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SetenhoortH^a

«chrMleitrnZos-vall«

ro«MMeee: „Illustrierte Soimtag^ettung

32. Jahrgang.

Fulda, Montag, deu 3. Juli 1905.

M 148.

druck mtö Verla, la StübaaXditirtnutaMi in $»Iba (Sameeie) Zrrslprecher Hx. 9.

Htflaoiai die petitreLs 25 »ta.? M »Ma* halnn-en wirt twühn. Habet! -ewährt.

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MMllßettinrnttanH amMMstSLMPff-

e Ltseubahumtulfter vsövr über die AbSaöersng der persomatarifs.

In drr letzten Sitzung heS Abgeordneten« Hauses gab am Samstag eine Interpellation dem Eisenbahumimfl« Budde den gewünschte« Aelaß. sich über die geplante Abänderung deS Tarifs für de» Personenverkehr auf den brat« schm Eisenbahnen auSznsprechen. Zunächst wirt der Minister darauf hin, daß vom Landtage so« «ah! wie auch vam Deutschen HrndelStage und anderen Korporationen wiederholt der Wanste nach einer Reform der Personentarife ausge* sprachen und zugleich auch bestimmte Forderungen gestellt worden seien. Insbesondere wurde die Einheitlichkeit des Tarif» für alle beut* scheu Lisenbahne« gewünscht, ferner die Festsetzung der Preise sür einfache Fahrkarten auf die Hälfte der jetziaen Rückfahrkarte«, un» beschadet der besonderen Bergünstigunge« für den Rah« und Vorortverkehr, Beseitigung der Zu« schlüge sür die Benutzung der Schnellzüge und erhebliche Ermäßigung der Sepäckfrachten unter Beseitigung bei Freigepäcks und Beibehaltung drr vierten Wagenklaffe.

Der Minister erklärte, er halte diese Vor­schläge für eine geeignete Grundlage, um endlich i« dem langersehnten deutschen Einheitstarife zu gelangen, und legte dann ausführlich bat, daß diese Grundsätze tn dem Reformplan einge« halten worden find.

Zunächst bestand, fo führte der Minister auS, volle Gtumütttzkett zwischen den deutschen Gisrubahuoerwal« tungrn darüber, daß die Rückfahrkarten auf«« hoben werden müssen, weil fie eine lln,erechtigkeU darstelleu, da fie fortgeseht den Anlaß zu Reibungen zwischen Reisenden und Mseubahnoerwattuuge» geben, «nd weil fir endlich die Onelle zahlloser Betrügereien find. Daß «affenhafte Betrügereien mit deu Rückfahr, karte« vorkomme», daS ist nicht etwa durch eine be­sondere Spionage }« meiner Rennte« gekommen, sondern ich erhalte fortges.tzt zahlreiche Zuschriften auS dem Publikum, ich möchte die Rückfahrkarten abschaffen, weil ich damit an allen «cken und Enden betrogen würde.

Wie gestaltet stch nun der Normalpreis? Fn der vierten Riefle kostet der Rilome!« belrnnllich 2 Pfennig. DaS ist de, billigste Tarif, der über, hauptvonirgendeiuer «ifenbahn gewährt wird. Dazu kommt weit«, daß die Nachlässe, die in Form von Arbett«karten, von Schüler, und Sonntag», karten, von Ratten für Sette»so»der,ü,e gewährt werde«, die nicht weniger al» 11,7 aller befahrenen Rilomet« betrage«, im wesentlichen «nonändert be­stehe« Metten sollen. Legt man nun diesen Satz von 2 Pfennigen zu Grunde und erhöh: nun den Preis für die höhnen Wagenklaffen um je 60 Prozent, so ge. laugt man bei d« dritten Wagenklafle auf den Normal« sah von S Pfennig, im wesentlichen also die Hälfte der jetzigen Rückfahrkarte, in der »wetten Riaffe auf 4,5 Pfg. und in der ersten Ri ffe auf 6,75 Pfg. Diese« Satz habe« wir tobeffe« von vornherein mit Rücksicht darauf, daß die erste Wagenklaffe stch am schlechtesten rentiert, auf 7 Pfennig abgerundet, «ine Aushebung d« vierten Wagenklasse würde mein« An. ficht »ach ein schwer« Fehler sein (Sehr ttchtig! und ZuRmmung); fir würde auch geradezu eine Plus- machrrei darstelleu, bi fie viele Reisenden nötigen würde, höhere Wagenklaffen zu benutzen.

!^"Die Abschaffan, der Rückfahrkarte und die sHm schaffua» des jetzigen kilometrtschen Schnell,ugSzufchlag» w«b der preußische» Gisenbahuvmwaltung rund 15’ « Millionen kosten. Da mir aber von diesem Hause ras Mandat gegeben war, die Brreinhtttlichmig

ohne groß« Ausfälle durchzusührrn. so wäre die Re­form schon di« gescheitert, wenn ich mich btt diesem GtonahmeavSfall einfach beruhigen wollte. Dazu kommt nun weiter, daß auch der «epäcktarif ne« geregelt werde« muß, und zwar in d« Richtung ein« «er. billigung. Darüber besteht kein Zwrtfl. daß bet jetzige Grpäcktarif sowohl in Süddeulschlaud wie in Preußen sehr hoch, ja za hoch bemessen ist. Wollten wir de» süddeutschen ««Wallungen zamuten, ihrerseits nach preußischem Must« da» freie Gepäck einzuführen, so würbe hi«an wiederum die Reform gttcheitert sein. Und da aabafttt# aus diesem hohen Hause wiederholt Stimmen laut geworden find, so habe ich geglaubt, in diesen Punkten den süddeutschen Verwaltungen ent- gegenkommen zu sollen, und daS wird gleichzeitig den Effekt habe», daß der »tonahmeautsall roi 15'/, Millionen wenigste«» zu einem ziemlich erheblichen Betrage gedeckt wird. Immerhin wird ab« noch eine erkleckliche Summe übrig gelassen, die nicht gedeckt wird, und hi« soll d« SchnellzugSznschlag Ab. Hilfe schaffen. Die Schnellrüge, die mehr sür den lokalen SchnellzugSs«kehr geschaffen find, sollen strigttafsen werde», u-»d e» werde» von dem Zuschläge nur die. jenigen Schnellrüge betreff«, die große durchgehende internationale Verbindungen darstellen.

Leb« den Gesamteffrlt der geplanten Reform laflen stch bestimmte Ziffern nicht augeben, eine» glaube ich sazen zu können, wen» ich znm Herrn Finanzmiutst» htogehe und ihm sagte, ich »«zichte auf die ganze Reform — er würde mir freudig und dank- bar die Hände schütteln und sagen: Ich bin froh, daß ich die Reform Io» bin. Daran» möge» fie sehe«, daß wir jedenfalls keine PlaSmachertt treiben. Die Ruud- reifeheste sollen bttbehatteu werden, und zrar ohne daß em besonder« SchnellzugSzuschlag «hoben wird. Der Berechnung soll der Normalpreis der einfachen Fahrkarten zu gründe gelegt und an Stelle des Schnell- zug»,nschlaa» eine »rhöhsng bi 8 Preises für die 2. nnd 3, RIoffe um 2 Pfg pro Kilometer, für die erste Rlaffe um 3 Pfg. erfolgen. Da» SrgebniS würde fttn, baß da» Rundreiseheft 3. Rlaffe etwa» billiger wird, al» eS j tzt ist, und für die erste und zweite RIoffe eine ganz minimale Verten«u»g «folgt. Wenn e» gelingt, einen einheitlichen Tarif für sämt­liche dentsche Bahnen durchzufuhren, würden die fflb« deutschen »isenbabn-Verwaltungen mit dem größten Ausfall zu rechne« haben. Diese könnten einigermaßen wettgemacht werte» durch Grsparrnfse au» der Br- triebSmittel-Gemeinschaft. Ob e» zu letzter« kommt, ist freilich mit Sicherheit noch nicht zu ersehe»; e« stehe» noch politische und finanzielle Schwierigkeiten entgegen. Die ««Handlungen haben einen guten Fort­schritt genommen, da» Sude und da» Wie der even­tuelle» Gestaltung ist aber noch nicht adzus-h-u. Rach mein« «nficht wäre übrigen» die Personeniarisresorm auch ohne die «etttebSmittel-Gemetoschast wohl denk- bar und durchführbar.

Die Art, wie wir de» Ausfall von 15'/, Millionen Mark decken w.llen, -ist die mildeste und ««echteste, die ich mir denken kann. Auf die theoretische Sr. Wägung, ob ein Schnellpigrzuschla, gerechtfertigt ist oder nicht, lasse ich mich hi« nicht ein. Ich beur­teile diese Frage vom rein praktische» Stand- punkt de» Verkehr-minister», der brfirebt ist, den verkehr zu fördern und »ach Möglichkeit den An- sprüche« b« Reisenden gerecht zu werden. Die Rrittt bat au» der geplanten Reform nur eine allgemeine Verteuerung de» Reis«» gemacht, eine fiskalische Plus­macherei, eine bureaukratische Maßnahme »sw Ich nehme an, daß alle die verantwortlichen R-daktenre, die die» grshrirben haben, auS gut« »bficht und Ueber- zeugung handelte». Richtig fi>b die Behauptungen ab« nicht. Ma» hat gesagt, 80 Prozent der Reisen­den würde» teuer« fahre» Nach unseren B«ech- »uugen, die alle Jnt«esse»te» noch prüfen können — da» Material stellen wir gern zur Be fügung — wer­ben zu Preisen wie bisher 80 Prozent Personellarif- kilomet« gefahren werden 12 Prozent werden er­mäßigt und nur 8 Prozent unter Umständen teuerer gefahren werden.

Zu den Aufgeben de» Freigepäck» habe ich mich nut sehr schwer entschließen könne». Da aber d« Landtag e» forderte, ebenso der Deutsche Handel»-

tag, und da ei» StonahmeauSfall von 15,5 Millionen Mark zu decke» war, konnte ich nicht ander». D« vorliegende Tarif ist sehr eiusach und bedeut« eine wesentliche Verbilligung gegenüber dem jetzige». Btt ttnem Gepäck unter 25 Rilogramm ist nur ein niedttg« einheitlich« Zuschlag vo» 20 ob« 25 Pfg. to Aussicht genommen; bei schwerem Gepäck ist ein einheitlich« Zonentarif geplant. D« GepScktanf soll auf de» Fahrkarten vorgedrnckt sein, sodaß jeher Rei­sende to der Lage ist, sich selb« vorhn zu berechne», wieviel da» Geväck kostet. Gegenwärttg fahre» 80 Prozent all« Reifenden ohne Aufgabe de» Gepäckes und unt« den 20 Prozent, die da» Gepäck aufgeben, beschränken fich 43,3 Prozent auf ein G pöck unter 25 Kilogramm. Alle» to allem «gibt fich, daß auch der Sepäcktattf nur für einen kleinen Teil der Reisenden vielleicht eine Verteuerung bedeutet, für ttne» sehr große» ab« eine Ermäßigung. Selbstver­ständlich find alle diese Berechnungen im Grunde nut theoretisch.

Die preußische Gisenbahuverwaltung ist stet» be­strebt, eine verständige soziale Reform de» Verkehrswesens darchzvfahren. Man hat den Verkehr erheblich billiger gemacht, obschon die Unkosten ge­stiegen stad; dabtt fährt man heute schnell«, bequem« und fich««, al» vor 25 Jahre», vo» eto« Pl»S« machrrei kann also gar keine Rede sttn. Die jetzige Vuntschickigkett de» Starifwefea» entspricht durchaus nicht b« Stellung, die Deutschland dem Ausland gegenSb« einnehme» muß. Die LandeSgrenzeu dürfen keine BerkehrShtoderniffe feto. Dar G,»»dübel, die Rückfahrkarte», muß unter alle» Umstände» befeittit werde». Alle Bequemlichkeiten, dir »«ständig find, sollen betbeäaltes werben. Fortfällen würde z. B. auch die lästige Beschttnigung d« Fahrtuntrrbrechuug, indem man der Fahrkarte eine Giltigkeit»dauer von 88 Stunde» geben wird, während welcher keine Unter­brechung bescheinigt zu werden braucht. Erst wenn die Unterbrechung längere Zeit dauert, muß biefe ein- trete». Die Reform wird eine große Ueber fichtlichkei: deS Personen- und DepäcktattfeS bringen und in vielen Fällen eine schnellere Abfertigung «möglichen, vor allen Dingen ist nicht zu urtrrschätzen, daß die Be- wegusgSsreiheit, die man den Reisenden durch den Fortfall b« Rückfahrkarten gibt, ein großer Vor­teil ist.

Sollte bie ganze Personentarifreform scheitern en kleinlichen Bedenken und kleinen finanzielle» Ver­schiebungen, bann werbe ich mit all« Gn«gie betonen, daß bie Plutokraten und PluSmacher im Ministerium nicht gesessen haben. Da» preußische Ministerium hat auf seinen Antrag hto die definitive »ntschttdnng üb« die Reform noch hinau»geschoben, bi» b« Lande», eiseubahnrat feto Gutachten abgegeben habe. Auch in ben anderen Ländern solle» «st noch die Jntereffenteu gehört werben. Hoffentlich gelingt e», dem deutschen Volke bie so lange ersehnte Vereinheitlichung be» Tarifwesens jetzt zu schenken.

Deutfdies Reich.

Berlin, den 1, Irl! 1805.

§ Der Vorsitzende der konservativen Fraktion drt Abgeordne!euhauseS, Graf z« Limburg- etiiuw !>at heute fein Landtags Mandat niedergelegt. Der .Krrazztg/ zufolge hat er selbst diesen Schritt mit Rücksicht auf feinen Ge- sundheitSzustand begründet. Die.Deutsche Tages­zeitung' scheint allerdings anbeuten zu wollen, doß noch andere Motive maßgebend gewesen seien; denn fie bemerkt, von einer Erörterung der Gründe, welche den Grafen zu Limburg-Stkum zu seinem Emschluffe geführt hätte«, absehen zu wollen. Die «Kreuzztg/ bemerkt, für die konser- Dative Fraktion bedeute daS Ausscheiden drt Grafen einen „schweren Verlust". jSraf Limburg habe in der Frattion bis zuletzt einen maßgeben-

Sranj von wenden.

Novelle von Wargo «rechten.

37 ------ Nachdruck verboten.

Erica senkte ihr Köpfchen. „Du arme Tantel Wenn ich Euch alle so betrübt sehe, möchte ich's auch gern sein und kann doch nicht, so sehr ich mir auch Mühe gebe. Siehst Du, ich freue mich zu sehr auf Josephs Kommen! Nur noch 14 Tagei Ich hoffte Dich auch ein wenig aufheitern zu dürfen, und Papa läfjt Dich so innig bitten, den heiligen Abend bei uns zuzubringen. Willst Du nicht kommen?"

„Nein, Kind, heute kann ich nicht. Diese Stun­den mutz ich allein durchleben. Vielleicht ist es mir später, an einem anderen Tage eher möglich, zu Euch zu kommen. Lasse Du Dir Deine Freude deshalb nicht trüben. Genieße Dein Glück noch heiter und sorglos, so lange Du kannst. — Ich hatte ein kleines Geschenk für Dich zurückgelegt und wollte es Dir erst am Abend schicken. Da Du aber jetzt hier bist, möchte ich sttbst sehen, ob es Dir gefällt. Dir bleiben ja ohnehin noch so viele Ueberraschungen."

„Darf ich's holen, liebe Tante?"

„Im oberen Fach meines Schreibtisches liegt es, meine Rica!"

Das junge Mädchen kehrte mit einem kleinen Etui zurück und brach in einen Ruf des freudigsten Entzückens aus, als Frau von Wenden das Käst­chen öffnete.

Auf einer Unterlage von weißem Sammt ruhte ein aus Juw->l?n gebildetes Ericasträußchen. Leuchtende Rubinen, in der Form der bekannten Haideblumen gefaßt, wurden von Smaragdblät­tern umschlungen. . . .. ... ___

„Ich habe selbst die Zeichnung für die Nadel entworfen. Der Schmuck ist zugleich Dein Ver- lobungsgeschenk; trage ihn als Erinnerung an Tante Elma."

Erica dankte mit der ganzen Lebhaftigkeit und kindlichen Zärtlichkeit ihres Wesens. „Papa muß ihn sogleich sehen, und wie wird er Joseph ge­fallen?" Jetzt will ich auch immer nur Erica ge­rufen fein. Er mag das Wort „Rica" nicht leiden. Denke Dir, in einem feiner letzten Briefe schrieb er: „„Kürze Deinen Namen nie mehr ab, geliebte Erica, Du weißt nicht, wie einmal eine solche Unterschrift gedeutet werden könnte.""

„Das war doch fonderbar, nicht wahr? Aber um seinetwillen werde ich von der liebgewordenen Gewohnheit ablassen."

„Und nun, liebe Tante, muß ich gehen; ich bin ja Papa's kleine Hausfrau und mutz nach dem Rechten sehen. Ich Weitz, es wäre umsonst, noch änger in Dich zu bringen, aber vielleicht wirst Du mir eine andere kleine Bitte nicht abschlagen?"

„Was ist es, mein Kind?"

Erica lehnte ihr blühendes Gesicht an die 1 lasse Wange der Dame und sagte leise: „Wirst Du's wieder tun, wie an jenem Weihnachtsabend? Bitte, laß es nur ein einziges Mal sein."

„Was denn, Kind?"

„O, Du weißt ganz gut, was ich meine." —

„Ja, jetzt verstehe ich Dich, woher weißt Du davon?"

„O — Joseph hat es mir gesagt und, liebe Tante, ich finde es so unbeschreiblich schauerlich. Ist es nicht schon genug, daß Du mit Deiner Schön­heit zehn lange Jahre in tiefer Trauer zugebracht ljaft, mußt Du Dir nun auch den heiligen Abend >>urch diese Selbstquälereien noch schwerer machen? Deshalb hatte ich Dich holen wollen: ich wollte i)ieS unheimliche Tun vereiteln." Sie hatte die Hände aus Elma's Schoß gefaltet und in ihren

Augen stapden Tränen der Erregung, als sie fort- fuhr: „Siehst Du, ich habe Tante Dora sehr ge­liebt, aber was würdest Du sagen, wenn ich an ihrem Todestage alles für ihr Kommen herrichtete? Ist das nicht schrecklich und töricht zugleich?"

„Erica, das ist etwas ganz anderes! Wie die Liebe einer Nichte zu der Tante mit der des Weibes zu dem Manne nicht verglichen werden kann, so vermagst Du auch nicht im entferntesten den Schmerz einer Gattin zu Begreifen. Du hast Tante Dora sterben und begraben sehen; stehe — ich saß dort in jenem Sessel, als mein Blick zum letzten Mal auf meinen Gatten fiel, und er stand vor mir in der ganzen Kraft seiner männlichen Schönheit. Darum stelle ich ihn mir niemals tot vor, sondern fo, wie er geschieden, und feit Jahren warte ich an diesem Abend auf jhn, wie damals."

Erica schauderte.

„Laste mir diese, vielleicht kindische Gewohn­heit. Sie tröstet mich mehr, als Du glaubst, und Hilst mir über die langsam schleichenden Stunden hinweg. Wenn ich das nicht täte, würde ich diesen Tag nicht ertragen können." Da schlang Erica ihren Arm zärtlich um den Hals der geliebten Frau und sagte herzlich: „Wenn wir verheiratet sind, Joseph und ich, dann mußt Du die ganze Weihnachtszeit zu uns kommen, und wir wollen alles aufbieten, um Dich wieder ein wenig froh zu machen. Vielleicht gelingt es uns dennoch."

„Vielleicht", sagte Elma sinnend, „und nun geh' mit Gott, liebes Kind, und grüße alle, auch Theo, wenn er kommt."

XXX.

Und sie tat es wieder, genau so, wie damals an jenem 24. Dezember vor 10 Jahren.

In der Abendstunde, als die alte Truda mit der reichen Bescherung für die verschiedenen armen

ben Einfluß ausgeübt und trotz bet Meinung»« Verschiedenheiten, die in ihren Kreisen manchmal zu Tage gelt eien seien, fich stets allseitiger Ber- «hrung und eines uneingeschränkten Ansehens er­freut. «Insbesondere schätzte man bie freund­liche Rücksicht, mit der er auch der {einigen ent­gegen z« setzten Auffassung Verständnis abzuge- »innen wußte, auch seine hervorragende Fähig» kett, zu vtthindern, daß die hier und da vor» haudeueu Gegensätze daS gedeihliche Zusammra« arbeiten in der Fraktion gefährdeten." Auch in Zentrumskreisen wird man daS Ausscheiden deS Grafen zu Limburg-Stimm auS dem Abze- oidneteuhaufe bedauern. Wenn er auch in man­chen Fragen im Gegensatz zum Zentrum stand, so hatte diese- doch immer einen vornehmen Gegner an ihm. Ob seine Führung der Fraktton immer eine geschickte, vorurteilslose und den In- t treffen des konservativen Gedanken» entsprechende gewesen ist, ist fteilich eine andere Frage. AIS Nachfolger deS Grafen Limburg in der Führer­schaft der konservativen LandtagSfcaktion wird der Abg. Gras WachenSleben-BSgäsra ge­nannt. Sein ReichStagsmandat gedenkt Graf zu Limburg-Sttrum bequbehattra.

* I« dem Sumpfe gegen die katho­lischen Gt»de«te»rorporationen ist ein neues Zeugnis für die w freiheil der „liberalen* Studentenschaft zu verzeichnen. Wie der.Ger­mania' mitgeteilt wird, sollte an der Univerfität Freiburg i. Br. eine neue katholische Verbin­dung „Hoheustaufia" gegründet werden, die wie die 1899 entstandene „Ripuaria* auS bet „Hercyaia* hervorgegar.gr n war. Der „Hohen­staufia* ist jedoch vom Senat der Universität die Genehmigung versagt worden, „nach­dem die liberalen Korporationen Einspruch gegen die Genehmigung erhoben hatten*. Ob der Freiburger 6enot die „Leitung ter UniversttätS- augelegenheüen* an die „liberalen* Studenten abgegeben hat, oder ob er nur den Einwand dttftlben auS Anlaß für die Betätigung feines eigenen „Liberalismus* genommen hat, ist auS der obigen Meldung nicht erfichtlich.

§ Zur Organisation drt Wett Agra»- Instituts wird der ,Dputschen Tagei z'g.' auS tztom gemeldet: „Marchefi Eappelli, Präsident der eocietä degli agricoltori italiani beruft für den 6. Juli eine Versammlung italienischer Land­wirte zur Gründung einer Stelle in Rom, der die Verständigung und die Geltendmachung der Wünsche der unternommenen landwirtschaftlichen Organisationen bet dem staatlichen Weltograr» institute obliegen soll.* Die.Deutsche TageSztg/ begrüßt ei freudig, daß jetzt auch Italien, Oesterreich Ungarn und Spanien Folge gebe.

* Arb eiter verfichernng — Knttnrent- Wickelung. Daß bie Sozialdemokraten die Vor­teile der Arbetterverficherrng, die fie zu agitato­rischen Zwecken so gerne wegwerfend als „Bettel­suppen*, „Almosen* und dergleichen bezeichnen, im Gruße wohl höher einzuschätzen wiffen, zeigt ein Arttkel: „Ein Vierteljohrbundert Kulturent- Wickelung* in der Nummer 23 bei OrgcnS der sozialdemokratischen Glaser aller Bronchen, ,Der Fschgenoffe'. Der sozialdemokratische Reichstags- abgeordnete Edmund Fischer schreibt hier:

Familien, für welche Frau von Wenden sorgte, abgegangen war, stand der Zeiger auf fünf.

Da ließ Elma die schweren Vorhänge Herat, und schlug die Portieren zurück. Sie öffnete eine Schublade, in welcher seit Jahren eine Menge von Päckchen verwahrt wurden. In jedem folgen­den hatte sie irgend eine Gabe hinzugefügt. Jetzt wurden die Hüllen von Seidenpapier entfernt, die zierlichen Arbeiten zeigten noch ihre glänzende Frische und Elma legte sie in geschmackvoller Ord­nung auf den weißgedeckten Tisch im Gesellschasts» zimmer. In die Mitte kam, statt des Baumes, jenes Kästchen, dessen Deckelbild sie einst mit so frohen Hoffnungen gemalt hatte. Der Inhalt war indes verändert, es enthielt das Geschenk von diesem Jahre.

Als jeder Gegenstand seinen besttmmten Platz gefunden, ging Elma in das Wohnzimmer zurück und entnahm einem kleinen Schranke dasselbe Service, das sie an jenem Abende auf den Tifch ge­stellt und seitdem nie mehr benutzt hatte. Auch die Krystallschale war mit frischen Blumen gefüllt worden.

Nun war alles fertig. Sie rief sich noch einmal jede unbedeutende Handlung in's Gedächtnis uni da fiel ihr ein, daß sie fich damals sorgfältiger für ihn gekleidet hatte. Und so zog sie denn ihr bester, schwarzes Kleid an, entfernte die schwarzen Spitzen und ordnete ihr Haar, wie Franz es am liebsten an ihr gesehen. Es war zwar nicht mehr gewachsen, aber immer noch dicht und glänzend und hing in reichen Locken auf ihre Schultern herab. Ach, sie hatte es in jedem Jahr so getan, aber umfonft! Immer hatte sie gehofft, wenn ihr Gatte nicht tot fei, so müsse er noch einmal wiederkehren, um zu hören, wie treu sie ihm gewesen sei. Diese Er­wartung war zu einer fixen Idee bei ihr gewor­den. und nie lebte diese stärker auf, als an jedem Weihnachtstage.