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Fulda, Mittwoch, dm 5. Juli 1905.

32. Jahrgang.

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Um neben dem Rechte der alleinigen Lehr« Äung noch weitere Vergünstigungen an stertitel zu knüpfen, schlägt die Ham­burger Kammer dem Kammertaze folgende Re« solution vor:

») Dem Haudwerkerftaure ist eine w-seutliche

unterzeichnete» HaudwertStammeru lehnen den allge­meine, Befähig»»,»Nachweis ab, und sehe, daher in den vorgeschlageurn Bestimmungen nicht eine Staffel auf dem Wegezmn allgemeinen BefähigungS-Rrchweise, sondern ste betrachten diese Vorlage alS eine vollständig selbständige zur Hebung der Ausbildung des Nachwuchses im Handwerkern-rüde. Nicht in der Forderung des allgemeinen BefähtgungS-NachweiseS steht die von der Hamburger Kammer vertretene Richtung im deutschen Handwerk ein Allheilmittel zur Beseitigung der Schäden Är Handwerk, sondern in der Gewähr einer ordunugS-

, wenn er nach den jetzigen Bestimmungen Gewerbe fünf Jahre lang selbständig betrieben hat, noch keineswegs eine Gewähr für die Befähigung zur Ausbildung von Lehrlingen bietet und die Gesellenprü­fung allein weder den Wünsche» deS Handwerks, noch de» tatsächliche» «erhältatffen genügt. Wird deshalb die Berechtigung, Lehrlinge anjulrtten, auch von der Ablegung der Meisterprüfung abhängig gemacht, und steht drnmach der Lehrling während seiner Lehrzeit unter dem Eindrücke deS Bewußtseins, daß er niemals dahin kommen «erde, selbst Lehrlinge an?,«bilden, «en» er nicht die Gesellenprüfung und nach unndesteuS dreijähriger Gesellenzeit die Meisterprüfung bestanden hat, so ist ,» erwart«, daß der Lehrling bester, alS eS bisher der Fall gewesen, seine Lehrzeit duich Aneig- mmg der erforderlichen gewerblichen Ausbildung benutze» wird, und daß auch im Hinblick auf d« Lehr Herr» eine Garantie daran zur gewiflenhaftm Erfüllung der ihm vblteg«de» Verpflichtungen «blick! werden wird.

für drMg«d gebot«, daß nur solch« Handwerkern daS Recht zur Ausbildung von Lehrling« zuerkannt wird, die nicht nur durch eine Gesellenprüfung bewies« hab«, daß ste ihr Handwerk ordnungsmäßig erlernt hab«, sondern die auch durch eine Meisterprüfung be­wiese» hab«, daß steihr Gewerbe alS Meister beherrsch«, und daher berechtigt sind, Lehrlinge auSzubilden. Im Hinblick daraus mLff« an die Qualtstkalton deS Lehr­weitere Anforderung« gestellt werd«, da ein

D 8ör und wider den Befähigungs­nachweis!

Die wichtigste Frage, die bin demnächst in Köln stattfindenden 6. Handwerks« und Gewerbe- kammertag beschäftigen soll, wird die des sog. „Befähigungsnachweises- sein. In derselben ist daS deutsche Handwerk gespalten. Die eine Hälfte der Handwerkskammern als der gesetzlichen Ser- tretungSkörper deS Handwerks unter Führung der Kammer Wiesbaden verlangt den Be­fähigungsnachweis in der Form, daß die Aus­übung eines Handwerks allgemein von der Be­stehung der Meisterprüfung abhängig gemacht werden soll; die andere Hälfte verwiift den Be­fähigungsnachweis auch im Prinzip und hält lediglich dir Bestimmung für praktisch, daß das Recht der Lehklingsanleirung an die Berechtigung zur FSH unz des Mristerritris geknüpft wird. Als Vorbed.ngunz zur Ablegung der Meister« Prüfung, ohne die bekanntlich der Meistertitel in Berbttroung mit der Beziichnung eisel Hand­werks nicht geführt werden darf, muß die Gr- feüenprüfuna abgelegt worden fein. Wir haben bereits im März die Gründe, die die An häng« deS Befähigungsnachweises für ihren Stand­punkt anführen, mitgeteilt und laffrn, um beiden Teilen gerecht zu werden, nunmehr auch die letztere „milbere" Richtung mit der Begrünbung ihres Standpunkies za Worte kommen.

D« Standpunkt bet letztem ist von bet Gr- werbekammrr Hamburg in besonderen Gesetzes« Vorschlägen formuliert worden, die neben den­jenigen der Kammer Wiesbaden dem Kammertage unterbreitet werden sollen. In der Begründung Hrer GesetzesvorschläZe greift die Hamburger Kammer auf die Kommissi drraturigen deS jetzigen Gesetzes vom Jahre 1897 zurück, indem ,fie u. a. schreibt:

Der In bet Kommst st »Sberatim, der Handwerker­novelle erstellte wettergeyende Antrag Euler, der dem­jenigen die alleinige Berechtigung zur Ausbildung von Lehrling« z«erk«»en wollte, welcher die Meisterprü­fung bestand« hatte, stieß auf den Widerspruch der verbündete» Regierung«. Der damalige Staatssekretär deS Inner», v. Bötticher, gab die Erklärung ab, daß die Aunahme dieses Antrages das Zustandekommen des ganze» Gesetzes gefährde» werde, da i» dem Antrag et» wettere» Zugeständnis für Die Anhänger deS Br« fLhigungS-RachweiseS liege. Da die verbündet« Re­gierunge» de» allaemeinrn BefähignngS-NachweiS ab- lehn«, mußte» sie auch de» erst« Schritt auf dem

Zuschlag-Erteilung betreffend der Vergebung von Sff«tlich« Bant«, Leistung« «ud Lieferung« be- stimmt wird, „bei Sleichweittgkeit der Leistungen soll demjrnt,« unter de» Handwerkern der Vorzug ge- geb« werde», welcher den Meistertitel zu führe» be- rechtiar ist

b) Seitens der Behöwe» des Staate» und der Gemeinde» wxb namentlich fett«» des Gerichts find

z« Sachverständige», soweit Handwerker in Frage komm«, in HandwerkS-Angelegenhette» nur solche Personen zu bestelle», welche de» Meistertttelg» führe« berechtigt find, und schließlich

c) seitens der Behörden de» Staates und der Ge­meind« ist darauf htnzuwirk«, daß m Mitgliedern der Vorstände und Kuratorien der staatlichen und staatlich unterstützt«, sowie städtisch« Fach- und Fort- büdnngSschuleu resp. JmmngSschul«, soweit Hand­werker in Frage komm«, nur Handwerker ernannt werd«, welche znr Führung deS Meistertitels be- rechtigt sind.

ES ist keine Frage, daß bet Meistertitel, mit ben vorgenannten Rechten umgeben, ein wichtiges Recht für ben Hanbwetkerstanb darstellt, und daß die Qualifizierung lediglich geprüfter Meister zur LehrltngSanleitung einen Fortschritt bedeutet, der dem eigentlichen Befähigungsnachweis recht nahe kommt. Für die letztere Forderung ist auch im Reichstage eine Majorität vorhanden, unter dessen Druck die Regierung schon eher nachgeben wird. An den Befähigungsnachweis, wie ihn die unter Führung bet Wiesbadener Kammer stehenden Handwerkskammern verlangen, daß nämlich niemand ein Handwerk anSüben darf, bet nicht in irgend einem Handwerk« zweige die Meisterprüfung abgelegt hat, ist, foroeit die Regierung in Betracht kommt, in nächster Zu­kunft nicht zu denken. Unter diesen Umständen scheint auch die Eventualforderung, daS Recht 6« Lehrlingsanleitung nur geprüften Meistern zu verleihen, in Verbindung mit der Forderung deS Befähigungsnachweises nicht besonders prak­tisch. Politisch zweckmäßiger dürften die Vor­schläge der Hamburger Rammet fein, auf die der demnächst stattstndende 6. Handwerker, und Srwerbekammettag fich hoffentlich einigen wird. Denn der Befähigungsnachweis ist nicht allein eine wirtschaftliche, sondern, soweit die verbün« beten Regierungen als gesetzgebender Faktor in Betracht kommen, auch eine politische Frage. Und in bet Politik gilt bet Grundsatz, möglichst nach dem Erreichbaren streben und auf Grund deS neu gewonnenen Bodens zu weiteren Zuge« ständniffen zu gelangen suchrn.

Dieser Tatsache sollten die Handwerkskammern Ausdruck geben, und mit vereinten Kräften fich auf die Propaganda für die nächsten gesetzlichen Forderungen wttsen, statt, waS sonst zu be­fürchten ist, die bisherige Spaltung aufrecht zu «halten ober gar noch zu erweitern. Rur die volle Einigkeit der amtlichen Vertretungen der Handwttker kann die wtdetsttebenben Parteien und Regierungen zu Zugeständnissen bewegen.

Deuffdies Reich.

Berlin, den 4* Juli 1905.

§ Dem .Verl. Lokalanzeiger' zufolge sollen zu der Gt»die«reif« «ach Kamerun und Togo 8 ReichStagSabzeordnete eingeladen werden. ES wird namentlich auf die Teilnahme von Mit­gliedern der Budgetkommisston gerechnet. Die Reife gilt hauptsächlich bet Besichtigung der Plantagenbetriebe und der bereit« fertiggestellten Eisenbahnanlagen sowie bet Prüfung bei in Aussicht genommenen Bahnprojekts in Kamerun. Die Abreise soll am 10. August von Hamburg erfolgen, die Rückkehr ist am 30. September geplant.

♦ Die ,Konservativ« Korrespondenz' weist mit deutlicher Bezugnahme auf die .Deutsche Tages­zeitung' die Behauptung zurück, baß bie Gründe für den Rücktritt de» Grafem Limdmrg- Siir«« von der Leitung der konservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses in anderen Umständen als in GrsundheitSrückstchten zu suchen seien. ES liege nichts, absolut nichts vor, waS daS Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen brauche.

§ Die .Deutsche Tageszeitung' faßt in einer längeren Besprechung fiter bie Eisenbahn- terfreform ihr Urteil in folgende Schluß sähe zusammen: „Alles in allem muß von bembeab- sichtig ten Reformtarif gesagt werden, baß er zwar eine gewiffe, durch die SchnellzugSzuschläge jedem Teil wieder aufgehobene Vereinfachung bedeutet, auch für eine Minderzahl von Reisenden eine Ermäßigung, daß aber das Sesamturteil in der Reisendenwelt lauten wird: Die Eisenbahnver­waltungen haben nicht so sehr eine wirkliche Re- form für ben Verkehr selbst al« eine Steigerung ihrer Einnahmen durch wesentliche Verleum­dungen bezweckt ober doch herbeiführt.

* Der,Antisem. Stott.' zufolge soll dem fron» zöfischen Sozialistenführer Jmirrb» ein öffentliches Auftreten und irgend welche polnische Betätigung in Berlin nicht gestattet wnden.

* Aus Darmstadt wird eine meme Kmud» gebnng de» „liberalen" Studentenschaft der dortigen techniichen Hochschule gegen di« konfessionellen Studentenverbindungen gemeldet. Dem .Berliner Tageblatt' zufolge hat diese Studentenschaft heute abermals gegen die konfessionellen Korporationen Stellung genommen.

Im Sinne der bereits früher in der Angelegen­heit gefaßten Beschlüsse, sowie der bekannten Eisenacher Resolution wurde eine Eingabe an das Rektorat der hiesigen Hochschule genehmigt, worin zwar nicht die Auflösung der konfessio­nellen Studentenverbindungen gefordert, aber zum Ausdruck gebracht wird, daß die hier bestehenden beiden katholischen Korporationen nicht für bie hiesige Studentenschaft existieren, und daß diese eS somit auch ablehnt, mit den katholischen Ver­bindungen an irgendwelchen fiudententischen Ver­anstaltungen teilzunehmen, beziehungsweise solche daran tellnehmen zu lasten.

*♦ Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht eine Verordnung bett, die Tagegelber nnb Reisekosten der Beterinarbeamten auf Grund deS 8 12 des Gesetzes vom 24. Juli 1904. Hiernach erhalten bie Kreis tierärzte bei Dienstreisen zur Verrichtung veterinärer oder sanitätSpolizeiltcher Geschäfte innerhslb ihrer Amtsbezirke an Tagegeldern 10 M., bei einer zweitägigen Dienstreise im ganzen nur 15 Mark. Wird die Dienstreise an einem Tage an» getreten und beendet, so tritt eine Ermäßigung brr Tagegelder auf 8 M. ein. Die Reisekosten betragen bei Reisen auf Eisenbahnen und Dampf- schiffen für das Kilometer 7 Pfg., und für jeden Zu- und Abgang 2 Mark, bei allen anderen Reisen 40 Pfg. pro Kilometer. Bei Steifen in ge­richtlichen Angelegenheiten beträgt dos Taggelb 7.50 Mk. Bezüglich der Reisekosten |iU das gleiche wie oben. Die Dep »rtementstierärzte beziehen anlagegeldern S M., an Reisekosten auf Eisenbahnen nndDampsschiffen 9 Pfg. proKilometer und für jeden Ab- und Zugang 3 Mark, bei Reisen, die nicht auf Eisenbahnen zurückgelegt werden können, betragen die Reisekosten 50 Pfg. pro Kilometer.

* Für bie Lantztagsersatzwahl in Berlin I hat die freisinnige VoUSpartei an Stelle deS verstorbenen Dr. Hirsch den Anwalt der Schulze Delitzschen Senoffenschaften, Dr. Erüger-Charlollenbmg als Kandidaten in Ausficht genommen. Dr. Crüger gehörte dem Abgeordnetenhause von 1898 bis 1903 bereits

an. Im Reichstag vertrat er von 1901—1903 den Wahlkreis Wiesbaden Rheingau-TaunuS.

** Für bie Neichstagsnachwahl in Fürth Erlange« — die Wahl deS Abg. Barbeck wurde bekanntlich für ungiltig erklärt — haben die Freifinnigen wiederum ben Magistrats- rat Barbeck in Nürnberg als Kandidaten auf- gestellt. Die Deutsche VoUSpartei hat nach den bier vorliegenden Meldungen beschloffen, diese Kandidatur zu unterstützen. Da auch der Bund der Landwirt« für Barbeck eintritt, hängt es von den Natioralliberalen ab, ob die bürgerlichen Parteien geschloffen gegen die Sozialdemokratie, die den früheren ReichStagsabgeordneten, Ar- bdlerfefretäe Segitz, aufstellt, vorgehen können.

* Zn bcnt Ausfall bet Wahlen in ben Niederlande« schreibt die.Kiemzeimng' wie folgt: „®8 Hal bei ben konservativen Pro teftanten unliebsames Aufsehen erregt, daß der ganze Verlust, den die eben beendeten Wahlen der konservat v klerikalen Koalition brautet, von der protestanrisch - orthodoxen Partei getragen wird. In der Tat find alle 25 Ultra» ontane zum größten Teil mit protestantischer Hilfe wiedergewählt worden. Aber bie Fraktion Dr. Küppers hat von ihren 23 Mandaten rund 10 eingebüft und trägt somit allein den Schaden. Wie dies gekommen, ist «och nicht völlig aufge­klärt. In einigen Bezirken haben offenbar die Uliramcntcnen daS Bündnis nicht eingehalten, und diese Disziplin lofiskeit der konservativ ge­stimmten Parteien hat natürlich sehr viel zum Sieg brr Oppofitioorpartettn beigetragen. — Auch wir halten eS für geboten, baß die 8«ge­lt gen beit aufgeklärt wird.

** Zeitungsnachrichten zuso'ge hat sich in wellen Kreisen die Meinung verbreitet, daß fettens der Schulbehörden mit Rücksicht auf die in Oberschlesien herrschende Genickstarre epibemie her Besuch der schlesischen Bäder für bedenklich geholten werde. Hi«rzu stellt bie .Nordd. Allgtm. Zig.' fest, daß weder fettens der Kultusministers noch teS Berliner P, ovinzial Schulkollegiums eine Warnung vor Bisach der genarrten Bä^er ergangen ist. Auch ist erfreulicherweise ein merklicher Rückgang der Epidemie zu verzeichnen. Jrn Riesengedtrge find übrigens während der ganzen Epidemie Fülle von Genickstarre überhaupt nicht feßgestellt worden.

♦♦ DaS Organ der brannschtoeigischen Welfen, die .Vaterländische Volkszeitung', «er» öffevilicht ben Wortlaut der Adieffe an den Reichskanzler betreffend bie Erledigung bet braunschweigischen Frage. In der Adresse heißt eS vom Herzog von Eumbenand: „Daß er bie ReichSverfaffun; und damit ben gegenwärtigen Besitzstand aller Verbündeten Rexierunc en en. erkennt, habe er wiederholt unzweideutig aus­

gesprochen." Die ,Baff. Ztg' meini: »Die Unterzeichner der Adresse würden ft* ein großes Verdienst erwerben, wenn sie den Nachweis er­bringen könnten, wo und wann der Herzog von Cumberland „beit gegenwärtigen Besitzstand der Verbündeten Regierungen anerkannt habe".

Busland.

* Die Gedenkfeier des VSjShrige« Bestehens des KönigsreichS Belgien wurde am Sonntag im Park von Tervueren, 12 km östlich Brüssel, begangen. AuS diesem Anlaß veranstaltete der Verband belgischer Kolonial­vereine dem König eine Huldigung, woran fich Mitglieder der Regierung, Diplomaten, sämtliche Militärvereine sowie ejnc ungeheure Volksmenge beteiligten. Rach der HuldtgungSfeier erfolgte die Grundsteinlegung zum Kolonialinstitut. Dtr König betonte in seiner Ansprache: beim heutige« 20jätzrigen Jubiläum der Gründung des Kongo- floate», daS mit der Eröffnung der National feste der belgischen Unabhängigkeit zusammer falle, sei ihm daran gelegen gewesen, der belgischen Jugend eine Anstalt zu gründen, worin fie die Barbe- retiung für Weltbenfr ft nbat soll. Diese Ecole diale sei bie Ergänzung des Kongowerkes. 150 Ojfiziere, Afrikaforscher und Missionare fanden fich trn Geleite des Königs.

* Da« holländische Ministerium hat nunmehr seine Entlassung eingereicht. Der Rücktritt des Robinets ist bie Folge deS Ausfalls der Kammerwchlen, auS denen bekannt­lich eine regierungsfeindliche Mehrheit hernorging.

* Ein neuer Panamafkandal? Mr. Wallace, btt erste Ingenieur vom Panamakanal, ist von seinem Posten gurfitf getreten. Der New- Norker,Herold' erklärt, daß bie Kanalaffären „stark verwickelt" seien, und die New Iorker .World' spricht sogar vo» einem „beoorftehenben großen Skandal". Auch die New 9) artet .American' sagt, daß „bedenkliche Enthüllungen" vorliegen. Leute, die die Panamasache kennen, erklären, bet Bau beS Kanals werde nicht 10, sondern 20 Jahre in Anspruch nehmen urd nicht 50 Millionen Pfund Sterling, sondern 150 Millionen Pfund Sterling etfotberu. Die Politik soll in erster Linie schuld daran sein. Präsident Roosevelt soll die Abficht gehabt haben, bie Bedürfnisse für den Kanalbau auf ben billigsten Märkten arzukaufen. Die? hat angeblich bie amerikanischen Gesellschaften im ganzen Lande in höchste Sntrüflung v-r setzt und zu der Forderung veranlaßt, daß alles Not­wendige, ohne RLckficht auf die Kosten, von Amerika zu beziehen sei. Prästdent Roosevelt sah fich gezwungen, nachzugeben, und die Ar­beiten an dem Kanal kamen dadurch, wie ver­sichert wird, zum Stillstand.

* Die französische DepnIierienkamMer nahm am Montag die letzten Artikel des Gesetz« enlwursS, betreffend die Trennung von Staat und Kirche, an. Die Vorlage wurde mit 341 gegen 233 Stimmen genehmigt. - DaS Gesetz wird nun dem Senat zur Beratur g über­wiesen werden, wo fich hoffentlich eine stärkere Oppofition gegen die franzöfische Kultur kämpfe; ei geltenb macht, wie in bet Deputier ter kämmet.

* Das vorbereitende Diözesan komitee, deS 5. allgemeine« österreichische« Katholiken­tage«, an dessen Spitze Ehrenpräsident General­vikar Bischof Dr. Marsch oll und Kämmerer Baron Wit t in g hoffen-Sch eil als P-äfidevt steht, erläßt einen Aufruf, worin es he'ßt: An der Unterstützung des vorbereitenden Diözesan» komtteeS beteiligen sich die verschiedenen Rationen ter Monarchie, gläubige Katholiken aller christ­lichen Parteirichtungen, und so wird auch der 5. allgemeine österreichische Kathottkentog mit Gottes Hilfe daS erbauende und stärkende Bi'd der Einigung aller Katholiken unseres Vaterlandes barstellen. Gerade jetzt, wo die Feinde brr Kirche mit verstärktrm Eifer gegen fie kämpfen, wo bie Zertrümmerung be# katholischen Oesterreichs als nahes Zcel der offenen unb geheimen Gegner erscheint, ist er Pflicht der Katholiken, fich nchrz-ttig zur gemeinsam,n Abwehr zu sammeln. — Der 5 allgemeine österreichische Katholikentag wird in der Zeit vom 18. dis 21. November d. I ab- geholten. Tie Tagesordnung steht bim Ernste der Sage entsprechend ausschließlich unter dem Zeichen der prakttich aktuellen Fragen.

* Die russisch japanische« Frieden«- verhandl«nge«. Wie Eie Stoff. Telegr. Sg»nt. vernimmt, sollen zu den bevorstehenden Frieden». Verhandlungen in Washington zur PEveg der Speztalsragen ruffischttseitS von kompeter t « Persönlichkeiten u. a. entsandt werden: D.r Direktor der Schc tzabteikung im F nanzwi we- rium Schipow, der russische Gesandte tn Peking Pokotilow, Professor MartenS, ter