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Druck und Verla- des ZuldaerRetteudruckerei in Zulda (Qarmoett) Zernsprecher to. 9

M 144.

Fulda, Dienstag, deu 27. Juni 1905.

32. JahrgMg.

* vkkampsung Oes unlauteren Wett­bewerbs.

Bor einigen Tagen wurde witgekilt, daß auf Beranftffung der ReichrragSoerhanslungen vom 30. November und 2. Dezember 1904 über die Mißbräuche im AuSoerkaufswesen das Reichs» amt der Innern die SinzelstaatSregierungen er» sucht habe um Erhebungen 1. über die haupt­sächlichsten Arten der Auswüchse im AuSorr- kaufswesm und 2. über die aLrnfallfigen Ad« LuderungS- oder Ergänzungsoorschläge zum Reichsgesetz betr. die Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerbs vom 27. Mat 1896. Die Der- Handlungen vom 30. Noiembrr knüpften an eine Resolution der Zentrumspartei an, in welcher diesbezügliche Gesetzentwürfe verlangt wurden. Bei dieser Gelegenheit wurden von dem ZentrumSabgroldneten Gröber näher die Ziele bezeichnet, auf dir sich die Reform des Gesetzes zu erstreckt« habe.

Nach der Ansicht^ deS Zentrums sei die jtfcige Fassung des § 1 drS Gesetzes eine viel zu eng?; fie habe insbesondere bei Mangel,dH sie das Borliezen von unrichtigen Angaben und Behauptungen tatsächlicher Art zur Voraus­setzung habe. Es genüge nicht, wenn durch Verschweigung von Tatsachen eine falsche Vor» stellsng erzeugt wird. SS würde am besten sein, eine allgemeine Bestimmung gegen den un» lauteren Wettderverb voraus zu so.ick«n und de« Inhalt des § 1 deS Gesetzes als spezielle Be­stimmung folgen zu lasten.

Weiter behandelte Gröber die Praxis man­cher Gerichte bei Anwendung des § 1 des Ge­setzes. Go sei ein bekanntes Warenhaus in München unter Anklage gestellt wordrn. weil in einem Falle nachgewiesen wurde, daß Wolle, die zu einem auffallend billigen Preise angekündigt worden war, gar keine reine Wolle war. Der Inhaber wurde freigesoroche?!, weil in einem so großartigen Grschäf e diesrr sich um solche Kleinig- kriren nicht tdmmers könne. In einem zweiten Fall« wurbe'drr Warenhaurbefitzrr freigesprochen mit der Begründung, daß eS sich hier um Ver­schulden euer Angestellten gehandelt habe. Hier liege, wie Gröber bemerkte, offenbar eine Lücke des Gesetzes vor, die auSgefüllt werden müfle. WaS für die Gewerbeordnung gelte, daß nämlich der Geschäftsinhaber für Verstöße feiner Ang-, stellten bis zu einem gewissen Grade verantwort­lich ist, daS sollte auch auf dar Gesetz zur Be­kämpfung des unlauteren Wettbewerbs ausge­dehnt werden.

An dritter Stelle führte Gröber eine Reihe von eigenartigen Prakrikm an, die zwar nicht unter das Gesetz fallen, wohl aber den CH naher einer illoyalen Konkurrenz hoben. <Sj stellen einzelne Geschälte ihren Kunden sogar freie Eisen, bahnfihrt in Aussicht. Aach die illoyalen Mani­pulationen sollten ds-n Gesetz unterstellt werden. ES würde nach seiner Ansicht aber auch schor sehr viel geholfen stein, wenn nur die bestehen­den Bestimmungen so angewandt würde«, rote fie angewandt werden sollten.

Kauz von wenden.

Novelle von Murga »rechten.

32 ------ Nachdruck verboten.

Mit gewinnender Freundlichkeit reichte der Professor beiden Herren die Hand und sagte: Sie sind Mediziner?"

Joseph Lehrbach bejahte. In den dunklen Augen blitzte es auf und mit warmem Interesse nannte er ihn seinen neuen Kollegen und unter­hielt sich mit ihm von seinen Studienjahren und dem Zwecke seines Aufenthaltes in Berlin.

Als der junge Mann im Begriffe stand, die älteren zu verlassen, fragte Professor Almhaus noch flüchtig nach dem Namen seines Heimat­ortes. Lehrbach nannte seine Vaterstadt.

Da wurde die schon halb zum Abschied aus­gestreckte Hand des Fremden wieder zurück­gezogen; eine tiefe Falte entstand zwischen den stolzen Braunen und ein Blick eisiger Kälte traf Oskars erstaunten Freund. Eine herablassende, kaum merkliche Neigung, und Joseph Lehrbach sah sich allein.

So unangenehm diese Begegnung den jungen Arzt auch berührt hatte, so fühlte er dennoch fort- an ein fast unerklärliches Interesse für jenen selt­samen Mann. Nichtsdestoweniger vermied er ein abermaliges Zusammentreffen, und konnte nicht begreifen, warum man den Professor in Kreise zog, welche er offenbar nur ungern besuchte ttnb ihn mit solcher Aufmerksamkeit behandelte. Als er einst seine Verwunderung hierüber aus- brückte, teilte ihm die stille Gertrude Bornstedt fönendes über ihres Vaters Freund mit.

Bor vielen Jahren," erzählte Gertrude und rnrhm eine Handarbeit aus ihrem Körbchen,kam

Tarif für die Beförderung von lebenden Tieren, und zwar in Bezug auf die Tarifierung von Saatgut, die Erhöhung der Altersgrenze in v«r Tarifoorschrist für Fohlen, die Tartsvor. schriften für Renn- und Zuchtpferde, sowie den Tarif für Mavganerze.

Die Berssefetzr»»»isfio« desHerrerr- ha«fe< hat beschlösse«, über me Bergarbeirer- fchutznooelle und den Gesetzentwurf deireffend da« zeit«eise Mutungsverbot durch die Herren Dr. v. Burgsdorff bezw. Oberbergrat a. D. Dr. Wachler schriftlichen Beriwt an daS Plenum zu erstatte«. Dagegen wird Referent Oberbergrat a. D. Dr. Wachler über die Betrieb«,wangSno- velle (beir. Stilllegung der Zechen) deren Weiter- beratung nach der Erklärung des Handelsmi­nisters, daß die StaatSregierung diese Vorlage nach Annahme der Anträge Dr. Wachter-Gras Ttelr-Winckler zurückziehen werde, von der Korn- Mission auSgesetzt worden war, nur mündlichen Bericht Geben.

* 8ive Pretzttttge W Herzogs Trust Günther. Herzog Ernst Günther von Schles­wig hat, wie erinnerlich, anläßlich de« Mir­bach-Skandals in der Preußenbank-Affäre sngekündigt, daß er gegen jene Blätter, die feine Perlon mit dr« von Mirbach quittierten, aber nicht an diesen bezahlten 325 Ovo Mar! tn Ver- bindung gebracht hatten, Anklage erbeben würde. Die» ist nun geschehen. Nachdem sich daS vor­bereitende Verfahren nahezu drriviertel Jahr hingezoaen bat, ist dem ehemaligen verantwort- lichkn Redakteur der .Berliner Zeitung' die An- klage zusestellt worden.

Q Eine Herabsetzung der Portosätze imMeltPoftverei«»verkehr habe« dieAestesten der Kausmcnnschcfc von Berlin in einer Eingabe an den Staatssekretär deS Reicht Postamts in Anregung gebracht. In derselben wird die Reichspost Verwaltung gebeten, auf eine allgemeine Ermäßigung deS Weltpor 08, etwa auf die seit­her für den inländischen Verkehr bestehenden Sätze hinzuarbeiten.

* Der Grsitzevtwurf betreffend die Gebühre» der Medizittulbeomten, welcher von der 14 Kommission oeS Abgeordnetenhauses unter Dtr- schiedenen Blenderungen durchderaten worden ist, steht im Abgeordnetenhaus e auf der Tagesord­nung der Plenarsitzung vom 30. Juni zur zweite« und dritten Beratung. Seitens deS Abg. Dr. Böttinger (natl) find ferner zum § 12 mehrere Abünderu^gSamrögr gestellt worden. ES wird angenommen, daß die Vorlage am 30. Juni in beiden Lesungen erledigt werden und dem Herren- Hause zugehen wird. In dieser Vorauts tzung ist di« 11 Kommission deS Herrenhauses, welche bk- reilS o-rs »-.Sführungigksktz zum Reichsseuchen. gesetz beraten bmte, zur Beratung dieses Gnt- wuris zum 1. Juli einderufen worden.

* Des S-drriben, in welchem dem Grafe« Pückler durch den Minister von Brlpmann. Holl weg die Redefreiheit wiedergegeben worden ist. hat sollenden W ' ilcmt:

Hcchwvdtgeboren erwidere ich auf die bei mtixtin Referenten heute mLndttch erhöbe--- do-stellunz baß mit 6m Erkensinis des Rrichsoerichts s»m 83. Mai d. IS, welches rechtStrüft^ Sie olS

schrieben beide Schularbeiten, während ein Mäd­chen mit großen blauen Augen und einem blauen Bande im krausen, schwarzen Haar vor ihnen stand. Es schalt den kleineren Knaben, der so lustig lachts» über seine nichtsnutzigen Streiche, und tröstete den größeren Jungen, der ein spitz­nasiges Tintenmännchen auf seinem Schreibheft entsetzt anstarrte.

Was es eigentlich für eine Bewandtnis mit unserem Besuche hatte," fuhr Gertrude fort,habe ich nie erfahren. Er schloß sich oft stundenlang mit dem Vater ein, um seine Papiere zu ordnen und die Ansiedlung nach Berlin zu ermöglichen, wie man uns sagte. Auch suchte er um irgend eine königliche Erlaubnis nach, die ihm durch Papa's Vermittlung gewährt wurde. Während all diesen Wochen widmete er mir seine ärztliche Sorgfalt. Seiner Bemühung gelang es, mir die Gesundheit einigermaßen wieder zu geben. Da­her rührt unser aller Dankbarkeit. Diese Heilung machte Aufsehen. Von allen Seiten schickte man nach dem weither gekommenen Arzte, der durch das mystische Dunkel, das seine früheren Schicksale umgab, noch weit mehr Interesse er­regte. Sein Name wurde bald in allen Schichten der Gesellschaft mit Hochachtung genannt, und bei der nächsten Vakanz an der Universität erhielt er die erledigte Professur. Seitdem gehört er zu den berühmten Männern unserer Stadt.

Ungefähr ein Jahr nach der Ankunft des Pro- fesiors übernahm er die Behandlung einer reichen, alten Dame. Diese, eine geborene Schweizerin, hatte sich in einem der schönsten Teile Berlins eine Villa im Schweizerstil bauen lasten. Sie nannte dieselbe:Almhaus" und bewohnte dies reizende, ganz von englischen-Rasenplätzen um­gebene Anwesen mit einem betagten ihr dienenden Ehepaare, das sie aus der Alpenheimat mitge­bracht. Von einer schmerzlichen Krankheit be-

strafrechtllch verantwortlich beurteilt und damit b« Drage Ihrer gurechnungSfähigkrit bejaht hat, bi® BorauSf-tzuvg weg gefallen ist, die dem httstgen Herr« Polizeipräsidenten mit diesseitiger Bewilligsig seiner­zeit «eranlaffmi, »ab, Ihr »nftreten alS Redner in Ansammlungen nicht zu duldtn."

V Berlin, 26. Juni 1905. De, Kaiser wird anfchetnem- auf feiner Fahrt durch die Ostsee auch Dänemark besuchen Denn der deutsche Sesandte in Kopenhagen, v. Schön, ist auf Einladung deS Kaisers zur Beteiligung an oerKieler Woche" nach Riel gereist. Daraus entnimmt man, daß der Kaiser, der am 10. Juli von Lwinemünde auS die ErhokungS fahrt an­tritt, Dänemark besuchen wir». Dss Helfi-,forser .HufvudstadtSbladet- behaustet, eS fei wahrscheinlich, daß der Kaiser im Laufe drS Sommers einen finnländi« scheu Hafen an kaufen wird. Zu der K»nf e renz der Reichskanzlers mit dem frauzöfifchen Bot- fchafier Bihourd, die am Sonntag stattiand, erfährt die .Nat.-Ztg.', daß dieselbe län,ere Zett gewährt habe. - Das ®efe8. betreff erb die Aeudernn, der «miSgerichtSbezirke Soch em, Mayen und Zell a. d. Mosel, sowie dte Beifügung deS Just',Ministers, betreffend die Anlegung deS Grundbuchs für einen Zeil der Bezirke der Amtsgerichte «ms, RüdeSheim, Ufingen, Wallmerod und Wiesbaden find in der Ge­setzessammlung veröffeniliLt worden. DaS Staat«« Ministerium hat am Montag unter d-nr Borsttze deS Fürste» Bülow eine Sitzung abgehalten. Marr wird in der Annahme nicht fehl geben, daß daS Still­legungsgesetz ihren Beratung«gegenstand bildete.

* Stuttgart, 26 Juni 1905. Die Kammer der Abgeordneten trat beute in die Beralmg der VerfaffungSrevifion em, wobei bet Abg. HauS- mivn-Baiingen sVolkspartei) die Fruge auf- warf, ob nicht noch ein anderer Weg, als der deS Reßierunpsentwmfs zur Erreichung einer neuen Verfaffung beschritten weiden könne. Darauf beantragte der Abg. Stöver (Zentrum), dir staatsrechtliche Kommission mit der Prüfung der Frage zu beauftragen, ob daS Gesetz von 1849 betr. die Einberufung einer Bersamlung von Volksvertretern zur Beratung einer R^ifion der Verfaffung noch in Geltung ist; außerdem beantragte der Redner, die Beratung über die VerfaffüngSrevifion bis zur Vorlegung des Korn- misfionSberlchttS suSzusitzen. Eäwtliche Redner bezeichneten die Anregung Hausmanns alS ein Hindernis für daS Zustandekommen der Gesetzes und Ministerpräsident v. Brewing eiferte, daß die 9tegierunjkt>ie Auffoff-ing HauSrna ns nicht teile. Hausmann zog schli-ßiiu; ferne Anregung zurück, ebenso der Abg. Grüber sein er. Antrag. Morgen fialet die Fortsetzung der Bemalung stift.

Ausland

* In parlamentarischen «reife« reichs verlautet, daß im letzten Mmtfterrat die Amnestiefrage erörtert worden fei. Ern dies- bezüglicher Gesetzentwurf dürfte bereits am Diens­tag in der Kammer unterbreitet weidin ES ykitzt, daß die geplante Amnestie sich nicht bloß auf die vom Staatsgerichtthofe verurteilten Deroulvde und Buffet und Gen offen, sondern auch auf alle Preß- und Ausstands-Delikte, sowie m.f die wegen der sogen. Angebereien-Angelegerheft utr- hänaten Disziplik'ar.Maßnabmen erstrecke« w-rbe.

* Eitts Lobrede auf die fr»«zöfische Armee hielt cm Sonntag KriepSmmister «er- keau$ bet der Jad^rf'ier deS Genera'S tzoche.

fallen, berief die Dame den Professor, welchem es gelang, ihr Leben um einige Monate zu ver­längern. Aus Erkenntlichkeit vermachte sie dem- selben dasAlmhaus" mit der dem Testamente beigefügten Bedingung, daß die alten Leute dre Parterre-Räume bis an ihr Ende bewohnen dürsten. r .

Von diesem Erbe nahm der Professor^ den NamenAlmhaus" an. Er zog in das oberste Stockwerk und lebte dort ganz der Wrsienschafr und seinen Kranken. Das Schweizerpaar t)cmgi an dem neuen Herrn mit biederer Treue. Dre Frau sorgt für die Ordnung des Hmrses, dev Mann für den Garten, dessen üppiges Grün und die mühsam gezogenen Alpenblumen rhn an ferne Heimat erinnern. ,

Und nun zur eigentlichen Beantwortung Ihrer Frage. Sie wundern sich, daß man den Professor von allen Seiten zu fesseln sucht. Bei den Damen mag dies wohl ein hermlrches Inter­esse an dem noch immer schönen, aber so unglück­lich scheinenden Manne sein, und dre Herren, je nun, die suchen eben das Reellere, den tref- gebildeten Geist desselben. Es ist wahr, in den strahlenden Sälen und den belebten Straßen er­scheint er als ein starrer, verschlossener Charakter, dessen undurchdringliche Kälte. jede nähere Be­kanntschaft zurückweist. Sarkastische, oft beißende Bemerkungen verletzen den, der sich ihm alL Freund nähern will. Nur am Krankenbette und in der Hütte des Armen zeigt der seltsame Manr» ein teilnehmendes Herz. Dort gibt er seine» Stimme einen weichen, beruhigenden Klang, und auch nur da verraten seine sonst so kalt blickenden Augen ein tiefes Mitgefühl für menschliches Elend."

XXVI.

Wenn auch Gertruden's Erzählung dazu bel- getragen hatte, den jungen Arzt etwas mildsc

I» dteser Beziehung halte das Zentrum eS zunächst nicht für richttg, wenn die Jntereffenten von der Staatsanwaltschaft nut zu häufig auf den unsicheren und kostspieligen Weg der Privat, klage verwiesen würden. Zum mindesten sollte die Staattanwaltschaft anzewirsen werden, in allen Fällen, wo Anträge auf Strafverfolgung gestellt werden, ohne weiteres ein öffentliches Interesse al8 vorliegend anzunehmen. Weiter fei eS erwünscht, daß der BundeSrat in größerem Umfange als bisher von der ihm durch § 5 des Gesetzes eingeräumten Befug, is Gebrauch mache, wonach geroiffe Warengaitüngen nur nach be- stimmtem Maße oder «ewichtseindkften verkauft werden dütfien; namentlich für Holz und Kohlen sei eine solche Bestimmunz im höchsten Grade erwünscht. Endlich sollten auch die Gerichte wehr als bisher von der Bestimmung deS § 13 Ge­brauch machen, wonach di« Publikation des UitfitS ungeordnet werden kann.

Bei Erörterung der Frage deS Aukverkauf- wesens stellte Gröber fest, daß in dieser Frage die Jntereffinien leider noch nicht einmal einig seien, da in verschiedenen Petitionen die Zu laffung von Jnoenluc- und Saikon-AuSoerkänfen als unbedingt notwendig hingestellt werde. Wenn man aber diese beiden Arten von Ausverkäufen, vor allem die Inventur-Ausverkäufe, die schließ­lich jeden Monat inszeniert werden könvten, zu- laffe, so eröffne man dem unreellen Ausverkaufs- wesen Tür und Tor. Unter allen Umständen müsse daran festgeholten werden, daß bet Aus­verkäufen Nachschiedunzen von Waren nicht stattstnden dürften. DaS schlimmste seien die sogenannten Konkurs - Ausverkäufe. In jedem Falle würde eS fich empfehlen, die Frage des AusoerkaufwesenS nicht im Rahmen de« Gesetzes gegen den unlauteren Wetiberorrb, sondern in einem Spezialgesetz zu regeln.

Man wird dre vom Reichsamt des Innern angeordneten Erhebungen mit Recht auch auf die Energie zurückführen müssen, mit der sich die Zentrumspartei der Abänderung deS Gesetzes be­treffend den unlauteren Wettbewerb im Parla­mente wie auch In seiner Presse angenommen hat, wie ja auch die Entstehung des Gesetzes in erster Linie der ZrntrumSpartei zmuschreiden ist. Auch hier zeigt fich wieder, daß sich in der Für­sorge für den Mittelstand daS Zen!rum von keiner anderen Partei übertreffen läßt, und wie ernst es ihr mit einer praktischen Mittelstands. Politik ist

Deutsches Kelch.

Berlin, den 26 Juni 1906.

§§ Der LattdeSeiseubtthttrat ist, wie br- kmnl, auf be.i 7. Juli einberufen worden. Im ,Reichsanzeiger' ist nunmehr die Tagesordnung für feine Beratungen veröffentlicht worden. Dieselbe betrifft mehrere von der ständigen Taftf- kommisfion der deutschen Fyftnbahiren not beratene, für dir Beschlußfassung der Generalkonfereaz der Seutschm Eisenbahnoerw-<lluNU«n oorberdtne An­träge zum demschen E sendohngütrrraris und zrm

eines Tages ein Fremder in unser Haus. Er war ein Studienfreund von Papa und dieser nannte ihnDoktor"--warten Sie, ich muß

mich dieses Namens noch erinnern. Nein, er fällt mir nicht mehr ein. Es ist auch wirklich schon zu lange her, denn Lilli war damals noch ein Kind von ungefähr acht Jahren. Ich war viel älter, aber sehr kränklich und infolgedessen ein ganz launiges Ding. Aber eine merkwürdige Beobachtungsgabe war mir eigen, und so sah ich vom unteren Ende des Tisches her unfern Gast starr an und sann und dachte darüber nach, was fein Gesicht so düster gemacht haben mochte. Hatte er selbst ein Unrecht verübt, oder erzählte dieser herbe Zug von Leiden, welche ihm andere zugefügt hatten."

Immerhin spricht dieser düstere Ernst gegen ihn," schaltete der junge Mann ein. Man sagt, großer Kummer mache einen guten Charakter weich und mitfühlend, während der böse Mensch sich im Gram verhärtet."

O, wie rasch Sie urteilen," sagte Gertrude und drohte lächelnd mit dem Fiüger.Sie richten mit der Voreiligkeit der Jugend und haben doch selber noch so wenig erfahren I Warten Sie, bis einmal trübe Tage kommen, und dann sehen Sie, ob Sie Ihre Miene zu freundlichem Lächeln zwingen können."

Lehrbach errötete und bat seine Erzählerin fortzufahren. Er nahm ein Röllchen blauer Seide vom Arbeitstische, drehte es spielend zwi­schen den Fingern und sah nachdenklich vor fich hin. Vermöge einer seltsamen Jdeenverbindung erinnerte ihn diese Farbe und Gertrude's mahnende Worte an ein wohlbekanntes Zimmer. Mitten darin stand ein runder Tisch mit einer grünen Decke. Zwei Knaben saßen daran, der eine mit frischem, schelmisch blickendem Gesichtchen, der andere blaß, schüchtern und ünkisch. Sie