblichem Maße ent- schlagen. „Der Parteitag stelle sich daher alle die AufMben, welche die Zeit fordert, und schon die BerDberung seiner Tagesordnung wird die ‘ e Bevorzugung der inneren verhindern." Der „Vorwärts"

»«reis«»: vi« «tu» spaltig« pttttzeUr oder deren «an« 15 pfg. Btflamen die petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der zuldaerAettendruckerri in Zulda (Harmonie). Zernsprecher Nr.

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Verantwortlicher Schriftleiter:3os. vamn

teiversammlungen auf die Gegner im anderen Lager loshackt, an diesen kein gutes Haar läßt und die Sozialdemokratie als die einzige Retterin aus den sozialen Nöten hinstellt, darin liegt des Pudels Kern, weshalb die Vorwärtsleute „zugkräftige" Referate wünschen.

Die Politik, welcher der „Vorwärts" dem Par­teitage empfiehlt, ist die alte Polittk der Herrscher, die, wenn es in ihren eigenen Landen Über­fall l ist, durch einen glücklichen auswärtigen Krieg sich aus der inneren Misere ihres Landes herauszuretten hoffen. So steht es augenblicklich auch mit der Sozialdemokratie. Weil in ihr eine innere Fäulnis von Tag zu Tag mehr hervortritt, deshalb soll durch einen Feldzug gegen die „Feinde der Sozialreform" und einen Ausflug auf das Gebiet der Weltpolitik, aus deren Wirrnissen die internationale Sozialdemokratie als befreiender Engel erscheint, das verrostende Prestige der Sozialdemokratie bei den Massen wieder aufge­putzt werden.

Denn in der Tat befindet sich die Sozialdemo­kratie trotz ihres Sieges bei den Wahlen 1903, den sie eingestandenermaßen vor allem einer glänzenden Wahlparole zu verdanken hat, in einer fatalen Lage. Aeußerlich kommt diese zum Aus­druck in einem fortwährenden Stimmenrückgang bei sämtlichen Nachwahlen, innerlich in einer fort­gesetzten Beschimpfung und Selbstzerfleischung der Herren „Genossen" untereinander. Wir erinnern, um nur ein Jahr zurückzugehen, an die zynische Täuschung des Bremer Parteitages durch Ge­nossen Mehring, indem er zunächst anscheinend in ehrlicher Reue einen wüsten Angriff auf den Genossen „Bürger Südekum" zurücknahm und nachher höhnisch erklärte, die Zurücknahme sei nur aus taktischen Rücksichten erfolgt. Es folgte der Fall Mehring-Bernstein, in dem beide sich mit ehrenrührigen Ausdrücken traktierten, die Attake Mehrings auf Bebel und die Fraktion, bei welcher „der Gipfel parteischädlicher und ge­hässiger Polemik" erreicht wurde.

Das neue Jahr brachte das Fiasko der Sozial­demokratie beim Bergarbeiterstreik, die Ver­dächtigung von sozialdemokratischen Reichstags­mitgliedern durch die „Leipziger Volkszeitung", die Vernichtungskompagne gegen den Genossen Peus, die Verhöhnung des offiziellen Partei­organs durch Herrn Mehring. Zank und Streit an allen Ecken und Enden! Und zuletzt noch hat der freie Gewerksschaftskongreß offen Front ge­macht gegen die offizielle Partei, sodaß mit Aus- nähme von zwei bis drei Organen die gesamte sozialdemokratische Presie ihrer Unzufriedenheit mit den Gewerkschaften Ausdruck gab und einen offenen Gegensatz zwischen Partei und Gewerk­schaften in einer Reihe wichtiger Punkte kon­statierte.

So ist eine Menge Pulver vorhanden, das für den Bestand der Partei gefährlich werden kann. Das Feuer, das in Dresden angesteckt wurde und sich nie ganz auslöschen ließ, glimmt unter der Asche fort. Ein unvorsichtiger Funken kann das Pulver zur Entzündung bringen. Es ist unzweifelhaft, daß in der Partei eine starke Spannung vorhanden ist, in ihr eine hauptsäch­lich auf persönlichen Verhältnissen beruhende Ner­vosität herrscht. Man kann es daher verstehen, wenn der „Vorwärts" sich auf einer ganzen Seite bemüht, den Genossen klar zu machen, wie

Als dieser sich mit Mühe wieder zu seinem Sitze emporgearbeitet, begann die Fahrt von neuem; aber mit solchem Rütteln und Stoßen, Geklirr und Geklapper, daß zu Laura's größtem Verdrusse eine Unterhaltung unmöglich war. Sie hätte den armen Professor gar zu gerne noch ein wenig gequält; die unbehilfliche Art, wie er ihre Neckereien entgegnete, machte ihr ungemein viel Spaß, und in ihrer Gegenwart hatte er keine ruhige Minute mehr. Jetzt aber sah sie sich ge­nötigt, einen Waffenstillstand eintreten zu lassen, während welchem sie sich damit beschäftigte, den vor ihr Sitzenden einmal genau in's Auge zu fassen.

Unwillkürlich zog sie Parallelen zwischen dem so anspruchslos und linkisch aussehenden Mann und seinem formengewandten, jugendlich schönen Freunde Ehrhardt; an Kenntnissen mochte der gelehrte Altertumsforscher den heiteren, lebens­frohen Doktor wohl übertreffen, „aber", — philo­sophierte Laura — „was hilft mir ein Schatz von Wissen, wenn ich im praktischen Leben mir nie über einen Berg von Verlegenheiten hinaus helfen kann und im geselligen Verkehr mich so ungeschickt und ängstlich benehme, wie ein halb- erwachsenes Kind!" Mit welch' ruhigem Selbst­bewußtsein und imponierender Hoheit trat da- gegen Waldburg auf! Daß auch er auf äußere Formen keinen Wert legte, konnte man dem durch­geistigten, beschaulichen Wesen des jungen Ge­lehrten wohl ansehen; aber eines ungeschickten Verstoßes gegen die hergebrachte Sitte würde er sich nie schuldig gemacht haben.

Während Laura auf diese Weise ihre Be­trachtungen anstellte, versenkte Adalbert sich ganz in die wilde Schönheit der ihn umgebenden Natur. Die steilen, himmelanstrebenden Felsen zu beiden Seiten des Flusses, deren Gipfel ent­weder mit majestätischer Eichenwaldung oder einer alten Rftterburg gekrönt waren, machten auf ihn einen erhebenden,fast schaurigen Eindruck, dessen Wirkung noch erhöht wurde durch die

Ein adeliger Sproß.

Original-Novelle von Antonie Haupt.

-6] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Mit scheuen Blicken nach dem Rappen beteuerte Lieser, daß er nie einen solchen Wunsch gehegt, noch viel weniger demselben Ausdruck gegeben.

Der gutmütige Direktor, welcher seine Ver- legenheit bemerkte, trat nun zu Ehrhardt und sagte: „Ich wäre Ihnen sehr dankbar, Herr Dok­tor, wenn Sie mich auf schnellere Weise nach C. befördern wollten, da ich gerne mit Ihrem Onkel noch einiges besprechen möchte, ehe der ganze Schwarm der Gäste ihn in Anspruch nimmt."

Freundlich half Ehrhardt dem alten Herrn in die Höhe, und von allen Seiten begann man jetzt auch die Besteigung des Leiterwagens. Frau Lessenich nahm mit Adalbert den letzten Sitz ein, die beiden Mädchen den Platz in der Mitte, und Habesch mußte sich vorne neben den Kutscher setzen.

Der leichte Wagen des Doktors rollte von dannen, und: „Mel Vergnügen!" rief der Pro- fessor im Gefühle seiner Sicherheit und fuhr in seiner Herzensfreude mit beiden Füßen durch eine Spalte im Boden des Leiterwagens, wodurch er zu aller Ueberraschung plötzlich bis unter die Arme versank. .

In diesem Augenblicke zogen auch dre Pferde, durch das Beispiel des Rappen ermutigt, an, und der unglückliche Profesior sah sich genöfigt, eine Strecke lang mit aller Macht in seiner engen Spalte zu laufen, bis es dem Kutscher gelang, die Tiere zum Stehen zu bringen.

„Sie fangen früh an, Abstecher zu machen", scherzte Laura, was ihr einen Basiliskenblick von des Altertumsforschers eintrug.

Deutsches Reich.

Berlin, bett 8 Juli 1966.

♦ Sozialer FerienknrsuS. Für den Sozialen Ferienkurs»-, den in den tagen Dem 8. bis IS. August der VolkSoerein für da- katholische Deutschland inM.-Sladbach veranstaltet, wird soeben daS Programm ver­öffentlicht. Bon den zu haltenden Borträge» find die einleitenden der Entwickelung und Lage der heutige» volkswirtschaftlichen Berhüllniffe im allgemeinen gewidmet. Im Anschluß daran sollen die wirtschaftlichen Verhältnisse in ein- zelnenErwerbSzweigen und die Reformbestrebungen besprochen werden. ES werden dabei insbeson­dere die vorliegenden Mißstände und die in nächster Zukunft zu vollziehenden Maßnahmen praktischer Reformarbeit erörtert, und zwar für die vier hauptsächlichsten Erwerbsstände: Arbeiter, Handwerker, Landwirte, kaufmännische Gewerbe­treibende. Unter dem Namen »Soziale Kultur­fragen- sollen sonstige wichtige Reformbestrebunge« zur materielle», geistigen und fittlich-religiösen Hebung sämtlicher »erufS- und Erwerb?,weige dargelegt werden. So u. a: VolkSbildungS- bestrebungen (Bibliothek-, Kolportagewesen), die Mäßigkeittbewegung und die WohnungSftage. Aus dem Gebiete der sozialistischen Theorien werden der MmxiSmuS und der ReoistoniSmuS eingehend behandelt werden, woran sich dann eine Ktilik teS sozialistischen Wirtschaftssystems schließt. Dankbar wird man es begrüßen, daß das Programm auch eine Behandlung der sozialen und charttativen Aufgabe» der christliche» Frauenbewegung vorsteht. Dadurch wird den Mitgliedern deS katholischen Frauenbundes vor allem auch Gelegenheit geboten, fich mit den aktuellen Fragen des sozialen Lebens insoweit vertraut zu mache», daß fie auf sozialem u»d charitativem Gebiete mit nachhaltigem Erfolge tätig sein könne». Im allgemeinen finden täg- ltch zwei Vorträge vormittags und ein Vortrag nachmittags statt. An die meisten Vorträge schließt sich -ine Diskuffion an, die insbesondere die Aussprache über die Inangriffnahme prak- ttscher sozialer Maßnahme» herbeiführen soll. Jntereffevten wird daS detaillierte Programm mit den sonstigen Bedingungen zum Besuch der Kursus von der Zentralstelle des VolkSvereinS zu M.-Giadbach gerne zugesandt.

% Z« de» »ahlfiege deS 3enttarnt im zweite« badische« NeichStagSwahl- drohend schwarze Wolke, die eben hinter einer schroffen Klippe emporzusteigen begann. Pro­fessor Habesch schien die gleiche Wahrnehmung gemacht zu haben; die hastige Geberde, womit er nach der verhängnisvollen Klippe wies, war wenigstens bezeichnend genug, und die Damen richteten, dadurch aufmerksam gemacht, ebenfalls besorgte Blicke in die Höhe.

„Das ist schlimm," sagte die Präsidentin, „wir haben noch beinahe eine Stunde zu fahren, ehe wir an Ort und Stelle sind, und ich befürchte, der schwarze Unhold dort über dem Berge hat nichts gutes zu bedeuten!"

„Ich glaube mit Bestimmtheit vorher sagen zu können, daß wir uns auf ein gehöriges Sturz- bad gefaßt machen müssen," weissagte der Alter- tumsforscher mit Nachdruck.

„Wenn Sie nichts befferes zu prophezeihen wissen, so sagen Sie lieber gar nichts!" schalt Laura schnippig. Liane sandte einen fragenden Blick zu Adalbert, der durch die allgemeine Un­ruhe auch wieder zu seiner nächste» Umgebung zurückversetzt war »nd lächelnd dachte, was wohl die Studenten B.'s dazu sagen möchten,^wenn sie ihn und Habesch auf dieser ländlichen Equi­page in der Gesellschaft von jungen Damen er­blickten. Und nun vollends der gelehrte hoch­geachtete Professor, — zu dessen Kollegien die studierende Jugend sich stets drängte, dessen in- teressanter Vortrag so belebt war, daß selbst die Zerstreutesten seiner Zuhörer ihm Aufmerksam- keit schenken mußten — welch' linkische verlegene Figur bildete dieser kenntnisreiche Mann im un­gewohnten Verkehr mit jungen Mädchen! — Fast bedauerte Adalbert, ihn zur Teilnahme an der Moselreise überredet zu haben, als der Blick Lianen's seinen Gedanken eine andere Richtung gab. Ihre stumme Frage beantwortete er schnell durch Emporhalten seines glänzenden Regen­mantels, dessen Annahme aber durch ein danken­des Zeichen abgelehttt wurde.

„Ta haben wir die Bescherung!" rief sein

kre fe (Donaaeschingen-Bonndots) liegen tn bett Berliner Blättern vorerst noch wenige Aeuße- rnngen vor. Die .Germania'bezeichneten Aus- gang der Wahl als einen »glänzende» Sieg bei Zentrums. »Zum erster mal feit dem Bestehen »er Reiches-, fügt dar Blatt, »ist im 2. badische» Wahlkreise der ZeatrumSkandidat gewählt wor­den und nicht erst in der Stichwahl, die fett 1893 stets dort notwendig war, sondern gleich im ersten Anlauf. Diese Tatsachen bebrüten einen Erfolg, der nicht hoch genug augefchlag« werde» kann.- Zur Erklärung deS Umstander, daß eht so überwiegend katholischer Wahlkreis bisher stets zentrumSf einblich gewählt habe, führt die.Germania' drei Gründe an: Die Nach­wirkungen deS Josephinismus und Weffenbergia- niSmuS, de« zentrumSfeindlichen übermächtigen Einfluß der fürstlich fürfienbergifchen Vermal- fang und die geschickte Auswahl der bisherigen nationalliberalen Kandidaten. Die .Germania' schließt ihre Betrachtung mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß der hocherfreuliche Sieg deS Zen­trums auch auf die kommenden badischen Land- tagSwahle» ihren Einfluß auSüben werde. AG Gegenstück zu dieser Aeußerung fei eine Kund­gebung der »Nationalzeitung angeführt: Dieselbe spricht von einer »unerhörten Hetze- de- Zentrums, von terorifiischen Mitteln deS utttomo» tonen fanatischen KaplantumS", von einer »skrupellosen Beichtstuhl- und Kanzelagi­tation, die allein den Erfolg deS Zentrums her- beigesührt hätten. DaS liberale Blatt meint, die Liberalen feie» mit Ehren unterlegen und ver- möchten bei de» kommende» Hauptwahlen im Jahre 1908 die Scharte ohne erhebliche Schwierig­keiten wieder auSzuwetze». wenn fie die Zwischen­zeit zu rühriger, unermüdlicher Werbearbeit auS- nützten. Stoch ständen 8000 Katholiken dort tre» zur Sache deS Liberalismus; dieser feste Stamm mflffe vor weiterer Abbröckelung bewahrt, die schwankenden. zwischen den beide» Heerlager» flehenden Wähler müßten wieder zurückzeholt werden. Diesen AuSlaffunzen gegenüber sei aus die Bemerkungen der .Norddeutschen All­gemeinen Zeitung' hingewiefe», welche sehr richtig die bisherigen Wahlsiege der National- liberalen in dem Wahlkreise auf die dieser Par- tei dort besonder- günstigen Verhältviffe, spe­ziell auf die Einflüsse deS Fürsten von Fürsten­berg und die Beliebtheit deS PostratS FallerS zurückführt, und der jetzige» Wahl eine volttifche Bedeutung insofern beilegt, als fie ein Nachlaffe» deS liberalen Katholizismus in Sübbaden bedeute.

§§ Die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' besprftht in ihren — bekanntlich „unverbind­lichen- — Rückblicken auf die Politik der vergangenen Woche noch die Ve«er»lvers«»«- ln«g M GewerkvereiuS der christliche« Bergarbeiter in Oberhausen und glaubt dabei, auS der mehrfach erörterten Statuten­änderung nach dem Vorgänge der ,Kreuzzeitung' den Schluß ziehe» zu dürfe», daß der Gewerk­verein insofern eine Annäherung an die Sozial- drmokratie vollzogen habe, als er bestrebt ge-

Freund in diesem Augenblicke mit komischer Ver­zweiflung, als große Tropfen, erst vereinzelt, dann aber dichter und mit gewaltigem Rauschen vom Himmel fielen.

Die Damen spannten ihre Sonnenschirme auf und suchten unter denselben anspruchslose Stel­lungen einzunehmen, Waldburg aber warf seinen verschmähten Regenmantel um; nur der Pro­fessor war ganz ohne Schutz dem stürmischen Un­wetter preisgegeben. Mit heißer Reue gedachte er jetzt des guten Doktor Ehrhardt und seines verpönten Rappen; die Erinnerung an die gest­rige Fahrt kam ihm im Vergleich zur heutigen vor wie ein erquickender Traum. In schmerz­licher Ergebung saß er da und ließ die Traufe der beiden hinter ihm aufgespannten Schirme über sich herniederströmen. Als es aber doch gar zu arg kam, wandte er sich um mit hilfe­suchendem, flehentlichem Ausdruck.

Laura, die seinen bittenden Blick auffing, be­merkte jetzt erst seine unangenehme Lage; er­schreckt zog sie ihren triefenden Schirm zurück, und sann in ihrer Gemütigkeit sofort auf ein Mittel, den Aemsten ebenfalls etwas gegen das Ungestüm des Wetters zu schützen. — Da kam ihr ein Gedanke: Schnell zog sie das dichte, wollene Tuch, das ihren Strohsitz bedeckte, herun­ter, und warf es in aller Geschwindigkeit dem armen Professor über, der erst gar nicht wußte, wie ihm geschah, dann aber hastig die bergende Hülle um sich schlang und durch mehrmaliges, tiefes Nicken seinen Dank zu erkennen gab.

Eine halbe Stunde lang mochten unsere Rei­senden wohl mit bewundernswürdiger Geduld im^ strömenden Regen dahingefahren sein, als die zweifelhaften Umrisse eines einzelnen Gehöftes sichtbar wurden.

„Sollen wir nicht bei Mutter Kranz absteigen, um das Ende des Gewitters zu erwarten und während der Zeit unfern arg mitgenommenen Kirmesstaat wieder etwas aufzufrischen?" frug Frau Lessenich. (F. f.)