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Zul-aer W Zeitung

lvochenbellage: „Illustrierte Sonntagzzeitung" Monatrbeiiagt: „Suldaer SeschichtrbMer".

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Druck und Verla- »es Kuldaer SctiendruSerek in Zulda (Harmonie) Lernfprecher Nr. 9=

JH 150

Fulda, Mittwoch, den 5. Juli 1905.

0. A. pias X und die römische Stage.

Die antikatholische Preffe möchte den „Re- formpopst" Pius X zum ausgesprochenen Gegner der weltlichen Souveränität des apostolischen StuhleS machen. Die Reformen Pm»' X , so« wie die vielgenannten italienischen ktrckenpoli« tischen Broschüren jüngster Zeit und verschiedene zum Teil mißverstandene Mitteilungen der Zen« tral-Aukkunftsfielle aus dem Vatikan mögen dazu Anlaß gegeben haben. Nach unlängst zählte der Korrespondent des,Berliner Tage» blatteS' (3. Mai) zu den Hauptreformen PiuS' X, den „förmlichen Verzicht auf alle früheren Gelüste nach staatlicher Herrschaft in Italien-.

Begreift man denn nicht, daß der hl. Stuhl an und für sich keine „Gelüste nach staatlicher Herrschaft- hat? Bis jetzt hat man weder hüben noch drüben eine andere, beffere Form herans-efunden, welche der geistlichen Souveränität des Papstes, seiner Akttonsfreiheit und seiner Würde so entspräche, wie ein ge« wiffeS Maß von Territorialgewalt. Urber diese Frage kann man sich die Finger krumm schreiben — selbst die Katholiken verstehen sie nicht immer. Der Papst kann niemanden unter» tan sein, kann finanziell nicht von der Gnade einer VolksVertretung abhängen, muß frei mit de» Regierungen verkehren und fich persönlich frei überall bewegen können. Dies find einige der Hauptpunkte, die den Papst hindern, auf Rechte zu verzichten, die seine Vorfahren in legitimer Weise erworben haben. Eine ganz andere Frage ist es, ob der Papst, um ein größeres Uebel zu verhüten, unter Umständen das für die Kirche kleinere Uebel akzeptieren würde. Sr selber muß darüber entscheiden, ob et» vorgeschlagener ModuS der „AuS. söhnung- oder der „Annäherung- (oder wie man die Sache sonst bezeichnen wag) mit den Rechten und Pflichten seiner Stellung vereinbar ist oder nicht. Bis jetzt — daS muß immer w'eder be­tont «erde» — ist ein annehmbarer MosuS noch nicht gefunden worden. Bei Beurteilung der „römischen Frage- darf man nicht außer Acht lassen, daß Papst und Kurie nicht nur mit dem König, sondern mit dem Ministerium und mit sehr fink« tuierenden Parteigruppierungen im Parlament zu rechnen haben. Eine „Verständigung- zwi­schen Qairinal und Vatikan wäre noch lange keine Verständigung mit der „Regierung-, weder mit de» ministeriellen offiziellen Machthabern, noch mit den eigentlichen Gewalthabern, die hinter den Ministerien stehen. Italien ist zeitweise

wenig von den Ministern und noch weniger vom Könige regiert. Endlich ist die sog. römische Frage keine rein italienische, sonder» der inter­nationale Charakter des Papsttums erschwert die Lösung in gewiffem Sinne. Ein denkender Politiker mutz fich also sagen, daß der „gute Wille- auf dieser oder jener Seite nicht auS» reicht, um der besondern Stellung des PapsteS gerecht zu werden. Guter Wille ist zwar auf allen Seiten eine notwendige Vorbedingung zur Lösung der „Frage-, aber die „Frage- ist der­art kompliziert, daß ste vielleicht nicht am grünen Tisch, sondern durch die Sprache heule noch un« vorhergesehmer Eregniff« beantwortet werden wird. Ganz verkehrt ist eS von „Gelüsten- des hl. StuhleS zu reden. Audiatur et altera para! Ich möchte wiffen, ob nicht z. B. die gegen- wärtige Regierung Italiens sofort von den Radikalen, Liberalen und Sozialisten als „reak- tiouär- oder „klerikal- vrrschrien würde oder gar gestürzt werden könnte, wenn sie fich mit dem Papste auSsöhnte. Glaubt ma» denn, daß ein ganz freier, sehr populärer Papst, der in Italien umherrrtste, der Regierung oder gar dem Könige besonders angenehm wäre? Als gefügiger Hof. btfchof. allenfalls als Primas von Italien ließ man sich den Papst gern gefallen. Aber gegen einen wirklichen Pontifex Maxim IS in Freiheit würden sich alle radikalen und antiklerikalen Ele­mente wehren. Diese eine Andeutung genügt wohl schon, um die Urteilsfähigen einsehen zu kaffen, daß ix der Vatikan Quirinalfrige auf beiden Seiten große Schwierigkeiten zu über­winden sind und daß es mit einem einseitigen „Verzicht- Pius' X. aas „territoriale Ansprühe" noch nicht getan wäre. Die Garantien für eine gesicherte, würdige, freie, unabhängige Ausübung seines obersten HirtenamteS würde fich der Papst durch einen derartigen Verzicht doch noch nicht schaffen können!

* Regengesetze.

Der Regen hat fast ebenso viele Launen, Ivie der Wind, und beide sind ja auch am meisten r.itt einander verschworen. Nur der wichtige Unter­schied besteht zwischen beiden, daß man die Gesetze der Windbahnen und der Windstärke in ihrem Zusammenhang mit den Schwankungen des durch das Barometer angezeigten LuftdruÄ sehr genau kennt, während man über die Ursachen der recht ungleichen Regenverteilung nur wenig Sicheres zu sagen weiß.

Im allgemeinen glaubt man, daß der Regen­fall wesentlich von der Erhebung des betreffenden Teils der Erdoberfläche abhängig ist. Doch kann diese Beziehung sicher nicht immer stattfinden. Es kommt nämlich an manchen Tagen vor, daß sehr starke Regengüsse über eine Ebene niedergehen und die benachbarten Berge verschonen. Die Regenmessungen weisen allerdings nach, daß durch­

Franz von Ven-rn.

Novelle von Starga «rechten.

39 ------ Nachdruck Verbotes.

(Schluß.)

„Mit Dir überall!" sagte die glückliche Frau. „Aber sage, ist Dir der Name Wenden sehr ver­haßt und auch alles, was damit zusammenhängt?"

„Nicht gerade alles. Ich denke gern an meine Eltern, welche ihn geführt haben, aber mich er­innert er an meine Schuld gegen Dich", ant­wortete er mit zitternder Lippe.

„Vergiß es, Franz, ich bitte Dich, und nun komm, stütze Dich auf mich, ich möchte Dir so gern zeigen, was alles auf Dich gewartet hat." Sie führte den Gatten zu den Gaben, die mit so rührender Liebe aufgehäuft waren. Als er mit freudiger Rührung das Bild seiner Heimat be­trachtete, öffnete Elma das Kästchen und darin lag — der Kaufbrief des Wendenhofes! Es war zwar noch lange nicht alles abbezahlt, aber Doktor Almhaus konnte das Fehlende von dem Seinen leicht ersetzen.

Und er, der Heimgekehrte, sprach nicht gleich, sein Herz war zu voll, aber er drückte die treue Frau so innig und zärtlich an sich und heiße Tropfen fielen auf ihre Stirne, gerade wie da­mals, aber diesmal waren es Tränen des reinsten Glückes.

„Mein Liebling, mein alles!" sagte er endlich weich; „zaghaft kam ich zurück, ich hatte verdient, mit Kälte und Vorwurf ausgenommen zu werden, und nun überhäufst Du mich mit solcher Zärt­lichkeit. O, der Wendenhof! Möge er uns eine liebe, frohe Heimat werden! Wie werde ich mich freuen, ihn wieder zu sehen, und Dir dort jede Stätte teuerer Erinnerung zeigen zu können! — Wenn Du willst, so bringen wir den größten Teil des Jahres in Berlin zu; ich möchte meinem dortigen Wirkungskreis nicht gern entsagen und Du sollst sehen, ein wie heiteres, geselliges Leben Dich da erwarten wird. Die Zeit des Spät­sommers und Herbstes aber wollen wir auf dem

schönen Wendenhof zubringen, den Deine Liebe mir wieder gewonnen hat. Er küßte ihr holdes Gesicht und sie fühlte sich reich belohnt, als sie in seine dankbar leuchtenden Augen sah.

„Laß uns einen Plan für die nächsten Tage fassen", fuhr Wenden fort. „Wegen meiner Krankheit mußte ich mir einen viermonatlichen Urlaub gönnen, es bleibt uns noch über die Hälfte dieser Zeit, welche wir an irgend einem schönen Orte zubringen wollen. Willst Du, mein Herz?"

Sie lächelte froh: „Laß uns schon morgen reisen, Franz. Wir weichen dann jeder lästigen Neugier aus und sind mit unserm Glücke allein. Joseph mag uns später nachkommen und dann mit uns nach Berlin reifen, während die gute Truda hier Haus hält bis zum Sommer. Ich werde ihn und Rika morgen durch ein Billet be­nachrichtigen, daß ich verreist sei. Komm nun zur Ruhe, Du bist noch nicht gesund, und ich möchte Dich so gern pflegen."

Welch ein glücklicher Weihnachtsabend ist dies gewesen! Er schloß zehn Jahre der Trauer ab, und verhieß ihnen beiden eine sorgenfreie Zu­kunft voll Frieden und Glück.

Sie gingen zur Ruhe. Die Weihnachtsglocken läuteten von fern und mit heißem Dankgebet dachte Elma an jene Nacht, wo die nämlichen Töne sie in so bitterm Leid angetroffen hatten.

In der frühesten Morgenstunde besuchten die wieder bereinigten Gatten das nahe Gotteshaus und baten um Segen für die kommende Zeit. — Am Abend des ersten Feiertages reifte Professor Almhaus mit seiner glücklichen Frau nach dem schönen München. Truda sandte ihnen das nötige Gepäck nach. Der junge Doktor Lehrbach halte jedoch einige Mühe, bis seine hübsche Braut end­lich das Grübeln über Tante Elma's plötzliche Abreise einstellte und sich mit seiner allerdings ehr unzureichenden Erklärung zufrieden gab.

14. Kapitel.

Auf dem Wenden Hofe.

O niemals, niemals ist's zu spät Für einen warmen Sonnenstrahl, Ob kühl auch schon der Herbstwind weht,

schnittlich in hoher gelegenen Gegenden größere Regenmengen fallen, als in den Ebenen. Die Erklärung dafür liegt darin, daß die Luft an den Bergen in die Höhe steigt, sich dabei abkühlt und, loeil kältere Luft weniger Wasserdampf halten kann, diese zunächst in der Gestalt von Wolken und dann von tropfbar flüssigem Wasser aus­scheidet. Diese Deutung fußt durchaus auf siche­ren Naturbeobachtungen, wird aber doch nicht immer und überall zur Deutung der Verteilung des Regens genügen. Auch ist es sehr hinderlich, daß man noch immer keine genaue Vorstellung davon hat, wie sich der Regen selbst eigentlich bildet.

Man hat vermutet, daß elektrische Erschein­ungen dabei eine Rolle spielen, und dadurch würde noch ein anderes Mittel zum Verständnis des stärkeren Regenfalls im Gebirge gegeben fein. Ist die Regenbildung von Einflüssen der Elek­trizität abhängig und wirkt die Luft wie gewöhn­lich als schlechter Leiter der Elektrizität, so müßte um so weniger Regen fallen, je dicker die Luft­schicht zwischen den Wolken und dem Erdboden ist. Da nun die Wolken hoher über der Erde als über den Bergen zu stehen pflegen, fo mürbe sich daraus ergeben, daß der Regen über letzteren leichter niederkommt. Diese Annahme hat den Vorzug, daß sie ebenso für die Niederschläge in der Gestalt von Regen wie für die in der Gestalt von Schnee zutreffend ist; andererseits leidet sie an dem Nachteil, daß das Zustandekommen des Regens durch Einwirkung der Luftelektrizität nichts weiter ist als eine unbewiesene Hypothese.

Ein Mitarbeiter des „Kosmos" greift daher noch zu einem anderen Mittel, um zu einem Ver­ständnis der Unterschiede des Regenfalls in den verschiedenen Höhen zu gelangen. Regen oder Schnee fällt nur, wenn die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist, andernfalls unterliegt jeder Wasser- tropfen und jedes Eiskriställchen, das im Luft­meer umherschwimmt, der Verdunstung und ver­liert infolgedessen an Volumen. Je dicker nun die Luftschicht ist, die von jenen Tropfen oder Kriställchen zu durchmessen ist, desto stärker wird auch der Verlust durch Verdunstung sein, und zwar vermutlich für den Regen großer als für den Schnee, weil das Wasser leichter verdampft als das Eis. Ueberdies besitzt ein Wajsertropfen eine größere Geschwindigkeit als eine Schneeflocke, und auch das befördert die stärkere Verdunstung des Regens. Daraus würde sich klar ergeben, daß Regentropfen, die von den Wolken bis zum Erd­boden eine Luftschicht von 1 bis 2 Kilometer zu durchdringen hätten, leichter in die Gefahr kom­men, ganz aufgezehrt zu werden, als wenn die Wolke sich dem Erdboden näher befindet. Damit wäre in zwangloser Weise der häufigere Regenfall im Gebirge erklärt.

Daß die Vorausfetzungen dieser Theorie nicht willkürlich sind, dafür sprechen verschiedene Be­obachtungen. Einmal ist sicher, daß häufig ein Regenfall, der in einer gewissen Hohe über der Erde beginnt, den Erdboden gar nicht erreicht, indem die Tropfen auf ihrem Weg bis dahin ver­dunsten. Dieselbe Erscheinung macht sich ferner beim Beginn fast jedes Regens bemerkbar, indem

Es legt sich hell auf Berg und Tal. Und niemals, niemals ist's zu spät Für eines Menschen Lebenslauf: Ob ihm des Glückes Sonne geht Auch erst zu später Stunde auf.

Fr. v. Brakel.

XXXI.

Das war der Wendenhof! Heller Sonnen­glanz lag über dem alten Gebäude, dessen graue Mauern mit dem spitz zulaufenden Dache und dem mächtigen Turm an der einen Seite von den Stürmen und Zeiten erzählten, die über sie hin­gezogen. — Aus dem dunklen Fichtenwalde stieg das Gezwitscher der Vogel empor, und von den dichten Baumkronen des Parkes lockte der me­lodische Ton der Amsel.

Es war ein herrlicher Ort. Jenseits des See's zog sich die Landstraße hin; sie stand mit dem Gute nur durch diesen und einen breiten Fahrweg in Verbindung. Der letztgenannte führte auch zu den hinten liegenden Hofgebäuden und den angrenzenden Feldern und Wiesen; von dorther klang zu dieser Zeit das laut^ geschäftige Treiben der Knechw und des übrigen Gesindes herüber. Aber auch auf dem großen Platze vor dem Hause war es nicht einsam. Aus dem an­mutigen Rasenbeet neben der Freitreppe saßen eben jetzt ein Herr und eine sehr hübsche Dame im lichtblauen Sommerkleide: Professor Almhaus mit seiner Elma. Sie hielten oft in ihrem Ge­spräch inne und blickten nach der großen Buche, welche nicht weit von ihnen am Eingang des Parkes stand.

Auf einer Moosbank unter dem Baume sah man eine alte Frau sitzen, vor derselben hüpfte ein bildschöner Knabe auf dem Grase umher. Er hatte die Hände voll Blumen und bemühte sich, die stattliche weiße Haube der Alten damit zu schmücken; sie lächelte ganz selig über die kind­lichen Versuche. Da — endlich hat auch das zier­lich gefaltete Halstuch eine duftende Rose erhalten, — jetzt schüttelt der Kleine die langen, braunen Locken zurück und jauchzt laut auf vor Vergnügen: „Papa, Papa, Erwin gute Trude putzt!" —

32. Jahrgang.

erst einige vereinzelte Tropfen niederfallen, ehe der Regen mit ganzer Wucht einsetzt. Von den ersten Tropfen verdunstet eben eine große Menge, während die späteren in der bereits gesättigten Luft diesem Einfluß nicht mehr unterliegen.

Permifdifes.

* Eine« studierte« Kuhhirten hat da- Gut S. auf Rügen. Wie der ,Tägl. Rundsch/ mitgeteilt fchb, hatte der Mau« dar Unglück, daß ihm der Kuhhund in- Gesicht biß, wodurch die eine Lippe eingeriffen und auch ein Teil der Nase verletzt wurde. Die Bkiletzuugen waren so schwer, daß ärztliche Hülfe nötig wmde. Al» der Arzt die Wunde« vernäht hatte und der Kuhhirt sich hernach im Spiegel besah, meinte er, daß die eire Wunde ander» genäht hätte werden müffen. Der Arzt hörte überrascht auf und fragte, woher er denn zu derartigen chirurgischen Kenntniffen käme. Da stellte e» fich den» heran», daß der Kuhhirt« ein ehemaliger Mediziner war, der die Univerfität hatte ver lassen müffen und jetzt sein Brot al» Kuhhirt verdiene.

".Stimmt. „Wa», der Baron, der da» gar« Geld seiner verstorbene« Frau durchgeputzt h-ft, hei­ratet wieder ?" — „Ja — auf vielseitige» Verte «gen noch einmal.-

biferarifdies

Das letzte Märchen. Ein Idyll von Paul Keller. Allg. Verlagsgesellschaft in München. Preis brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50.

Paul Keller, der junge temperamentvolle Schlesier gehört nicht nur zu den Schriftstellern, deren Werke den ungeteilten Beifall der Kritik finden, sondern auch zu den Glücklichen, deren Bücher das Publikum gern^unb viel kauft. Sein frischer, herzfröhlicher Roman „Waldwinter" er­schien vor drei Jahren und wird nun eben in siebenter Auslage neu ausgegeben; sein Roman „Die Heimat", den Felix Dahn eine „ausgezeich­nete dichterische Leistung" nannte, liegt nach kaum mehr als Jahresfrist ebenfalls schon in dritter Auslage vor. Und nun bietet er der deutschen Leserwelt im „Letzten Märchen" ein herrliches Prosa-Idyll, von dessen wundersamen Eigenart zu hoffen ist, daß es mit der Fülle seiner Poesie und seinem prickelnden Humor seinen Weg zum Volke finden werde. Es enthüllt uns eine wun­derbare Zauberwelt, in der alle Märchengeschich­ten unserer Kindertage daheim sind und in der wir allesamt unsere Kinderheimat wiederfinden. An diesem fabelfrohen Buche wird jeder reife Leser sich ergötzen und erquicken.

Zur Sommerfrische

Sgfe L-k-L Myrrholinssife.

Ja, es war wirklich der so lange und so heiß ersehnte Erbe, der Mittelpunkt aller Liebe und der Stolz seiner Eltern! Er zeigte die edlen, schonen Züge seines Vaters, aber sein Sinn schien nach der Mutter zu arten. Mit jedem Jahre entwickelte sich der kleine Erwin herrlicher und setzte sich fester in dem Herzen der Eltern.

Dies war der vierte Sommer, den die beiden Gatten auf dem Wendenhof zubrachten. In der übrigen Zeit war das Schweizerhaus in Berlin ihre Heimat, und Rudenz und Susi taten redlich das Ihre, um den kleinen Sprotzling zu verziehen.

Auch Doktor Lehrbach und feine junge Frau kommen alljährlich zum Besuche nach dem Wen­denhof. Die schone Erika hat längst erfahren, ein wie großes Unheil ihr allzu zärtliches Brief­chen einst gestiftet. Ihre sorglose Heiterkeit war nach dieser Nachricht für lange Zeit getrübt, aber als sich nach zwei Jahren ein liebes Wesen, eine kleine Elma einstellte, lebte sie wieder fröhlich auf und hofft, daß ihr Töchterchen der geliebten Patin ähnlich werde.

Jahre vergingen. Einmal, als der scheidende Sommer schon lange, glänzende Fäden zwischen den schlanken Stämmen der Waldbäume ge­sponnen, brachte die Posttasche die seltsame Kunde von einem Verschollenen, fast Vergessenen, denn nur der Blick aus dem Eckfenster und der Ge­danke an die Heimgegangene Mutter hatten Dok­tor Almhaus zuweilen an jenen Ruderschlag er­innert und an das, was darauf gefolgt war.

Und wieder wurde einst drüben am Ufer die Kette gelost, und ein Nachen kam über den See. Auf den Fährmann gestützt, stieg ein alter, ge­beugter Herr mit weißem Haar und Bart an's Land. Er näherte sich langsam dem ihn herzlich erwartenden Paare, streckte ihm beide Hände entgegen und bat:

„Nehmt den müden Wanderer in Euer trautes Heim auf! Einst soll die reiche Habe des Onkels dem Enkelsohne meiner teueren Gisela gehören."