I
32. Jahrgang-
Fulda,-Montag, den 26 Juni 1906
N 143
*
V
I
i
Ihnen keine. Ich schätze Sie ja außerordentlich hoch und ich werde immer einen großen Wert auf Ihre Freundschaft legen. Aber ich bin nicht imstande. Ihnen die Gefühle entgegenzubringen, die Sie von Ihrer zukünftigen Frau erwarten müssen. Ich will Sie darüber nicht täuschen. Also, sagen wir uns ein freundschaftliches Lebewohl. Herr Reppenbach, — ein Lebewohl für immer."
Der junge Mann seufzte bitterlich und rief: „Das ist der zweite Schicksalsschlag, der mich heute trifft. Heute morgen empfing ich ein Telegramm, daß mein alter Onkel plötzlich gestorben ist."
„O, lieber Herr Reppenbach, das tut mir aber sehr leid. Und hat Ihr Onkel — ?"
„Nein, ich glaube nicht, daß er viel gelitten hat. Er ist nur kurze Zeit krank gewesen."
„Natürlich wird er nicht, lieber Herr Reppenbach. Aber ich wollte fragen, ob er —"
„Nein, Fräulein Starkheld, das ist es ja, was mich so schmerzt. Kein einziger Verwandter war zugegen. Sein Zustand verschlimmerte sich so plötzlich, daß keine Zeit mehr blieb, uns zu benachrichtigen."
„Das ist allerdings sehr traurig," sagte Frau- lein Starkheld mit einem Tone der Ungeduld in ihrer Stimme. Dann fügte sie plötzlich hinzu: „Und hat er Vermögen hinterlassen?"
„O ja, ziemlich viel. Ungefähr eine Million."
„Und wer ist sein Erbe, lieber Herr Neppen- bach?" _
„Wer Erbe ist? Ich, selbstverständlrch. Wer könnte es sonst sein." t
Sie lieber, guter Mensch! Der Tod Ihres Onkels muß Ihnen schrecklich nahe gehen."
„Bemitleiden Sie mich wirklich, Fräulein Starkheld?" r „
„Aber aus tiefstem Herzen, Herr Reppenbach.
„Ihre Ablehnung meines aufrichtigen Antrages und dazu der Tod meines Onkels! Es war zuviel für mich. Ich bin ganz niedergebrochen."
Fräulein Starkheld-trat einen Schritt näher, legte ihren rechten Arm auf seine Schulter und sagte nach einer Pause mit leiser Stimme:
„Und — und — wenn ich nun — Ihren Antrag annähme, mein Lieber, würde Sie das dann wirklich glücklich — sehr glücklich machen?"
„O, Fräulein Klara! Ich würde der glücklichste Mensch auf der weiten Erde sein. Mem Onkel war ja ein eingefleischter Junggeselle und Weiberfeind, und er hat mir fein Vermögen nur unter der Bedingung vermacht, daß ich niemals heirate. Ich wollte Ihnen nun heute die Tiefe meiner Neigung zeigen und Ihnen sagen, daß ich um Ihrer Liebe willen auf feinen elenden Mammon verzichte und Sie, seinem Testament zum Trotz, heiraten würde. Sie wollen also wirklich die Meine werden?" ,
Es dauerte einige Zeit, bevor Fräulem Starkheld antwortete, und ihre Stimme klang dabei wesentlich schärfer, als vorhin:
„Wie ich Ihnen fchon sagte, Herr Reppenbach, ich schätze Sie außerordentlich hoch, viel zu hoch, um Ihnen zumuten zu können, mir zu Lrebe em solches Opfer zu bringen. Aber ich fühle auch mehr als je, daß meinen Gefühlen für Sie etwas abgeht, daß es nicht die richtige, wahre Liebe ist, die ein junges Mädchen für den Mann ihrer Wahl haben soll. Und darum, Herr Reppenbach, noch einmal! Es muß ein Lebewohl sein, em Lebe- wohl — für immer." _____
«ä ylllnA^Y
Nklgdbin gelbe »mb UM U WF MM W. U
Ä«»SrttlM.sops-.
vrrentwortNchrr W
rchriltleiter-.Zsi.vamn
t wochenbeiiag.: „Illustrierte Sonntagszeitung
Xnieigent vtt et» spaitige petiheil« ob« deren Kaum <5 Pf«. Reklamen die petitzeiS - 25 psg.r bei Wieben Holungen wirb entspr Rabatt gewShrt.
Druck unb Verlag bas Suldaer Aetienbruckerek in Sulba (Harmonie) Sernsprecher M. 9=
Fortwährend
nehme» alle Postaustalte», Lauddrief- dote», Zeit«»gSträger *ub «usere «xpe- bitten (Harmonie)
Seßtllmzei »f d« 3. Seertei 1905 der,F»ldaer Zeitang« z»m Preise den 1 Mark 50 Pfg. (ohne Bestellgeld *n> Bringerlohn) entgegen.
Mir schon mitgrtrttt, werden rott in allernächster Zeit — jedenfalls noch im Zaus» des Monate» Inti — das Format der.Fuldaer Ztg/
Eine ttebesprobr.
„Also alles ist vergebens, Fräulein Starkheld und es bleibt mir nicht die geringste Hoffnung? fragte der junge Herr Reppenbach.
Nein Herr Reppenbach , gab die hübsche junge Dame zur Antwort. „Ich fürchte, es bleibt
klterarliches.
Katholische Hausbibel. Von Dr. Jakob Ecker, Professor der Exegese A. T. und der hebräischen Sprache am Priesterseminar zu Trier. Trier, Paulinus-Druckerei, G. m. b. H. _ 1. Handausgabe in Oktav und kleiner Schrift
Preis der drei Bände gebunden in Leinwand 6,60 Mk.
2. Große Volksausgabe in Lex.-Oktav und großer Schrift. Preis der drei Bände gebunden in Halbleder 11,40 Mk.
3. Große Prachtausgabe auf feinem holzfreiem Papier mit roter Randeinfassuug in Lex.- Oktav und großer Schrift. Preis der drei elegant in Gauzleinwandband gebundenen und mit Goldpressung versehenen Bände 22,50 Mk.
Der rühmlichst bekannte Trierer Exeget Dr. Ecker bietet hier dem deutschen katholischen Volke eine Haus- und Familienbibel, die in jeder^Werse einzig in ihrer Art dasteht und hoffentlich bald in allen katholischen Familien deutscher Zunge den Ehrenplatz sich erobern wird und zum Lieblingsbuche eines jeden deutschen Katholiken wird. Jedermann, welchem Stande er auch angehort, mag nur getrost zugreifen. Er wird bald m dem Buche einen treuen Freund, schützenden Begleiter und liebevollen Tröster finden. Die Einleitung der Bibel in drei Bände erleichtert sehr dre An- schaffung und auch die gleichzeitige Benutzung seitens mehrerer Familienmitglieder. Eine bessere Empfehlung dieses „alten, längsterprobten Gottesboten — nur in neuem Kleide" — können wir Wohl kaum geben als durch die Erwähnung der Tatsache, daß 2 Kardinale, 2 Erzbischöfe und 22 deutsche Bischöfe diese Ausgabe des wertvollsten aller Bücher aufs wärmste empfohlen haben und ihr die weiteste Verbreitung wünschen. Mögen recht viele sich das Buch aller Bücher an- schaffen, um hier „trMen zu können an den Bächen lebendigen Wassers, die ins ewige Leben hinüberströmen." _ -
n statuta maioris ecclesiae Fnldensis. I. Teil der .Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei
Actiendruckerei. L u. 118 e>- M. 3.
[] rokalgeschlchtNtze 8-ischiagen in 6er vlözejr 8»l6a.,
„Einen wesentlichen Anteil an den heute besonders intensiven Bemühungen um die Studien lokalgeschichtlicher Art hat der Klerus. In den Veröffentlichungen der zahlreichen historischen Vereine Deutschlands begegnen wir vielen Arbeiten tüchtigster Detailforschung, die aus der Feder geistlicher Autoren geflossen sind. Bieten diese der Geschichtsforschung wertvolles Material, so wollen andere mehr der Heimatkunde im neuesten Sinne dienen und dem Volke Kenntnis seiner Vergangenheit und Liebe zu der Väter Art und Erbe beibringen. Die „Deutschen Gaue" des unermüdlichen und populär wirkenden Kuraten Frank in Kaufbeuren haben manchen Pfarrer zur Erforschung seiner Pfarr- und Dorfgeschichte angeregt und die Ergebnisse in billigen volkstümlich geschriebenen Ortschroniken herausgebracht. Daß von hier aus, d. h. von der liebevollen Darstellung der heimatlichen Vergangenheit, der Geschichtsunterricht der Schule ausgehen soll, wird allmählich auch erkannt oder wenigstens geahnt. Freilich ist eine solche Darstellung viel schwerer als die Vermittlung des bisherigen Geschichtsstoffes in der Schule. Jener Stoff muß eben vielfach erst gewonnen werden.
Es liegen mir drei Veröffentlichungen vor, die in streng wissenschaftlicher Methode die Ergebnisse archivalischer Forschung über kirchengeschichtliche Fragen lokaler Natur darbieten. Die erste der von Professor G. Richter in Fulda herausgegebenen Arbeiten bringt: „Un gedruckte Quellen zur kirchl. Rechts- undVerfassungsgeschichtederBene- diktinerabtei Fulda"?) Den Texten der Aktenstücke, welche die wichtigen Entwicklungsstufen der Fuldaischen Kirchengeschichte von 1365 bis 1732 markieren, geht eine instruktive Einleit- ung voraus. Als Resultat der vorliegenden Ouellenpublikation wird angegeben: „Das Kloster Fulda, die altehrwürdige Stiftung des hl. Bonifatius im Herzen Deutschlands, hat nicht nur tm frühen Mittelalter dem hl. Stuhl und feiner innigen Verbindung mit demselben überaus viel zu verdanken gehabt, sondern auch wieder tn den neueren Jahrhunderten, seit der Periode der „Katholischen Restauration" nach dem Konzil von Trient. Der schöne Titel, mit dem die Abtei Fulda in einer Papsturkunde des XI. Jahrhunderts bezeichnet ist: „quodammodo specialis filia sanctae Roaianae Ecctes.ae in partibus illis , er hat bis zur letzten Zeit ihres Bestehens seine Bedeutung und seine Berechtigung behalten" (p. L.). Es bezieht sich das hauptsächlich auf die von Rom aus veranlaßten Visitationen, über deren Ergebnis Richter sagt: „Daß aber nun" (nach längerer Mißachtung des Ordensgeistes) „die Lage im Stift Fulda sich wieder so weit geändert hatte, ... das war wesentlich ein Verdienst der verschiedenen päpstlichen Nuntien, die im Namen und Auftrag des Papstes die anfangs so schwierig scheinende Reform des Klosters Fulda nach und nach, mit Klugheit und Beharrlichkeit, doch zustande gebracht hatten" (p. L.).
Eine Ergänzung der Statuta bringt die nächste Arbeit Richters: „Die adeligen Kapitu-
laredesStiftesFulda seit der Visitation der Abtei durch den päpstlichen Nuntius Petrus Aloysius Carafa (1627—1802)?) Der einleitende und abschließende Text gibt gute Einblicke in die besonders gearteten Verwaltungsverhältnisse der gefürsteten Abtei, es läßt sich daraus auch erkennen, wie viel Arbeit die Erhebung des Kapitularenverzeichnisses gekostet hat.
Einen sehr dankenswerten „Beitrag zur Geschichte der katholischen Diaspora in Thüringen" bietet Richter mit seinen teilweise ganz neuen Mitteilungen über den ersten katholischen Pfarrer in Jena, den französischen Emigranten Gab tieI Henry?) Jena hat^'w bei uns Katholiken einen schlechteren Ruf, als es verdient. Immerhin ist es Fanatikern wie Thümmel gegenüber, wenn auch nicht erfolgreich, so doch heilsam, darauf hinzuweisen, was Jena in schweren Zeiten einem katholischen Priester verdankte. Henry hat nämlich durch sein Eintreten bei Napoleon der Stadt bedeutende finanzielle Vorteile verschafft.
Wir zeigten diese Arbeiten Richters hier an, weil sie allgemeine wissenschaftliche Bedeutung haben. Doppeltes Interesse verdienen sie dort, wo sie gewachsen sind. Mögen sie die Liebe und Freude zur schönsten Nebenbeschäftigung, die wir für einen Seelsorgsgeistlichen denken können, zum Eindringen in die Vergangenheit seiner Heimat, seiner Diözese wecken und nähren!"
Soweit das „Regensburger Korrespondenz- und Offertenblatt".
In den letzten Tagen hat diese lokalgeschichtliche Forschung in unserer Diözese wiederum reiche Fundgruben erhalten in der aus Anlaß der Bonifatius-Jubelfeier im Verlag der Fuldaer Actiendruckerei erschienenen F e st g a b e?) Die in dieser Festgabe behandelten Gegenstände sind nicht nur der erhabenen Festfeier durchaus angemessen, sondern es sind ebenso dankenswerte Arbeiten, die wertvolles Material für unsere ruhmreiche Lokalgeschichte liefern.
Der Verfasser des ersten Beitrages, Herr Professor Dr. Richter in Fulda, widmete seine eingehenden historischen Studien der a l t e n Grabes- kirche des hl. Bonifatius als der Mutterkirche *be§ gesamten christlichen Deutschland.
Die ganze Abhandlung umfaßt 76 Quartseiten. 30 Seiten beschäftigen sich mit der von 791 bis 819 erbauten „Basil i-k a R a t g a r s" bezw. mit den Nachrichten über dieselbe aus karolingischer Zeit, 7 Seiten mit den weiteren Schicksalen der Grabeskirche des hl. Bonifatius im Mittelalter, 34 Seiten mit der „Stiftskirche zu Fulda im XVI. und XVII. Jahrhundert." In einer Einleitung wird kurz rekapituliert, was der Verfasser früher in seiner Schrift'„Die ersten Anfänge der Bau- und Kunsttätigkeit des Klosters'Fulda" über den ersten, noch von Bonifatius felbst begonnenen Kirchenbau des Klosters näher ausgeführt hatte. Die einzige bisher gedruckte Monographie über den „Dom zu Fulda", die im Jubiläumsjahr 1855 erschien, behandelte den ganzen Zeitraum vom achten bis zum Anfang des achtzehnten Jahrhunderts auf ungefähr 10 Oktavseiten! , , ,
Speziell die so interessante gleichzeitige poetische Beschreibung der Einweihung der k a r o- lingischen Basilika am 1. November 819 und die von Hrabanus Maurus für deren Altäre verfaßten metrischen Inschriften verdienten es, in solchem Zusammenhang einmal weiteren Kreisen dargeboten zu werden. Auch allgemeinere Fragen, wie die nach dem Zusammenhang dieses Kirchenbaues mit den Bestrebungen der sogen, karolingischen Renaissance, werden im erstenKapitel erörtert Endlich erfährt man, welche Stellung jenes frühmittelalterliche Bauwerk in der neueren kunstgeschichtlichen Literatur einnimmt.
Für die Zeit voui Beginn der ottomschen Periode bis zum Ende des Mittelalters sind die Ouellennachrichten über die Grabeskirche des hl. Bonifatius nicht so gut und ausführlich, tote für die karolingische Epoche. Man findet dieselben tm zweiten Kapitel zusammengestellt. Es handelt sich hauptsächlich um einige Brände, von denen die Kirche im Mittelalter heimgesucht wurde.
Aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert haben sich noch einige Abbildungen der Fuldaer Stiftskirche erhalten, die uns zuverlässiger als schriftliche Quellen über das Alter des am Anfang des XVIII. Jahrhunderts niedergelegten Baues informieren. Diese Abbildungen sind in der vorliegenden Abhandlung genau wiedergegeben. Eine kritische Betrachtung und ausführliche Erläuterung jener verschiedenen Abbildungen bietet das dritte Kapitel, in dem auch ans ganz ber-
i) Die adeligen Kapitulare des Stifts Fulda seit der Visitation der Abtei durch den päpstlichen Nuntius Petrus Aloysius Carafa <1627-1802 . Separatabdruck aus .Fuldaer Geschichtsblätter'. III. Jahrgang <1904 , Nr. 5—7. Fulda 1904. 42 S. 80 Pf.
’) Der französische Emigrant Gabriel Henry und die Entstehung der kathol. Pfarrei Jena-Wetmar 1795 bis 1815 . Separatabdruck aus ,Fuldaer Geschtchts- blätter III. Jahrg. (1904) Nr. 5—7. Fulda 1904. 33 S. 60 Pf.
’, Festgabe zum Bonifatius-Jubiläum 1905: I. Beiträge zur Geschichte der Grabeskirche des hl. Bonifatius zu Fulda. Von Dr. Gregor Richter, Dom- präbendat und Professor am Priesterseminar. Mit einer Lichtdrucktafel und 7 Abbildungen LXXVI und 4 S. — II. Die Codices Bonifatiaui in der Landesbibliothek zu Fulda. Von vr. Karl Scherer, Bibliothekar der Landesbibliothek. Mit 3 Lichtdrucktafeln und 6 Abbildungen 37 und IV S. Preis 3 Mk.
sodaß »tn,»lne besonders wichtige Dor- ginge eine ausführlichere Dehandlung erfahren können. Endlich ist durch Anschaffung von neuen Maschinen (Zeh- und Kotationsdruckmaschiue) Vorsorge für eine schnellere Herstellung der Zeitung getroffen, so daß
die Zustellung der Ztg. insbesondere in der Stadt früher ats bisher erfolgen wird.
«e» hiuzutreteude «bouueute» er- halte« die Zeitung vom Tage der Be- ßtell««g ab biS Ende Jarri gratis.
fchiedenartigen, meist ungedruckten und für diesen Zweck bisher wenig oder garnidjt benutzten Quellen (alten Handschriften^ und Urkunden des Marburger Staatsarchivs) zusammengestellt ist, was sich über das Innere der Stiftskirche in dieser und in der vorhergehenden Zeit (seit dem Ende der karolingischen Periode) sagen läßt. Be- ondere Beachtung verdienen die Ausführungen über dasGrabdeshl. Bonifatiusselbst und die ganz neuen urkundlichen Nachweife betreffs der auch im jetzigen Dom wieder aufgestell- MStatueKarlsd.Gr. Eine höchst instruktive Rekonstruktion des G r u n d r i s s e s der ehemaligen Basilika und eine Vergleichung derselben mit dem jetzigen Dome (mit Hervorhebung der beibehaltenen Teile) bilden den Schluß dieses Kapitels.
Eine Beilage schildert die jährliche Feier des Bonifatiusfestes in der StiftskirchezuFuldaum 1615. Dieselbe ist dem aus diesem Jahre stammenden Chorregister des Benediktinerpaters Drisch entnommen.
Die wiederholte Erwähnung der Osanna- gl o ck e in diesem alten Texte gab dem Verfasser Veranlassung, am 5. Juni, am eigentlichen Jubiläumstage, noch ein wehmütiges Nachwort über den Untergang dieser altehrwürdigen „Königin der Domglocken" beizufügen, der in der ersten Stunde dieses 1150. Todestages des hl. Bonifatius erfolgt war.
In Bezug auf den z w e i t e n B e i t r a g, den der Bibliothekar der Landesbibliothek zu Fulda, Herr Dr. Scherer, lieferte, bemerkt der Verfasser bescheiden: „Meine Skizze wendet sich nicht an die Fachgelehrten, sondern an die weiteren Kreise der Gebildeten, die Interesse am Gegenstände nehmen: bedeutet sie einen auch nur kleinen Fortschritt zu wahrer Erkenntnis, so ist ihr Zweck erreicht." In Wirklichkeit sind die hier niedergelegten Forschungsergebnisse in Bezug auf jeden der 3 Codices sehr bedeutende. Seit Schannat, also seit fast zwei Jahrhunderten, ist diesen so außerordentlich ehrwürdigen und wichtigen Schriftdenkmalen in ihrer Gesamtheit niemals eine so eindringende und liebevolle Behandlung zuteil geworden. Gerade die Fachgelehrten, auf welchem Gebiete sie es auch sein mögen, werden dem Verfasser besonderen Dank wissen, daß er die kostbarsten der ihm anvertrauten Bücher hier so sorgfältig beschrieben und ihrer Geschichte so emsig nachgespürt hat. Daß dabei die Art der Darstellung dem Verständnis weiterer Kreise der Gebildeten angepatzt wurde, wird das Interesse am Gegenstände in diesen Kreisen erst recht lebendig machen.
Ehe von den einzelnen Büchern die Rede ist, wird an der Hand der alten Bonifatiusbiogra- phien gezeigt, welche Rolle die Bücher in der Martyriumsgeschichte des Heiligen überhaupt spielen, dann wird in grohen Zügen die Fuldaer Ueberlieferung bezüglich jener drei Codices zusammengestellt, es werden die wissenschaftlichen Fragen formuliert, die sich seit dem Anfang des XVII. Jahrhunderts an die Bonifatiani knüpfen, und und die so verschieden lautenden Antworten Browers und Schannats besprochen, auch die Bemühungen der Späteren um unsere Codices kurz gewürdigt. ...... T .,
■ Die von Scherer für dre einzelnen Handschrtf- ten geprägten Bezeichnungen „Victor-Codex", „Ragyntrudis-Codex" und „Cadmug-Evangeliar" werden jedenfalls in Zukunft zu allgemeiner Annahme gelangen und zu bequemerer Unterscheidung dienen. Erstere Handschrift, bisher den Exe- geten als Codex Fuldensis schlechthin bekannt, wurde bereits 1868 von E. Ranke musterhaft ediert. Die Ranke'sche Prolegomena werden jedoch durch Sch. in sehr wesentlichen Punkten ergänzt und berichtigt, namentlich nach der paläographi- schen Seite hin. Am meisten werden »aber durch die vorliegende Publikation unsere Kenntnisse über den Ragyntrudis-Codex gefördert. Sch. hält es für durchaus wahrfcheinlich, daß Bomfatms im Augenblick des Todes dieses Buch bei sich trug. Einband, Buchschmuck, Schrift, Provenienz, Verwandtschaft mit anderen Codices werden auf das eingehendste erörtert. Ebenso sorgfältig, wenn auch nicht fo ausführlich, ist das Cadmng-Evan- geliar behandelt. Mehrere Abbildungen tm Text geben die früher viel zu wenig beachteten Einbände wieder, drei Lichtdrucktafeln am Schlüsse bieten zweckmäßig ausgewählte Schriftproben aus den sämtlichen drei Handschriften.
Der Verlag hat für eine gediegene, geschmackvolle Ausstattung der ganzen Festgabe,-dte neben 11 Textbildern noch »4 Lichtdrucktafeln enthalt, bestens Sorge getragen. Der Preis (3 Mk.) ist außerordentlich mäßig.
i) Eine dieser alten Handschriften, ein Processionale aus dem XV. Jahrhundert, das die bei den Umgängen durch die Stiftskirche ehemals gebräuchlichen liturgischen Gesangestexte enthält, befindet sich jetzt in der National- bibliothek zu Paris. Der Verfasier spricht davon Sette LXX; eine beigegebene Lichtdrucktafel veranschaulicht die Art der Miniaturmalerei, mit der diese Handschrift auf das reichste geschmückt ist.