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wochmb-llag«! „Illustrierte Ssimtag^eitung"
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moeotsbeUafl«: „Sulbatt GefchichtrblStter".
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M 152
Fulda, Freitag, deu 7. Juli 1905.
32. Jahrgang.
Deutfdies Reich,
Berlin, den 6. Juli 190b.
* Eine non 600 Akademikern besuchte Gta- be*trot>trfawwlttug in Breslau faßte, wie dem .Berliner Tageblatt' gemelve! wird, mit groß« Mehrheit eine Resolution des Inhalts, daß die freie Studentenschaft von Breslau »8 ablehne, sich in den Kampf gegen die konfessionellen Verbindungen einzumischen.
::: Das »Berliner Tageblatt' nimmt eine Rede des nationalliberalen Ldg. Basser« mann ans dem pfälzischen »ationalltberalen Parteitage in Kaiserslautern, in welcher der genannte Abgeordnete die Stellungnahme des württembergischen Zentrums tu der Angelegen» heil der VrrfaffangSresorm in Württemberg in in der gleichen, absolut falschen Weise brhan- bette, wie wir sie der liberalen Presse nachge» wiesen haben, zum Anlaß heftiger Ausfälle gegen da- Zentrum. DaS liberale Blatt spricht von »Scheinheiligkeit deS Zentrum- in puoto politischer Ideale und Pitnzipien", von »reizender Unbekümmertheit der angeblich unbeugsamen nttramontanen Drahtzieher um ihr politisches Programm", von »Smndsatzjsnglemen- und dergleichen. Diese Schimpferei deS liberalen Blattes kennzeichnet sich, nachdem der wahre Sachoeihatt längst batgtitfet ist, als eine plumpe Verleumdung.
* I« Gegensatze zu anderen nationalliberalen Bäckern, welche sich in bar Feier der von der französischen Kammer genehmigten Trennung von Staat und Kirche nicht aenug tun können, bringt der .Hannoverische Goutier folgende beachtenswerte Kritik des LrenirungsgesetzeS: »Trotz aller Zugeständnisse ist dem Gesetze der Stempel eine- Ans- «ahmegesetze- gegen die Kirche ausgeprägt. Der Staat hat fich von der Kirche befreit, die Kirche aber kommt unter schlimmere Aufsicht als bisher. Ter Artikel 1 garantiert allerdings die absolute Freiheit des Gottesdienste- und der Religionsrnellung. Aber Prozessionen, gottesdienstliche Handlungen in der Oiffenttichkett, Anbringung von religiösen Emblemen, Glockenläuten. Trägen des kirchlichen Ornats auf der Straße und viele andere Dinge stad verboten oder können verboten werden. Siu ganzer Strafkodex bringt VerschLrfttngen gegen Seift. Uche und stellt sie vor ein Ausnahmegericht, indem er sie dar Geschworenen entzieht. Trotz der Aufhebung des Konkordat- bleiben die Kongre- gationec den von EsmbeS veranlaßten Maßregeln unterworfen und dürfen nicht die Vereins- freibeit anderer Staatsbürger in Anspruch nehmen. Die Geistlichen, obwohl jetzt »Eitogen- wie jeder andere, sind von gewissen Aemtern und Wahlen auSgeschloffen u. s. w. Gerade diese Vorschriften »erden in kuchlichrn Kreisen als kleinlich und »«letzend empfunden werden und böses Blut machen, wo man gegen eine Selbständigkeit der Kirche im amerikanischen Sinar gar nichts ein« Mweuden hätte.
Ein adeliger 5pro|._
OrigiMl - Novelle von Antonie Haupt.
2] Wachdruck verboten.)
Dieser warf sich dem väterlichen Freunde an die Brust, und mit feuchtem Blick hielten die Männer fich umschlungen.
Adalbert, iffS möglich? Bist Du es wirklich?" rief dann der alte Herr mit strahlendem Lächeln.
„Wirklich und wahrhaftig, mein verehrter Freund," entgegnete der junge Rann, liebevoll seine Blicke in dessen Augen versenkend.
‘ »Wie groß und stattlich Du geworden bist," sagte der Direktor, „ganz das Ebenbild Deines Vaters; mir war es, als ob Graf Egbert, Gott habe ihn selig, leibhaftig vor mir stände, da fuhr's Mir mit Blitzesschnelle durch den Kopf: es ist ja mein böser, lieber Herzensjunge selbst, der so lange gar nichts mehr von seinem besten Freunde wissen wollte."
„Aber dennoch jeden Tag seines Lebens voll Liebe und Dankbarkeit seiner gedachte," versetzte Adalbert mit Wärme. „Sic, teurer Freund, wissen's ja am besten, weshalb ich so lange zögerte, me geliebte Heimat wieder aufzusuchen: nur als ganzer Rann oder nie wollte ich zurückkehren in iie heimischen Gefilde; dies war ich meinem edlen Bat« schuldig, und heilig gelobte ich es an seinem Grabe."
„Den Schwur hast Du redlich gehalten," sagte Adalberts ehemaliger Lehrer ernst; „Du hast in Deiner Jugend erreicht, wozu viele im reifen Atter nicht gelangen. Wie freue ich mich darauf, einmal ausführlich Deine Erlebniste aus eigenem Runde zu hörenl"
Da tönten die Klänge einer Zither vom Hause herüber, und eine weiche, schmelzende Frauen-
§ Die,Norddeutsche Allgem.Zeitung' veröffentlicht einen Erlaß des ReichSkanz- lern an den deutschen Botschafter in Parts bete, bat Auftreten Jnnr^s in einer sozialdemokratischen Versammlung in Berlin. Der Reichskanzler führt darin auS: aegen die Persönlichkeit Jam öS würde er on fich nichts einzuwenden haben. Sr schätze ihn ai8 Redner, achte seine Anschauungen in der auswärtigen Politik unb stimme nicht selten mit ihm überein. Hier Hand,le es fich aber nicht um den Grad der persönlichen Wertschätzung des Herrn Jamör, sondern um bie poltti'chr Rolle, die ihm zugefchoben werden solle. Auf gründ der Auslaffungen des ,Vor« wärt-' und bet »Neuen Gesellschaft' füh r der Reichskurz'« auS, die beuiftbe Sozialdemokratie würbe die Anwesenbett 3mit6$ in Berlin ledig- lich dozi ausnutzen, gedeckt durch seine Person ihre staatsfeindlichen Bestrebungen gegen die nationalen Interessen zu förbr r n. Die kaiserliche Regierung könne nicht darauf verzichten, hiergegen die ihr zu Gebote stehenden Mittri anzu- wenden. Sie würde sonst dazu beitragen, bie U.ber Hebung einer Partei zu steigern, welche die in Deutschland verfaffungsmäßig bestehenden Zustände umstürzen wolle. Der Reichskarzler weist darauf hm. daß die franzöfische Regierung fich immer dar Recht gewahrt habe, Kundgebungen ausländischer Redner zu verbieten. Sie habe dies auch mehrfach deutschen R.ichStagSabge- ordneten gegenüber getan. Wenn man auch vorn Takt des Herrn Jau 68 erwarten könne, daß er seinerseits alles vermeiden würde, waS der beut- schen oder franzöfische» Regierung Unannehm- lichketten bereiten könnte, so sei die gleiche Zuverficht gegenüber den deutschen Veranstaltern der Versammlung leider nicht gestattet. Unter solchen Umständen würde auch die Sache der deutsch-franzöfischen Verständigung durch den voraussichtlichen Verlauf der Ansammlung nichts gewinnen. Er halte eS daher für richtig, daß bar öffentliche Auftreten deS Herrn Jau,6t in Berlin unterbleibe und ersucht den Botschaft«, den Herrn JanroS auf dem ihm (dem Botschaft«) angemeffen «scheinenden Wege zu ersuchen, feine Reise nach Bnlin zu unt«laffen.
Ausland.
• A» österreichischen Abgeordneten- Hanse kam eS zu Beginn der Sitzung zu tumnltuarischenSzenen, weil d« PrSstdent sechshundert Anträge der Tschechisch- Radikalen, die gegen den Handelsvertrag obstruieren wollen, nicht verlesen taffen wollte. — War bei der tropischen Hitze auch etwas zu viel »«langt.
* In Holland stößt die B'ldung eine» neuen Kabinetts auf Schwierigkeiten. Der frühere Generalgouverneur von Indien, Py- nacker Hordyk, der bereits als Chef des neuen Kabinetts genannt wurde, lehnt von vorn- h«ein auS polittschen und persönlichen Gründen jedes Ministnpsrtefeuille ob. — Pynackw wird
stimme sang Schubert's herrliches Frühlingslied mit innigem Ausdruck.
Mit andachtsvollem Schweigen lauschten die Männer dem lieblichen Gesänge; erst als der letzte Ton verhallt war, sah Adalbert seinen Lehrer fragend an.
„Liane I" lächelte 6er Direktor, und als der junge Gelehrte noch immer verwundert zu ihm herüberblickte, rief er: „Ach ja, das weißt Du nicht! Reine Schwester, die Witwe des Präsidenten Leffenich, kam auf meine Bitten nach dem Tode ihres Gatten hierher zu mir und teilt nun schon seit Jahren getreulich meine Einsamkeit. Wir find in dieser Zeit einander unentbehrlich geworden, und ihr Kind, meine herzige Juliane, iieren Gesang Du soeben gehört, verscheucht mir manche ernste und trübe Stunde durch ihr süßes Geplauder und ihr natürliches, liebreizendes Wesen. Doch — was zögern wir noch länger, zu ihnen hineinzugehen? Beide werden fich unendlich freuen, meinen jungen Freund persönlich 'ennen zu lernen. Fremd wirst Du ihnen nicht ein, denn es verging kein Tag, ohne daß wir von Dir sprachen, und wenn Liane zuweilen lieber im Felde den bunten Schmetterlingen nach- pringen wollte, als ernst, die Bücher in der Hand, hinter dem Schreibtische zu fitzen, dann war es Dein Vorbild, was sie zu eifrigerem Studium antrieb."
„Sie beschämen mich, teurer Freund," sagte Adalbert errötend. .
„Ei was, dem Verdienste seine Äror.c!" sprach fieser überzeugungsvoll und zog ihn mit sich fort. ' In der Haustüre angelangt, eilte er ihm mit wahrhaft kindlicher Freude voraus und rief jubelnd m's Zimmer hinein:
„Liane, hier bringe ich ihn, unfern Adaldett!"
Das junge Mädchen, welches jetzt mit einer Näherei beschäftigt am Fenster saß, warf schnell die kaum zur Hand genommene Arbeit lei Seite, sprang dann auf und eilte ihnen entgegen Plötz-
wohl ringesehen haben, daß es bei der politischen Zusammensetzung bet neuen Ramm« keine leichte Aufgabe ist, ein regierungsfreundliches Kabinett zusammenzubringen. Die gninge Mehrheit, bie die Neuwahlen gegen bas konservative Ministerium Kuyper (Sohn eine» protestantischen PsarrnS) zustande gebracht haben, setzt fich auS so verschtebenartigen Elementen «flammen, baß ein Zusammengehen dieser »Mehrheü" wohl kaum in irgend einer wichtigen Frage möglich «scheint, während bie nur um 4 Köpfe geringere Minderheit (Katholiken unb Protestanten) fest ziisammenhält.
* Zur kirche»politische» Lage tat Frank reich wird bet .Köln. Vo k-'ztg.' au» Paris geschrieben : „Wenn man fich daS neue Gesetz an« sieht, so wird man zugeben müssen, daß eS den ersten Vorlagen Combes' unb Bienoenu-MartrnS wenig ähnlich steht. Die zahlreichen, durch die Kammer vorgenommenen Aendnungen haben rin garg neues Gesetz geschaffen, das zwar nach wie vor eine unerhörte Vergewaltigung der Rechte der Kirche darflellt, unter dem e» fich ab« zur Not l»ben läßt. Unb wenn man einmal Mit« die'„Räuber- fällt, muß man froh fein, wenn sie einen nur systematisch ausplündern, aber doch wenigstens daS Leben laffen. Zunächst hat die Einziehung deS Kultusetat» dies eine Gute, daß die Küche von ihren schlimmsten Feinden unabhängig wftd und fich nicht wettet höhnisch sogen zu laffen braucht, daß ste von ihren Widersachern Almosen nimmt. DaS Wehklagen, das man vielfach in kirchlichen Kreisen hört, al» wäre nun daS letzte Stündlein für den Katholizismus gekommen, nur weil die Republik ihn nicht mehr unterhält, ist unwürdig. Unrecht Gut gedeiht nicht; e» wird dem laicistnten Staat keinen Segen bringen, wenn er d« Kirche die 40 Millionen, auf bie fie Anspruch bat, vorenthält. Briand rief gestern: »Wenn bie Kirche ebne Konkordat nicht leben kann, so ist daS ein Be weis, daß sie dem Tode verfallen ist" Abb« Gayrand antwortete darauf: »Die Kirche hat den Staat nicht uöckß." Gewiß nicht, und fie wird es jetzt beweise», daß ihre Feinde zu früh jubeln, wenn fie mit Renan fabeln, da» neue Gesetz wnde »da» purpurne Leichentuch" fein, in daS man die »toten Götter- einhüllen wird. Die Neufaffung des Gesetze», welche ja schon mehrfach besprochen worben ist, wendet bie Krifi» nicht ab, aber fie «öffnet wenigstens die Mög- lichkeit, auS ihr siegreich heroorzugehen. Biel drückend« al» die Entziehung des KulttrsbudgrtS und die damit entstehenden materiellen Sorgen für die Kirchengemeinben ist die AuSlief«nng des Kultus und fein« Diener an eine kleinliche und gehässige Polizriaufstcht. Die» Gesetz. daS dreist behauptet, eS garantiere bie Gew ffenSfretheit, die Ausübung des Gottesdienste», ist in Wahrheit nichts anderes als eine» der schlimmsten Ausnahmegesetze, die gegen die christliche Kirche erdacht sind. Jede Aeußttuna des christlichen Glaubens in d« Oiffentlichkeit wird umr öglich gemacht, die Geistlichen unt« beleidigende Ausrahmejustih gestellt;
lich ober, als ihr Blick auf den hohen, stattlichen Fremden fiel, dessen dunkles Auge mit leuchtendem Glanze auf ihr ruhte, blieb sie in der Mitte des Zimmers wie festgebannt stehen. Die schlanke Gestalt mit dem serienvollen Ausdrucke in dem rosigen Gesichtchen, das schmeichelnd von glänzendem, braunem Lockenhaar umrahmt war, bot in ihrer Verlegenheit ein gar anmutiges Bild.
„Willkommen in Ihrer Heimat, Herr Doktor," sagte sie endlich leise, indem sie ihm zur Begrüßung die Hand bot.
Adalbert ergriff diese mit Wärme und entgegnete lächelnd: „Die Heimat wird mir doppelt anziehend durch die Freundlichkeit, mit der man mir entgegenkommt."
Die gegenüberliegende Tür ward jetzt rasch geöffnet, und die kleine, noch immer jugendliche Präsidentin, welche in ihrem Zimmer die freudigen Worte ihres Bruders gehört, kam, um zu erspähen, was diesen so ftoh bewegte. Erstaunt hafteten ihre Blicke auf der' vornehmen Erscheinung des jungen Mannes, und als Clemens ihn ihr vorstellte, da reichte sie ihm mit lebhafter Freude beide Hände, indem sie rief: „Seien Sie herzlich gegrüßt, Herr Graf, unter unferm Dache!"
Freundlich ihren Händedruck erwidernd, sagte Adalbert: „Den Gruß nehme ich an, gnädige Frau, doch den „Grafen" habe ich längst bei Seite gelegt und möchte ihn auch nicht wieder aufnehmen."
„Ah, der Herr Doktor ist stolz auf den selbsterrungenen Titel," neckte diese.
„Und das mit Recht!" bemerkte ihr Bruder; „aber nun erzähle!" und dabei deutete er auf einen bequemen Lehnstuhl, während er selbst ebenfalls auf einem solchen Platz nahm.
„Wie unvernünftig, Ernst!" schalt dre Präsidentin, „unser Gast mutz doch erst sich erfrischt und ausgeruht haben, dann aber werden wir uns alle freuen, von seinen Erlebnissen zu hören. — Ich bitte Sie, Julianen und mich einige Augenblicke zu entschuldigen, Herr Doktor," wandte fie sich ar.
fir werde« in ihren politischen Rechten ge schmälert unb ba» Beritntrecht den Brnd«' schäften entzogen. Nicht «ur, baß der Staat sich von Gott loSsagt. er zwingt auch seine Bürger, baß fie nur scheu unb zagend fich zu ihrem ©tauben bekennen, sich als Staatsange- hörige zweit« Riefle an sehen unb als Verdächtige und Genossen von Uebeltätetn betrachten müssen. Unb diese Ty annei eintr Partei üb« Millionen Mitmenschen wagt sich Freiheit unb Idealismus zu nennen !j
* Präsident Landet wirb nach Ablauf sein« sieb«jährigen Ami«zett feine Kandidatur für die Wied«w hl nicht aufstellen lassen. Die neue Wohn rnp, bie er mtt sein« Familie beziehen will, in Panth-orwierttl, ist schon gemietet. Die Präsidentenwahl muß Ende Januar stattfinden, also kurz noch d« Drittri- «neuttung deS Senats unb drei Monate vor den Neuwahlen der Kammer. DesmoulttS kommt heute »m »GauloiS' auf den schon mehrmals gerügten Uebelstand zurück, baß die scheibende Kammer (beinahe 600 Abgeordnete gegen 300 Senatoren) bas meiste zur Wahl deS neuen Staatsoberhauptes beitragen »ird. »Der Nachfolger des Herrn Scubet,- schreibt Desman- linS, wirb aljo der Erkorene unb Vertreter einer Versammlung sein, die bald nichts mehr zu vrr- tteten habe« wirb. Würde es fich ba nicht empfehlen, entweder die Präsidentenwahl hinaus« zaschteben ober bie Kammerwahlen vorzurücken?"
* Die Vrevalntio» i» Rußland. Im Kaukasus drehtber Ausbruky eines ölige» meinen biwas fneterr Ausstandes. In Tislr» herrschen seit einigen Tage» Unruhen. Dunkle Gerüchte üb« die Merterei auf dem »Knjä» Potrmkin" v-rmehren bie Aufregung. Die Zeitungen erschetnrn nicht. Der Personenverkehr zwischen Trfit» und Saturn ist seit zwei Tagen, der Warenverketr zwischen Saturn unb Baku schon fett zwei Wochen urterlrochen. Auf den Exarchen von Gkorgien ist dem Vernehmen nach auf fein« Reise noch Petersburg ein Mord- anschlag v«Lbr worben. D« Ausgang ist noch unbekannt. — Der »RqM Potemkin" tummelt fich unangefochten im Schwarzen Meere herum. Die Besatzung scheint sogar schon etwa» übermütig zu werden. Sie hat an bie fremben Mächte eine Erklärung bekannt gegeben, die folgenden Wortlaut Hai: Der GntscheidungSkampf gegen die russische Regierung hat besonnen. Wir teilen dies allen fremben Mächten mit unb halten e» für unsere Pflicht zu erklären, daß wir vollständige Garantie für die Unverletzlichkeit btt fremden Schiffe geben, die fich auf dem Schwarzen Meere anfhaltev, sowie d« nicht rusfischen Häfen des Schwarzen Meeres. — Heber den Signalwechsel »wischen Vizeadmiral Krieger und den meuternden Schiffen wird noch soloevdes bekannt: Adm ral Krieg« signalisiert«: „Wamm salutiert Ihr mich nicht?" Er erhielt keine Antwort. Daraus signalisierte d« Admiral: „Ergebt Euch!“ Der »Fürst Potemkin" erwiderte: »Wem?" Die Antwort lautete: „Dem Kaiser." D« »Fürst
diesen, „da wir noch kleine Vorbereitungen zum Abendbrot zu machen haben."
Die beiden Damen entfernten sich, und He« Clemens sagte lächelnd: „Die treue Serie, wie eifrig fie stets für das Wohl ihrer Pfleglinge bemüht ist! Ich mutz bei ihrem geschäftigen Wesen immer an die sorgliche Martha im Evangelium denken, und obgleich meine Schwester Juliane heißt, habe ich seit Jahren sie nicht mehr ander» als „Martha" genannt, und nun glauben wir beide, es müsse so sein."
Adalbert hatte jetzt Mutze, sich in dem heitern, freundlichen Gemache etwas umzusehen. Obgleich keine Eleganz in demselben herrschte, so bemerkte man doch überall das Walten einer fleißigen Frauenhand, während die geschmackvollen Kupferstiche an den Wänden und die blühenden Pflanze» im Zimmer demselben etwas ungemein Trauliche» verliehen.
Bald erschien Liane mit Tafrigerätschasten unb begann mit anmutiger Geschäftigkeit dieselbe» auf dem Tische zu ordnen, wobei der junge Doktor mit stiller Bewunderung ihren leichten elasttsche» Bewegungen zusah. . . r , „ m
Nach kurzer Zeit vereinte etn einfaches Mahl die vier in froh« Gemeinschaft. Der alte Herr füllte die Gläser mit trefflichem Moselwein, dann hob er das feinige und rief: „Das erste Glas wollen wir leeren auf das Wohl meines jungen Freundes. Möge fein redliches Streben auch fernerhin von gutem Erfolg gekrönt fein! Laßt uns anstoßen auf eine baldige Professur!"
Die Gläser klangen hell zusammen, und Adalbert sagte lächelnd: „Damit wird's wohl noch gute Weile haben in meinen Jahren."
Unter ernsten und scherzhaften Reden verstrich die Zeit; der junge Gelehrte, der niemals bie Süßigkeit des traulichen Familienlebens, kenne» gelernt, fühlte unter diesen herzlichen, einfachen Menschen sich so heimisch und behaglich wie nie bisher. (Fortsetzung folgt.) ;