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32. Jahrgang

M 147

Schluß 3'/. Uhr.

Regierung fit absolut undurchführbar, und auch gegen den Vorschlag, auf dem Wege der Pro- w:tionalvahl Zusatzabzeorsnetr zu wählen, habe le verschiedene Bedenken. Tie sei aber bereit, n der Kcmmijfion in eine E-örl-rung darüber em ju treten, ob ein mäßige Erhöhung oer Zahl btt Abaeordne en unter Festhalten an der Grund lngr des Snlwmss irceicht werden könne. Der Mnisteipästdrnt wendet sich sodann mit «Rt- chirdenbr t gegen die Erklärung des Zentrums, deren Gedanke im hohem Grade übenrieben sei. Richtig verstärkt, wird die erste Kammer im Dere n mit der Regierung in der Lage fein, einem ungestümen D äugen von anderer Seite die Waage dem Londe gegenüber für erfüllc an ur.b lehnt die Vtr-ntwoNimg ab, wenn die Wunde m ÄerfissM gsltben bis Landes noch lauge offen bleibt. Der MmMerprästdent schloß unter leb« h .f cm Beifall mit dem Wunsche, Zeder möge, wie die Regierung selbst, an feinem Teile das nötige Opfer bringen.

EmePtttttondeSJsnungSbezir!-verbandeS brandenburgischer Bo« ««wer ko, elfter um Verbot der Ausübung privater Bautätigkeit durch staatliche Baubeamte und Lehrer an Baugew rrkschulen wird auf Lptrag Jakob-» töt ter ((.) der tReßieiung zur Erwäg u»g über» wiesen. Eine Pelttion des v eul schen GaftwlrtS- oerbaudeSumAufhebn» »oderLinschräutung der BchantdetriebSstcuer wird durch Tage-» ordnung erlebtst.PetiUoxen «m Aufdefferunz deS Lintommens der Witwen von Lehrern, die vor dem Jatrafttkeieu beS Besetze- vom 4. Dezember 1699 verstorben fiel», werden zar Berücksichtigung überwiesen.

Ptttttoue« um ErlanbaiS zu» Führung dr­an den Hochschulen zu Zürich und Bern er« «o ben-.« TttelS eine8 Dr. med. vet werden ent» sprechend dem Kommissionsamrag als Material Überwiesen. „ ,, t

Lana werde« eine Rtthk von Life» bah«»

Anzeigen: Vie «W> spalstgr Prtttzeile ob«? deren Baum IS pfL° Heffamen die PetltMs- 25 Pfg.; bei wieder« Holungen wirb enrf-L Rabatt gewährt-

Druck und Verlag des zuldaerActirndruckereZ in Zulda (Harmonie) zernsprecher Nr. 9

Busland.

* In der letzte» Sitzung des euglische» Unter Hauses erklärte MimsterprSfibent Bal» f our hivsichiltch der Stellung Englands zu den Sreignissen in Schweden und Nor­wegen, daß der am 17. November 1855 qe» schlcssene Vertrag, durch welchm sich Eng­land tmpflichtlte, dem König von Schweden und Norwegen den Besitz fetne< ®e' biete zu gewährleisten und in gewtffen Fällen zu verteidigen, eine reuerliche Ec» tofiiusg erfordere, wenn eine Trennung zwischen Schweden urd Norwegen zustande komme.__

Bus dem Landtag.

jkSgeordnet«-«,».

194. »itza*g co» SV. Juni 1905,

Eröffnung 12‘/i Uhr.

La» Hau» ehrt da» Audenlr« der seit der letzte» Sitzung verstorbenen Abgeordnetcn Stötzel <Zr»tr.), Viertens (nti), Hirsq (stets. Bp.) »ns Ka,ch (t) in bet übliche« Weise.

Es folgt zweite Beratung des Besetzen: «ms» bett, die Bebühren der Medizinalbeamte«.

Nach kürzer Debatte wird auf »«trag des Ab,. Herold (Z.)der Gesetzentwurf von der Ta,eSord> su«g abgesetzt-.

Hierauf wird der vom Hertevhau» abgcänderte Gesetzentwurf betr. die BeeLwpfung übertrat» barer Kraukheiten in der Faffu«, deS Her,e«> Hanfes debatteloS a»ge»ommen.

Gleichfalls i« der Fassung deS Herrenhauses a«- genommen wird der vom Herrenhaus abgeäuderts GesctziNiwurs betreffend die Verhütung von Hoch, wassergefahre«.

Die ün Etatrjichr 1903 vorgekommexe» EtalZ. %Lersüi$ertR«een werden auf »«trag der Rrq- nungskommisston nachträglich genehmigt.

Es folgt die Beratung deS Antrags Gugels» mann (ntlib.) betreffend die Ueberwach»ng von Nahrung-- und «e»ubmittel», raSbefondere von Wein. Die «ommffsion (Berichterstatter Lbg. Marx fQtr.)) empfiehlt die «»»ohme deS Antrag- i« folgender Faffuug: Die Regierung zu ersuchen, be^ Bundisratr dahin zu wtrkev, daß baldmötlichst »ach Maßgabe deS § 10 de? Reichsgesetzes vom 24. Mat 1901 durch gesetzliche Vorschriften die Ueberwachuug deS Berk'hrS mit NahrungLmulelu,insbesondere Wrin, nach einheitlichen Bruudsötz?« »nd durch Bestellung besonderer LrvdeSbeamte« im Hauptamt geregelt wird.

«in Regierungkkommissar erklärt, seitens deS Re'chSGesuuddeitSamtes sei eine Umfrage bei den verschiedene» Bundelst-aten über die Notwendigkeit eine» solche« Besetze- veranstaltet und die Regierung könne zu dem ««trage nicht eher Stellung nehmen,bi- da- Ergebnis dieser Umfrage vorliege

Der Antrag Eng elSman» wird an genom» men.

DieErweiterungdeS LtadtkreiseSDuiSb«r, und der Neuorxa-ffaton der Amtsgerichte in Duisburg und Ruhrort werben devatteloS in 1. und 2. Lefuna genehmigt.

ES folgen Petitionen.

Herrenhaus«

46 Sitzung vom 30. Juni 1905.

Aus^er"rageSo,dr«»g stehe» nur Pe

BÄ tz^Ll i A" M«?i »Ä

Berücksichtigung überwiese».

Ueber eine Petition um Ent sch ä^,9u " Lhb t ! Raffelet LandireiseS b-i der Eiosemeindunt von 4 LasdgeKei»den in die Stadt Raff.l geht da- ;5ck» zur ruKekorduunz über. ,., .

Ebenfalls durch TageSord»«« eine Petition um Adänderu g bk,w. Ablehnung, d« zur Veröffentlich««- gelaugten vo>lä»fi««- <»esttzer^ wurf» b«». dieBerbrfseruug der Wohuungr» verhältnifse,

EamSIag 1 Uhr: Rechnun-Ssache«.

Schluß 41« Uhr.__. ...

vfi&lttaW Viertel. Ä M B 1

^•e Sringeriohn un» jBk |i II aamtwe

SerantworMcher WW

g^ststlettenIss-dwi«

K parjeStr ”n $nlba. WOdKttbCildgC „3IlUftril

//< pinMOTHECA) Fulda, Samstag, den 1. Juli 1905.

Deuffdies Reich.

Berlin, den 30. Jimi 1965.

* Riubignttg de- spavische« H««dels» Vertrages. Der,Reichsanzeiger' meldet: Das durch Notenwechsel getroffene Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und Spanien vom 12. Februar 1899 über die deutsch»span» ischen Handelsbeziehungen ist am 27. Juni d. 38. deutscherseits gekündigt worden und wird infolgedessen mit dem Ablauf bei 30. Juni 1906 außer Kraft treten.

§ Der bekannte Nationalsoziale Tischeudörfer tft aus der Organisation der freien Gewerkschaften ausgetreten. Er hat an die Berliner Verwaltung des Vereins der Lithographen und Steindrucker ein Schreiben gerichtet, in welchem er erklärt, daß dteBehaup- hing von dec Freiheit oder Unabhängigkeit der Gewerkschaft von der Sozialdemokratie der reinste Schwinde! sei. 8c hab«, weil er sich diese Un­abhängigkeit bewahrt habe, fortwährend Esikanen und Anfeindungen zu erleiden gehabt. Es sei ihm nicht mehr möglich, dem Verein anzugehören und er erkläre deshalb seinen Austritt. — Für uns ist das nur rin neuer Beweis für die Un» Wahrheit der Behauptung von der Neutralität der „freien* Gewerkschaften.

§ Die englische Kommissteu zum Stu» dium kommunaler Einrichtungen im Auslande hat das folgende Telegramm, das jetzt im Wort­laut vorliegt, an den Kaiser gesandt: „Im Auftrage des btttischen Komitees für da? Stu­dium städtischer Einrichtungen des Auslandes möchten wir auf unserer Heimreise beim Ueber» schreiten der deutschen Greize in aller Ehrfurcht unseren ttestmpsandrnen Tank für Sie herzlichen Willkommenworte aussprechrn, die uns zugtngen, als wir in Deutschland eintrafen und mit denen Euere Majestät uns durch Vermittelung des Reichskanzlers Fürsten Bülow beehrte. Wir toten um die Erlaubnis, Euerer Majestät mit» zuteilen, daß der uni auf dieser Weise gnädig gwordene Willkomm einen Widerhall bei Euerer iajestät Untertanen in jeder der historischen Städte gefunden hat, die wir besucht haben. Bei den städtischen wie bei den königlichen Be­hörden haben wir für unsere Erkundungen jede Unterstützung und jede mögliche Freundschaft et» sichren. Euerer Majestät Anw-ndung des eng» üschen Sprichworts des Familienlebens, daß Blut dicker ist als Waffrr, auf die Beziehungen unserer beiden großen Nationen hat eine be- mettensivkrte Bestätigung tn der uneingeschränkten ^stfrrundschaft und den warmherzigen Br- «Übungen gefunden, die wir genoffen haben.“

• Der französische Sozialisteuführer gfetttbi kündigt an, daß er, einer Einladung

oetitioRS» erledigt.

«bg CahekSiy (Z) befürwortet den ^au einer Bah« Hatz» — Niederhausen.

Sdg. d. B«vkg«y (ß ) empfiehlt t«n Bau einer «ahn dnrS da? Ltaldecker L md.

Ab,. Brvckmnn« (8.) tritt für ben «au einer Bah« «rdorf-Bitburg-Irrel ei«.

Sämtliche «isrnbahupttit'.on.» werde« der Re» eierung alS Material überwtese«.

Peiition«» deS Naffamscheu und O^prcußischen StädtetageS um »enberuag des Eife»bahn« Gesetzes »ach bet Richturg, daß die Entscheidungen über ®nteig««ugen nsw iu letzter J^stan» nicht mehr allein tn die Hände b e 8 «isenvahn» Ministers gelegt werden, warben wegen der Wichti,- teit der Materie an die Kommisfion zur Erst«!tu»g eines schriftliche» Berichtes znrüüoerwUse«

SamStag 11 Nhr: Jnterpellatwn Friedberg» 8eblitz betr. die »isenbatzntarisr-form.

G?voffen folgend, SsKNtag, den 9. Juli," in Berlin öffentlich über die Auf­gaben des Sozialismus zur Erhaltung dik Welt friedens sprechen werde. Der ,Figaro' fincet den Augenblick für diests Erscheinen des her- vorragenden französischen Politikers in Berlin nicht gerade glücklich gewählt. — -- ir auch nicht.

* Eine parlamentarische Korrespondenz bestS tiqt, daß die Juterpell«ti-n betreffend die Tnrifrefsrm auf eine «nrrgung des Etsenbahn- ministerS von Budde zurückzuführen ist. Der Mi- nister wolle vor der Somm-rpausr roch den falschen Darstellungen der Pceffe entgegetiirtlen, um einer deumuhigurg im Publikum vorzu» beugen. , , , ,

§ Der Bund der Landwirte tritt in feinet offiziellen Korrespondenz scharf den beabjUtigten Zecdenstilllegungen entgegen, namentlich der S illlegung der Zeche Sprochösel, sie noch drei Millionen Torinrn Kohlen abbauen könne. Die Korrespondenz schreibt: „Die GerechiiMi und dasollzemrine Volkswirt schastliche Jnterrffeer fordert es mit gebieterischer Notwendigkeit, daß in solchen Fällen der Zwangsbeirieb deS Berg­werks.auf Kosten der irüheren Natznsiß-r ein­geleitet und daß durch gesitzlich oorgeschriedene Ansammlung von Reservifonös aus den Ueber» schüffen der „fetten Jahre" srlchrr Brrzwecks- betriebe für das Vorhandensein eines für die Kostenzuschüffe ausceichmdrn DeckungskapitalS ge- orgt werde." — Schade nur, meint die ,Voff. Ztg/ dazu, saß Fchr. v. Wangen hrim es ver- äumt hat, seinen Staadtsbrüder» vor dem Za» ammrniritte des Herienhauses ins Grwiffen zt reden.

*. Die «Kreuzztg/ muß sich von dem christ­lich-sozialen .Reich' sazen loffen, daß sie sich mit ihren Schlußfolgerungen aus der Statuten­änderung des SewerkvereinS christlicher Ber-Erbeiter im Irrtum befinde. Die.Kreuz- ztgtt meint: „SBBenn diese Auffaffung sich br- stätigt, werden wir die ersten fein, die sich darüber freuen. Vo läufig find wir noch -licht Sb«jertzi, daß man aas bloß formalen Rückstchten dieGeguer- f chaf t gegen die Sozialdemokratie aus den Statuten entfernt und den Mitgliedern ^Bewegungs-Frei- hell im politischen Leben" flbettoffen hat. Nach den revidierten Statuten kann nunmehr jedes Mitglied des Gewerkoereins bei der Reichstags- wähl für den Sozialdemokraten stimmen, ohne daß es sich dadurch eines Vergehens gegen die Statuten schuldig macht." Gegen den Sinn und Geist der Statuten ganz gewiß. Und darauf kommt es an.

* Gtuttzart, 30. Juni 1905. Z« Beginn der heutigen B.-ratung der Kammer übee die VersaffangSre orm gab Mtnisterpräfident Dr. v. Breitling Namen» der Regierung eine längere Erklärung ab. Er teilte mit, daß die Regierung euch heute die Hoffnung noch nicht aufgebe, daß ihre Vorlage von Erfolg begleitet fein werde. Den Elsctz der aus der zweiten Kammer ausscheidenben Priollegierten auf dem Wege der Beruf« Vertretung zu. suchen, halte die

Kran; von wenden.

Nsville von Marga Brechten.

36 ------ (Nachdruck verböte« )

(Fortsetzung ans dem zweiten Blatt.)

" „Sie haben Dir gesagt, Franz von Wenden sei ertrunken, ich kann mir das denken; ich.Ias .es >ja selbst, aber dem war nicht so. Sieh' mich mcht so erschreckt an, als ob es dir vor mir graute. — Am Weihnachtsabend kam ich an; ich war nut einem früher» Schiffe von England abgefahren. Ich fand mein Weib nicht; aber einen an sie ge­richteten Brief, und darin stand von Liebe und — v Gott! es ist schon so lange her, seitdem; aber ich kann noch nicht daran denken, ohne daß ich die Qual jener entsetzlichen Stunde wieder empfinde. Ter Name des von mir so bitter gehaßten Mannes stand darunter, ganz so, wie ich ihn gestern unter Kem Namen deiner Braut gesehen. — Ich wußte nicht, daß sie Erika heiße, ich meinte, Rica komme von Friederike; es war auch dieselbe Handschrift, wie die feine. Als ich gestern Abend Deine Worte hörte, fiel es wie Schuppen von meinen ge­blendeten Augen, das dunkle Rätsel meines Lebens war gelöst. Du sagtest später, meine Elma fei Witwe geblieben, sie habe um ihren Gatten ge­trauert; sie war mir also dennoch treu geblieben; den Brief mußte Rica geschrieben haben. Aber damals war's mir wie ein Todesstreich; richte nicht nicht zu hart, wenn Du hörst, was darnach kam; — Du haft ja die Qual jener Nacht nicht mitge­fühlt. — Ich glaubte wieder großmütig und zart­fühlend zu handeln, wenn ich ihr meine Gegen­wart nicht aufzwang — sie liebte mich nicht mehr, das war klar; und weißt Du, ich meinte es da­mals — ihre Briefe waren fo kurz gewesen. Wie ein Dieb war ich gekommen, wie ein Dieb schlich ich wieder hinaus, sie sollte mich nicht zurückhalten

mit verstellter Miene und erheucheüen Worten. Nein, wende Dich nicht ab, geh' nicht fort, hör mich zu Ende, was kann das nutzen, wenn Du nicht alles weißt? Du mußt ihr's erzählen, wenn ich nicht mehr kann."

Die feuchte, fieberheiße Hand tastete nach der des jungen Arztes und hielt sie mit schwachem Drucke. Dann kam er wieder, der unheimliche Bericht des Mannes, der sich selbst um sein Glück betrogen:

„Das spätere Schiff war untergegangen. Auf der Lifte der Ertrunkenen setzte man auch meinen Namen und alle hielten mich für tot. Nur sie allein wußte, daß es eine Täuschung sei; ich hatte ein Abschiedswort zurückgelassen und das gerettete Erbe. Sie mutzte es niemanden entdeckt haben, auch Dir nicht. Ich dankte damals der Vorsehung für diese falsche Nachricht; sie ersparte Elma jede Verlegenheit vor der Welt und, wenn ich nicht zurückkehrte, mochte sie mich in der Fremde ge­storben glauben.

Von nun an ergab ich mich in mein Schicksal. Ich wurde finster und hart, versuchte jede Erinner­ung zu bannen und konnte es nicht. Dein Anblick mahnte mich fortwährend an jene glückliche Zeit, ich begriff nicht warum, und gab mir Mühe, Dich aus meiner Nähe zu verfcheuchen. Jetzt weiß ich, weshalb ich mich zu Dir hingezogen fühlte. Ich kannte einst Deine Mutter und war ihr mtt herz­licher Neigung zugetan; aber ich konnte sie nicht fo lieben, wie sie glaubte. Später verlor ich ihre Spur und war in der ersten Zeit erbittert, datz sie sich meiner Sorge entzog. Und dennoch, wie hätte sie mich auf finden können. Aus selbst­süchtiger Vorsicht hatte ich ihr meinen Namen verschwiegen, und nur einen meiner Vornamen angegeben; jetzt erkenne ich die Strafe, die über mich kam: durch einen Namen hatte ich die arme Loni irre geführt und wurde nach Jahren felbft durch einen Namen getäuscht.

„Sieh mich nicht so finster an, o, sprich nur ein Wort, Du hast ja selbst die Strafe gehört und

meine Reue gesehen! Was ich an Deiner Mutter verschuldet, meine Elma hat es an Dir gesühnt. — Ihr tat ich ein größeres Leid an; sie kann mir nicht verzeihen und so bin ich froh über diese Krankheit, die mir ein Leben endloser Selbst­qualen erspart. O, datz ich noch die Kraft gehabt hätte, sie auf meinen Knieen um Vergebung zu bitten, aber schreibe ihr nicht, versprich' es nur heilig. — Bleibe bei mir als Sohn und als Arzt, um Elrna's Willen; vielleicht, datz Gott Deine Mühen segnet, und sie Dir doch dereinst danken wird! Auch ich habe in einer Nacht voll Sorgen an Deiner Wiege gestanden und Dein junges Leben gerettet. Loni segnete mich dafür."

Er wollte sich aufrichten, aber seine Kraft war erschöpft. Er bohrte das schmerzende Haupt tie in die Kissen, fein Geist umnachtete sich; er sah nicht die Träne im Auge des jungen Mannes, aber er fühlte, daß seine Hand mit kräftigem Drucke umfaßt und, warme Lippen darauf ge­preßt wurden. ,

Der junge Arzt betrachtete ihn mtt tiefer Rührung, er wußte nun, datz dieser Mann, der jetzt so gebrochen und hilflos vor ihm lag, einst seiner armen Mrtter nahe gestanden, und datz er der Gatte seiner geliebten Pflegemutter war, die ihn mit nie endender Liebe betrauerte. O, um ihretwegen und um des- Vertrauenswillen, das der Professor in ihn gesetzt, wollte er feine ganze Kraft aufbieten und ihn zu retten suchen.

So begann Joseph Lehrbach noch tn dieser Stunde sein Liebeswerk und pflegte den Armen mit einer so hingebenden Liebe und Sorgfalt, daß es schien, als sei alles, was ihm auf Erden teuer, in diesem stillen Krankenzimmer bereinigt.

Mit großer Ueberraschung vernahm die Familie Bornstedt die Erkrankung des Professors und noch so manches andere. Die Frau Justizrättn sand es ganz natürlich, datz der junge Arzt bei dem leidenden Freunde blieb, und schickte seine Sachen mit erstaunlicher Bereitwilligkeit.

Nm Lager des Kranken fitzend, durchlebte

^oievb Lehrbach sorgenschwere Tage und Nächte. Lchmal fand er eine freie Stunta um etmge QP;Tpn nn seine Pflegemutter und an Erica zu finden. Es fiel ihm überaus schwer, das gegebenL Versprechen zu halten, aber er braches ttotzdem nicht, und teilte Elma nur mtt, baß att feine Zeit durch die Pflege eines teuren Freunbes m Anspruch genommen werbe. Von Ruoenz ließ er sich einige Alpenveilchen unb Edelweiß aus dem Gewächshause geben, band sie Stammen unb leg sie aus das Kissen des bewußtlosen Mannes Dann fügte er das halbwelke Sträußchen dem Briefe an hip teure Mutter bei. Ihm war es, als mußten die leblosen Blümchen ihr, statt seiner, erzählen, und sie an das Lager des sterbenden Gatten rufen. Glaubte er doch selbst kaum an eine mögliche Ret- tung denn Tage und Wochen vergingen, ohne daß die Gewalt des Fiebers sichund «nSch^ mer der Besserung sich gezeigt hatte. Es war wie ein Licht, das lange trübe gebrannt unb fetzt gänz­lich verlöschen wollte.

13. Kapitel.

@in Gast in ber W eih nachjI-rracht.

Es ist, als ^mußtest leise Du klopfen an bie Tür, — Du hätt'st Dich nur verirret Unb kärn'st zurück zu mir!

Eichendorff.

XXIX.

An einem schönen, heitern Wintertage ging Erica Heimbach durch die Frankfurter Anlagen dem Ostende zu.

Sie war jetzt 20 Jahre alt unb etn so schönes, graziöses Mädchen, baß mancher bewunbernbe Blick sie stteifte, als sie so leicht »nd anmutig über den festgefrorenen Boden bahlnschritt. Ein dunkelgrünes Tuchkleid nebst einem Schwärzen, mit Pelz besetzten Sammtjäckchen umschloß ihre schlanke Gestalt; auf dem dunkeln, welligen Haar faß etn